Ernst Heinrich Bethge
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Otto Nagel (1894-1967):
Porträt Ernst Heinrich Bethge

Ausschnitt, Öl auf Leinwand, 1934

Standort: Museum Naumburg
(siehe Quellenangabe)

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Ernst Heinrich Bethge

"Für Schule und Film hatte er eine ungewöhnliche literarische Tätigkeit entwickelt. Die meisten Lehrer kannten seinen Namen." "Schüler, die das Glück hatten, durch seine Hände zu gehen, hegten eine schwärmerische Verehrung für ihn." So würdigt 1946 der langjährige Landesvorsitzende der SPD Württemberg und ehemalige Reichstagsabgeordnete Erich Rossmann in Ein Leben für Sozialismus und Demokratie (1946) das Leben und Wirken von Ernst Heinrich Bethge.

 

Lehr- und Studienjahre

Als jüngster von vier Brüdern wird Ernst Heinrich Bethge am 12. Oktober 1878 in Buckau, einem Vorort von Magdeburg, geboren. Vater August arbeitet als Modelltischler in einer Fabrik. Die Mutter ist als Hausfrau darauf bedacht, den bescheidenen Wohlstand der Familie zu erhalten. Die Familie lebte in konsolidierten Verhältnissen und hielt den Anspruch des Bildungsbürgertums hoch, regte das musische und dichterische Interesse der Kinder an. Sohn Ernst besucht die Bürgerschule des Ortes. Ab September 1895 studiert er an der Präparandenanstalt und Schullehrerseminar in Osterburg in der Altmark. Vom 27. September 1899 datiert seine erste Lehrerprüfung. Die Zweite legt er vom 24. bis 28. November 1902 vor der Königlichen Prüfungs-Kommisson des Seminar-Kollegium in Osterburg ab. Sie ebnet den Weg zur endgültigen Anstellung. Zum Umgang am Lehrerseminar gehören Drill und Schikane, die ihm das Leben schwer machen und lange in Erinnerung bleiben. Unter den erlittenen Demütigungen kommen Selbstmordabsichten auf. (Vgl. Weinkauff 9) Aus den Entbehrungen und existentiellen Grenzerlebnisse bildet sich später der Wille zu Reformen, sein Motiv anderen Menschen helfen zu wollen.

Im Magdeburger Vorort Rothensee sucht man einen Volksschullehrer. Es wird seine erste Stelle. Aus dieser Zeit sind erste künstlerische Aktivitäten bekannt. Er lernt den Kapellmeister am Magdeburger Theater Albert Mattausch kennen.


Naumburg

Die Marienschule (2004), 1890 eingeweiht. Erster Arbeitsort von Ernst Heinrich Bethge in Naumburg (Saale).

Seit 1905 bemüht sich der Junglehrer um eine Stelle in Naumburg. Hier besuchen etwa 2 200 Kinder die Volksschule. Von 15 000 im Jahr 1870 stieg die Einwohnerzahl auf 25 000 im Jahr 1905. Zum Oktober 1906 genehmigt man seine Versetzung als Unterstufenlehrer an die Marienschule in Naumburg. Sie war 1890 fertiggestellt worden. Von den Schulverhältnissen ist der Neulehrer beeindruckt. Verständlich, denn sie durchlief in den letzten fünfzehn Jahren eine imposante bauliche Modernisierung.

Im selben Jahr heiratet Ernst Heinrich Bethge am 4. Juni die aus gutbürgerlichen Verhältnissen stammende Kaufmannstochter Anne Katharine Förster, geboren 23. Mai 1885. Bis 1923 wohnen sie in der Bürgergartenstraße (-promenade) 9.

Die Stadt leidet unter der Urbanisierung. Es steigen die Preise für den Baugrund und es gibt zu wenig bezahlbare kleinere Wohnungen. Emil Kraatz 1914 berichtet in Aus dem Leben eines Bürgermeisters von Odachlosen. In den zurückliegenden Jahren entstanden in der Stadt viele Kasernen: 1900 die Barbara-Kaserne und Kadettenanstalt, 1901 das Proviantamt, 1904 die Neue Jägerkaserne und 1908 das Jäger-Kasino. Am 25. Oktober 1906 fährt die Dampfstraßenbahn das letzte Mal. Anfang Januar 1907 geht es dann elektrisch weiter. Mit ihr beginnt die Elektrifizierung der Stadt.

Höhere Bürgerschule, eingeführt 1898. Ab 1905 nutzt sie das gesamte Haus. Ab 1917 Mittelschule, Schulstrasse

Schüler und Lehrer feiern am 2. September das Sedan-Fest und am 27. Januar Kaisers Geburtstag. Mit der Erziehungs zur Kaiser-Treue, nationalistischen Patriotismus und Vaterlandsliebe hat er keine Schwierigkeiten. Darin unterscheidet er sich nicht von seinen Kollegen.

Schon seit eh und je gilt die Stadt als rechts-konservativ eingestellt. Ob des Verrats der Militärs im Kapp-Putsch (1920), der Sabotagetätigkeit von Georg Wilhelm Schiele an der Republik und Verfolgung der Anti-Kapp-Kämpfer durch die Naumburger Gerichte, prägt der Volksbote aus Zeitz das geflügelte Wort von Kapp-Stadt.

Als Bethge nach Naumburg kommt, regiert Emil Kraatz die Stadt als Erster Bürgermeister und bekämpft die Sozialdemokraten, wo er nur kann. Es war zu den Reichstagswahlen 1903, als die SPD überall Versammlungen organisierte. "Naumburg hatte den Genossen Bebel zu einer Versammlung gebeten und bemühte sich um die Reichskrone. Der Wirt erklärte, durch Vertrag gehindert zu sein, den Sozialdemokraten den Saal zu überlassen. Die Reichskrone war städtischer Besitz. Unsre Genossen Schüler und Weisheit wurden beim Oberbürgermeister Kraatzsch [richtig: Kraatz] vorstellig, erhielten aber auch von ihm die Antwort: "Sozialdemokraten erhalten das Lokal nicht. Na also, Kappstadt!!". (Leopoldt 1931, 209)

Karl Hemprich
(geboren 1867)

Wohnort 1912: Naumburg, Wilhelm Wagner Strasse 8 e

Fotograf: Kurt Hege, Naumburg a.S. 1927*

Ernst Heinrich Bethge setzt seine Lehrerausbildung fort und erhält zum 1. April 1912 vom Magistrat der Stadt Naumburg eine Anstellung an der Höheren Bürgerschule für Jungen, die sich damals in der Schulstrasse befand. Ab 1917 heisst sie Mittelschule. Er freundet sich mit dem vier Jahre älteren Friedrich Blüthgen an, der damals als Lehrer in Freyburg tätig ist und 1910 an die Volksschule nach Naumburg wechselt. 1933 erhält Blüthgen Berufsverbot. Nach der Niederlage des Hitlerfaschismus ist er für drei Jahre als Direktor der Salztorschule tätig.

Zu seinen Freunden zählen weiter der Lehrer Karl Hemprich, gebürtig aus Barneberg, 40 Kilometer westlich von Magdeburg, seit 1899 Lehrer an der Volksschule Freyburg (Unstrut), dann ab 1908 Rektor der Knabenvolksschule (Georgenschule) in Naumburg (Saale). Vater Hemprich entfaltet auf dem Gebiet der Jugendpflege viel Talent. Bethge ist beeindruckt von seinem innovativen Geist und dem Gestus des ethischen Sozialismus. Winke zur Gründung und Leitung von Jugendvereinigungen (1906) und Die Organisation der Jugendpflege (1918) machen ihn in der Region Merseburg-Naumburg-Weissenfels-Zeitz und darüber hinaus bekannt. "Ich durfte", schreibt er 1938, "in den letzten drei Jahren bis heute 137 Gemeinden mit meinen Vorträgen und Bibelstunden dienen." Er half, "Luthers Schriften wirklich zu lesen und immer wieder zu lesen" (Hemprich 1938).

Vom 15. bis 19. Juli 1928 findet im Obstgut Steinmeister bei Naumburg (Saale) im Vater-Hemprich Haus mit Lehrern, Vertretern aus Sozial- und Jugendverbänden sowie Vereinen ein Wanderführerlehrgang statt. Das Haus war erst am 26. Juni 1927 eingeweiht worden. Den Lehrgang bereitet Hemprich als Bezirksjugendpfleger von Merseburg sorgfältig vor. Zur Schulung referiert er über Mein Leben soll eine Wanderschaft werden. Als Referenten treten aus Naumburg auf: Fotograf Kurt Hege, Doktor med. Ehrhardt (Schönburger Strasse), Mittelschullehrer Klemm (Wilhelmplatz), Stadtbibliothekar und Lehrer Hoppe (Raschstrasse).

 

 

Vater Hemprich Haus, Steinmeister bei Naumburg (Saale). Jugenderholungsheim und Jugendherberge. Inzwischen wurde das Haus abgerissen.*

 

1914

"Über alle singende Scharen von Militär und Zivil", erinnert sich 1926 der Naumburger Lehrer und Chronist Friedrich Hoppe an den Beginn des Kriegs. Freudig ziehen Tausende in die Schlacht. Lehrer Bethge dient als Sanitäter beim Landsturm und verfasst - man staune - viele Theaterstücke. Zwischen 1911 und 1919 über neunzig an der Zahl.

Er ist Herausgeber der Jungwehrbühne und Jugendvereinsbühne. Alles etwas rätselhaft. An der Front kann er nicht gewesen sein. Die Stücke strotzen voll Empathie für Heldentum und Kaisertreue. Alles durchzogen von einem konservativ-militärischen Duktus. Seid ihr alle da? Kasperle Feldgrau, erscheint 1918. Kasperle ist hier eine lustige Figur in feldgrauer Uniformierung, ein Rekrut, der ins Feld rückt, und seine Abenteuer im Schützengraben, auf Patrouille und im Hauptquartier erlebt. Kämpft er heldenhaft gibt es zur Belohnung Heimaturlaub. Er überlebt und am Kriegsende tritt er nochmals in Zivil auf. (Vgl. Zechner)

Er veröffentlicht unter anderen Ein Vortragsbuch für Krieg-Feierstunden und Volksabende, das den deutschen Kriegszwecken und dem Sieg verpflichtet ist. Es umfasst 171 Seiten und enthält am Ende Liedertexte mit Noten. Ein Gedicht von ihm heisst:

Ihr Russen, Ihr Franzosen

Ihr Russen, ihr Franzosen, zieht nicht in den Krieg; /
den Deutschen nie raubet Ihr Ehr und Sieg. / U
nd stürmt ihr von Osten und Westen mit rie- / sigen Gewalten, wir fürchten uns nie.
….
O England, ach England, wir kennen dein Spiel! / Wir waren geduldig, jetzt sind wir am Ziel. / Jetzt sollst du erfahren, du elendes Krä- / merpack, wie`s tut, wenn wir erst in der Näh.
….
[Vortragsbuch 95 ]

"Er verbreitet seine im Geist der nationalen Aufbruchstimmung von 1914 verfassten literarischen Durchhalteparolen buchstäblich bis zum bitteren Ende", beobachtet Gina Weinkauff (11). "... weder der Steckrübenwinter von 1916 noch das bisher unvorstellbare Massensterben in den großen Materialschlachten konnten ihn offensichtlich davon abbringen".

Derweil verläuft das tägliche Leben ganz anders, als es Ernst Heinrich in einer Reihe von Kriegsvortragsbüchern zur Inszenierung an der Heimatfront darstellt: Heimkehr der Verwundeten und Krüppel, Elend in den Lazaretten, Trauer über die Toten, Leid in den Familien, Hunger.

 

Schulreformen

Ende 1918 trudelt Deutschland in eine tiefe Staats- und Gesellschaftskrise. Das Leben erzwingt neue Anschauungen. Ein neues Parteiensystem entsteht. Ernst Heinrich Bethge leitet das Wendemanöver vom kaisertreuen Volksschullehrer zum reformfreudigen linksorientierten Schulreformer ein. Ina Weinkauff nennt es eine "ideologische Kehrtwendung". "Salopp gesagt versteht sich Bethge wohl als ein national-politischer Realo, der bereit ist, die neuen Verhältnisse sozusagen als Geschäftsgrundlage zu akzeptieren." (Weinkauff 12)

Hotel Schwarzes Roß (vor 1945),
Große Wenzelsstraße 21

Unter den wilhelminisch erzogenen Lehrern macht sich eine spürbare Unsicherheit breit. Schulpolitisch aber eine aufregende Zeit. Am Abend des 16. November 1918 treffen sich die Lehrer, Pädagogen und Erzieher im Schwarzen Roß. Der Saal vermag die Massen kaum zu fassen. Mittelschullehrer Bethge eröffnet die Versammlung. Unter seiner Leitung, mit mit aktiver Beteiligung von Studienrat Flemming und Direktor Hugo Fischer vom Realgymnasium gründet sich der Naumburger Lehrerrat, der prompt erklärt:

"Der Lehrerrat ist die Vertretung der gesamten Lehrerschaft von Naumburg und Umgebung. Er stellt sich dem Arbeiter- und Soldatenrat für Fragen der Volksbildung zur Verfügung. Seine Forderungen: Einführung des allgemeinen und freien Wahlrechts, die politische Gleichstellung der Frau und die Einführung der Volksschule."

Eine Forderung des Abends besteht in der Schaffung einer Volkshochschule, was allgemeine Zustimmung findet. Lehrer Bethge gehört zu den Gründungsmitgliedern des am 25. Februar 1919 konstituierten Dachverbandes der thüringischen Volksschulen, deren Mitglieder sich einer "metapolitischen Volksgemeinschaft" (Weinkauff 12) verpflichtet fühlen.

Der Arbeiter- und Soldatenrat steht dem Naumburger Lehrerrat freundlich gegenüber, räumt diesem aber keine Mitsprache ein. Was nichts bedeutet, weil er mit den Wahlen zur Nationalversammlung sowieso bald abgeschafft wird. Und außerdem gibt es in schulpolitischer Hinsicht einige zu bewältigen: Adolph Hoffmann übernimmt mit Konrad Haenisch im Spätherbst 1918 die Leitung des preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Nun jagt eine Reform die andere: Bereinigung der Schulbibliothek und Unterbindung konterrevolutionärer Propaganda, Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht (27. November 1918), Befreiung der Freidenker und Atheisten vom Schulgebet und Religionsunterricht (29. November 1918) und Verbot der in der Kaiserzeit eingeführten Lehrbücher (6. Dezember 1919). Man kann dies als Ent-Wilhelminisierung der Schulen bezeichnen.

 

Ehrenamtlicher Stadtrat

Am 19. September 1919 finden die ersten republikanischen Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung statt. Die SPD erhält mit ihren Spitzenkandidaten Schriftsetzer August Winkler und Tischler Gustav Flöh 22,3 Prozent. Die USPD mit Buchhändler Paul Heese und Maler Leopold Heinrich sammeln 11,1 Prozent der Stimmen ein. Das Wahlbündnis von DNVP und DDP erreicht 44,4 Prozent. Dies charakterisiert in etwa das Kräfteverhältnis der Parteien in Naumburg bis 1933. Die deutschnationale Wählerschaft ist in Naumburg viermal so groß wie im Reichsdurchschnitt, was den Streit um den Kirchgang (1922) und der Kladderadatsch-Affäre (1923) - siehe unten - seine besondere politische Note verleiht.

Bethge wird für die SPD ehrenamtlicher Stadtrat.

 

Notgeld (1921)

Walter Hege (1893-1955) erinnert sich:

"Mein Mäzen, der Lehrer Bethge, verschaffte mir sogar einen Auftrag für den Naumburger Kunstverein. Es entstand eine Serie, Naumburger historische Tore und Türen, sowie eine Serie alte Höfe". (Hege)

Der Krieg und seine Folgen ziehen das ganze Land und die Stadt an der Saale in eine Wirtschaftskrise. Zur Konsolidierung des Haushalts drucken viele Kommunen so genanntes Künstlernotgeld. Ernst Heinrich Bethge bringt als Stadtrat Kunstgewerbeschnitte ins Spiel, die seinerzeit Walter Hege - an der Kunstgewerbeschule Dresden - zusammen mit seinem Freund Heinz Kinder für Bethges Aufführung Die Hussiten von Naumburg im März 1920 in Hellerau angefertigte hatte. Nun verkauft Bethge diese an die Stadt. Und die zahlt prompt und gut - für zwölf Scherenschnitte 10 000 Mark. Am 14. Mai 1921 wird das neue Notgeld im Naumburger Tageblatt angekündigt. Am Geldumlauf, noch mehr wenn die niedlichen Papierscheinchen zu Hause aus Freude am Sammeln gehortet werden, verdient die Stadt gut. Mit den erwirtschafteten Gewinnen modernisiert sie das Rathaus, dessen Umbau im Juli 1922 im Wesentlichen abgeschlossen ist.

In einer Stadtverordnetensitzung geraten die mit dem Notgeldvertrieb Beauftragten Artes, Bethge und Staude wegen „ungeheuren Verdienstes“ ins Gerede, was aber - zumindest offiziell - im Verlauf der Versammlung ausgeräumt werden kann.

 

Streit um den Kirchgang (1922)

Am 23. Mai 1922 bricht in der Stadtverordnetenversammlung eine Debatte los, an der sich die Geister scheiden. In Vorbereitung des Kirschfestes, das dann nicht stattfindet, steht die Frage, ob die Schulkinder vor dem Treffen in der Schule oder nach freiwilliger Entscheidung gemeinsam mit der Klasse und dem Lehrer in die Kirche gehen. Im Entwurf des Programms, welches Bethge vorlegt, soll es allein dem Kind anheim gestellt bleiben, dies vor dem Treffen in der Schule allein zu tun. Aber damit ist die bürgerliche Mehrheit im Stadtparlament überhaupt nicht einverstanden. Sie schließt sich vielmehr dem Vorschlag der Kirschfestdeputation an, der vorsieht, dass die Kinder gemeinsam nach dem Treffen an der Sammelstelle den Kirchgang vornehmen; daran teilzunehmen bleibt diesen aber, betonen sie, freigestellt. Es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen. Stadtverordneter Teichmann (SPD) betont, dass, wenn dieser Vorschlag nicht angenommen werde, die Fraktion unmöglich für das Kirschfest stimmen kann. Der Streit um den Kirchgang hat der politischen Reputation von Bethge in den konservativen Kreisen geschadet. Und mit seiner Kritik am Kirschfest machte er sich nicht nur Freunde.

 

Die Kladderadatsch-Affäre (1923)

Im Naumburger Tageblatt lesen die Bürger am 14. November 1922, dass die Stelle des verstorbenen Kreisschulrates Born an den Lehrer und Stadtrat Ernst Heinrich Bethge übertragen wird. Der Neue erwarb sich große Verdienste um die Schaffung und das Aufblühen der Schulen. Schon lange vor dem Kriege, erfährt man, tat er sich als Schriftsteller hervor und gehört seit der Novemberrevolution den Sozialdemokraten in leitender Stellung an.

Für seine außerschulische Bildungsarbeit erhält Bethge viel Anerkennung. Er leitet in Naumburg die Schulspeisung der Quäker. (Vgl. Weinkauff 41)

So patriotisch, wie sich Ernst Heinrich Bethge vor 1918 engagierte, setzt er sich jetzt als Stadtrat und Lehrer für die Ent-Wilheminisierung der Schulen ein. Dabei stößt er auf zähen Widerstand. Seine politischen Anschauungen sind aber alles andere als revolutionär. Wohl bejaht er die politischen Neuerungen, versteht sich aber als Schmied einer Volksgemeinschaft des Geistigen. Novemberrevolution und der verlorene Krieg sind seiner Ansicht nach die Folge mangelnder Bildung. Das ist keine sonderlich radikale Position, ermöglicht dafür aber den Dialog mit den bürgerlichen Parteien.

In der Stadtverordnetenversammlung am 29. Dezember 1919 tobt der Streit über die Entfernung von Kaiserbüsten aus dem Sitzungssaal. Buchhändler Paul Heese (1881-1920) von der USPD bringt hierzu den entsprechenden Antrag ein und wird dabei von der SPD-Fraktion unterstützt. Hingegen betont der Stadtverordnete Justizrat Ludwig Wallach für die Bügerlichen, dass "der alte Kaiser Wilhelm" "mehr für Deutschland getan hat als jeder der jetzt Lebenden". Mit der Frage der Republik oder Monarchie hat dies seiner Ansicht nach nichts zu tun.

Der ehemalige Vizekanzler des Deutschen Reiches Graf Arthur von Posadowsky-Wehner (1845-1932), seit 1907 Bürger der Stadt Naumburg (Saale), betrachtet die "Bilderstürmerei" als "kleinliche Massregel gegenüber einem gewaltigen geschichtlichen Ereignis" (1920, 91).

Bethge exponiert sich für die SPD, was ihm die Konservativen und Deutschnationalen nie verzeihen. Über die Bilderstürmerei fällt Naumburg in einen tiefen politischen Streit. Im nationalbürgerlichen Lager bleiben die Ressentiments ihm gegenüber während der gesamten Naumburger Zeit weiter bestehen. Es war dies nach Ina Weinkauff (14-15) ein persönlicher Antrieb für die Radikalisierung seiner linken Identität.

Nach der Novemberrevolution herrscht in der Stadt eine halbierte Stimmung: Aufbruch einerseits und Beharren andererseits. Wer sich bewegt, die soziale, geistige und institutionelle Entwicklung der Kommune vorantreiben will, gerät in Gefahr zwischen die Mühlsteine zu geraten. Friedrich Muck-Lamberty, obgleich anderer politischer Provenienz, droht ein ähnliches Schicksal wie Ernst Heinrich Bethge. Beide reagieren auf den Zusammenbruch des Kaiserreichs und die Revolution mit beachtlichen politischen und literarischen Aktivitäten. Und beide stoßen auf viel Unverständnis und Abwehr in der Stadt. Bethges Gegner kritisieren seinen Gesinnungswandel vom kaisertreuen Lehrer zum SPD-Reformer.

Gleich Sixtus Beckmesser, dem Stadtschreiber in Richard Wagners Oper Die Meistersinger von Nürnberg, der beim Meistersang pedantisch die Fehler auf einer Tafel registrierte, beobachten sie seinen Hang zu Neuerungen, etwa bei der Ent-Wilhelminisierung der Schulen. Sein demokratisches Engagement konfrontieren sie mit Zitaten wie:

"Was dürfte den Deutschen wichtiger sein,
als dass er seinen Kaiser kennt."

Natürlich, so stand es in seinem Buch Jung Deutschland, Dein Kaiser! von 1913. Im Naumburger Tageblatt vom 24. Februar 1920 seziert ein Sixtus Beckmesser unter der Überschrift Der Bilderstürmer den Bewusstseinswandel des Stadtrats. Anlass war der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion zur Entfernung der Kaiserbüsten aus dem Sitzungssaal der Stadtverordneten. Bethge entgegnet dem Kontrahenten:

"Es muss Ihnen doch selbst unangenehm sein, wenn Sie immer an die herrlichen Zeiten von früher erinnert werden."

Der antwortet in paradigmatischer Weise:

"Ach nein! Die Erinnerung an diese Zeiten ist uns nicht unangenehm, im Gegenteil. Sie erhält uns aufrecht. Jetzt erst, nachdem wir die Errungenschaften der Revolution täglich verspüren, wissen wir, was wir verloren haben."

Zu allem Überdruss erscheint zu Bethges Wandlung am 18. März 1923 in der Satire-Zeitschrift Kladderadatsch ein Gedicht.

Kladderadatsch, Nr. 11, Jahrgang 76, 18. März 1923

 

Damit gewinnt der Konflikt mit den Konservativen und Beckmessern überregionale Bedeutung. Bethge empfindet es als eine Form politischer Verfolgung.

 

Bethge, Dietrich und der Kapp-Putsch

Oft wurde die Kladderadatsch-Affäre als Ursache für das Zerwürfnis zwischen Bethge und der SPD angesehen. Wahrschlich ist sie eher eine Folge als die Ursache. Jedenfalls stehen die Genossen ihm nicht bei. Was sie ihm übel nahmen, ist nicht sicher überliefert. Vielleicht war es seine Freundschaft zu Walter Hege? Oder störten sie die Geschäfte mit dem Naumburger Inflationsgeld? Hierzu gab es in der Stadt Gerüchte, dass nicht alles einwandfrei gelaufen sei, die bis in die Stadtverordnetenversammlung vordringen. Bis heute sind die Ursachen für die Entfremdung zur SPD-Ortsgruppe ungeklärt. Möglicherweise sind sie in den Kapp-Putsch-Ereignissen zu suchen. Während selbst die gemässigten Genossen, namentlich Schriftsetzer August Winkler und Schriftsetzer Otto Teichmann am Montag, den 15. März in der Reichskrone mit den anderen vom Aktionsausschuss den Generalstreik ausrufen, setzt Ernst Heinrich Bethge auf die Versöhnung. "Schon immer hat er Streiks und soziale Auseinandersetzungen für tragische und bei guten Willen vermeidbare Ereignisse der Unvollkommenheit der Volksgemeinschaft angesehen." (Weinkauff 15) Die Haltung erlaubt keine angemessene politische Reaktion auf die Ereignisse am 13. März 1920 in Berlin.

Das politische Naumburg zerfällt in verschiedene politische Lager. Zu den Umstürzlern zählt Georg Schiele, den Kapp als Wirtschaftsminister nominiert. Ebenso unterstützen Max Jüttner und seine Einwohnerwehr den Putsch. Die Imponderabilisten mit Oberbürgermeister Arthur Dietrich an der Spitze halten sich alles offen. Zwar streben die Legalisten eine konservative Wende an, lehnen aber einen Putsch ab, weil sie darin einen unerlaubten Angriff auf die Verfassung sehen. Um den Aktionsausschuss Otto Grunert (SPD), August Winkler (SPD), Leopold Heinrich (USDP) und Franz Neubert (KPD) organisieren sich die Gegner des Kapp-Putsches. Bethge versucht die Unruhen zu glätten. Seine Sorge gilt der Sicherung der öffentlichen Ordnung. In Naumburg soll die Losung

Bethge wird Bürgermeister!

umgegangen sein. Aber auf den Wogen der Empörung mag er nicht in das Amt des Oberbürgermeisters getragen werden. Seine Loyalität gegenüber dem Oberbürgermeister Dietrich erwidert dieser beim Wechsel der Arbeitsstelle mit Hochachtung und Unterstützung. Seine Rolle in den Kapp-Tagen bewerten die SPD-Genossen sehr kritisch. Sonntag, am 14. März, gegen 3 Uhr nachmittags demonstrieren auf dem Kaiser-Friedrich-Platz (Heinrich-von-Stephan-Platz) überwiegend sozialistisch orientierte Bürger gegen Kapp. Die Vertreter der drei sozialistischen Parteien (SPD, USPD, KPD) halten Ansprachen. Sie bekennen sich zur Republik. Oberbürgermeister Dietrich ist nicht dabei. Eine öffentliche Erklärung gegen Kapp gibt er nicht ab, was die Republikaner beunruhigt.

Angesichts des Versagens von Arthur Dietrich am blutigen Dienstag, darf man zumindest die Frage stellen, ob Bethge hier nicht einem falschen Verständnis von Loyalität aufgesessen. Und das kann schon der entscheidende Punkt gewesen sein, warum die SPD-Naumburg zu ihm auf Distanz geht.

 

Nach der Ermordung von Matthias Erzberger am 26. August 1921 bei Bad Griesbach (Schwarzwald) veröffentlicht der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands den Aufruf:

Massen heraus! Auf zur Demonstration!

"Das Faschistenregiment der Hakenkreuzler und Stahlhelmleute muss ein Ende gemacht werden."

Volksstimme, Magdeburg 30. August 1921

Auf einer Protestkundgebung ruft Otto Grunert (SPD) vier Tage später den Teilnehmern auf dem Kaiser-Friedrich-Platz zu, in Naumburg sei "erzreaktionärer Boden". Und er denkt dabei vor allem an die Umstürzler um Georg Schiele, die Unterstützer um Max Jüttner und die Imponderabilisten um Arthur Dietrich in den Kapp-Tagen.

 

Jedenfalls positionierte sich Otto Grunert (SPD) zur Kundgebung am 30. August 1921 auf dem Kaiser-Friedrich-Platz erneut eindeutig, als er den Teilnehmern zurief, in Naumburg sei erzreaktionärer Boden.

 

 

Gerbermühlschule in Frankfurt am Main 1923-1926

"Lehrer Bethge in Naumburg," meldet die Stadtzeitung am 2. November 1923, " der bis 30. September das Kreisschulamt Weissenfels vertretungsweise verwaltete, ist vom Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung zum Volksschul-Rektor in Frankfurt a. M. ernannt. Er hat sein neues Amt bereits angetreten." (Ernennung) Der reformfreudige Lehrer setzt seine Tätigkeit an der Gerbermühlschule fort. Das erfolgt jetzt in enger Bindung an die sozialistische Arbeiterbewegung. In seiner Schule finden Werbeaktionen der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) statt. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die Real- und Arbeitsschule. Er begreift seine Rolle als Lehrer nicht allein als Wissensvermittler. Auf Wanderungen und Spaziergängen führt er viele Gespräche mit seinen Schülern. Zusammen singen sie Hermann Claudius Wann wir schreiten Seit an Seit oder Brüder zur Sonne zur Freiheit. Der Pflicht zur Durchführung des Religionsunterrichts kommt er nicht nach. Das Verhältnis zum hiesigen evangelischen Gemeindepfarrer, ein Anhänger Hitlers, ist gespannt. Er verlässt Frankfurt und zieht nach Berlin.


Berlin 1926-1933: Reformer und Genosse Lobo Frank

Ehefrau Käthe zog nach Frankfurt nicht mit (ebenda 16). In Berlin sieht man sie dann wieder zusammen. Vielleicht steht es damit im Zusammenhang, dass ihr Ehemann sich mit dem Wechsel nach Berlin von seiner Frankfurter Freundin trennt. Aber sie wird von den Freunden nicht angenommen, weil sie nicht dem sportlich-emanzipierten Weiblichkeitsideal der Zeit entspricht. Dazu gilt sie im alltäglichen Leben immer als etwas unselbstständig und hilflos. Den Wendungen ihres Ehemannes kann sie offenbar nicht folgen. Der lernt 1927 die fast 30 Jahre jüngere G. kennen. Sie absolviert gerade eine Ausbildung als Konzertsängerin. Er wohnt in einer eleganten Wohnung im Volksbühnenviertel. Sein Lebenswandel ändert sich. Ein ehemaliger Schüler bezeichnete ihn als Salonbolschewiken (Weinkauff 21).

Nun beginnt seine Maskerade (Weinkauff). 1926 erscheint im Verlag A. Hoffmann unter dem Pseudonym Lobo Frank seine erste Publikation. Weitere folgen, so das heitere Spiel Der Affe von Potsdam. Er produziert Märchenspiele, Komödien, Operetten, Lichtbildervorträge und bedient sich gern der Sprechchortexte. Nun kann ihn das rechts-konservative Lager ihr Eigen nennen und die Linke ihn mit unter seinem Pseudonym Lobo Frank veröffentlichten Schriften ebenso als den ihren ansehen (vgl. ebenda 2). Seine Publikationsliste umfasst insgesamt etwa 240 Titel. Und erwirbt dabei eine Reihe höchst verschiedener Kompetenzen, um den Zeitgeist des Publikums zu bedienen. Einige Veröffentlichungen erscheinen in den Jahren von 1929 bis 31 im SPD nahen Arbeitertheaterverlag A. Jahn.

Ab April 1926 leitet Bethge die 5. Gemeindeschule Berlin-Neukölln. Schon seit 1920 wird diese koedukativ und als weltliche Sammelschule geführt. Zum Teil verzichtet sie auf den Stundenplan und die Zensuren. Sie ist ein Ergebnis des Weimarer Schulkompromisses. Hier kann sich der Reformer austoben. Sein Wirken nimmt sozialistische Farben an und ist von einem avantgardistischen Gestus geprägt. In der Liga für Menschenrechte begegnet er Erich Weinert (1890-1953). Mit Otto Nagel (1894-1967) und dessen Frau ist er freundschaftlich verbunden. Der Maler schreibt 1952 in Mein Leben: "Ein kleiner Kreis von Freunden hielt treu zu mir, an der Spitze der prachtvolle Mensch und Arzt Dr. Kurt Liebknecht, der Dramatiker E. H. Bethge, der als Lobo Frabk Hörspiele schrieb und Rektor an der Heinrich-Zille-Schule in Neukölln war." (Nagel 41)

Zilles zeichnerisches Werk bleibt Bethge eher fremd. Hingegen findet er zu Käthe Kollwitz (1867-1945), die er ebenfalls persönlich kennt, einen tiefen Zugang. (Vgl. Weinkauff 19-21, 33)

Mit dem Namen Heinrich-Zille-Schule meldet er einen bürgerlich-humanistischen Bildungsanspruch an, was für eine Volksschule damals keineswegs üblich ist. (Vgl. Weinkauff 23/24). Im Magazin für alle erscheint 1931 eine lobende Reportage über sie. Tatsächlich ist sie noch mehr eine Arbeitsschule als die in Frankfurt-Oberrad. Bethge selbst erteilte nur Musikunterricht. Sein spektakulärstes Projekt ist sicherlich die gemeinsame Aufführung mit dem Ensemble der Volksbühne "Kampf um Kitsch" im Jahre 1931. Er regt Licht-, Schul- oder Schulentlassungsfeste an und beteiligt sich aktiv an ihrer Gestaltung. Monatlich erscheint eine hektografierte Schulzeitung - die "Zille-Post". Dies zeugt davon, wie er um die Anerkennung der Schule in der Öffentlichkeit bemüht ist. Seine dankbaren Schüler erkennen in ihm den Spiritus rector. Mit der Aufführung "Kampf um Kitsch" an der Volksbühne und der Aufnahme von Schülerzeichnungen in die Ausstellung "Frauen in Not" im Haus der Juryfreien erhält die Schule 1931 enorme öffentliche Aufmerksamkeit. Immerhin hängen die Schülerzeichnungen dort neben Marc Chagall, Max Beckmann, Leo von König, Oskar Kokoschka und vielen anderen heute zur Prominenz der Malerei Gehörenden. (Vgl. ebenda 25 f.)

1931/32 eskalieren die Konflikte mit Rektor Bethge. Der Anlass soll nichtpolitischer Natur gewesen sein. Er hatte Hilde G., die ihren Lebensunterhalt mit Gesangs- und Klavierunterricht bestritt, mit einem Lehrauftrag zur musikalischen Begabtenförderung an die Schule geholt. Durch Indiskretion, ein Brief von Bethge an Hilde G., der von Fremden geöffnet wurde, kam sein Liebesverhältnis an die Öffentlichkeit. Daraufhin sah sich der durch die sozialdemokratische Liste Schulaufbau majorisierte Elternbeirat berufen, eine massive Rufmordkampagne ins Leben zu rufen. (Vgl. Weinkauff 29) Der ehebrecherische Lebenswandel fand bei den Behörden kein Verständnis. Die kommunistischen Eltern standen hingegen auf seiner Seite. Auch das Kollegium erklärte sich zunächst ohne Ausnahme als loyal. Viele Eltern der Liste "Schulaufbau" bevorzugten nun die Ummeldung ihrer Kinder in eine andere Schule. Und doch ging Bethge aus den Auseinandersetzungen - fast überraschend - als Sieger hervor. (Vgl. Weinkauff 29f.)

 

Doppelleben

Jetzt, in der Nähe des Alexanderplatzes wohnend, erlebt er 1932 aus nächster Nähe die großen Aufmärsche der politischen Parteien. Im Frühjahr 1933 lösen die Nazis die weltlichen Schulen vollständig auf. Mit Wirkung vom 1. Januar 1934 erhält Bethge unter Berufung auf das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums seine Entlassung. Er erhält nur noch 1/3 seines Lehrergehaltes, weshalb sich seine wirtschaftliche Lage verschlechtert und seine Wohnung in in den Wedding, Togostraße 33, verlegt. In einem Brief an seinen ehemaligen Schüler Fritz Brühl schreibt er tief verletzt: "Meine künstlerische Tätigkeit ist abgedrosselt. Wo Mars regiert, haben die Musen zu schweigen. Und da ich im letzten Lebensdrittel steh, so ist an positive Zukunft nicht allzu zuversichtlich zu denken." Sein pazifistischer Gestus kann auf Grund der chauvinistischen Sprechchorgedichte des Will Reeg nicht überzeugen. (Vgl. Weinkauff 37)

1935 verstösst ihn die Reichsschriftenkammer und nimmt ihn alle Publikationsmöglichkeiten.

Ein Doppelleben beginnt. Er veröffentlicht jetzt unter dem Pseudonym Will Reeg und bekennt sich zum neuen Staat. Am 20. Oktober 1935 kommt sein Chorwerk "Denkmal der Arbeit" anlässlich einer Kameradschaftsfeier des Siemens-Werkes in der Kroll-Oper zur Aufführung. Der Rundfunk sendet am 6. Januar 1935 seine "Saar-Kantate". Es entstehen Hörspiele und Hörspielbearbeitungen. Das Wesen des NS-Staates wird verklärt. ".... seine publizistischen Kotaus an die Adresse seiner Peiniger sind bisher von niemandem wahrgenommen worden" (Weinkauff 44). 1934 verzeichnet Bethge fünfzehn und 1935 elf Veröffentlichungen.

 

Verfolgung

Bürgergartenstraße 9 (2004)

Seine Mutter war 1922 in Magdeburg gestorben.

Den Kontakt mit seiner in Naumburg lebenden Schwiegermutter Frau Förster (Bürgergartenstrasse 9) lässt er nie abbrechen. Vor 1933 nutzte er oft die Schulferien, um sie zu besuchen.

Nach dem Attentat auf Hitler 1944, schreibt Wolfgang Kipper, wurde Bethge im Rahmen der Terroraktion Gitter von der Gestapo verhaftet. "Bei Verhören unter schwerer Folter verriet er seine Genossen nicht und wurde anschließend ins KZ Sachsenhausen verschleppt, wo er am 10.11.44 im Alter von nur 66 Jahren an den Folgen der Mißhandlungen verstarb." Das sieht Gina Weinkauff etwas anders, wenn sie schlussfolgert: "Ernst Heinrich Bethge ist also im Sommer 1944 mit Sicherheit nicht nach Naumburg gefahren, um dort den antifaschistischen Kampf zu organisieren, wie es im Nachhinein verbreitet wurde, sondern um seine kranke Schwiegermutter zu pflegen."

 

Auszug aus einer amtlich beglaubigten Abschrift eines Protokolls
zu Verhaftung von Ernst Heinrich Bethge

 

Warum sie private Verpflichtung gegen politisches Engagement ausspielt, verstehe ich nicht. Was erwartet sie vom Widerstand im Jahre 1944 in Naumburg? Es ist Krieg. Oppositionelle sind nunmehr über zehn Jahre der Verfolgung ausgesetzt. Viele politische Prozesse fanden in Naumburg statt. Es ist eine kleine und gut überschaubare Stadt. Bethge hat hier einen weiten Bekanntenkreis. Gewiss nimmt er mit ihnen Kontakt auf. Und er weilt nicht erst seit 1944 hier, sondern laut Polizeiakten kommt er am 20. Mai 1941 von Berlin, Togostraße 33, nach Naumburg. Mit ein paar Monaten Unterbrechung wohnt er seit 23. September 1942 wieder in der Bürgergartenstraße 9 (vgl. Dokument 22.8.1944). Wenn Gina Weinkauff ein politisches Engagement gegen das nationalsozialistische System ausschließt, kann es dann sein, dass sie vielleicht eine etwas vereinfachte Auffassung von den Formen des Widerstandes hat? Der Dokumentation solcher Ereignisse sind ganz enge Grenzen gezogen. Vieles hätte in der Nachkriegszeit noch mittels Oral History aufgeklärt werden können. Aber das wurde versäumt.

 

Bethge ein Realo?

Die Wendejahre 1918 bis 1920 stellt Gina Weinkauf mit den eingeübten Attitüden gewisser Tageszeitungen dar. Doch was habe ich mir unter Begriffen wie Geschäftsgrundlage, Realo oder Radikalisierung, die in diesem Kontext gebraucht werden, genau vorzustellen? Beispielsweise nimmt der Begriff des Realo in der Gegenwart die Bedeutung von Prinzipienlosigkeit, Konformismus und Korruption an, was mit dem Leben von Ernst Heinrich Bethge nur wenig zu tun hat. Folglich sind sie ungeeignet, um den tiefen Bruch im sozialen Leben, das tiefe politische Bewusstseinstrauma und den gesellschaftlichen Wertewandel zu erfassen.

Bethge äußert 1913:

"Zur Freude am Vaterland soll die Freude am Kaisertum Kraft und Feuer gewinnen. Das ist Pflicht eines jeden Staatsbürgers …" (Bethge 1913)

Ja nun, was soll er als Lehrer im Staatsdienst sonst schreiben, frage ich mal? Politische Bekenntnisse forderte der Staat von den Lehrern zu allen Zeiten ein. Der Magistrat von Naumburg formulierte dies auf den Berufungsurkunden so:

"Auch erwarten wir von ihm, daß er das Wohl der ihm anvertrauten Schuljugend nach Kräften fördert, ihr in Wort und Wandel in aufrichtiger Gottesfurcht, gewissenhaftem Diensteifer, unwandelbarer Treue gegen Seine Majestät den König und voller Hingebung an das Heil des Vaterlandes vorleuchten und sich überall so verhalten werde, wie es einem christlichen Lehrer vor Gott und Menschen gebührt." (Blüthgen 1903)

Dass Bethge sich angesichts des verlorenen Krieges und der Revolution vom Kaisertum distanziert, war nur konsequent. Nicht jede Kurskorrektur bedeutet Opportunismus oder Verrat an den eigenen Ideen und Werten. Wie sonst sollen innovative Lernprozesse ablaufen? Menschen, die keinen eigenen Standpunkt vertreten, können leicht, Lernprozesse als Wechsel oder Wendehalsigkeit deklarieren. Deshalb ist die Persiflage im Kladdaradatsch (1923), kritisch nach ihren politischen Absichten zu hinterfragen.

Es bleibt die Frage, wie soll sich ein Lehrer, der den Grundwerten des Staates verpflichtet, in solch tiefen gesellschaftlichen Krisen wie 1918/20 verhalten? In "aufrichtiger Gottesfurcht", mit "gewissenhaftem Diensteifer", in "unwandelbarer Treue gegen Seine Majestät den König und voller Hingebung an das Heil des Vaterlandes", soll der Naumburger Lehrer seiner Tätigkeit nachkommen. So steht es 1904 in der Berufungsurkunde des Magistrats der Stadt Naumburg für Friedrich Blüthgen zum Volksschullehrer.

Gina Weinkauff zeichnet ein lebendiges und realistisches Lebensbild von Ernst Heinrich Bethge zwischen Anpassung und Widerstand, seinem Wachsen, Bestehen und Scheitern im nationalsozialistischen Unterdrückungssystem. Es gibt keinen Grund ihn als "rundum positive Figur" zu überzeichnen, schreibt sie (43). Und wer war dies schon je gewesen, frage ich mich.

Mit seinem Reformeifer, seinen Einsatz für die Schüler und seinem produktiven Lehrer-Schüler-Verhältnis, das Frau Gina Weinkauff meiner Ansicht nach zu wenig würdigt, demonstriert Bethge wie Menschen tiefe soziale und politische Umbrüche überleben, gestalten, schließlich meistern können.

Die Erinnerungen von Erich Rossmann aus dem Jahre 1946 zeugen von einer hohen Wertschätzung der Persönlichkeit von Ernst Heinrich Bethge. Und seine Worte klingen deutlich weniger vorwurfsvoll und scharf als unsere späteren Analysen. Das sollte uns nachdenklich machen. Der SPD-Mann schreibt:

"1933 hatte man ihn aus der Schule gejagt. Seit dieser Zeit lebte er als Bühnenschriftsteller und schrieb Texte für Opern, Operetten und Singspiele. Auch an eigenen Kompositionen versucht er sich."

"Später habe ich die Textbücher von ihm gelesen. Aus ihnen spricht ein heiteres glückliches Wesen und eine lautere Liebe zur Heimat und zu seinem Volk." (Rossmann 195)

"Es gibt keine Zweifel daran", meint Ina Weinkauff (35),

"dass Bethge sich 1931/32 als Gegner des Hitlerfaschismus definierte - allerdings wohl, ohne das Ausmaß der Bedrohung zu erkennen."

Das mag so sein. Seine Verhaftung im August 1944 erfolgt allerdings nicht auf Grund seiner Selbstdefinition! Es war die Staatspolizei, die feststellte:

"Er ist intelligent. Er steht dem heutigen Staate ablehnend gegenüber. Er gehört keiner Gliederung an, auch keinem angeschlossenen Verband. B. ist als gefährlich zu bezeichnen." (Dokument 22.8.1944)

Dies bestätigt, dass er der politischen Verfolgung und Repression durch das nationalsozialistische System ausgesetzt war. In gleicher Weise ist seine Entlassung aus dem Schuldienst zu beurteilen. Sie erfolgt auf Grundlage des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 und ist ein Akt massiver existenzieller und wirtschaftlicher Unterdrückung. Daran erinnert das Mahnmal für die Verfolgten des Naziregimes Am Salztor und die Gedenkstätte am Stadtpark.

 

Ausflug in eine Hölle

 


Erich Rossmann, geboren 10. Januar 1884 in Pössneck, gestorben 29. September 1953 in Meran. SPD-Politiker. 1924 bis 1933 Mitglied des Reichstages.

 

Ernst Heinrich Bethge wird im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Mithäftling Erich Rossmann gibt in

Ein Leben für
Sozialismus und Demokratie
(1946)

folgenden Bericht:

"Er [Bethge] betrachtet die ersten Wochen seines Aufenthaltes etwa so, wie der Forscher einer Exkursion in eine unbekannte Wildnis oder besser,

wie einen Ausflug in eine Hölle.

Da gab es allerdings viel zu sehen, zu hören, in sich aufzunehmen, auch wenn man sich selbst den Gesetzen dieser verrückten Lebensgemeinschaft beugen musste.

Ich bin geradezu froh, sagte er mir, dass mich das Schicksal noch hierher geführt hat. Wie hätte ich sonst diese Zustände, diese unerhörten Qualen, die schamlose Erniedrigung, überhaupt diesen unbegreiflichen Irrsinn verstehen können. Wenn ich dies nicht alles selbst gelesen und erlebte hätte.

Er wollte die Geschehnisse, die hier vor ihm abrollen, dichterisch für Film und Bühne verarbeiten."

"Dass der Arbeitseinsatz des Lagers mit einem solchen Manne nichts anzufangen wusste, ist fast verständlich. Kurze Zeit arbeitet er im Büro eines grossen Lagerwerkes, dann musste er wenige Tage vor seinem Geburtstag den Arbeitsplatz wechseln und Schrauben sortieren. Neunzig Russen, alte Kriegsgefangene aus dem Jahre 1941, waren seine Arbeitskameraden. Sie liebten ihn sehr und begrüssten sein Erscheinen stets mit einem russischen Volkslied. Das war für ihn jedesmal ein Erlebnis, und seine Augen strahlten glücklich, wenn er mir nach Feierabend davon erzählte. Das Schrauben sortieren war keine schwere Arbeit, jedoch können zarte Künstlerhände dabei leicht Schaden nehmen. Fingerspitzen und Nägel werden wund, sodass Rost eindringen kann. Phlegmone, Allgemeinvergiftung, ist die Folge. Am 11. November, zwanzig Tage nach meiner [Erich Rossmann] Entlassung, lag Ernst Musikus, so hiess er im Block, nach seinem Geburtstag nur noch, tot in einem armseligen Betten des Reviers. Seine Asche wurde den Angehörigen kostenfrei zugestellt." (Rossmann 194, 197)

Von der Staatspolizeistelle Halle ergeht am 22. Dezember 1944 an den Oberbürgermeister der Stadt Naumburg (Saale) eine Mitteilung über den Tod von Ernst Heinrich Bethge. Hiernach starb er am 10. November 1944 im Konzentrationslager Sachsenhausen an den Folgen einer Allgemeinvergiftung.

Ernst Heinrich Bethge
(1878-1944)

Die Zeit warf Ernst Heinrich Bethge in zwei tiefgreifende gesellschaftliche Umbrüche. In der pädagogischen Praxis vollzieht er einen eindrucksvollen politischen Wandlungsprozess vom kaisertreuen Lehrer zum demokratischen Reformpädagogen. Als Schriftsteller entfaltet er eine enorme Produktivität. Das Streben nach Publizität scheint ihn zu manch unnötigen Kompromissen zu verführen. Seine Maskeraden geben uns manchmal Rätsel auf. Mit seinem Engagement für die demokratische Umgestaltung der Schule schreibt er sich in die Naumburger Stadtgeschichte ein. Als Lehrer entflammte er die Seelen der Heranwachsenden, begleitete sie auf dem Weg zu selbstbewussten und wissbegierigen Menschen. Ernst Musicus wurde von seinen SchülerInnen geachtet und sehr verehrt.

So tun sich für uns genügend Gründe dar, um die Erinnerung an den Lehrer, Schulreformer und Schriftsteller in würdiger Form zu bewahren und durch weitere stadtgeschichtliche Forschungen zu bereichern.

2009 erhielt der Museumsverein Naumburg e.V. von der Stiftung der Sparkasse Burgenlandkreis für Kultur und Sport als Dauerleihgabe das Porträt Ernst H. Bethge vom Maler Otto Nagel (1894-1967).

Die SPD-Ortsgruppe Naumburg gedachte am 30. April 2013 in einer Feierstunde Ernst Heinrich Bethge.

 

 

Kleine Auswahl der Werke

Das Glück im Sack: ein Märlein für den heil'gen Christ [in 3 Aufzügen] von Ernst Heinrich Bethge. Musik von Albert Mattausch, Verfasser: Hans Albert Mattausch, Textbuch, Klotz, Magdeburg 1908, 47 Seiten

Deutschland, erwache! Heldentaten und Erlebnisse, Urkunden, Gedichte und Lieder aus der zeit der Befreiungskriege sowie eine zusammenhängende Darstellung der Erhebung in Preußen von Ernst Heinrich Bethge, Julius Beltz, Verlagsbuchhändler, Langensalza, 1913

Ernst Heinrich Bethge (Herausgeber): Jung Deutschland, Dein Kaiser! Beltz, Langensalza 1913

Rübezahl als Landwehrmann: ein Weihnachtsspiel von Ernst Heinrich Bethge, Leipzig 1914, 16 Seiten

Seid Ihr alle da? Kasperle feldgrau. Drollige Spiele für jung und alt. Von Ernst Heinrich Bethge, Strauch, Leipzig 1918, 47 Seiten

Weisheit im Sack und Huckepack. Riese und Gnom; Ein fröhliches Märchen in 2 Aufzügen und einem Vorspiel von Ernst Heinrich Bethge, Strauch, Leipzig 1919, 32 Seiten

Das Wunderkästchen: (Die Nachbarin als Fee); Ein Mädchenspiel in 4 Aufzügen von E. H. Bethge Strauch, Leipzig 1919, 24 Seiten

Beethoven Volks-Feierstunde in dramatischen Szenen, Vortragsdichtungen, Lebensbildern und Dokumenten von Ernst Heinrich Bethge, Bloch Theater Verlag, Berlin 1927

Die wunderbare Nachtmütze von Ernst Heinrich Bethge, G. Danner, 1935, 32 Seiten

 

Quellennachweis

Berufungsurkunde. [Für den Lehrer Friedrich Blüthgen] 9. März 1904. Stadtarchiv Naumburg, Sonderakten des Magistrats Naumburg an der Saale. Band a. Angefangen am 17.01.1903. Geschlossen 1948, Archivsignatur 8520

[Blüthgen] Lehrer Heinrich Blüthgen. Stadtarchiv Naumburg, Sonderakten des Magistrats Naumburg an der Saale. Band a. Angefangen am 17.01.1903. Geschlossen 1948, Archivsignatur 8520

Blüthgen, Friedrich, Brief an Oberbürgermeister von Naumburg Dietrich vom 27. Januar 1931. Stadtarchiv Naumburg, Magistrat Naumburg, Magistratsmitglieder, Archivsignatur 7226

Der Bilderstürmer. Oder Einst und jetzt. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 22. Februar 1920

[Dokument] [unterzeichnet von Scholz, Polizeistelle Naumburg] An die Staatspolizeistelle Halle, Außendienstelle Weißenfels, in Weißenfels, [Anlage: Liste der Personen gemäß Anforderungen durch Ferngespräch von Kriminalsekretär Rabetke, Staatspolizeistelle Weißenfels, vom 18. August 1944] Amtlich beglaubigte Abschrift, unveröffentlicht

[Dokument] Auf telefonische Anweisung, Naumburg, den 22. August 1944 [unterzeichnet von] Scholz [Polizeistelle Naumburg], unveröffentlicht

Ernennung. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 2. November 1923

Günther, Albrecht: Sozialdemokrat - Opfer der Nazis. Zur Erinnerung am Ernst Heinrich Bethge. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, Ostern 2005, Seite IV

Günther, Albrecht: Von Gestapo 1944 verhaftet und gefoltert. Naumburger Tageblatt, 1. Mai 2013. URL (2. Mai 2013): http://www.naumburger-tageblatt.de/lokales/sozialdemokratie-von-gestapo-1944-verhaftet-und-gefoltert,20690952,22650190.html

Hege, Walter: Jugenderinnerungen. In: Der junge Walter Hege. Erinnerungen. Herausgegeben von Siegfried Wagner mit Textbeiträgen von Walter Hege, Kai Aghte, Ursula Diettrich-Wagner und Dr. Walter Weiße. Saale Druck Naumburg, Naumburg/Saale 1998, Seite 7 ff.

Hemprich, Karl: Winke zur Gründung und Leitung von Jugendvereinigungen. Verlag A. W. Zickfeldt, Osterwieck (Harz) und Leipzig, 1906

Hemprich, Karl: Die militärische Vorbereitung der Jugend während des mobilen Zustandes. Verlag A. W. Zickfeldt, Osterwieck (Harz) und Leipzig 1914

Hemprich, Karl: Die Organisation der Jugendpflege, Beltz Verlag, Langensalza 1928

Hemprich, Karl: Vowort. In: Weide und Wehr. 1. Oktober 1938. Arbeitsblätter aus der Praxis für die Praxis. Herausgeber Karl Hemprich, Naumburg, Saale, Grochlitzer Strasse 22, Seite 3 bis 4

Hoppe, Friedrich: Naumburger Heimatbilder, Ein Anhang zu den Naumburger Schullese- und Geschichtsbüchern. Druck und Verlag von H. Sieling, Naumburg a. S. 1926

[Kaufvertrag] Sonderakten des Magistrats der Stadt Naumburg. Kriegsnotgeld. Stadtarchiv Naumburg, Signatur 10313

Kipper, Wolfgang: Geschichte der Sozialdemokratie in Naumburg (von 1864-1946). In: http://www.spd-naumburg.eu/historie.html - 2007

Kraatz, Emil: Aus dem Leben eines Bürgermeisters. Erinnerungen, Erfahrungen und Betrachtungen. Verlag Fr. Wilh. Grunow, Leipzig 1914

Lebenslauf von Otto Hollaender, Naumburg a. S. 1907. Archiv der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz

Leopoldt, Adolf: Rote Chronik der Kreise Zeitz, Weißenfels, Naumburg. Herausgeber SPD. Unterbezirk Zeitz-Weißenfels-Naumburg, Zeitz 1931

Nagel, Otto: Mein Leben. In: Otto Nagel: Leben und Werk, Aufbau-Verlag Berlin 1952, Seite 17 ff.

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Diettrich-Wagner, Ursula: Die Notgeld-Scherenschnitte. In: Siegfried Wagner (Herausgeber): Der junge Walter Hege. Erinnerungen. Mit Textbeiträgen von Walter Hege, Kai Agthe, Ursula Diettrich-Wagner und Dr. Walter Weiße. Saale Druck, Naumburg/Saale 1998, Seite 28 ff.

Öffentliche Stadtverordnetensitzung, "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 31. Dezember 1919

Porträt Ernst H. Bethge. museum naumburg. URL (April 2012): http://www.mv-naumburg.de/index.php/component/flexicontent/15-20-jahrhundert/282-portraet-e-h-bethge-otto-nagel (2013)

Graf Posadowsky: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart 1920

Rossmann, Erich: Ein Leben für Sozialismus und Demokratie. Rainer Wunderlich Verlag, Stuttgart, Tübingen Oktober 1946

Sonderakten des Magistrats Naumburg an der Saale. Betrifft den Lehrer Ernst Bethge. Angefangen 25. Juni 1906. Stadtarchiv Naumburg, Band a, Signatur 8974

[Vortragsbuch] Bethge, Ernst Heinrich: Eiserne Wehr. Vortragsbuch für Kriegs-Feierstunden und Volksabende. Erster Teil. Verlag Arwed Strauch, Leipzig, ohne Jahr

Wanderführerlehrgang im Landheim "Vater Hemprich-Haus" im Steinmeister bei Naumburg (Saale) veranstaltet beim Kreisjugendamt Merseburg in Verbindung mit der Hauptstelle des Bezirksausschüsse für Jugendpflege vom 15. bis 19. Juli 1928. In: Wanderbücher für Jugend und Volk. Herausgegeben von Karl Hemprich und Enno Narten, ohne Jahr [etwa 19299, Heft 1a

Weinkauff, Gina: Ernst Heinrich Bethges Ästhetik der Akklamation. Wandlungen eines Laienspielers im Kaiserreich, Weimarer Republik und NS-Deutschland. Verlegt bei Wilfried Nold, Frankfurt a. Main, 1994

Weicker, Hans, Stadtjugendpfleger von Weissenfels: Der Mensch, sein Werden und sein Wirken. In: Hans Weicker und Emil Saupe: Karl Hemprich. Ein Leben im Dienste der Jugend. Verlag Friedrich Stollberg (Ernst Schnelle), Merseburg (Saale) 1927, Seite 5 bis 94

Zechner, Evelyn: Vom wachsamen Michel, der dicken Berta und dem wehrhaften Kasper Der nationale Habitus in Puppenspielen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Siehe auch: Evelyn Zechner: Kaspar saust von Sieg zu Sieg. Sozialhistorische und soziologische Studien zu ausgewählten Puppenspielen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Zeitschrift für Literatur- und Theatersoziologie, Herausgegeben von Beatrix Müller-Kampel und Helmut Kuzmics, Sonderband 2, November 2011

 

* Bildnachweis für "Karl Hemprich (geboren 1867)" und "Vater Hemprich Haus": Hans Weicker, Stadtjugendpfleger von Weissenfels: Der Mensch, sein Werden und sein Wirken. In: Hans Weicker und Emil Saupe: Karl Hemprich. Ein Leben im Dienste der Jugend. Verlag Friedrich Stollberg (Ernst Schnelle), Merseburg (Saale) 1927

Das Bild von Erich Rossmann wurde aus einem Handbuch zum Deutschen Reichstag entnommen.

 

Ich bedanke mich herzlich beim Komponisten Rainer Rubbert (Berlin) für die Anregungen zu speziellen Fragen der Biografie von Ernst Heinrich Bethge. - 2012


Autor:
Detlef Belau


Geschrieben: November 2005. Aktualisiert: 6. Mai 2013



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