Friedrich Muck-Lamberty:

Und wenn die Zeit reif ist,
brechen wir wieder auf,
um in den anderen Gauen jungen Menschen zu sagen,
was uns bewegt. (1922)

 

 

 

Friedrich Muck-Lamberty
und die Neue Schar

 

Kindheit und Jugend

Von Idealen getragen

Wanderung mit Karl Bittel

Freideutscher Jugendtag 1913

Ihr habt die Alten nicht besiegt!

Bei Verleger Ericht Matthes

  Was will er beim Vortrupp?

 Helgoland  Revolutionszeit  Witzenhausen

  Generalstab  Kommunisverdacht  Führertagung

  Der Zug der Neuen Schar durch Franken und Thüringen

Einflüsse  Auf der Leuchtenburg  Ketzergericht

Kritik. Tollereien. Lügen.

Tanztaumel oder existentielle Kommunikation?

"Wir haben es gewagt" - Ankunft in Naumburg

Dass ich Vater geworden bin, war mein ....

Muck über Sexualität, Liebe und Ehe

Kampf um die Leuchtenburg   Werkgemeinschaft

  Religiöse Woche - Schwarze Front - Leuchtenburgkreis

  Schnüffeleien ....   Subtile Repressionen

  Ich habe viel zu tun

Quellen

 

 

Von der Leuchtenburg bei Kahla in Thüringen findet im Frühsommer 1921 ein junger Mann nach Naumburg an der Saale. Im Kopf die Pläne einer alternativen Handwerkergemeinschaft. Wechselvolle Jahre liegen hinter Friedrich Muck-Lamberty. Mit der Neuen Schar wanderte er im Sommer 1920 durch Franken und Thüringen. Sie tanzten und spielten unter der Linde in Weidhausen, auf den Arkaden am Schlossplatz in Coburg, den Marktplätzen von Steinach und Jena, unter den Kastanien von Saalfeld, auf dem Anger von Rudolstadt, dem Schulplatz von Gorndorf, in Ranis, bei der Altenburg in Pössneck. Hunderte, manchmal sogar Tausende strömten herbei. So ernst hörten sie Muck predigen, in der Herderkirche von Weimar, Barfüßerkirche Erfurt und Augustiner Kirche zu Gotha. Unvergessen das Volksfest mit den Bauern von Schweinitz oder in Gumperoda, von Reinstädt und Drösnitz. Und wie glücklich waren sie doch in Neudietendorf und Wandersleben.

 

"Es scheint," berichtet Lisa Tetzner * 1923 über die Neue Schar, "als seien alle Menschen der Stadt in Anmarsch begriffen. Voran schreitet ein kleiner Trupp sonderbar bekleideter Burschen und Mädchen. Sie tragen bunte, grobe Kittel, sind barfuss in Sandalen und haben schwere Lasten auf den Schultern, als trügen sie all ihr Gut bei sich. Ihnen voran schwebt eine blaue, von Wind und Sonne zerschlissene Fahne mit weissem Kranz."

Lisa Tetzner (1894-1963) wanderte - wahrscheinlich ab Erfurt - im Sommer 1920 mit der Neuen Schar und Friedrich Muck-Lamberty ein Stück des Weges durch Thüringen. Ihr Bericht Im Land der Industrie zwischen Rhein und Ruhr (1923) besticht durch eine sensible und unverstellte Art.

Wahrscheinlich zeigt das Bild die Neue Schar am Bahnhof in Eisenach. Als sicher gilt, dass die Tanz- und Spiel-Company vom 25. September bis 8. Oktober 1920 in der Wartburg-Stadt weilte. ******

Am 28. September 1920 veranstaltet die "Jugendgruppe Dresden des Bundes für Gegenchristentum" in Eisenach einen "Jugendtag Sie lädt zur Aussprache, zum Singen und Tanzen ein. Treffpunkt ist um 8 Uhr am Bahnhof.

Obiges Bild zeigt Jugendliche vor dem Bahnhof.
Vor allem die K i n d e r,
die Muck und seine Spiel- und Tanz-Company  so  l i e b t e n, deuten darauf hin, dass hier die Neue Schar zu sehen ist.

 

Doch dann wird es stiller - um den Sturmtrupp des Sommers (Lisa Tetzner). Mit wenigen Sätzen skizziert Pfarrer Adam Ritzhaupt (1882-1976) in der Schrift Die Neue Schar in Thüringen (1921) was geschehen war:

"Der Feuerstreifen, den die Neue Schar durch die thüringischen Länder gezogen hat, ist erloschen durch des Führers eigene Schuld. Für die einen hat ein Scharlatan mit seinem Zirkus ein verdientes Ende gefunden, und nach ihrer Ansicht sind alle diejenigen die Blamierten, die mit Beifall den Schaustellungen nachgelaufen sind. Andere haben geweint, als sie an der Schuld Muck-Lambertys nicht mehr zweifeln konnten und haben ihm geflucht wegen seiner Treulosigkeit. Andere sehen ein bewegtes Drama, in dem sich die Macht der Dinge und menschlicher Wille, hohes Wollen und kleine menschliche Schwachheit, Trieb und Geist zu tragischen Konflikten verwickelten."

Aber war es wirklich des Führers eigene Schuld, wie der Erfurter Pfarrer behauptet? Muck widerspricht ihm heftig und überwirft sich mit dem Verleger der Schrift, Eugen Diederichs in Jena. Seinen Kummer übermittelt er Kurt Kläber (1897-1959) am 24. Juli 1921:

"Und mit Diederichs mag ich nun nichts mehr zu tun haben, seitdem er die Wahrheit weiss - die grundsätzlichen Irrtümer eines Ritzhaupts einfach abdruckt."

 

Friedrich Muck-Lamberty ist ein ansehenswerter, sportlicher junger Mann, neunundzwanzig Jahre alt, 1,62 Meter gross mit dunkelblonden Haaren und blauen Augen. "Er ist von mittlerer Grösse", beschreibt ihn Gustav Schröer (1920), "mit einem starken, eigenwilligen Kinn und tiefen Augen." "Er hat", so erlebte ihn Lisa Tetzner (1923, 114), auf dem Weg durch Thüringen, "langes zurückgekämmtes Haar, trägt einen weiten braunen Mantel um die Schulter und ist ebenfalls barfuss in Sandalen." In der Gruppe agiert er oft mit lebhafter Gebärde, stechenden Blick und lauten Worten. "Er spricht einfach und wird dazwischen derb, ja witzig, er schleudert seine Worte, von einer inneren Glut gepeitscht, mit Ungestüm." "Er spricht unliterarisch, aber eindringlich und sanft. Wer ihn einmal erlebt hat, kann ihn schwer vergessen." (Grüsser) "Der Mann hat eine modulatorische tiefe Stimme. Man hört ihn gerne zu", bekundet Rüdiger Safransky (2007, 334f.).

Im Umgang mit Höhergestellten produzierte er gerne seine Eigenheiten.

"Du Weinel, hör mal,
dass musst du verstehen
",

redete er unseren verehrten Professor an,

"auch die Bürgermeister und Schuldirektoren duzte er; niemand konnte ihn ungut sein ....",

erinnert sich Wilhelm Flitner (271) aus Jena.

Manchmal gab Muck den Hitzkopf, fing an zu schwärmen, glitt in politische Poesie ab, haschte ungelenkig nach Begriffen, zog aber auch schnell "Schubladen" auf, um seiner Rede Auftrieb zu verleihen und genoss ihren Widerhall. Einen Aufrüttler nannte ihn Professor Johannes Resch (1921).

Friedrich
Muck-Lamberty*

"Der Typ Muck," meint Emil Engelhardt (1921, 4), "ist weder Faust noch Don Juan, sondern eine Mischung der beiden." Er hat "den göttlichen Funken in sich", "der zünden kann, weil er Sendung hat", äussert ein Pfarrer voller Bewunderung über ihn (Tetzner 1923, 116). "Das Größte aber an Muck Lamberty", urteilt Fritz Zögner (1921, 253), "ist seine Bescheidenheit, seine unbegrenzte Liebe zum ganzen Volke und sein unerschütterlicher Glaube an das Gute im Menschen." "Er fühlt sich als Vorarbeiter einer neuen Zeit." (von Stechow)

Die Schar wurde von ihm geführt, wussten alle, "und es wollte scheinen, als sei sie gut geführt. Freilich, wer Muck kannte, wusste, dass sein Blut wallte, das er hitzig war - er hat Temperament sagen die Leute. - Er diente seiner Aufgabe, fing an, seine Fehler einzusehen. Und das machte ihn vielen wieder wert." (Grüsser)

Eine typisch Äusserung seiner Gegner trägt 1921 Garnisonspfarrer Wilhelm Siegmeyer vor. Ihn stört "die ganze unausgeglichene, ziellose Persönlichkeit, die Verquickung unklarer Ideen, religiöser Motive, eines maßlosen Selbstbewusstseins mit einer ungezügelten Sittlichkeit."

 

Im Sommer 1920 informiert Willi Wisman in der Zeitschrift Junge Menschen über den Aufbruch der Tanz- und Spiel-Company:

"Schon seit Pfingsten ziehen wir durchs Thüringer Land. Überall rufen wir die Jugend - und dazu gehören auch junggebliebene Greise - zum Kampf auf, zum Kampf gegen Gemeinheit und Schund, zum Kampf für die Befreiung des Menschen im Menschen von den Fesseln, die Parteihass und Standesdünkel um ihn geschlagen haben. So werben wir für die werdende Volksgemeinschaft."

Sie sind nach Weimar aufgebrochen, verbreitet die Thüringer Zeitung am 13. August 1920, um dem deutschen Volk,

"den Sinn für Volkstum, Heimat
und heiterer Fröhlichkeit

unter Ausschaltung der modernen Genüsse [Tabak, Alkohol] …." wieder nahe zu bringen. "Ihr Ziel ist Erneuerung unseres ganzen Volkslebens unter Ausschaltung der politischen Fragen."

Die Neue Schar fragt: Wie und in welcher Form der Gemeinschaft wollen wir leben? Was sollen, was dürfen wir tun? Sie will ihr Leben in eigener Verantwortung führen und mit Schönheit füllen. Ein Horror vor der Angepasstheit, dem Zugeständnis und Kompromiss treibt sie voran. Karl Schäfer wirft Anfang 1921 in die Muck-Debatte ein, sie fühlen, dass ein Zugeständnis sie zu Durchschnittsseelen macht, dabei wollten sie doch aber Persönlichkeiten werden.

Ein hoher Anspruch, der das Risiko des Scheiterns in sich birgt und im Alltag zur Überspanntheit führen kann. Hermann Hesse warnt 1921: "Die Welt ist nicht da, um verbessert zu werden. Auch ihr seid nicht da, um verbessert zu werden. Ihr seid aber da, um ihr selbst zu sein. Ihr seid da, damit die Welt um diesen Klang, um diesen Ton, um diesen Schatten reicher sei." Vor dem Ketzergericht auf der Leuchtenburg im Februar 1921 bemüht Muck diese Argumente vergeblich, weil die öffentliche Meinung gegen ihn stand.

"Was ist die Neue Schar", forscht die Monatsschrift Freideutsche Jugend (Hamburg) im November 1920 nach und antwortet:

"Sie kommt von der Wandervogelbewegung her, und ihr Führer Muck würde sagen, sie ist ein Ausfluss der Liebe zu allen Menschen."

Im Erlass des sächsischen Innenministeriums vom 8. Dezember 1920 war über Friedrich Muck-Lamberty zu lesen: "Er ging von dem Grundsatz aus, dass die Menschen das Freuen, den Sinn für Einfachheit und Natürlichkeit verloren haben. Er tanzte und sang mit ihnen, um erst einmal die äußeren Gegensätze zu überbrücken."

"Die Lauterkeit der Bewegung wurden jeden Rudolstädter, der sich für die Sache interessierte, vor Augen geführt …", würdigt am 6. Juli 1920 die Stadtzeitung den Auftritt der Neuen Schar.

Es kann der Wahrheit dienlich sein, wenn sich Persönlichkeiten mit hohen moralischem Status an die Ereignisse erinnern.

Reformpädagoge Wilhelm Flitner (1889-1990), Mitbegründer der Volkshochschule Jena, die Georg Kötschau (Jena) eine Paradiesschule nannte, und Leiter der ersten am 1. April 1919 in Jena eröffneten Abendvolkshochschule, erkennt bei Muck die Bemühungen um ".... Lebensbejahung, Nächstenliebe, Verträglichkeit, Freundschaft, Völkerversöhnung und Frieden auf Erden." (1986, 271)

Unvergesslich blieb dem Theologen und Bischof Wilhelm Stählin (1883-1975) das Erlebnis mit Friedrich Muck-Lamberty am 30. September 1920 in der Marktkirche von Eisenach. Ihn beeindruckte die

"Bußpredigt gegen
die Hartherzigkeit und Gemütskälte
der bürgerlichen Kreise".

Kunstkritiker Wilhelm Uhde (1847-1947) begegnete der Tanz- und Spiel-Company Ende Juni 1920 in Lauenstein. Rückblickend lobte er ihren immateriellen Geist und ihre Lebensfreude.

"Es war", blickt der Eisenacher Pfarrer und Theologieprofessor Emil Fuchs (1875-1971) in Mein Leben (1959, 54) zurück, "eine ehrliche und grosse Begeisterung." "So haben wir auch miterlebt, wie in Thüringen die Jugendbewegung geradezu eine Art leidenschaftlicher Volksbewegung wurde. Ich bin froh, dass ich es erlebte."

"Sie singen", illustriert im Oktober 1920 Gisella Selden-Goth das Tun der Neuen Schar, "nicht die Internationale und nicht die Wacht am Rhein; sie singen Mucks-Lambertys Tanzlieder, deren Melodien jetzt an allen Ecken und Enden Weimars aufflackern, überall wo Kinder lachen, junge Frauen bei der Arbeit leise Summen und reife Männer nachdenklich vor sich pfeifend auf Goethes Spuren gehen."

"Und was die neue Schar so wertvoll macht," würdigt von Stechow 1920 sie in einem Aufsatz der Halbmonatsschrift Ethische Kultur, "dass sie ihre Gedanken selbst vorleben, durch ihr Beispiel und die ursprüngliche Frische ihres Wortes hinreißen. Es ist eine Wirkung von Mensch zu Mensch, doppelt erfreulich in einer Zeit, die im Nächsten nur den Nutzen sieht, den er bringt."

 

Interpretationskonflikte

Die publizistische Darstellung und wissenschaftliche Interpretation des Lebens von Friedrich Muck-Lamberty durchziehen bis heute viele Konflikte. "Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt," könnte man mit Friedrich Schiller sagen, "schwankt sein Charakterbild in der Geschichte." (Wallenstein)

 

Adam Ritzhaupt,

geboren am 3. November 1882 in Ludwigshafen am Rhein. 1. November 1905 Vikar in Germersheim. 1906 Pfarrverweser in Winnweiler und Speyer, 1907 Pfarrverweser in Fußgönheim, 1907 Stadtvikar in Frankenthal, 1909 Pfarrer in Hersberg, 1916 Pfarrer in Erfurt an der Barfüßerkirche. Wohnort: Barfüßerstrasse 8 (1916).

Nach dem Pfarrer Martin Richter im April durch eine Verfügung der kirchlichen Behörde seines Amtes enthoben worden war, übernahm Ritzhaupt die Pfarrstelle. Nach wenigen Wochen setzte man ihn ausserdem zur Unterstützung des Pfarrers in der Kaufmannskirche ein. Er war kritisch gegen die Ideologie des Dritten Reiches eingestellt. 1937 wurde er aus politischen Gründen für vier Wochen auf den Petersberg (Erfurt) in Haft genommen. Danach siedelte er nach Aschersleben über, kam aber nach vier Monaten zurück nach Erfurt. Am 1. Februar 1962 begann der Ruhestand.

Ingrid Kessler (Erfurt)

 

Der Erfurter Pfarrer Adam Ritzhaupt erzählt, dass die Blumenstadt im August 1920 die Neue Schar gleich Helden und Befreier begrüsste. "Wie ein Jahrzehnt danach Hitler" - fügt man viele Jahre später in der Debatte hinzu. Gegen diese Sicht protestiert Harry Wilde (1899-1878), eigentlich Harry Paul Schulze, Teilnehmer der Wanderung:

"Muck war beileibe kein Nationalsozialist, nicht einmal ein Vorläufer, als der er später hingestellt wurde." (1974, 17)

Ganz anders Der Spiegel (Hamburg) im Heft 6/1984. Unter der Headline

     Barfuss zur Erlösung vom Chaos

offeriert er eine Artverwandtschaft der Inflationsheiligen Max Schulze-Sölde, Christian Haeusser und Friedrich Muck-Lamberty mit Hitler. In vielen waren sie nur Mutanten des Typus Hitler, konnte man lesen. Den Konstruktionsplan entwarf Ulrich Linse in Barfüssige Propheten (1983). Selber ein Wanderprophet, argumentiert der Erfinder (30-43), fand der Führer auf die sozialen Ängste der Massen ähnliche Antworten wie die Inflationsheiligen: Kult der heroischen Führerpersönlichkeit mit Messias-Image, magisches Agitieren durch manipulierte Wirklichkeitstransformation, Verdammung der Parteienwirtschaft, Verschmelzung von Politik und Religion und Propagierung lebensreformerischer Sehnsüchte.

Bisweilen weht im Schrifttum des Drechslers ein Hauch von Deutschtum, Volksgemeinschaft und kryptischer Religiosität. Und wenn schon! Ein Vorläufer, Ideengeber oder Mitläufer der Nationalsozialisten war er deshalb noch lange nicht. Die Rudolstädter, Jenaer, Weimarer oder Erfurter hörten von Muck keine Sportpalastreden. Dafür sprudelte er vor jugendlichem Enthusiasmus und Idealismus. Nicht im Gleichschritt, sondern singend und tanzend zog er mit der Neuen Schar durchs Land.

Mittlerweile füllen seine Anleihen bei deutschnationalen Ideen, die Neigung zum Deutschtum und seine Expedition zur Vaterlandspartei viele Leseseiten. Keine Beachtung fand hingegen seine Kritik an der Kommerzialisierung des Jugendlebens, die konstruktive Haltung zum Frieden in Europa und seine Abneigung gegenüber dem Kasernentum sowie allen Soldatenspielereien.

 

Geboren war der Name

Freideutsche Jugend

im Kreis um Eugen Diederichs (Sera-Kreis, Jena), Knud Ahlborn (Bundesführer der Deutschen Akademische Freischar), Christian Schneehagen (Deutsche Akademische Freischar), Franziskus Hähnel (Vortrupp Leipzig) und Bruno Lemke (Akademische Freischar Marburg) auf der Tagung zur Vorbereitung des Meissner Festes am 5. und 6. Juni 1913 in Jena. Unterbreitet hat den Vorschlag der Herausgeber der Wandervogel-Führerzeitung Friedrich Wilhelm Fulda (1885-1945).

 

Friedrich Muck-Lamberty war kein "völkisch-rassistischer Prediger", wie ihn Ulrich Linse (2014, 39) nennt. Zu den Freideutschen zieht es ihn. Hier macht er die Probe aufs Exempel. Am 11. und 12. Oktober 1913 steht er mit ihnen, die, wie Hans Paasche rückblickend sagt, den Weg der Lebensreformen gehen wollten, 40 Kilometer östlich von Kassel auf dem Hohen Meissner. Dann nimmt er im Juni 1914 in Leipzig an den Vortrupp-Tagen teil, wo einiges nicht gelingt. Anders auf der Führertagung der Freideutschen Jugend 1919 in Jena. Ideen und Reformbegeisterung der Freideutschen Jugend prägen den Habitus und die Wertorientierung der Spiel- & Tanz-Company Neue Schar. Ihr Lebensstil sucht das Einfache und Echte (Ferdinand Avenarius). Sie vertrauen auf die Kraft der Selbsthilfe (Paul Natorp). Den kollektiven Zusammenhang ihrer Gruppe stärken sie durch Selbsterziehung (Bruno Lemke). Zu keinem Zeitpunkt will die bunte Truppe ein Konkurrenzunternehmen für irgendjemanden darstellen. Mit allen möchten sie freundschaftlich verbunden sein. Ferdinand Avenarius (1913) nennt das die freideutsche Gesinnung!

Muck war ein Aufrüttler, Lebensreformer, Aktionskünstler, Drechsler, Kaufmann, Weltverbesserer und Führer der Neuen Schar, nur ein völkisch-rassistischer Prediger war er nicht. Gleichwohl ist nicht zu übersehen, dass während seiner aktiven Zeit 1919/21 völkische Ideen in der Freideutschen Jugend politischen Raum gewinnen und ihn beeinflussen. Als der Bund der Landgemeinden und Wandervogel e.V. in das gemeinsame Arbeitsamt aller Bünde, Kreise und Gemeinschaften eintreten, bricht das Völkische im bisher nicht gekannten Ausmass in die Bewegung ein. Zum ersten Mal, begeistert sich Knud Ahlborn, rückt so im Frühjahr 1918 die Einigung der gesamten auf dem Hohen Meissner "freideutsch" genannten Jugend in greifbare Nähe. Frank Glatzel legt, begleitet von Knud Ahlborns Aufforderung zur freien Aussprache, im April / Mai Heft 1918 der Freideutschen Jugend die Völkischen Leitsätze dar. Sehr schnell stellt sich heraus, wie die Debatte auf ihrer Führertagung im April 1919 in Jena zeigt, dass nicht die Einigung, sondern die Aufspaltung der Freideutschen Jugend bevorsteht.

Am 19. Oktober 2010 sendet der Deutschlandfunk [DF] in Redaktion von Hermann Theißen

         Die Hochkonjunktur der Inflationsheiligen.

"Muck-Lambertys Größenwahn ist subtiler als der von Haeusser und anderen Wanderpropheten dieser Zeit", erklärt der Sprecher. "Er macht aus seiner Egomanie keinen Kult, sondern versucht, die Sache der Gemeinschaft über alles zu stellen."

Keine Frage, Muck glaubte daran, dass ein Neuer Markt - ein Qualitätsmarkt - für handwerkliche Produkte geschaffen werden kann. Endlich sollte alles der oft darbenden Familie des Handwerkers zugutekommen. Wem solche Visionen kamen, der konnte Anderen schon etwas Grössenwahnsinnig erscheinen.

 

Die
Wanderroute
der
Neuen Schar

 

Im Gespräch mit Niels Bohr würdigt Werner Heisenberg 1924 "die Bemühungen [der Jugendbewegung] um ein neues schlichteres Kunsthandwerk, dessen Erträge nicht nur den Reichen zukommen sollen". Eigentümlicherweise bleiben speziell diese Ideen und Ambitionen des Drechslers oft unbeachtet. Damit gerät nicht nur die Wandlung der Neuen Schar von der Spiel- und zur Handwerkerschar gegen Ende des Jahres 1920 ausser Sichtweite. Auch die Reformideen zur Organisation des Handwerks und Hinwendung zum Kunsthandwerk werden ausgeklammert. Leben, Ausbildung und Familienleben des Handwerkers, damit verbunden die Siedlungsfrage, beschäftigten Muck bis an das Ende seiner Tage.

Trotzdem, Manchen erscheint die Spiel & Tanz-Company im schillernden Licht. Zum Beispiel Sebastian Haffner (2000, 64 f.), er deutet ihre Rolle als Erlöser kritisch:

"Während Hitler das Tausendjährige Reich durch den Massenmord aller Juden herbeiführen wollte, gab es in Thüringen einen gewissen Lamberty, der es durch allgemeinen Volkstanz, Singen und Luftsprünge erreichen wollte. Jeder Erlöser hatte seinen eigenen Stil."

Doch sie agieren nicht nur im eigenen Stil, sondern atmen grundverschiedene moralische Werte. Eine Erlösung mit Hitler-Methoden war für die Neue Schar immer undenkbar.

War denn, wie oft behauptet und wiederholt (z.B. Kolk 2010, 50), der Holzdreher ein Inflationsheiliger? Chiliasmus und Heilserwartungen, etwa der Art wie bei Johannes Guttzeit, Gustav Nagel oder Gusto Gräser anzutreffen, sind ihm jedenfalls fremd. Muck wollte Niemanden erlösen, wie es für die Inflationsheiligen typisch war. Seine Idee der Handwerker-Gemeinschaft mit eigenen Vertriebsstellen, die er im Aufruf zur Deutschen Volksgemeinschaft 1918 präsentiert, diente allein dem Zweck, dass jeder sein Leben selbstbestimmt in die Hand nimmt,

um sich nicht "mit einem Leben aus
zweiter Hand abfinden zu müssen" (Hans Feistel).

Ebenso treibt Muck als Volksredner nicht die Mission des Erlösers, sondern das Bedürfnis nach Nähe und Verstehen. "Er verkündet kein neues Evangelium; er will, wenn ich ihn recht verstehe, auch gar keine Lehre verkünden", urteilte ein Zuhörer seiner Predigt am 30. September 1920 in der Georgenkirche von Eisenach. "Er will nur jedem Menschen ein sehr großes Geschenk machen, er will ihm sein Selbst schenken." (Einheimisches)

Ob der Titel Messias von Thüringen überhaupt verdient ist, daran zweifelten schon andere. Zum Beispiel Hans Pluta aus Bad Cannstatt, der am 2. September 1964 an Hertha Henschel schreibt: " … nur eben die Unterstellung der Messianischen Idee ist ganz großer Kohl. Wie es dazu kam, will ich Dir sagen. Im Anfang des Zuges in Südthüringen hatten wir für die Versammlung die Säle benutzt, von Weimar an stellte man uns Kirchen zur Verfügung. Wir sind gewohnt vom WV. [Wandervogel] aus Versammlungsstätten freundlich zu gestalten. Wir schmücken die Kirchen mit Blumen. Ich erinnere mich noch: in Erfurt die Barfüßerkirche war mit Blumengirlanden dekoriert, die uns die Gärtnereien zur Verfügung stellten. Muck hat immer in seinen Reden betont, wir kämen aus der Jugendbewegung und das Volk möchte sich nicht mit uns beschäftigen, sondern mit sich selber."

Leuchtenburg
(um 2000)

Ein schnöder Kollektivist, wie es manchmal angedeutet wird, war Muck auch nicht, was aber ohnehin noch klar werden wird.

Als die Neue Schar am 17. Februar 1921 von der Leuchtenburg verwiesen, schlägt ihm sofort heftige öffentliche Kritik und Häme entgegen. Bald sind die Satiriker zur Stelle. An das Kunst, Literatur und Kultur bedürftige liberale Bürgertum adressiert, widmet ihm Ende des Jahres die Zeitschrift Jugend (München) das Scherzgedicht Der Prophet - mit folgenden Versen:

Ach, schon wieder geht uns flöten,
Das erhabne Musterbild
Eines echten Heilpropheten,
Der im Vaterland nichts gilt!
…..

Damals als ein Wanderpred`cher
Nahm er mit zur Wunderreis`
Deutsche Knaben, deutsche Mädch`r,
- Letztre meistens vorzugsweis`.
….

Der Leuchtenburg-Skandal löste in der Öffentlichkeit heftige Reaktionen aus und verlieh der Debatte um Liebe-Ehe-Partnerschaft neuen Schwung. In Mein Bekenntnis zu Muck-Lamberty (1921) verteidigt Gertrud Prellwitz (1869-1942) den Lüstling und Verführer. Im gleichen Jahr erscheint ihr Drude-Roman. Dessen übertriebener Pathos und der schwärmerisch-pseudoreligiöse Charakter der Hauptfigur passt nicht zur Aufbruchstimmung der Jugendbewegung. Jedenfalls ist sie in diesen Kreisen nicht besonders beliebt. Bald wisperte die kritische Jugend:

"Lass dich nicht beprellwitzen".

Ihre mystische und unklare Haltung zum Nationalsozialismus befeuert dies noch. Im 44. Rundbrief des Maienwerkes vom März 1933 begrüsst Gertrud Prellwitz die Hakenkreuzfahne, veröffentlicht weitere profaschistische Flugblätter und hegte Sympathien für die Führernatur Hitler. (Vgl. Janos Frecot 135) Das Image der Schriftstellerin beeinflusste die Wahrnehmung und Kommentare zur Neuen Schar in Teilen der Publizistik ungünstig.

Bis heute schwebt über Muck das Verdikt von der Haremswirtschaft. Auch Ulrich Linse (1983, 119) wiederholt diesen Vorwurf und stützt sich dabei auf Aussagen von Käthe Kühl. Harry Wilde (1965, 118) interveniert gegen diese weit verbreitete Vorstellung: "Innerhalb der Neuen Schar herrschten deshalb auch alles andere als Zustände, die man mit Freie Liebe hätte umschreiben müssen. Doch mit mönchischer Askese hatte diese Haltung nichts zu tun. Es war jene Selbstzucht, wie sie in der Jugendbewegung seit Jahren geübt wurde. Die natürliche Haltung der Mädchen unterband den aufwendigen Sex zugunsten eines gesunden Eros".

Elisabeth Busse-Wilson (1890-1974) spricht in Verbindung mit der Jugendbewegung vom "Tummelplatz der Geschlechtslosen". Die Kameradschaft als geschlechtslose Beziehung zwischen Jungen und Mädchen bedeutete den Verzicht auf Erotik und war der Preis für die errungene Freiheit. "Dieser zeitliche Vorrang der Jugendbewegung vor der älteren Frauenbewegung", darauf macht Elly Bommersheim (1982, 66) aufmerksam, "ist bis jetzt kaum betont worden." Im Lebensstil der Neuen Schar spiegelt sich ein Bild von der sportlichen, naturverbundenen und unkonventionellen, dem Mann völlig ebenbürtigen jungen Frau. In Naumburg an der Saale war es übrigens Wilhelm Flitner der 1912 zusammen mit Lotte Bach und Margret Arends die Mädelortsgruppe des Wandervogel e. V. gründete. An der Spitze des Zuges zum Werkbundfest zogen am 13. Juni 1913 von Bad Kösen über die Rudels- und Saalecksburg zu den Stendorfer Wiesen, wo sie Clotide von Derp (1892-1974) auf grünen Rasen beim Ausdruckstanz bewunderten.

Zu seinen Liebesgeschichten öffnet sich Muck in den Briefen vom Frühjahr 1921 an Adam Ritzhaupt (Erfurt) und Eugen Diederichs (Jena) sowie an Kurt Kläber am 24. Juli 1921. 1928 nahm er im Zwiespruch (Rudolstadt) abermals dazu Stellung. Die Fairness erfordert es, diese in der Rückschau einzubeziehen. Anmassende Urteile über intime Lebensbereiche und Philistertum sollten wir möglichst vermeiden. Mit derartigen Erscheinungen war Friedrich Muck-Lamberty in Naumburg seitens der NSDAP konfrontiert. "Ich halte es für unbedingt erforderlich," informiert am 12. Oktober 1937 NSDAP-Oberbürgermeister und NSDAP-Kreisleiter Friedrich Uebelhoer den Regierungspräsidenten von Merseburg, "die einschlägigen Akten der damaligen Gebietsregierung Altenburg und des damaligen Thür. Wirtschaftsministerium beizuziehen". Jetzt, wo ihn die Werkgemeinschaft junger Handwerker in Naumburg ein Dorn im Auge ist, schlachtet er alles aus, was der NSDAP irgendwie nutzen kann. So behauptet sie, Mucks Leben war von der freien Liebe und einem hemmungslosen geschlechtlichen Sichausleben bestimmt.

Bisher bildete die Forschung ihr Urteil über die Neue Schar, ohne Lisa Tetzner eingehend nach ihren Erfahrungen mit der Neuen Schar zu befragen. Ähnlich verhielt sie sich zu Eugen Diederichs Brief An eine junge Malerin vom 11. Februar 1921, Karl Wilkers Erlebnisbericht Auf der Leuchtenburg (1921) oder der Begegnung der Neuen Schar mit Pfarrer Emil Fuchs in Eisenach.

 

 

Lisa Tetzner.
Bildquelle: Im Land der Industrie zwischen Rhein und Ruhr. Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena 1925

Lisa Tetzner
veröffentlicht 1923:
Bei Muck Lamberty.

Zur Autorin siehe
Elena Geus: "Die Überzeugung ist das einzige, was nicht geopfert werden darf". Lisa Tetzner (1894-1963). Lebensstationen - Arbeitsfelder. Inauguraldissertation. Johann Wolfgang Goethe-Universität zu Frankfurt am Main 1999

Erich Eberts eruierte prinzipielle Umstände für die schwache Rezeption des Werks von Lisa Tetzner. Ihr neunbändiges Hauptwerk "Kinderodyssee" Die Kinder aus Nr. 67 (1933-49) schildert "zwölf Jahre Faschismus und Krieg an den Erlebnissen einer Gruppe von Kindern in all ihrer Brutalität". "Die erschütternde Realistik war wohl mit der Grund dafür, dass dieses vielbändige Erzählwerk in der Bundesrepublik kaum Eingang fand."

 

Lisa Tetzner (1894-1963) begleitet im Sommer 1920 die Neue Schar ein Stück des Weges durch das Thüringer Land. In Selbstlose Brüderlichkeit (1921) und Bei Muck Lamberty (1923/24) verdichtet sie ihre Erlebnisse. Das Kapitel Von Weltverbesserern und Propheten in Im Land der Industrie zwischen Rhein und Ruhr (1923, 113ff.) trägt den Charakter einer Sozialreportage. Es besticht durch einfühlsame, tiefenpsychologisch geleitete Beschreibungen, interessante Details, unbefangene Urteile zur Beziehung der Geschlechter in der Neuen Schar und zur Sexualmoral ihres Anführers Friedrich Muck-Lamberty. "Es will mir scheinen," würdigt Otto Zirker (457) Im Land der Industrie, "als sei hier das Verständigste und das Feinste über eine sehr erschütternde Angelegenheit der Jugendbewegung [- der Neuen Schar -] gesagt." Deshalb, fragen wir sie doch:

Wie war es damals im legendären Thüringer Sommer 1920?

Bisher schenkten viele Muck-Biographen Tetzners Essays und Reportagen über Friedrich Muck-Lamberty nicht die gebührende Aufmerksamkeit. Als Folge davon dominiert bis heute die Wilhelm-Siegmeyer-Erzählung aus Junge Menschen von April 1921 über Mucks Drang mit einem blonden Mädel den deutschen Christus zu zeugen.

Beispielsweise stellt Christian Eger seine Einführung zur Ausstellung "Muck Lamberty - eine Naumburger Legende aus der Zeit der Jugendbewegung" im Jahr 1997 in Naumburg (Saale) unter das Diktum

Blonder Muck
sucht deutschen Christus.

Möglicherweise ist die Schlagzeile einfach dem Anliegen geschuldet, dass Interesse der Öffentlichkeit für ein neues Thema zu wecken. Doch die deutschnationale Sprachästhetik mit leicht rassistischem Akzent überzeichnet Mucks jugendpolitisches Engagement und Streben. Die Sentenz vom "blonden Muck" schöpfte Wilhelm Siegmeyer 1921 in der Zeitschrift Junge Menschen, um die Kampagne gegen Muck anzuheizen. (Siehe Kapitel: Helgoland - ein Kapitel für sich!, Witzenhausen und Attacke der Zeitschrift Junge Menschen.)

Auf der T i t e l s e i t e  warnt am 16. Februar 1921 das Jenaer Volksblatt:

"Eltern, seid auf Eurer Hut! Wenn die Tage des Frühlings wiederkommen, so wird auch Muck-Lamberty von seiner Leuchtenburg herniedersteigen. Denken wir daran, das alle Mädchen, die ihn jetzt noch nachlaufen …. sich außerhalb unserer Sittlichkeitsbegriffe stellen."

"Da die Verführungen der jungen Mädchen mit deren Willen geschehen," erklärt die Zeitung, "so wird für den Staatsanwalt ein Grund zum Eingreifen erst dann Gegeben sein, wenn Krankheiten übertragen werden."

 

Zeitzeugen

hinterliessen zu Friedrich Muck-Lamberty und der Neuen Schar Notizen, Briefe, Aufsätze, Essays und Reportagen. Namentlich handelt es sich dabei um:

Fritz Zögner

Hans Pluta

Harry Wilde
Journalist und Schriftsteller

Willi Wismann

Lisa 
Tetzner
Kinderbuchautorin und Märchenerzählerin


Karl Bittel
Wanderfreund und Jugendreformer

Pfarrer
Adam Ritzhaupt
Erfurt

Pfarrer
Emil Fuchs
Eisenach


Arbeiter
Henry Joseph
Berlin,
Zellestrasse 11


Gertrud Prellwitz
Schriftstellerin

Oberhof

Theodor Plievier
Bad Urach
Schriftsteller und Lebensreformer

Doktor Karl Wilker
Reformpädagoge

Doktor der Politikwissenschaften
Walter Kotschnig
Berater in der
US-Aussenpolitik


Ernst Otto Paetel
Herausgeber der Zeitschrift
Die Kommenden

Wilhelm Uhde
Kunsthistoriker und -händler

Bischof
Wilhelm Stählin

Professor
Wilhelm Flitner
Theologe und
Reformpädagoge

Kunstmaler und Graphiker

Georg Kötschau

Gusto Gräser
Künstler und Aussteiger

Hans Paasche
Autor von Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara
ins innerste Deutschland


Franziskus Hähnel
Votrupp Leipzig

Alfred Kurella
Herausgeber der
Freideutschen Jugend


Maler
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Rudolf Otto Wiemer
Puppenspieler und Lyriker

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Verleger

Franz Hammer
Schriftsteller
Eisenach

Eugen Diederichs
Jena, Verleger

Walter Hammer
Hamburg
Herausgeber von Junge Menschen

Maler Fidus
alias

Hugo Höppener
aus
Woltersdorf bei Erkner.

 

Unter der Überschrift Der Messias der Leuchtenburg drängen sich dann die Vorwürfe an den "langhaarigen Abenteurer": Meuterer in Kiel, notorischer Bettler, Auslöser einer wahren Tanzseuche in Mitteldeutschland, Prediger des Evangeliums der freien Liebe, deutschnationaler Parteigänger und kommunistischer Agitator. Es ist eine Art Leitartikel für die nun einsetzende Anti-Muck-Kampagne, aus denen die Provinz-Blätter ihre Vorhaltungen kopieren können.

Mucks Gegner leisteten sich unglaubliche Tollereien. Ihre Kritik verliert oft Mass und Mitte. Eigentlich gehören Die Naturfreunde vom Gau Thüringen zu Mucks politischen Widersachern. Aber diese Unsachlichkeit und Feindseligkeit im Umgang mit dem Wanderpropheten, das wollen sie nicht.

Elende Pharisäer und Heuchler!,

fauchen sie Mucks Gegner aus Jena zu. (Vgl. NF)

Als die Neue Schar in der Klassikerstadt eintrifft, beklagt die Weimarische Landeszeitung: "Unsere Zeit leidet an dem Mangel von charaktervollen Persönlichkeiten." Viele Hoffnungen ruhten auf Muck. Dennoch war es weder Führerkult noch eine besondere Form von Messianismus, die die Neue Schar so beliebt machte. Vielmehr bewunderten ihre Anhänger - bewusst oder unbewusst - ihre "selbstlose Brüderlichkeit" (Lisa Tetzner 1921), wie die Gruppe mit originellen Formen des Zusammenlebens und der Kommunikation experimentierte, sukzessive von den manierierten wilhelminischen Moralkodizes Abstand nahm.

Muck bekümmert die ausbreitende kulturelle Niveaulosigkeit der Volksfeste. Mit Sinn für Volkstum, Heimat und Gesang, einem neuen Lebensstil, den sie mit Fröhlichkeit und unter Verzicht auf moderne Genüsse (Rauchen) und künstlicher Betäubungsmittel (Alkohol) transportiert, möchte die Neue Schar ein Beispiel geben.

Von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt, trägt die bunte Truppe ihre nonkonformistische Lebensart. Im Rückblick wird ihr Mut zum Neuen, der Protest gegen die Alten und überkommene Lebensweise oft nicht gewürdigt. Wie ein Vulkan die Steine, so schleuderten Jenaer Studenten im Februar 1921 beim Ketzergericht auf der Leuchtenburg zu Mucks Verteidigung die Worte in den Raum:

Ihr Alten habt nicht das Recht,
uns nach Euren Gesetzen

zu schulmeistern.

"Alles in allem ist nur zu wünschen", gibt die Zeitschrift Ethische Kultur durch ihren Autor von Stechow (1920) der Hoffnung Ausdruck, "dass Mucks Gedanken Allgemeingut werden, dass überall die Besten ohne Eigennutz, um der Sache der Menschheit willen helfend zur Seite treten. Ein Kampf für das Licht und das Gute. -"

Für Muck öffneten sich die Tore der Kirche. "Ich war es", bekennt Harry Schulze-Wilde am 1. Oktober 1971 gegenüber Werner Kindt, der ihn "in die Kirchen brachte, das heisst, dass er ab Weimar in den Kirchen "predigen" konnte: Weimar, Erfurt, Gotha, Eisenach etc. Ich war es auch, der durchsetzte, dass [in einer lutherischen Kirche] neben dem Luther-Lied Eine feste Burg ... auch Marienlieder gesungen wurden." "Das möge hier festgehalten werden", beurkundet 1921 Pfarrer Adam Ritzhaupt aus Erfurt:

"Die Neue Schar hat ein Verdienst an der Entwicklung der gottesdienstlichen Kultur."
Sie erreichte Bürger, welche die Kirche bereits für sich verloren glaubte.

 

Indessen beklagt 1921 der Pionier der Fürsorgeerziehung und Leiter der bekannten Zwangserziehungsanstalt Lindenhof Berlin Karl Wilker (1885-1980) in der Zeitschrift Junge Menschen:

"Von allen Seiten greift man ihn an, den Muck, und sie die Neue Schar. Tausend Fehler sieht man an ihnen. Tausend Gerüchte setzt man über sie in Umlauf. Spartakist - schreit der eine; Bolschewisten - der andere. Faulpelze, Meuchelmörder, Drückeberger … das alles und noch anderes schwirrt durcheinander."

 

Über Friedrich Muck-Lamberty und die Neue Schar existieren divergierende Erzählungen und konkurrierende Urteile. Aber sind sie denn berechtigt (rückführbar auf Ereignisse) und korrekt? Fragen wir die Zeitzeugen und beraten uns mit den Arbeiten zur Jugendbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg von Werner Helwig (1960/1980), Walter Laqueur (1962), Fritz Borinski / Werner Milch (1967), Werner Kindt (1968, 1974), Karl O. Paetel (1961), Heinz R. Rosenbusch (1973), Kurt Haufschild (1975), Ulrich Linse (1983: Barfüßige Propheten) und Robert Schurz (2010). Nicht zu vergessen, die erste umfassende Biografie mit 109 Seiten zu Muck-Lamberty von Norbert Bechthold, vorgelegt 1985 an der Universität Frankfurt / Main.

Auf den Spuren der Neuen Schar erwarten uns starke Gefühle, das Abenteuer Natur, die Neu-Entdeckung des Schönen, Höhen der Liebe und abgrundtiefe Enttäuschung. Kann uns Rüdiger Safransky`s Romantik (2007, 334ff.) helfen, dass Phänomen Neue Schar zu verstehen?

Die Jugendbewegung, darauf weist Fritz Borinski (1977, 163) hin, ist "…. eine eigne, einzigartige deutsche Erscheinung, die das Ausland mit Erstaunen wahrnahm". Nichtsdestotrotz auch mit Sorge, erschien ihm doch die Bewegung zuweilen zu romantisch und zu idealistisch, worin man etwas Unberechenbares wähnte. So etwa trug es 1924 Niels Bohr (1885-1962) seinem Freund Werner Heisenberg (1901-1976) bei einer Wanderung über die Insel Sjælland vor.

 

 

Kindheit und Jugend  nach oben

Friedrich Lamberty erblickt am 14. Juli 1891 in Strassburg (Elsass) als achtes von zwölf Kindern das Licht der Welt. Die frühen Jahre seines Lebens liegen für uns im Dunkeln. Wir wissen nur, dass er in einer kinderreichen Familie aufwächst, die im Elsass und dann 10 Kilometer nordwestlich von Aachen liegenden Simpelveld (Niederlande) lebt. "Muck als Katholik liebte die Marienverehrung und das alte Wallfahrtslied Meerstern, ich dich grüße …" (Wilde 1965, 124). Als Ministrant überraschte er den Pfarrer bei sexuellen Handlungen mit der Hauswirtschafterin, die sein Schweigen mit Schokolade erkaufen (Bechthold 47).

Franziska Lamberty
(1860-1939),
die Mutter von Friedrich
Muck-Lamberty

Bild: Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand: Neue Schar A 17, Nr. 1.

Mutter Franziska Lamberty, geboren am 27. Oktober 1860, eine Hessin aus Meisingen, Tochter des dortigen Bahnhofsvorstehers, lebte bis 1939.

Der Vater, Friedrich August Lamberty, von Beruf Kaufmann, geboren am 12. Juni 1859 in Neheim an der Ruhr, führte ein autoritäres und rechthaberisches Familienregime. Max Horkheimer`s geistvoller Sinnspruch "Die Jugendbewegung entsprang nicht zuletzt daraus, dass man im väterlichen Geschäft keine Chance mehr sah", erfasst die Lage des fast noch kindlichen Jungen ganz gut, als er mit dreizehn, vierzehn Jahren das Elternhaus verlässt.

Als Achtzigjähriger äussert sich der Nestflüchter im Gespräch mit Rudolf Wiemer freundlich über seinen Vater. Er verfügte über Patente in Holland, Belgien und Frankreich, war ein origineller Kopf, erzählt ihm Muck. - Friedrich August Lamberty stirbt 1913.

 

Der Kaufmann, der das Glück zu verkaufen hat

Seit den Kindertagen nennt man ihn Muck. Besonders die Freideutsche Jugend und weite Kreise der Öffentlichkeit nannten ihnen "Muck", was hier der Einfachheit halber übernommen wird, aber keineswegs ein Duz-Verhältnis zum Ausdruck bringt. Der Rufname legt die Vermutung nahe, dass es Parallelen zur Geschichte von dem kleinen Muck von Wilhelm Hauff (1802-1827) gibt. Er war von kleinem Wuchs, weshalb ihn die Leute verspotteten. Sein fröhliches Naturell liess ihm das ertragen. Er spielt und liesst gern. Der Tod des Vaters, er ist gerade 16 Jahre alt, droht ihn aus der Bahn zu werfen. Diese Lebenskrise bebildert Regisseur Wolfgang Staudte (1906-1984) im gleichnamigen DEFA-Märchenfilm von 1953 in einer Strassenszene. Der Wächter fragt den von den Ereignissen gezeichneten Muck, was er nun zu tun gedenkt, worauf der antwortet:

Ich suche den Kaufmann,
der das Glück zu verkaufen hat.

Auch Friedrich trägt diese Hoffnung aus dem Elternhaus.

1906 wanderte er von Holland nach Bregenz am Bodensee und beginnt dort eine Lehre bei den Gebrüder Hiller (Hannover), die seit 1901 Reformwaren vertreibt. Die Firma besteht bis heute als Natura-Werk Gebr. Hiller GmbH & Co. KG fort.

Auf der etwa 35 Kilometer südlich von Stuttgart gelegenen Burg Hohenneuffen trifft Muck 1909 erstmals mit der Wanderbewegung zusammen. Er arbeitet als Vertriebsleiter für ein Reformhaus in Stuttgart. Sein Gehalt soll respektabel gewesen sein. Er ist Vegetarier und ein leidenschaftlicher Alkoholgegner. Bald übernimmt er eine Filiale des Unternehmens in Brünn (Brno). "Ich hatte mit 18 Jahren in Österreich", erfahren wir 1919 von seiner Tätigkeit in Graz, ein Reformhaus für gesunde Kost ins Leben gerufen, um praktisch für eine Gesundung durch vernünftige Ernährung zu wirken." Mit 19 übergab er es einem Freund, um weiter zu wandern.

Mucks Weg führt nach Esslingen am Neckar. Hier gehört er um den siebenbürgischen Dichter und Wanderer Gusto Gräser und zusammen mit Ernst Emanuel Krauss, der sich später Georg Stammler nennt, Willo Rall, Luise Rieger, Theodor Heuss und Hugo Borst zum Kreis der Esslinger Sieben (Müller). Im September 1913 verlässt er die Stadt.

"Ich bin geboren worden unter der Bedingung, dass ich das sein soll, was ich sein will", könnte man mit Giovanni Pico della Mirandola (1486) seine Lebensmaxime formulieren. Ein anspruchsvolles und schwieriges Unterfangen, wenn man in einer Zeit tiefer gesellschaftlicher Krisen früh dem Elternhaus entflieht und das existenzsichernde Handwerk erst mit 28 Jahren erlernt. Aber so ungünstig war das gesellschaftliche Umfeld für die Unternehmungslustigen auch wieder nicht. Immer stärker brandet die Lebensreformbewegung mit ihren Bedürfnissen auf. Heftig kollidieren im sozialen Raum die veralteten Erziehungsmethoden der Schule und des Elternhauses mit den Ansprüchen der sich entfaltenden Jugendkultur (Gustav Wyneken).

"Die deutsche Jugend steht
an einem historischen Wendepunkt",

verkündet 1913 die von Georges Barbizon (Berlin) und Siegfried Bernfeld (Wien) herausgegebene kritisch-aufrührerische Jugendzeitschrift Der Anfang.

ML wird sich in die Jugend- und Lebensreformbewegung einmischen. Über schwere Rückschläge hinweg, erhält er seine aktive Lebensposition. Und lebte dabei manche kleine Unvollkommenheit, wie es seine Verteidigerin Gertrud Prellwitz 1921 ausdrückt.

Die überlieferten Jahreszahlen zu den Lebensstationen Bregenz, Stuttgart, Brno, Graz und Esslingen konfligieren leicht. Sie können nur als Anhaltspunkte betrachtet werden.

 

 

Muck auf dem Monte Verità?

Ascona (2008)

War Muck in Ascona? Möglich, antwortet Hermann Müller (2011), nur wir können es nicht wissen.

Im Herbst 1900 gründeten die Pianistin Ida Hofmann, Industriellensohn Henri Oedenkoven sowie die Brüder Karl und Gusto Gräser auf dem Monte Monescia bei Ascona im Kanton Tessin die vegetabile Cooperative. 1904/05 entstand die casa anatta als neues Gemeinschaftshaus der Kommune. Einfachheit, Naturnähe und ein Leben in Symbiose mit dem Wald sehnen Gräser und die anderen Weltverbesserer, Ida Hoffmann, Henri Odenkoven, Karl Gräser, Lotte Hellemer, herbei. Auch Erich Mühsam, Chaim Weizmann, Fürst Kropotkin oder Michael Bakunin kamen hierher.

"Hermann Hesse zieht 1907 in Gräsers Grotte in den Felsen. Das tiefere Motiv dieser Aussteiger ist aber, wie der Name der Gründung besagt, die Suche nach der Wahrheit. Nach einer Wahrheit, die ihnen die damalige, bürgerlich, autoritär und nationalistisch geprägte Gesellschaft nicht bieten konnte. Ein Ausgangspunkt für ihren Versuch war die radikale Lebensreform des Malers Karl Wilhelm Diefenbach (1851-1913)." (Müller 20.8.2013)

Gräser kam erst 1916 wieder auf den Berg.


Gusto Gräser (1884-1958)*, eigentlich Gustav Gräser,
inspiriert nach dem Ersten Weltkrieg die Vagabunden-Bewegung (Gregor Gog), die deutsche Gandhi-Bewegung (Willy Ackermann), die Christ-Sozialisten mit (Max Schulze-Sölde), die Landkommune Grünhorst (Gertrud Gräser) und die Neue Schar um Friedrich Muck-Lamberty.

 

 

An die Denkwürdigkeiten des Monte Verità (Höhe 321 m ü. M.) erinnern nicht nur die Fotos von Klabund, Fany Gräfin zu Reventlov oder Gusto Gräser. In Robert Landmanns Geschichte eines Berges von 1930 sind auch Edmund Stinnes und der Exkronprinz [1234] abgebildet. Erich Mühsam, der von 1904 bis 1909 jeden Sommer in Ascona weilte, stösst dies bitter auf. Denn fraglos waren die Gründer des vegetarischen Wahrheitstempels von hohen und ehrlichen Idealen durchweht. "Ihre Schwäche sah ich aber gerade in dem," protestiert der Philanthroph am 21. Juli 1930 im Berliner Tageblatt, "was ihnen Landmann als stärkstes Verdienst anrechnet, in der Fähigkeit, den praktischen Anforderungen des Tages stets auf Kosten ihrer Ideale Rechnung zu tragen.

Dieser Opportunismus
ist das Schicksal des Monte Verità."

Gehen wir einen Trauerschoppen trinken, schlägt der Kämpfer für Max Hölz (1926) und für die Freiheit des Schrifttums (1931) vor, um unserer Jugendliebe zu beerdigen.

 

Ob Friedrich Muck-Lamberty sich auf dem Monte Verità aufhielt, bleibt ungewiss. Doch über Gusto Gräser partizipiert er an den Ideen der Kommune.

 

 

Von grossen Idealen getragen  nach oben

"Wir könnten schon warten, doch wir wollen nicht warten, wir wollen weiter, weiter vom großen Ideale getragen", teilt Muck Freunden und Führern 1913 aus Esslingen mit. Doch welche Ideale meint er? Welche Werte leiten ihn?

 

Der Kampf der Jungnaturen gegen die Alten.

Im Juni 1920 beginnt die Wanderung der Neuen Schar. Ihr Credo lautet:

Weg mit der Herrschaft
der Alten über die Jungen.

Der Kampf von Jung gegen Alt ist für Muck die wichtigste Triebkraft der politischen Bewegung. Sein Vertrauen in Kraft und Elan der Jugend ist nahezu grenzenlos. "Die Jugend", heisst es in Neuland in Sicht (1913) ,"ist es immer gewesen, die die Dinge änderte." Denn "Die Älteren und die Bürgerlichen und Geistigen im Lande, sie haben kein Heimatschwingen, haben kein junges Klingen mehr im Blute", fasst er seine Beobachtungen im Januar 1919 zusammen und fordert die Verjüngung des politischen Lebens.

"Unsere Welt muss untergehen," warnt Muck in An alle Lebendigen, "wenn die Jungen und Junggebliebenen nicht aufstehen, an sich arbeiten und sich verständigen."

Der Kampf der Jungnaturen gegen die Alten könnte als Losung über den Zug der Neuen Schar durch Franken und Thüringen stehen. Auf einem Flugblatt in Eisenach (25.9. bis 8.10.1920) prophezeit die Neue Schar:

"So kommt es sicher, dass die Jungen sich verbinden, um gegen alles Morsche und Faule und die Verderbtheit der heutigen Gesellschaft zu kämpfen, die Jugend, die über allen Parteien steht, um des Lebens willen."

In der Augustinerkirche zu Gotha unterscheidet Muck zwischen Ich-Menschen und Gottmenschen. Erstere heisst er auch geistige Proleten oder alte Menschen. Die für ihre Idee leben, sind die Jungen oder Gottmenschen.

Der geistige Boden für den Kampf gegen die Alten war 1920 längst bestellt. Die reformfreudige Jugend drängt schon lange zum Kräfte messen. In der von Gustav Wyneken eingeführten Schülerzeitschrift Der Anfang kam dies 1913/14, was hitzige Proteste auslöste, ziemlich provokativ immer wieder zur Sprache. Hierzu ermittelte das Vorarlberger Volksblatt aus Bregenz und verschaffte sich mit Veröffetnlichung der Ergebnisse am 3. April 1914 etwas Abkühlung:

"Die Wynekschen Organisationen
sind Zuchtanstalten für Revolutionäre,
nichts anderes."

 

Kritische Haltung zu Parteien

"Er spricht von den kalt Geistigen, von den Absteigenden, den Kasten- und Parteimenschen", fiel 1921 (10) bereits Adam Ritzhaupt auf. Er ".... spricht von den Klassen- und Parteigegensätzen," registrierte Walter Kotschnig (1920), "die nur den

berechnenden, kalten Menschen

Mittel sind, ihre Herrschaft über den guten, den lebendigen Menschen zu erhalten." - Möglicherweise spielen hierbei seine misslichen Erfahrungen mit der Deutschen Vaterlandspartei eine gewisse Rolle. Doch auch mit den Funktionären der Arbeiterparteien und Gewerkschaften haderte Muck, gewinnt nie viel Zutrauen zu ihnen, wie er 1929 an den Fabrikarbeiter Henry Joseph, dem Schwiegersohn von Gusto Gräser, schreibt:

"Ihr Jungen aus dem Proletariat, lasst Euch doch nicht täuschen, schaut Euch die Gewerkschaftsbonzen an, die Krankenkassen-Häuptlinge und die Arbeiterdichter, die dicke Bäuche und ein behagliches Leben führen, wie sie sich darin wälzen und es andern schwer machen."

"Muck fühlte sich im höheren Sinn berufen, er lehnt jede Regierung," glaubt von Stechow (1920), "jede Partei, jedes Bekenntnis ab." Ihre Vertreter und Repräsentanten waren für ihn kein Vorbild, weil sie ihre Worte oft an taktischen Erfordernissen der Wahl ausrichten, täuschen, lügen und dazu neigen, die Bürger zu bevormunden. Wohl deshalb erklärt Muck am 9. September 1920 in der Augustiner Kirche zu Gotha, dass sie "nicht im Namen einer Partei kämen und jeden Standesunterschied ablehnten".

Muck will (nur) nicht, dass der Parteienschlamassel in die Jugendbewegung eindringt.

Als er Ende Mai 1920 im Kronach (Franken) anlandet, schrieb der Fränkische Wald:

"Es ist auch wahrlich an der Zeit, dass die entschlossenen jungen Menschen nicht das Leben der heutigen Gesellschaft und

das Gezänk der Alten

so ohne weiteres hinnehmen und den Hass der Parteien in die Jugend tragen."

Nicht ganz unwichtig ist, dass seine Kritik weniger auf die Parteiendemokratie als auf die Parteienwirtschaft abzielt. Zudem trägt sie volkstümlichen Charakter und ist nicht staats- oder verfassungsrechtlich begründet. Ganz ähnlich wie Muck kritisierten viele demokratisch gesinnte Intellektuelle die Entfremdung der Parteien vom Bürger, ihre Phrasendreschereien, den Widerspruch zwischen Wort und Tat, von Parteiprogramm und Regierungspolitik, den Einsatz hochaggregierter Symbole um Mängel zu kaschieren und das Karrieredenken der Volksvertreter. Beispielsweise monierte Lisa Tetzner 1921:

"Deutschland ist in eine unglaubliche Parteipolitik zerfallen, die jede freie Menschlichkeit zu beengen droht."

Genauer wurde da Carl v. Ossietzky im Aufsatz "Auftakte" (1928), wenn er das Listens[Wahl-]ystem, welches nur die Omnipotenz der Parteibure aus konserviert, kritisiert.

Wer die Arbeitsweise der Parteien fair prüft und kritisiert ist nicht notwendigerweise ein Demokratiefeind. Natürlich war die immer wieder erhobene Forderung der

"Überwindung der Parteien
durch die Jugend" (Harald Schultz-Hencke)

und nach Erneuerung der Parteien naiv. Überall wo dies versucht wurde, stiess es auf ihren Widerstand. Verständlich, betonen Arnold Bergsträsser und Hermann Platz (1927, 18), denn hier treffen zwei verschiedene Zwecke aufeinander. Der eine will die Bildung des Charakters und Entwicklung des Urteilsvermögens, der andere ist lediglich auf die Disziplinierung der Mitglieder und die Erhaltung der Macht gerichtet.

Die Parteien, resümiert Ulrich Linse (1983, 99), ignorieren Muck oder sehen in ihm einen Politclown. Ja, warum wohl? Nur weil er ihre politische Sprache nicht beherrscht? Wohl kaum. Nachdenklich macht, was Gisella Selden-Goth unter dem Eindruck der Spiele, Musik, Tänze und Gesänge der Neuen Schar in Weimar bemerkt, dass die deutschvölkischen wie sozialistischen Jugendgruppen nun fürchten mussten, Mitglieder zu verlieren. "Die Knaben und Mädchen, deren Herzen" Muck "von allen Seiten zufliegen,

wollen nicht mehr in den Schauzügen mitmarschieren, an deren Spitze die Tafel mit dem Schlagwort getragen wird."

 

Die Macht der Maschine

Muck fürchtet die Diktatur der Maschine über den Arbeiter. Wilhelm Flitner (1968, 271), der ihn von den Reden aus der Jenaer Zeit kannte, fiel auf:

"…. und verständige Leute horchten auf, wenn er die Fließbandarbeit in den Fabriken schalt, die Tyrannei der Maschinen schilderte, die Produktion überflüssiger Dinge verurteilte, die Schund- und Schmutzliteratur, den Klassenkampf, die Landflucht, die Geringschätzung des Handwerks."

Seinen Reden thematisieren die Ambivalenz des technischen Fortschritts. Grosse Sorgen bereitet ihm die fortschreitende Mechanisierung und Automatisierung der Arbeit. "Ich stand manchmal lange an einem Kellerfenster einer Lüdenscheidschen Knopffabrik", erzählt er, "und hatte eine Freundschaft mit einem Knopfmacher.

25 Jahre machte der Mann immer ein und denselben Knopf und seine ganze Familie und seine Kinder sahen bald so aus.

Welche Energie braucht der Mensch, um dabei nicht ganz zu verblöden."

Fließbandarbeit und Automatisierung zerstückeln und taylorisieren den Produzenten, degradieren ihn zum Anhängsel der Maschine, zwingen ihn den technologischen Rhythmus auf. Massen- und Billigproduktion bedrohen die wirtschaftliche Existenz vieler Handwerker. Oft bleibt ihnen nur, sich als Hilfsarbeiter zu verdingen. Ein trauriges Bild zeichnet der Kunsthandwerker 1929 in Jugendbewegung, Handwerk und Volksfest (10): "… und dann sehe ich die Massenfabriken, wie der Mensch zur Maschine wird, sehe wie sie darin leiden, die zu früh hineingesteckt wurden."

"Es klingen auch nicht mehr die alten Handwerkerlieder",

klagt er in Die Handwerkerschar von der Leuchtenburg 1921, "es ist nicht mehr die väterliche Freude bei Arbeit mit Gehilfen und Lehrburschen."

 

Aufhebung der Entfremdung der Arbeit im Handwerk

Nach der Überzeugung von Muck bietet dem jungen Menschen allein die Sphäre des Handwerks einen Korpus für Rechtschaffenheit und selbstbestimmtes Arbeiten, betont aber, "Für den Massen- und Haufenmenschen ist das Handwerk nicht da." (Jugendbewegung 12)

"Jugend Voran", Plakat, 1951, Grafiker E. Wernitz.

Die Botschaft des Plakats vermittelt anschaulich, warum das Konzept der Handwerksarbeit als Charakterbildung eines Volkes kein gesellschaftliches
Echo fand.

Schon etwas ungläubig fragt Lisa Tetzner in Selbstlose Brüderlichkeit (1921) nach:

"Können wir wahrhaft annehmen, die Welt von Werkstätten aus durch einen Drechsler zu reformieren?

Trotzdem will er die Entfremdung in der industriellen Massenproduktion durch das Handwerk überwinden.

 

Die Idee vom neuen Markt

Wenn man in die "Werkstätten der heutigen Heimarbeiter schaut", "dann kann man das Gruseln bekommen, was nicht alles an Schund und Tand hergestellt worden ist und noch wird". "So könnte der Jahrmarkt eine Belebung sein, heute ist er meist aus Bluff und Betrug aufgebaut", kritisiert ML in Jugendbewegung, Handwerk und Volksfest (1929).

"Eine goldene Uhr für 1 Mark, dazu noch ein Portemonnaie, dazu noch … lauter Schwindel und es wird von der blöd gewordenen Menge gekauft und fortgetragen."

Um das Handwerk aufzuwerten, entwirft er 1929 in Jugendbewegung und Handwerk (14) die

Idee vom neuen Markt.

Er ".... müsste das Beste bieten, was Handwerker der Umgebung zu leisten vermögen. Es muss sprichwörtlich heißen:

das habe ich vom Meister … gekauft".

"Wir haben erkannt, welch großen Einfluss der gesamte Kaufmannsstand auf die Entwicklung der Menschheit ausübt", fasst er 1914 gemeinsam mit Georg Peters in Was können wir tun? seine betriebswirtschaftlichen Erfahrungen zusammen. Um die Lage des Handwerks zu bessern, muss nach ihrer Ansicht der Widerspruch zwischen Ökonomie (Kaufmann) und Produktion (Handwerker) überwunden werden. "Viele sehen in den Kaufmann bei unseren Bestrebungen ein notwendiges Übel. Man erwartet das Gute vom Handwerk selbst. Wir haben aber eingesehen, dass der schaffende Künstler, der Handwerker und Kaufmann Hand in Hand gehen müssen, damit der bestehende Einfluss des Kaufmanns auf die Herstellung der Roherzeugnisse den Erneuerungsbestrebungen zu Gute kommt. Also: Sie wollen gemeinsam schaffen …."

 

Untergang des Handwerks

"In diesen Zeiten des schnelleren Verfalls und des stilleren Neubeginns bei den Jungen spürt der Feinsinnige auch

die Berufsnot.

Wie mancher Junger Mensch, Sohn eines rücksichtslosen Kaufmanns (Schieber) will nicht den Betrieb seines Vaters übernehmen. Er will

rechtschaffener Handwerker

sein. Wie mancher will nicht den toten Weg des Beamten gehen und es kommt ein Kampf in der Familie. Die Tradition, die dumme Anschauung, dass der schlichte, einfache schöpferische Handwerker minderwertig sei, will den jungen, lebendigen, strebsamen, Menschen zwingen, einen "höheren" Beruf zu ergreifen. … Vielen jungen Menschen bin ich begegnet," blickt Muck in Die Handwerkerschar von der Leuchtenburg zurück, "die so Heim und Anhang verliessen und draussen in der Welt Land und Meister suchten."

Er warnt:

"Der Untergang des Handwerks ist für die Charakterbildung eines Volkes von nicht unerheblicher Bedeutung." (Jugendbewegung .... )

 

Anerkennung der Arbeit und
Leistung des Handwerkers

Immer setzt er sich für die gebührende moralische und wirtschaftliche Anerkennung der Arbeit des Handwerkers ein. "Ich denke an den Feilenhauer Trebitsch in Naumburg, der kaum bekannt ist, den aber die Fachleute zu schätzen wissen. Ich war mit Dichtern und Denkern bei ihm und sie bewunderten sein Können. Was ist daneben manchmal ein Professor für irgendeine überflüssige Wissenschaft mit Staatspension?" (Jugendbewegung 10f.)

"Handwerker müssen sie sein," so seine Forderung, "die den Meistergedanken wieder zu Ehren bringen, - ich selbst wurde dann auch Handwerker. Aus Echtheit müssen sie leben. Gar nicht viele brauchen, keine üppige Ernährung und nicht tausend Dinge." (Nach Prellwitz 5)

Über das ganze Leben beschäftigen ihn die wirtschaftliche Lage der Handwerksbetriebe und ihr Einfluss auf die Familien. Er überlegt, ob die Abwanderung in die Landwirtschaft ein Ausweg wäre, oder ob die Bedrängten ihr Geschäft - zumindest in bestimmten Regionen - durch gastronomische und touristische Angebote erweitern könnten.

Ein Teil der Produkte der Werksgemeinschaft junger Handwerker Naumburg Saale erfolgt in Direktvermarktung. Muck ist ein talentierter Kaufmann. Und das, lehrt die Erfahrung, rief zu allen Zeiten die Neider auf den Plan. Immerhin gehört sein Betrieb hinsichtlich Umsatz und Anzahl der Beschäftigten, die freilich saisonal schwankten, zu den erfolgreichsten Unternehmen der Stadt. Das war nicht das Ergebnis von zufällig wirkenden Naturkräften, Geschenken oder Zuwendungen. Vielmehr musste er sein kleines Unternehmen unter schwierigen äusseren Verhältnissen gründen, stabilisieren und entwickeln.

 

Volksgemeinschaft

Mucks politisches und soziales Denken prägt die Idee der Volksgemeinschaft und des Deutschtums. Heute lösen diese Begriffe beim Bürger aufgrund ihrer Funktion in der nationalsozialistischen Ideologie und Politik oft Aversionen aus. Daraus können Vorab-Urteile entstehen, die in die Irre führen. Es hilft nichts, beide Begriffe müssen genau erhoben und in der Zeit verstanden und interpretiert werden. Allgemein ist festzustellen, dass sie ihren Inhalt in Abhängigkeit vom Kontext verändern und zur Amplifikation neigen. "Ähnlich wie unter den Sammelnamen Jugendbewegung", wusste schon Knud Ahlborn (1918), "bergen sich auch unter dem Begriff Deutschvölkische Bewegung unterschiedliche, ja zum Teil entgegengesetzte Richtungen."

Ulrich Linse zählt in Barfüßige Propheten (1983) die völkische Bewegung zu den "ersten deutschen frühfaschistischen Massenbewegungen" überhaupt. Doch längst nicht alle, die von völkischen Ideen befallen, nehmen den Übergang zum Nationalsozialismus. Auf die feinen Unterschiede kommt es an.

Es existiert ein breites Spektrum völkischer Ideen. Unterschiedliche politische Richtungen nutzen sie zu Werbezwecken. Zum Beispiel repetiert Walther Victor (1885-1971) Ostern 1921 in Dresden auf der Arbeiterjugend-Führertagung den Gedanken, dass der Sozialismus die wahre Volksgemeinschaft verwirklicht.

Zusammen mit Theodora Schulze und Hermann Thümmel veröffentlicht Muck-Lamberty 1918

Thesen zur Deutschen Volksgemeinschaft.

Hier erhalten seine Hoffnungen zur Vitalisierung und Umgestaltung Deutschlands einen für diese Zeit erstaunlich klaren Ausdruck. Beseelt vom "Glauben an das deutsche Volk", soll nach der Katastrophe des Weltkrieges und den in der Revolution aufbrechenden Gegensätzen eine neue Gemeinschaft, die Volksgemeinschaft entstehen. In 13 Thesen gestalten die Autoren das Projekt wie folgt aus:

Die Deutsche Volksgemeinschaft setzt sich aus allen Schichten zusammen. Alle Deutschen, die wirklich gesinnt sind, die sittlichen Kräfte unseres Volkes zu heben, können Mitglieder werden.

Auf das Tiefste bedauert die Volksgemeinschaft den Untergang des Handwerks. Und sie hofft, es wiederzubeleben.

Die Deutsche Volksgemeinschaft will eine Erziehungsgesellschaft sein. Die Volkserziehung führt zur Volkshochschule.

Selbst die Kasernen sollen als als Bildungsgemeinschaft angesehen werden.

Eine gesunde Gesellschaft möchte die religiöse Not unserer Zeit mehr beachtet sehen.

Ein freies starkes Volk basiert auf den gesunden Beziehungen der Geschlechter. Die Frau soll dem Mann eine mitschaffende Gefährtin sein, keine Modepuppe, kein Spielzeug des Mannes, keine Magd.

"Wir erstreben wieder die Hebung des Familiensinns."

In der übergroßen Verstädterung unseres Volkes liegt der Hauptgrund des Verfalls.

Die 13 Thesen zur Volksgemeinschaft sind natürlich keine singuläre Erscheinung. Wie Max Schulze-Sölde (1887-1967), Ludwig Christian Haeusser (1881-1927) oder Alfred Kurella (1918), greift Muck-Lamberty hiermit die Ängste weiter Bevölkerungskreise auf. Er antwortet mit der Revolution der Seele, einer fulminanten Utopie, die im Gewand von Tanz, Spiel und Gesang daherkommt.

Muck "sah von Fidel Castros Kuba bis nach China solche Volksgemeinschaften im Werden" und begrüßte 1969 "ausdrücklich die Studentenrevolte", instruiert Ulrich Linse 1984 das Politikmagazin Der Spiegel (Hamburg). Doch trachtet das ideologische Konstrukt der Volksgemeinschaft zum Klassenfrieden, nicht aber zum Klassenkampf, weshalb die rebellischen Attitüden der 68er da wirklich schlecht ranpassen.

Die Pflege des Deutschtums war oft das Einfallstor für die Revisionspolitik. Es gibt aber keinen Grund anzunehmen, dass die Autoren des Flugblatts von Muck-Lamberty aus Revolutionstagen 1918 dies im Schilde führten. Vielmehr begreifen sie die Existenz- und Lebensweise der Völker als gleichberechtigt. Im Text heisst es: "Je besser ein jedes Volk seine Eigenart hegt und pflegt, umso höher wird es geachtet." Also nicht ein oder nur das deutsche Volk, sondern "ein jedes [!] Volk" soll seine Eigenschaften, die Sprache, Kultur, Bräuche und Traditionen pflegen. Darin ist kein rassistischer oder völkischer Denkansatz zu erkennen.

Trotzdem erheben Fritz Borinski (1903-1988) und Werner Milch (1903-1950) in Geschichte der deutschen Jugendbewegung 1918 -1933 (1967, 46) gegenüber Friedrich Muck-Lamberty einen schwerwiegenden Vorwurf: "Zu seiner Lehre gehörte der Glaube an die Züchtung einer neuen Rasse durch freie kommunistische Liebe (viele Gedanken der Nationalsozialisten und Kommunisten erscheinen in seinen Ansprachen) .... ". Wo und wann er diese Lehre verkündet haben soll, konnte auf Grundlage der für den vorliegenden Text ausgewerteten Quellen nicht erhoben werden. Fritz Borinski und Werner Milch geben ebenfalls keine Quelle an. Möglicherweise bezieht sich ihr Urteil auf die Veröffentlichung

An die Lebendigen im Adel.

Hier flattern Sentenzen oder Wörter wie "Blutsdeutsche", "völkisches Leben" und "Deutschen Heilbringenden" umher. Muck schreibt: "Das Deutschtum braucht Edelinge. Es muss zur Scheidung der Geister kommen," prophezeit er. "Schafft nicht der Adel den edlen Menschen, so schafft sich das Deutschtum einen neuen Adel. Nicht den des Sozialismus - den der Gerechtigkeit - der Heimatkraft." In dieser Weise klingen Momente des deutschnationalen Kultur- und Heimatbegriffs sowie völkischen Denkens an.

Trotzdem stützt dies an sich nicht das krasse Urteil vom Rassenideologen, zumal wenn der Zeitgeist (Dilthey) berücksichtigt und die realen Aktivitäten der Neuen Schar in das Zentrum der Betrachtung rücken. Ihre Tänze, Spiele und Lieder schürten nicht die Angst vor dem Fremden, sondern trachteten nach Vertrauen und schafften eine emotionale Gestimmtheit, die als Grundlage für die so wichtige Kooperation dienen kann. Da gab es keinen Adel, keine Geführten, Verführten und Auserwählten, keine Einheimischen und Fremden.

Beim Lesen von An die Lebendigen im Adel scheint es einen Augenblick so, als wollte oder könnte Muck hier die Brücke zum völkisch-nationalsozialistischen Denken überschreiten. Er tut es aber nicht, geht einen anderen Weg, wofür die Veröffentlichung der Thesen zur

Deutschen Volksgemeinschaft

steht. Das war 1918/19.

In seiner Replik zur Selbstschulung der Arbeitslosen - unter Mitarbeit der Wissenden und Lebendigen von 1931 -  stellt sich dies anders dar. Im Kontext der Arbeitslosen-Frage fordert er vom Bürgertum die Bereitschaft "mit den Freiwilligen bereits die neue Ordnung zu schaffen, die unbedingt notwendig ist,

will man einen Staat
überleiten in eine völkische Ordnung".

Hier schwingt die Vorstellung mit, dass Eigene könnte durch das Fremde zerstört werden, worin eine Überhöhung der ethnisch-kulturellen Merkmale eines Volkes zum Ausdruck kommt. Gemeinhin gründet die völkische Ordnung auf der rassischen Homogenität der Volksgemeinschaft, die der Staat schaffen und sichern muss. Darauf zielt Rassenpolitik des Nationalsozialismus ab. War das 1 9 3 1 die Auffassung von Friedrich Muck-Lamberty? Auf Grundlage der hier ausgewerteten Quellen kann das nicht beantwortet werden. Ein Aufsatz von Friedrich Muck-Lamberty von 1928 zur 900-Jahrfeier der Stadt Naumburg stand mir nicht zur Verfügung. Darin soll er bedenkliche Formulierungen verwendet haben.

 

Zu neuen Horizonten

Wandern nimmt in der Jugendzeit von Friedrich Muck-Lamberty einen herausragenden Platz ein, physisch und kulturell-geistig. Eine für diese Zeit typische reflexive Abstraktion prägte 1915 Hans Breuer, gefallen am 20. April 1918 bei Verdun, im Vorwort zur Neuauflage des Zupfgeigenhansel:

"Wir müssen immer deutscher werden. Wandern ist der deutscheste aller eingeborenen Triebe, ist unser Grundwesen, ist der Spiegel unseres Nationalcharakters überhaupt."

Reisen erweitert den Horizont, ermahnt Alfred Döblin (1926) die Mobilitätsfanatiker und Kilometerfresser, aber wo keiner ist, vergrössert sich lediglich das Mundwerk.

Muck drängt im Aufsatz Den jungen lebendigen Predigern (1919, 83) über die Anschauungsweise von Hans Breuer hinaus. Als die Parteien 1918/19 den "Teufelstanz" wagten, teilt er seine Erfahrungen mit, "da stand nicht die Partei selber auf, das junge Volk stand mit auf, die Lebendigen waren dabei,

die draussen gewandert, geschaut,
Gott gesucht und gefunden,

nicht bei den Predigern der kalten Kaste, wohl bei den Bauern,

in den Domen des Waldes,

bei den Menschen, die in Not lebten und recht taten. Diese junge Volk stand auf ...."

Der Wanderer findet zur Natur, entdeckt die Heimat, gewinnt Erfahrungen, gestaltet Gemeinschaften und schliesst Freundschaften. In Jugendbewegung, Handwerk und Volksfest (1929, 8-10) bringt Muck seine Erfahrungen ein: Die wandernde Jugend kannte die Bürstenmacher in Sachsen, die Drechsler in Thüringen und im Erzgebirge, die Töpfer von Bürgel, Bunzlau, Velten, Vordamm, der Rhön, von Bayern oder St. Ullrich. Von ihnen, wissen die Sonntagswanderer nichts, da sie nur selten den Schaffenden antreffen. "Die deutsche Jugend hat sich das Handwerksleben gründlich angesehen, und hat durch Wanderungen (Wandlungen) durch die Heimat und ins Volksleben hinein einen ganz anderen Sinn für Volk und Staat entwickelt. Erwandert? auf der Wanderschaft, sich umzusehen."

Wandern dient der Lebensertüchtigung, schult die realistische Weltbetrachtung, übt das autodidaktische Lernen und schärft die empathischen Fähigkeiten. Wandern erhält eine progressive gesellschaftliche und politische Funktion zugewiesen. Obwohl Muck dem Deutschtum in eigener Weise zugeneigt ist, finden wir bei ihm Bestrebungen, das Wandern mehr im Sinne von Alfred Döblin als von Hans Breuer zu bestimmen. Zu neuen Horizonten, drängt es ihn.

 

Wanderung mit Karl Bittel
und die Siedlungsfrage  nach oben

Im Archiv der deutschen Jugendbewegung Burg Ludwigstein befindet sich ein Foto mit der Jahresangabe 1911, das Friedrich Muck-Lamberty zusammen mit Karl Bittel (1892-1969) bei einer Rast unterhalb von Schloss Werenwag im oberen Donautal abbildet. Es könnte vielleicht ihrer Italienwanderung entstammen. Als Bittel 1919 zu den Kommunisten einschwenkt, trennen sich ihre Wege. Ursache dafür waren wahrscheinlich nicht politische Differenzen, sondern einfach nur die Lebensumstände.

Blick zum Schloss Werenwag im oberen Donautal. Rechts Karl Bittel, links davon Friedrich Muck-Lamberty.

Bildnachweis: Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand Neue Schar A 17 Nr. 1

Acht Jahre nach der Wanderung erzählt Muck darüber auf einer Versammlung der Deutschen Volksgemeinschaft in Hannoversch-Münden: Während dieser Zeit lebte und arbeitete ich zusammen mit zwei Burschen auf einem Hof in Meran (Tirol). "Am Abend waren wir ermüdet und konnten nicht viel für die Gemeinschaft des Volkes tun". Ihm kommt der Gedanke: "Für uns muss es einfach andere Möglichkeiten geben, wie wir die Schaffensfreudigkeit und die seelisch starken Werte unserer deutschen Jugend für die Gesundung unseres Volkes verwenden können. Lenken wir die junge Schaffenslust und den freien Willen zum einfachen, herben Leben auf die Handwerksarbeit; dort kann jeder sich mannigfaltig auswirken und durch seinen guten, lebendigen Geist auch für das ganze Volk wirken."

Mucks Wanderfreund machte später sein Abitur in Freiburg (Breisgau), absolvierte an der Universität ein Teil des Studiums und engagierte sich beim Wandervogel. Ab 5. Oktober 1918 verfasst er Politische Rundbriefe, die sich ab Januar 1919 als Organ der freideutschen Sozialisten verstehen.

"Kommt nun weiter herbei und schart euch alle um unser Gaublatt", ruft Karl Bittel 1911 im Blatt für Jugendwandern in Baden und Schwaben den Wandervögeln zu. "Wir, die Jugend, die sich aufbäumt gegen Ungesundes, die wir stark werden wollen draußen in der Natur, wir kennen alle eine solche Begeisterung: die Begeisterung für eine große Sache - für unseren deutschen Wandervogel! - Heil ihm!"

Der Wandervogel adaptierte die Idee von der halbländlichen Siedlung Jungau vom Dichter Emil Gött (1864-1908). Ebenso teilen Muck und sein Wanderfreund das Interesse an der Siedlungsfrage. Wenn es nach Karl Bittel geht, soll die Genossenschaft an die Stelle der Lohnarbeit und Klassenherrschaft treten. Dieser Geist soll in die Schulen einziehen. Man schlägt Schülerräte und Schülergenossenschaften vor. (Vgl. Frobenius 183)

Um 1913 war Bittel im Konsumverein Esslingen tätig. Aus der Stadt am Neckar sendet Muck im September desselben Jahres in Neuland in Sicht! an Freunde und Führer der Jugend folgende Botschaft:

"Reiche Euch meine Hand, wir wollen gemeinsam etwas schaffen, uns gegenseitig das Beste zeigen und so mit dem Trotz der singenden Burschen und Mädchen Weiterschreiten ins Neuland, unsere Heimat suchend."

Aufmerksam verfolgt er die sozialen Experimente zur Siedlungsfrage. "Weiss jemand über kommunistische Gründungen mehr zu sagen?", fragt Muck. Sechs Jahre später zieht er in Siedlungsmöglichkeiten Bilanz:

"Wir haben jedoch bald einsehen müssen, dass wir Menschen seelisch jetzt nicht für den Kommunismus reif sind."

Zusammen mit seinem Freund Georg Peters initiiert er kurz vor dem Krieg in Lüdenscheid das Projekt Handwerker-Landgemeinde mit Umwertungsstellen, eine Art Vertriebsstelle von Handwerkerprodukten. Dann wollten sie mit Heinrich von Smissen auf dem Klingberg eine solche Handwerkersiedlung ins Leben rufen. Es kommt der Krieg. Smissen und Peters fallen in Russland. Als Muck vom Militärdienst wieder heimgekehrt, greift er die Idee wieder auf. Sie muss, erläutert er den Teilnehmern einer Versammlung der deutschen Volksgemeinschaft 1919 in Hannoversch-Münden, besonders der Jugend zur Entfaltung ihres Talents dienen. Deshalb "Lenken wir die junge Schaffenslust und den freien Willen zum einfachen, herben Leben auf die Handwerksarbeit; dort kann jeder sich mannigfaltig auswirken und durch seinen guten, lebendigen Geist auch vorbildlich für das ganze Volk wirken." (Siedlungsmöglichkeiten) Sein Plan ist folgender:

"Junge Handwerker oder solche Burschen und Mädchen, die es werden wollen, verbinden sich zu einer Gemeinschaft … Jeder sucht seinen Arbeitsplatz in der Gegend, die ihm die liebste ist. Er siedelt als Eigner oder Mieter, ein Stückchen Land (2-3 Morgen) dazu." Auf dem Land kann das mit einem kleinen Gasthaus verbunden sein. Ist aber eine Stadt oder eine Gegend nicht gross genug, um die neuen Handwerker aufzunehmen, dann "gründen wir eine Niederlage in einem anderen Ort". So sollen "im ganzen Reiche Betriebsstellen der gesunden handwerklichen Arbeit" entstehen. Sie sind untereinander verbunden. Eine Zentrale organisiert die Werbung und Messen.

Es soll ein neuer Markt entstehen, der das Talent und die Mühen vom Gesellen und Meister im Preis anerkennt. Muck will, dass die "Masse ihre Mittel" zu ihnen trägt und sie nicht wie bisher "von rücksichtslosen Kaufleuten ausgenutzt" werden. Der neue Markt erlöst die Handwerker aus dem "Zustand der Geldprobleme", hofft er.

Das Projekt einer Handwerkergemeinschaft lässt Muck nie wieder los. "Noch heute ist es möglich um den Ludwigstein Handwerker und Kunsthandwerker sesshaft zu machen", teilt er 1957 an die Jugendburg Ludwigstein mit.

 

 

Bei Eklöh in Lüdenschscheid / Westfalen

 

"Wie sie zufrieden und offenen Augens dahinziehen und Land und Leute kennen lernen. Das Verhältnis des Schülers zum Führer ist ein brüderliches. Wir können dies im Wandervogel auf jeder Wanderung beobachten. Der Schüler fragt seinen Meister nach Dingen, die ihn bewegen, er steht all den neuen Dingen des Führers feindlich gegenüber, so dass alles erst erkämpft werden muss."

Zeichnung und Text aus: Ein Beitrag zur Neugestaltung der Kleidung. Hans Eklöh. Lüdenscheid 1914, Seite 6. Mit einem Vorwort von Muck-Lamberty und Peters zu "Was können wir tun?"

 

Zum ersten Mal begegneten sich Kaufmann Hans Eklöh aus Lüdenscheid (Westfalen) und Friedrich Muck-Lamberty 1913 zum Wandervogel-Bundestag in Meiningen. Sie fanden sich sympathisch. Der Chef von Haus Eklöh, deutsche Wertarbeit Lüdenschscheid / Westfalen, lernte Muck, wie er später anmerkt, als einen "Idealmenschen" kennen. Auf der Henneburg bei Meiningen kam Muck 1913 mit dem Sera-Kreis in Berührung, was ihn bestimmt inspirierte. Den Einzug des singenden Heereszugzuges der Jugend mit Karl Brügmann an der Spitze, erlebte Wilhelm Flitner (Jena) 1920 als ein beeindruckendes Schauspiel, für das sich jeder interessierte, den Volkslied und Volkstanz etwas tiefer geworden.

Im Oktober stellt Hans Eklöh ihn in seiner Firma an. Zuvor spendierte er Muck noch einige hundert Mark für Reisen. Als er dann in Lüdenscheid eintrifft, mietet der Unternehmer für ihn in der Nachbarschaft ein Zimmer, sorgt für Taschengeld und etwas Kleidung. Der Neue arbeitet nur den halben Tag. Von der verbleibenden Zeit widmet er sich oft. Essen nimmt er beim Arbeitgeber ein. Idealismus und Arbeitskraft, bemerkt nach wenigen Wochen der Arbeitgeber, liefen aber darauf hinaus, ihn selbst überall Bekannt zu machen. "Macht wollt er erringen!", empört sich der Kaufmann am 14. Juni 1914 im Brief an Hans Paasche.

Der Kaufmann hat die Idee, das Haus Eklöh, wenn es weiter aufwärtsgeht, gemeinnützig zu betreiben. Muck, der jede Sache mit Nachdruck in die Welt zu setzen wusste, stellte dies bei jeder Gelegenheit als seine eigene Idee heraus. Wenn ihn aber jemand an den Wagen fahren wollte, so lernte ihn Hans Eklöh kennen, konnte er saugrob werden.

Im Januar 1914 kommt Georg Peters nach Lüdenscheid. Auch ihn unterhält und kleidet das Haus Eklöh. Dann und wann arbeitet er etwas. Auf einer Dienstreise, um einen Auftrag in einer benachbarten Stadt einzuholen, soll er in zwei Tagen 30 Mark Geschäftsspesen verbraucht haben. Dem Freund hat er für 7 Mark Törtchen "weggefressen", jammert Hans Eklöh.

Etwa ab Januar 1914 arbeiten Georg Peters und Friedrich Muck-Lamberty an der Werbeschrift, die später im Verlag Eklöh in Lüdenscheid unter dem Titel

"Ein Beitrag zur Neugestaltung der Kleidung"

erscheint. Zur Herkunft der Zeichnungen gibt es unterschiedliche Aussagen. Im Brief an Hans Paasche stellt Herausgeber Eklöh fest, dass die Kleiderentwürfe von Friebus, Ungewitter und anderen stammen. In der Einleitung zur Werbeschrift schreibt er sie "mit einigen Ausnahmen" dem Historienmaler Ludwig Max Roth in Düsseldorf zu, die er "nach Kleiderentwürfen von Friedrich Muck-Lamberty" anfertigte. Unter der Überschrift Was können wir tun? formulieren Muck und Georg Peters Einige Worte an die Freunde deutscher Erneuerung über Umgestaltung bestehender Einrichtungen, also eine Art Vorwort zum Katalog. Ihr kategorischer Imperativ lautet: "Wir wollen Arbeit schaffen, die Zweckmäßigkeit und Schönheit in sich vereinigt, und die so mit der Natur organisch verbunden ist. - Wir wollen den Sinn für die Wertarbeit heben und ganz für die gute Sache einsetzen." Sie verlassen sich nicht auf "die dumpfe Gewohnheit des nur umsetzenden Kaufmanns", sondern "schaffen was jetzt die Jugend will". Und das ist: "Die deutsche Jugend will sich frei machen von undeutschen Einflüssen, will die Organe und Gliedmassen sich im freien Spiel der Kräfte ungestört entwickeln lassen in den einzig schönen und wahren Formen, die die Natur geschaffen hat."

Aus: Ein Beitrag zur Neugestaltung der Kleidung, 1914

Die Werbeschrift war das wichtigste Arbeitsergebnis von Lamberty und Peters in Lüdenscheid. Überdies machten beide dem Eklöh viel Ärger. Dabei war er ohnehin in keiner guten gesundheitlichen Verfassung. Eine Kur tut not. Währenddessen, so die Überlieferung, steigerten sich die Machtgelüste von Muck. "Der Eklöh", so wurde geredet, " ist ein kranker Mann, wir machen das Geschäft." Als er aus der Kur heimkehrte, will er das Duo loswerden. Muck wurde grob, ging aber nicht. Nach einigen Tagen kam es wieder zu Auseinandersetzungen. Erneut wies ihm der Hausherr die Tür. Nun wählt er provokativ zu den Mahlzeiten seinen Platz am Familientisch. Zum 1. Mai 1914 kündigte Eklöh ihm das Zimmer. Nach einigen hin und her verlässt Muck das Haus. Muck und Peters erhalten auf den Weg vom Chef noch 250 Mark Reiseunterstützung. Ihre Nachforderungen will er dann nicht mehr erfüllen. (Vgl. Eklöh)

 

Eine Demonstration gegen den verlogenen
Patriotismus und Manifestation des Reformwillens:
Freideutscher-Jugendtag 10. bis 12. Oktober 1913  nach oben

 

Fidus, eigentlich Hugo Höppener (1868-1948), Ikone der Lebensreformbewegung, aquarelliert eine Fassung des "Lichtgebets" und zeichnet sie gleichzeitig als Steindruck. Davon werden farbige Postkarten angefertigt. Eine Teilauflage erhält die Aufschrift "Freideutscher Jugendtag 1913, Jahrhundertfeier auf dem Hohen Meissner. 11./12. Okt". Sie werden zum 1. Freideutschen Jugendtag zum Verkauf angeboten. (Frevot 1972, 165)

Ankündigung im Herbst 1913: Das "Lichtgebet" erscheint demnächst als farbige Steinzeichnung, Bildgrösse 63 mal 42 cm. "für Teilnehmer des Deutschen Jugendtages" zum Preis von 3 Mark, ansonsten 5 Mark.

Das Lichtgebet galt als Sinnbild für jugendlichen Elan, Vitalität und Streben nach Echtheit.

"Es konnte auch passieren," schreibt Wilhelm Uhde 1938 (205) in seinen Erinnerungen und Bekenntnissen, "dass, wenn ich morgens aus dem Fenster blickte, in der Nähe unbeweglich ein solcher Jüngling stand, der die erhobenen Hände der aufgehenden Sonne entgegenstreckte, wohl angeregt von dem grauslichen Zeichner Fidus, der mit seinem Schund die Jugendzeitschriften überschwemmte."

 

Hunderte Jugendliche und Junggebliebene strömen am Wochenende des 11. und 12. Oktober 1913 zum Fest der Jugend auf dem östlich von Hessisch Lichtenau (Nordhessen) gelegenen Hohen Meißner. Fern allen Trubels der offiziellen Veranstaltungen zur Einweihung des 91 Meter hohen Völkerschlachtdenkmals in Leipzig, gelobt die Freideutsche Jugend im Kreis Gleichgesinnter, den Patrioten des Befreiungskrieges von 1813 nachzustreben.

Elly Bommersheim (geboren 1893) ist auf dem Weg zum Bergplateau, als sie der in einem langen Kittel aus rauem Leinen gekleidete Tolstoi-aner Gusto Gräser (1879-1958) überholt. Kurze Hosen geben die braunen Beine frei. Seine langen Haare hält eine Stirnkette aus Hagebutten. Beeindruckend der mächtige Bart, schreibt sie. Wenn Gusto Gräser kommt, darf Muck nicht fehlen. Erst kürzlich in Lüdenscheid fasste er mit seinem Freund Georg Peters den Vorsatz: "Wir müssen uns nicht absondern und dürfen nicht weltfremd werden; wir dürfen nicht egoistisch nur in kleinen Kreisen das Leben, was wir einmal für das Wohl der Gesamtheit erkannt haben." Und er fühlt sich hier beim Jugendtreffen ganz in seinem Element. Es ergreift ihn tief. Warum sonst, will er es nach dem Krieg wiederbeleben? Am 14. November 1918 ruft er aus Bramwalde an der Weser (nahe Hannoversch Münden) den Freideutschen zu: "Kommt auf den Hohen Meissner wieder". "Nur in Deutschland herrschen Klassen- und harter Parteienkampf. Wir wollen uns zur Volksgemeinschaft wandeln, wirbt er.

"Noch einmal müssen wir uns treffen," schreibt er im Februar 1919 in Verjüngung des politischen Lebens, "anders als 1913 auf dem Meissner; klarer, fester sicherer." Das Vorhaben zerschlägt sich. Er nimmt einen neuen Anlauf, worüber noch im Kontext der Tagung der Freideutschen Jugendtagung im April 1919 in Jena zu sprechen sein wird.

Die Wurzeln der Freideutschen Bewegung reichen, setzt 1963 Knud Ahlborn auseinander, zurück bis zum Steglitzer Wandervogel (1896) und Hamburger Wanderverein (1905). Dann entstanden die Akademischen Freischaren. Die erste gründet er 1906 in Göttingen zusammen mit Hans Harbeck. Sie bewähren sich im freideutschen Gemeinschaftsleben als eine Grundform des Zusammenschlusses von nicht auf Übereinstimmung beruhender persönlicher Anschauungen. Das Bestreben nach Einigung bildete sich, wie das Ideal von der Erziehungsgemeinschaft weiter Form annahm. Ihr zentraler moralischer Wert war die Selbstbestimmung. Gemäss dieser Vorstellung soll der Jugend die Meinung nicht von außen eingepflanzt werden, sondern sie soll selber über ihr eigenes Leben nachdenken und entscheiden.

Als Deutschland 1913 zur Jahrhundertfeier der Völkerschlacht rüstete, erhält der Einigungsgedanke in den verschiedenen Organisationen weiteren Auftrieb. Es war der Plan des Deutschen Bundes Abstinenter Studenten gegen den zu erwartenden Alkohol-Exzess bei der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig zu demonstrieren. Beim Vortrupp (Leipzig) tauchte ein ähnlicher Gedanke auf. Auf Einladung der Deutschen Akademischen Freischar (DAF) kamen am 5. und 6. Juni 1913 zu in Jena elf Verbände zusammen. Der Teilnehmerkreis ist - bis auf den Wandervogel e.V. - identisch mit den Unterzeichnern des ersten Aufrufs zum Fest.

Der Kladderadatsch, Nummer 44, Berlin, 2. November 1913, übt mit einer Karikatur des "Völkerschlachtdenkmals" Kritik an der Jahrhundertfeier.

Der vom Deutschen Bund Abstinenter Studenten unterbreitete Vorschlag fand starken Widerhall. Denn gemeinsam war ihnen, die Begeisterung für die Lebensreformbewegung. Allerdings musste man sich erst darüber klar werden, wo und wie man diesen Protest darstellen wollte. Einige wollten zunächst eine Angliederung an die Leipziger Feierlichkeiten. Die DAF konnte sich das Fest in Weimar oder Jena vorstellen. Der Göttinger Philologie Student Christian Schneehagen (1891-25.04.1918) schlug den Hohen Meissner als Ort des Festes vor, was allgemeine Zustimmung fand. Zudem bildete sich die Einsicht, den Willen in die Zukunft zu richten und die Erinnerung an 1 8 1 3  zur Selbstbestimmung weiterzuführen (Mittelstrass). Bei der Organisation taten sich dann vor allem die Mitglieder der Deutschen Akademischen Freischar, speziell Christian Schneehagen, die Freunde von der Akademischen Vereinigung und besonders Franziskus Hähnel, Geschäftsführer des Vortrupps Leipzig, hervor.

Auf der Tagung wurden ebenso Möglichkeiten des Zusammenschlusses erörtert. "Es hatte wirklich nur der Berührung bedurft", kommentiert Knud Ahlborn (1963, 108) die Zusammenkunft, "und der innere Zusammenhang zwischen den Jugendgruppen war hergestellt." Aus dem Gemeinschaftsgeist heraus schlug Friedrich Wilhelm Fulda den Namen Freideutsche Jugend vor, der allseits Zustimmung fand.

Unterschiedliche Meinungen trafen bei der Nominierung der Redner aufeinander. Mit acht Stimmen, einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen beschließen sie, dass Gottfried Traub (1869-1956) sprechen soll (vgl. Henrichs 37). 1913 genoss der vom Dienst suspendierte protestantische Pfarrer wegen der Kritik an einen altpreußischen Oberkirchenrat einen Sympathie-Bonus.

Als Redner war zunächst auch Hans Breuer vom Steglitzer Wandervogel e.V. und Herausgeber des Zupfgeigenhansel, der der dann am Fest, wie der Wandervogel e.V. überhaupt, nicht teilnahm. Manchmal wird über die Gründe gerätselt. Das scheint ziemlich klar: Die inhaltlichen Differenzen mit der sich herausbildenden Freideutschen Jugend waren einfach zu gross.

 

Mit erstaunlich klarer Zielstellung, einen, wie Susanne Rappe-Weber (2012/2013) formuliert, "stabilen Kern von Formen und Themen", unterzeichnet von Knud Ahlborn (Deutsche Akademische Freischar), der 1906 ein Medizinstudium begonnen, erschien im Sommer in der Wandervogel-Führerzeitung (Heft 7, 1913), der

e r s t e Aufruf zum Fest.

Hier bekennen die Freideutschen:

"Von allen Dingen hassen wir den unfruchtbaren Patriotismus, der nur in Worten und Gefühlen schwelgt, der sich - auf Kosten der historischen Wahrheit rückwärts begeistert …" (FdJ 92)

In Vorbereitung auf 11. / 12. Oktober erklärt die Jugendzeitschrift Der Anfang (Heft 5):

"Uns allen schwebt als gemeinsames Ziel die Bearbeitung einer neuen, edlen, deutschen Jugendkultur vor."

Auch in Tageszeitungen, zum Beispiel im Jenaer Volksblatt vom 22. Juli 1913, kündigen die Organisatoren das Treffen auf dem Hohen Meissner bei Bebra an. Dort wollen wir uns zu gemeinsamer Arbeit verbrüdern, teilt die Deutsche Akademische Freischar und andere mit. Publikumswirksam wenden sie sich gegen den unfruchtbaren Patriotismus.

Von Beginn an hatte das Meissner-Treffen einen "oppositionellen Anspruch" (Volker Weiß 2013). Den nationalistischen Tendenzen der wilhelminischen Erziehung, dem falschen Patriotismus, der allgemeinen Kriegstreiberei und dem verbreiteten Alkoholmissbrauch standen die meisten kritisch gegenüber. Die gemeinsame Erklärung, die berühmte Meissner-Formel, stärkte die moralischen Kräfte der Jugend und ihre Fähigkeit zur Selbsterziehung, was die Nation hoffen lassen durfte.

Der  z w e i t e  Aufruf im Gaublatt „Nordmark“ des Wandervogels e. V. verkündet: "Die deutsche Jugend steht an einem geschichtlichen Wendpunkt." Sie muss sich selbst finden. Auf dem Meissner will sie der Öffentlichkeit ihren Weg darstellen. Es unterzeichneten (nach FdJ 94):

Deutsche Akademische Freischar Deutscher Bund abstinenter Studenten
Vortrupp Leipzig Bund deutscher Wanderer
Jungwandervogel Österreichischer Wandervogel
Germania - Bund abstinenter Schüler Freie Schulgemeinde Wickersdorf
Bund für Freie Schulgemeinden Landschulheim am Sollingen
Akademische Vereinigung Jena Akademische Vereinigung Marburg
Sera-Kreis Burschenschaft Vandalia Jena

 

Am V o r a b e n d  des Meissner-Treffens halten im Ruinensaal der Burg Hanstein 600 Vertreter der verschiedenen Bünde und Vereine Rundsprache. Linsensuppe und Nudeln kamen auf die gedeckten Tische. Aber wie bei den Freideutschen üblich, kein Bier, Wein, Schnaps oder Tabak. Wegen baustatischer Probleme begibt man sich nach einiger Zeit in den romantischen Burghof, um dann wieder in den Saal zurückzuziehen. Unter ein paar Kerzen des Kronleuchters im malerischen Halbdunkel (Avenarius) sitzen Volkserzieher und Lebensreformer, Vortrupp, Siedlerbund und deutschnational gesinnter Handlungsgehilfenverband, Vertreter der Verbände und Bünde der Lebensreform, Alkoholabstinenz- und Bildungsbewegung zusammen. Den einleitenden Vortrag übernimmt

Bruno Lemke (1886-1955)

von der Deutschen Akademischen Freischar. Der Marburger Student lehnt alle autoritären und suggestiven Strömungen ab und erhebt die Forderung nach Wahrhaftigkeit, Selbstverantwortlichkeit sowie "völlige Freiheit von jeder Beeinflussung von aussen". "Die Selbsterziehung soll unsere Losung sein ....", wiederholt er am 7. / 8. März 1914 auf dem ersten Vertretertag der Freideutschen Jugend in Marburg. Eindrucksvoll beschreibt er die Reformfeindlichkeit des Staates: "Wohl sorgen Staat und Kirche, Schule und Heer dafür, sich fortzupflanzen in den jungen Seelen. Aber doch mit Sorgfalt darüber wachend, dass ja kein kleiner Zug sich ändere und verfälsche, gemäß ihrer eigenen Art zu sein." Lemkes Hanstein-Rede, so damals die allgemeine Meinung, erzielte sichtbar gute Wirkung bei der Mittelschul- und studentischen Jugend.

Der Hanstein, Bahnstation Werleshausen. 40 Minuten.

Kunstanstalt Car Thoericht ,
Hann.-München [nach 1945]

Danach meldeten sich zu Wort: Doktor Hermann Popert (Helmut Harringa), Kapitänleutnant a.D. Hans Paasche für den Vortrupp, der Herausgeber des Kunstwart Ferdinand Avenarius und Doktor Hermann Ullmann für den Dührerbund, Gustav Wyneken für die Freie Schulgemeinde Wickersdorf, Willie Jahn für den Jungwandervogel und Professor Ernst Keil für den österreichischen Wandervogel. Alle versuchten, die Jugend für sich zu gewinnen.

Zu fortgeschrittener Stunde wirft Gustav Wyneken in die Diskussion, dass die eigentlichen Bedürfnisse der Jugend im Eifer des Gefechts nicht zur Sprache kamen. Frank Fischer (Wandervogel) verewigt den Moment in der Notiz: "Verlangte Gedankenhöhe, klare Luft. Geistesleben übernational, Auffassungen Fichtes und Gneisenaus. Frei von Parteizwecken."

Im Saal herrschte ein zwiespältiges Gefühl, weil man nicht wusste, was nun werden sollte. Wie auch? Lemke propagierte die Selbsterziehung, Popert die Rassenhygiene und Wyneken die Jugendkultur. "Interessant waren", referiert 1919 (10) Gustav Mittelstrass, "die Ausführungen eines Reformburschenschafters, der erzählte, wie sie von der "anderen Seite" zur Freideutschen Jugend gekommen seien." Ein Teilnehmer, der sogleich zu Ruhe ermahnt, rief dazwischen, ob die Erörterung der Judenfrage verboten sei. Ein anderer forderte zum Ende hin unter dem Jubel der Vortruppleute, dass man das deutsche Volk aus der moralischen Gefährdung erlösen müsse.

Schliesslich musste die Tagungsleitung die Redeschlacht beenden. Zuvor fasste man den Beschluss, zur Selbstentwicklung der Jugend einen Verband der Freideutschen Jugend zu bilden. Mit der Organisation wurde die Deutsche Akademische Freischar beauftragt.

Einigen stand nach dem langen Abend noch ein Marsch von bis zu zwei Stunden durch die regnerische Nacht zum Quartier bevor. Andere übernachteten in Zeltlagern. Letztlich glückte es auf dem Hanstein nicht, dass Gemeinsame auszudrücken. Dafür waren die äusseren Umstände nicht gerade günstig. Niemals rechneten die Organisatoren mit so vielen Teilnehmern. Die Aussprache war viel, viel kleiner geplant. Und zu gross waren die Meinungsverschiedenheiten. Immerhin stimmten sie, was fast unbemerkt blieb, in der methodischen Ausrichtung der Jugendarbeit überein: Wahrheit, Natürlichkeit, Geradheit und Echtheit. So gesehen war es dann nicht zufällig, dass es am nächsten Morgen Gustav Francke, Erwin von Hattingberg und Knud Ahlborn (1964, 43) beim Aufstieg zum Meissner gelang, den Entwurf für eine gemeinsame Erklärung, die im Verlauf des Tages zur Abstimmung gelangte, zu formulieren.

 

Als wir am  M o r g e n  des 11. Oktober aus dem Heu krochen, erinnert sich Gustav Mittelstrass (1919, 12), sah es trübe aus. Oben in 754 Meter Höhe klart es leidlich auf. Kühles Wetter. Zögerlich schaut die Sonne heraus. Viele werden diesen Tag zeit ihres Lebens nicht vergessen. "Die Wickersdorfer `Läuferinnen` in Dunkelblau. Gusto Gräser mit Stirnriemen und Fruchthängematte. Der fanatisch national-hetzende und wieder seltsam gemütliche Professor Keil aus Österreich. Schweitzer Wandervögel und Freischärler. `Anfang`, Siegfried Bernfeld aus Wien. Unser Tanz bei Fackeln auf dem Thie und nach dem Kasperle auf dem Tanzboden, voller Kirmesjauchzen." (Frank Fischer)

Robert Kämmerer-Rohrig (1893-1977): Beim Abkochen (Ausschnitt). (Primus Künstlerkarte)

Gut 2 000 Jugendliche tummeln sich mit ihren Gästen auf der Waldwiese unterhalb der Bergkuppe. Natürlich ohne Alkohol und Nikotin. Es kommt im Wandervogel erstmals zur allgemeinen und näheren Begegnung zwischen den beiden Geschlechtern (Werner Helwig 1980, 79). Gegen 1 Uhr mittags beginnt das Abkochen. Ab 3 Uhr nachmittags bot das Programm volkstümliche Tänze, Spiele und Wettkämpfe. Männer und Frauen aus den unterschiedlichsten Bünden bilden grössere Gruppen und diskutieren über nationale Erziehung, Pazifismus, Frauenstimmrecht, Tierschutz, vegetarische Ernährung, alternative Wohnprojekte und Rassenhygiene.

Alfred Kurella, Hans Paasche, Walter Hammer und Muck umringen Gusto Gräser. Von einigen belächelt, von anderen bewundert. Sie sprechen über seine Sorgen und Nöte. Gusto verweigert später - wie Paasche - den Kriegsdienst. Beide fordern den Umsturz, beiden kommen ins Irrenhaus, entgehen mit knapper Not ihrer Hinrichtung. "Während der Siebenbürger in der Revolution mit Verhaftung und Ausweisung davonkommt, erleidet Paasche ein fürchterliches Ende." (Hermann Müller) Freikorpsmitglieder erschiessen den Mitherausgeber des Vortrupps (1912) und aktiven Lebensreformer, der 1918/19 Mitglied des Arbeiter- und Soldaten-Vollzugsrates war, am 21. Mai 1920 vor den Augen seiner Kinder auf dem eigenen Grundstück beim Fischen. Kurt Tucholsky hält an seinem Grab eine bewegende Rede.

Muck trifft mit Karl Bittel und Ernst Joel, der im Sommer 1913 den Deutschen Siedlerbund gegründet hatte, zusammen. Sie verteilen ein rotes Flugblatt auf dem zu lesen war: "Wir wollen zur Genossenschaft erziehen. In der freien Empfänglichkeit der Jugend erblickt unser Bund die geborene Trägerin führender Gedanken. Die Genossenschaftsidee auszubreiten und zu vertiefen, zur Pflege und Förderung der Genossenschaft zu vereinen, Anregung zu geben und Wege zu weisen zur Anwendung genossenschaftlicher Selbsthilfe sind die Aufgaben des Bundes." Inspiriert durch die Freiburger Wandervögel Karl Bittel und August Matthes, erörterte man die Idee einer halbländlichen Siedlung "Jungau". (Messer 1924, 21)

 

Überblick zum
Ablauf


Freitag, den 10. Oktober

Treffen im großen Saal auf der Burg Hanstein. Aussprache über die Bestrebungen der freideutschen Jugend.

 

Sonnabend, den 11. Oktober

Wandern von Burg Hanstein zum Hohen Meissner.

13.00 Uhr Beginn des Abkochens. Eintreffen der verschiedenen Gruppen von den umliegenden Bahnstationen.

15 Uhr Spiele und Volkstänze.

Spiel und Tanz.

Gottfried Traub spricht über die Zeit vor hundert Jahren und die heutigen Aufgaben der Jugend.

Feuerede von
Knud Ahlborn

In den Abendstunden Feuer auf freier Höhe. Weihelieder.

 

Sonntag, den 12. Oktober

Rede von Gustav Wyneken

Schlussrede von
Ferdinand Avenarius

 

Nachmittags begannen die Vorträge. Ein wunderliches Quartett (Franz Walter 2013) bildeten die Hauptredner Knud Ahlborn, Gottfried Traub, Gustav Wyneken und Ferdinand Avenarius.

Martin Luserke (1880-1968), Mitarbeiter und Nachfolger von Wyneken in der freien Schulgemeinde, der ihm später "die ganze Schuld an dem Zerwürfnis" mit den Wickersdorfen zuweist, pochte auf die Autonomie der Jugend und schaffte damit nach oft geäusserter Meinung einen guten Auftakt.

Der im Juli 1913 zum Vorsitzenden des österreichischen Wandervogels gewählte Mittelschul-Professor Ernst Keil sprach nach der Preisverleihung für die Sieger kleiner sportlicher Wettkämpfe über die bedrohte Lage der Deutschen im verbündeten Donaureich und die segensreiche Tätigkeit ihrer Schutzvereine, hebt das Grazer Tagblatt vom 20. Oktober 1913 hervor. "Er wandte sich …. unter grossen Beifall gegen die unmännlichen Friedensbestrebungen unter den Deutschen, die von Feinden umringt seien, und gab der Hoffnung Ausdruck, dass bei der zu erwartenden blutigen Auseinandersetzung des Deutschtums mit seinen Gegnern Deutsche und Österreicher Schulter an Schulter kämpfen." Damit wurde, stellt das Deutsche Mährerblatt drei Tage später fest, "eine Note angeschlagen, die zwar nicht im Sinne der Festveranstalter lag, bei einer Erinnerungsfeier an die Zeit der Befreiungskriege, aber nicht fehlen durfte."

"Nachdem noch einige Redner gesprochen hatten", erklärt Gustav Mittelstrass 1919 (12,13) zum weiteren Ablauf, "tauchte plötzlich die Einigungsformel auf, deren einstimmige und freudige Annahme die Verhandlungen beendete." Sie lautet:

Die Freideutsche Jugend will
aus eigener Bestimmung,
vor eigener Verantwortung,
mit innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten.
Für diese innere Freiheit tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein.

Knud Ahlborn, Gründer der Deutschen Akademischen Freischar Göttingen und später Ko-Herausgeber der Zeitschrift Junge Menschen, betrachtet es als Vorteil, dass die Meissner-Formel sich auf kein Parteiprogramm festlegt, dafür über alles Gegensätzliche einzelner Anschauungen hinweg ein Bekenntnis zum Streben nach Wahrhaftigkeit und Leben im Einklang mit ihr.

Die Meissner-Formel, so Fritz Borinski (1977, 15), war der Jugend wichtiger als das Leipziger Parteiprogramm der Deutschen Demokratischen Partei von 1919.

Im Sommer 1920 zieht die Neue Schar mit Laute und blauem Fähnlein, in Sandalen und Leinenkitteln diskutierend, singend und tanzend durch Franken und Thüringen. Das Meissner-Fest prägte ihre Ambitionen und ihr kulturelles Selbstverständnis.

Bei allem moralischen Fortschritt, den die Meissner-Formel für die bürgerliche Jugendbewegung verkörpert, vernachlässigt sie jäh, was John Stuart Mill 1853 (10) als eine notwendige Voraussetzung der persönlichen Freiheit erkannte: "Schutz gegen die Tyrannei der Behörde ist daher nicht genug, es braucht auch Schutz gegen die Tyrannei des vorherrschenden Meinens und Empfindens, gegen die Tendenz der Gesellschaft, durch andere Mittel als zivile Strafen ihre eigenen Ideen und Praktiken als Lebensregeln denen aufzuerlegen, die eine abweichende Meinung haben, die Entwicklung in Fesseln zu schlagen, wenn möglich die Bildung jeder Individualität ...." - Ohne die klare politische Abgrenzung des Individuums zum Staat, bleibt das Leben aus eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung leeres Gerede.

Natürlich darf in der Debatte zum Meissner-Jugendfest nicht verloren gehen, dass die Freideutschen als Ganzes - zumindest vor ihrer Jenaer Führertagung im April 1919 - sich unpolitisch verstanden, weil sonst die Gefahr besteht, sie mit Forderungen zu überfrachten. Und das gilt, obwohl Arthur Rothe 1917 in der Zeitschrift Freideutsche Jugend darauf hinwies, dass es unter den Älteren Bestrebungen gab vom Jugendgemeindeleben zur Politik überzugehen.

 

Die Gedanken der Festredner kreisen um die nationale Frage, mal als Vaterlandsliebe verkleidet, dann im Bekenntnis zum Deutschtum verpackt oder schliesslich im Ruf nach der einigenden Staatsidee.

Begleitet vom Sonnenuntergang spricht Gottfried Traub (1869-1955). Was er an Vaterlandskitsch und Systemrührigkeit bot, war kaum besser als das, was man am 18. Oktober 1913 in Leipzig am Völkerschlachtdenkmal hörte. "Was 1813 gross gemacht hat, das ist der sittliche Wille. Es war das Schwert," erklärt er der Jugend, "das Kant und Schiller dem deutschen Volk reichten …" War es das wirklich? Oder war es Das System der Sittenlehre nach den Principien der Wissenschaftslehre (1798) von Johann Gottlieb Fichte, der dem Staat den Dienst am Menschen zu seiner freien Entwicklung auferlegte. Bei Traub verkommt das von Fichte begründete unveräusserliche Recht auf Staatsumwälzung zur Staatsapotheose. Der Theologe konstruiert eine prästabilierte Harmonie zwischen der politischen Identität des heranwachsenden Jugendlichen und dem als Einigendes über der Vaterlandsliebe stehenden Staates. Diese ".... zum persönlichen Eigentum zu gestalten, wofür unsere besten Kräfte verwertet müssen, dünkt" dem Politiker "die schönste Lösung". Selbst "wenn uns das Vaterland nicht gefällt", gehört ihm dennoch unsere Zuneigung. Lasst uns die "romantische Vaterlandsliebe" vertiefen, fordert Traub. Man "muss sich opfern können, und die Felder von 1813 rufen es uns zu,

dass das Leben nicht der höchsten Güter ist;

gerade das Leben wegzuwerfen um des Ganzen willen steht höher." Dazu bestieg die Jugend nicht den Basaltberg bei Kassel. Vielmehr wollten sie ihr Leben in eigener Verantwortung gestalten. Durch Opfer zur Freiheit wird nach dem Weltkrieg zu einer beliebten selbstreflexiven Abstraktion verschiedenster politischer Organisationen.

Obwohl Gottfried Traub sich das Œuvre eines Anti-Meissner zulegt, obwohl Karl Brammer seine Rolle in Verfassungsgrundlagen und Hochverrat (1922, 43) beim Kapp-Putsch längst erhellte, scheut man mit dem Festredner von 1913 lange Zeit das politische Gespräch. Franz Walter gehört zu den wenigen Meissner-Disputanten, die Gottfried Traub kritisch betrachten. 2013 skizziert er im Aufsatz Jugendbewegung auf dem Berg (44), dessen politische Ambitionen bis hin zum Übertritt in das "scharf deutschnationale Lager" von Alfred Hugenberg. Und das ist noch immer nicht die ganze Fuhre. Auf dem Parteitag der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) am 19. und 20. September 1931 in Stettin, kämpft er "gegen die Vermanschung unsers Volkes". "Volkstum und Rasse" führen den DNVP-Frontmann den Katarakt des militanten Nationalismus. Die sich ausbreitende Rechenhaftigkeit, "möglichst ein gutes Konto zu erringen", welche dem "Geist spätjüdischer Religion" entspringt, setzt er den "Kampf um das sittliche Recht des Krieges" entgegen. Jedenfalls ist über die Amplituden 1913 - 1920 - 1931 die ideologiebildende Funktion seines nationaldeutsch-romantischen Vaterlandsbegriffs, völkischen Nationalismus und Willensidealismus darstellbar. (Siehe auch Henrichs 2011)

Zum Freideutschen Jugendtreffen 1913 stürmt Gottfried Traub mit Helmut Harringa auf die Jugendlichen ein und ruft:

"Rüstet euch, Krieger zu werden,
Krieger im Reiche des Lichts!
"

Beifall war ihm gewiss, denn der Roman war bei der Jugend ungemein beliebt. Schien ihr doch die Zukunft wieder sicher, wenn sich nur bewahrheitet, was in Poperts Roman (1917, 95) zu lesen war:

"Und Helmut Herringa sprach zu Paul Bolquardsen, .... man sagt, wir beherrschen das alles da unten. Wasser und Eisen, und Kohle und Dampf. Mir will oft scheinen, das alles herrscht über uns und unser Leben. Aber der Tag mag kommen, wo wir die Herren sind. Wenn wir die Führer finden. Die Führer, die uns die Wege zeigen zu den Quellen der Kraft, der die Natur sich willig beugt."

Um das ideologische Skelett von Helmut Harringa baut sich die Vortrupp-Bewegung (Leipzig). Die sich hier zusammenfanden, glaubten daran, was Hermann Popert am 3. Juni 1914 in Leipzig zur Eröffnung der Vortrupp-Tagung erklärte, nämlich, das

der Wille zehnmal mehr wert ist, als Wissen.

Hier keimt der politisch verhängnisvolle Willensidealismus, der sich, wenn es sein muss gegen die Tatsachen richtet, und später in der NSDAP, Hitlerjugend und Napola Einzug hält, natürlich mit anderen Zielen als einst beim Vortrupp verknüpft.

Gegen Abend wurden Fackeln ausgegeben und alle zogen mit Gesang zum etwa zwei Kilometer entfernten Holzstoss. Knud Ahlborn (1919, 31) übernahm die Feuerrede. Er antizipiert die "ungeheure Gefahren, die uns im Inneren drohen". "Es brennt in diesem Hause", zitiert er die Rede von Hans Paasche vom Vortag und ergänzt: "wahrlich, er hat recht. Tausende und Hunderttausende Mitmenschen und nicht nur sie, auch viele Hunderttausende Ungeborener fallen täglich dem Feuer zum Opfer. Entseelte Arbeit macht die meisten unserer Brüder und Schwestern zu Werkzeugen und hetzt sie bis zur Austilgung der letzten Selbstbestimmung. Entseelter und entseelender Genuss kommt hinzu ...."

Weit leuchtete das Feuer ins Land hinein und verkündete "aus innerer Glut wachse der Mut". Hell erschien ihnen die Zukunft, schildert 1982 (64) Elly Bommersheim die Stimmung, um dann anzufügen: "Wie viele dieser begeisterten Jünglinge fielen schon im nächsten Jahr vor Langemarck!"

 

Fernsicht vom Berggasthof Hoher Meissner, 750 Meter.
Franz Streitenberger, Ansichtskarten-Verlag, Bischhausen, Eschwege [nach 1945]

Trotz des regnerischen und nebligen Wetters kamen am  S o n n t a g  mehr Menschen als am Tag zuvor. Ein Journalist sah "über fünftausend Personen", wie sein Blatt am 13. Oktober 1913 mitteilte. Der Sera-Kreis brachte in einem Grosszelt Goethes Schauspiel Iphigenie auf Tauris zur Aufführung. Bei Gesprächen, Gesang und Tanz klang das Fest aus.

Vorher sprachen noch Gustav Wyneken und Richard Avenarius.

In den Augen vieler Freideutschen war Gustav Wyneken (1875-1964), drauf verweistr 1973 (41) Heinz S. Rosenbusch, durch seinen Reformwillen, die Propagierung der Jugendkultur und die Jugendzeitschrift Der Anfang zur Belastung geworden. Wie auch immer, in der Frage des Nationalismus, der aufkommenden Rassenideologie, Beurteilung der Kriegsgefahr und Kritik am repetiven Lerncharakter der Schule behielt er recht. Und trotzdem war er für viele, wie Alfred Kurella 1917 (49) sagt, "der unleidliche Krakeeler, das abgestempelte Gespenst, ein Zerrbild aus Unkenntnis und Missverstehen". 1914 wollte der Reformpädagoge vor dem Wiener Monistenbund sprechen. Man verdächtigte ihn der Revolution, weshalb die Polizeidirektion seinen Auftritt verbot. Mit Doktor Popert und Kapitänleutnant Paasche steht er ebenfalls auf Kriegsfuss, was nicht verwundert, wenn man liesst, was der Der Anfang 1913 (194) in der Nachbetrachtung zum Meissner-Treffen beurkundet, nämlich dass gerade sie am schärfsten und am "agitatorischsten von ihrer Idee der Rassenhygiene" sprachen.

So sind es dann schon ziemlich viele, wenn geschätzt gut 400 Anhänger der Rede von Gustav Wyneken lauschen, wenn er fragt:

"Aber ist wirklich die Einheit, nicht des Landes, sondern des Volkes schon errungen? Geht nicht durch unser Volk ein tiefer Querriss, und ist wirklich die Freiheit des deutschen Volks schon zur vollen Wirklichkeit geworden?"

".... lasst mich vom Vaterlande reden
und von der Vaterlandsliebe, wie ich sie verstehe".

"Freunde, ich kann nicht lügen. In eurem Kreise kann ich gewiss nicht lügen. Und es ist mir auch unmöglich, im Zeitraum weniger Minuten einmal demjenigen zuzujubeln, der ruft: Die Waffen hoch, und der euch zum Waffengange mit einem Nachbarvolk anspornen will, und dann gleich darauf zu singen: Seid umschlungen, Millionen, diesen Kuss der ganzen Welt. Wenn ich die leuchtenden Täler unseres Vaterlandes hier zu unseren Füßen ausgebreitet sehe, so kann ich nicht anders als wünschen:

Möge nie der Tag erscheinen,
wo des Krieges Horden sie durchtoben."

Als ganz und gar nicht glücklich, monierte am 20. Oktober 1913 das Grazer Tagblatt, Organ der Deutschen Volkspartei, die Rede Wynekens, denn er "konnte es sich nicht versagen, in seinem Schlussworte gegen die Ausführungen Prof. Keils zu polemisieren und seinem Abscheu vor dem Kriege Ausdruck zu geben".

Die Zeitung begrüsste, wie übrigens auch die Mehrzahl der Teilnehmer, dass nicht Gustav Wyneken als Festleiter, sondern

Ferdinand Avenarius (1856-1923),

Leiter des Dürerbundes und Herausgeber der im Bildungsbürgertum viel gelesenen Zeitschrift Kunstwart, die Abschlussrede hielt. Der liebenswürdige und von schalkhaften Humor durchwehte, wie ihn Zeitgenossen beschrieben, warf die Frage auf: Könnten unsere "bombenfeste Überzeugungen" nicht wacklig werden? Der "unerschrockene Vorkämpfer für Wahrhaftigkeit", wie ihn Gustav Wyneken nennt, bedauert, dass die sozialistische Arbeiterjugend, Pfadfinder und Deutschlandbünde nicht teilnehmen wollten.

 

 

Ihr habt die Alten nicht besiegt  zurück

In der Nachbetrachtung zum Meissner-Fest verkündet die Zeitschrift Der Anfang (1913, 161):

"Jetzt duldet es keinen Zweifel mehr:
es gibt eine deutsche Jugendbewegung."

Der Abgeordnete und Sprecher des Zentrums Doktor Sebastian Schlittenbauer (1874-1936) äusserte Ende Januar 1914 in der Generaldebatte des bayerischen Landtages:

"Die Ziele dieser freideutschen Jugendkultur sind Kampf gegen das Elternhaus, gegen die Schule, gegen die positive Religion und gegen den Patriotismus." (DFJ 4)

Darauf reagierte der Hauptausschuss der Freideutschen Jugend in Person von Knud Ahlborn (Deutsche Akademische Freischar), Doktor Fritz Lade (Bund Deutscher Wanderer) und Christian Schneehagen (Deutsche Akademische Freischar) mit:

"Die Freideutsche Jugend ist angegriffen. Das Bayerische Zentrum hat uns im Landtag verleumdet."

Aus Protest berufen sie zum

9. Februar 1914 eine
Aufklärungsversammlung
in die Tonhalle von München

ein. Die anwesenden Vertreter der Jugendverbände und -gruppen erklären ihre Solidarität mit den Freideutschen. Obwohl Bruno Lemke und Gustav Wyneken gegen den in Staat und Schule herrschenden unfruchtbaren Patriotismus anrannten, versichert Alfred Weber (1914, 16/17) in seiner Rede devot:

"Kein Mensch in der Jugendbewegung denkt daran, eine innerlich begründete Autorität anzutasten, weder die Eltern noch die des Staates, noch die der Schule."

Gustav Wyneken äussert sich Ende 1913 höchst unzufrieden Zum Freideutschen Jugendtag (109): "Noch fehlt es der Jugend sehr an Kritik, an Festigkeit, an psychischen Reserven, noch ist ihre Begeisterung viel zu sehr eine aufgerührte Oberfläche, noch folgt die Jugend viel zu leicht einem jeden, der ihr in der Uniform einer geltenden Phrase oder eines approbierten Ideals sein Kommando zuschmettert.

Noch ist die Jugend viel zu sehr ein Produkt der Schule, die nicht denken lehrt .…"

Bisher liess sich der Wandervogel nach Auffassung des linksliberalen Professors für Philosophie und Pädagogik Paul Natorp aus Marburg kaum vom Klassen-, Parteien- oder Konfessionshass anstecken. Mit Sorge sah er, dass auf dem Meissner der verworrene Begriff der Rassenhygiene in die Jugendorganisationen drängte. Doktor Popert und Kapitänleutnant Paasche, berichtete Der Anfang (1913, 194), traten am schärfsten hervor und sprachen am "agitatorischsten von ihrer Idee der Rassenhygiene." Der Autor von Helmut Harringa erwartete, "dass sich die Freideutsche Jugend in dem Willen zur Rassenhygiene einigen werde". Paul Natorp (1920, 17f.) war darüber bestürzt, dass der Wortführer des österreichischen Wandervogels Professor Ernst Keil den "grundsätzlichen Ausschluss der Juden fast als selbstverständliche Sache" ansah. Deshab verlieh am er 6. Dezember 1913 im Vortrag vor der Comenius-Gesellschaft im Künstlerhaus von Berlin seiner Sorge Ausdruck:

"An dem Tage, wo die Freideutsche Jugend den Ausschluss der Juden zum Beschluss erhöbe, würde ich die Hoffnungen begraben, die ich auf sie gesetzt habe. Denn ein Tropfen dieses Geistes genügt, was von reinem Bestreben bisher in ihr lebendig ist, zu verfälschen und zu verderben."

Die Selbstkritik sollte den Blick auf die historische Leistung nicht verstellen. Was für den Stier das rote Tuch, war für die Antisemiten der erste Freideutsche Jugendtag. Nach dem Treffen gossen zum Beispiel die Deutsch-Sozialen Blätter böse nationalistische und feindliche Sotissen in die Öffentlichkeit, worauf das Jenaer Volksblatt am 25. Oktober 1913 erwiderte: "Mit blinder Wut stürzen sich diese Leute auf die Vorkämpfer jener Bewegung, die es gewagt haben, die Jugend zusammen zu rufen, ohne sie mit tönenden "Völkischen" Phrasen und gehässigen antisemitischen Redensarten zu füttern, dafür aber sie mit dem Geiste frischer, fröhlicher Heimatliebe zu erfüllen." Sie sind in giftiger Wut darüber, dass sich ein erheblicher Teil der Jugend freihalten will von chauvinistischen und rassenhetzerischen Bestrebungen.

Einige Meissner klopften nationalistische Phrasen, was dem Vorsatz zuwiderlief, dass Leben nach eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung zu führen, verlangte es doch die Unterordnung unter den Staat. Wyneken (1913/1919, 108/109) erkannte die ungeheuren Gefahren, die hiervon für die Kultur des politischen Denkens ausgingen und warnt:

"Jener Nationalismus, der die Frage nach der Wahrheit, der Gerechtigkeit und dem Guten überall da glaubt ausschalten zu dürfen, wo das Interesse des eigenen Volkes in Frage kommt, ist der gefährlichste aller heute herrschenden Masseninstinkte."

Natürlich hemmte der Nationalismus die politische Emanzipation der Jugend, zumal jener nicht viel mehr zu bieten, als die Anbetung eines über den sozialen Klassen stehenden Patriotismus im Dienste des Krieges.

Ausgerechnet der sympathische und eigenwillige Bruno Lemke (1919, 16), Schüler von Paul Natorp, wies die Vertreter der Jugendorganisationen auf dem Hanstein ein: "Politik wird nicht von Knaben und Jünglingen gemacht. Das wollen wir getrost den Berufenen überlassen. .... Wir wollen nicht unbescheiden sein. .... Wir wollen nur tun, was unsere Pflicht ist:

wir wollen hoffen und vertrauen."

Und das, dass war eben viel zu wenig.

Vor allem vom Standpunkt der Arbeiterjugend, die am Treffen und der vorbereitenden Beratung in Jena nicht teilnahm. Was trennte sie von den Freideutschen?

"Die freien Arbeiterjugendorganisationen waren in den Jahren seit Inkrafttreten des Reichsvereinsgesetzes 1908 verboten und ihre Veranstaltungen und Gruppentreffen oftmals mit massiver physischer Polizeigewalt unterbunden worden." (Schweigmann-Graeve 2012) Trotz gesellschaftlicher und politischer Schikanen nahm die Bewegung am Vorabend des Krieges an Fahrt auf. Die Abonnentenzahl der Zeitschrift Arbeiter-Jugend stieg auf 102 726 und fand in 700 Orten Leser. In 837 Orten bestanden Jugendausschüsse und in 391 Orten Jugendheime (vgl. AJ 1.8.1914).

Fürchtete die Arbeiterjugend vielleicht die Abstinenz-Bewegung? Egal ob Kneipe, Ausschank oder Bierkeller, für viele Handwerksgesellen, Manufaktur-, Schwerst- oder Schichtarbeiter war es - nach getaner Arbeit - ein Ort der Geselligkeit, des Austauschs von Erfahrungen, der kulturellen und physischen Selbstreproduktion. Was die Freideutschen da planten, war, selbst wenn man in Rechnung stellt, dass in der Arbeiterjugend ebenfalls eine Abstinenzbewegung existierte, von ihrem Standpunkt aus betrachtet eine Kulturrevolution. 1914 erschien das Flugblatt Die Jugend und das Trinken mit etwa 73 000 Abnehmern (AJ, 1.8.1914).

Abgesehen der Gefahr einer Kulturrevolution, war die politische Verständigung zwischen bürgerlicher und proletarischer Jugend ohnehin schwierig genug. Die einen erkannten nicht, wie Harald Schultz-Hencke (1963) beobachtete, klar die Tragweite ihrer materiellen Gebundenheit, während die anderen an bestimmten Theorien der Erlösung aus ihrer Abhängigkeit als Lohnarbeiter festhielten.

Allein die Sechs-Tage-Arbeitswoche und der Zehn-Stunden-Tag setzten den Aktivitäten der Arbeiterjugend enge zeitliche Grenzen. In der Regel lebte sie in deutlich schlechteren, oft in erbärmlichen wirtschaftlichen Verhältnissen. Arbeiterkinder gingen zur Volksschule, unterrichtet vom Volksschulehrer. Nur etwa acht Prozent besuchten das Gymnasium, nur zwei Prozent studierten. Ihr Heiratsalter war wesentlich niedriger als bei der bürgerlichen Jugend. Da blieb oft verdammt wenig Spielraum für politische und soziale Aktivitäten.

Vernachlässigten die Freideutschen, was Franz Walter 2013 (36) effektvoll mit stottern der Sozialisationsmotoren umschrieb, also die gesellschaftlichen Ursachen für Armut, Depression, wirtschaftliche Krisen und Arbeitslosigkeit?

Angesichts der Folgen entseelter Arbeit, hiess es in der Feuerrede von Knud Ahlborn, tut Hilfe bitter not. Aber noch ist die Zeit dafür nicht gekommen, mit hineinzuspringen in dieses Feuer. "Noch arbeiten sie an sich selbst und müssen sich zurückhalten, um erst die volle Kraft zu erreichen, damit sie handeln können, ohne zu verpfuschen." Mit anderen Worten, der Solidaritäts-Tag ist erstmal verschoben. Dann sitzt eben die bürgerliche Stadtjugend, um die Sentenz aus der Rede von Helmut Gollwitzer auf dem Meissner-Tag 1963 (55) aufzugreifen, des Nachts weiter ohne die Arbeiterjugend am Lagerfeuer. Auch nicht schlimm. Oder? - War es vielleicht doch eine wichtige Ursache für die begrenzte Reichweite der Bewegung?

Das Vorkriegstreffen charakterisierte Knud Ahlborn 50 Jahre später zum Meissner-Tag treffend als ein Protest gegen die Rückwärtsbegeisterung, das Schwertgerassel und die übliche Trunkenheit auf Erinnerungsfeiern. Helmut Gollwitzer lenkte als Festredner die Aufmerksamkeit darauf, dass das Jugendleben dann im Massengrab stattfand, zweimal hintereinander, mit Hinopferung bester Auslese deutscher Jugend. "Die Generation des Meißners hatte viel bewegt," hebt Volker Weiß hervor, "aber nicht wenige drifteten später, ohne einen Selbstwiderspruch zu verspüren, ins Lager des Nationalsozialismus hinüber." (Siehe 12) Warum und wie kam es zur opportunistischen Wende? Muss man das noch Fragen? Reicht es nicht daran zu erinnern, was Knud Ahlborn (1888-1977) der Jugend 1913 in seiner Rede am brennenden Holzstoss ans Herz legte:

"Die grösste Tat die wir alle für das Vaterland tun können, ist und bleibt, selbst möglichst tüchtig zu werden, ganzer Mann und ganze Frau, wie Pfarrer Traub so trefflich sagt, wahrhaftig und getreu gegen uns selbst und gegen unsere Mitmenschen."

Aufstieg, Erfolg und Vermögen als Ziel und Endpunkt bürgerlicher Lebensgestaltung. Und das war`s dann. War das der "heroische Lebenslauf", den Gustav Wyneken auf dem Hohen Meissner der aufstrebenden Jugend versprach?

Oder beschränkte sich die Meissner-Formel zu stark auf die innere Freiheit und moralischen Normen, ohne nach den sozialökonomischen Voraussetzungen dafür zu fragen? Standen die Meissner-Fahrer dem Fortgang der Geschichte ohnmächtig gegenüber? Wer kämpfte im aufkommenden Nationalismus für die moralischen Werte der Meissner-Formel?

Und ".... wo sind die oft besungenen Ideale, die Prinzipien, die reine Luft von den Waldbergen, das neue Leben? Diese jungen Leute sind Telegraphensekretäre geworden oder Zahnärzte, Schreiber auf irgendeinem Amt oder Volksschullehrer - Werkmeister oder Ingenieure … Und wo, wo in aller Welt ist die Wirkung des bewegten Rummels, die Wirkung, also das Einzige, worauf es schließlich ankommt? Ich sehe sie nicht.“

"Ich sehe nur Folgendes", schreibt Kurt Tucholsky 1926 (967 f.) weiter:

"Außerhalb eines zu nichts verpflichtenden Kunstbetriebes, der dem "Jungen" neben der Reklame pekuniären Erfolg bringen kann, schlüpft eine ganze Generation, problematisch maßlos überfüttert, in die Apparatur und das feste Gefüge einer bestehenden Welt und wird dort anstandslos verdaut. Man assimiliert sich. Die Torheiten der Jugend sind dahin, die Ideale halbvergessen, nur hier und da summt noch ein altes Wanderlied durch den Kopf .... "der Ernst des Lebens" hat gesiegt. Er hat über eine Jugend gesiegt, die Alles gewollt und so wenig erreicht hat. Über ein Jugend, die eine Welt stürmen wollte, was löblich, und die nicht die Atmosphäre auch nur eines Landratsbureaus hat ändern können, was weniger löblich ist.

Wo seid Ihr, vom Hohen Meißner?

Verrauscht die schönen Reden, gedruckt und gelesen die schönen Zeitschriftenartikel, zerplatzt die Diskussionen ... Und nun? Nun, haben euch die Alten unterbekommen, sie waren stärker als Ihr, Ihr habt sie nicht besiegt."

 

 

Bei Verleger Erich Matthes in Leipzig  nach oben

Plakat. Ankündigung der Bugra von Mai bis Oktober 1914 in Leipzig (Kopiert von Postkarte 1914. Digital bearbeitet. Bildinhalt unverändert.)

Von Lüdenscheid reiste Muck (wahrscheinlich) nach Leipzig. Die Stadt steht im Zeichen der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Grafik (Bugra). Dreizehn Länder zeigen vom 6. Mai bis 8. Oktober 1914 auf einer Fläche von 320 000 Quadratmeter ihre Exponate. Das Ausstellungsgelände gliedert sich in die Abteilungen Freie Grafik, Angewandte Grafik, Papiererzeugung, Reproduktionstechnik, Schriftschneiderei, Stereotypie, Galvano Plastik und Druckverfahren. Angegliedert sind Sonderausstellungen zu Themen wie "Schule und Buchgewerbe", "Die Frau im Buchgewerbe", "Der Student" "Deutsche Geisteskultur" oder "Deutschtum im Ausland". Zur Ausstellung gehört ein Vergnügungspark mit 80 000 Quadratmeter Grösse. - Die Bugra stellt übrigens den Höhepunkt der öffentlichen Anerkennung des Wirkens von Eugen Diederichs und seines Verlages dar (vgl. Viehöfer 100).

In der Stadt des Buches waren viele Druckereien, Zeitungen und Verlage tätig. Sie boten oft Saisonarbeitsplätze und Aushilfstätigkeiten an. Vielleicht hoffte Muck, hier wenigstens vorübergehend eine Arbeit zu finden. Vor dem ersten Weltkrieg war die sächsische Großstadt ein Mittelpunkt der Neulandsucher.

Hier wirkte Erich Matthes (1888-1970), einer der bekanntesten Verlegerpersönlichkeiten. Wahrscheinlich war er Mitglied des Greifenbundes, lebte etwa ein 1/2 Jahr in der Siedlungsgemeinschaft Heimland und in der Vegetarischen Obstbau-Kolonie Eden e.G.m.b.H. in Oranienburg. (Ulbricht 1996)

Der Wortführer des bewussten Deutschtums gewährt Muck Unterkunft. Die Legende der Jugendbewegung war einst Mitglied in der Germania, dem Abstinentenbund an deutschen Schulen, und seit 1908 beim Wandervogel e.V. Es sammelte "Alte deutsche Volksballaden" und brachte sie 1912 bei F. Hofmeister in Leipzig als Buch heraus. Im Matthes-Verlag erschienen von Mai 1913 bis 1916 die von Friedrich Wilhelm Fulda (Jena) herausgegebene Wandervogel-Führerzeitung oder Heinrich van der Smissen Hellrotes Blut. Von Pflicht und Recht des adligen Lebens. Auf der Bugra liess er ein Wandervogelhaus errichten, das zum Treffpunkt der Freideutschen wurde. (Vgl. Krauss)

"Muck war ja arbeitslos und bot sich an das Landheim auf der Bugra während der Ausstellung zu verwalten". Der Verleger lehnte ab, weil er ihm zu "schmierig" ankam, "man hätte ihn erstmal ordentlich anziehen müssen", teilt er 1962 Hans Wolf mit. Anschließend tauchte er "dann bei van der Smissen in Klingberg [am Pönitzsee] auf, der dort ein schönes großes Grundstück, Landwirtschaft- und Gartenbau 1913 sich eingerichtet" hatte.

 

 

Was will er beim Vortrupp?  nach oben

Erster Deutscher Vortrupp-Tag in Leipzig vom 3. Juni bis 6. Juni 1914

"Die nächsten Jahre finden wir ihn [Muck-Lamberty]", eruierte Ulrich Linse 1983 (110) in Barfüssige Propheten, "im Umkreis des Wandervogels und der von Hans Paasche und Hermann Poperts herausgegebenen Halbmonatszeitschrift Der Vortrupp."

Der Vortrupp. Halbmonatsschrift für das Deutschtum unsrer Zeit. (Quelle - siehe Bildnachweise unten.)

Im Frühjahr 1913 kam einigen Jugendbünden der Gedanke zum Meissner-Fest. Dabei entdeckten sie sich als Freideutsche Jugend. Vornan dabei die Vortrupp-Bewegung aus Leipzig. Ihr tüchtiger Geschäftsführer Franziskus Hähnel übernahm viele Aufgaben bei der Zusammenführung der Bewegung. Aber dann, auf dem ersten Vertretertag der Freideutschen am 7. März 1914 in Marburg (1914, 5), will sich der Vortrupp zusammen mit dem Bund Deutscher Volkserzieher und Dürerbund aus diesem Kreis verabschieden. Anlass waren Differenzen zur Tat-Philosophie und Erziehungsgemeinschaft, die bereits auf dem Meissner sichtbar. Hans Paasche und ich, erzählt darüber Hermann Popert (Hamburg) (1913a, 17), haben am Morgen des Hohen Meissner ernsthaft erwogen, ob es nicht das richtige sei, sämtliche Vortruppleute aufzufordern, die Tagung wegen der Verabschiedung einer unklaren und inhaltlosen Entschließung zu verlassen. In Ansehung der lebensreformerischen Gemeinsamkeiten, alle gemeinschaftlichen Veranstaltungen der Freideutschen Jugend Alkohol- und Nikotinfrei durchzuführen, legen sie den Zwist bei. Aber sie streiten weiter über die Erziehungsgemeinschaft. Auf dem Vortrupp-Tag im Juni 1914 in Leipzig wollen zumindest einige ihre Zugehörigkeit zur Freideutschen Jugend demonstrativ aufgeben. Sie reiben sich heftig an Bruno Lemke (1914, 4), der den Einfluss der nationalen Erziehung zurückdrängen will und im März 1914 in Marburg viele mit dem Satz irritierte:

"Die Freideutsche Jugend hat eigentlich kein Ziel.
Sie ist in einem gewissen Sinne ziellos".

Gegen die Neutralität und Absichtslosigkeit des Erziehungsauftrages rennt der Vortrupp Sturm. Das entspricht nicht seinen Vorstellungen von Führung, die von der Masse-Elite-Theorie geprägt sind. Hermann Popert (1914) erweiterte den Begriff der politischen Führung um das voluntaristische Modul, "dass Wille zehnmal mehr wert ist, als Wissen". Die damit verbundene Verselbständigung des Ichs gegenüber den Tatsachen zeitigt historisch betrachtet verheerende Auswirkungen. Der Willensidealismus (wider den Tatsachen), wie Gottfried Traub es nennt, ist ein charakteristisches Moment nationalsozialistischen Führertums.

Vortrupp und Freideutsche bewegen also in Fragen der Erziehung, Jugendarbeit und Führung recht unterschiedliche Werte.

Nun betritt Friedrich Muck-Lamberty das Minenfeld. Ihn zieht es zum Vortrupp, opponiert aber ständig, referiert Ulrich Linse (1983, 110), "ohne das die Gründe für dieses Aufmucken ganz klar werden. Offensichtlich ist hier seine völkische Ausrichtung: Er las von Wilhelm Schwaner über Poperts Helmut Harringa bis zu Paul de Lagarde die deutsch-völkische Literatur und bekannte sich unter deren Einfluss zu einem völkischen Glauben, einer germanischen Religion, die vielleicht auch schon Rassezuchtgedanken enthielt."

 

Vom

3. bis 6. Juni 1914

ruft der Vortrupp-Bund zur ersten Jahresversammlung nach Leipzig. Mehrere hundert Vertreter aus ganz Deutschland reisen an, um gemeinsam zu debattieren, wie sie eine Tat-Jugend mit echter Vaterlandsliebe und echtem Pflichtgefühl heranziehen können, die gegen Untreue und Waschlappigkeit kämpft. Der Vortrupp verachtet die Stubenkultur, kritisiert die Wohnungsnot und den Alkoholismus, verficht den Grundsatz mens sana in corpore sano (ein gesunder Geist in einem gesunden Körper). "Wer sich den Fusel nur durch die Lektüre schlechter Romane des Herrn Popert abgewöhnen kann," merkte Kurt Tucholsky 1926 an, "sei trotz Allem gesegnet für und für - aber eine Jugendbewegung scheint mir das nicht."

Heftig lässt der Vortrupp die Peitsche der Arbeitsökonomie knallen, dirigiert das Proletenvolk nach Fleiss, Ordnung und Pünktlichkeit. Für das Politische Volkstheater übersetzt es am Ende des dritten Verhandlungstages Geschäftsführer Franziskus Hähnel (1914, 35) in die gefällige Sentenz:

"Schlechte Söhne oder bummlige Schüler
wünschen wir nicht unter uns."

Anders gesagt, der Vortrupp möchte, und das war durchaus anschlussfähig zu anderen Reformbewegungen, die körperliche und geistige Ertüchtigung der Jugend.

Das ideologische Zentrum des Vortrupps bildet die von Hans Paasche (1881-1920) und Hermann Popert (1871-1932) herausgegebene Halbmonatszeitschrift für das Menschentum unserer Zeit Der Vortrupp. In ihr erscheint als Fortsetzungsroman Poperts Helmut Harringa, den erstmals 1909 der Deutschen Dürerbund verlegte. Die Erzählung über teuflische Weiber, Alkoholismus und dunkle Mächte war ein Wahnsinnserfolg. Aus der Harringa-Fan-Peergroup kristallisiert sich im September 1912 der Deutsche Vortruppbund aus, der bald 150 Gruppen und 4 000 Mitglieder zählt. Sie wollten, unterrichtete Jahre danach Franziskus Hähnel (1864-1929) die Leser der Zeitschrift Junge Republik, ohne Klassen-, Massen- Rassenhass und fürs Vaterland leben. Ihre Jugend zieht es 1913 zum Treffen auf den Hohen Meissner. Auf Initiative von Hans Paasche und Julius Dürrenbeck gründet sich 1914 in Leipzig die Vortruppjugend.

 

Königin-Luisen-Haus
in Leipzig, 1915. (Postkarte)

Zum Begrüssungsabend des Ersten Deutschen Vortrupp-Tages am 3. Juni kommen 200 Mitglieder aus allen Teilen Deutschlands in das schön und funktionell gestaltete Königin-Luisen-Haus zusammen. Am nächsten Abend beginnt hier um 8 Uhr die Tagung. Aus diesem Anlass erklärt der Vorsitzende des Deutschen Vortrupp-Bundes Dr. jur. Hermann Popert in seinem Festvortrag, dass der Vortrupp dem "neu erwachten Idealismus unseres Volkes" dient. Er soll "Etwas schaffen, was oben bleibt!".

In der Plenartagung wird dann ein Telegramm von Mucks Freund Georg Peters verlesen, der vorschlägt, dass sich der Vortrupp an der Germanenbank beteiligt. Hermann Popert lehnt das im Namen des Arbeitsausschusses mit aller Entschiedenheit ab und fügt hinzu: "Es ist sehr schlimm, dass derartige Unklarheiten unter vaterländisch klingenden Namen wie Germanenbank propagiert werden."

 

Am zweiten Verhandlungstag (5. Juni) ziehen die Teilnehmer in den Kongress-Saal der Bugra um. Der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Vortrupps-Bundes Hans Paasche (1914, 44-49) eröffnet die Versammlung mit dem Vortrag

Glaub an die Sache, der du dienst.

Nicht ohne etwas Stolz spricht er davon, dass Deutschland in den zurückliegenden Jahrzehnten eine beispiellose wirtschaftliche Entwicklung durchlief. Aber sie nahm auch, so der Kapitänleutnant in Ruhe, dem Kulturmenschen in der Steinwüste der Grossstadt Licht und Kraft, zerstörte die Religion und verfälschte den Geschmack. Überall wandeln frühe Todeskandidaten, unzählige Menschen mit "schlechtem Blut", verödeten Seelen, vom Mammon verführte und aufgeschwemmte Missgestalten umher. "Sie sind die Opfer, die unser Volk bringen muss für den wirtschaftlichen Aufschwung vergangener Jahrzehnte."

Das Gelände der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Grafik (Bugra) in Leipzig 1914.
(Fotograf unbekannt.
Bildnachweis unten.)

Der Bugra-Saal fasste etwa 500 Sitzplätze. Muck erschien pünktlich. Es geht ihm nicht gut. Die Sache Eklöh in Lüdenscheid war für ihn nicht gut ausgegangen. Und Matthes konnte nicht helfen. Er scheint, ziemlich ausgebrannt zu sein. In Leipzig wäre jetzt Gelegenheit, ja, für was nun genau? Um mit Hans Paasche abzurechnen, mit dem er, wie noch mitzuteilen ist, quer liegt? Will er gar den Vortrupp umkrempeln? Oder plant er, wie es Geschäftsführer Franziscus Hähnel befürchtet, vielleicht einen Feldzug gegen den Vortrupp?

 

Was will Friedrich Muck-Lamberty hier?

Allgemein ist der Vortrupp nicht gut auf Muck zu sprechen. Besorgt äussert sich eine Mutter gegenüber Franziskus Hähnel (1914, 27) zum "Einfluss des Lamberty auf ihren Sohn". Oder, neun Tage nach der Veranstaltung im Bugra-Saal erscheint nach verschiedener Mitteilung vom Vortrupp-Fest Hamburg die Mitteilung, dass

seine Wirkung auf die Jugend recht ungünstig ist.

 

Über seinen Auftritt in Leipzig erzählt das Protokoll Folgendes:

"Nunmehr erscheint im Sitzungssaal ein junger Mensch, der den Familienamen Lamberty führt, aber unter den Namen "Muck" umherwandert und bei Wandervogeltagungen und bei ähnlichen Gelegenheiten aufzutreten pflegt. Lamberty meldet sich zu Wort; Franziskus Hähnel, der die Versammlung leitet, hat Bedenken ihm das Wort zu erteilen, da Lamberty weder Mitglied des Deutschen Vortruppbundes ist, noch sonst mit dem Vortrupp irgendetwas zu tun hat. Herr Dr. Popert bittet aber, dem Lamberty das Wort zu geben, da sich Lamberty vor einigen Tagen gegenüber einem Mitglied der Versammlung dahin geäussert habe, er wolle nach Leipzig kommen, um ordentlich gegen Paasche loszugehen und dann einen neuen Vortrupp zu gründen; es sei ganz gut, wenn man Leute dieser Art einmal herauskommen lasse, was sie eigentlich vorzubringen hätten. Die Versammlung ist einverstanden, dass Lamberty das Wort erhält.

Lamberty (der ja erst soeben erschienen ist und von dem bisherigen Verlaufe der Wechselrede offenbar gar nichts weiss) erklärt, reden könne er nicht, was er zu sagen habe, habe er in einem Briefe an Herrn Paasche zusammengefasst, den er jetzt vorlesen wolle. Das wird ihm gestattet. Lamberty verliesst nun einen langen, gänzlich wirren Brief, der eine Reihe unverständlicher Vorwürfe gegen Hans Paasche und eine Anzahl von Lobeserhebungen für Lamberty selbst enthält.

Hans Paasche stellt darauf hin folgendes fest: Nachdem Lamberty auf dem Hohen Meissner Hans Paasche vorgestellt worden war, entlieh er von ihm 30 Mark und machte von Hans Paasches Gastfreundschaft auf dessen Gut Waldfrieden Gebrauch. Zum Danke dafür veranstaltete dann Lamberty auf Jugendtagungen (in Westdeutschland und anderswo) Treibereien gegen Paasche und gegen den Vortrupp. Hans Paasche stellt weiter fest, dass Lamberty in einer Gebrauchsmusterschutz-Angelegenheit eine Rolle gespielt hat, die Herrn Paasche sehr missfallen hat. Hans Paasche legt weiter einen Brief vor, aus dem hervorgeht, dass Lamberty versucht hat, bei Hans Paasche Treibereien gegen Hermann Popert zu veranstalten.

Herr Dr. Humbert aus Siegen weist darauf hin, wie verhängnisvoll das Auftreten des Lamberty im Wandervogel E.V. auf diesen wirke.

Schliesslich erklärt der anwesende Pfarrer Bruns aus Strassburg, nach dem, was man über Lamberty gehört hat, müsse entweder Lamberty den Saal verlassen, oder die anderen Anwesenden müssten ihm deutlicher zu verstehen geben, dass sie nicht mit ihm zusammen zu sein wünschten. Die Versammlung stimmt dem zu, und Lamberty verlässt den Saal." (Hähnel 1914, 26f.)

Es kommt zum Eklat. Der Vortrupp (Leipzig) bezieht Kampfstellung. Versammlungsleiter Franziskus Hähnel (1914, 27) erteilt im Kongress-Saal der Bugra den Mitgliedern die Order:

"Wo Lamberty, genannt Muck,
den angekündigten Feldzug gegen den Vortrupp
auszuführen versuchen sollte,

empfehlen wir zur Abwehr die Bekanntgabe" des folgenden Briefs, den Herr Eklöh (Inhaber des Hauses Eklöh, deutsche Wertarbeit Lüdenscheid) am 14. Juni 1914 an Hans Paasche gerichtet hat, nachdem dieser ihm das Verhalten des Lamberty auf den Vortrupptage dargelegt hat."

 

Im Zwist mit den geborenen Siegern

"Und wenn wir unter die Menschen gehen, dann soll man uns ansehen, dass wir geborene Sieger sind", formuliert Hans Paasche (1914, 49) in seiner Festansprache am 4. Juni die Konvention zur Selbstdarstellung der Vortrupp-Mitglieder. Da kann Muck nicht mit. Wie ein geborener Sieger, so schaut er jetzt und hier bestimmt nicht aus. Garnisonspfarrer Wilhelm Siegmeyer, der ihn auf dem Vortrupp-Tag begegnet, lässt es sieben Jahre später im Rahmen einer Kampagne gegen Muck in der Zeitschrift Junge Menschen (Heft 7, 1921) raus: "Das strolchhafte Äußere, die konfuse Logik des Briefes an Paasche, den er vorlas, und der seine einzige Waffe bildete, das alles nahm nicht gerade für ihn ein."

Um die symbolische Macht des Kritikers, wesentlich auf Ansehen und Anerkennung angewiesen, stand es schlecht. Den Akademikern, Juristen und Geistlichen war Muck in der Ausstattung mit kulturellen Kapital unterlegen. Trotzdem versucht der Aussteiger sich kritisch einzubringen. Doch ihm gelingt es nicht, etwa zur Debatte um die Definition der Erziehungsgemeinschaft oder zum Selbstverständnis des Vortrupps einzugreifen. Er durchlebt, was Gustav Wyneken in Was ist Jugendkultur? (1913) analysierte, dass die herrschende Klasse im Besitz der Kultur ist und die Jugend nicht am geistigen Leben teilnehmen kann.

Zum Ersten Deutschen Vortrupp-Tag in Leipzig versprüht die Avantgarde des gebildeten Bürgertums (Franz Walter 2013, 36) ihren Geist. Akademiker, Frau Doktor Stegmann (Dresden), Doktor Walter Groothoff (Hamburg), Doktor Reinhard Strecker (Bad Nauheim), Doktor Goldstein (Darmstadt), Pfarrer Paul Bruns (Straßburg), oder Rechtsanwälte, zum Beispiel Staedek aus Darmstadt. "Oberlehrerhaft", kritisiert Gustav Wyneken (1913, 12), "ist der geistige Unterbau des Wandervogels". Der Vortrupp ist hier ganz anderer Ansicht, wie Hermann Popert am 5. Juni in seiner Eröffnungsrede durchblicken lässt:

"Aber wir verwerfen mit aller Entschiedenheit die geradezu blödsinnige Hetze gegen den Oberlehrer, die heute in manchen Kreisen Mode ist."

Im Wandervogel übernahmen die Lehrer eine privilegierte Stellung. Beim Vortrupp scheint dies in einem noch viel stärkeren Masse der Fall zu sein. Muck will das nicht verstehen. Ebenso die Organisation des Vortrupps, der ein "zusammenfassendes Organ" der Reformbewegung (Popert 1914) anstrebt. Ihn stösst die zentralistische Gestaltung der Jugendbewegung ab.

Muck vertritt im Sinne von Gustav Wyneken Was ist Jugendkultur? (1913, 12) die Überzeugung, dass die Jugend "ihre äußeren Lebensformen selbst zu finden" vermag. Dazu nimmt der Vortrupp eine skeptische bis ablehnende Haltung ein, weil er an die ubiquitäre Kraft der Jugendbewegung, die "oft nur entsprungen aus bodenhafter Unkenntnis der Kraft der entgegenstehenden Mächte", nicht glaubt. In Erziehungsfragen verhält er sich konservativ. "Schon an sich sind Schüler, die die Welt reformieren wollen," sagt ihr Vorsitzender Hermann Popert (1914, 18), "etwas Fürchterliches."

Als Leitmotiv wählte der I. Deutsche Vortrupp-Tag Auf Fichtes Bahnen. Nicht vom Elan der Jugendbewegung schwärmt der Vortrupp, umso mehr "vom festen Gesetz und festen Befehl". Die große Erfindung des Philosophen, dass tätige, gestaltende Subjekt verkümmert in seiner politischen Vorstellungswelt zu "Gehorsam und Pflicht gegen eine grosse Sache" (Popert 1914, 57+62). So löst der Vortrupp das Problem des kollektiven Handelns zum Preis der Entindividualisierung der Jugendbewegung. Damit kann sich Muck nicht anfreunden.

Zum Ausklang des Vortrupp-Tags laden am 7. Juni die Organisatoren in das Universitätsholz ein. Obwohl bereits viele Teilnehmer abgereist, erscheinen immerhin 400 bis 500 Personen. Bei herrlichsten Sonnenschein entfaltet sich ab Mittag unter den Buchen und Eichen eine ansprechende Geselligkeit. Natürlich immer ohne Alkohol und Tabaksduft. Ganz "ungeniert" nimmt Muck an den Volkstänzen teil. Man will ihn wegweisen, denn Schwarmgeister wie er, sollen im Vortrupp kein Erntefeld finden (Hähnel). Hans Paasche verhinderte es.

 

 

"Helgoland - ein Kapitel für sich!"  nach oben

Der Krieg bricht los. Am 10. Oktober 1914 meldet sich Muck "mit einer Schar Vegetarier als Freiwilliger bei der Marine und wurde der Matrosenartillerie auf Helgoland zugeteilt". Darüber berichtet 1921/22 Junge Menschen, herausgegeben von Doktor Knud Ahlborn und Walter Hammer, im Rahmen der Anti-Muck Kampagne. Zunächst erscheinen Vorwürfe wegen Spitzeleien. Auf sie erwidert Muck 1921 im April-Heft von Junge Menschen:

"Mein Sein entscheidet und nicht das Gerede. Durch mich ist ein junger Mensch von der Strafe von 2 Jahren Gefängnis freigekommen, ein Jude wegen Falschspiel verurteilt worden zu 8 Tagen und ich selber bin wegen Anklage gegen das Offizierskorps 14 Tage in den Kasten geflogen. Alles andere ist Mache."

Muck als Soldat der Marineartillerie

(Quellenangabe unten)

Damit nicht genug. Wilhelm Siegmeyer, während des Krieges Marinegarnisonspfarrer auf Helgoland, packt 1921 in Junge Menschen aus: "Unter den Wandervögeln Helgolands hat Muck nun von Anfang an sprengend und verwirrend gewirkt .... " Es gab zwei Parteien, eine Muckpartei und eine Anti-Muckpartei. Die Gegenpartei vergrössert sich allerdings und die Zahl seiner Freunde nahm ab. Weiter plaudert Siegmeyer: "Was man ihm vorwarf, waren geschlechtliche Verfehlungen der gröbsten Art. So sollte er die Braut eines auf der Insel befindlichen Wandervogels verführt haben .... Dem Exbräutigam hat er dann gedroht, er werde ihn über die Klippen ins Meer werfen." "Gegen Schluss des Krieges hat dann Muck", fährt die Erzählung fort, "noch auf Helgoland seine Kameraden angegeben, weil sie sich über verschiedene Missstände und auch wohl über Politik unterhalten hatten. Eine Unteroffiziersstube wurde eines Abends wegen Hochverrats verhaftet. Aber man konnte doch Niemandem etwas nachweisen; die Leute hatten sich beim Abendessen, wie das ihr gutes Recht war, über alles Mögliche unterhalten. Die Folge war, dass man nun gegen Muck vorging und er erhielt 14 Tage strengen Arrest, die Wandervögel verboten ihm das Nest ...." Er war "kein Führer" und eine "unwahre Persönlichkeit, plädiert der Ankläger.

Der Angeklagte blickt auf die Kriegsdienstzeit anders zurück. In einem öffentlichen Brief von 1921 an Admiral Scheer (Weimar) besteht er darauf: "Ich bin meiner Lebensweise treu geblieben, und habe auch bei der Marine keine der üblen Sitten mitgemacht, sondern das einfachste Leben geführt, nichts unnötig ausgegeben und nie meinen Leib durch Tabak und Alkohol geschwächt, damit ich immer bereit wäre, die letzten Anforderungen zu erfüllen, die im Kampf an mich gestellt werden könnten." "Und als gar ein junger Matrose (17 bis 18 Jahre) wegen einer Dummheit, er schrieb an die Wand: Hoch England! Nieder mit Deutschland!, 2 Jahre Gefängnis bekommen sollte, habe ich mich für diesen ins Zeug gelegt und erreicht, dass er als dummer Junge behandelt wurde." Gertrud Prellwitz (1921, 1f) sagt, dass er das "aus gütigem Erbarmen mit einem Menschen" tat.

Es bleibt noch unbedingt festzuhalten, denn es wird manche weitere Entscheidung von ihm beeinflussen: Die Begegnung mit einzelnen Mitgliedern des Wandervogels während der Kriegszeit hinterließ bei Muck einen tiefen Eindruck und herbe Enttäuschung.

 

 

Revolutionszeit

 

Witzenhausen  nach oben

"Nach dreieinhalb Jahren Wachdienst auf Helgoland, erhielt der Obermatrose Lamberty seinen ersten Urlaub" (Linse 1983, 112). Im Sommer 1918 zieht es ihn zur Völkischen Woche nach Witzenhausen (Werra). Hier konnte man auf Pfadfinder, Turner, Volkserzieher, Arbeiterjugend, Wanderscharen, Studenten und Wandervögel treffen. Der Urlauber soll sich, setzt Wilhelm Siegmeyer 1921 in Umlauf, sehr bedenklich betragen haben. Während der Sommertagung des Jungdeutschen Bundes 1919 in Lauenstein war dem Marinegarnisonspfarrer "von mehreren sehr zuverlässigen Seiten gesagt" worden, dass Muck an "mehrere Mädchen herangetreten", "um sie zu bewegen, dass sie sich ihm hingäben, er hatte vom Schicksal den Auftrag

mit einem blonden Mädel
den deutschen Kristus zu zeugen".

Er nimmt an einem Wettlauf teil, verletzt sich und kommt in das Lazarett von Hannoversch Münden. Bereits auf dem Weg der Genesung, hilft er hier ab Ende Oktober 1918 im Ausschuss zur Beschaffung guter Bücher mit.

 

Im Hauptquartier des Generalstabes  zurück

Der Krieg geht dem Ende zu. Aus Hannoversch-Münden schreibt Muck am 3. Dezember 1918 an Leutnant Harmsen in Hirschberg (Schlesien): "Dass ich 5 Tage im Grossen Hauptquartier mit der Heeresleitung und mit dem dortigen Soldatenrat in Fühlung stand, wirst Du wohl erfahren haben. Es waren für mich Tage der Arbeit, und konnte ich bei den besten Offizieren viel Verständnis für die jungen deutschen Bewegungen finden."

Die Kontakte vermittelte vielleicht Irmgard von Gayl, die er im Lazarett kennenlernte. Über sie führt ihn der Weg vom 17. bis 23. November in das Hauptquartier des Generalstabes auf Schloss Wilhelmshöhe - Kassel. Vier Tage später erfolgt seine Demobilisierung. Mit dem Vater von Irmgard von Gayl, ein kommandierender General, stand er zuvor in reger Diskussion über die aktuell politische Lage. Jener ".... riet diesem, damit die Mannschaften in ihrem Leid wieder Vertrauen in die Offiziere bekämen, mit einem jungen Offizier und einer Gruppe von Soldaten im Lazarett Volkslieder singen zu lassen." (Linse 1983, 112f.)

Zuvor gab es noch "Ein scharfes Hin und Her" mit Admiral Reinhard Scheer (1863-1928) "über die Offiziere bei der Marine". (Linse 1983, 113f.) So glücklich der Admiral auf dem Flottenflaggschiff Friedrich der Grosse am 31. Mai 1916 in der Skagerrak-Schlacht über die Engländer triumphierte, so folgenreich sollte sich sein Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918 zur Entscheidungsschlacht mit der Grand Fleet im Ärmelkanal auswirken. Den Matrosen es für einen Todeskampf kurz vor Ende Krieges jedes Motiv abhandengekommen. Es habe sich gezeigt, so Ulrich Linse (1983, 113), "dass der erste Diener der Flotte nicht wusste, wie es um den letzten Diener stand." Der Plan der Marineführung löste bei den Matrosen Bestürzung aus und es kommt zu ersten Meutereien, die dann in die Novemberrevolution münden. War die Skagerrak-Schlacht der "Hammerschlag gegen den Nimbus der englischen Weltherrschaft" (Kaiser Wilhelm), so gab Scheers Flottenbefehl das Trompetensignal zum Aufstand. Muck "versuchte ihm klar zu machen," gibt Gertrud Prellwitz (1921, 2) seine Rede dazu wieder, "dass eine Revolution kommen musste, weil bei der unpsychologischen Art, wie die Matrosen behandelt wurden, ihre Seele in Verzweiflung geraten musste ....."

"Ebenso enttäuscht ist Muck aber von der Gegenseite, von der mangelnden praktischen Solidarität der Revolutionäre im Soldatenrat Grosses Hauptquartier. Auch eine spätere Begegnung mit Philipp Scheidemann, dem Fraktionsführer der Mehrheitssozialisten, endet mit der resignierenden Feststellung, dessen lebloses Gesicht habe ihn deutlich gemacht, dass bei solchen Parteimenschen (...) unsere Volksgemeinschaft nie werden könne." (Linse 1983, 113f.)

 

 

Unter Kommunismus-Verdacht  zurück

1928 kolportiert die Nordbayerische Zeitung, "dass er sich mit Vorliebe als deutschnationaler Parteigänger aufspielte, während er in Wirklichkeit einer der ersten Kieler Meuterer war und dieserhalb während des Weltkrieges ein volles Jahr auf Helgoland interniert wurde, dass er dem Admiral Scheer bei Ausbruch der Revolution den Revolver unter die Nase gehalten hatte und alsdann als Soldatenrat ins Hauptquartier Hindenburgs gelangt war, wo er als kommunistischer Agitator die grosse Verwirrung anrichtete." Gertrud Prellwitz rückt dies bereits 1920 in

Mein Bekenntnis zu Muck-Lamberty

zurecht. Sie besteht darauf,

"Er hat .... nicht zu den Kieler Meuterern gehört, das ist ein Irrtum. - Wenn er sich, wie man sich in deutschnationalen Kreisen erzählt, in Helgoland bei den Vorgesetzten für einen Matrosen einsetzte, der gerufen hatte:

Nieder mit Deutschland, es lebe England!

So geschah das aus gütigem Erbarmen mit einem Menschen, den die schreckliche Untätigkeit, zu der die Matrosen verdammt waren, in eine perverse Verrücktheit der Verzweiflung versetzt hatte!" (Prellwitz)

Gegenüber Admiral Reinhard Scheer bekennt Muck im Februar 1921: "Ich bin kein Rote-Fahnen-Revolutionär, sondern glaube an den Sieg des Geistes über die Materie."

Über dem Tausendsassa schwebt der Verdacht, ein Kommunist oder Linker zu sein. Vielleicht wegen der Beziehung zu Hans Paasche (1913), der Mitarbeit im Arbeiter- und Soldatenrat (1918) oder dem Kontakt mit Max Hölz im Erzgebirge (Linse 1983, 45)? Vom Kesselheizer der Revolution zog er sich zurück, "weil ihm die Gewalttätigkeit zuwider war" (KH 138).

Seine Erfahrungen mit den Kommunisten teilt er etwas eigenwillig mit: "Ich war mit Max Schulze-Sölde in Remscheid 1923," teilt er sechs Jahre später den Berliner Arbeiter Henry Joseph (Berlin, Zellestrasse 11) mit, "und wir haben gesehen, daß die Kommunisten dort dreimal so viel Schokolade und Alkohol verzehrten, als die ganze kleine Kinderstube wert war, die damit eingeweiht werden sollte, wozu wir als fremde Handwerker kostenlos gegen Haferflocken und Milch die Stühlchen machten."

"Es ist ein Irrtum", interveniert Gertrud Prellwitz (1920) gegen den Kommunismus-Vorwurf, "daß Muck-Lamberty zu den Kommunisten gehört." "Er hat nie einer Partei angehört, außer einer Zeitlang der Vaterlandspartei, um sich zum deutschen Siegeswillen zu bekennen. Als sie ihm dann zu äußerlich arbeitete, trat er aus."

Auf einem Flugblatt von 1921 in Jena bekennt Muck:

"Ich bin weder Meuterer gewesen, noch ein undeutscher Geselle, auch nicht Agitator für einen Kommunismus der Strasse."

Indessen bemühte er öfter - fernab jeder Propaganda für Stalin oder Thälmann - den Kommunismus-Begriff, blieb aber auf Distanz zur KPD und SPD. Ein Kommunisten- oder Sozialisten-Hasser, von denen es damals in Naumburg so viele gab, war er nicht.

 

 

.... dann müssen wir Deutschbewussten vorschnellen

Muck verfasst zwei aufschlussreiche Aufsätze über die Revolutionszeit. In der Monatsschrift Freideutsche Jugend erscheint im Januar 1919 Verjüngung des politischen Lebens und im Februar Den jungen lebendigen Predigern. Ausgangspunkt ist die Katastrophe des verlorenen Krieges und seine Ursachen: "Die Massen, die Geistlosen wurden geführt und verführt und kamen dadurch in seelische Not." "Viele Führer waren ohne Herz zum Volke - die Herren benahmen sich oft schlimmer denn die Knechte …." Das Vertrauen ist zerstört. Die alten Pfaffen redeten "über den Geist Gottes" und das eigene Gewissen hinweg. "Jetzt gilt es nur, das Vertrauen wieder heben .…" Er verlangt von Den jungen lebendigen Predigern: "Empörung gegen die Ungerechtigkeit, empor zu Gott." Über das Gezänk der Parteien, der Presse, "der Juden und Geldmenschen" hinweg. "Gottesreiter" sollen die Kämpfer der Gerechtigkeit werden.

Über das Volk kam die Verzweiflung, befundet er in An die Lebendigen im Adel (1918). Aber es ist ein Volk, reicht er im Februar 1919 nach, "das nicht kämpfen will, bis die Not es dazu treibt."

Doch die jungen lebendigen Prediger "haben sich auf den Tag der Verjüngung [Revolution] gefreut." "Frei machen müssen sie sich, die jungen Prediger von den Sorgen um das Amt, von den Sorgen um Kerzen und Silberzeug für den Altar." "Jetzt wird die Welt gerichtet. Niemand kann daran vorbei, auch die Kasten nicht." "Stürzet das Morsche und Gottlose."

 

Vom 17. bis 23. November weilte Muck im Hauptquartier des Generalstabes. Am 14. November 1918 veröffentlicht er den Aufruf An die Freideutschen! mit dem Untertitel Verjüngung des politischen Lebens. 15 Tage später erscheint An die Lebendigen im Adel. Aus dieser Zeit ist noch der Brief an Leutnant Harmsen vom 5. November 1918 überliefert. Ihm prophezeit er: "Es werden, wenn es sehr schlimm kommt, die Massen sich austoben".

"... dann müssen wir Deutschbewussten vorschnellen."

Ihm ist bewusst: "Wir leben noch in der Krise." "Es kommt noch schlimmer", mutmasst er in An die Lebendigen im Adel. Die Ursache ist der Krieg, der uns die Besten genommen hat.

Aber "Die zuschauenden Altingsnaturen und die Bürgerlichen," verkündet der Aufruf An die Freideutschen!, "sie haben kein Heimatschwingen, haben kein junges Klingen mehr im Blute. Sie sind von den Ereignissen überrascht worden; fast scheints, als ob sie den Kopf verloren haben. Sie waren am Tage des Umsturzes nicht zu Stelle." "Die Alten nahmen die Revolution - das Jüngerwerden, als eine unbequeme Erscheinung, wurden sie doch in ihrer Behaglichkeit gestört."

 

Freideutsche Führertagung
vom 11. bis 19. April 1919 in Jena   zurück

Marktplatz in Jena, etwa 1925

Verlag Walter Lüdke, Jena

Gegen Ende des Krieges und in Verbindung mit der Novemberrevolution brechen in der Freideutschen Jugend politische Richtungskämpfe auf. Die Meissner-Formel hinterliess reichlich Konfliktpotential. Was heisst jetzt Freiheit und Selbstverantwortung? Darauf geben die verschiedenen Strömungen in der Freideutschen Jugend in der Revolutionszeit unterschiedliche Antworten. Es kommt zumEinbruch des Völkischen in die Freideutsche Jugend, der in der gleichnamigen Monatsschrift vom April / Mai Heft 1918 gut abgebildet. Andererseits rufen Knud Ahlborn, Arnold Bergsträsser, Rudolf Carnap, Gerhard Fils, Meinhard Hasselblatt, Eduard Heimann, Else Hiebsch, Martha und Kurt Walder, Karl-August Wittfogel und Karl Bittel im Rundbrief vom Januar 1919 zum Sozialismus auf. (Vgl. Rosenbusch 32, 58) Erwartungsgemäss differenzieren sich auf der Freideutschen Führertagung vom 11. bis 19. April 1919 im Volkshaus von Jena die Grundströmungen Links (Karl Bittel) und Rechts (Frank Glatzel) weiter aus.

Plötzlich, so nahm es Wilhelm Flitner wahr, gab es viele marxistische Kommunisten. Das Losungswort war Sozialismus. Es kam zu leidenschaftlichen Diskussionen, bis hin zum "geistigen Chaos" (Flitner). Die Radikalen verliessen den Schäffersaal und tagten auf dem nahen Galgenberg.

In der Diskussion über Nihilismus, Buddhismus und Liebeskommunismus entstand, schildert Else Frobenius (1927, 186 f.) das Geschehen, eine apokalyptische Weltuntergangsstimmung. Beim Lesen der Reden und Aussprachen der Jenaer Tagung 1919 (Hamburg 1919) entsteht bei mir allmählich ein anderer Eindruck: Die Teilnehmer bringen durchaus konstruktive Vorschläge ein. Ein Redner äussert die Idee zur Gründung einer Jugendschule. Andere streiten konstruktiv über die Geschlechterfrage. Die Nächsten strengen die Abrechnung mit den Fehlern vom August 1914 an oder ringen um Klarheit über die historische Aufgabe der Freideutschen Jugend. Wilhelm Flitner (1986, 258) erinnert sich an gute Gespräche zwischen Alexander Rüstow und Eduard Heimann. Eindrucksvoll stachen die "Erziehungspolitischen Forderungen der Jenaer Tagung" hervor, wie sie Heinz R. Rosenbusch (80-82) eingehend analysiert und systematisiert hat. Hohe Wellen schlägt die Diskussion um die Errichtung der Volkshochschulen. Georg Engelbert Graf (1881-1952) lehnt die neue Institution ab, weil es ein ideologisches Projekt ist, das sich an den Bedürfnissen seiner Protagonisten, nicht aber an den Lernenden ausrichtet. Als Beispiel nennt er die in Berlin entstandene Freie Hochschulgemeinde für Proletarier, die beabsichtigt alles zu lehren, was für Betriebsräte der Zukunft notwendig sei. Muck hält ihm entgegen: "Wir müssen nicht von vornherein passivistisch verzichten. Wir müssen auch Vernunft gebrauchen und organisieren." "Gegen den Materialisten [Georg Engelbert] Graf sage ich: Unser Volk braucht eine Bildung, die die Kluft zwischen dem einfachen Manne und dem Intellektuellen aufhebt. (Starke Bewegung)"

Ungeklärt bleibt das Verhältnis der Jugendbewegung zu den Parteien und dem Staat.

Ausserdem profilieren sich zwei gute Bekannte, Karl Bittel und Alfred Kurella, von Muck als Jugendpolitiker. Bittel schwenkt in Jena auf die von Alfred Kurella verfochtene These ein, es gelte dem Bürgertum ganz abzuschwören und sich den kämpfenden Reiche des Proletariats anzuschliessen (vgl. Linse 1981, 48).

Am 16. April 1919 trumpft Muck in der Diskussion auf:

"Ich habe ganz einfach etwa 40 Menschen um mich gesammelt, die zusammen eine Arbeitsgemeinschaft bilden. Wir haben sie deutsche Volksgemeinschaft genannt."

Im Sommer des darauffolgenden Jahres ziehen sie als Tanz- und Spiel-Company Neue Schar durch Franken und Thüringen. Möglicherweise deutet die zitierte Äusserung bereits auf die Gründung der Neuen Schar hin. Doch liegen hierfür keine weiteren verlässlichen Nachrichten vor. So müssen wir weiterhin das Pfingstreffen 1920 in Kronach als ihren Gründungsort ansehen. (Siehe unten: Der Zug der Neuen Schar, Kronach 17. bis 26. Mai 1920.)

 

 

Sozialismus oder Fahrt ins Blaue?

Als beim Bundestag der Wandervögel vom 2. bis 4. August 1919 in Coburg die Wahl des Bundesvorstandes begann, hielt es Willibald Hahn "für geschmackvoll, mit einer roten Fahne, die, wie er sagte, die Glut seines Herzens darstellen sollte, auf die Bühne zu klettern und möglichst auffällig neben die Bundesleitung zu stellen. Die Fahne wurde zerrissen, und Muck rief hernach unter dem Jubel der großen Mehrheit in die Menge:

Jungens, unsere Fahrt geht nicht ins Rote,
sondern wie bisher ins Blaue
."

"Mit diesen berühmt gewordenen Worten [von der Fahrt ins Blaue] .... hat Muck-Lamberty die Richtung vorgegeben - nicht nur für seine Neue Schar, auch für die Jugendbewegung überhaupt. Besser gesagt: Er hat gegen alle anstehenden Zersplitterungen nach rechts und links die Grundrichtung verteidigt, die den Wandervögeln immer schon eigen war: den Blick auf die Blaue Blume der Romantik. Über die Ambivalenz, ja Gefährlichkeit einer solchen Neigung muss nicht lange geredet werden. Wohl aber über ihr Recht und ihre potenzielle Fruchtbarkeit. Dann nämlich, wenn wir dieser Blume ihren romantischen Schleier abstreifen und sie besser und nüchterner als das benennen, wofür sie steht: für das Ideal, die Utopie, das Grenzenlose. Die Wandervögel folgten einer noch unbestimmten Sehnsucht, einer Sehnsucht ins Offene, ins Blaue hinein. Kein anderer hat diesen Gang und Sprung ins Offene so vorgelebt wie jener Mann, der für Muck-Lamberty richtungweisend war: Gusto Gräser. Und wenn Muck selbst, trotz aller Schwankungen, vor den Versuchungen der Parteipolitik bewahrt geblieben ist, dann dankt er es dem Beispiel seines Freundes." (Müller 8.2.2013)

 

 

 


"Erschüttert vom Kriege, verzweifelt durch Not und Hunger," erzählt Hermann Hesse in der Morgenlandfahrt (1932), "tief enttäuscht durch die anscheinende Nutzlosigkeit all der geleisteten Opfer an Blut und Gut, war unser Volk damals manchen Hirngespinsten, aber auch manchen echten Erhebungen der Seele zugänglich, es gab Bacchantische Tanzgemeinden und wiedertäuferische Kampfgruppen, es gab dies und jenes, was nach dem Jenseits und nach dem Wunder hinzuweisen schien ...."

Hermann Hesse: Morgenlandfahrt. Suhrkamp Frankfurt 1982. Erstausgabe 1932,
Seite 13

 

 

Auf der Suche nach dem schönen Leben:

Der Zug der Neuen Schar durch Franken und Thüringen
Kennzeichen blaues Fähnlein und Tuthorn - Tuuuut  
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Im Juni 1920 bricht sie von Kronach (Franken) in Richtung Thüringen auf. Sie will verstehen, singen und tanzen, mit dem Herzen sprechen und dem Schwingen der Seele lauschen. Hierfür bieten die Ideen aus der Reformpädagogik, Freikörperkultur und Lebensreformbewegung ihre Dienste an. Sie wollen die Jugend vom Korsett wilhelminischer Manieren und veralteter Moralkodizes befreien. Immer im Dienste der Volksgemeinschaft und natürlich ohne Klassenkampf. Muck packt für den Weg nach Thüringen allen noch etwas geistige Wegzehrung in den Tornister:

"Gehet in die Wälder und
rufet die Gottsuchenden."

".... gehet hinein in das Volk, in den Volksdom,
haltet den Gottesfunken hoch über das tägliche."

Empört euch gegen die Ungerechtigkeit.

Führt den Kampf der Jungen gegen die Alten.

"... verdammet die Gemeinheit, die Hurerei,
das Saufen, ..... die Zinswirtschaft.

Verdammt die
gierige Sucht nach Geld und Gelten,
die Lust zum Fressen, die Habsucht.

Scheut Euch nicht,
herbe Worte zu sagen." Aus: Den jungen lebendigen Predigern (1919)

Bald wirbt die Neue Schar in den Dörfern und Städten auf Handzetteln oder Flugblättern:

"Nicht buhlen mit den tollen Moden und Geldmachen, nicht Kreuzbuckeln mit den dummen Sitten und Lackmenschen, die keine recht Art mehr kennen."

 

Rüdiger Safransky (2007, 335) sieht im

Thüringer Sommer 1920

"die völkische Jugendbewegung auf dem Marsch mit Klampfe und in selbstgewirkten weichen und wallenden Gewändern." Bei Muck und den Seinen kommt "alles sehr friedlich daher". Versöhnlich und verträglich schon, nicht aber unkritisch. Davon kündet seine im Wanderbuch ausgestellte Selbstermächtigung:

"Kampf für die Volksgemeinschaft,
gegen alles Gemeine, gegen Ausbeutung".

Obwohl gut erkennbar, wurde die antikapitalistische Attitüde der Neuen Schar öfters übersehen. Schon im Vorwort zum Kleiderkatalog (1914) von Hans Eklöh (Lüdenscheid) klang sie an. Muck und sein Freund Peters machen die Entdeckung: Dem Kapitalismus fehlt der "Zusammenschluss der in Betracht kommenden Gesamtheit." Unter der Überschrift Was können wir tun? beklagen sie die "Schädlichkeit der Reklame" und stellen die "dumpfe(n) Gewohnheit des nur umsetzenden Kaufmanns" bloss.

 
Wanderbuch von Friedrich Muck-Lamberty
 


Quelle: Archiv der Leuchtenburg (bei Kahla)

Die im Wanderbuch ausgestellte moralische Selbstermächtigung genügt dem, was Alexander Rüstow (1886-1963) 1920 in der Freideutsche[n] Jugend (194, 195) als das Recht und die Pflicht für die Jugendbewegung einfordert,

gegen den Oberbau der Gesellschaft zu kämpfen.

Denn: "Die Ueberwindung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung erzeugt noch nicht die Geistigkeit, sondern macht ihr nur den Weg frei." Deshalb muss sich eine "einheitliche Kampffront der Jugendbewegung" "gegen die bürgerliche Kultur des Kapitalismus in allen ihren Erscheinungen" richten.

 

 

Einflüsse und Impulse  zurück

Meissner-Treffen - Wandervogel - Sera-Kreis - Alfred Kurella - Gusto Gräser - Lisa Tetzner - Georg Stammler

Viele betrachten das Phänomen Neue Schar als Reaktion auf die Krisenzeit 1918 / 1919. Wie bereits ausführlich im Zusammenhang mit dem Meissner-Treffen 1913 erörtert, wird dabei übersehen, dass ihr Engagement von den progressiven Werten - Autonomie (Martin Luserke), Jugendkultur (Gustav Wyneken), Echtheit (Ferdinand Avenarius), Wahrhaftigkeit (Bruno Lemke) und Befreiungsdrang (Paul Natorp) - affiziert.

 

Der Wandervogel

Wichtige Impulse nimmt die Tanz- und Spielcompany Neue Schar von der Wandervogel-Bewegung auf.

"Der Wandervogel war unsere Befreiungsbewegung", eröffnet am 12. April 1919 in Jena Karl Bittel den Teilnehmern der Freideutschen Jugendtagung. Nicht nur ihn, viele seines Alters formte und prägte er. Und dabei war der Anfang schwer. "An vielen Lehranstalten wurde es den Schülern verboten, ein Wandervogel zu sein. Aber das half gar nichts", erzählt Hans Fallada (1893-1947). "Der Wandervogel breitete sich trotzdem aus, und die Verbote mussten wieder aufgehoben werden, zumal sich ihm nie etwas Schlimmes nachweisen ließ."

Allerdings kommt bereits früh aus den eigenen Reihen Kritik hoch, weil auf Veranlassung vorgesetzter Behörden Lehrer in den Wandervogel drängen, um die Gruppen zu führen. Über die Hälfte der Ortsgruppen leiten Oberlehrer und Lehrer. Manchmal waren es, wie Hans Fallada beobachtete, auch Studenten. Dagegen protestiert, womit er nicht der Erste war, Willie Jahn (1889-1973) beim Treffen auf dem Hohen Meissner (1913):

"Dazu hat die Jugend sich
den Wandervogel nicht geschaffen."

Aus dieser Unzufriedenheit und Empörung über die Alten entstand der Jung-Wandervogel (JWV). Er will ausserhalb der Schule die Freiheit und Selbstbestimmung seiner Mitglieder herstellen und distanziert sich von Soldatenspielereien, wie sie etwa beim Jungdeutschland-Bund (BJD) üblich sind. Der JWV erstrebt keine auserwählte Kultur, weil das, wie er meint, die Bewegung versteift und die Jungen daran hindert nachzuwachsen.

Wie sind die Wandervögel froh
Stets gehts in dulce jubilo
Postkarte. Vielleicht um 1914

Erstmals kam es 1913 auf dem Hohen Meissner zu einer allgemeinen und näheren Begegnung zwischen den beiden Geschlechtern im Wandervogel, die später das äussere Bild der Bündischen Jugend so entscheidend geformt hat. (Werner Helwig 1980, 79)

Am weitesten treibt die Kritik am Wandervogel vielleicht die Ortsgruppe Jena. "Wir wissen," antwortet sie am 2. August 1919 abschliessend auf einen Briefwechsel mit vielen gleichgesinnten Gruppen in ganz Deutschland, "daß sich im ganzen Wandervogel zwei verschiedene Welten gegenüberstehen!

Hier die Bundesleitung der Alten, der Oberlehrer und zahlreicher Anhang: die Reformfröhlichen, die sich für `Pflanzenkost`, `Antirauschgiftbewegung` oder Leibchenreform und Ertüchtigung der Wanderwaden einsetzen, die `volkskundigen`, volkstanzenden, jodelnden und ewig zur Blödheit verdammten Kilometerfresser, als die Wandervereinler mit bandgeschmückter Lautenbegleitung; hier die wirklichen Wandervögel, Nachkommen der revolutionären Steglitzer, die - aufbegehrend gegen den bürgerlichen Unfug verrotteter Schulen, verspießerter Elternhäuser, verlogener Tanzkränzchen-Erotik und eingepaukter Kirchenfrömmigkeit - die mechanischen Formen hassen und neue Formen, kultureller Formen, Formen des Lebens, der Natur und Kunst in den Mittelpunkt ihres Fühlens und Denkens stellen.

Dies ist das Bild zwei grundlegend verschiedener Welten, ist das Bild des bestehenden Wandervogels … … Die Wahrheit über diese zwei Welten bricht sich Bahn!" (JW 1919)

Die Neue Schar will es besser machen als der Wandervogel und Vortrupp. Er vertraut auf die Selbsterziehung und will nicht, was Gustav Wyneken an der Jugendbewegung 1913 (8) bemängelt, "zwangsweise Erwachsen sein".

Sie wollen die Volksfestkultur modernisieren. Muck mahnt im September 1920 [An] alle Lebendigen von Eisenach:

"Acht Tage lang habt ihr euch auf dem Vogelschießen Bauchtänze und andere seichte Sachen alter Kultur zeigen lassen, habt Dreck geschluckt und eure Ohren und Sinne durch Drehorgeln, allerlei Blödsinn, seelenlosen Kram betäuben lassen. Alles andere - nur kein Sichfreuen, Sichkennenlernen, kein gesundes, herzhaftes Fröhlichsein, kein Volksleben." "Besinnt euch!"?

 

Sera-Kreis

Seit Eugen Diederichs 1904 von Leipzig nach Jena übergesiedelt war, veranstaltete er in der freien Natur Feste, bei denen es keine Zuschauer gab, sondern wo jeder selbst tätig wurde, etwa bei der neuen Art des Theaterspiels. Sein Ziel war die kulturelle Erneuerung der Geselligkeit. Als Vagantenvater zog er mit den Bachchanten des Sera-Kreises durch das Thüringer-Land, um auf Schlosshöfen und Marktplätzen zu spielen. (Viehöfer 100) Besonders um das Sommersonnenwendfest kam es zu kleinen Feiern mit Tänzen.

Wer wollte annehmen, dies blieb ohne Einfluss auf Friedrich Muck-Lamberty, zumal er dem Sera-Kreis beispielsweise auf dem Wandervogel-Bundestag 1913 in Meiningen persönlich begegnete und mit Eugen Diederichs gut bekannt war.

 

 

Alfred Kurella (1895-1975)

war ein begeisterter Anhänger Gustav Wynekens und der "Entschiedenen Jugend". Zusammen mit Fritz Klatt gründet er in München ein Freideutsches Wohnheim.


Er besucht von 1924 bis 1926 in Bobigny die Parteihochschule der französischen Kommunisten, ist dann als Chefredakteur von Le Monde tätig und kehrt nach Jahren der Zurückgezogenheit im sowjetischen Exil 1955 in die Deutsche Demokratische Republik (DDR) zurück. Als Leiter der Kulturkommission des Politbüros der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands prägt er von 1957 bis 1963 den Bitterfelder Weg.

(Vgl. Gillen 2012)

 

Alfred Kurella

Erkennbaren Einfluss auf Friedrich Muck-Lamberty nimmt Alfred Kurella, der für die freie Liebe eintrat und als Herausgeber des Bonner Liederblatts (1912 /1917), des Wandervogel-Lautenbuches (1913) und Die Geschlechterfrage der Jugend (1920) eine gewisse Publizität genoss. Sie kannten sich vom Hohen Meissner (1913). Im August 1918 trafen sie auf der Freideutschen Woche in Tübingen zusammen. Einen Monat danach richtet Kurella in der Zeitschrift Freideutsche Jugend (338f.) an Muck folgenden Brief:

"Heil Muck!
Dies Treffen [in Tübingen] war schön. Eine große Freude für mich. Es lebe das Pachantentum, das schweifende Leben! Lustig, daß auch du wie ich mit diesem Klatsch, Verleumdungen, Lügen umgeben bist. Was gehen die uns an: die Feigen, die selbst nie bis zum Letzten zu denken, geschweige denn es Tat werden zu lassen wagen, die sich aber giften, wenn andere es tun; die Halben, denen wir einmal die Wahrheit gesagt haben und die uns nun nachkläffen; die Lüsternen, die gern von Revolutionen, Bomben und Gefängnis tuscheln, und die Dummen, die jedes alberne Geschwätz für bare Münze nehmen und in verbesserter Auflage weitergeben. Wir suchen die Ganzen, Aufrechten, Mutigen, Gescheiten: die Menschen. Denen gehört die Zukunft, die noch die Kraft in sich tragen, die vom Blick, vom Wort, von der Gestalt ausgeht und die die Glut einer großen Liebe spüren. Auf frohe Kämpfe in der Zukunft, auch gegeneinander. Heil dir!

Alfred Kurella"

"Kurella ist es wahrscheinlich zu verdanken," schreibt Hermann Müller 2013, "dass Mucks Programmschrift ‚Den jungen lebendigen Predigern' in der ‚Freideutschen Jugend' (Februar 1919, 82-85) abgedruckt wurde. Auch andere Artikel von Muck und das begeisterte Urteil von Diederichs über die Neue Schar erschienen in dieser Zeitschrift. Er selbst wirbt dort (im Januar 1920) für einen Bund der Freideutschen, für eine freideutsche Zukunft (43). Noch im November des Jahres füllt ein poetischer Feuerspruch für Muck die Titelseite des Blattes. Nicht die Völkischen, sondern die menschheitlichen Freideutschen verhalfen Muck zu seinen ersten publizistischen Auftritten nach dem Krieg! Mit diesen wiederholten Rufen an die Jugend wurde der Boden bereitet für die künftige Neue Schar. Und was fordert Muck in seinem Aufruf? Nicht etwa Rache für Versailles, sondern Genesung in Gott und Lebensreform als Grundbau der kommenden Gemeinschaft (FDJ, Januar 1920)."

 

Gusto Gräser


Silhouette von Gusto Gräser mit dem Zeichen von Muck


Quelle: Müller 5. Januar 2012

Ein Vers von Gusto ziert die Ankündigung des Vortrags von Friedrich Muck-Lamberty am 28. Juli 1920 im Volkshaus zu Jena. "Mucks Publikationen in ‚Wanderscharen' (Januar-März 1919) und in ‚Der Anfang' (Januar-Februar 1920) steht jeweils Gedicht von Gräser voran; das Flugblatt ‚an die lebendigen ein Prediger' von 1918 zierte Gräsers Fünfstern. Deutlicher konnte", nach Auffassung von Hermann Müller (20.8.2013), "Muck sich nicht bekennen." Über ihn partizipierte er an den Ideen des Monte Verità: Abkehr von materialistischen Werten, spiritualistisches Naturverhältnis, Flucht aus der gesellschaftlichen Verlogenheit.

Muck sympathisierte mit der Lebensart (Felsen von Arcegno) und Poesie von Gusto Gräser (*1879). Etwa seit 1907 tritt er in deutschen Grosstädten mit Tänzen, Reden und Gedichten auf (Müller: Monte Gioia). Bisweilen erregen seine Kleidung und Geruch öffentliche Aufmerksamkeit. Im Juni 1912 musste sich der "überragende schöpferische Kopf" (Hermann Müller) der Monte-Verità-Gemeinschaft vor dem Schöffengericht in Leipzig wegen groben Unfug und Widerstand gegen die Staatsgewalt verantworten. Er hatte in der Stadt Flugschriften verteilt und durch "mangelhafte Kleidung" öffentliches Ärgernis erregt. Das Gericht verurteilte den Naturdichter, wie ihn die Wiener Bilder (1910) nennen, zu 20 Mark Geldstrafe und vier Tage Gefängnis. Gegen seine Ausweisung aus Sachsen protestieren Gerhart Hauptmann, Ferdinand Avenarius, Max Klinger, Hans Thoma, Friedrich Naumann, Arno Holz und andere.

 

Lisa Tetzner

Friedrich Muck-Lamberty und Lisa Tetzner waren persönlich miteinander gut bekannt. Ob sie sogar befreundet, kann nicht mit Gewissheit gesagt werden.

Lisa Tetzner war im schweren Jahr 1918 in Thüringen als Märchenerzählerin unterwegs. Sie verständigte damals die betreffende Schulleitung über ihr Kommen. Sehnsüchtig warteten die Kinder auf sie. Manchmal in großen Sälen. Aber am Schönsten war es, wenn alle zusammen unter der kleinen Dorflinde oder am Waldesrand den alten Märchen lauschten. "So brachte Lisa Tetzner ein kleines Stück Freude in die Dörfer und Städtchen Thüringens und überall wurde sie gebeten, bald wieder zu kommen." Im Jahr darauf kehrte sie im Auftrag der Volkshochschule zurück. Erneut schaute sie in die erwartungsfrohen und freudigen Kinderaugen. So stellt der "Bezirksbote" von Bruck (Niederösterreich) 1921 ihr Engagement heraus und fragt, ob es nicht ein Beispiel für Andere sein könnte.

Die Neue Schar und Muck gingen schon 1 9 2 0 diesen Schritt. Wie die Märchenerzählerin wandten sie sich besonders den Kindern zu, humanisierten mit Musik, Tanz und Spiel das Leben im öffentlichen Raum.

 

 

Georg Stammler,
eigentlich Ernst Emanuel Krauss, geboren am 28. Februar 1872 in Stammheim

Seit 1898 als
Schriftsteller tätig.

1899 gründet
den Wir-Verlag.

Schriftführer im Verein zur Verbreitung guter Volksliteratur in Württemberg.

1909 Buchhändler in Wickersdorf

1910 Vortragsreisender.

1912 wohnte als Verleger in der Gartenstadt Hellerau:

Seit 1913 Dichternamen: Georg Stammler (eigentlich Ernst Emanuel Krauss)

Seit Kriegsende im thüringischen Mühlhausen, Beitrag zur Volkshochschule.

Seit 1924 Mitglied der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung. Etwa zur selben Zeit übernimmt der Urquelle Verlag von Erich Röth die Betreuung seiner Werke.

(Vgl. Justus H. Ulbricht 1988, 77 bis 140)

 

Georg Stammler

Muck nimmt von Georg Stammler, eigentlich Ernst Emanuel Krauss (1872-1948), gewisse Impulse und Ideen auf. Zum Beispiel prangte über der Nachricht vom 24. August 1920 zur Neuen Schar in der Freien Presse in Erfurt ein Zitat aus

Worte an eine Schar (1913).

Sein Verhältnis zu ihm kam, erzählt Harry Wilde (1965, 126), einem Glaubensbekenntnis gleich.

"Man kann nicht nebenbei geistig sein", lehrt Georg Stammler (1918, 129). "Denn Geistigkeit ist eine Umkehrung der Welt ex fundamento; ein Durchströmen und Ordnen der Dinge aus den Tiefen. Dafür genügt kein Zusatz von idealer Gesinnung, eine rauchselige Begeisterung, keine soziale und schöngeistige Betriebsamkeit am Feierabend. Dafür genügt nur die Kraft und die Leidenschaft eines Menschenlebens."

"Meine stille Hoffnung richtet sich auf die Jugend. Vielleicht, daß sich einmal aus ihrer Mitte heraus die

heilige Schar

bilden wird, die mit der Leidenschaft der Liebe um die Geburt des neuen Menschenbildes ringt; die Schar, die uns erlöst, weil sie sich aus der Not des eigenen Herzens zur Keimzelle des neuen Lebens schafft."

Die Zeitschrift Nation und Schrifttum stellt Georg Stammler als Rufer und Wegweiser einer Deutschheit vor, die Hitler politisch möglich gemacht hat, in eine Reihe mit Lagarde, Langbehn und Moeller van den Bruck. Seit 1924 war er Mitglied der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung. (Ulbricht 1988)

Thingplatz in Freyburg
an der Unstrut

(Das Foto ist wahrscheinlich zwischen 1930 und 1940 aufgenommen. Fotograf unbekannt.)

Auf der 1. Christrevolutionären Tagung vom 11. bis 14. Juni 1921 in Stuttgart unternimmt der völkische Schriftsteller den Versuch, die freideutsche Jugend und mit der Arbeiterjugend auszusöhnen. Beide sind füreinander bestimmt, so Stammler, nur das "…. Wertvolle an der freideutschen Jugend, ihre tiefe Innerlichkeit, muss ergänzt werden durch das stärkere Wollen der proletarischen Jugend. Beiderseitige Fehler müssen abgelegt werden. Hier der Dogmatismus, dort das ewige Steckenbleiben im Problematischen." (Tagungsbericht 360)

Beim ersten Führerlehrgang der Artamanen vom 17. Januar bis 7. Februar 1926 in Halle ist Georg Stammler als Referent dabei.

Muck unterhielt Kontakte zu den Artamanen. Zum Reichsthing am 21. Dezember 1929 in Freyburg an der Unstrut trifft er Stammler wieder.

 

 

Hartenstein im Erzgebirge

Seit letztem Jahr begegnet man im erzgebirgischen Hartenstein jederzeit den Wandervögeln, junge, gesunde Gestalten, in leicht zweckmäßiger Kleidung, barthäuptig und manchmal Barfuß. Nicht immer sind sie mit buntbebänderter Laute oder berußten Hordenpott auf dem Rücken auf Fahrt. (Vgl. Illing)

 

Ich hab` verloren meinen Schatz

 

Hier ist Grün und
das ist Grün

Hier ist Grün dort ist Grün
unter meinen Füßen
hab verloren meinen Schatz
werd ihn suchen müssen

Such ihn hier, such ihn dort
unter diesen allen
diese mit dem blauen Kleid
kann mir wohl gefallen

Dreh dich um dreh dich um
bist du´s oder bist du´s nicht
nein nein du bist es nicht
pack dich fort ich mag dich nicht

(Autor unbekannt)

 

An sanften Sommerabenden erklingen in den Gassen alte Volkslieder. Tagsüber spielen auf den Straßen und freien Plätzen Kinder, große und kleine Jungen drehen sich im Kreise und singen die Weisen aus dem Zupfgeigenhansel, dem Evangelium des Wandervogels (Manfred Schwarz). Vom Schulplatz dringen Volksweisen, wie Hier ist Grün und das ist Grün, Sechs hübsche Mädchen Mädel hier im Kreis oder Großvater will tanzen in die Stadt. "Und an schulfreien Nachmittagen

ziehen Gruppen von Jungen
oder Mädeln mit Muck,

dem Kinderfreund, oder Fräulein Minna, oder Toni hinaus ins Freie, um am Waldesrand oder am Feldrain zu singen und zu spielen - freilich oftmals, ohne vorher die Erlaubnis des Grundstückbesitzers einzuholen." (Illgen)

Bis Juni 1918 unterhielt der Wandervogel in Oranienburg eine Bundeskanzlei. Friedrich Emil Krauß (1895-1977), der die Nation mit der Waschmaschine Turna 25 (1935) und die Wäscheschleuder Zenti beglückt, erhält von der Bundesleitung den Auftrag, die Bundesgeschäftsstelle in Oranienburg zu reorganisieren. Auf seine Anregung wird sie im Juni 1918 nach Hartenstein verlegt.

Krauß heiratet Käthe Gertrud Mäschel. Den Polterabend am 4. Oktober 1919 feiern mit ihnen Lotte und Friedrich von Plessenberg, Otto Steckhan (1898-1968), Suse Rudolphi, Andreas Paul Weber (1893-1980), Toni Klander und Friedrich Muck-Lamberty. (Vgl. Schumacher / Dorsch)

Hartenstein (Erzgebirge) Markt 8 mit dem Laden vom Wandervogel Das Haus brannte 1924 ab. ****

In Hartenstein sollte eine Handwerkersiedlung, Buchhandlung, Leihbücherei, ein Lichtbildamt und ein Verlag entstehen. (Ulbricht 1988, 84) Vorderhand mietet die Bundesleitung hier im Rathaus, was sich bald als zu klein erweist, ein Zimmer an. Daraufhin erwirbt der Wandervogel mit finanzieller Hilfe von Emil Krauß an der unteren Marktseite für die Geschäftsstelle ein Haus. Hier arbeiten 24 Angestellte für ein Karten- und Lichtbildamt, Arbeitsamt für neudeutsches Siedlungswesen, Bleibeamt und die Älterenvermittlung, sowie den Warenvertrieb und Zwiespruch-Verlag. Die Wandervogel-Buchhandlung Hartenstein Sa. erfreut sich grösster Beliebtheit, verzeichnet über zwei bis drei Jahre hohe Umsätze. "Die bekanntesten Namen auf der Liste sind Eberhard König, Hans Blüher, Walter Flex und Burkhart Schomburg, aber auch Edmund Neuendorff, Wilhelm Stählin und Frank Fischer." (Ulbricht 1988, 84) Sie vertreibt Bücher, Wander- und Sportartikel und für etwa 22 500 Bezieher die illustrierte Monatsschrift für Deutsches Jugendwandern Wandervogel. Das Geschäft prosperiert, bis es unnötige Experimente destabilisieren. 1922 muss die Geschäftsstelle aufgelöst werden.

Verleger Erich Matthes (1888-1970) siedelt von Leipzig in die Fürstlich Schönburgische Residenzstadt Hartenstein über. Friedrich Muck-Lamberty, so erzählt es Erich Matthes 1962, hält sich ab September 1919 hier auf und arbeitet bei ihm in der Verlagsbuchhandlung Matthes & Trost als Packer.

"Eine Handwerkersiedlung bildete sich, speziell von Schuhmachern, Schneidern, Drechslern und Holzschnitzern." (Geissler 1970, 10) Bei einem alten Meister lernt Muck das Drechslerhandwerk.

Hartenstein war für Muck ein Ort des Experimentierens, Lernens und der Inspiration.

 

 

Kronach 17. bis 26. Mai 1920

Muck bricht am 14. Mai 1920 von Hartenstein nach Kronach auf. In der Geburtsstadt von Lucas Cranach d. Ä. feiern alte Freunde und Bekannte aus dem Wandervogel ihr Wiedersehen.

Kronach in Franken
mit Veste
Rosenberg (etwa 1955)

Foto und Verlag Joseph Hospe,
Staffelstein, gegründet 1898

Auf dem ersten Nachkriegstreffen 1919 in Koburg drohte der Wandervogel e.V. endgültig unterzugehen. Nur durch die Geschicklichkeit der Tagungsleitung konnte den Zerfall vermieden werden. Die Jüngeren und die Feldgeneration hatten sich über die Kriegszeit hinweg auseinandergelebt. "Die knabenhaften Führer, die im Krieg in die Bresche sprangen," rekonstruiert Else Frobenius 1927, "sind selbstbewusst und selbstsicher geworden." Die Alten kehren dem Verein den Rücken und gründen den Bund der alten Wandervögel e.V. (Kronachbund). Arbeiter sind darin wenig vertreten. Als Sprecher wird Otto Schönfelder (1893-1944) gewählt. Ein Programm gab es zunächst nicht. Doch sie gaben eine Zeitschrift heraus, fördern das Laien- und Puppenspiel, die Volkstanz- und Volksliedbewegung. In Zusammenschlüssen vertreten sie die ideale Richtung des jungen Deutschlands (258, 259).

Viele sahen sich 1920 auf dem Pfingsttreffen seit 1913 das erste Mal wieder. Ergreifende Szenen spielten sich bei ihrer Ankunft ab. "Wir hatten .… bei der Einfahrt des Zuges in Kronach alle singen und jubeln wollen", notiert später ein Teilnehmer (KH 133), "aber als wir nun da waren, da blieben wir still und sahen nur mit großen Augen die Hunderte und aber Hunderte, die auf dem Bahnsteig standen, und die frohen Gesichter all derer, die vor dem Bahnhof uns erwarteten. Das war ein Gerufe und ein Jubeln! Da begrüßten sich zwei, die lange Jahre im Felde zusammen Leid und Freud durchkostet hatten, da einige, die zusammen in der Gefangenschaft vom deutschen Wandervogel gesprochen und sich nach ihm gesehnt hatten, dort drüben grüßte einer den anderen:

Mensch, dich kenn ich doch vom Hohen Meissner! [1913]

- und wieder ein anderer hatte mit einem Freunde, den er hier wieder sah, in den belgischen Ardennen eine Nacht Angst vor den Wölfen gehabt. Sie alle trafen sich hier in Kronach, alle waren noch und wollten bleiben, was sie gewesen waren: Wandervögel!"

 

Das Fest

Friedrich Muck-Lamberty (links)
1920 in Kronach

Muck traf einige Tage vor Beginn des Festes in Kronach ein. Im Gesellenhaus der Stadt tagt das Organisationskomitee. Es bespricht und diskutiert die Vorhaben für die Festtage vom 22. bis 24. Mai. Zum Führungskreis gehören Emil Engelhardt, Walter Fischer und Dankwart Gerlach. "Vorerst begrüsste der Leiter Dietz aus Hartenstein (Erzgebirge) die Kronacher." Dietz? Karl Dietz, Jahrgang 1890, Mitglied des Wandervogels und Gründer des Greifenverlages.

Es sprach, berichtet der Fränkische Wald, auch ein Handwerker aus Hartenstein (Erzgebirge) mit Namen Friedrich Muck-Lamberty zum Thema:

Revolution der Seele
oder Empörung der Jugend
.

Das Fest beginnt am Sonnabend 7.30 Uhr auf dem Kirchplatz mit der Begrüssung durch die Stadtoffiziellen. Es folgen musikalische Darbietungen. Abends trifft man sich im Scharfen Eck zum Begrüßungsabend.

Pfingstsonntag folgen Verhandlungen auf der Veste Rosenberg. Der nächste Tag gehört den aus dem Krieg heimgekehrten Wandervögeln.

 

Aufbruch

"Auf der Kronacher Tagung fand sich nach zweimaligen vergeblichen leidenschaftlichen Aufrufen Mucks, die Menschen aufzurütteln und der Not der Zeit abzuhelfen, zögernd ein sehr kleines Häuflein auf seiner Seite. Und diese wenigen standen mehr aus Freundschaft zu dem Mann, den sie mit all seinen Licht- und Schattenseiten kannten. Es war ihnen klar, dass er allein scheitern würde, ohne eine Stütze im Rücken zu haben." (Lisa Tetzner 1921)

Er, erzählt 1920 von Stechow, "....hat vergangenen Winter 16 Stunden gearbeitet, um diesem Sommer mit dem Ersparten seine Ziele zu verfolgen."

Kronach Schlosshof (Postkarte)

Harry Wilde (1899-1978) wollte, wie er erzählte, Pfingsten 1920 den Berg der Wahrheit sehen, kam aber nur bis Kronach: "Am Anschluss des Treffens sass eine Anzahl Gleichgesinnter, die es ebensowenig wie ich eilig hatten, wieder nach Haus zu kommen, im Schlosshof unter einer Linde (hoffentlich war es keine Eiche oder Buche). Es dämmerte schon, als plötzlich aus der Runde ein Mann aufstand und eine Ansprache hielt. Viele kannten ihn und wussten seinen Spitznamen: Muck. Er sagte, er hätte die Absicht, mit einer neuen Schar durch Thüringen zu ziehen und gegen die modernen Sitten aufzutreten, also gegen den american style, den Foxtrott, den er Trottelfox nannte, das Zigarettenrauchen und die hemmungslose Genusssucht. Wer der gleichen Meinung sei und mit ihm ziehen wolle, solle sein Geld in die Zeltbahn werfen, die ausgebreitet vor ihm lag, denn unterwegs werde man aus einem Kochtopf essen. Das war nichts Neues. Die Wandervögel, zu denen ich schon als Küken gestossen war, hat seit jeher eine Gemeinschaft gebildet und aus einer Kasse gelebt." (Wilde 1965, 116)

Der Kampf gegen Trottelfox und Jimmy-Schuhe war Harry Wilde gleichgültig. "Mich reizte nur das Abenteuer", entsinnt er sich.

 

Wanderroute der
Neuen Schar

So warfen dann der Schumacher, Tischler, Drechsler, Schlosser, Maler, Mechaniker, Handelsgehilfe, die Näherin, Gärtnerin, Gehilfin und Kindererzieherin ihr Geld auf eine Zeltplane. Die Einen konnten nur ganz wenig geben, die Anderen taten einen Monatslohn her. Das war die Neue Schar, "die all ihr Hab und Gut zusammen taten und von da ab streng kommunistisch lebten," kommuniziert es Lisa Tetzner 1921 in Selbstlose Brüderlichkeit mit dem Publikum.

Es sind die jungen lebendigen Prediger:

"Sie Saufen nicht,
sie huren nicht,
sie haben ein heiliges Müssen,
das sie lenkt
und an deren ein Vorbild ist."
(Muck: An die jungen lebendigen Prediger, 1919)

Von Ende Mai bis in den frühen Herbst 1920 zieht der lustige Haufen von Kronach, über Coburg, Sonneberg, Rudolstadt, Saalfeld, Pössneck, Jena, Kahla, Blankenhain, Weimar, Erfurt, Gotha, Friedrichroda nach Eisenach.

Bald meldeten Tageszeitungen in Berlin, Coburg, Eisenach, Erfurt, Friedrichroda, Gotha, Graz, Jena, Kronach, Linz, Prag, Rudolstadt, Sonneberg, Weimar und Wien ihr Eintreffen oder kommentierten ihr Engagement. Ebenso erschienen in Junge Menschen (Hamburg), Ethische Kultur (Berlin), Die Eiche, Der Zwiespruch (Rudolstadt), Die Tat (Jena) oder Jugend (München) Aufsätze und Mitteilungen.

Am 8. Oktober führt ihr Weg über Erfurt, Weimar, Kahla, Rudolstadt, Lauenstein, Kronach und Hartenstein zurück zur Leuchtenburg bei Kahla.

 

Hermann Hesse:

"Ich sagte ja schon, daß wir bald nur als kleine Gruppe marschierten, bald eine Schar oder gar ein Heer bildeten, zuweilen blieb ich aber auch nur mit einem einzigen Kameraden, oder auch ganz allein, in irgendeiner Gegend ....

Wir zogen nach Morgenland, ...."

Hermann Hesse: Morgenlandfahrt. Suhrkamp Frankfurt 1982. Erstausgabe 1932, Seite 27. In die Reflexionen des Schriftstellers fließen seine Erfahrungen aus der Trennung von Gusto Gräser ein.

 

Gruppenleben

Anfangs zählte die Gruppe etwa fünfzehn Burschen und zehn Mädchen. Zeitweise schliessen sich ihre weitere Jugendliche an. In Erfurt stossen die Märchenerzählerin Lisa Tetzner mit ihrem späteren Ehemann Kurt Kläber (Die rote Zora und ihre Bande, 1941) und Gusto Gräser hinzu. Besonders in der Ferienzeit wuchs die Gruppe an. Auch Mädchen schlossen sich ihr an. Es war ein

"Sturm der sich entfesselte"

und "mit unwiderstehlicher Gewalt durch Thüringen fegte", erinnert sich Otto Rudolf Wiemer 1976 im Thüringer Heimatkalender.

 

"Diese kleine Schar wuchs von Ort zu Ort. Sie wuchs nicht nur äußerlich an Zahl," notiert Lisa Tetzner 1921 in Selbstlose Brüderlichkeit, "sie wuchs innerlich zu einer Gemeinschaft, zu einer Welt- und Lebensanschauung, eine Verbrüderung, die eine innere Frucht ihrer Tat nach außen wurde."

 

Oft schläft der Tross im Wald. Vor der Nachtruhe lesen sie am Lagerfeuer Gedichte. Oder Gusto Gräser spricht zu ihnen.

Am späten Abend

tritt die Gruppe zum Thing

zusammen, erzählt Lisa Tetzner 1923 (45). Dieser "heiligt den Tag. Muck steht unter einem Baum auf der Höhe und bläst mit seinem Horn die Schar zusammen. Die untergehende Sonne beleuchtet ihn. Er sieht aus wie ein längst verschollener Wikinger, der auferstand. Blond und deutsch, mit männlicher Entschlossenheit.

Die Schar folgt dem Ruf ernst und voller Würde. So setzen sich im Halbkreis um ihren Führer und legen langsam zögernd ihre einzelnen Beichten, Wünsche und Klagen ab.

....

Harry gesteht, dass er Fleisch gegessen hätte, weil er seinem Gelüst nicht widerstehen konnte. ...

Otto bittet, heute Nacht allein schlafen zu dürfen ....

Einer gesteht, seit den letzten Tagen nicht mehr mit ganzer Seele mitzuschwingen und bittet um Hilfe und Stärkung.

Dann sprechen sie gegenseitig über Fehler und Irrtümer."

"Ich habe noch nie", schliesst Lisa Tetzner, "in einer Gemeinschaft Menschen soviel innere Vornehmheit und Adel gefunden den Schwächen der anderen gegenüber."

 

 

Erste Eindrücke und Reaktionen

"Kommen wir in einem Ort," notiert Willi Wismann aus eigenem Erleben im August 1920, "dann begegnet man uns zunächst mit Misstrauen: Spartakisten! Bolschewisten! Die Menschen stecken ja leider zu tief in ihrem Parteienhass drin, als dass sie es verstehen könnten, wenn einmal Menschen weder rechts noch links stehen, sondern nur schlecht und recht mit beiden Füssen auf dem Erdboden."

Und dann war es wohl so, wie die Eisenacher Zeitung am 1. Oktober 1920 konstatiert: "Wo er hinkommt, kann Niemand an ihm vorbei, er muss irgendwie zu ihm Stellung nehmen, ob er ihn nun annimmt oder ablehnt."

Andere registrieren für Muck nach dem Vorbild des Rattenfängers von Hameln (Borinski 45) einen märchenhaften Erfolg. Schon am 6. Juli 1920 tauchte dieser Vergleich in der Rudolstädter Zeitung auf. Obschon dort positiv konnotiert, ist es ein unpassender Vergleich. Erstens weil die Neue Schar als Gruppe auf die Mitspieler (ein-) wirkt und zweitens, weil Muck die Bevormundung und das Locken stets abhold war.

Wo sie auch hinkamen, beobachtete Pfarrer Adam Ritzhaupt (7) aus Erfurt, breitet sich eine jauchzende Stimmung und unbeschreibliche Begeisterung aus, "… erregten sie zunächst Lachen, Erstaunen, Entrüstung: die Männer mit langen Haaren, kurzen Hosen, Sandalen, bloßen Füßen; die Mädchen in leinenen Kitteln, ebenfalls barfüßig und barhäuptig."

Das Jenaer Volksblatt vom 16. Februar 1921 erinnert an die Freude über die Neue Schar, als sie im Sommer 1920 hier eintraf. Ein unglaubliches Treiben begann und "Fabriken, Kontore und Geschäfte, ja selbst die Schulen mussten vorzeitig schliessen."

"Ärzte verließen ihre Praxis, Akademiker ihr Studium, Primaner legten den Horaz und die analytische Geometrie aus der Hand, um ihm zu folgen, der sie notwendiger brauchte, als die Wissenschaft", berichtet Ende September 1920 Gisella Selden-Goth aus Weimar für das Neue Wiener Journal.

Es ist, als hätten alle Menschen, wie Lisa Tetzner später sagen wird, nur darauf gewartet,

aufgerufen zu werden.

Muck in Eisenach, September/Oktober 1920. "Prophet" Friedrich Lamberty.
(Winfried Mogge 1986, Seite 66)

Wo immer die Neue Schar eintraf, kamen die Kinder gelaufen. Sie spielten und tanzten, bildeten einen Kreis, fassten sich an und sangen Lieder.

"Oft haben wir tausende Kinder beisammen (so u.a. in Saalfeld und Rudolstadt)", erzählt Willi Wismann im August 1920 in Junge Menschen. Da "Gibt es da ein Singen und Springen auf dem Anger! Unsere alten Volkslieder und Reigentänze lernen sie von uns, so dass die alten Weisen später aus jedem Haus herausströmen. Dann erzählen wir den Kindern noch Märchen und Sagen, mit denen Sehnsucht wieder in ihr Herz einzieht. Bei den meisten Kindern wird dieses Erlebnis bis ins Alter hinein nachklingen und ihnen Richtung hin auf das Urwüchsige, Gesunde weisen."

Schriftsteller Franz Hammer berichtet 1975 (51) über seine Begegnung im September 1920 mit der Neuen Schar in Eisenach: "Merkwürdige junge Leute waren in unsere Stadt gekommen. Die Burschen hatten auffallend langes Haar, das bei einigen bis auf die Schultern herabhing, und trugen kurze kniefreie Hosen, darüber bunte Kittel, die in der Hüfte von einem Gürtel zusammengehalten wurden. Die Mädchen gingen meist in weiten Leinenkleidern aus bedrucktem Stoff und ließen das Haar in langen Zöpfen nach vorne hängen oder flochten diese zu einem Kranz um den Kopf. Sie wollten jung sein, bevor sie alt werden. Und dazu brauchen sie keinen Lippenstift, Parfüm oder Zigaretten. Singend durchzogen die Burschen und Mädchen die Straßen, und auf freien Plätzen tanzten sie wie kleine Kinder im Kreise:

Hier ist Grün, das ist Grün unter meinen Füßen, hab verloren meinen Schatz, werde ihn suchen müssen…."

"Alles war verzaubert", beschreibt Franz Hammer (1975, 51) sein Erlebnis mit der Neuen Schar. "Es schien keine Not, keine Kämpfe mehr zwischen den Menschen zu geben. Hand in Hand schritten sie im Kreise, blieben paarweise stehen, um mit der oder dem zufällig Erwählten zu tanzen und zu singen:

Schüttel die, Schüttel die Büx, nicht so lange, nicht so fix - siehst du wohl, so geit dat an, darum freut sich jedermann!"

Ein Geheimnis ihres Erfolges war die mutige und verheissungsvolle Ansprache:

Tut was, was die Leut entsetzt!
oder Tut mir nit so vereist!

 

 

Weidhausen, 31. Mai bis 1. Juni

"In Weidhausen haben wir unter der Linde mit den Burschen und Mädchen gespielt", vertraut Muck seinem Wanderbuch an.

 

 

… Auf den Akarden in Koburg, 5. bis etwa 9. Juni

Coburg mit Veste
(um 1955)

Thüringisch-Fränkisches,
Reisebüro, Coburg

"Die Wandervögel sind da", kündigt die Coburger Zeitung Lambertys Schar am 5. Juni 1920 in der ehemaligen Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha an. "Muck zeigt uns den Weg," verspricht die Gazette, "zum jugendgemäßen Sein und die Verderbtheit der heutigen Gesellschaft und Kultur."

Auf dem freien Platz vor dem Theater liessen wir uns nieder und stellten unsere Töpfe auf und begannen abzukochen. Muck ging inzwischen in die Stadt, um Zettel drucken zu lassen", erzählt Harry Wilde 1965 (116, 117). Er war für die Zusammenarbeit mit der Presse zuständig. Vor dem Eintreffen in der Stadt erhielt die örtliche Zeitung Informationen über die Neue Schar. Die Pressenachrichten verschickte sie an hunderte Personen, darunter Gustav Wyneken, Eugen Diederichs, Walter Rathenau, Ernst Graf zu Reventlow, Walter Hammer oder Knud Ahlborn.

Die Kleinen sind für 5 Uhr nachmittags eingeladen. Wie es dann weiterging, erzählt Willi Wismann (1920, 77): "Unsere alten Volkslieder und Reigentänze lernen sie von uns, so dass die alten Weisen später aus jedem Haus heraustönen. Dann erzählen wir den Kindern noch Märchen und Sagen, mit denen Sehnsucht wieder in ihr Herz einzieht."

Die grösseren Mädchen, Burschen und Junggebliebenen kommen 8 Uhr abends zu Tanzspielen an den Arkaden. Verhältnismässig Zeitnah instruiert Willi Wismann (1920, 77) die Leser der Monatsschrift Ethische Kultur (Berlin) über die Initiative der Neuen Schar: "Abends rufen wir Jung und Alt zusammen. Wieder beginnen wir ganz einfach, indem wir ihnen unsere Volkstänze zeigen. Hunderte tanzen bald mit: rechts und links Gerichtete, arm und reich, nehmen sich zum Tanz bei der Hand. Haben wir sie soweit gebracht, dann öffnen sich ihre Herzen unseren Mahnworten. Wir reden zu ihnen von der Not unserer Zeit, und rufen die Jugend zur Empörung gegen die Gemeinheiten dieser Zeit auf. Bisweilen beschliessen wir unser Wirken im Orte mit einer grösseren Versammlung, mit Vortrag und Aussprache. In Coburg hatten wir nicht weniger als 1 000 Menschen zusammen. Aus der Zuhörerschaft bilden sich dann kleine Kreise, die den Vorsatz fassen, in unserem Sinne als Stoßtrupp weiterzuwirken. So führen wir im Thüringer Land schon tausende von Menschen das von uns begonnene Werk bodenständig fort."

Interessant ist, wie Harry Wilde (1965, 117) die Rolle der staatlichen Erzieher darstellt: "Die Kinder kamen, von den Lehrern - wer wollte sich schon den Vorwurf aussetzen, seine Schule schlecht zu leiten?- zum Tanzplatz geführt, und am Nachmittag fanden sich Hunderte von Jugendlichen ein. Die Musikkappelle der Schar: eine Fiedel und einige Klampfen, spielten auf, und bald drehte sich alles im Kreise."

Die örtliche Zeitung rekapituliert den Auftritt der Spiel- und Tanzcompanie: "Mit ungezwungener Fröhlichkeit ließen die Wandervögel [= die Neue Schar] die echt deutschen Spiele und Lieder wieder aufleben. In einer beherzigenswerten Ansprache, in welcher der Führer u.a. auch das

gesundheitsschädliche Zigarettenrauchen
und die verwerflichste Schokoladennascherei

unserer Jugend hinwies - zwei Laster die unsere Valuta nicht unwesentlich verschlechtert haben - fordert er die anwesenden Gäste zu gemeinsamen Gesang unseres schönen Frankenliedes, des heiligen Veit von Staffelstein, auf." Jedoch war der Schreiber über die verhunzte Interpretation des Staffelbergliedes nicht erfreut, weil es eine "fade Leierei" und wegen der Stimmhöhe "eine schreckliche Schreierei" war, die nicht der ursprünglichen Singweise von Valentin Becker entsprach.

 

Muck spricht am 7. Juni im grossen Saal der Aktienbierhalle. Am Tag darauf äussert ein Zuhörer in der Coburger Zeitung seine Eindrücke: "Das war eine Überraschung, ein Erlebnis. So etwas ganz Neues, wie es nur selten mit solcher Kraft und Fülle kritischen Ernstes an unser Ohr gelangt. Dieses Bekenntnis der Liebe zur Jugend, diese Sehnsucht und Gemeinschaft gleichgestimmter Seelen, dieses Verlangen nach Erneuerung, Verinnerlichung des deutschen Wesens - … Viele werden versucht sein, Muck einen Schwarmgeist, einen geistigen Kommunisten zu nennen. Aber, lasst ihn nur so, wie er ist."

Harry Schulze-Wilde erweitert 1974 (17) den Rückblick auf die Geschehnisse: "In Koburg sass sogar eine leibhaftige Majestät mit am nächtlichen Feuer, genau gesagt sogar neben mir, und sie unterhielt sich huldvoll mit mir: der im Exil wohnende Zar Ferdinand von Bulgarien. Man tanzte um das Feuer, und wenn Muck das alte Nachtwächterlied zum Abschluss sang. Hört ihr Herren und lasst euch sagen … waren die meisten überzeugt, einem einmaligen Erlebnis beigewohnt zu haben."

Sonneberger Zeitung, 12. Juni 1920 - Ankündigung eines Vortrags von Friedrich Muck-Lamberty am 13. Juni 1920 in Sonneberg *****

"Von Coburg aus zogen wir", so Harry Wilde (1965, 122), "nordwärts nach der Spielzeugstadt Sonneberg, und von dort, vorbei an der Burg Lauenstein, wo der Kunsthistoriker Wilhelm U[h]de einige Tage unter uns weilte, nach Pössneck, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, das Saaletal abwärts."

 

.... auf den Spielwiesen im Wald bei Sonneberg, 12. bis 14. Juni

Alle jungen und jung gebliebenen Menschen lädt Muck für den 13. Juni 1920 in den Schießhaussaal der Stadt ein. "Lasst Parteiengeist und Dünkel daheim", so seine Empfehlung. Zum Auftakt spricht er über den

Zusammenbruch des Alten
- Empörung der Jugend
.

Tags darauf 7 Uhr abends trifft sich die Gruppe mit ihren Anhängern auf dem Marktplatz und zieht mit ihnen nach Wildenheid. Am nächsten Tag verlassen sie die Stadt.

Über Steinach (16.6.), Scheibe (17./18.6.), Alsbach (21.6.), Ernstthal (22.6.), Spechtsbrunnen (24.6.) kommen sie nach Lauenstein.

 

Lauenstein, 23. bis 29. Juni

Lauenstein,
Fränkisch Thüringen.
Vielleicht um 1935.

Verlag Jul. Escherich, Ludwigstadt

Am Lagerfeuer bei Burg Lauenstein in Oberfranken sass mit ihnen der exilierte König von Bulgarien am Lagerfeuer. Zusammen mit seinen Töchtern tanzten sie zur Sonnenwendfeier weit in die Nacht. Am liebsten wären die Königskinder mit der Neuen Schar in die Welt gezogen. (Diederichs 1920, 555)

Die Gruppe trifft mit dem Kunstkritiker Wilhelm Uhde zusammen, der sich 1938 (203) so daran erinnert: "Die Neue Schar half die Jugend zu entmaterialisieren, sie anspruchslos und froh zu machen, aus den Banden des mechanischen zu befreien. Ihre Kräfte mit dem Segen des Handwerks neu zu verknüpfen, sie als wesentlicher Faktor einer deutschen Volksgemeinschaft einzuordnen. So stellte sie deutsche Bilder von Richter und Schwind vor uns auf."

Weiter führt ihr Weg über Großgeschwenda (30.6.) und Kaulsdorf (3.7.) nach Rudolstadt.

 

 

Wir sind die Musikanten.

Wir sind die Musikanten und zieh`n von Land zu Land
Wir sind die Musikanten und zieh`n von Land zu Land.
Wir können spielen Viovivviolin, wir können spielen Bass Viol und Flöt`
und wir können tanzen bums, fallera, bums, fallera, bums, fallera.
Wir können tanzen bums, fallera, bums, fallerallala.


Aus: von der Neuen Schar mit dem blauen Fähnlein, Handzettel 1920

 

 

Rudolstadt, 4./5. bis 7. Juli

Rudolstadt Schloss (um 1930).

Hermann Paris, Kunstverlag, Rudolstadt

An den Füssen Holzsandalen. Braungebrannte Gesichter und langes Haupthaar. Die Mädchen in wadenlangen Kleidern. Muck in brauner Kniehose. Aus allen Klassen der Gesellschaft stammen sie. Nicht wenige sind, wie man so sagt, Kinder aus gutbürgerlichem Haus. Alle beeindrucken durch ihren sozialen Charme. Vornan die Fidel und eine Fichtenstange mit blauem Fähnlein an der Spitze. Musizierend und singend zieht die lebensfrohe Truppe in die Stadt.

"Einen erfolgreichen Überfall auf Rudolstadt" unternahm am 5. Juli 1920 die Neue Schar vom blauen Fähnlein, registriert die Rudolstädter Zeitung am nächsten Tag. Interessant sind ihre weiteren Beobachtungen: "Eine ganz absonderliche Gesellschaft, die den Rudolstädtern zunächst viel zu raten aufgab. Mit dem an einer Fichtenstange angebrachten blauen Bundeszeichen erschien sie zunächst wie aus einer andern Welt entsprungen.

Allein schon nach wenigen Stunden hatten sie die Herzen der Rudolstädter und vor allem der Rudolstädterinnen im Sturm genommen, und als der Abend sich über das Schlachtfeld senkte, sang und tanzte fast die halbe Stadt mit ihnen auf dem grünen Rasen des Oberangers."

Über 3 000 sah man am Abend des 6. Juli auf den verschiedenen Tanzplätzen vereint.

Die Situation war nicht ganz einfach. In der Stadt ist Kirmes, begleitet von einem Jahrmarkt. Auf dem Rummel interessieren die Kinder und Erwachsenen zum Leidwesen der Schausteller und Budenbesitzer mehr für Muck als für ihre Angebote.

Blick auf Rudolstadt, 1945

Quelle: H. Kuhnert: Tour of Rudolstadt. A little Guide-Bock. Greifensteinverlag Rudolstadt, Thuringia 1945, Seite 9 (Fotograf nicht angegeben.)

Am 6. Juli 1920 lädt Muck zum Vortrag in den Krugsaal. Er spricht zum Thema:

Revolution der Seele

auf.

Die Zuhörer nehmen den Vortrag - freilich unter Geltendmachung kleinerer kritischer Einwände - begeistert auf. "Der Redner streifte in seinem zweistündigen Vortrag die mannigfachen Ursachen," berichtet tags darauf die Rudolstädter Zeitung, "die eine Wiedergeburt unseres Volkes unmöglich machen und legte dar, dass nur durch eine allgemeine Erneuerung des ganzen Volkslebens ein sittlicher und wirtschaftlicher Aufstieg erreichbar ist. Die Rede war von hohem Idealismus durchdrungen und wird sicherlich manchen zum Nachdenken angeregt haben. Allerdings brachte sie auch bei der Kritik der bestehenden Verhältnisse mancherlei Verallgemeinerungen; wenn unser Volk wirklich so versucht wäre, wie es der Redner darstellte, dann hätte es nie und nimmer Jahre lang einer Welt von Feinden widerstehen können. - Dem Vortrag schloss sich eine Aussprache an."

In der Öffentlichkeit stösst die Neue Schar zunehmend auf Resonanz. Es ist die Lauterkeit der Bewegung, die so imponiert.

Vom Singen und Tanzen auf den Straßen und Plätzen sind einige so verzückt, dass sie sich zu einer eigenen Gruppe zusammenschliessen. "Ihr Leiter wurde der Lehrer Günther Bernhard [später Fritz Haupt]." "Sommers über zog die Schar an den Wochenenden mit Gesang und Klampfenmusik, voran blaue Fahnen und Wimpel, durch die Stadt zum Oberanger, auf die Große Wiese oder zur Bleichwiese, wo in zwangloser Folge Lieder und Musik erklangen, Laienspiele, meist Hans Sachs, zur Aufführung kamen, ein Wanderzirkus sein Können zeihte und wo selbstverständlich Volkstänze nicht fehlten. Dieses frohe Treiben lockte viele begeisterte Zuschauer an. … " (Pätz 96) Das Winterhalbjahr füllten die Heimabende. Günther Bernhard spielte Geige und ein Zupfinstrument, hielt die Jüngeren an, auch ein Instrument zu spielen (vgl. ebenda).

Mucks Wandertruppe findet bald weitere Nachahmer.

 

 
"An alle! Wer macht mit?
     

Die Teilnehmer an den Angerspielen und -tänzen, denen gleich uns daran liegt, die neue Bewegung im Fluss zu halten und - für alle - ohne Unterschied des Berufs, der Partei, des Standes und des Geschlechts segensreich auszugestalten, werden herzlich gebeten, ihre Adresse an

Ilse Schweder, Schillerstraße 41,

gelangen zu lassen."

     

Jakob Buhl

  Mathilde Noack

Max Fliegerbauer

  Ilse Schweder

Franz Strzelczyk

  Elsbeth Wiegand

Ernst Taut

  Martha Wittig
     
D i e   R u d o l s t ä d t e r   "Schar".
     

Werbt für uns in allen Kreisen!

  auf zum Dienst am ganzen Volk!
     

Rudolstädter Zeitung, Tageblatt und Generalanzeiger für Schwarzburg-Rudolstadt und dem Remdaer Kreis, 8. Juli 1920

 

 

Ein Jahr später, am 20. und 21. August 1921, organisiert die Gruppe im Park des Kommerzienrates Richter ein Fest.

"Als im Herbst 1923 die Reichswehr hier [in Rudolstadt] einrückte und viele Arbeiter aus den Kreisen Rudolstadt, Saalfeld und Sonneberg im Gerichtsgefängnis inhaftiert waren. Zog nach einem Heimabend, vom Schloss kommend, die Neu Schar vor das Gerichtsgebäude und sang dort das alte Arbeiterlied Brüder, zur Sonne zur Freiheit. Da die Kinos gerade ihre Vorstellungen beendet hatten, sammelten sich im nu Hunderte von Menschen dort an und demonstrierten mit. Bald aber griff die Polizei ein, um Demonstranten mit mehr oder weniger sanfter Gewalt zu zerstreuen. Als Folge dieser Zusammenrottung während des noch gültigen Belagerungszustandes erhielten eine erhebliche Anzahl der Mitglieder der Neuen Schar Strafverfügungen." (Schneider 131)

Diese Nachrichten sind für uns von großem Interesse, weil sie bezeugen, dass die Neue Schar nicht nur mit der freideutschen und deutschnationalen Jugend kommunizierte. Die linke Arbeiterjugend griff ihre Ideen ebenfalls auf. Zumindest einige von ihnen wollten mit Muck die Fahrt ins Blaue wagen. Es gab eben viele Möglichkeiten an sie anzuknüpfen.

Von Rudolstadt führt die Wanderung weiter über Schwarza (8./9.7.) Nach Saalfeld (10. bis 12.7.).


Saalfeld, 10. bis 13. Juli

Motiv dem Kahlaer Notgeld
entnommen

"Sonnabend, Sonntag und Montag wollen wir bei Euch bleiben und mit Euch leben", kündigt die Neue Schar auf einem Flugblatt in Saalfeld an. Am Montag, den 12. Juli abends 8 Uhr spricht ihr Führer im Saal des Meininger Hofes über: "Revolution der Seele. Zusammenbruch der Riten, Empörung der Jugend." Bereits am Vortag spielt und tanzt die Gruppe von 10 bis 3 Uhr mit Groß und Klein auf dem Schießhausplatz. Um 8 Uhr abends ging es mit den Erwachsenen weiter. Anschließend begann die Aussprache. So ward es schon am Abend davor - dem Sonnabend - gehandhabt. Wie im Fluge vergehen die Stunden und Tage in Saalfeld.

Möglicherweise, genauer ist es nicht überliefert, stösst hier die blonde Hanna zur Gruppe. Sie macht bisweilen einen verstörten Eindruck. Muck kümmert sich um sie, was Konflikte in der Gruppe heraufbeschwört. Auf Lisa Tetzner (1923, 44) hinterlässt sie und Käthe einen nachhaltigen Eindruck. Sie schreibt:

"Es ist ein heißer Sommerabend. Ich liege unter der Schar auf einer Lichtung im Wald. Zwischen den mir rauschenden Waldbäumen bereiten Burschen der Schar mit Waldgras und Stroh ein Lager für die Nacht.

Dort vorn über die Schneise schreitet die blonde Hanna. Ihr grobes, blaues Leinenkleid lässt Arme, Nacken und Füße frei. Das aschblonde Haar ist schlicht zurückgelegt und sticht nicht sonderlich ab von der rotbraun gebrannten, sommerlichen Haut. Sie hat etwas von den Mädchen aus alter Sage, unter denen sich Königinnen verbergen. Gudrun, denke ich. Sie trägt einen Bottich Essen zum Feuerplatz und ruft mit klarer, warmer Stimme den Burschen zu, ihr zu helfen. Ich weiss nicht, warum mich dieses Mädchen immer so tief bewegt.

Kräftiger und erdhafter als sie, auch breiter und herrischer, dunkler, in den Tönen, ist jene dort unter den Bäumen, die dabei ist, an dem vorüberfliessenden Wasser Wäsche zu spülen. Sie heisst Käthe und ist noch nicht lange bei der Schar."

 

Weiter geht die Wanderung über Ranis (12. bis 15.7.), Pössneck (17. bis 19.7.) bis in die Zeiss-Stadt. Zwischen Pössneck und Jena liegen einige Tage. Vielleicht übernachteten sie im Wald oder halfen beim Bauern?


Jena, 24. Juli bis 29. Juli

"Von Sonnabend bis Donnerstag wollen wir bei Euch bleiben, mit Euch leben und uns aussprechen", kündigt die Neue Schar ihr Kommen in Jena an. Wie bunte Blumen verteilen sie ihr Flugblatt

An alle jungen Menschen in Jena!

Gemeinsam wollen sie tanzen, singen, scherzen und fröhlich sein - ohne Dünkel-, Kneipen- und Kastengeist. Auf ihrer Visitenkarte steht:

"Wir sind 25 junge Handwerker, Arbeiter, Kaufleute, Lehrerinnen usw. aus dem ganzen Lande, die nichts von dem gehässigen Parteileben wissen wollen und in Liebe zum Volke alles hingeben, so sagen sie von sich selbst." (Flugblatt Jena)

 


Programm der Neuen Schar in Jena

Sonnabend, 24. Juli, 3 Uhr:
Spielen mit den Kleinen.

8 Uhr abends:
Tanzspiele mit den Großen auf den Spielwiesen.

Sonntag, 25. Juli, 10 Uhr und 3 Uhr:
Allgemeines Treffen mit Gross und Klein zum Spiel und
zur Aussprache auf den Spielwiesen.

Montag und Dienstag, 9 Uhr: Spielen mit den Kindern.

3 Uhr: wer sich frei machen kann, der gehe mit uns in den Wald.
Treffen am Volkshaus

8 Uhr: Mit den Grossen auf den Spielwiesen.

Am Mittwoch, den 28. Juli, 8 Uhr abends, spricht Muck im Saal des Volkeshaussaal über

Die Revolution der Seele -
Zusammenbruch des Alten und Empörung der Jugend
.

 

 

 

Wie reagieren die Jenenser darauf? Nehmen die durch Kriegserlebnisse traumatisierten das Angebot an? Überwinden die politisch Irritierten den Verlust des Kaisers und kommen zum Gespräch? Bleiben die von Existenzängsten geschüttelten Bürger lieber zu Hause?

Die Neue Schar animiert mit

`Wir wollen uns aussprechen`.

Eine Ansprache, die bei ihren Auftritten immer wiederkehrt. Es sollen Festtage für "Zeichen der Gesundung" und ein Protest gegen "Spießigkeit und Dämlichkeit (Damen)" werden, lautet ihr Versprechen. Und sie halten es! Geschickt kommuniziert man die alltäglichen Sorgen der Bürger. Mit Musik, Tanz und Spiel therapieren sie den Missmut. Gegen Einsamkeit und Verstörtheit, Vermaterialisierung und -schematisierung des Alltags hilft das Schwingen der Seele.

Flugblatt (Ausschnitt)
der Neuen Schar:
"An alle jungen Menschen in Jena!"
Jena Juli 1920 - Vollbild

Kokett präsentiert die Gruppe ihre emanzipativen Ideen. Das Flugblatt-Aufruf

An alle jungen Menschen in Jena!

ist ein Affront gegen Standesdünkel, Untertanengeist, Militarismus, obrigkeitsstaatlichen Denken und brachialer Disziplinierungskultur. Bezeichnet deshalb am 10. August 1928 die Nordbayerische Zeitung den Zug der Neuen Schar

"mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit als ein schweres Verbrechen an der gesamten deutschen Jugendbewegung"?

Waffen- und Farbenstudenten machen der Neuen Schar in Jena zu schaffen. Durch einen Umzug, "bei dem auf einem Wagen ein Germane mit Helm und Hörnern und einer teutonischen Maid (verkleidete Studentin) mit künstlichen langen Zöpfen, die sich gegenseitig tätschelten, mitgeführt", sollten sie lächerlich gemacht werden (Pluta 1970, 104f.).

"Die sozialistische Arbeiterjugend störte nach Mucks Abzug parteimässig absichtlich die Fröhlichkeit der Tanzenden auf der Wiese", drang bis Eugen Diederichs (1920, 556) vor.

 

Volkshaus in Jena

Quelle: Neue Stadtbaukunst, Jena. Einleitung von Oberbürgermeister Dr. Ing. Alexander Elsner. Friedrich Ernst Hübsch Verlag G.M.B.H., Berlin - Leipzig - Wien, 1928, Seite 2 (Fotograf nicht angegeben.)

Für Mittwoch, den 28. Juli abends 8 Uhr kündigt sich Muck im Saal des Volkshauses mit dem Vortrag

Revolution der Seele
Zusammenbruch des Alten Empörung der Jugend

an.

Gustav Schröer (1920) entwirft ein Bild von seinen Auftritten: "Wenn er spricht, dann reisst er sich die Worte vom Herzen. Ruckweise spricht er und teilt scharfe Hiebe aus, vergreift sich und erschüttert doch die Menschen, wühlt und schleudert seine abgehackten Fragen und Anklagen wie Brandfackeln unter die Mauern, die ihn umdrängen."

Nach dem Vortrag kam es vor dem Volkshaus zwischen einer alten Dame und einem Sozialisten zu einem Disput.

"....sie suchte ihm durch Beispiele nahe zu bringen, daß man wie Muck wolle, wieder Vertrauen zu einander haben müsse".

"Ach was, endete schließlich der Sozialist: Klassenkampf ist nötig, lesen sie erst einmal die sozialistischen Bücher."

 

Das Flugblatt zur Ankündigung von Muck am 28. Juli 1920 im Volkshaus zu Jena ziehrt ein Vers von Gusto Gräser:

Bursche, lass was flattern, wehen,
Tut mir doch nit so gesetzt!
Bissel stürmisch muss es gehen,
Soll was Freudiges geschehen,
tut was, was die Leut entsetzt!
tut mir nit so vereist!
Glut ist Geist!

 

Das Interesse der Jenenser an Muck und der Neuen Schar war gross. Das Volkshaus erwies sich als zu klein, schreibt Gustav Schröer in der Sächsischen Heimat (1920). Die Tage der Neuen Schar in Jena bleiben vielen Bürgern in guter Erinnerung. Wilhelm Malberg, der Bruder von Hans-Joachim Malberg (1896-1979), der in Jena die erste Laienspielschar der Volkshochschulen in Thüringen leitete, erinnert sich "an die Studienjahre in Jena,

an seine Begeisterung für die Veranstaltungen der Neuen Schar um Muck-Lamberti auf dem Jenaer Marktplatz,

bei denen die Schar mit Gesang, Reigentanz und Stegreifspielen zahlreiche Menschen faszinierte, zum Mittun einlud, und denen er sich am liebsten angeschlossen hätte." (Reimers 301, 303)

In Jena stiess wahrscheinlich Gusto Gräser zur Schar.

 

"Dort sass er", erinnert sich 1963 (126) Harry Schulze Wilde, "am Feuer und rezitierte einige seiner Gedichte, und als Abschluss stiess er einen merkwürdigen Schrei aus, eher ein Stöhnen, dem Brunstschrei eines Hirsches gleich. Grossvater, wie wir einen Jungen aus der Schar riefen, weil er trotz seiner Jugend so bedächtig war, wandte sich mir zu und sagte: Das war ungeheuer! Aber das sollte beileibe keine Kritik sein, sondern Ausdruck restloser Bewunderung."

 

Laut Mucks Wanderbuch zieht die Schar über Seitenroda / Kahla (30.7. bis 3.8.) und Blankenhain (11.8.) in Weimar ein.

 

 

Seitenroda / Kahla, 30. Juli bis 3. August

Am Montag, den 2. August redet Muck im großen Rathaussaal von Kahla zum Thema

Revolution und Jugend.

Friedrich Muck-Lamberty,
wahrscheinlich während seines Aufenthaltes in Kahla (vom 2. bis 3. August 1920 )

Wer wollte und konnte, der war zuvor mit der Neuen Schar ab 15 Uhr im Wald wandern. Zwei Tage davor spielte sie morgens mit den Kindern. Und am Abend führte sie bei Tanzspielen auf dem Schützenplatz Regie.

In einem kleinen Dorf, wahrscheinlich Pfarrkeßler bei Blankenhain, halten sie Rast, ruhen sich aus, kochen gemeinsam Essen, backen Schrotbrot, essen vegetarische Kost und schlafen auf dem Heuboden. "Die Mädchen der Schar waren Vegetarierin, teils schon vom Elternhaus her, und mitunter ergaben sich schwierige Situationen, wenn z.B. ein überzeugter Vegetarier von einem Fleischermeister in Quartier genommen wurde." (Pluta 1970, 105)

 

Ein beispielloser Erfolg (Harry Wilde):
Weimar 12. bis 19. August

Am 13. August 1920 trommelt die Thüringer Tageszeitung: "In Jena und Kahla ist in den letzten Tagen die Neue Schar aufgetreten. Diese jungen Leute waren aufgebrochen, um den deutschen Volke das wieder nahe zu bringen, was nicht erst im Laufe der Kriegszeit, sondern schon vorher zu seinem Schaden verloren" ging, den Sinn für Volkstum, Heimat und heitere Fröhlichkeit unter Ausschaltung moderne Genüsse ….. Ihr Ziel ist die Erneuerung unseres ganzen Volkslebens unter Ausschaltung der politischen Fragen. Die Neue Schar hat in beiden Städten zahlreiche Anhänger gefunden, und nun kommt die Mitteilung, daß diese Schar junger Menschen auch am Sonnabend nach Weimar kommen wird, um mit Jung und Alt fröhlich zu sein, zu spielen und in stillen Stunden über manche tiefe Frage unserer Zeit und unseres Volkserlebens zu sprechen."

Einen Tag darauf meldet die Stadtzeitung: "Muck Lamberti und seine Schar sind in Weimar eingezogen". Sie "haben schon

auf der Großmutter und
abends auf dem Markplatze

gespielt und getanzt. Zahlreiche Zuschauer hatten sich eingefunden, daß Einschreiten der Polizei wurde glücklich überwunden und bald herrschte unter Teilnahme der Jugend Weimars allgemeine Fröhlichkeit."

"Durch Spiel und Tanz, Geschichtenerzählen und Besprechungen ziehen sie jung und dann auch alt an sich heran und wirft ihre Ideen in die Menge," verspricht die Landeszeitung am 17. August, "die ganz gewiss bei vielen nachwirken werden. Gehe jeder, der noch nicht dort war, zu den Spielen der Lamberty-Schar, höre sich jeder das an, was sie und ihr Führer über ihre Sache zu sagen haben, und er wird zum mindesten neue Gesichtspunkte für die Betrachtung der gegenwärtigen Verhältnisse gewinnen."

 

 

Andreas Hilger gibt im Roman Gläserne Zeit (2013) eine aufschlussreiche künstlerische Verdichtung von den Aktionen der Neuen Schar:

"Seit Tagen schon war die Stadt voll junger Menschen - langhaarig, barfüssige Männer und schöne Mädchen mit Kränzen und wehenden Kleidern. Ihr Ruf war ihnen vorausgeeilt, die biederen Weimarer hatte ihren Kindern Stubenarrest gegeben, aber wir waren natürlich elektrisiert, aber wir waren natürlich elektrisiert. Sie tanzten auf dem Markt und schliefen hier im Park - und eines Tages verbreitete sich die Nachricht, dass ihr Anführer in der Stadtkirche predigen sollte. Muck-Lamberty war älter als seine Gemeinde, ein hagerer Mann mit hohen Wangenknochen und sorgfältig zurückgekämmtem Haar. Er trug die einfache Tracht eines Bauern und sprach mit hoher, eindringlicher Stimme - ein Schwärmer, der die Liebenden und Gelobenden aufrief, zusammen zu leben, zu schaffen und ein Beispiel der gegenseitigen Hilfe zu geben."

 

 

Auf einem Flugblatt rät die Neue Schar:

"Zu allen Veranstaltungen kommt als schlichte, einfache Menschen, lasst Pomade und dumme Modetorheiten daheim.

Junge Menschen haben Herzensfreude
als Schmuck und Sinn."

Die "Aufnahme ganz gross. Die Presse hatte gute Berichte vorab gebracht." Der Geist dieser Stadt war durchweg freizügig, es gab das Bauhaus mit Walter Gropius und viele Internate, Pensionate, Schulen der Freischaffenden, erhellt Hans Pluta 1970 die Situation. Polizei und Saalbesitzer sind von der Begeisterung der Weimarer "einfach überrannt." (WLZ 17.8.1920)

"Als es galt, den Aufenthalt in Weimar vorzubereiten, wurde ich dafür bestimmt", rekonstruierte 1965 (123) Harry Wilde die Vorbereitungsphase. Und es wurde ein grosser Erfolg.

 

Stadtkirche
zu St. Peter und Paul
in Weimar

Bartning, Ludwig: Stadtkirche und Gymnasium [in Weimar]. In: Wilhelm Bode: Damals in Weimar. H. Haessel, Verlag Leipzig 1925 (Fotograf nicht angegeben.)

Am Mittwochabend spricht Muck in der Stadtkirche St. Peter und Paul. Auf die Idee war niemand anders gekommen als Harry Wilde (1965, 123). "In der Goethestadt, die ich recht gut kannte, als Vorreiter angekommen, sah ich mich vor die Frage gestellt, wo Muck seine grosse Abschlusskundgebung halten sollte. In den Saal im Volkshaus ging kein Bürgerlicher, und in den zweiten grossen Saal, ich glaube er hiess Harmonie, ging kein Arbeiter, trotz des verbindlich klingenden Namens. Bei der Lösung des Problems kam mir der Gedanke Muck in der Herderkirche sprechen zu lassen. Das grenzte an Ketzerei, und nur wenn man jung ist, hat man solche Einfälle .... "

"Muck hatte um Blumenspenden gebeten, und es kamen ganze Wagenladungen. Hannele, von Beruf Gärtnerin, flocht Girlanden, die wir um die Pfeiler wanden. Mit dem von Blumen überladenen Altar hatte die ehrwürdige Herderkirche wohl nie zuvor einen so festlichen und fröhlichen Anblick geboten." (Wilde 1974, 17)

Zu Beginn sangen sie, das alte Wallfahrtsslied Meerstern, ich dich grüße. Als Schlusschoral sangen sie mehrstimmig Ein feste Burg ist unser Gott, begleitet von Orgel, Klampfen und Flöten. (Vgl. Wilde 1965, 124)

 

 

Noch einmal Andreas Hilger (2013): "Muck-Lamberty war älter als seine Gemeinde, ein hagerer Mann mit hohen Wangenknochen und sorgfältig zurückgekämmtem Haar. Er trug die einfache Tracht eines Bauern und sprach mit hoher, eindringlicher Stimme - ein Schwärmer, der die Liebenden und Gelobenden aufrief, zusammen zu leben, zu schaffen und ein Beispiel der gegenseitigen Hilfe zu geben.

Kann Euch überhaupt jemand davon abhalten, gut zu sein und ehrlich?,

fragt er von seinem blumengeschmückten Pult herab - und dann begannen seine Jünger in ihren farbigen Gewändern zu schwingen und zu singen.

Rondinella rula

war ihr Erkennungsruf, bei dem sich jeder seinen Nächsten griff und mit ihm tanzte. Mich fasste ein blondes Mädchen bei den Händen .... "

 

 

Harry Wilde (1974, 17) erlebte die "Abschlusskundgebung" in der Herderkirche als einen beispiellosen Erfolg. Doch verlief sie nicht ohne Zwischenfall. Nach dem Anstimmen des Kirchenliedes Eine feste Burg ist unser Gott, reagiert ein Trupp junger Leute mit Empörung und Ablehnung. Dann stören sie Muck bei seiner Rede. Es wurde damals die Vermutung geäussert, dass sie von der sozialistischen Arbeiterjugend waren.

Zum ersten Reichsjugendtag vom 28. bis 30. August in Weimar kommen etwa 2 000 Jugendliche aus den Arbeiterjugendvereinen (ab 1922 SAJ, Sozialistische Arbeiterjugend). Symbolisch verbrennen sie ein Hakenkreuz. Am Goethe-Schiller-Denkmal vor dem Nationaltheater spricht Erich Ollenhauer Worte des Gedenkens und Jugendliche legen Kränze nieder. Auf grosse Begeisterung stösst das gemeinsame Singen von Wann wir schreiten Seit´ an Seit´ (Hermann Claudius) mit Max Westphal.

Tags darauf preist die Weimarische Landeszeitung den Tag mit den Worten:

"Dieser 18. August 1920 wird in der jungen Geschichte unserer jungen freien Volkskirche ein Ruhmestag bedeuten, und leitenden Männern der Kirche gebührt Dank für den Mut und die Einsicht, daß sie einmal einen sprechen ließen, der keine der üblichen amtlichen Beglaubigungen besitzt, sondern allein die Berechtigung des Geistes und der Kraft. Die mittelalterliche Nebenbestimmung des Kirchenhauses als Versammlungsort der Gemeinde scheint wieder in die Rechte zu treten. In die Tage des Urchristentums glaubte man sich versetzt, in die enthusiastische apostolische Zeit, oder in die Epoche der wilden Mystik, wo inbrünstige, gotterfüllte Wanderer und Prediger durch die Lande zogen, wenn man um das blumenvolle Sprecherpult die schlichten stämmigen Gestalten mit Kittel und Wanderlatschen stehen sah. Was da in glühendem Redeschwung von einem Manne gesagt wurde, der sich selber gab, das wühlte auf. Von diesem Menschen mit dem deutschen, herb geschnittenen Gesicht geht religiöses Leben aus. Er ist einer, der die engenden Schranken der Konvention, den dumpfen Bann des Herkommens gebrochen und angefangen hat wer zu sein. Er weiß auszusprechen, was so viele fühlen, und man merkt, wie ihm im Widerhall der Tausende Hörer die Kraft zum Wirken wächst." (WLZ 19.8.1920)

Zwei Monate nach dem Auftritt der Spiel & Tanz Company in der Stadt an der Ilm übermittelt Gisella Selden-Goth ihre Eindrücke an das Wiener Lesepublikum:

"Hier .... ertönen sie tagtäglich vor den Fenstern von Goethes Gartenhäuschen, um Karl Augusts Denkmal am Fürstenplatz, auf allen Wiesen längs der buntbelaubten Tiefurter Allee. In den farbenfroh geschlungenen Reigen greifen junge Männer in Wandervogeltracht unauffällig ordnend, helfend, ermahnend ein, klatschen, hopfen, wirbeln mit und führen sangeslustig die vielen ungeübten Stimmchen an. Ringsum steht aber die Menge der Erwachsenen und fühlt sich durch die einfachen Rhythmen magisch in den Kreis gezogen. Mit Zauberkraft zwingen sie diesen und jenen hinein, und wenn die Dämmerung die Kleinen nach Hause gescheucht, tanzen noch die Scharen der Grossen seelenvergnügt in den herandunkelnden Septemberabend hinein." (Neues Wiener Journal)

Von Weimar wandert die Neue Schar nach Erfurt.

 

 

Erfurt, 21. bis 29. August

Die Freie Presse kündigt am 21. August 1920 die Neue Schar in Erfurt an:

"Heute Abend spielen sie mit den Kleinen und Grossen auf dem Friedrichs-Wilhelm-Platze [Domplatz]. Steht dann nicht zur Seite, beteiligt Euch, und wenn es möglich ist, gebt einen der Neuschärler Obdach!" (Lynkeus 21.8.1920)

Viele Blumen schmücken die Stadt. Bekannte Gärtnereien sandten sie in Überfülle. Neugierige, Wandervögel, Frei- und Neudeutsche, Bürger aus allen Schichten waren gekommen.

 

 

Andreas Hilger rekonstruierte die Stimmung im Bauhaus-Roman Gläserne Zeit (2013):

Tausende tanzten "ein Kreuzzug der Liebe, der sich als bunter Lindwurm durch das Land schlängelte. An der Spitze lief Muck-Lamberty neben Gusto Gräser, der für den thüringischen Messias den Täufer spielte. Gräser hatte auf dem Monte Verità gesiedelt und Rudolf Steiner in seinem Goetheanum besucht. Er war mit einem zeisiggrünen Wohnwagen durch Deutschland gereist und kannte Gott und die Welt. Während des Krieges hatten sie ihn als Waffenverweigerer zum Tode verurteilt und in Irrenanstalten eingesperrt.

Und nun lief er dort vorn neben Muck-Lamberty, tanzte mit uns und erzählte uns abends seine unglaublichen Geschichten."

Dann formt Andreas Hilger mit Phantasie aus der Realität die dramaturgische Zuspitzung: "Die Gruppe wurde immer mehr zu einem Rudel, in dem der Anführer über die Paarung bestimmt."

 

 

Rudolf Wiemer erzählt 1976 im Thüringer Heimatkalender über seine Erlebnisse mit der Neuen Schar in Erfurt:

"Ich war damals Obersekundaner und sass, den Zeichenblock auf den Knien, mit meinen Kameraden vor einem schiefen, aber malerischen Fachwerkwinkel, an denen die Stadt Erfurt reich ist. Die vorsommerliche Sonne [es war dennoch im Monat August] wärmte uns den Rücken, Handwagen klapperten vorüber, in den Höfen wurden Teppiche geklopft. Plötzlich packte mein Freund mich am Arm zeigte in die Gasse und rief Das sind sie! Ich sah eine Gruppe junger Menschen herankommen, barthäuptig alle, die Burschen in Kittel und kurzer Hose, riemengegürtet, die Beine braun und nackt, die Füße in Sandalen, die Mädchen in langen, hellen Kleidern, alle energisch ausschreitend, mit offenen, lachenden Gesichtern. Wer ist das? fragte ich verwundert. Die Neue Schar antwortet mein Freund. Und der dort in den Apfel beisst, das ist Muck Lamberty."

Der Chronist der Matrosenrevolte von 1918 und Autor des viel gelesenen Romans Stalingrad (1945) Theodor Plievier (1892-1955) besuchte die Neue Schar in Erfurt, vielleicht auch erst in Gotha. "Er lebte einige Tage mit ihr", erzählt Harry Wilde später (1965, 126), "und aus seinen Worten sprach

eine große Sympathie für Muck-Lamberty

- trotz aller Verschiedenheit der Wege und der Ausdrucksmittel."

 

Lisa Tetzner stösst wahrscheinlich ebenfalls in der Blumenstadt zur Gruppe.


Harry Wilde (1965, 127) löst sich in Erfurt von der Schar. An die Gründe kann er sich 1965 nicht mehr erinnern. Zusammen mit einem Studenten wandert er nach Kassel, wo sie die Mutter von Muck-Lamberty besuchen. "Sie gab sich alle Mühe, mich zu überreden, dass es meine Aufgabe sei, Muck zur Heirat zu überreden. Als frommer Katholikin waren der alten Dame die vielen Frauenbekanntschaften ihres Sohnes ein Ärgernis. Sie sah in jedem Mädchen der Schar eine potentielle Geliebte. Nur schwer gelang es mir, sie von dieser Vorstellung abzubringen."

 

Auf dem Domplatz

Heran an die Massen! gibt der III. Weltkongress der Kommunistischen Internationale vom 22. Juni bis 12. Juli 1921 in Moskau als Losung aus. Muck-Lamberty schaffte das bereits im Sommer 1920.

Domplatz Erfurt,
Markttag (1939)

Richard Schenker Ansichtskartenverlag, Erfurt

Fünfzehn bis zwanzigtausend Menschen kamen zum Friedrich-Wilhelm-Platz (seit 1945 Domplatz genannt) unterhalb der Treppenstufen am Dom. Tausende lauschten seiner Rede. "Am zweiten, am dritten Tag ist die ganze Stadt von einem Taumel erfasst." "In den Schulhöfen, im katholischen Waisenhaus, in den protestantischen Jungfrauenverein, überall wird getanzt, wie die Neue Schar es gelehrt hat." (Ritzhaupt 18, 8)

"Das Tanzen dauerte", entsinnt sich 1976 Rudolf Wiemer (20), "in die späten Abendstunden hinein; jetzt waren es zumeist Erwachsene, die singend herumwirbelten, in Paaren oder im Kreis - eine Woche lang war der Domplatz bis gegen Mitternacht von gespenstisch lautem Leben erfüllt, so dass die Anwohner sich beschwerten und in der Zeitung anklägerische Artikel gegen den "Mummenschanz" erschienen. Die Polizei wurde aufgeboten; nichts half. Die Begeisterung der Tanzenden war stärker. Man schüttelte den Kopf, man fragte: wer ist dieser Mann, der so über Herzen und Füße Gewalt hat? Ein Rattenfänger? Ein Scharlatan? Ein Prophet?"

 

 

"Von der Neuen Schar mit dem blauen Fähnlein." [1920]
Abschrift von einem Handzettel

Die Tanzweise von Muck

Hoppheisa

Hoppheisa, Hoppheisa, wir tanzen mein Kind, wir tanzen mit den fröhlichen Reigen.
Da droben im Baume da säuselt der Winde, der will dazu pfeiffen und geigen,
Trallalala, trallalala, trallalala, trallalala.
Und wie er so siedelt, der herrliche Gast, in seiner gar lustigen Weise,
Die Blätter da droben auf jeglichem Ast, die drehen sich munter im Kreise,
trallalala, trallalala, trallalala, trallalala.
Hoppheisa, Hoppheisa, geschwind wir uns dreh`n, es tanzet der Bub` nur in Söckchen,
Die Bänder, sie flattern, die Schürzen, sie weh`n, es fliegen die Zöpfe und Löckchen.
Trallalala, trallalala, trallalala lala.


 

Mucks Aktionskunst auf dem Erfurter Domplatz findet begeisterten Zuspruch und macht ihn und die Neue Schar im Land Thüringen weithin bekannt. "Erfurt war der Höhepunkt des Tanztaumels, aber auch der Andacht", schreibt Rüdiger Safransky (2007, 336).

Über den 24. August 1920, ein Dienstag, berichtet die Freie Presse Erfurt folgendes:

"Es ist nach 8 Uhr abends. -- Andreasstrasse. -- Menschen strömen in Gruppen, zu zweien und einzeln in einer Richtung: Friedrich-Wilhelmsplatz! [Domplatz] - - Im Nachtdunkel sieht man dort zunächst nur schwarze Menschenmauern, zuweilen dringt ein Melodiestück eines Volkstanzes durch, hier leicht beschwingt, dort getragen --- schwermütig. Überall auf dem weiten Platze reges Leben: Ein Fest der jungen Menschen in urwüchsiger Einfachheit. Die Alten stehen dabei und erwägen im Herzen, ob sie schon heute oder vielleicht erst morgen mit den Jungen fröhlich sein wollen. Viele haben ihre Vorurteile längst aufgesteckt, sind in die Reihen der Spielenden eingetreten mit erwartungsfrohen Augen. Plötzlich geht eine Bewegung durch die Masse, die Tänze werden unterbrochen. Die Domstufen können die andrängende Menge nicht fassen; bis drunten zur Ehrensäule steht sie dicht gedrängt, bis hinauf ans selbstverschlossene Gittertor des Domgangs sitzt sie auf den Stufen Kopf an Kopf. - "Im Schönen Wiesengrunde …" So brandet es wuchtig hervor, schallt`s von der platzumgürtenden Häusermauer zurück und rankt sich`s an den Steinwanden Jahrhunderte alter Gotik auf: Sever und Dom schneiden düster-ersinnte Gesichter. - Da Lied ist verstummt. Oben und unter beginnendes Beifallklatschen, Rufe zur Ruhe. - - Stille. Muck-Lamberty, der Führer der neuen Schar spricht von der kleinen Kanzel seitlich der Stufen: Müsst ihr Menschen denn immer, wenn ihr etwas Schönes erlebt habt, Geräusche machen? Muss ein Musikstück immer durch euer Klatschen des inneren Ausklangs beraubt werden? …. Dann wendet er sich dem vergangenen Tage zu, der einer der schwersten der Schar gewesen sei: Die Schulverwaltung hat in kurzsichtiger Bürokratie den einzelnen Schulen am Vormittage, angeblich im Interesse eines wohlgeordneten Schulunterrichts, nicht freigegeben … Dann sprach Muck-Lamberty von der Not der Zeit. Was er darüber sagte, ist den meisten schon bekannt, aber wie er es so glutvoll von Herzen gehend sagte, dass ist dass Rex." (Freie Presse 24.8.1920)

 

Der Zug der
Neuen Schar
durch Franken
und
Thüringen
im Jahr 1920

Versuch einer Rekonstruktion.

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14. Mai
Aufbruch in Hartenstein
im Erzgebirge

17. bis 26. Mai
(Pfingsten) in Kronach

Treffen der Wandervögel

28. Mai
Mitwitz

29. Mai
Gerstungshausen

31. Mai bis 1. Juni
Weidhausen

2. Juni
Rossag (Gemeinde Großheirath)

5. Juni
Coburg

9. Juni
Neustadt bei Coburg

11. Juni
Wildenheid

"Auf den Spielwiesen im Walde bei Sonneberg ... " (Muck)

12. bis 14. Juni

Sonneberg

Ankündigung eines Vortrags von Friedrich Muck-Lamberty im Schiesshaussaal von Sonneberg für abends 8 Uhr zum Thema Zusammenbruch des Alten! Empörung der Jugend

16. Juni
Steinach

17. und 18. Juni
Alsbach

21. Juni
Scheibe
(Scheibe-Alsbach)

22. Juni
Ernstthal am Rennsteig

23. Juni
Spechtsbrunn

24. Juni
Lauenstein

30. Juni
Grossgeschwend

Leutenberg

3. Juli
Kaulsdorf

3. Juli bis 7. Juli
Rudolstadt

Die Neue Schar  tanzt und singt mit den Bürgern (7. und 8. Juli).
Zweistündige Rede von Muck im Krugsaale von Rudolstadt zum Thema Über die Revolution
der Seele
.

8. Juli
Schwarza

10. bis 12. Juli
Saalfeld

17. bis 19. Juli
Pössneck

24. bis 29. Juli
Jena

Gusto Gräser stösst zur Schar

28. Juli Rede von
Friedrich Muck-Lamberty im Volkshaus von Jena


30. Juli bis 2. August
Seitenroda und
Kahla

11. August
Blankenhain

12. bis 19. August
Weimar

18. August
Predigt in der Stadtkirche

21. bis 29. August
Erfurt

27. August
Predigt von Friedrich Muck-Lamberty in der Barfüßerkirche in Erfurt

wie fröhlich
waren wir in
Neudietendorf
30. August
bis 2. September

Wandersleben

8. bis 11. September
Gotha

12. bis 19. September Friedrichroda

25. September bis 8. Oktober Eisenach

Zurück über Erfurt, Weimar, Kahla, Rudolstadt, Leuchtenberg, Lauenstein, Kronach und Mitwitz

25. bis 30. Oktober
Hartenstein

Anfang November
Ankunft auf der Leuchtenburg bei Kahla

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Im Lichte des Sommerabends steht Lisa Tetzner (1923, 120) auf dem Domplatz. Von einer Kanzel schallt laut und klar die Stimme von Muck über den Platz:

"Menschen!
Wir haben euch mit unserem Horn zusammengeblasen. Wir sind mit Lärmen gekommen, weil ihr den leisen Rufen noch nicht folgt, weil ihr erst lebendig werden müsst und euch zusammentun, um frei zu werden von allem Schiebertum und Wucher, von Faulem und Morschen. Kritisiert nicht an uns herum, weil wir anders sind, als ihr gewohnt seid. Wir müssen so sein. Hetzt nicht gegen uns, sondern helft mit, unser ganzes Volk frei zu machen und zu einer wahren Volksgemeinschaft zu führen. Seht, wir kommen nicht im Zeichen einer Partei, wir stehen nicht für rechts oder links, sondern wir stehen mit beiden Füßen auf der Erde und tragen den Kopf in den Himmel."

Kurt Kläber dichtet:

"Er ist nur einer aus den dunklen Massen,
Doch seine Sendung hat ihn jäh erhöht,
Und seine Worte gellen durch die Gassen
Als wäre er schon immer ihr Prophet."

Der Aufrührer

Muck spricht noch weiter. ".... Er erzählt von den Geistigen und den Proleten, von den Lebendigen und den Toten, von Kasten und Parteimenschen. Dann wächst er ins Religiöse, er spricht von Christus, der auch kommen musste, um den Tempel zu reinigen. Und plötzlich ist es, als liefe ein Schauer durch die Menschen, als er dort oben über sie hin in den wolkenlosen Himmel hinauf glutdurchdrungen ruft:

Zurück zu Gott."

 

 

In der Barfüßerkirche

Am Freitag, den 27. August spricht Muck abends ½ 8 Uhr in der Barfüßerkirche. Ein Zeitzeuge gibt seine Eindrücke wieder:

"Weder die Chronik der Jugendbewegung, noch die Geschichte der Erfurter Volksfeste dürfte den Abend des 27. August 1920 übergehen. Bereits eine Stunde vor Beginn des Vortrags von Muck-Lamberty gleicht die Barfüsserstrasse einem Schwamm, der im Aufsaugen keine Grenze hat. Menschenklumpen ballen sich durch die enge Kirchtür. Sitzplätze sind nicht mehr zu haben. In den Gängen enges Drängen. Ein freundliches Wort öffnet mir junger Menschen feste Kette, die den Choraufgang gegen die Menge abschliesst. Nun bin ich oben, darf an der Brüstung stehen und schauen. Der weite Raum ist schon übervoll und immer noch scheint der Zustrom kein Ende. Einer von der Schar bittet, zusammenzurücken. Hunderte finden noch ein Plätzchen. Die alten girlandengeschmückten Steinsäulen blicken verwundert auf das Gewimmel zu ihren Füssen: einmütig sitzt hier der Geheimrat neben dem Arbeiter, hockt dort der Handwerker neben dem Akademiker. An der Chortreppe erregter Stimmenwechsel. Man will den Organisten nicht zu seiner Orgel lassen. Ein aufklärendes Wort gibt ihm Raum. Drunten flammen inzwischen die Kerzen der kranzumwundenen Leuchter auf; Schirme und Stockrücken bringen die Gaslampen bis auf wenige zum Verlöschen. Feierliches Halbdunkel. Matt winkt der Goldgrund des Hochaltars zum Chor herüber, von dem jetzt ein Orgelvorspiel das trutzige Eine feste Burg …. einleitet. Nun ein Gesang jugendfroher Stimmen von Geigen und Orgel zart begleitet. Dann Stille … Utz, der Quartiermacher der Schar, begrüsst die Festgemeinde. Am liebsten möchten wir zu jedem einzelnen erst hingehen und ihm die Hand drücken…. Gleich darauf betritt ein anderer der Schar das lichter- und blumenumstandene Rednerpult. Ein Raunen und Flüstern durchsummt die Masse: Muck-Lamberty. Kaum hat er begonnen, tragen vom Kircheneingange her wilde Rufe Wellen der Aufregung in die Versammlung. Die Menge derer, die keinen Einlass mehr gefunden haben, hat scheinbar das Tor gesprengt. Allmählich tritt wieder Ruhe ein. Muck spricht weiter. Ja, das ist aber kein Vortrag, das ist Herzenszwiesprache, die er hält, das ist Erlebnis. Das spüren wohl auch zwei Jünglinge vom Deutschnationalen Jugendbund, die unten vorher einer dem anderen erklärt hatten, sich durch keine Stimmungsmacherei einfangen zu lassen. Als Muck nämlich, von den Schicksalen der neuen Schar ausgehend, auf das Lotterleben der meisten Studentenverbindungen in Jena zu sprechen kommt, sehen sie sich ganz verstört an - ich kann`s von oben beobachten - und verlassen gleich darauf die Kirche. Hoffentlich fruchtet`s bei denen! Von dem, was Lamberty an diesem Abend sagt, kann ich nur einiges Herausgreifen, es ist schier zu viel. Trefflich kennzeichnet dies der vertrauensselige Ausspruch eines alten Mütterchens nach Schluss: Wer den Kram gleich gefasst hat, für den wäre die Hälfte genug gewesen! O sei mir nicht böse, du liebes, altes Mütterchen, das ich dein Geheimnis preisgebe, Zeitungsmenschen sind in dieser Hinsicht undankbar. - Muck-Lamberty spricht vom

neuen jungen Menschen,

der aus der aufsteigenden Sehnsucht von Mann und Weib herausgeboren werden muss, von der Jugend, der man erst Zeit lassen soll, Mensch zu werden, bevor sie sich für Parteien entscheidet, und von der Meisterschaft der Arbeit: Im Erzgebirge gebe es hundert Meister, die nichts weiter könnten, als immer die gleichen Sofabeine drehen. Er meint die Meisterschaft der Arbeit, wo jeder mit ganzer Seele an einem Stücke schafft und diesem seinen ganz persönlichen Stempel aufdrückt. Zum Schluss weist er noch einmal darauf hin, dass seine Schar keinen Selbstzweck verfolgt, sondern nur Wegbereiter sein will für Menschen, die nach ihnen kämen und die uns noch Schöneres und Besseres zu sagen wüssten. - An alle, die an diesen Tagen die neue Schar sprechen hörten, sei die Bitte gerichtet: Hat dabei in euch etwas geklungen, so verarbeitet`s und helft: ist`s still in euch geblieben, so seid wie die guten Gärtner, lasst ruhig neben euch etwas wachsen, zerstört wenigstens nichts: Um unserer Jugend willen." (Lynkeus 28.8.1920)

 

Das gesellschaftliche Leben, rekapituliert Pfarrer Adam Ritzhaupt (1921, 4) die Performance von Muck, ist voller Lüge und Torheit, das Gesamtleben vergiftet durch den Parteienhass, die nationale Erziehung zerrissen, der Nationalstolz dahin, die Volkssitten verwüstet und die wirtschaftliche Situation unhaltbar. In der Trauer darüber ziehen sich die Alten in die Erinnerung zurück. Mucks Worte kreisten um den Zusammenbruch des Alten und die Empörung der Jugend. Empörung mit dem Mut und der Hoffnung, die Gewalt zu haben, zu reinigen und wiederaufzubauen, wächst allein der Jugend zu.

 

Abschied

Freitags predigte Muck noch in der Barfüsserkirche. So wird der Tag des Abschieds auf den 29. August gefallen sein. "Wo Muck in den Kirchen sprach", berichtet Eugen Diederichs (1921, 132), "konnte diese die Tausende nicht fassen, wo er eine Stadt verliess, gaben ihm ebenfalls Tausende winkend das Geleite."

"Als die Neue Schar aus Erfurt wegging, wurde sie von vielen Hundert nach dem etwa eine Stunde entfernten Möbisburg begleitet. Der Auszug war ein Triumphzug. Weinend haben viele Abschied genommen. … Muck hat geweint, das wurde mit besonderer Rührung erzählt." (Ritzhaupt 15)

"Gelegentlich einer Führertagung der Scharen in Erfurt" (Ritzhaupt) kehrte Muck am

12. Oktober (1920) in die Stadt

zurück. Es war rasch bekannt geworden, dass er in der Turnhalle der Königin-Luisenschule, Melanchthon Strasse, über die Eisenacher Eindrücke sprechen werde. Die Ankündigung versprach: "Das Zeitungsgewäsch über die Neue Schar wird klar gestellt werden." "Ein Junge aus der Schar," so begann die Veranstaltung, "las zu Beginn eine Episode aus Hessens neuem Buch: Zarathustras Wiederkehr. Muck hatte sich die Stelle selber ausgesucht." "Das Vorgelesene reizte unwillkürlich zum Vergleich mit dem Auftreten Muck-Lambertys. Deutschnationale Jugend beunruhigte die Versammlung und griff Muck insbesondere wegen seines Verhaltens in Eisenach beim Gesang des deutschen Liedes an. Muck-Lamberty verteidigte sich wirkungslos und nervös."

 

Stedten bei Erfurt

"Ich sah ihn, den Volksmann, wie er in der Allee von Stedten, einem kleinen Ort in der Nähe Erfurts, mit seiner Schar unter den Lindenbäumen vor dem grässlichen Schloss hockte und sang. Ich sah," so Rudolf Otto Wiemer 1975, "wie die vom Felde heimkehrenden Gutsarbeiter ihre Gaben, Schaufeln und Harken von den Schultern herabfallen ließen und sich ebenfalls auf die Erde setzten, zwischen Städtern, Ausflüglern, Andächtigen und Neugierigen. Muck Lamberty stand unter dem Baum und redete. Halblaut, fast leise fing er an, die Hand lag am Gürtel, als wollte er sich dort festhalten. Manchmal stockt er; der Strom der Geschichte schien ihn zu überwältigen.

Dann stiess er das Kinn vor, die Worte kamen wie eine Sturzflut über die Lippen, die Stimme grollte oder schrie, die Hand fuhr gebannt in die Höhe. Dann, mit ein paar halblaut hervorgestossenen Worten liess er, gleichsam und willig über sich selbst, die Buss- und Erweckungspredigt überraschend enden. Er setzte sich auf den Platz unter der Linde; die Schar sang: "Es dunkelt schon die Heide", die Gutsarbeiter fielen mir rauen Stimmen ein, danach die Städter, die Ausflügler." (21 f.)

 

Neudietendorf, 30. August bis 2. September

Wieder springt der Funken über. "Wie fröhlich waren wir in Neudietendorf und in Wandersleben", scribierte Muck in sein Wanderbuch.

Andere betrachteten das Treiben der Schar mit Sorge. "Nicht wir Neudietendorfer, sondern nur einige Lehrerinnen der hiesigen Mädchenanstalt sind der Neuen Schar nachgefahren", äussert ein Vertreter dieser Anschauungsweise im Dezember 1920. "Wir anderen glauben, dass die Jugenderzieherinnen eines Brüdergemeininstituts sich nicht mit Leuten vergesellschaften dürfen, die … ohne Trennung der Geschlechter im Bürgerquartier übernachten und auch sonst ein auf durchaus erotischer Grundlage ruhendes Zusammenleben führen, eine Tatsache, die mir kürzlich in Erfurt ein begeisterter Anhänger der neuen Schar zugegeben hat. Wir lehnen das ab, was uns Muck hierher gebracht hat, und halten dafür,

dass er nicht aufbaut, sondern zerstört, und zwar den letzten Rest dessen, das wir Anstand und gute Sitte nannten." (Neudietendorf)

Ein Teilnehmer des Zuges der Neuen Schar entgegnet später darauf:

"Das Verhältnis der Geschlechter bei der Stammschar untereinander war entgegen den späteren Lügen in den Zeitungen zuchtvoll und schwesterlich, genau wie im Wandervogel, und das Volk, mit dem wir täglich zu tun hatten, fühlte dies auch. Wenn es anders gewesen wäre, hätte man uns nicht täglich die hundert Kinder anvertraut." (Pluta 1970, 105)

Doch die Traditionalisten empfinden anders. Im Zusammenleben auf erotischer Grundlage wittern sie Gefahr. Sie wollen nicht, dass Frauen und Männer zusammen im Bürgerquartier nächtigen. Was in Neudietendorf die Form einer Sorge annimmt, walzt im Frühjahr 1921 die Kampagne Hau den Muck! zur moralischen Massenkarambolage aus.

 

Gotha, 8. bis 11. September
Die Kapuziner-Predigt

Augustinerkirche Gotha (um 2010)
Bildquelle unten angegeben

Am 9. September spricht Muck in der Augustinerkirche zu Gotha. Eine überaus freundliche Stimmung ging von den Blumen und Girlanden aus, die das innere der Kirche schmückten. Schon lange vor Beginn füllte sich der Raum. Es herrschte grosser Andrang. Selbst die Stehplätze wurden knapp. Die Polizei sorgte für Ordnung. Auf weite Gothaer Kreise wirkte er wie ein Magnet. Zu Hauf kamen sie in die Kirche mit den grossen Bogenfenstern und der Luther-Kanzel. "Und vorn, inmitten der Liegenden, Sitzenden, Stehenden, auf einem Pult, im Sonderlicht zweier Leuchter, einer im Leinenkittel und wallenden Haar, der eifert und eifert um das junge Leben. Das Ganze ein Bild", so das Gothaer Tageblatt zwei Tage nach der Predigt, "von phantastischer Kraft." - In der vorherigen Ausgabe stand schon geschrieben: "Muck-Lamberty tobte, schrie und schimpfte volle 1 1/2 Stunden lang auf alles, was von seinem Standpunkte gemein und selbstsüchtig ist."

Sie werden sowohl von Rechts als auch von Links angegriffen, beklagt er. "Dabei wollte doch die Neue Schar nur bei Ablehnung aller Standesunterschiede eine neue Form der Geselligkeit und des körperlichen Erlebens" schaffen. "Sie wollen frei werden von den erdrückenden und trügenden Lasten der Vergangenheit und suchen mit heissem Bemühen eine Form neuen Lebens .…", schildert ein Zeitzeuge am 11. September 1920 im Gothaer Tageblatt seine Eindrücke.

Die Presse verübelt ihn etwas seine Angriffe. So urteilt dann das Gothaer Tageblatt am 10.September: "Muck-Lamberty arbeitete, wie alle Schwärmer, viel mit Übertreibungen, er leidet aber auch an starker Selbstüberschätzung und blieb bei seiner Kapuzinerpredigt nicht so objektiv, wie man es hätte erwarten können."

Für Freitag, den 10. September kündigt die Stadtzeitung im Teeschlößchen eine Aussprache an, "zu der sämtliche parteipolitischen und parteilosen Jugendorganisationen je 10 Mann entsenden."

Aus Sicht der Mitteldeutschen Zeitung (Erfurt) vom 16. September 1920 hinterliess die Gruppe in Gotha den Eindruck überspannter Schwärmerei. "Doch das wäre nicht das Schlimmste. Bei einer Besprechung mit den Vertretern der Jugendgruppen hat der Führer der Neuen Schar Muck-Lamberty sich offen für die Internationale und die Verbrüderung mit den Franzosen (!!) usw. ausgesprochen und deutscher Art und deutschen Wesen in unglaublichster Weise verspottet". Er rühmte sich offen, eine nationale Kundgebung in Berlin Tempelhof gesprengt zu haben.

Weiter geht die Wanderung nach Friedrichroda.

 

 

Friedrichroda, 16. September

Die Neue Schar trifft am 16. September in Friedrichroda ein. Sie kündigte täglich früh um 9 Uhr, nachmittag 2 und 6 Uhr auf den Wiesen von Reinhardtsbrunn Tanz und Spiele an. Und sie werden gut aufgenommen und verstanden, wie den Worten der Friedrichrodaer Zeitung zu entnehmen ist, die einen Tag nach ihrer Ankunft schreibt: Sie wollen durch Spiel, Volksgesang und Sport wieder ein wahres Volkstum wecken und zur dringenden notwendigen Volksgesundung beitragen.

 

 

Eisenach, 25. September bis 8. Oktober

Am 25. September erreicht die Neue Schar Eisenach. Mit Jung und Alt wollen sie bis zum übernächsten Montag spielen, tanzen und die Menschen aufrütteln. An diesem und dem nächsten Wochenende kommen aus Gotha, Erfurt, Weimar und Friedrichroda Jugendliche herüber. Muck redet in der Marktkirche. Alles wie immer? Nicht ganz.

Emil Fuchs und seine
Verlobte Else (1906). Sie hatten vier Kinder, eines war der später als Atom-Fuchs berühmt gewordene
Sohn Klaus (1911-1988).

Familie Fuchs lädt die Neue Schar in ihr Haus ein. Vor zwei Jahren war der Ehrendoktor der Universität Giessen Emil Fuchs im Westbezirk von Eisenach zum Pfarrer gewählt worden. 1921 tritt er der SPD bei. Vierzig Jahre später erzählt er in Mein Leben (53f.) über die Begegnung mit der Neuen Schar: "Am Abend - wie schon am Tage vorher - war" Muck "mit der Schar bei uns. Alles, was Enge mit ihm zusammen sein wollte, füllte unsere Räume. In drangvollster Enge wurde gesungen und debattiert. In den nächsten Tagen wurde auf allen Plätzen Eisenachs getanzt, sobald der Feierabend gekommen war. Alt und Jung, wir Pfarrer und Pfarrersfrauen, die Diakonissen mit ihren Hauben, alles schwang sich im ungeheuren Kreis, der einen ganzen Platz umfasste."

Familie Fuchs ist wissbegierig. Aus ihren Worten schwingt Anerkennung mit. "Meine Frau und ich stellten uns sehr gern zu dieser Bewegung", bekennt Pfarrer Emil Fuchs (1874-1871). "Wir freuten uns der erwachenden Selbständigkeit, der Naturfreude, der Ablehnung von Alkohol und Nikotin - vor allem aber auch der leidenschaftlichen Art, mit der die großem Zeitfragen bewegt und durchgesprochen worden. Wir konnten der Bewegung auch äußerlich manches leisten, indem wir ihr unsere großen Räume und unseren Garten am Berg für ihre Zwecke zur Verfügung stellten." (54)

Unter dem Eindruck der Erlebnisse mit der Neuen Schar in Eisenach, legt Emil Fuchs 1921 (143) im Kunstwart seine moralischen Ansichten zur Freien Liebe dar. Wenn er die Liebe zur conditio-sine-qua-non für die Ehe erhebt, kann man dies nach dem Leuchtenburg-Skandal als Kritik an Friedrich Muck-Lamberty lesen. Es war aber zugleich eine Stimme für ihn, weil er ebenso bestimmte Seiten der bürgerlichen Ehe kritisiert, wie: "Ja, es ist viel Unwürdiges und Unmögliches in der Ehegesetzgebung ..…"

 

"Auch ich", gesteht Franz Hammer (1908-1985) in Traum und Wirklichkeit (1975, 51), tanzte und sang [in Eisenach] mit. Von einem blauen Zettel lernte ich die Lieder der Neuen Schar und ihres Führers Muck-Lamberti, von dem man wie von einem Gottgesandten nur in Verzückung sprach." Doch dann, über vierzig Jahre später, stösst er mit einem Dreizack aus Schmarotzertum, Schönlebe und Faulenzer auf die Naue Schar ein:

"Die Langhaarigen seien auch [zum Gottesdienst] in der [Markt]-Kirche, hiess es -

diese Nichtstuer,
die sich eine Schönlebe machten,

während andere zur Abwehr der sich täglich steigernden Not tüchtig arbeiten mussten; Raus mit den Schwarzweißroten und raus mit den Schmarotzern!"

Die Tageszeitung Das Volk (Erfurt) veröffentlicht dies 1968 unter der Schlagzeile

Als 1921 die Langhaarigen kamen.

Irgendjemand vertut sich mit der Jahreszahl. Es war ja bekanntlich 1920. Insgesamt folgt die Kritik modischen Formen des dogmatischen Denkens. Dennoch meint es Franz Hammer unbedingt ernst. Warum sonst wiederholt er diese Anwürfe 1975 in Traum und Wirklichkeit (53f.)? Wer dieses oberflächliche Urteil aus dem Volk zur Neuen Schar übernimmt, der braucht nicht darüber nachdenken, was gut an ihr war und was die Nachkommenden vielleicht besser machen müssten.

Friedrich Muck-Lamberty mit Kindern
in Eisenach (Zeit: September / Oktober 1920).

"Wohl hat es Notwendigkeit und Sinn, uns Rechenschaft zu geben," spricht es Helmut Gollwitzer (54) auf dem Meissner-Tag 1963 klar aus, "was heute zu lernen sei aus den damaligen Aufbruch deutscher Jugend, aus seinen Erfahrungen und seinem Verlauf, aus seinem Gewinn und aus seinen Irrtümern."

Die politischen Hintergründe für die Ablehnung von Muck und der Langhaarigen sind unschwer erkennbar: Als der Aufsatz 1968 erschien, waren die Langhaarigen im öffentlichen Raum der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) oft nicht akzeptiert und geachtet. Und in Westeuropa protestierten sie gegen das Establishment ....

Wohlüberlegt klebt die Tageszeitung aus Erfurt der Neuen Schar das Etikett "Deutschnationale Jugend" auf, was 1968 bedeutet: Die waren reaktionär. Und genau das waren sie nicht! Kein Wort von der Rebellion gegen die Alten, über das originelle Spiel und Tanzen, den erfrischenden jugendlichen Idealismus und ihren Mut, Neues zu wagen.

Wieder werben sie mit grünen Handzetteln für ihre Aktionen. Schon einen Tag nach ihrer Ankunft, Sonntag, den 26. September, stürmen über tausend Kinder auf sie ein. Erneut stellt die Gruppe und Muck beim Spielen und Tanzen ihr Talent unter Beweis.

Im Kreis wimmelt es von Kindern. Ein einziges Durcheinander. Dann treten nacheinander zehn Kinder in der Mitte des Kreises und singen eine als Reim geformte kleine Geschichte. Sie führen das Gesungene vor, unterschiedlich in der Bewegung und Kleidung. Schliesslich passen aber doch alle zusammen. Auf diese Weise ordnet das Singspiel Zehn kleine Negerlein das Chaos in der Gruppe.

Motiv aus "Unter der Linde". Tanzspiele und Volksspiele, gespielt und gesungen von der Neuen Schar in Thüringen, 1922

"Eine besondere Freude für die Jungen ist es, einen Kreis zu bilden, ihn zu verengen und dann mit aller Gewalt rückwärts zu laufen. An der Stelle, wo die Kette reisst, scheiden zwei Mann aus. Manch einer setzt sich dabei zur allgemeinen Freude auf seine natürlich Sitzfläche." "Haben sich die Kinder müde gesprungen", äussert Albin Sauermilch (1920) weiter, "so werden Märchen erzählt oder man wandert langsam unter Gesang über den Spielplatz. Einige Neuschärler können sich vor der Zuneigung der Kinder gar nicht bergen, und wenn sie zum Essen nach Hause gehen, so wandert eine unentwegte kleine Leibgarde mit in die Stadt zurück: das Märchen vom Rattenfänger oder Schwan klebt an ist Wahrheit geworden."

Am Wochenende suchen die verschiedensten Vereinigungen und Vereine Eisenach auf, um hier über ihre Aufgaben zu beraten. Darunter die Freunde der freien Volkskirche in Thüringen und der Provinz Sachsen, der Bund für Gegenwartchristentum im Freistaat Sachsen und die Freunde der christlichen Welt (FCW). "Die Schar war bei allen Tagungen zu Gast", registrierte Pfarrer Adam Ritzhaupt. Auf der Wartburg tagte vom 29. September bis 1. Oktober 1920 der FCW. Pfarrer Friedrich Gogarten (1887-1967) spricht am 30. September im Wartburgsaal über Die Krisis der Gegenwart. Ein Thema das Muck interessierte. Aber er wollte ja selbst einen Vortrag halten ....

Über diesen Tag notierte Bischof Wilhelm Stählin (1883-1975): "Es war im Herbst 1920, als ich an einer Tagung Freunde der christlichen Welt auf der Wartburg teilnahm, wo Gogarten einen Vortrag über Religion als Krisis der Kultur hielt. Ich verstand nicht, was er meinte - das lag gewiss an mir -, und ich verliess die Wartburg, um nach Eisenach hinunterzuspringen, wo Muck Lamberty in der Marktkirche, die ihm zur Verfügung gestellt worden war - was war damals alles möglich! -, eine höchst erstaunliche

Bußpredigt gegen
die Hartherzigkeit und Gemütskälte

der bürgerlichen Kreise hielt. Mit seiner originellen Art, die so ganz und gar nicht kirchlich konventionell war, erreichte er Tausende, die der Kirche gänzlich fremd gegenüberstanden." (1968, 179)

Vortragsankündigung der Eisenacher Zeitung

Den Vortrag kündigte Muck als

Revolution der Seele
Zusammenbruch des Alten. Empörung der Jugend

an. Er begann am 30. September um ½ 8 Uhr abends in der Marktkirche.

Tags darauf gibt ein Zuhörer seine Eindrücke wieder:

"In einer seltnen Kirche war ich heut [am 30. September 1920] -. Wohl war es von aussen die alt vertraute Marktkirche [Georgenkirche], aber innen bot sich ein neues ungewohntes Bild unsern Blicken dar. Menschenmengen aus allerlei Ständen drängten sich darin zusammen, sassen, standen, lagen auf der Erde. Bis in die obersten Emporen hinauf war alles gefüllt mit Menschen, darunter viel Jugend, die einen sehr seltsam erwartungsvollen Ausdruck im Gesicht hatte. Auf der Kanzel stand kein Pfarrer im Talar, sondern an einem Pult über den Altarstufen ein Mann im dunkeln Kittel, mit halb lang geschnittenen Haaren und ein paar Augen, die das ganze energisch geschnittene Gesicht überstrahlten. Man fühlt diesen Augen an, dass sie tief in das Leben gesehen haben und aus den Tiefen einen Schatz herausholten, den weder Motten noch Rost fressen kann, ein Herz, das heiss in starker Liebe schlagen kann und ein Gemüt, in dem die Güte daheim ist, Muck Lamberty, der seit 4 Monden durchs Thüringer Land zieht in einem Zeichen, dem widersprochen wird. Wo er hinkommt, kann Niemand an ihm vorbei, er muss irgendwie zu ihm Stellung nehmen, ob er ihn nun annimmt oder ablehnt; vielleicht reiben sich sogar die am stärksten an ihm, die ihn ablehnen und wer ihn bekämpft, muss ja irgendwie von ihm getroffen sein." (Einheimisches)

Etwas ärgerlich äussert sich Pfarrer Adam Ritzhaupt (16) über die Predigt: "… aber seine Rede hat mich umso mehr enttäuscht." "Mit keinem Wort ging er auf das eben Gehörte ein; über den ersten Abend, der ihm offenbar zu hoch war, hatte er ein paar platte Ausfälle; wieder konnte man sich über ihn ärgern, dass er sich anmaßt, über Dinge zu reden, von denen er nichts versteht. .... Er nahm nur Gelegenheit, seine Schlager anzubringen, die ich alle in Erfurt schon gehört hatte. Er brachte sie wortwörtlich wieder, mit derselben Einseitigkeit, konfus durcheinander, wie sie ihm eben aufstiegen."

Georgenkirche in Eisenach, Auch Marktkirche genannt.
(Zeichnung)

Pfarrer Emil Fuchs nahm den Vortrag in der Georgenkirche deutlich anders auf. "Um den Altar lag die Schar", erzählt er in Mein Leben (54). "Erst sprach ich kurz von der Kanzel, dann er vom Altar. Die Kirche war überfüllt, und wir waren hingerissen von der Glut seiner Botschaft, von der neuen Art gemeinschaftlichen Lebens."

Über die Glut seiner Botschaft war bisher, wenn die Muck-Biografen auf Eisenach zu sprechen kamen, wenig bis gar nicht die Rede. Dafür strapazierten sie immer wieder ein anderes Ereignis. Es soll sich am 4. Oktober zugetragen haben. In der Georgenkirche geniessen die Teilnehmer der Neulandtagung einen Bach- und Lutherabend. Zwischen den musikalischen Darbietungen spricht Professor Gottfried Baumann aus Leipzig zum Thema Moderne Jugendkultur mit ihren Bewegungen und Neuland. Ihn bewegt die geistige Unterernährung im Wandervogel, die allgemeine Ziellosigkeit, die Notwendigkeit einer Neuorientierung und die überbordende Sehnsucht nach Religiosität. Auf Wunsch der Versammlung soll die anschliessende Aussprache nur unter der Jugend und ihren Ratgebern stattfinden. "Die anwesende Neue Schar verliess darauf mit ihrem Führer Muck-Lamberty den Saal unter dem Rufe: Gedanken sind frei." (Neulandtagung)

Das Foto zeigt die Neue Schar am Tag des Abschieds auf dem Karlsplatz von Eisenach. Vielleicht ist es der 8. Oktober 1920. Am rechten Rand des Bildes sind das abgelegte Gepäck und dahinter die blaue Fahne zu sehen. Links davon steht Friedrich (= Muck). Die Gruppe sammelt sich gerade zum Abmarsch. Es finden sich Erwachsene und Kinder ein. Typisch das spontane Tanzen. Zu den eigentlichen Happenings der Neuen Schar eilten aber wesentlich mehr Menschen herbei.

Bild: Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand: Neue Schar A 17, Nr. 1.

"Bei den Deutschnationalen erregte" die Neue Schar "Ärgernis, als sie bei dem Liede Deutschland, Deutschland über alles sitzen blieb, angeblich, weil bei der Feier geraucht und getrunken wurde." Hier gibt Pfarrer Ritzhaupt (15) die Geschehnisse nicht ganz korrekt wieder. Wohl ist es zutreffend, dass die Schar bei Deutschland, Deutschland über alles nicht mit einstimmte. Doch sie verweigerten sich, brieft Muck am 8. Februar 1921 den Admiral Scheer in Weimar, "weil man in einem Atem von Liebe und Rache sprach, von der Not, von Valuta und Opfern, die ein jeder bringen soll und dabei viel Bier und Tabak verbrauchte."

Gut an Mucks Sache ist, urteilt die Eisenacher Zeitung am 6. Oktober 1920, dass er das Programm der Klassenversöhnung vertritt. Zum Abschied der Neuen Schar aus Eisenach erteilt der namenlose Kritiker ihr den Rat: Doch muss sie sich dabei "peinlich vor äußerlichen Lächerlichkeiten und innerlichen Ungerechtigkeiten hüten, weil man sonst von vornherein sein Werk diskreditiert!" Ihm missfiel vor allem der Exhibitionismus der Gruppe. Gemeint waren damit die unbestrümpften Beine. "Jedenfalls stösst diese Sucht, aufzufallen," stellt er fest, "mit ihren hässlichen Aeusserlichkeiten gerade die Kreise vor den Kopf, die zu gewinnen erste Aufgabe der neuen Schar sein sollte." "Leben wir in Amerika, um eine neue Idee durch groteske Äusserlichkeiten propagieren zu müssen?"

Auf öffentlichen Plätzen tanzt die Neue Schar mit Erwachsenen. Kinder leiten sie zum Tanz und beim Spiel an. Ihnen gegenüber sind sie besondes aufmerksam und einfühlsam. Durch Aktionen in der Art Kirche von Unten belebt die Neue Schar in guter Weise das Leben zwischen Christen und Atheisten. Nach schweren Kriegsjahren und bürgerkriegsähnlichen Kämpfen im März 1920 erhält die menschliche Begegnung im öffentlichen Raum wieder eine grössere Wertschätzung. So veränderte die Tanz- und Spiel-Company das Thüringer Land und vermittelte den Bürgern wertvolle kulturelle Impulse.

"Dem, der jetzt durch die Städte des Thüringer Landes geht," schreibt Bezirksjugendpfleger Gustav Schröer (Erfurt) 1921 in Auf den Spuren der Neuen Schar ...., "fällt es auf, dass er in den abgelegensten Straßen Jungen und Mädchen im Kreise tanzen sieht und singen hört, ganz anders, als das bisher gewesen. Der Dreikäsehoch hat irgendein bezopftes kleines Ding an der Hand, und: Es geht nichts über die Gemütlichkeit, ei ja, gucke da kollert es lustig von den Wänden wieder. Der Vater geht mit der Mutter uff die Kirchweih, tut dass so bedeutend und breitbeinig, dass die Vorübergehenden ein Weilchen stehenbleiben, und hätten sie es noch so eilig. In ihren Augen aber liegt dabei allerlei Nachdenkliches. ….

Der Tag gehört den Kindern, der Abend den älteren Buben und Mädeln. Auch die drehen sich im Kreise, und alle Röcke fliegen. Sie tanzen nicht Tango und Foxtrott, es züngeln keine heimlichen Flammen zwischen ihnen, die Wangen glühen,`der Mund lacht, die Augen leuchten. Vom Himmel her aber lacht der alte Mond."

 

Auf der Leuchtenburg
Von der Spiel- zur Handwerkerschar  nach oben

Seitenroda bei Kahla
mit der Leuchtenburg

Der Herbst bricht an. Das Wetter wird rauer. Regen zieht herauf. Zeit für die Neue Schar, ein Winterquartier zu suchen. In der Jugendherberge auf der Leuchtenburg findet sie Quartier. Das hört sich einfach an, war es aber nicht. Denn in den Städten herrschte akute Wohnungsnot. Kahler Porzellanarbeiter protestierten gegen den Zuzug, aber "infolge der allgemeinen Begeisterung jedoch vergeblich" (Der Messias).

Im letzten Sommer verweilte die Schar schon einmal hier in Seitenroda, einem kleinen Dorf, das unterhalb der Burg und unweit von der thüringischen Kleinstadt Kahla liegt. Traf man vielleicht bei dieser Gelegenheit schon Absprachen? Sicher überliefert ist hingegen, dass sich Harry Wilde als Leiter des Landesjugendringes Thüringen bei Ministerpräsidenten August Frölich (1877-1966) dafür einsetzte, dass die Gruppe im Torbau der Burganlage ab Anfang November 1920 Unterkunft nehmen darf. Als Fürsprecher traten weiterhin Eugen Diederichs aus Jena, Verleger und Mentor der deutschen Jugendbewegung, und Pfarrer Emil Fuchs aus Eisenach auf. Erst am 8. August 1920 übergab die Sachsen-Altenburgische Regierung dieses Haus mit zwanzig Schlafplätzen für Jungen und zehn für Mädchen an den Zweigausschuss für deutsche Jugendherbergen (vgl. Haufschild 14).

Auf der Leuchtenburg wandelt sich die Gruppe von der Spiel- zur Handwerkerschar.

So, so, - interessant. Aber geht es nicht ein wenig spanender? Gewiss, wenn man die Geschichte wie die Tages-Post (1921) aus Linz erzählt, die sich dann so liesst:

"Und so holte er [Muck] sich in die Leuchtenburg eine reine "Maria" nach der anderen und verwandelte sie in sündige Magdalenen."

Nur, es war schon ein bischen anders.

Augenscheinlich bot sich der Neuen Schar jetzt eine grosse Chance, um die bereits vor dem Krieg entstandene Idee von einer Handwerker-Siedlungsgemeinschaft Wirklichkeit werden zu lassen. Morgens essen sie gebrannte Mehlsuppe, mittags stehen Kartoffeln und Gemüse auf dem Tisch. Am Abend gibt es Brot und Äpfel. Ein Leben mit dürftiger Nahrung und in bescheidener Kleidung. Die Mädchen besorgen die Küche und schneidern. Die Burschen fertigen Schuhe, tischlern, drehen Leuchter und arbeiten beim Bauern in der Umgebung. Muck erzählt Ende 1921, dass die Holzarbeiten über Dührerhäuser, Vertriebsstellen und Freunde der jungen Gemeinde in Thüringen verkauft wurden. "Die Mädchen haben das Haus geführt und durch Näharbeiten mit für das tägliche Brot gesorgt. Alles wurde durch eine Kasse verwaltet." Wohl deshalb bemerkt Pfarrer Ritzhaupt (Erfurt):

"Der Wirtschaftsbetrieb war kommunistisch."

"Ich bin überzeugt", prophezeit 1921 Eugen Diederichs dem Kultusminister Mehnert von Sachsen-Altenburg, "um diese Jugendherberge wird sich später ein Zauber der Romantik spinnen. Es wird noch ein großer Dichter kommen der all was sich an das Leben dieser Gemeinschaft [der Neuen Schar] spinnt, gestalten wird, zu einem wuchtigen Bild von dem Ringen unserer Zeit um das Neue." Oder es beugt sich vielleicht ein Filmemacher über die Geschichte der Neuen Schar, um sie für ein breites Publikum zu erzählen?

Nebenbei richtet die Neue Schar die Jugendherberge her. Im Archiv findet sich eine von Muck-Lamberty am 18. Februar 1921 auf der Leuchtenburg ausgestellte Rechnung über 720 Reichsmark. Davon werden 490,00 Reichsmark für die Unterkunft in Abzug gebracht. Den Restbetrag erhebt die Gruppe für Leistungen, die sie bei der Instandsetzung der Herberge erbrachte. "Wer sich aber überzeugen will von ihrem Fleisse," argumentiert das Flugblatt der Kahlaer Jugend vom März 1921, "der schaue sich die Jugendherberge nur jetzt einmal an."

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Leuchtenburg bei Kahla

(Aufnahmen 2006 bis Januar 2013)

Im Januar 1921 erscheint in Junge Menschen folgender Bericht von Karl Wilker (1880-1985) über seinen Besuch bei der Neuen Schar auf der Leuchtenburg:

"Da bin ich mit dem Heiner heraufgestiegen durch den Winterabend zur Burg. Dicker Rauhreif bog alle Äste nieder. Unter uns funkelten die tausend kleinen Lichter der Talmenschen. Oben leuchtet das Burgenfensterlein. In der Werkstatt ist noch Licht sagte die Friedel …
und wir stapften durch den Schnee ….
und dann standen wir da oben.
Muck … immer wieder kreuzt sich unsere Weg … seit wir uns vor 14 Jahren wohl zuerst trafen … und immer mehr fühle ich ganz stark dieses eine heraus: ein Vergeistigter-Werden …
Andere werden anders urteilen. Oh, ich kenne alle Eure herben Urteile. Ich habe vielfach ernstlich überlegt: muss du für ihn oder gegen ihn sein, bist du kritiklos begeistert oder ernsthaft.
Und nie kam mir stärker als jetzt das Gefühl: in dieser neuen Schar steckt Gemeinschaftsgefühl, steckt ringen um das Leben, um sich selbst.
Das kann man nicht mit Worten fassen, sie nicht, wir nicht. Und man soll`s auch nicht.
….
Aber sagt mir: ist das nicht wirklich der Anfang und Tat, dort oben auf der gewißlich im Winter nicht allzu gemütlichen Burg zu sitzen und in harter Arbeit, nicht etwa nur achtstündiger, zu schaffen, handwerklich zu schaffen, - und nicht durch Wucherpreise Geld zu verdienen, sondern nur soviel zu nehmen, dass die Arbeit eben bezahlt wird … ?

Ich sehe hier den Anfang unseres neuen Gemeinschaftslebens. …" (JM 1921, 2, 28)

 

Zunächst war die Schar auf der Burg herzlich willkommen.

"Bessere Gäste können wir uns kaum wünschen",

jubiliert W. Müncker am 12. November 1920 gegenüber Herrn Albertti. Der Geschäftsführer des Hauptausschusses für die Deutschen Jugendherbergen aus Hilbach (Westfalen) betont:

"Es bedarf daher wohl keines Wortes, daß der Aufenthalt der Schar nicht nur zu dulden, sondern alles aufzubieten ist, um ihr das Dasein zu erleichtern. Diese Leute machen Ernst."

Bald ändert sich die Stimmung. Dunkelmänner bringen die Neue Schar in Verruf. In der Dezember-Ausgabe von 1920 enthüllt Junge Menschen (JM) unter der Überschrift

Die Neue Schar - Mörder?

Die Quelle ist wahrscheinlich die Firma Schweder & Hertzsch in Rudolstadt (Thüringen), die die Deutsche Journalpost herausgibt. Eine Art Nachrichtenagentur, aus der mehrere hunderte Zeitungen als zahlende Abonnenten Informationen und Kommentare nachdrucken. Über die redaktionelle Scherenarbeit finden sie den Weg in das Feuilleton vieler Zeitungen. "Diese Korrespondenz hat Hanebüchenes über die Neue Schar (....) verbreitet." Sie hat sie auf das schlimmste verunglimpft und falsche Nachrichten über sie gestreut. Aber eine Fehlinformation übertrifft alle anderen: Angeblich ist die Gruppe an der Ermordung der Frau von Admiral Reinhard Scheer am 8. Oktober 1920 beteiligt gewesen. Junge Menschen (279) kontert Ende Dezember 1920:

"Der Vorwurf aber, die Neue Schar sei an der Ermordung der Frau Scheer beteiligt, ist so lächerlich und ohne weiteres als Rache für Eisenach erkennbar, dass man nicht glauben sollte, eine Regierung lasse durch solchen Presseklatsch aus ihrer Ruhe bringen. Und doch ist das geschehen."

Infolge jener Korrespondenz-Weisheit erscheint auf der Burg bald eine Untersuchungskommission und beschliesst:

"Binnen vierzehn Tagen ist die Burg zu räumen!"

Aber die Stimme des Neuen Jugendwillens protestiert "gegen diese neue Vergewaltigung!" Eugen Diederichs setzt sich bei den zuständigen Stellen der altenburgischen Regierung für den Verbleib der Neuen Schar auf der Leuchtenburg ein.

Der Verleger genoss in der Jugendbewegung hohes Ansehen. Als Sprecher des Sera-Kreises begrüssten ihn die Teilnehmer der Beratung verschiedenster Jugenverbände zur Vorbereitung des Freideutschen Jugendtreffens auf dem Hohen Meissner am 5. und 6. Juni 1913 in Jena durch trampeln.

Schliesslich darf die Gruppe dann doch bleiben.

Die Akten des Staats-Ministeriums zu Altenburg sprechen über

"Beschwerden eines Teils der Kahlaer Arbeiterjugend".

Allenfalls ist das eine Quelle des Konflikts. Sicher ist hingegen, dass Muck und die Schar mit dem Wirt der Gaststätte von der Leuchtenburg über Kreuz lagen. Gleich nach Weggang der Schar von der Burg übernimmt er die Räume. Ein Schuft, wer Arges dabei denkt? Jedenfalls begann damit ein weiterer Skandal um die Jugendherberge, der erst 1923 sein Ende fand.

 

 

Das Ketzergericht (Eugen Diederichs)
Oder: Seine größte Gefahr ist das Weib. (Lisa Tetzner)   nach oben

Eine tragende und tiefgreifende Kritik der Persönlichkeit Mucks übt Lisa Tetzner 1923 in Im Land der Industrie zwischen Rhein und Ruhr (123): "Seine Zucht, die er ausübte, ist gut: Enthalte dich, faste, reinige dich, um deinen Geist zu stärken. Askese in allen Dingen des Lebens, um die Kraft zu haben. Muck selber jedoch, der diese Gesetze stellt, hebt sich oft ausserhalb ihrer Formen. Alle fühlen das. Es ist ein stummer, kaum ausgesprochener Kampf dagegen. Und sie klagen auch ihn an. Sie zeitigen ihn dieser Schwächen und Eitelkeiten." Denn:

"Seine größte Gefahr ist das Weib."

Adam Ritzhaupt (Erfurt) wirft Muck gefährliche Liebeslust und Romantik vor. Damit nähern wir uns dem Epizentrum, umschrieben mit Sexualität, freie Liebe, Ehe und Geschlechterfrage, dass die Gruppe im Februar 1921 auf der Leuchtenburg erschüttert.

"Einmal im Leben ein starkes inneres Erlebnis," sinniert Schriftsteller Gustav Schröer 1921 in der Eisenacher Zeitung zum Fall Muck und meint: "Das reicht in den meisten Fällen für den normalen Menschen aus." Doch es war nun einmal so, Max Pechsteins Liegender Akt mit Katze (1909) konnte die sexuellen Bedürfnisse von Muck nicht befriedigen.

Ein freies Volk basiert auf der gesunden Beziehung der Geschlechter, verkündete der Umtriebige 1918 in seinem Flugblatt Deutsche Volksgemeinschaft, Liebe vorausgesetzt, Irrungen und Wirrungen eingeschlossen. Und da passiert es: Käthe Kühl hatte "in den letzten Wochen in mehreren Städten Thüringens vor Wandervögeln öffentlich gegen Muck die Beschuldigung vorgebracht,

er beute seine Verehrerinnen geschlechtlich aus".

Sie wendet sich an Pfarrer Ritzhaupt in Erfurt. Gertrud Prellwitz erscheint sie in Mein Bekenntnis zu Muck-Lamberty (1921) als eine der drei Frauen mit denen Muck nacheinander in Verkehr gestanden hat. Ohne Hannas Liebe "wäre der Geist nicht über ihn gekommen, ohne sie", "hätte er nie so in den Kirchen predigen können." (Tetzner)

Hanna, die Muck - wie alle schon lange wissen - liebt und sich Vorwürfe macht, weil sie ihm nicht helfen kann, macht sich grosse Sorgen und erahnt offenbar den Umsturz der öffentlichen Meinung. Lisa Tetzner vertraut sie im Sommer 1920 an, dass Muck "so gefährdet" ist,

"weil er nicht treu sein kann.
Werden die Menschen das verstehen?"

"Da jedes der Mädchen", illustriert Harry Wilde (127) vielleicht etwas zu lax die Situation, "die einzige sein wollte, gab es einen schrecklichen Sturm. Muck hatte ein Tabu verletzt, dass liess sich nicht bestreiten, aber zu dem, was man ihm vorwarf, gehörten zwei. Tatsächlich waren die Mädchen ihm nachgelaufen, vor allem jene Erfurterin, die den Skandal auslöste, wenn er sich auch ihren Werbungen gegenüber nicht gerade taub gestellt haben dürfte."

Das Mädchen aus Erfurt, wie es oft rücksichtsvoll genannt wird, fordert in einem Brief (oder war es eine Anzeige? - das Wort fiel einmal) an die altenburgische Staatsregierung den Verweis von der Burg. Als Eugen Diederichs davon erfährt, setzt er am 11. Februar 1921 einen Brief an die für Jugendherberge zuständige Landesbehörde auf. Er gibt zu bedenken: "Es sind alles Arbeitslose, die da oben [auf der Leuchtenburg] versammelt sind, und wenn man sie auf die Strasse setzt, so ist niemand damit geholfen."

Indessen, die Sache muss geklärt werden.

 

Muck vor der Leuchtenburg. Motiv vom Notgeld aus Kahla 1921.

Text:
Was ist vom guten Vorsatz nun:
Mein lieber Muck, geblieben?
Zähl nur die Häupter deiner Schar:
Es sind statt sechse, sieben!

 

Es kommt der harte Tag (Tetzner). Es war der 9. oder 10. Februar 1921. In einem engen, holzgetäfelten Zimmer auf der Leuchtenburg finden sie sich zusammen. Zunächst vernehmen der Staatsminister und der Polizeileutnant Muck in rein geschäftsmäßiger Weise. "Ohne sich zu beugen stand die Schar hinter ihrem Führer und wies jeden Klatsch, der sich in die Angaben geschlichen hatte zurück. Was bestehen blieb war einfach.

Die blonde Hanna trug ein Kind von ihm, aus dem Willen zur Mutterschaft, weil sie ihn seit Jahren liebte und für ihn die Frau war, die ihn am höchsten zur Tat beschwingte. Sie liebte ihn schon in jener Zeit, als er noch ihrer Freundin gehörte, die Mann und Kind um ihn zu verlassen hatte und jetzt ein Kind von ihm besass. Aber auch die Klägerin hatte ihm nun ihre Liebe geschenkt." (Tetzner 1923,128)

Ein Gendarm tat seine Pflicht, nahm alles zu Protokoll.

Schweigend wie in einem Gerichtssaal sass die Neue Schar auf den niedrigen Holzbänken um den Tisch und wartete darauf dass Anklage erhoben wird. "Am Eingang standen Pfarrer, zur Seite die anderen. Vor dem Fensterbrett sass die, die ihn verriet. Ihr Auge war wie erloschen auf die Schar gerichtet". (Tetzner)

Eugen Diederichs aus Jena war heraufgekommen. Ebenso ein paar Jenenser Studenten. Die drei Pastoren, die in der Mitte saßen, waren in eine schwierige Lage geraten, weil sie ihre Kirchen der Neuen Schar geöffnet hatten. Waren sie etwa auf einen Narren oder Schwindler hereingefallen? Wie stehen sie denn jetzt vor ihrer Gemeinde da?

Zugegen ein Minister der Regierung Sachsen-Altenburg und ein Polizeioffizier. "Vor dem Fensterbrett sass die [gemeint ist Käthe Kühl], die ihn verriet." Anwesend ebenfalls Lisa Tetzner. Gustav Schröer, der in der Eisenacher Zeitung mit moralisch expandierenden Urteilen schnell zur Hand, war nicht gekommen.

"Die Verhandlungen waren sehr dramatisch,
zu Anfang ganz Ketzergericht,"

teilt Eugen Diederichs am nächsten Tag im Brief an eine junge Malerin mit.

Es folgt der nächste Akt, ein "Inquisitionsgericht von drei Pastoren" (Diederichs), "die sich verantwortlich fühlten, weil sie X. [=Muck] ihre Kirche Predigt geöffnet hatten und nun ihre Gemeinde Rechenschaft schuldig zu sein glaubten."

Es sprach ein Pfarrer, wahrscheinlich Adam Ritzhaupt aus Erfurt:

"Warum tatest du uns das an?" (Tetzner)

Neben ihm zwei Amtsbrüder. "Muck stand selbstbewusst auf." Er fühlte sich nicht als Sünder. Der eine Pfarrer fragte, ob er nicht Kants Sittengesetz kenne. "Muck verteidigte sich nicht. Er sprach nur von dem Recht jedes Einzelnen, nach seinem Wesen zu leben. Von den Bruch, der durch das Überlieferte geht. Von der Anfechtbarkeit der bürgerlichen Moral." "Seine Rede klang stolz und ehrlich." (Tetzner 1923, 129f.)

Die zwei Pfarrer stellte dies nicht zufrieden. Sie fürchteten, die Jugend wollte sich von der Überlieferung frei machen. "Es wurde deutlich," bemerkt Emil Fuchs (Eisenach) dazu (55), "dass Muck in der Frage des Sexuellen Auffassungen vertrat und bestätigte, die wir anderen nur als ein Vergessen der hier unbedingt notwendigen Verantwortung auffassen konnten."

Muck schwieg.

Schliesslich sprang einer seiner Jünger auf und sprach:

"Was du das sagst, Pfarrer, kann nicht richtig sein, denn dein Gesicht ist grämlich und krank ohne Leben." (Tetzner)

Zu Muck gewandt:

"Wir selber wollen von Dir, Muck, wissen, ob du, seit du unter uns bist, noch mit anderen Mädchen als diesen dich eingelassen hast, ob wir an dich glauben dürfen? Wie stand es mit dir und Maruschka?" (Tetzner)

Er wich aus.

Ausflüchte.

"Er bekannte sich nicht klar und rückhaltlos zu der Hemmungslosigkeit seines Wesens …" (Tetzner).

Die Verhandlung nimmt eine unerwartete Wendung. Die Jenaer Studenten, gereizt durch das "Pharisäertum der Ankläger", schlugen sich auf die Seite von Muck". Mit Aussprüchen Luthers, Meister Eckhardts und Nietzsche kamen sie ihn zur Hilfe. "Sie stellten die Freiheit des Christenmenschen, der bürgerlichen Moral gegenüber, die ihnen erstarrt und leer erschien. Sie waren Mucks warmherzige Verteidiger, die ihn liebten und ihm helfen wollten." (Tetzner) Es fallen die historischen Worte:

"Wir sind ringende Menschen,
und was hier geschieht und was hier erlebt wird,
kommt dem Ringen der ganzen Jugend zugute." (Nach Diederichs)

"Warum kommt ihr, anstatt zu helfen, nur um zu verdammen", rief einer von der Schar zu den Geistlichen.

Aus dem Hintergrund trat ein breiter, kräftiger Mann, der bisher geschwiegen hatte, der ruhig sagte: Lassen wir es genug sein. "Wir wollen nicht pharisäisch in unserem Tun werden. Was Muck fehlt, ist die Verantwortung gegenüber seinem Werke." (Tetzner)

Darauf tritt ein Pfarrer hervor, gibt Muck die Hand und sagt zu ihm:

"Ich kann dich nicht verdammen."

Die Zusammenkunft löst sich auf, einer nach dem andern verlässt die Stube.

Dann spricht die Gemeinschaft mit der, die sie durch ihren Verrat auseinandertrieb. Käthe Kühl hatte mit ihrem Brief an die Landesregierung vielen Mitgliedern der Gruppe, die mit der Liebelei ihres Anführers nichts zu schaffen hatten, in ernste Schwierigkeiten gebracht.

"Als die Vernehmung Mucks anbrach", beobachtet Lisa Tetzner (1923), "wusste es schon die ganze Schar, denn als sie ihn angezeigt hatte, kam sie zurück und gestand freimütig. So hielt man auf der Leuchtenburg nicht nur über Muck moralisch Gericht. Es war ebenso ein Urteil über den Verrat eines Gruppenmitgliedes zu finden. Allein Diederichs durfte dem als Fremder beiwohnen. Kein Vorwurf kam an sie über die Lippen. Nur ein Verstehenwollen!

".... und als sie ausrief: Ich bleibe aber bei euch, nickten sie stumm und reichten ihr die Hand." (Tetzner)

Eugen Diederichs unternimmt mit der jungen Frau einen kleinen Spaziergang durch den Hof, um, wie er es ausdrückt, "ihr Achtung beizubringen vor der Aufgabe des Mannes".

Abendbrotzeit. Zuvor spricht Eugen Diederich mit Muck unter vier Augen. Doch sie redeten aneinander vorbei. Der Verleger gewinnt die Überzeugung, dass "er nie zur Reife eines Mannes kommen wird", weil er ein "typischer Schwärmer". Derweil deckt die Gruppe den Tisch ein. Käthe hilft. Niemand wies sie fort, "und demütig saßen sie alle in Brüderlichkeit um die viereckige Tafel, der ein hölzerner Leuchter spärlich Licht gab." Bei der gemeinsamen Abendtafel gab es Apfel und Brot. Alle schweigen. Dazwischen der unangestrengte und lockere Wortschwall eines kleinen anwesenden Kindes.

 

Nachforschungen, so versichert die Schriftleitung vom Blatt der deutschen Jugend später, bestätigten die Anklage gegen Muck. (JM 21, 4, 59) Obwohl

"doch seine Amourschaften halb so schlimm,"

gibt Harry Wilde (1899-1978) am 1. Oktober 1971 im Brief an Werner Kindt zu bedenken.

"Nicht er warf sich den Mädchen an den Hals, sondern sie ihm. Ich versuchte auch den Eklat zu verhindern. Es war ein Mädchen aus Erfurt, die er, die besser ihn verführte und die dann aus Eifersucht zu Pfarrer Fuchs in Erfurt lief und berichtete." [Pfarrer Fuchs lebte in Eisenach. Gemeint ist wahrscheinlich Pfarrer Adam Ritzhaupt.]

Das beurteilt Pfarrer Adam Ritzhaupt in der postum zur Leuchtenburg-Affäre erschienen Schrift Die Neue Schar in Thüringen (1921) völlig anders. Für ihn liegt die Verantwortung und Schuld allein bei Muck. Der reagiert darauf am 24. April 1921 in einem Brief tief enttäuscht mit den Worten:

"Ein tiefes Weh ist in mir, wenn ich seh, wie rasch ein Mann über den anderen urteilt und schreiben kann."

Er fragt:

"Viele Gedanken sind von dem Mädchen, das gegen mich Aufstand. Warum habt Ihr nicht wo alles lichter ist, bei Hanne und Trude?!"

Und nur schwer kann er seine Entrüstung verbergen: "Ich will Euch nur bitten, doch noch den ganzen Einfluss dahingehend geltend zu machen, dass die Unwahrheit aus Euerer Schrift bleibt. Ich kann mir nicht denken, dass es Euch als Gottessucher und Pfarrer darum zu tun ist, mich und mein Schaffen mit Hilfe der Lüge zu vernichten."

So schenkte er dem Erfurter Pfarrer "klaren Wein" ein. Drei Tage später wendet er sich an den Verleger der Schrift, Eugen Diederichs in Jena. Ihn stört, dass er sein Verhältnis zu dem Erfurter Mädchen an die Öffentlichkeit zerrte. Ritzhaupt hätte, sich an Hanne und Trude wenden können, ja müssen, um zu erfahren, wie es wirklich war. Dies ist "eine Unterlassungssünde von großer Tragweite und Bedeutung". Da will man ihm beitreten. Nach der Veröffentlichung der Schrift Die Neue Schar in Thüringen (1921) von Adam Ritzhaupt, zerbricht das gute Verhältnis zu Eugen Diederichs.

Gegenüber Muck bestand eine gewaltige Erwartungshaltung. Die blonde Hanna sprach sie im Geist der Gruppe kurz und schlicht so aus:

"Muck, weißt du, dass alle Menschen um uns nach dir sehen, dass du dich vor ihnen verantworten musst mit deinen Taten? Lass all dein Tun so sein wie deine Worte. Weiche nicht ab, die Menschen glauben an dich. Halte dich frei von dem Wunsche, gefallen zu wollen, überwinde dich selbst, denn du hast eine Sendung von Gott. Muck, wir glauben an dich." (Tetzner 1923, 123f.)

Mucks Fehler war, dass er sich der gewaltigen Erwartungshaltung, die ihm 1920/21 entgegenschlug nie voll bewusst war.

Die Staatsregierung von Sachsen-Altenburg fordert den Anführer der Werkschar am 12. Februar 1920 schriftlich auf, die Leuchtenburg umgehend zu verlassen, worauf der am selben Tag antwortet:

"Mit Rücksicht auf das meinen Menschen angehängte unsittliche Verhalten, werde ich in den nächsten Tagen die jetzt innewohnende Räume des Torgebäudes auf der Leuchtenburg verlassen …"

"Ich bin nur bewusst, dass ich so lange eine öffentliche Meinung über mich dermaßen ist, ich nicht in der Jugendherberge wohnen kann."

Wenn wir aber auf die Straße gesetzt werden, sind wir brotlos, fürchtet Muck, und bittet um einen Aufschub. Auskunft über uns, so fährt er fort, kann Eugen Diederichs aus Jena geben. Der hat "volles Verständnis für die Jugendbewegung".

Der Obmann der Jugendherberge untersagt den jungen Leuten ab dem 17. Februar 1921 den Aufenthalt auf der Leuchtenburg.

Ein Jahr später teilt das Naumburger Tageblatt wahrscheinlich nach einer Textvorlage von Muck-Lamberty mit:

"Im Frühjahr 1921 wurde die Neue Schar durch Verleumdung und durch falsche Spieglung der Wirklichkeit und durch Nichtverstehenkönnen auf Beschluss der Jugendherberge und durch die Gebietsabteilung Altenburg von der Leuchtenburg verwiesen." (Kahla, 28.4.1922)

Darauf antwortet Albert Kretschmann, Obmann der Leuchtenburg-Herberge:

"Die Altenburger Regierung wies ihn nun im Einverständnis mit der Leitung der Jugendherberge aus wegen Übertretung der Hausordnung und Erregung öffentlichen Aergernisses. Also nicht aus Verleumdung und falscher Spiegelung der Wirklichkeit und durch Nichtverstehenkönnen." (Kahla, 5. Mai 1922)

Muck erlag, wie Lisa Tetzner 1923 mit ironisch-kritischem Beigeschmack feststellt, dem Weib. Nicht nur das. Die

Hausordnung

stand ihm im Wege. Was hätte ansonsten aus der Neuen Schar noch werden können?

Nachdem am 16. Februar 1921 im Jenaer Volksblatt unter der Überschrift Der Messias der Leuchtenburg ein Muck-Spezialist, wie ihn die Redaktion nennt, mit einerseits eindeutig falschen und andererseits fraglichen Informationen zum Leuchtenburg-Skandal zu Wort gekommen war, antwortete zwei Tage später in derselben Zeitung der Maler und Grafiker Georg Kötschau (1889-1976) unter dem Titel

Muck-Lamberty und wir:

"Das Geschehen auf der Leuchtenburg ist tragisch. Viel zu groß und fein, um hier breitgetreten zu werden. Nichts war da schmutzig."

Am Donnerstag, den 17. Februar 1921 verlässt die Neue Schar die Leuchtenburg. "Jetzt ziehen die Faulenzer ab", riefen ihnen einige auf dem Weg zum Bahnhof hinterher. Doch die sie kennenlernten, wissen es besser und widmen ihnen ein Flugblatt. "Ihr Kahlaer", rufen sie sie an: "Mit Freuden denken wir an die schönen Gemeindeabende, die wir mit den Leuten der Schar verlebten, und an den bunten Sommer, den sie uns brachten. Wir stehen zu ihnen und werden bemüht sein, dass was sie uns hinterlassen haben, in uns zu pflegen, ja über sie hinauszuwachsen zu dem, was sie uns lehrten:

"Werdet nicht wie wir, werdet Eigene, geht Euern Weg, spürt Euer Schicksal und tragt es, aber lasst uns, wir sind nur Vorläufer, Menschen, die sich auch irren, aber ringen und kämpfen."

Vorübergehend kommt Muck bei Doktor Johannes Otte in Jena unter.

 


Kritik. Tollereien. Lügen.  nach oben

Nach dem Ketzergericht im Februar 1921 bleibt Eugen Diederichs noch für eine Nacht auf der Leuchtenburg. Vor dem Einschlafen grübelt er über der Frage, "was würde ich tun, wenn ich die Angelegenheit zu lösen hätte, menschlich und staatsverantwortlich. Menschlich würde ich sagen: Sexuelle Dinge, das heisst die seelischen Schwingungen zwischen den beiden Geschlechtern, gehen den Staat überhaupt nichts an, sie sind völlig Privatsache." Tags darauf teilt er dies per Brief Sr. Exzellenz Kultusminister Mehnert in Altenburg mit. So könnte dann die ganze Chose frühzeitig in den Abgrund der Bedeutungslosigkeit donnern.

Doch es kam anders.

 

Die Leuchtenburg
(um 1920)

Richard Hauenstein,
Altenburg, Sachsen-Anhalt

Wie ein Blitz schlug die Kunde von seinem Sturz ein. Noch 1976 ist Otto Rudolf Wiemer gegenwärtig: "Es mag Mitte Februar oder März [1921] gewesen sein, da ging die Nachricht von Mund zu Mund, dass Muck-Lamberty samt seiner neuen Schar von der Leuchtenburg verwiesen worden sei."

Im Februar-Heft 1921 überbrachte das Blatt der deutschen Jugend und die Stimme des neuen Jugendwillens Junge Menschen (Hamburg) ihren Lesern die Tataren-Meldung:

Muck von der
Leuchtenburg verwiesen!

Wohl attestiert die Schriftleitung der Neuen Schar, dass sie die Probe auf das neue Gemeinschaftsleben bestanden. Doch Muck hat "mit der ihm eigenen dämonischen Gewalt mehrere Mädchen so in seine Gewalt gezwungen, dass der Verkehr mit ihnen in drei Fällen nicht ohne Folgen geblieben ist."

Lüstling, Wüstling, Verführer, Schwindler, Tempelschänder, Lügner, Vagabund und falscher Prophet rufen ihm seine Gegner hinterher. Ihr Motto lautet: Keiner ist unnütz, er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen.

Die thüringische Presse, referiert im März 1922 das Neue(s) Wiener Journal, nahm zusammen mit Professor Friedrich Lienhard (1865-1929) und dem Dichter Gustav Schröer (1876-1949) den Kampf gegen Muck auf. Ähnliches hörte man über Medizinalrat Doktor Wedemann (Eisenach) und Studienrat Becker (Erfurt).

Muck-Lamberty von der Leuchtenburg verwiesen!,

titelt das Jenaer Volksblatt am 15. Februar 1921. So erfahren jetzt die Leser: "Die Schar hat die Probe auf die Lebensweise und Lebensart bestanden, dagegen hat Muck Lamberty, der öffentlich gegen Unsittlichkeit ausser in der Ehe eiferte, in drei nachgewiesenen Fällen, von denen zwei nicht ohne Folgen außerhalb der Leuchtenburgzeit liegen, mit drei verschiedenen Mädchen Geschlechtsverkehr gepflogen. Seine Auffassung scheidet sich grundsätzlich durch Mangel an Verantwortlichkeit gegenüber den Folgen und den Auffassungen der meisten Leute."

In derselben Ausgabe erhält ein Muckspezialist mit dem Kürzel "S & H" das Wort. Gleich purzeln die Vorwürfe: komfortables Winterquartier, Landstreichertum, Tanz-Terror, reich gefüllte Geldsäcke, freie Liebe und von Dirnen umgeben.

Der Maler und Graphiker Georg Kötschau schlägt drei Tage später im Jenaer Volksblatt unter dem Titel

Muck-Lamberty und wir

eine Bresche für die Wahrheit: "Seit zehn Jahren Jahren kenne ich Muck und kenne seine Entwicklung .... kenne auch Mucks Fehler ... und weiss trotz allem nur das Entscheidende: Muck ist gewachsen und wächst noch." Fritz Steudtner (1977) sagt in einer biographischen Studie über den Autor: "Kötschau war ein Mann von grossem Wissen. Es war erstaunlich, womit er sich beschäftigt und gründlich auseinandergesetzt hat. Man konnte anschlagen, was mann wollte, er stand Rede und Antwort und hatte sich eine Meinung gebildet." Und so war es auch im Februar 1920 als er dem Studienrat Unwissenheit nachwies, den Vorwurf der freien Liebe ad absurdum führte und den Begriff Dirne in der Kloake versenkte. Über S & H [Schweder & Hertzsch in Rudolstadt] schimpfte er:

"Die Macher dieser Korrespondenz
sind Dreckspezialisten ihrem Tun nach.
Sie verdienen ihr Geld mit Schmutzigkeit und
leben davon."

".... wer Muck beschimpft und beschmutzt," endet Kötschau, "handelt schlecht, und Muck ist ihm gegenüber auf jeden Fall zu verteidigen.

.... Und nun ist es so: Erst wollte ich morgen, am Donnerstag arbeiten, aber nun bin ich doch morgen auf der Leuchtenburg, um Muck das Geleit zu geben."

Der schwere Angriff auf S & H von Georg Kötschau bleibt seitens der Redaktion nicht unwidersprochen. Doch immerhin bietet sie Hubert Meyer aus Altenschildeschen Gelegenheit für eine weitere Stellungnahme, der dem Mann von der Leuchtenburg ein

"Heil Muck!"

entbietet, um sogleich mitzuteilen:

"Ich war am Dienstag [den 15. Februar] bei ihm und seiner Schar und kann nur sagen, dass mir nur dieselbe klare und tätige Persönlichkeit entgegengetreten ist wie ehedem hier im Volkshaussaal [von Jena]. Nicht so, dass nun Hochmut aus ihm spräche, sondern es strömt aus ihm die alte Kraft, die die Menschen in gegenseitiger Liebe und Achtung versöhnen will. Und hat er nicht Erfolge in dieser Richtung erzielt? - Freunde ringsherum sind zwar weniger geworden, aber sie wissen und empfinden heute stärker denn je, was er ihnen gegeben hat Mut und Vertrauen zu einer lebensfrohen Zukunft. Sollte man in Ansehung dieses von ihm gestärkten Glaubens, den wir ja so notwendig brauchen, nicht zurückhaltender sein mit herabsetzender Kritik - trotz aller möglichen menschlichen Fehler? Sollte ihm nicht gerade jetzt alles Heil gewünscht werden?"

 

"Eine Jugendbewegung ist zusammengebrochen", instruiert Friedrich Lienhard am 28. Februar 1921 das Publikum der Berliner Zeitung.

"Der Heilige Muck von der Leuchtenburg", textet am 10. März 1921 die Freie(n) Presse (Berlin).

"Wiedermal um Muck", meldet Der Zwiespruch (1921, 35).

Schriftsteller und Bezirksjugendpfleger Gustav Schröer (Erfurt) befindet in der Eisenacher Zeitung (15.2.1921) über den Fall Muck: "Die Jugend verkenne nicht, dass Schwärmerei und grosse Worte dazu führen, dass man sich selber belügt." Er bezeichnet Muck glattweg als Schwindler.

Es ist noch nicht ausgemacht, wann die "geistige Massenseuche erlöschen wird." "Sie ist uns", klagt im März 1921 Doktor Alouis Oberhummer in der Linzer Tages-Post, "ein Beweis des Tiefstandes der deutschen Moral".

Von der katholischen Jugend bläst der Neuen Schar ebenfalls heftig der Wind ins Gesicht. In der Oktober-Ausgabe 1920 von Die Kommenden warnt sie:

"Darum haltet euch fern von jenen Vereinen, die nur dem Sport und dem Vergnügen dienen und dabei leider allzu oft den Tag des Herren entweihen und durch unchristliches Genießen das Leben junger Männer entwerten." (Hinein)

Georg Wilhelm Schiele (1868-1932), der von Wolfgang Kapp im März 1920 als Wirtschaftsminister für die Putsch-Regierung nominiert, formuliert 1925 (4) in den Naumburger Briefen die Kritik des Stahlhelmflügels der Deutschnationalen an der Jugendbewegung nach Art der Neuen Schar:

"Jugend will Erziehung. Sie sucht den Führer, die erziehen können. Sie will in Form kommen, wie Spengler sagt. Sie will nicht Zügellosigkeit, Anarchie, Chaos, Unglauben, Skepsis. Davon sieht sie genug. Sondern sie will Dienst, Ordnung, Befehl, feste Formen, dahin sie ihr stürmisches Leben ergießen will. Sie sucht einen Glauben, eine Idee, ein Ziel, eine Wahrheit, welche Ewigkeitswerte hat."

Muck, gewissen deutschnationalen Ideen durchaus zugeneigt, bringt derartigen Ansichten keine Sympathien entgegen. Mit der Wahl seines Wohnsitzes 1921 in Naumburg, trifft er, obwohl man es vielleicht anders vermuten könnte, auf ein ungünstiges Umfeld für die Entfaltung seiner Vorstellungen zur Organisation der Jugendbewegung.

Eine konstruktive Haltung zum Leuchtenburg-Skandal nimmt Eugen Diederichs im Aufsatz Muck, die Jugend und die sexuelle Frage (April 1921) ein und lenkt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Verhältnis der Generationen:

"Der Fall Muck Lamberty ist nicht nur typisch für das Fühlen und Wollen der Jugendbewegung, sondern wirft auch tiefe Schlaglichter auf die Notwendigkeit, wie weit ihr die ältere Generation zur Seite zu stehen hat."

Nicht alle seine Anhänger und Begeisterten sehen einen Grund "in das Entrüstungsgeschrei der bürgerlichen Jugendbewegung mit einzustimmen." Bruno Eckardt äussert im April 1921 Zum Fall Muck in Junge Menschen (1921, 8, 123):

"Nun wohl, der Führer fiel, wie in einer Gralssage Amfortas an der Spitze seiner Ritterschaft, durch eigene Schwachheit. Wo sind die, die in die Bresche springen? Wo sind die, die mit Treue die Schuld des Führers sühnen, anstatt mit vielen Worten sich zu entrüsten und "mit aller Deutlichkeit" von ihm abrücken?

Thüringer. Ihr, Neue Scharen, werdet Ihr
die reine Sachen hochhalten. Trotz alledem!

Habt Ihr den wahren Mut, den nun um so vieles erschwerten Kampf mit umso blankeren Waffen weiterführen? und dennoch!? Bei diesem Hoffen werde ich bleiben."

 

Die Führer-Frage

Mucks Talent mit Kindern zu spielen, mit den Menschen zu kommunizieren und die enorme Aufmerksamkeit, die die Öffentlichkeit der Tanz- und Spiel-Company in Franken und Thüringen entgegenbrachte, trieb die Führer-Frage empor. Interessanterweise gibt es kaum eine Textstelle in den Reden, Briefen und Mitteilungen, wo er als Person den Anspruch auf Führung (eines Teils) der Jugendbewegung erhebt. Und trotzdem, oder eigenartiger Weise, könnte man zunächst sagen, spielt sie in der Kritik eine exponierte Rolle. Es ist besonders die F ü h r e r f r a g e, die Mucks Gegner immer wieder heftig erregt.

Es war ein latentes Problem, etwa in der Weise wie es Max Bondy (1892-1951) im Februar 1919 aussprach, dass den Freideutschen "der grosse Führer fehlt, der ganz von ihrem Wesen erfüllt, ihr die Wege weist, die sie heute und künftighin gehen muss."

Zum anderen gab es für die heisse Debatte zur Führerfrage zwei Ursachen, die in Mucks Selbstdarstellung und Denken zu suchen sind:

[A] "Er selbst sprach", wie bei Lisa Tetzner (1921, 773 ff.) in Selbstlose Brüderlichkeit überliefert, "von sich wie ein Johannes der Täufer: Ich bin nicht den Menschen verantwortlich, sondern dem, der mich gesandt hat. Ich komme im Namen Gottes und bereite nur einem die Wege, der nach mir kommt."

So provozierte er praktisch die Frage, ob er vielleicht ein religiöser Führer sein könnte.

Mithin als Erste setzte sich damit Else Stroh auseinander. Wohl verstand er es, hebt sie 1921 in der Tat (134 ff.) hervor, die Naturhaftigkeit und das reine Lebensgefühl unmittelbar zu spiegeln. Doch das sein Auftreten einer gewissen Emphase bedarf, "beweist eben seinen Mangel an stärkeren innerlichen Fähigkeiten." Es ist deshalb fraglich, ob er "den Anspruch erheben könnte, als religiöser Führer zu gelten". "Innerlich voll gelebtes Leben an sich", die Mucks Schar zugesprochen werden kann, bedeutet "aber im wesentlichen Sinne noch nicht wahre Religiosität". "Darum müssen wir es ablehnen, Muck als religiös begnadet und schöpferisch anzusehen, sondern wir müssen ihn

als Menschen der jungen Generation
erkennen, in dem der Wandervogel
besonders lebendig geworden ist …. "

Junge Menschen (Hamburg) veröffentlicht den Brief von Eugen Diederichs (Jena) vom 10. Februar 1921 an den Kultusminister des Landes Sachsen-Altenburg, dem administrativ die Leuchtenburg untersteht. Der paternalistische Duktus des Textes wäre uns heute lästig, entspricht aber dem damaligen Umgang zwischen älterer und jüngerer Generation. Bald erinnert der Bittsteller an die Begegnung mit Muck auf dem Meissner 1913. Dann fällt der Pate und ältere Freund der Jugendbewegung, wie er sich nennt, das Urteil:

Muck ist nicht der Mann, "der eine religiöse Bewegung in Thüringen führen könne", weil er "ewig infantil bleiben wird", "weil er nie das letzte Verantwortungsgefühl haben wird".

[B] Die Lage ist widersprüchlich. Einerseits verbalisiert Muck für seine Person keinen Anspruch auf Führung. Andererseits artikuliert seine Lehre von den jungen Predigern (1919) das Bedürfnis der Jungen auf Führung. Die Alten, Kalten und Kasten hatten versagt. Sie konnten nicht, nach Mucks Erfahrungen in der Revolutionszeit, zur "Genesung vom Fieber" beitragen. Helfen kann nur die Verjüngung des politischen Lebens. "Die neuen Leute sind nicht jung, sind nur in andere Mäntel gekleidet und haben nicht die Welle, der frischsprudelnden Quell der Jungnaturen ..... ", urteilt er im Januar 1919 in Junge Menschen (Hamburg). "Wiederum sind die Klugen am Werke, die kalten zuschauenden Geister". Von ihnen ist nichts zu erwarten. Denn sie haben "kein Heimatschwingen, haben kein junges Klingen mehr im Blute". Deshalb braucht es der Jungnaturen und jungen lebendigen Prediger. Ihnen spricht Muck Mut zu: "Wir brauchen uns nicht zu ängstigen; wir haben das Volksempfinden, das Tiefste im Volke, das Herz zum Volke, die feinsten Kreise innerlichen Lebens für uns,

weil wir die jüngsten Führer im Volke sind,
weil das Volk in uns zu leben vermag,
und weil wir im Volke wurzeln."

Sui generis war damit ein massenpsychologisch wirksamer Führungsanspruch artikuliert und der sich nun mit dem Zug der Neuen Schar durch Franken und Thüringen, fürchten seine Gegner, Bahn bricht.

Friedrich Lienhard läutet am 28. Februar 1921 in der Berliner Zeitung aus:

"Dieser Mann ist nicht zum Führer berufen" und hat als Lebensreformer "versagt".

Energisch fordert Junge Menschen (1921, 7, 106) - Hamburg:

"Hinfort darf Muck nicht die Führerrolle spielen,
in der er sich immer noch gefällt."

Gustav Schröer (1921) - Erfurt:

"Dass er ein Führer sein werde, habe ich immer bezweifelt; für einen Rufer habe ich ihn gehalten."

Später wird dies immer wieder aufgegriffen. Beispielsweise 1998 in Kronacher Heimkehr und Wiederfinden: "Das alles wäre nicht so schlimm gewesen, aber Muck, die Seele des Ganzen, zeigte, dass er im Grunde kein Führer war, sondern ein Verführer." - Eigentlich waren die treffenden Worte schon längst gefunden, er war ein Mensch der jungen Generation.

 

Die Kommerz-Lüge

Als die Unentwegten ihre Wanderung begann, unterlagen noch viele Lebensmittel der Rationierung. Erst die Verordnung vom 7. August 1920 hebt die Gültigkeit der Reichsfleischkarte zum 20. August 1920 auf. Ihre weitere Verwendung in der Gemeinde bleibt nach Maßgabe der Länder zulässig. Mit den zugeteilten Brot- und Fleischmarken musste die Gruppe also sorgsam und sparsam umgehen. Walter Kotschnig (1920), der mitgewandert, fragt: "Wovon die Leute leben?" und antwortet:

"Das Wenige was sie in ihrer Anspruchslosigkeit - sie sind alle Vegetarier - brauchen, geben ihnen die Leute wieder, denen sie sich verschenken. … Sie brachten nicht viel, doch brachten sie uns in ihrer gebefrohen Liebe ihr Letztes."

Gelegentlich arbeitet sie beim Bauern, um ihre Haushaltskasse aufzufüllen. Öfters erhalten sie kleine Spenden und in den Städten manchmal ein Freiquartier.

Dass sich auf der Wanderung eine "immer stärker werdende Gemeinschaft" bildete, "die unter völliger Ablehnung alles äusserlich Schlechten und Unnötigen eine franziskanische freiwillige Armut auf sich nahm und durchführte, erscheint mir," zeichnete Lisa Tetzner ihre Erlebnisse 1921 (775) auf, "der entscheidende Wert der neuen Schar".

Einmal, als in Coburg [5. bis 9. Juni] am Abend der Magen seine Rechte forderte, "löste Muck das Ernährungsproblem auf elegante Weise. Er forderte die Coburger auf, je ein Mitglied seiner Schar mit nach Hause zu nehmen. Minuten später", erzählt Harry Wilde (1965, 117), "stritten sich Frauen um den letzten jungen Mann und das letzte Mädchen."

Eugen Diederichs (Jena), Initiator des Sera-Kreises, Organisator der zwei Lauensteiner Tagungen zur Erneuerung Deutschlands im Jahr 1917, Mitglied des Landtages von Sachsen (1920/21), bezeugt im Oktober 1920 in der Monatsschrift für die Zukunft deutscher Kultur und Politik Die Tat: Sie leben in an Armut grenzender Bescheidenheit, ernähren sich vegetarisch, rauchen nicht, feiern ohne Alkohol und "schlafen unter dem Sternenhimmel, trockenen Brot zumeist aus Tannennadeln dazu, ab und zu einige Ruhetage, im Ganzen unterernährt".

Und trotzdem behauptete der Magdeburger Generalanzeiger, den Ulrich Linse (1983, 100) unkritisch wiedergibt, dass sie sich "die Taschen mit Lebensmittel und Geld vollstopfen" und zum "Abschluss der Fischzuges Versammlungen" abhalten, "die ihn in manchen Städten 2 000 bis 3 000 Mark an Einnahmen bringen".

Die Kommerz-Lüge streute wahrscheinlich die Deutsche Journalpost der Firma Schweder & Hertzsch in Rudolstadt als sie textet: "Auch er [Muck-Lamberty] beansprucht mit seinen Leuten selbstverständlich Freiquartiere, lässt sich die Taschen mit Lebensmitteln und Geld vollstopfen und veranstaltet dann zum Abschluss des Fischzuges Versammlungen, die ihm in manchen Städten 2-3 000 Mark Einnahmen bringen." (Die Neue Schar - Mörder?)

89 Jahre später taucht die Kommerz-Lüge in der Literatur ohne kritischen Beitext erneut auf. Eine leichtfertige Äusserung, die ihr Engagement und Lebensart verkennt. Neue-Schar-Mitglied Willi Wismann entgegnete bereits im August 1920 in Junge Menschen:

"Und wovon wir leben, möchtet ihr nun wissen?"

"Zunächst einmal warfen wir alles was wir besaßen zusammen. In den Dörfern arbeiten wir entsprechend unseren beruflichen Fähigkeiten bei den Bauern und Handwerkern, in den Werkstätten, im Garten und auf dem Felde. Dafür bekommen wir dann Essen und Unterkunft. In den Städten allerdings, da lassen uns die Kinder zum Arbeiten keine Zeit. Wir sind nun 20 Jungs und Mädels - um uns herum oft 1500 bis 2000 Kinder. Die wollen uns dann ganz. So sind wir denn in den Städten auf die Gastfreundschaft der Leute angewiesen, die uns aber auch gerne gewährt wird."

 

Ein Mann mit Brandgeruch

"Von vielen Seiten wurde er als Oberflächlich angefeindet", steht bereits im Erlass des sächsischen Innenministeriums vom 8. Dezember 1920. Immer wieder repitieren Mucks Gegner diesen Vorwurf in vielen Varianten. Friedrich Lienhard zweifelt in der Berliner Zeitung vom 28. Februar 1928 gar an, "ob er einer geistigen Vertiefung fähig sei". Erich Matthes (1962) nennt ihn einen Schaumschläger.

Es ist wohl wahr, die Schule eines examinierten Lehrers durchlief er nicht. Und die Methoden seiner Kopfarbeit formte nicht die wissenschaftliche Arbeit. Auch umgab ihn nicht die Aura eines Professors für Germanistik oder Philosophie. Das war ihm selbstverständlich bewusst. Max Schulze-Sölde (1887-1967) gesteht er: "Sprechen ist meine stärkere Art ...."

Wer war Friedrich Muck-Lamberty? Rudolf Wiemer (1905-1998) kann uns helfen, die richtige Antwort zu finden: "Muck Lamberty war Drechsler von Beruf und hätte bei seinen Brottellern, Eierbechern und Leuchtern, bei Nussbaum, Ahorn und Lindenholz ein stilles, eingezäuntes Leben führen können, wenn nicht der Blitz einer wie immer gearteten Berufung ihn getroffen hätte. In der Tat es muss Derartiges gewesen sein. Denn es ging eine

Art Brandgeruch von ihm aus,
etwas erregend Mitreißendes." (21)

Muck war Verkäufer, Filialleiter, Drechsler, Gesundheitsapostel, Weltenbummler, Initiator der Neuen Schar, Wanderführer, Kinderfreund, Organisator, Prediger, Redner, Kaufmann und Unternehmer. Zuerst und vor allem war er ein geschickter, fleissiger Handwerker mit kaufmännischen Geschick.

 

Der Aufrüttler

Ähnlich wie Rudolf Wiemer, beleuchtet Professor Johannes Resch (1921) die entstandene Lage: "Wenn sich die Jugend zum Teil von Muck wendet, weil sie von ihm enttäuscht sei als von einem, der mehr versprochen habe, so beweist sie damit nur, wie wenig Witterung für das Neue und wie wenig inneren Halt sie bisher besessen hat. Alles, was von der Jugend nur einen Funken inneren Selbständigkeit hat, wird bei dieser ersten Belastungsprobe nicht wie eine Schafherde auseinander fahren, sondern sich von dem starken Aufrüttler Muck einmal auch durch seine Taten gründliche aufrütteln und aufrufen lassen, dem furchtbaren Problem der Geschlechtsnot radikal, d.h. von der Wurzel aus, zu Leibe zu gehen, und nicht eher zu ruhen, als bis sie es - gleichviel ob mit Muck oder ohne ihn - aus dem Schlamm der Heimlichkeit und Heuchelei ans helle Tageslicht der Wahrheit und Wahrhaftigkeit gezogen hat."

 

Bestrebungen für ein Verbot der Neuen-Schar

Einige Gegner rufen direkt zum Kampf gegen Muck auf. Im Aufsatz Der Messias der Leuchtenburg, veröffentlicht am 16. Februar 1921 im Jenaer Volksblatt, beklagt der Autor S & H, dass, was durchaus plausibel, viele Menschen Druck zur Modernisierung verspüren. Muck nutzt dies aber durch folgende an Erpressung grenzende Anwerbungspropaganda aus:

"Wenn Du mir nicht nachgehst, so bist Du ein reaktionärer, alter Stubenhocker, so bist Du unmodern, so fühlst Du den Hauch der neuen Zeit nicht."

"Die Anklage, unmodern zu sein, ist für viele unter uns die furchtbarste Bedrohung, stellt den meisten von uns das Verächtlichste vor, dass sie sich denken können." Das ist seine schärfste Waffe, ätzt S & H. Deshalb "… erscheint es hohe Zeit, dass vor allem den Schulen und Seminaren die weitere Beteiligung an den Neuen-Schar-Bestrebungen nachdrücklich untersagt wird und dass man ihnen nicht - wie das hier und da geschehen ist -, auch noch die Kirchen und Schulen für ihre eindeutigen Zwecke zur Verfügung stellt."

 

Elende Pharisäer und Heuchler!

Muck stehen nicht nur Gegner wie Wilhelm Siegmeyer, Emil Engelhardt oder Gustav Schröer gegenüber. Nicht alle reagieren so drastisch. "Was Muck als Person getan hat, geht mich nichts an", teilt ein Vertreter der Arbeiterjugend als Nachwort auf die Anti-Muck-Kampagne mit. "Es ist seine Sache, wie er seine Reden mit seinen Handlungen vereinbart." (Eckhardt JM 1921, 8, 123)

Ähnlich handhaben es einige Jungen von Kahla im Flugblatt vom März 1921: "Wir glauben ihm auch, wenn er für die Reinheit der Beziehungen der Menschen sprach, und wollen es seinem eigenen Gewissen überlassen, sich mit seinem Gott auseinanderzusetzen über Recht und Unrecht."

"Er bezeichnet sich und wird als Gottgesandter bezeichnet.

O Maria hilf!",

rufen Die Naturfreunde vom Gau Thüringen im April 1921 aus. Dann aber beschreiben sie die Eckpunkte vom Fall Muck. Noch Ausgang 1920 druckte der sozialdemokratische Vorwärts den Brief eines Jenaer Arbeiters, der mit Heil Muck! Ausklang. "Auf einmal ist es anders. Das Heil Muck wurde zum "Steinigt ihn!". Und eigenartig: die ihn am meisten priesen und als Messias hochjubelten, werfen jetzt den dicksten Dreck auf ihn. Denn der Messias entpuppte sich als normaler Mensch. Er [Muck]

ist über die bürgerliche Moral gestrauchelt, wurde Vater. Das genügt, ihm nachzuspeien."

Über die "Verkehrtheit der Lehren Mucks" hegen die Arbeiterjugend aller Richtungen und Naturfreunde keinen Zweifel, umso mehr aber an der unsachlichen Kritik, die durch das Land schwappt. So lassen sie dann ihren Unmut heraus: "Es liegt uns nicht, zu untersuchen, was Muck verbrach und was für besondere Eigenschaften er hat, die den Ehrendienst des Bespeiens auslösen. Die Art, wie es geschieht, von seinen umgekrempelten Verherrlichern geschieht, zwingt zur Kritik.

Elende Pharisäer und Heuchler!

Ein altes Wort sagt: Einer gefallenen Größe versetzt die Gemeinheit gern einen Tritt. Hier trifft's zu!" (NF)

Über die Kritik vergessen die Naturfreunde nicht den moralischen Anstand, lassen manchmal sogar Zuneigung zum Geschlagenen erkennen.

"Armer Muck, Dich so leiden zu sehen",

trösten sie ihn. Vielleicht ist eine Prise Ironie dabei, wer will das genau sagen? Und doch war ihre Verteidigungsrede unbedingt ehrlich gemeint, erinnerten sie doch zuvor an sein Engagement für die Jugend. Den Höhepunkt erreicht das Plädoyer der sozialistischen Umwelt-, Kultur-, Freizeit- und Touristikorganisation (NF 1921) in der Aussage:

"Er ist ein Eigener. Er ist Revolutionär insoweit, als er seine Ideen zur Tat werden lässt. Er ist Kommunist, durch seine Lebensgemeinschaft in der Gemeinschaft seiner Schar. Er ist sogar ein Mutiger."

Aus dieser Kritik, das gab es auch, spricht Achtung, Anerkennung und das Bemühen um einen fairen menschlichen Umgang. Das trifft für einige Gruppen der Wander- und Arbeiterjugend zu. "Nicht Muck, sondern seine Lehre zwingt uns zur Gegnerschaft. Deshalb: Wird Muck jetzt kalt gestellt, so wirds seine Lehre nicht. Das bestimmt unsere Einstellungen zu den Scharen, deren Gegner wir aus tausend Gründen bleiben." (Ebenda)

 

Spontanität wider System

"Er hat kein System und will kein System", wirft Pfarrer Adam Ritzhaupt (1921) dem Gescheiterten vor. Der Pädagoge im Gottesauftrag versteht nicht, die Thüringer Blumenkinder geben sich absichtlich kein Programm! Eben das macht ihre Stärke. Denn sie wollen in stetiger Erneuerung leben und ihre Persönlichkeit entfalten.

Doch bringt ihn dies auch in Not und ruft im November 1918 in An die Lebendigen im Adel aus: "Ein Schrei ist in mir. Rettet Euch aus den starren Formen."

Vom System gehen die grossen Gefahren aus. "Die Wellen des lebendigen Lebens fanden den Menschen in Kräften der Verordnungen, der Verbote und der Heuchelei der Gesellschaft." "Die Zeit war alt, die Systeme vergassen den Menschen....", so reflektiert er 1919 in Den jungen lebendigen Predigern die Vor-Revolutionszeit. Mit der Hinwendung zum System, fürchtet Muck, beginnt das Erkalten, mündet das Leben der Prediger in starre Formen.

 

War Muck ein Reformer?

1921 erscheint im Verlag von Erich Matthes in Leipzig das Buch Der Zeitgenosse von Hjalmar Kutzleb. Andreas Paul Weber (1893-1980) gestaltete es mit eindrucksvollen Grafiken aus. Muck stellt er ".... als sandalentragenden, langhaarigen, charismatischen Rohköstler dar, der eine riesige Rübe umklammert hält und dessen Augen in fanatischem Feuer leuchten." "Die fast höhnische Auffassung signalisierte", deuten es Helmut Schumacher und Klaus J. Dorsch, "seinen eigenen Schwenk ins bürgerliche Leben. .... Webers Einschätzung hatte sich mehr als ein halbes Jahrhundert später gewandelt: Beim Anblick einiger Porträtaufnahmen Muck-Lambertys empfand er doch wieder Sympathie für den einst Vielgeschmähten: Der sei schon "ein Kerl" gewesen, interessant als Zeiterscheinung und "begeisternd durch die Tat, das Messianische."

Hjalmar Kutzleb (1885-1959) stellt den Zeitgenossen als Reformer vor, der die Menschen an "einen winzigen Punkt an der Außenseite her bessern" (89) will, was aber scheitern muss. Nur übersieht er, dass Geheimnis der Neuen Schar ist nicht der Neue Mensch. Nicht der Einzelne stand im Mittelpunkt, sondern dessen Beziehung und Beitrag zur Gemeinschaft. Die Belebung der Volkstanzes war verdienstvoll und den Zusammenhalt durch die Volksgemeinschaft jenseits der Parteien herbeizuführen, ist gewiss anzuerkennen, resümiert Lisa Tetzner 1921 (774). Der Kern der Bewegung liegt aber "in der Gemeinschaft der neuen Schar selbst und ist ihre selbstlose Brüderlichkeit."

Voraussetzung für den Neubau der Gesellschaft ist der Wille zur Gemeinschaft, dem Kommunismus im edelsten Sinne, wie Muck sagt. So versucht er alle jungen und junggebliebenen Menschen, alle Seelenstarken zu einer neuen Gemeinde, die weder katholisch (Zentrum) noch evangelisch ist, sondern an die Gemeinschaft des Geistes glauben, zu verbinden. Ihm ist es ganz ernst mit dieser Idee.

 

Die Leuchtenburg und die Jugendbewegung (Haufschild)

Nach 1945 gerät der Sturmtrupp des Sommers (Lisa Tetzner) in Ostdeutschland (Deutsche Demokratische Republik) völlig in Vergessenheit. Allein deshalb verdient die 1975 erschienene Untersuchung

Die Leuchtenburg als Treffpunkt
der Jugendbewegung 1919-1933

Aufmerksamkeit und Anerkennung. Im Rahmen einer Volkskundlichen Untersuchung zum Gemeinschaftsleben von Jugendgruppen legt Kurt Haufschild eine umfangreiche, mit vielen authentischen und aussagekräftigen Quellen unterlegte Studie vor. Dabei wendet er sich ausführlich der Wanderung der Neuen Schar und ihrem Leben auf der Leuchtenburg zu. Er analysiert die politischen Hintergründe der damaligen Ereignisse und hebt besonders den Einfluss der sozioökonomischen Verhältnisse hervor. Manchmal urteilt Kurt Haufschild, wie etwa über den Einsatz der katholischen Methode durch die Neue Schar, zu streng. Das kann den Blick für ihre progressiven Ambitionen verstellen. Sogleich tritt damit eine grundsätzliche methodisch-theoretische Frage im Umgang mit der Spiel & Tanz-Company Neue Schar zu Tage: Kann man ihre Aktionen und Ambitionen mit der Elle der theoretisch fundierten und organisierten Arbeiterbewegung vermessen?

Im Übrigen sind die Differenzen zwischen der Arbeiterjugendbewegung und Friedrich Muck-Lamberty kein Grund, gering zu schätzen, was die Neue Schar 1920/21 bewegte. Nur ganz wenige prägten mit neuen Formen und Inhalten nach dem Ersten Weltkrieg so wie sie die Jugendbewegung durch Wandern, Musizieren, Spielen, Volkstanz, Singen, Kunsthandwerk und Gemeinschaftsleben.

 

Muck und die Arbeiterjugend

Bereits 1921 stellt Pfarrer Adam Ritzhaupt aus Erfurt klar, dass Die "Neue Schar" in Thüringen (12) nicht mit der Arbeiterjugend zusammenfinden konnte.

 

Im August 1920 trafen Arbeiterjugend und die Neue Schar in Weimar aufeinander. Hierüber unterrichtet die Jenaische Zeitung vom 1. September 1920 die Leser wie folgt: "Im Begrüßungsartikel [für die Teilnehmer des ersten Reichsjugendtages des Verbandes der Arbeiterjugendvereine Deutschlands vom 28. bis 30. August 1920 in Weimar] der sozialistischen Zeitung wird erst gegen Muck-Lamberty mit seinen 25 Leuten geeifert und fortgefahren: die Arbeiterjugend predigt nicht Bedürfnislosigkeit, sie strebt nach den Schätzen der Welt, die aufgespeichert sind in Wissenschaft und Kunst und Technik; sie strebt nach den Schätzen, die von den Arbeitern selbst geschaffen werden, die aber eine verkehrte Weltordnung ihnen zum größten Teil vorenthält." - "Regt sich da nicht etwas von Kapitalismus? was andere haben, das eben möchte man!"

 

Besonders bei der proletarischen Jugendbewegung stösst die Neue Schar auf heftige Kritik, sucht sie doch prinzipiell einen anderen Weg zur Erneuerung der Gesellschaft, nämlich jenseits des von Karl Marx formulierten Grundwiderspruchs von Kapital und Arbeit. "Unsere Weltanschauung, die ein Karl Marx gefestigt hat, stellt er auf den Kopf", protestieren Die Naturfreunde vom Gau Thüringen im April 1921.

"Deshalb ist er uns ein Gegner. Nicht Muck, sondern seine Lehre zwingt uns zur Gegnerschaft. .... Das bestimmt unsere Einstellung zu den Scharen, deren Gegner wir aus tausenden Gründen bleiben." (NF) Die proletarische Jugendbewegung musste so reagieren, denn die Rolle des Befreiers hatte sie bereits an die historische Mission der Arbeiterklasse vergeben. Muck hingegen träumte von der deutschen Volksgemeinschaft, wo alle Interessengegensätze zwischen den Klassen und Schichten aufgehoben und befriedet sind. Damit einher geht die Tendenz zur Entpolitisierung der Verhältnisse, was bei der Arbeiterjugend nicht auf Gegenliebe stösst. Ausserdem stört sie die unzureichende rationale Durchdringung seiner sozialen und politischen Anschauungen, zum Beispiel, wenn er am 27. August 1920 in der Erfurter Barfüsserkirche ausführt:

"Wir sind Vorläufer. Sollen wir sagen, in wessen Auftrag wir kommen, so können wir nichts anders sagen, als: in Gottes Auftrag. Wir fühlen uns berufen von Gottes Gnaden." (Nach KH 138)

Für die politisch bewusste Arbeiterjugend ist die naturwissenschaftliche, mathematische und politische Bildung eine umgestaltende gesellschaftliche Kraft. Ein Thema, dass der Kunsthandwerker arg vernachlässigt, wie wohl im geschichtlichen Rückblick dann nicht zu übersehen ist, dass seine Kritiker die Humankraft der politischen Bildung überschätzten.

Die Naturfreunde vom Gau Thüringen klopfen im April 1921 ihre Kritik in der Sphäre des Ideologischen fest: "Arbeiterjugend und Naturfreunde blieben die Einzigen in der Front gegen Mucks Irrlehren, denen auch viele unklare Köpfe aus der Arbeiterschaft nachbeteten" (NF). Der entscheidende Punkt war, dass Friedrich Muck-Lamberty den Klassenkampf ablehnte, wohingegen am 2. August 1919 der Jenenser Wandervogel unduldsam fordert: "Der Wandervogel muß ein starkes Glied werden im Klassenkampf der Jugend." Muck handelt es den Vorwurf ein: "Er mache die Jugend für den Klassenkampf unbrauchbar" (Stechow 1920).

Ideologisch betrachtet war Mucks Verhältnis zur Arbeiterjugend eine Katastrophe, lebensweltlich jedoch ermunternd und abenteuerlich. So bedurfte es keiner grossen Kunststücke, um die ideologischen Differenzen im Alltag zu überbrücken. Max Keil aus Halle demonstriert 1920 wie das geht. Zunächst fragt er: "Was heisst nun Sozialist (Naturfreund) sein?" Seine Antwort lautet: Naturfreund sein - heisst Sozialist sein. Das bedeutet: "Menschen müssen wir sein, mit Liebe im Herzen für alles Gute und Schöne, für unsere Mitmenschen und für alle Dinge der Welt. Unsere Religion ist der Sozialismus." Trotz "Sozialismus", dem Muck politisch nicht zuneigte, könnte er ganz sicher mit Max Keil auf Wanderschaft gehen und fröhliche Tage erleben. Dabei hätten beide sicher schnell ihren gemeinsamen Wertevorrat entdeckt: Kampf der Geldsackmentalität, Kritik an der Kommerzialisierung des Jugendlebens, Abwendung von der luxurierten Bedürfnisbefriedigung, Beendigung der Naturschändung und Überwindung des Kasernentums.

Ähnlich den Positionen der sozialistischen Arbeiterjugend und entgegen der revisionistischen Politik, kündigt Muck im Aufruf an die Jugend! an:

"Wir wollen, dass der Krieg
aus der Welt geschafft werde!"

Das bedeutet auch die tätige Versöhnung und Wiedergutmachung mit dem Erbfeind Frankreich.

Längst nicht alle von der Arbeiterjugend wollten dem Schwingen der Seele entsagen. "Als sogar ein politischer Führer der äußersten Linken sich am Kreisspiel beteiligte," erzählte man sich im Juli 1920 in Rudolstadt, "schien endlich auch der Bann für viele Bedenkliche von rechts und links gebrochen zu sein." (Die Neue .... 7.7.1920) Bekannt ist ausserdem, dass

"das kameradschaftliche Verhältnis zwischen Rudolstädter Gruppen des KJV [Kommunistischer Jugendverband], der SAJ [Sozialistischer Jugendverband] und der Neuen Schar [im Zeitraum 1920 bis 1924] ein gutes" war (Schneider 131).

 

 

Der Sündenfall auf dem Notgeld

Was einst viel öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zog, nutzt die Stadt Kahla dann für sich als Werbung. 1921 nimmt sie bei der Herausgabe von Notgeld auf den Sündenfall mit künstlerisch ansprechenden Motiven Bezug.


 

Notgeld aus Kahla 1921 emittiert die Stadt Kahla (Thüringen) je ein 25, 50 und 75 Pfennig-Schein als Notgeld in der Wandervogelserie mit Motiven von Friedrich Muck-Lamberty und der Neuen Schar. Aus dem Notgeldvertrieb erwirtschaftete die Stadt bis zum Herbst einen Nettogewinn von 170 000 Mark.
   

Auf einem Notschein steht:

was ist vom guten Vorsatz nur,
Mein lieber Muck, geblieben?
Zähl nur die Häupter deiner Schar:
Es sind statt sechse, sieben!

auf einem anderen Notschein lesen wir:

Der Mensch sei edel, hilfreich, gut
und keusch und lobesam
Mit diesen Worten einst daher
Freund Muck gezogen kam.


Auf dem dritten Notschein der Text:

Ei, das tanzt das Volk im Kreise
rondinella rula,
tanzt nach alter Weise
Rondinella rula.

Die Vorderseite des Scheins.

 

 

 

Attacke der Zeitschrift Junge Menschen (JM)

Öffentliche Kritik ohne Mass und Mitte provoziert bekanntlich oft den Gegeneffekt: wachsende Popularität. "Man hat ihn hinausgeworfen," beobachtete Lisa Tetzner (1921, 773), "die Polizei auf ihn gehetzt, hat ihn verbannt und landesverwiesen. Das alles aber hat den geheimnisvollen Nimbus, der über der Schar liegt, nur verstärkt und Muck selbst zu dem

Mittelpunkt und Helden
einer neuen Jugendbewegung gemacht."

Genau das befürchten einige Strategen, die ihn weder in dieser Rolle noch als Führer einer neuen Jugendbewegung sehen wollen.

 

Junge Menschen.
Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens.

Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag Junge Menschen, GmbH Hamburg, Johnsallee 54

Karl Wilker:
auf der Leuchtenburg 2. Jahrgang, Ende Januar 1921, Heft 2, Seite 28

Muck-Lamberty.
2. Jahrgang, Ende Januar 1921, Heft 2, Seite 29
[Erklärung von Friedrich Muck-Lamberty zu einem Vorgang während des Kriegsdienstes auf Helgoland].

Karl Schäfer: Macht keine Zugeständnisse!
2. Jahrgang, Anfang Februar 1921, Heft 3, Seite 40

Rudolf Apt: Muck
2. Jahrgang, Anfang Februar 1921, Heft 3, Seite 40

Schriftleitung:
Muck von der Leuchtenburg verwiesen.
2. Jahrgang, Ende Februar 1921, Heft 4, Seite 59

Eugen Diederichs:
Brief an SR Exzellenz dem Herrn Kultusminister Mehnert, Altenburg (S-A) Jena, den 21. Februar 1921.
2. Jahrgang, Ende Februar 1921, Heft 4, Seite 59-60

Abdruck auch in: Aus einem Brief von Eugen Diederichs an den Altenburgischen Kultusminister ("Junge Menschen", 2. Jahrgang, 1921, Heft 4). Zögner, Fritz: Muck-Lambertys Wirken, eine soziale Tat. In: Die Eiche, Vierteljahreszeitschrift für soziale und internationale Arbeitsgemeinschaft, 9. Jahrgang, Nummer 3, Juli 1921, Seite 253-254)

Schriftleitung:
Zum Fall Muck
2. Jahrgang, Ende März 1921, Heft 5, Seite 73

Walter Hammer:
Grundsätzliches zum Fall Muck
2. Jahrgang, Anfang April 1921, Heft 7, Seite 105-106

Wilhelm Siegmeyer:
Muck-Lamberty.
2. Jahrgang, Anfang April 1921, Heft 7, Seite 106

Eugen Diederichs:
Muck, die Jugend und die sexuelle Frage.
2. Jahrgang, Ende April 1921, Heft 8, Seite 118-119

Bruno Eckhardt:
Zum Fall Muck

2. Jahrgang, Ende April 1921,
Heft 8, Seite 123

Walter Hammer:
Muck!
2. Jahrgang, Anfang Mai 1921, Heft 9, Seite 139-140

Abdruck auch in: Muck von Walter Hammer ("Junge Menschen", 2. Jahrgang, Heft 9.) In: Die Eiche, Vierteljahreszeitschrift für soziale und internationale Arbeitsgemeinschaft, 9. Jahrgang, Nummer 3, Juli 1921, Seite 254-255

Walter Hammer:
Muck-Lamberty.
2. Jahrgang, Ende Mai 1921, Heft 10, Seite 158

Walter Hammer:
Brüderlich Vereint!
2. Jahrgang, August 1921, Heft 16, Seite 254

Walter Hammer:
Irrsinn oder Gaunertum?
3. Jahrgang, Mai 1922, Heft 9/10,
Seite 138-142

Walter Hammer:
Muck-Lamberty.
3. Jahrgang, September 1922, Heft 17/18, Seite 225-226

 

Deshalb organisiert die Abteilung Attacke der Zeitschrift Junge Menschen (JM) eine Kampagne gegen Muck. Mit ihren 13 000 Exemplaren je Ausgabe prägt sie das Meinungsbild in weiten Teilen der Freideutschen Jugend und darüber hinaus. Wohl ist die Stimme des neuen Jugendwillens dem radikalen Humanismus verpflichtet, und bemüht, die Wahrheit nicht in Parteiangelegenheiten untergehen zu lassen, weshalb es noch heute Freude bereitet, die kulturpolitischen Essays, Reportagen und Berichte zu lesen. - Doch mit Muck gingen die Herausgeber Walter Hammer (1888-1966) und Knud Ahlborn (1888-1976) nicht immer fair um. Ihre Kritik fällt oftmals einseitig aus. Im Streit um die Geschlechtermoral, Mann-Frau-Verhältnis und Verantwortung eines Jugendführers mischen sich Privates und Politisches. An die Stelle von Beweisen treten meistens Behauptungen, woran nicht selten völlig überzogene moralische Urteile geheftet werden, was im Versuch der Psychiatrisierung von Friedrich Muck-Lamberty kulminiert.

Aber warum unterstützt das Blatt der deutschen Jugend, Stimme des neuen Jugendwillens nicht den Protest gegen die überkommenden wilhelminischen Moralkodizes? War das nicht in ihrem Sinne? Sieht die Redaktion in Mucks-Truppe einen Konkurrenten? Hegte die Schriftleitung vielleicht einfach nur Vorurteile? Oder war es das hergebrachte politische Rechts-Links-Schema, das sie am freien Urteil hinderte?

Fest steht, viele hatten mit Muck eine Rechnung offen. Die einen vergrämt, weil er sich in Kronach vom Wandervogel absonderte. Andere wieder verübelten ihm die öffentliche und harte Kritik am Verhalten von Mitgliedern des Wandervogels im letzten Krieg. Die nächsten neideten ihn den Erfolg mit der Neuen Schar, der außerhalb der organisierten Jugend errungen. "Ich glaube wohl, das Muck-Lamberty in seinem Leben Vielen auf die Nerven gefallen ist, ja ihnen ein Gram erweckt hat mit seiner ungestümen Zielstrebigkeit, die sich doch intellektuell nicht erklären kann …", gibt 1921 Gertrud Prellwitz (2) ihre Erfahrungen wieder. Seine deutschnationalen und antisozialistischen Attitüden forderten wieder ganz andere politische Gegner heraus. Einige nutzen die Gelegenheit für einen Aufklärungsfeldzug besonderer Art, um klarzustellen, was er doch für ein Feigling, Verräter, Nichtsnutz und Saboteur war. Auf ein Motiv für die Vorhaltungen und Zurückweisungen von Muck-Lamberty weist 1920 Gisella Selden-Goth, die sich damals in Weimar aufhielt, hin: "Auch rechts- und linksgerichteten Blättern missfällt das Treiben des Mannes, der gesinnungslos ist im wahren Sinne des Wortes und unter dessen Einfluss die deutschvölkischen und sozialistischen Jugendgruppen der durchwanderten Gegenden gleicherweise sich ihre Mitgliederzahl sich vermindern sehen."

Im Brief an den altenburgischen Staatsminister vom 10. Februar 1921 legt sich Eugen Diederichs die Frage vor:

Ist Muck ein Scharlatan oder ist er echt?

Er ist "echt als religiöser Schwärmer" und "Exponent all jenes Unklaren, Chaotischen, was in der Jugend ringt", lautet seine Antwort. Aber, religiöses Bewusstsein und Sexualität, woraus Muck seine Kraft gewinnt, treten in der Geschichte nicht selten zusammen auf. "Es wäre darum im kulturellen Sinne falsch", legt der Briefschreiber dem Minister nahe, "Muck seine polygame Betätigung vorzuwerfen". Unter Rückgriff auf Darlegungen zur Psychodynamik der Triebe entlastet er den "Angeklagten".

Im März-Heft 1921 (Heft 5) stilisiert die Schriftleitung von JM den Vorgang zum Fall Muck. Herausgeber Walter Hammer holt bei Muck Auskünfte ein.

"Aber er weicht mit einem erschreckenden Wortschwall aus und ist offenbar nicht willens, klar und unzweideutige Aufklärung zu geben",

schildert der seine Erfahrungen. In Heft 7, 1921, erscheint der Aufsatz Grundsätzliches zum Fall Muck von Walter Hammer.

In Junge Menschen (JM) gab es auch ganz andere Stimmen. Ende Januar 1921 berichtet Karl Wilker (1880-1985) im Heft 2 unbefangen über die Tätigkeit der Neuen Schar auf der Leuchtenburg, von ihrem Leben und grossartigem experimentellen Geist. In JM publiziert im Februar 1921 der Verleger aus Jena und Initiator des Sera-Kreises Eugen Diederichs seinen Brief an Herrn Kultusminister Mehnert in Altenburg. Die hier getroffene Einschätzung des Falls Muck-Lamberty ist sachlich, ohne pauschale und zerstörende Sätze, von mehr Verständnis getragen, als die vielen anderen, die noch folgen werden. Mucks Kritik an Rationalismus und Materialismus, an Parteienwirtschaft und erstarrten Lebensformen, das Lob von Handwerk und Meistertum, Volkslied und Volkstanz, diese Mischung von Kulturkritik und religiöser Begeisterung und Lebensformen, hebt Erich Viehöfer (1998, 102) hervor, deckte sich völlig mit den Anschauungen Eugen Diederichs. In JM 1921, Heft 8, erweitert er den Horizont der Debatte mit

Muck, die Jugend und die sexuelle Frage.

Ebenso war der Beitrag von Bruno Eckhardt (1921, Heft 8) geeignet, eine Wende in der Debatte in JM herbeizuführen.

Aber das sollte nicht sein.

JM zeichnet weiter am Bild des Anti-Helden und nimmt seine Kriegsdienstzeit auf Helgoland unter die Lupe, worüber Wilhelm Siegmeyer im April 1921, Heft 7, einige deftige Ausführungen macht.

Für Gegenmeinungen plant die Redaktion von JM keinen Raum ein, ja, es wäre nach Auffassung der Schriftleitung sogar unverantwortlich, wenn man dies tun würde. Walter Hammer nimmt sogar daran Anstoss, dass die "Verehrer, die unter dem berückenden Eindruck einer flüchtigen Begegnung zum Teil sogar aus der Ferne, Lobeshymnen veröffentlichen, deren Wiedergabe wir ablehnen müssen." (JM 1921, 7, 106) Statt Junge Menschen (JM) zum Ort der Erwägungskultur zu machen, startet er die Kampagne

Hau den Muck,

vergleichbar dem Schauspiel auf Jahrmärkten, wo jeder durch Schlag mit einem überdimensionierten Holzhammer auf einen gefederten Knopf seine Kraft dem staunenden Publikum demonstrieren kann.

Friedrich Muck-Lamberty. Zeichnung von Robert Budzinski. Aus: Junge Menschen, 3. Jahrgang, Mai 1922, Heft 9/10

Die Zeichnung wurde digital bearbeitet.
Bildinhalt unverändert.

"Bei Muck-Lamberty bildete seine verantwortungslose sexuelle Freizügigkeit, verbunden mit der rauschhaften Idee der Zeugung eines Messias, die Ursache für [Walter] Hammers Kritik", schreibt Jürgen Kolk 2010 in seiner Dissertationsschrift (50) über dessen Motive. Ein Studium der interessanten, lebendigen, kulturell ansprechenden, vielseitigen und niveauvollen Zeitschrift Junge Menschen fördert allerdings eine Reihe anderer Beweggründe zu Tage. Walter Hammer (1888-1966) war verärgert über die kritischen Worte von Mucks zu Mitgliedern des Wandervogels. Ihn erfasste ein Unbehagen über die wachsende Anerkennung und Autorität als "Jugendführer", weil er dem spontanen Charakter der Bewegung politisch misstraute. "Muck kennt seine Grenzen nicht", kritisiert Walter Hammer 1921 im Mai-Heft. Und ihn ärgert, "den Weg in die Stille, in die Einsamkeit, diesen Weg, den man ihn von allen Seiten her gebahnt hat, ist er nicht gegangen. Trotz schwerster Vorwürfe - die seine vielfache Vaterschaft nur insofern berühren, - als für die Kinder nicht gesorgt wird - versteift sich Muck darauf, seine Rolle weiterzuspielen."

"… die Jugend muss wissen,
wer und was Muck ist",

meint Walter Hammer. "Ich bitte daher jeden Leser, mich in meinem Bestreben zur Klärung dieser Frage zu unterstützen!" (JM 21, 7, 106)

Auf keinen Fall möchte er weitere Sympathiekundgebungen für ML und verleiht der Sache Dringlichkeit, wenn er darauf hinweist, dass es "bereits einen besonderen Typus des Muck Jüngers mit den gleichen Merkmalen der Hysterie" gibt (JM 1922, 15/16, 225).

Einige bekannte Persönlichkeiten schlagen sich auf die Seite von Junge Menschen. "Die großen Gefahren, die in dem Zusammenleben junger, körperlich reifer Menschen liegen," mahnt im Februar `21 Gustav Schröer aus Erfurt, "dürfen nicht mehr übersehen werden.

Der Fall Muck ist eine ernste Warnung."

Muck lag viel daran, den Konflikt mit der Zeitschrift Junge Menschen auszuräumen. Am Vorabend der Pfingsttagung 1921 sucht er Walter Hammer auf dem Ludwigstein auf und verlangt "mit etwas starkem Wortaufwand", er solle "seine auf jahrelanger Erfahrung beruhende und vor ihrer Veröffentlichung reichlich überdachten Meinung" über ihn widerrufen (JM 1921, 10, 158). Aber der sieht sich dazu ausserstande.

Junge Menschen verschärft im August 1921 abermals den Ton gegenüber Muck. Der hatte am 5. August 1921 im Zwiespruch (Nummer 32) einen offenen Brief an Walter Hammer veröffentlicht, wo es heisst: "Ich kenne Dich seit 1913 vom Hohen Meißner. … Als wir den Gräser-Bund ins Leben rufen wollten, schriebst Du mir, Du könntest den Gräser nicht mehr in die Dokumente des Vegetarismus aufnehmen, da Du gehört habest, Gräser hätte einmal irgendwann ein Würstel gegessen. In Wirklichkeit war es aber so, daß Dir Gräser als ein Freier zu lebendig erschien …"

Walter Hammer kritisiert den Zwiespruch, wo man brüderlich vereint (JM 1921, 16, 254),

"um ein Jauchefass" über ihn "auszugiessen".

Besonders verärgert ihn der Angriff auf Freunde, die Muck "als Wandervögel bezeichnet, die ihm Näherbesehen als oberflächliche Menschen erscheinen". Zudem empfindet er es als "unübertreffliche Dreistigkeit", dass es Muck wagte ungeladen an der Pfingsttagung der Jugend 1921 auf dem Ludwigstein teilzunehmen. Im letzten Mai-Heft fand er dafür noch freundlichere Worte, weil Muck in der Diskussion fair und konstruktiv auftrat. Inzwischen übernahm Hammer die "peinliche Aufgabe", dessen Vaterschaftsverpflichtungen zu überprüfen. Bald darauf teilt er mit: "So hat sich auch das Material gegen Muck inzwischen bei mir dermassen vernichtend angehäuft, dass ich dem Bitten führender Menschen der Jugendbewegung nachgab und mit seiner Veröffentlichung zurückhielt". Aber damit ist jetzt Schluss, kündigt Walter Hammer an. "Er, der schon seit einem Jahrzehnt nichts Besseres zu tun gewusst hat, als schmarotzend durch das Land zu ziehen, sich immer wieder eitel in Szene zu setzen und schöpferische Menschen anzupöbeln, soll endlich die ihm gebührende Abfuhr erteilt werden." (Ebenda) Auf der gegenüberliegenden Heftseite steht schon die Anzeige:

 

 

Aus: Junge Menschen. Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens. Herausgeber Dr. med. Knud Ahlboern. Walter Hammer. 2. Jahrgang, Ende August 1921, Heft 17

 

Bereits drei Monate zuvor klagte Walter Hammer darüber, dass er "ausserstande das Muck-Problem noch unbefangen zu behandeln und muss deswegen auch auf die in Aussicht gestellte Buchveröffentlichung verzichten". Bei der Gelegenheit warf er ihn "nicht mehr zu übertreffende Dreistigkeit" vor, weil er "alles gegen ihn Vorgebrachte" "einfach als Lüge und Entstellung bezeichnet." Wir sollten dennoch, so Hammer im Mai 1921, zur "Tagesordnung übergehen". Das geschieht erstmal nicht.

Mit der Abhandlung

Irrsinn oder Gaunertum?

erreicht die Anti-Muck-Kampagne ein Jahr später ihren Höhepunkt. Von etwas Selbstmitleid getragen, äussert der Herausgeber von JM: "Es ist eine peinliche und keineswegs erfreuliche Aufgabe, sich hier abschliessend noch einmal mit diesen Psychopathen abgeben zu müssen ....".

Gemeint sind Johannes Guttzeit, Danny Gürtler und der Oberdeubel im Höllenstaat der Psychopathen Ludwig Christian Haeusser. Walter Hammer bezeichnet sie als ein buntes Gemisch von Irrsinn und Gaunertum und beklagt dann:

".... schon alleine die vorbereitende Lektüre ihrer Werke ist schmerzlich für Kopf und Magen. Und das ausmisten von Ställen ist keineswegs eine angenehme Arbeit."

Damit verleiht er der öffentlichen Debatte um die Vagabundenkultur, Wanderpropheten, Asozialen, Landstreicher und Inflationsheiligen einen inhumanen Impuls und schreckt (JM Mai 1922, 9/10, 138/142) nicht vor der Aufforderung zurück:

"Wann endliche machen die Behörden ernstliche Anstalten, mit diesem gefährlichen Gesindel allenthalben aufzuräumen?"

Ulrich Linse kritisiert in Barfüßige Propheten (1983, 33) die Neigung zur Psychiatrisierung dieser Personengruppen, stand doch andererseits fest, dass sie im medizinisch-klinischen Sinne nicht krank waren. Innen- und gesundheitspolitisch betrachtet, sind die zitierten Äusserungen von Walter Hammer leichtfertig, weil sie die in Deutschland ohnehin vorhandenen Tendenz zur Institutionalisierung von Rassenhygiene und Eugenik zur sozialen Verhaltenskontrolle unterstützen. Alfred Grotjahn (1869-1931), Begründer der Sozialhygiene in Deutschland und von 1921 bis 1924 Mitglied des Reichstages, fordert 1921 bei gleichzeitig abgestufter Zwangsbehandlung von etwa einem Drittel der gesamten Bevölkerung, die Zwangsasylierung von mehr als einer Million Fällen "schwerer Entartung".

Der letzte Beitrag von Walter Hammer in JM 1922 (15/16, 225/226) über den "eitlen Komödianten Lamberty" wiederholt die Essentials: "ewiger Vagabund" der "unerfreulichsten Art" .... "als Kind ausgerissen".... als "Hausknecht rausgeschmissen" .... kein Wunder, die Wandervögel hatten ihn "bald als Schmarotzer" durchschaut.

Mucks Ansehen scheint arg zerschunden.

Noch am 27. Juli 1933 streitet er mit den Redakteuren der Nordbayerischen Zeitung vor dem Nürnberger Amtsgericht über die Wahrheit. Ihre Gazette kolportierte am 10. August 1928 unter dem Titel

Falsche Propheten und Tempelschänder

erneut irrwitzige Vorwürfe. Hier war zu lesen, Muck habe geäußert, er sei vom Himmel gesandt, um im Verein mit reinen Jungfrauen einen neuen Messias in die Welt zu setzen. Ein Mädchen, mit der er geschlechtliche Beziehung eingegangen, drohte er im Zorn, sie Lügnerin zu deklassieren, ja als Irrsinnige hinzustellen, wenn sie etwas ausplaudert. Die Anschuldigungen konnten nicht aufrechterhalten werden. (Vgl. MZN) Das war ein kleiner Erfolg.

Aber seine Reputation als Jugendführer war längst dahin. Ihm bot sich keine Chance, die öffentliche Meinung zu wenden.

Mit Muck ging die Schriftleitung von JM nicht gut um. Vielleicht spürte das Walter Hammer irgendwie und versucht die Flucht nach vorn, wenn er äussert: "Nichts liegt mir ferner, gestern wie heute, als die moralische Verlogenheit der Spiessbürger und Kriegsschieber gegen Muck herauszufordern. Um der Sache willen und zur Rechtfertigung eines scharfen Kampfes gegen die etwaigen Verleumder Mucks würde ich es freudig begrüssen, wenn die Nachprüfung zu Mucks Gunsten ausfiele." (JM 1921, 10, 158).

Nur in den frühen Beiträgen von Willi Wismann (1920), Karl Wilker (1921), Bruno Eckhardt (1921) und Eugen Diederichs (1921) behandelte Junge Menschen (JM) Muck und die Neue Schar fair. Danach findet die Zeitschrift für sie keine anerkennenden Worte mehr. Vergessen der feinsinnige Umgang mit Kindern, das Talent mit ihnen zu spielen und zu tanzen, das Experimentieren mit originellen Formen der Kommunikation oder die Popularisierung des deutschen Volksliedes. JM wollte die Revolte gegen die Alten und Mucks und ihren forschen Angriffe auf die überlebte Geschlechtermoral nicht thematisieren. Das nennt man Einseitigkeit.

 

 

 

Ein Lieblingsspiel der Neuen Schar:

Tanzt das Volk im Kreise

 


tanzt das Volk im Kreise Rudinella rulla,
Singt nach alter Weise Rundi - -
und ich sing und spiele
Mitten im Gewühle Rundi - -
Die mit buntem Kranze Rundi - -
war mir einst gewogen
und hat mich betrogen Rundi - -

  Fällt der Kranz, der Süßen Rundi - -
Treten ihn die Füße, Rundi - -
Läst das Kind vom Tanze,
Sucht nach seinem Kranze. Rundi - -
doch mein Spiel und Singen, Rundi - -
Lässt die Paare schwingen, Rundi - -
Kränzlein verloren
Kränzlein verschworen. Rundi - -
 

 


Tanztaumel oder existentielle Kommunikation?  zurück

"Der Zug der Neuen Schar wird zum Triumphzug", räumt Ulrich Linse in Barfüssige Propheten (1983, 100) ein. "Trotz alledem" setzte er davor. Den Titel Helden einer neuen Jugendbewegung, den Lisa Tetzner den Blumenkindern verlieh, würde er ihnen nicht zusprechen.

Überhaupt, was heisst hier Blumenkinder? Ihr Anführer steht bei Ulrich Linse (1983, 38, 42) im Verdacht ein Inflationsheiliger zu sein, deren hypnotisch verführerische Rhetorik, profaschistische Führersehnsucht und irrwitziger Ich-Kult sie zu Mutanten des Typus Hitlers macht. Der Spiegel (Hamburg) putzte dies 1984 unter der Überschrift Barfuss zur Erlösung vom Chaos zum Spektakel heraus. Bereits im Einleitungskapitel kam es darüber zum Streit.

Unverrückbar bleibt: Ansehen und Beliebtheit der Neuen Schar entsprangen nicht dem Bedürfnis einer "profaschistischen Führersehnsucht". Wegen ihrer materialismusfreien Begeisterung (Ernst Berghäuser) und der selbstlosen Brüderlichkeit (Lisa Tetzner) - war sie so beliebt! Einer der selbst im Tross der Neuen Schar mitgezogen, Walter Kotschnig, geboren 1901 in Judenburg, erklärte 1920 den Muck-Effekt: "Und lautlos, ganz lautlos, horchen sie, die Menschen, die Bedrückten und die Ringenden:

Endlich, endlich einer, der es ausspricht
was sehnend in ihnen lebt!
"

Mit ihren Bewunderern eint die Neue Schar der Wille zur Erneuerung, getragen von der Hoffnung Veraltetes, Hemmendes, Spießertum und Dämlichkeit überwinden zu können.

Unvergessen ihr Versuch, dass schöne Leben mit der Arbeit auszusöhnen.

Ganz unprätentiös präsentiert sie in schwerer Krisenzeit Ideen der Lebensreform.

Geschickt nutzte die Tanz- & Spiel-Company, was ihre Ausstrahlung erhöhte, die katholische Methode. Ein Pfarrer vor Ort erklärt Lisa Tetzner (1923, 116) im Sommer 1920: Sie "... singen Marienlieder mit viel Gefühl, Kerzen, Blumen, alles das liebt die Masse."

Ob mit Erwachsenen oder Kindern, die Neue Schar vergnügte sich mit ihnen bei Volkstänzen und Gesängen. 1925 erscheint von ihnen herausgegeben das fünfundsiebzigtausendste Exemplar des Buches

Unter der Linde.

Zum Teil kannten sie die Bauern bereits vor 50 Jahren. Gertrud Meyer ergänzte sie in Tanzspiele und Singtänze (Leipzig 1913) mit Hopsern aus Schweden, die vom Sera-Kreis in Jena aufgenommen und an den Wandervogel weitergegeben wurden. Der Thüringer schaute sie gerne an. "Das Neue ist nun," registriert die Freideutsche Jugend im November 1920, "jetzt tanzt er mit, und zwar mit Begeisterung, und geht in die Kirche zu Muck-Vorträgen."

Ulrich Linse (1983) registriert einen von "Muck-Lamberty in Thüringen ausgelösten Tanztaumel", der durch "Elemente einer ekstatischen Flucht aus Raum und Zeit" (49) bestimmt. Das klingt besorgt. Ähnliches hört man bei Lisa Tetzner heraus. In Selbstlose Brüderlichkeit (1921) fragt sie etwas despektierlich: "Ist es richtig in unserer bedrängten Zeit, das Volk in singende, tanzende Städte zu verwandeln? Sind das nicht Akte der Verzweiflung, mittelalterliche Tanzepidemien aus religiöser Ekstase?"

Ja, es stimmt: "Ganz Thüringen tanzt, als gäbe es keine Sorge um die Zukunft", unterrichtet die Monatszeitschrift für die Zukunft der deutschen Kultur im Oktober 1920 ihre Leser. "Und wenn die Neue Schar nach etwa fünf Tagen die Stadt verlassen hat, geht das Tanzen weiter auf Plätzen und Strassen von kleinen Kindern und Erwachsenen".

"Wir traten in den Kreis, wir lernten spielend die Melodien, die Texte; wir spürten noch in heimlicher Abwehr, den Sog der Gemeinsamkeit", erzählt Rudolf Wiemer 1976 (20 f.) über das Tanzen im August 1920 auf dem Domplatz von Erfurt. "Zuletzt sangen wir begeistert mit, unsere Gesichter wurden rot, unsere Stimmen heiser; wir lachten, wir winkten uns zu; berauscht, doch zugleich seltsam nüchtern - ein verwegener, abenteuerlicher Zustand!"

Ulrich Linse (1983, 105) erkennt darin "Parallelen zu religiös-ekstatischen Praktiken". Der Tanztaumel, warnt er, ist gut organisiert "und beginnt zunächst ganz harmlos" (103). Darauf setzt er in Völkisch-jugendbewegte Siedlungen im 20. und 21. Jahrhundert (2014, 46) eine luzide Argumentation. Zunächst analysiert er den Einfluss der Rassen- und Züchtungsideologie, speziell von Willibald Hentschel und seiner rassistischen Zuchtkolonie Mittgarts, betont aber mit Hinweis auf Uwe Puschner`s Völkische Bewegung, dass dieses Projekt im wilhelminischen Kaiserreich "nie über das Stadium einer `literarischen Utopie`" hinauskam. Und dann lässt er es heraus:

"Einer der ersten, der dann das Programm nach dem ersten Weltkrieg praktizierte, war …. Friedrich Muck-Lamberty mit seiner Neuen Schar, einer jugendbewegt-völkischen Spiel- und Tanzgruppe. Er verwirklichte Hentschels Projekt einer rassenhygienischen sexuellen Auslese durch ekstatischen Tanz ("Tanzauslese") und zeugte unter Waldesbäumen mit wechselnden Partnerinnen seiner Gruppe den Deutschland erlösenden völkischen Christus."

Was denn jetzt? Mit Reigentänzen, Tanzauslese und Märchenerzählen auf dem Weg zum Faschismus?

Es war doch ganz anders.

Zum Beispiel heisst es am 17. September 1920 aus Friedrichroda: "Wenn man diesen Tänzen zuschaut und all die Lebenslust, den Frohsinn sieht oder gar mit eintritt in den Kreis der Spielenden, so muss man seine Freude haben, an der Natur, an allem, was gut und schön ist."

Aus: Unter der Linde. Tanzspiele und Volksweisen gespielt und gesungen von der Neuen Schar in Thüringen. Herausgegeben von der Neuen Schar. mit einem Vorwort von Friedrich Muck-Lamberty, 1921. Alexander Duncker, Weimar 1922

Vom Sera-Kreis (Viehöfer 1998), dem Schreittanz "Sera, Sera, Sancti nostri Domine" abgeleitet, lernte die Neue Schar die theatralische Darstellung der Körperlichkeit und nutzte die Kleidung als Stilmittel, Symbol und Ausdrucksform zur Darstellung ihres kulturellen Selbstverständnisses.

Tanzen war für die Neue Schar eine Technik des Entbergens und der existentiellen Kommunikation im Dienste menschlicher Begegnung. Antlitz und Bewegung des Körpers deuten die Blumenkinder als eine Chiffre der Existenz. Versteht man sie zu lesen, wofür das Schwingen der Seele nur ein anderer Ausdruck, dann zerreisst die Selbstverschleierung und es entsteht Vertrauen. Man redet sich mit Du an und lacht. Einige nehmen es als Spaß, andere als Ernst. Beim Tanzen erschauen sie die Seele, erkunden die Gefühle und überwinden unbewusste Hemmnisse beim gegenseitigen Verstehen. Sie finden aneinander Wohlgefallen. "Warm störmt es durch alle, die sich hier gefunden haben …" (Walter Kotschnig)

Alte deutsche Weisen erheben sich aus dem Kreise. Im Rhythmus gefühlter Ewigkeit ergreift die Tanzenden - was sie so liebten - das Schwingen. Das Eigene spiegelt sich im Gegenüber. Die Angst vor dem Fremden verliert sich. Freude dringt empor. Sie hüpfen, kreisen, schreiten, trippeln, schwenken und wippen. Es erfordert körperliche Koordination, aus dem Neben- kommt es zum Miteinander. Um Bedeutung und Bedürfnisse zu tanzen, nimmt ihre Bewegung Gestalt an, geben ekstatischen und kreativen Elementen ihren Sinn. Ihr Leben nimmt Gestalt an. Schon treibt sie die Hoffnung auf eine lebensfrohe Zukunft voran.

Und wie die Kinder mit der Neuen Schar tanzten, sangen und spielten! Vor Begeisterung entflammt, aufmerksam, bloss nichts vom Neuen verpassen. Alle, die es erlebten, Eltern, Lehrer und Erzieher, sprachen anerkennend, manchmal auch etwas staunend darüber. "Bei den meisten Kindern wird dieses Erlebnis bis ins Alter hinein Nachklingen und ihnen Richtung hin auf das Urwüchsige, Gesunde weisen." (Wismann 1920)

Die Übung elementarer körperlicher Rhythmen, von Formen der Begegnung, Manieren und Anstand, förderten soziale Lernprozesse bei den Kindern.

Nach schweren Kriegsjahren waren ihre Väter heimgekehrt. Wie sollten sie nun mit ihren Kindern umgehen? Die Tanz- und Spiel-Company gab ihnen Impulse. Sie warb für das Rollenbild des liebevollen Vaters, der im Spiel lernen konnte, die Bedürfnisse des Kindes besser wahrzunehmen.

 

Nach dem Ketzergericht auf der Leuchtenburg im Februar 1921 reiste Lisa Tetzner nach Westfalen zurück. Den Blick aus dem Fenster des Eisenbahnabteils gerichtet, erfüllt sie bald ein eindrucksvolles Bild, dass sie 1923 Im Lande der Industrie zwischen Rhein und Ruhr (133) so nachzeichnet:

"In einem Dorf vor Eisenach tanzten Kinder trotz der Kälte auf einem freien Platz Volkstänze. Sie klatschten in die Hände dabei, beugten sich gegenseitig voreinander und drehten sich rasch und übermütig im Kreise. Mir war es, als müsste ich durch das geschlossene Wagenfenster aus der Ferne die Melodie vernehmen. Und ich sah den Sommer wieder vor mir und all das, was die Schar für dieses Land bedeutet hatte."

 

 

"Wir haben es gewagt!". Die Ankunft in Naumburg  nach oben

Vor gut einem halben Jahr informierte Ernst Berghäuser die Leser des Wandervogels: "Nach allem, was man da aus Weimar, Erfurt und kleineren Orten liest, scheint das Ereignis dieser immerhin etwas abenteuerlichen Fahrt [der Neuen Schar] sehr erfreulich zu sein." Doch nach dem Leuchtenburg-Skandal und dem Ketzerprozess (Eugen Diederichs), erscheint seine Lage deprimierend zu sein. "Alles, was wir Jungen als das Esoterische erlebten," klagt Muck am 21. April 1921, "um daraus das Beste für uns und die Jugend zu gewinnen, haben nun die Literaten und Pressemenschen auf die Strasse gezerrt." Er empfindet das als ungerecht. In Die Handwerkerschar von der Leuchtenburg (23.11.1921) schreibt er sich den Schmerz von der Seele:

"Wir sind durch den Staat und Zeitungshetze und durch Mangel an Verständnis für die jungen Notwendigkeiten von unserer Burg gewiesen worden ….".

Stolz erklärt er:

"Wir haben es gewagt!"

 

"Dem Vernehmen nach", teilt das Jenaer Volksblatt am 16. Februar 1921 mit, "soll Muck eine Wohnung

in Naumburg

angeboten sein."

Dort meldet er am 21. Juni 1921 der Polizei den neuen Wohnaort: Neidschützer Straße 27. Mit ihm kamen 10 bis 15 Leute von der Schar. Sie wohnen am Rande der Hochebene über dem Saaletal in der Bodenkammer und im Untergeschoss des Hauses von Frau Wigger Gött, der Schwester des badischen Dichters Emil Gött.

Es hält sich die Legende, dass nach dem Auszug aus der Leuchtenburg und Übersiedlung nach Naumburg (Saale) die Bewegung zusammenbricht. So ganz scheint das nicht zu stimmen. Denn er versucht mit einige Helfern, dass Begonnene fortzusetzen. Am 28. Februar 1921 publiziert Muck einen Brief an Admiral Scheer in Weimar. Im selben Jahr erscheint noch Die Handwerkerschar von der Leuchtenburg (23. November) und Schuld am kommenden Elend (18. März). Der Schwung reicht zumindest noch für folgende Ankündigung in Die junge Volksgemeinde. Blätter vom neuen Werden:

"Es soll ein Dank sein an die Neue Schar,
ein Zeichen, dass wir weiterarbeiten in ihrem Sinne."

1921 klingen seine Worte im Geleitwort zum Liederbuch Unter den Linden noch optimistisch:

"Im ganzen Thüringer Lande ist eine starke Welle der Jungen wachgeworden. Es singt, schwingt und klingt überall das neue Leben."

Ein Jahr später erscheint die zweite Auflage des Liederbuchs. Im Vorwort kündigt er an:

"Und wenn die Zeit reif ist, brechen wir wieder auf, um in den anderen Gauen jungen Menschen zu sagen, was uns bewegt."

Das konnten Mucks Widersacher durchaus als Herausforderung verstehen. So gesehen war ihre Aufregung - etwa in Junge Menschen - verständlich.

 

In vielen Städten und Dörfern entstehen Nachfolgegruppen der Neuen Schar. "In den größeren Städten Thüringens bildeten sich in der Folge überall Neue Scharen", teilt die Reichspost aus Wien im Juni 1921 mit, "die für den Meister fleissig sammelten und dem Autodidakten sogar das nachträgliche Studium an der Universität Jena ermöglichen wollten."

"Im Sommer 1921 zog eine Gruppe durch Westfalen, die in Aussehen und Auftreten bis hin zu den Reden Muck Lambertys Neue Schar kopierte. Sie verbreitet Lisa Tetzners Artikel Selbstlose Brüderlichkeit ohne deren Wissen als Flugblatt und erweckte damit den Eindruck, diese neue Verbindung sei darin beschrieben." (Geussen 1999, 62f.) Die (mir) bekannten Nachfolgegruppen bestanden nicht allzu lange. Interessanterweise machte die Freideutsche Jugend im November 1920 (Heft 11, 370) hierzu eine ganz andere Voraussage: "Der innerste Zug der freien Arbeiterjugend geht zum Menschentum und nicht zum Parteiensozialismus." Hier irrte sie gewaltig. Die Bewegung flaute ab, weil die Jugend sich zunehmend in die religiösen und politischen Strömungen der Parteien einordnete. Damit war die Neue Schar obsolet, ihre Ambitionen liefen in Form und Inhalt den allgemeinen Entwicklungstendenzen der Jugendbewegung entgegen. Ausserdem war es doch so, wie es Einige Jungen von Kahla im Flugblatt vom März 1921 festhielten:

"Von vornherein suchte man ihre Entwicklung zu hemmen, indem man ihre Werktätigkeit zu unterbinden suchte. Presse und Parteimenschen streuten Verleumdungen niedrigster Art aus."

Einen weiteren Nachfolger, enthüllt im März 1921 die Tages-Post aus Linz, fand der Wunderheiland aus Thüringen Friedrich Muck-Lamberty in Gustav Müller-Czerny (1862-1922). Der Mann aus dem Taunus Luftkurort Homburg vor der Höhe nennt sich Christus II. und behauptet im Übrigen seine historische Identität mit dem Gottmenschen Christus. Nur Gratis, bewirkt er prinzipiell keine Wunder. "Die Gestalt Müller-Czernys ist" - nach Ansicht des Blattes - "wie die Muck-Lambertys ein lebendiger Beweis, wie sehr unser deutsches Volk aus dem seelischen Gleichgewicht gekommen ist, denn sonst wäre es wohl unmöglich, dass solche Gaukler tatsächlich Anhänger gewinnen konnten."

 

Muck lebte in Naumburg, wie bereits erwähnt, auf dem Grundstück Neidschützer Straße 27. Es befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Hossfeld`s. (12, 3) Aus dem Brief von Holger Fidus, eigentlich Hugo Höppener (1868-1948), an das Siebenbürgische Künstlerarchiv in Heilbronn am 8. April 1978 erfahren wir Näheres über die Umstände bei seinem Eintreffen in Naumburg:

".... Auf der Durchreise von meinem Vaterhaus bei Berlin in die Odenwaldschule am Ferienende wollte ich in Naumburg / Saale gute Freunde besuchen, den Stadtbaumeister von Naumburg, Fritz [richtig: Friedrich] Hossfeld mit Frau Ina, einer begabten Glasfenstermalerin und ihren damals wohl etwa 6 Kindern. Doch Frau und Kinder sollten erst am nächsten Tage vom Ferienaufenthalt an und auf einem bayerischen See zurückkehren. Wie es dazu kam, dass ich nicht im Hossfeldhause auf sie wartete, sondern im Nachbarhause, weiß ich nicht mehr. Dieses gehörte, soviel ich mich erinnere, einem Zeise-Gött, Schauspieler oder sonstigem Künstler, mit dem ich aber kein persönliches Zusammentreffen hatte. Dieser hatte dem damals von der Leuchtenburg vertriebenen Drechsler und Jugendführer Muck-Lamberty seinen Keller und Dachgeschoss zur Verfügung gestellt zum Wohnen und Drechseln. Ich suchte diesen auf und half ihm, seine eben gedrehten Leuchter lackieren, und er schenkte mir einen, wobei er mir anbot, in seinem Bett zu übernachten, denn er schliefe draußen auf der Wiese des Hossfeldsgrundstücks mit seiner Hannele und ihrem dort geborenen Säugling, der sowieso (es war Sommer) nicht im Häuschen leben mochte, dem Gärtnerhaus, das Hossfeld der jungen Frau zur Verfügung gestellt hatte.

Als Muck mir sein Zimmer im Dachgeschoss zeigte, machte er mich darauf aufmerksam, dass im Nebenzimmer Gräser hauste. Natürlich besuchte ich ihn sofort und erinnere mich noch, dass eine ganze Ecke seines Zimmers mit einem riesigen Haufen von Holzschuhen angefüllt war, wie die Holländer sie tragen. Er sagte, er habe sie aufgekauft, weil sie als Brennholz angeboten waren, was ihm zu schade dünkte. Er hatte schon einige davon gewissermaßen als Köcher an die Wand gehängt, teils für Pinsel und ähnliches, teils für trockene Blumen, was sich sehr nett machte.

Dieses war mein letztes Zusammentreffen mit Gusto Gräser."

Freunde zusammen!
flammen will, flammen,
unsrer Herzen sehrende Glut!
Freunde, vertrauen!
und aus dem Grauen
lohet uns Heil
und Alles wird Gut!

Gusto Gräser im Oktober 1921 aus dem ersten offiziellen Konzentrationslager in C[K]ottbus Sielow.*
(Aus: Ausstellung zu Gusto Gräser - 2009. Dokument wurde im Schwarz-Weiss-Umkehrverfahren bearbeitet.)

Im Brief vom 24. Juli 1921 aus Naumburg an Hanna und Gertrud teilt Muck mit:

"Gräser ist noch nicht da, so dass ich nicht weiss, wie alles weiterverlaufen ist. Heute Abend kommt Gusto. Mit ist es, als musste ich jetzt schreiben, was ich denke:

Heute Abend kommt Gusto Gräser

und wird dann bleiben. Ich freue mich, dass ein so heiler und mutiger und froher Mensch, der so ganz verwurzelt ist mit Heimatlauge und Wald, bei uns bleiben will. Dann soll sich hier ein Strahlenbündel sich sammeln und dann und wann hinausströmen ins Volk. Alle, die wirklich jetzt mithelfen können sollen alles, was sie haben und verwenden können, dafür einzusetzen, dass dieser Gusto Gräser jetzt hier bleiben kann."

Dieser Plan geht nicht in Erfüllung.

"In Naumburg wurde im Hause der Werkschar (Handwerkergemeinschaft der Neuen Schar) Gusto Gräser von einigen Schupomannschaften und einem Kriminalbeamten verhaftet und abgeführt",

enthüllt Der Zwiespruch am 9. September 1921. Die Zeitung für Wanderbünde sorgt sich um den Propheten:

"Wir wissen nicht, wohin sie ihn geschleppt haben und erfuhren später, dass er mit einem Transport abgeschoben worden sein soll. Mit Muck planen sie ja auch einen Schub. Sie haben ihn ausgefragt, woher er stammt, und da er im Elsass geboren ist, soll weiter geforscht werden. Sie finden ja sicherlich etwas, denn sie suchen danach. Lassen wir doch den Gusto Gräser selber sprechen und alle ihr, die ihr ihn kennt und etwas dagegen tun wollt, schreibt auch dem Getreuen. Wir wollen hier alles vermitteln, da seine Gedichte, Sprüche, Bilder und Verse alle hier sind und wir alles zusammentragen wollen. - Werkschar, Naumburg."

Gräser wurde in das Konzentrationslager Cottbus-Sielow eingeliefert. Was sich hierhinter verbirgt, ist nicht einfach zu erheben. Im Ministererlass des Sächsischen Innenministeriums vom 8. Dezember 1920 steht geschrieben, dass eine gewisser Hans Albert Förster nach dem Vorbild von Muck Lamberty durch das Land zieht und dabei der Bevölkerung mit Schwänken, Kaspertheater und Theaterabenden Unterhaltung bietet, dreimal verhaftet worden ist: einmal in Bayern als Kommunist, in Meiningen als Reaktionär, zuletzt noch als Landstreicher, "da die Behörden scheinbar den tieferen Sinn dieser Arbeit nicht erkannt haben".

 


"Dass ich Vater geworden bin,
war mein heiliger Wille und ich bin hocherfreut."
Klaus und das Eschekindelein  nach oben

Hanne und Muck (1921)*

"Als Muck fast zeitgleich drei seiner Jüngerinnen schwängert," weiss Hans-Dieter Speck (2005), "empört sich der Kahlaer Pfarrer." Der bekannte Journalist des Naumburger Tageblatts befindet sich mit seiner Vermutung in bester Gesellschaft. "Er hielt es für seine Pflicht, jedes Mädchen und jede Frau in Not `zu erlösen`", krönt Walter Laqueur (133) in seiner Studie von 1962 über die deutsche Jugendbewegung Muck-Lambertys Liebesabenteuer. In dieser Weise ist das öffentliche Bild über die Geschlechtermoral der Neuen Schar stark entstellt worden. Verschiedenste Pressemitteilungen und Nachrichten taten noch etwas mehr dazu.

"Nun möchte ich auch berichten über das Verhältnis der Geschlechter untereinander bei der Stammschar, weil da so faustdicke Lügen in den Zeitungen immer wieder auftauchten und die gesamte Wandervogelbewegung mit Schmutz beworfen wurde", wendet sich Hans Pluta aus Bad Cannstatt am 2. September 1964 mit folgenden Zeilen an Hertha Henschel:

"Das Verhältnis war zuchtvoll und schwesterlich genau wie im Wandervogel, und das Volk, mit dem wir täglich zu tun hatten, fühlte dies auch."

 

 

Hanna Rössler mit Kind*

"Im Sommer 1921 gab es offenbar eine harte Auseinandersetzung innerhalb der Jungen Gemeinde um Muck-Lamberty. Der Druck von außen hat zu Angst und zu Spannungen unter den jungen Menschen geführt. Ein Treffen der Schar in Fischbachwiese wird zum Tribunal. Hanne, die Geliebte von Muck, die wegen ihres (unehelichen) Kindes für die Öffentlichkeit ein Stein des Anstoßes und Ursache scharfer Angriffe auch innerhalb der Jugendbewegung geworden war, soll aus der Gruppe ausgestoßen oder zumindest von Muck getrennt werden. Auch Gertrud Prellwitz, die weihevolle Predigerin und Verteidigerin Mucks, hat sich bei manchen unbeliebt gemacht. Muck selbst hat sich unter diesen Umständen von der Schar getrennt und wartet nun in Naumburg auf die Entscheidung der Gruppe, die über das weitere Schicksal von Hanne und Gertrud ohne ihn beschließt. Gusto Gräser ist bei der Schar geblieben, gewissermaßen als sein Stellvertreter, und Muck hofft gespannt auf sein Kommen und seinen Bericht. Inzwischen stellt er in einem Brief an Hanne und Gertrud (der eigentlich an die ganze Gruppe gerichtet ist) seine Gefühle und seine Meinung dar."

(Über Friedrich Muck-Lamberty 1920)

 

Warum reagierte die Presse so heftig auf den Leuchtenburg-Skandal? Forderte Muck sie und den moralisch traditionell orientierten Teil der Öffentlichkeit mit seiner klaren Haltung zur Vaterschaft heraus? Jedenfalls tut er im Kahlaer Tageblatt kund:

"Dass ich Vater geworden bin, war mein heiliger Wille und ich bin hocherfreut. Es ist meine Sache und ich bin nur Gott gegenüber verpflichtet. Ich hoffe, dass unter den jungen Menschen viele sich finden, die erkennen, dass das Kind mehr bedeutet als eine Fortpflanzung nur. Dass ich einen ausserordentlichen Mannesweg gegangen bin in vollster Verantwortung, ist meine Sache."

Und prompt folgt der Vorwurf: "So kann wohl nur ein Fanatiker sprechen oder ein Betrüger, dem die Folgen des Treibens gleichgültig sind." (Alouis Oberhummer 1921)

 

Zwei Briefe von Muck erhellen die Vorgänge. Am 24. Juli 1921 instruiert er aus Naumburg Kurt Kläber (1897-1959), Autor von Die rote Zora und ihre Bande, Freund (1919) und Ehemann (1924) von Lisa Tetzner:

"… Du weisst von meinem Jungen - den Klaus von der Trude aus Zittau (weil Du in Zittau gelebt hast. Zählt bitte meine Kinder nur einmal) - die Trude wohnt nun an der Ostsee. Ausser meinem Klausjungen habe ich noch

das Eschekindelein der lichten Hanne;

Hanne wohnt mit ihrem Kindelein im Gartenhaus nebenan. - Alles andere ist Unsinn und Gerede. - Aber Ihr sollt nun reden, damit der Hammer sich selber schlägt. …"

Das zweite Schriftstück erscheint 1921 als offener Brief. Hier bezichtigt er Walter Hammer (geboren 1888 in Wuppertal-Elberfeld) der Gerüchtemacherei. Sie kennen sich vom Treffen auf dem Hohen Meissner 1913. Aus dem Zwiespruch erfährt der Interessierte:

"Er [Walter Hammer] hat den jungen Menschen vorgelogen, auf Grund von Gerüchten, dass ich bis zum 1. Mai mehr als ein Kind hätte, er hat von mehreren unehelichen Kindern gesprochen und gesagt, dass ich herumvagabundiere. Er hat von mir die Wahrheit erfahren, dass im Herbst 1920 mir mein

    Klausjunge

geboren wurde und im Maien 1921 mein

Eschekindlein.

Er hat alles verschwiegen und lässt den Zweifel weiter fressen, weil es ihm unangenehm ist, die Wahrheit zu sagen. ... " (Offener Brief 1921)

Diese Sichtweise setzt nicht durch. In der Gerüchteküche brodelt es weiter. Dafür sorgt das Naumburger Tugendwächter-Garderegiment. Immer wieder wurden die alten Liebes-Geschichten aufgewärmt, wie am 10. August 1928 in der Nordbayerische(n) Zeitung unter dem Titel:

Falsche Propheten und Tempelschänder.

 

 

Muck-Lamberty über Sexualität, Liebe und Ehe  nach oben

Im Februar 1921 muss die Neue Schar die Leuchtenburg verlassen. Die nationale Presse und fördert Delikates, Richtiges und Falsches, Aufregendes und viel Banales aus dem Privatleben über Muck zu Tage. Wirklich interessant daran ist die sofort einsetzende Debatte in den Zeitschriften Junge Menschen, Die Tat oder Der Naturfreund. Muck`s Ideale und Auffassungen zu Sexualität, Liebe und Ehe sind nur spärlich in Schriftform überliefert. Abgesehen vom Verhör beim Ketzgericht (Diederichs) im Februar 1921 auf der Leuchtenburg, können wir darüber lediglich etwas von Gertrud Prellwitz (1920, 4f.) erfahren. Sie führte mit ihm Gespräche, die in

Mein Bekenntnis zu Muck-Lamberty

- "wie er mirs erzählte, in seiner unintellektuellen, erlebnisstarken Art" - niedergeschrieben. Ausserdem gewann sie, "in Muck-Lambertys Bannkreis Kenntnis von Briefen und Lebensdokumenten". (Prellwitz 5)

"Ich war Kaufmann", vertraut er ihr an. "Da sah ich die grosse Not der Frauen, die an wesenslosen Männern litten. Und der Männer, die an Frauen gebunden waren, die ihnen nichts geben konnten. Wie kann man Kaufmann bleiben, wenn so grosse Not der Menschen sieht! Da gab ich meinen Beruf auf."

Muck bedrückt die verbreitete Gottlosigkeit im Verhältnis von Mann und Frau. "Der Materialismus kann", gemäss seiner Überzeugung, nur "überwunden werden, wenn die Kinder in Heiligkeit gezeugt und geheiligt werden." Deshalb "…. muss jetzt eine Zeit kommen, in der die Herrschaft der Dinge über das Leben der Menschen aufhört, und das Besitzrecht des einen über die Person des andern. Es muss jetzt eine Zeit kommen, in der die Menschen mit ganzer geheiligter Hingabe das Kind wollen und dem Kinde leben. Es muss jetzt ein Heldentum der Frauen kommen. Das Heldentum der Männer hat seine Hochflut gehabt und ist abgeebbt. Jedes reine Mädchen muss das Recht und die Pflicht fühlen, ein Kind zu empfangen von einem reinen, gesunden Manne, an den sie dann kein Besitzrecht beansprucht. Natürlich nicht von irgendeinem. Das Leben wird ja von Gott geführt. Es muss ein Ineinanderklingen sein, in Gottes Kraft." "Es ist das, was ich schaue, vielleicht nur eine Zeitnotwendigkeit, etwas was die Not der Zeit wenden soll. Die Zeugniskraft der Menschen ist [durch die Folgen des Krieges] so sehr knapp geworden. Es gibt so wenige reine, gesunde Männer, so viele mehr reine junge Mädchen. Wo soll es hinaus, wenn nicht ein Heldentum der Frauen einsetzt?" (Prellwitz 5)

Im Unterschied zu vielen seiner Kritiker, begreift Muck die Ehe nicht als ökonomische und durch gegenseitige Besitzrechte geschützte Lebensform. "Wo Zwei für ihr Leben zusammengehören, sollen sie doch zusammenleben," vertraut er Gertrud Prellwitz (1921) an, "mit Standesamt oder ohne Standesamt, das ist gleich. Aber ihr Besitzrecht sollen sie aufgeben. Ein lebenslanges Besitzrecht über die Person des anderen ist noch viel verruchter als der Kapitalismus des Geldes."

An Stelle der Besitzrechte setzt Muck

die heilige Liebe

und erklärt: "Was ich meine, hat nichts zu tun mit der freien Liebe der alten Welt, die um der Luft willen das ist. Liebe bei der das Kind nur als Folge aufgefasst wird, willkommen oder unwillkommen, ist nicht die heilige Liebe. Da hilft auch kein Priestersegen. Das Besitzrecht hilft schon gar nichts. Geheiligt ist die Liebe durch den Willen zum Kind." (Prellwitz 4 f.)

Für den Erfinder der Neuen Schar baut sich die Mann-Frau Beziehung bis hin zur der bürgerlichen Ehe in einem ideellen Prozess auf, der von der heiligen Liebe geleitet und frei von gegenseitigen Besitzansprüchen sein soll. Dies vernachlässigt die ökonomische Seite, die Ehe als Wirtschaftsgemeinschaft, antworten seine Gegner. Die Kritiker verkennen, dass sein Selbstverständnis als Mann die Pflicht zur Treue und Sorge für (Ehe-)Frau und Kind umgreift. Er sagt wörtlich: Die Meister ".... müssen eine schützende Heimat um die jungen Mütter sein und sie müssen die Kinder versorgen." "Sie müssen wie liebende Familien um die Kinder sein." So kann man verstehen, warum er den gegen ihn vehement und öffentlich erhobenen Vorwurf der Verantwortungslosigkeit als ungerecht empfindet.

 

"Professor J. Resch war der damalige Leiter der VHS, ein lebhafter und feuriger Geist. In Gemeinschaft wurde im Arbeiterviertel Honsberg, am Abhang zum Hammertal, die Reschhütte gebaut. Es wurde nach und nach ein geräumiges Haus - Treffpunkt aller 'Resch-Indianer' - wie man uns nannte wegen unserer Kittelkleider und Sandalen. Kopfschüttelnd und verständnislos nahm die Bürgerschaft von uns Kenntnis. Als Professor resch 1921 in die KPD eintrat, wurde seine Stelle als Leiter der städtischen Volkshochschule unhaltbar. So entstand die Freie Volkshochschule unter seiner Leitung...."

Aus: Die Frauen im Prozess "Andreas Pflüger". in: Zeitzeuginnen des 20. Jahrhunderts. Der Widerstand der Remscheider Frauen 1933-45. Herausgeberin: Stadt Remscheid, Frauenbüro / Gleichstellungsbeauftragte, 2. Auflage 2007, Seite 18

"Das Neue an Muck ist die Schaffung nicht der freien Liebe," erkennt Professor Johannes Resch (1921), "sondern

der Gewissensehe,

als der einzig möglichen wahren und lauteren Grundlage einer neuen Geschlechtsmoral."

Muck "ist über die bürgerliche Moral gestrauchelt" (NF), konstatieren 1921 die Naturfreunde aus Jena. Er überschritt in der Mann-Frau Beziehung die gesellschaftlich sanktionierten Grenzen der Moral. Ihm widerstrebte die Pseudomodernisierung der menschlichen Fortpflanzung durch Züchtung, was Rudolf Linke (1922) gegen ihn in Stellung bringt. Aber Muck hält daran fest:

"Das Liebeserlebnis muss immer Gotteserlebnis sein" (Prellwitz 4f.).

Gott führt, nicht aber die Gesetze der Züchtung.

 

Pfarrer Adam Ritzhaupt (1921, 22) aus Erfurt, der die Details des Leuchtenburg-Skandals gut überschaut, charakterisiert dessen moralische Reichweite mit den Worten:

"Der Fall Muck ist ein
Schulbeispiel für die sexuelle Krise
unserer Zeit.

Mucks Tat, erschien den einen als neue Ethik, den anderen aber als Ruchlosigkeit, was denn Liebe und Ehe überhaupt seien."

"Ich sah ihn kämpfen und schweigen, aufflammen und in tiefster Stille Weisung suchen", verteidigt Gertrud Prellwitz (1869-1942)  den Anführer der Neuen Schar. "Ich erlebte die Höhenlagen seiner inneren Entscheidung." Ihre Schrift

Mein Bekenntnis zu Muck-Lamberty (1921)

ruft Emil Engelhardt (1887-1961), Teilnehmer an der Lauensteiner Tagung des Jungdeutschen Bundes im August 1919 und Organisator des Treff für die Jungdeutsche Bewegung in Elgersburg, auf den Plan. Er bläst zum Gegenangriff: „Nachdem Gertrud Prellwitz ihre ganze Kraft, Beredsamkeit und Schreibfähigkeit der Werbearbeit für Muck-Lamberty schenkt, ist es Pflicht für uns Andersdenkende, zum Besten der Jugendbewegung deutlich und unmissverständlich zu reden.“ Weil die Jugend geführt von dem unstillbaren Drang nach Wirklichkeit, kritisiert Engelhardt weiter in

Gegen Muck und Muckertum
Eine Auseinandersetzung über die höhere freie Liebe
mit Muck-Lamberty und Gertrud Prellwitz
,

kollidiert seine Abwendung von der Realität mit ihrer natürlichen Bewegung. “Was ist das für ein Führertum?“, fragt er und antwortet:

„Er [Muck-Lamberty] ist geistig unkritisch und fichtet nicht genug. Es fehlt ihm die Fähigkeit, dass innerlich stark zu verarbeiten, was ihm das Leben an Tatsachen und stofflichen Vorgaben vorhält. Darum bleibt er auch viel zu sehr darin stecken, große Fragen mit einigen Phrasen oder Schlagwörtern, die er geschickt prägt, zu erledigen. Er ist viel zu sehr Augenblicksmensch; und das ist etwas ganz anderes als Unmittelbarkeit. Seine geistige Unsicherheit und Haltlosigkeit macht ihn außerordentlich leicht allerlei Einflüssen von außen zugängig, in die er sich so stark hineinlebt, dass er sich schnell einbildet, hier eine göttliche Stimme seiner Berufung zu vernehmen.“ (Ebenda 8)

Bereits in Kronach, behauptet Engelhardt, zeugte Muck mit zwei Mädchen ein Kind. Die ganz Sache gefällt ihm nicht. Deshalb kreuzt er mit der Lehre von der höheren, freien Liebe von Getrud Prellwitz eine scharfe Klinge und hält ihr vor:

„Der Typus Muck hat das Wesen der Ehe überhaupt noch nicht erfasst.“ "Die Kinderzeugung tritt bei ihm viel zu sehr in den Vordergrund …“ (Engelhardt 9)

Gertrud Prellwitz verteidigt Muck vom Standpunkt der heiligen Liebe. „Anfang Februar [1920] bekam ich“, erzählt die Schriftstellerin, “von Käthe Kühl, die ich nicht kannte, eine Einladung, auf die Leuchtenburg zu kommen. Sie habe in freier Liebe mit Muck-Lamberty gelebt ….“ Deshalb fühlt sie sich jetzt mit ihmverlobt. Den Besitzansprüchen der jungen Frau bringt Prellwitz kein Verständnis entgegen und reklamiert für ihren Klienten ein Recht, mit mehreren Frauen Kinder zeugen zu dürfen.

Konsterniert reagiert Emil Engelhardt (1921, 11):

"Also das Paar Muck-Prellwitz vertritt allen Ernstes für gewisse Ausnahmemenschen (....) die Vielweiberei als höhere, über jede edelste innerlichste Form von Ehe hinausgehende Fom der Lebensgestaltung zwischen Mann und Frau."

Gertrud Prellwitz (7) kontert mit der subtilen Begründung: „Es gibt zwei Höhenlagen der freien Liebe. Die niedere ist nicht zu rechtfertigen, sie ist Zuchtlosigkeit. Die höhere ist gerechtfertigt in sich, denn sie ist heilig in Gott. Muck-Lamberty lebt klar und lauter die höhere.“

Gegen diese religiöse Verbrämung sexueller Bedürfnisse rennt wiederum Engelhardt an. Unterstützung erhält am 26. August 1921 von Gerold von Friesland im Kampfblatt der rechten Bünde, dem Zwiespruch, der offen ausspricht:

"Sein Treiben auf der Leuchtenburg mit einigen Mädeln mit einem religiösen Mantel zu umgeben, ist eine bewusste Lüge."

Engelhardt (12) befürchtet, dass mit Muck die moralische Verluderung der Jugendbewegung heraufzieht und hält seiner Verteidigerin vor:

“Lamberty hat seit Kronach mit zwei Mädchen Kinder erzeugt. Gertrud Prellwitz verherrlicht die Mütter. Das mag jenen in schweren Stunden Linderung ihrer Sorgen und seelischen Kämpfe werden. Uns erscheinen sie als zwar gutgläubige, aber ungeklärte, naive, kurzdenkende, vor dem Letzten mit Denken aufhörende Menschenkinder, die Vorbild werden können.

Wir wissen, daß es so mit der Jugendbewegung nicht werden darf, wenn sie nicht verrotten und ersticken soll im Wust der Formlosigkeit, der Zuchtlosigkeit und reinen Triebhaftigkeit, die Blutsturm für Geist nimmt.“

Der Streit um die höhere freie Liebe schadet Muck. Zumindest in Kreisen der bürgerlichen Jugendbewegung findet er Aufmerksamkeit. Nur war die Prellwitz in der Leserschaft der Zeitschrift Junge Menschen überhaupt nicht gelitten. Im August-Heft 1921 erscheint hier die Anzeige:

" …. Anzeigen der Muck-Flugschrift von Oma Prellwitz haben wir zurückgewiesen.
Anzeigenverwaltung der Jungen Menschen."

Oma war schon 52 Jahre alt. Schlimmer noch, sie hält weiter zum Führer der Neuen Schar. Stur erwidert sie am 26. August 1922 im Zwiespruch: "Gegen Muck kann und will ich nichts sagen". "Ich habe ihn in Jena sprechen gehört, in Eisenach kennengelernt und auf der Leuchtenburg aufgesucht."

Fidus aus Woltersdorf bei Erkner, eigentlich Hugo Höppener (1868-1948), Künstler, Ikone der Lebensreformbewegung und Erschaffer des Lichtgebets, schaltet sich ein. In

Mitteilung vom Ernting (VIII.) 1921
zum Falle von Muck-Lamberty

bescheinigt er Emil Engelhardt und Gertrud Prellwitz, dass sie "auf hoher menschlicher Warte" stehen und "mit grosser, verstehender Liebe für das Sehnen und Drängen der Jugend" urteilen. Ihn stört aber die "schroffe Ablehnung" von Prellwitz. Wie Muck-Lamberty erfühlt der 53-jährige Maler, einst von Karl Wilhelm Diefenbach Fidus getauft, "ein allen Menschen als Gewissen ewiges Gesetz". "Christlichen Ehesitten" helfen uns da wenig. Sie sind "jedenfalls das Gegenteil von einem seelischen, also persönlichen Hochziel". Vielmehr gehört zum Empfinden und den Gefühlen der Ehe "eine Entwicklungshöhe der Eigennatur, die durch keine Lehre und Vorschriften geschaffen" werden kann. "Sittliche Zwangslagen und soziale Irrlehren" können dies behindern und "eigenes, unerfahrenes, tastendes Denken" erschweren, was oft in der Jugend der Fall. Als Fidus mit Frau Elsa in Zürich lebte, war er mit Gertrud Prellwitz zusammen und hatte mit ihr einen Sohn. Schwierige emotionale Lebenslagen waren ihm also nicht fremd. In Muck sieht er einen Menschen, dessen Lehre und Gewissen "von armen Trieben übermannt" wurde.

Und doch begehrte Muck gegen die Ehe-Heuchelei auf und machte sich tiefe Gedanken über das Frauen-Elend.

1922 lobt ihn Rudolf Linke (Leipzig-Schleussig) im Essay Freie Liebe oder Zucht?. Muck vollbrachte die grosse Tat: "Die Schaffung einer neuen Volksgemeinschaft, die Versöhnung der Stände durch ein gemeinsames Freude-Erlebnis". Doch dann "geschah", dass es "unmöglich wurde, weil er mit mehreren Mädchen geschlechtlichen Umgang gehabt, sie zu Müttern gemacht hatte." Aber Muck kann nicht, argumentiert Linke, ein Lüstling, Wüstling, Heuchler oder Don Juan sein, und zugleich heilsam und segensreich Wirken, wie es die Anhänglichkeit der Kinder beweist. Woraus erwächst dann aber der Konflikt? Nach Ansicht des Verfassers, aus den seelischen Grundtrieben von Muck. Diese versetzen ihn in Widersprüche. Freie Liebe oder Zucht? fragt: War der Held vielleicht "ein Spätling jener Nietzsch`chen Übermenschen, denen erlaubt ist, was anderen versagt bleibt?" Oder ist sein Verhalten nur mit dem Rausch des Blutes zu entschuldigen, "der eine dämonische Macht, auch willensstarke Naturen sich unterwirft und natürliche Hemmungen der Scham ausschaltet"? Dann droht er in "Unzucht oder Zuchtlosigkeit" stecken zu bleiben. Folglich ist "ihm die Tiefe der Fragen, um die es sich dabei behandelt, gar nicht aufgegangen". Rudolf Linke lokalisiert die von Muck beschriebenen unglücklichmachenden Besitzrechte der Ehepartner und die heilige Liebe im "Grundcharakter des Deutschen", der sich gern nach Wolkenkuckucksheim zurückzieht. Andernfalls müsste man erkennen, dass Deutschland kein "rassenhaft germanisch bestimmtes Land" ist und "das Erlöschen des lichten Blutes bevor"-steht. "Die Zucht des Menschen", kann "niemals durch Individual-Auslese erreicht werden." Vielmehr bedarf es "der Gruppenauslese" mittels der Gemeindebildung als Methode. Dabei ist die Demokratie hinderlich, weil sie "antiselektorisch, auslesefeindlich" vorgeht. So versinkt Freie Liebe oder Zucht? in der Rassenideologie. Rudolf Linke kritisiert Muck vom Standpunkt der Rassenhygiene, weshalb der Untertitel des Aufsatzes Von Muck zu Mittgart lautet. Mittgart bezeichnet eine Stätte rassischer Hochzucht und den Titel einer Schrift von Willibald Hentschel (1858-1947), die erstmals 1904 erschien und die Pflege der rassischen Werte unseres Volkes zum Gegenstand macht.

 

 

Kampf um die Leuchtenburg  nach oben

Immer wieder zog es Muck zur Leuchtenburg. "Am letzten Sonntag", repetiert am 27. April 1922 die Naumburger Zeitung das Kahlaer Tageblatt,

"besuchte Muck-Lamberty trotz seiner früheren Verweisung von der Leuchtenburg, diese wieder und hielt dort Reden. Sowohl der Burgwirt, als auch der Obmann der Jugendherberge, wurde Muck darauf aufmerksam gemacht, dass er die Burg verlassen müsse. Nur mit großer Mühe, und nachdem ihn noch ein Oberwachtmeister aus einem benachbarten Orte mehrmals dazu aufgefordert hatte, verliess er den Burghof; er soll sich aber vor der Burg noch den ganzen Nachmittag und Abend aufgehalten haben. Muck-Lamberty ist nämlich der Ansicht, daß die Leuchtenburg deutsches Eigentum ist und jeder Deutsche, trotz Verbot, die Burg betreten kann. Es wird stark vermutet, so schreibt das Kahlaer Tageblatt weiter, daß er mit seiner Schar versuchen wird, die Walpurgisnacht auf der Leuchtenburg zu stören. Auch die Grundbesitzer des Dohlensteins haben beschlossen, Ansammlungen von den Anhängern Mucks dort auf Grund und Boden nicht mehr zu dulden."

Die Neue Schar auf dem Weg zur Leuchtenburg - 1921

Diese Bildunterschrift wählt Erich Schneider: zur proletarischen Jugendbewegung in Rudolstadt, Teil II. In: Rudolstädter Heimathefte. Beiträge zur Heimatkunde des Kreises Rudolstadt. Buchdruckerei F. Mitzlaff KG., Rudolstadt 1961, Heft 1 bis 12, Seite 132.

Das Bild entstand aber wahrscheinlich 1925. Siehe hierzu. Winfried Mogge: Bilder aus dem Wandervogel-Leben. Die bürgerliche Jugendbewegung in Fotos von Julius Groß 1913-1933. Verlag Wissenschaft und Politik, 1986, Seite 29.

Nun zeigt sich, wenn man sie denn sehen will, bald eine andere Seite der Geschehnisse um die Leuchtenburg. Bisher stand der Sündenfall im Mittelpunkt der Erzählung über die Neue Schar. Zu wenig beachtet wurde damals wie heute, dass die Gruppe Vorbild für eine gesunde und natürliche Lebensweise sein wollte. In seinen Reden prangert Muck den Alkoholmissbrauch der Jugend an. Das macht ihn bei den Trunkenbolden und Zechern, wie den trinkfreudigen Jenaer Studenten, nicht beliebt. Mehr noch, die Lebensart der Neuen Schar tangiert die kommerziellen Interessen der Wirte und Herbergseigner. Eine derart konsumtionsbewusste Jugend könnte ihre Umsätze gefährden.

Nach dem Abschied der Schar von der Leuchtenburg übernachtete sie später wieder dort, ohne dass jemand etwas dagegen einwendete.

"Erst in der letzten Zeit,"

so schildert das Naumburger Tageblatt am 1. Mai 1922 ihren Lesern die neuste Entwicklung,

"hat der Gastwirt der Leuchtenburg sich gegen die Jugendbewegung, die sich der Scharbewegung anschloss, gearbeitet, weil im letzten Frühjahr die Schar eine große Jugendfeier auf dem Dohlenstein bei einem Feuer veranstaltete und gegen den Missbrauch der Leuchtenburg zu Saufgelagen (Walpurgisnacht) aufstand durch eine Ansprache und Absingen alter Volkslieder. Auch drang im Maien 1921 die Schar in den Hof der Burg vor, weil der Gastwirt die deutsche Burg nur gegen Eintritt von 5 Mark öffnete und so den Jungen die Burg wehrte. Auch in diesem Jahre wollen die Jungen von Thüringen, die nicht in Parteien verkrampft sind, sich wieder auf dem Dohlenstein und auf der Leuchtenburg treffen und zu diesem Zweck hatten sich einige der Schar am letzten Sonntag auf der Burg eingefunden. Der Wirt fürchtet, daß sein Geschäft geschädigt werde und die Jugend will nicht, daß die Burgen zu Saufgelagen freigegeben werden. Der Wirt hatte die Leute der Schar aufgefordert, den Burghof zu verlassen, worauf einer der Schar sich bei der Polizei erkundigte, ob denn ein Verbot des Burgbesuches da wäre. Wir wissen von einem solchen Verbot nichts und der Wachtmeister sagte aus: "wenn Sie auf eine Aufforderung des Pächters die Burg nicht verlassen, können Sie wegen Hausfriedensbruches angezeigt werden, und wenn Sie der Aufforderung der Staatsgewalt nicht folgen, werden Sie wegen Widersetzens gegen die Staatsgewalt verhaftet." Wir haben natürlich keine Macht, gegen solche Gesetze etwas zu tun und haben die Burg verlassen, protestieren aber dagegen, daß die Wirte der deutschen Burgen ein Recht haben, Andersdenkende einfach von den Burgen zu verweisen. In dieser Zeit sollte man wahrlich lieber auf den Burgen zusammenkommen und alte Volkswaisen singen, sich am Feuer stärken im Glauben an den Sieg des Lichts, wie es die alten Deutschen wussten und taten. Gehet alle selbst schauen, wie in dieser Maiennacht die Besitzenden die Burgen verwalten und wie still und feierlich die Jugend ihr Feuer anzündet und gelobt, auf die ewigen Gesetze zu horchen, auf daß wir aus dem Jammer herauskommen. - Eine Anfrage an die Regierung, ob die Burg denen verboten werden kann, die gegen den Missbrauch der Burg sich wenden, ist abgesandt." (Kahla, 28. April [1922])

Aus Sorge um die wirtschaftliche Nutzung der Leuchtenburg wendet sich am 6. September 1922 der Stadtrat von Kahla mit folgendem Anliegen an das Thüringische Wirtschaftsministerium in Weimar:

Es ist aber unmöglich den "den Auswüchsen, welche sich in der Jugendherberge herausgebildet haben, mit Erfolg zu begegnen. Durch den seinerzeitigen Einzug der Muck=Schar auf der Leuchtenburg und die Nachwirkung dieses Falls haben sich Verhältnisse herausgebildet, die den Verkehr auf der Leuchtenburg ernstlich zu gefährden scheinen. Es hat sich eine Gegensätzlichkeit zwischen den Besuchern der Jugendherberge einerseits und dem anständigen Publikum, welches sonst die Burg besucht, herausgebildet, die durch die Anmaßung der ersteren nur noch von Tag zu Tag verschärft wird."

Schliesslich will die Volkshochschule Jena die Jugendherberge übernehmen. Dahinter vermutet der Stadtrat von Kahla aber Muck-Lamberty. Er besteht darauf, daß ihm der Aufenthalt auf der Burg weiter untersagt bleibt.

Wirt Franz Sitte verweist Friedrich Muck-Lamberty am ersten Osterfeiertag 1925 erneut von der Burg ....

Noch einmal sehen wir ihn am 8. und 9. Oktober 1932 beim Treffen der dreihundert Anhänger von Otto Strasser auf der Leuchtenburg ....

 

 

Die Werkgemeinschaft in Naumburg  nach oben

Bereits im Flugblatt von 1918 zur Deutschen Volksgemeinschaft fordert Muck die "Pflege der Heimindustrie auf genossenschaftlicher Grundlage und Bildung von Handwerker-Gemeinschaften mit Vertriebsstellen". "Eine solche Werksgemeinschaft habe ich selbst unter den schwierigsten Umständen mit jungen Menschen und Handwerkern aus allen Parteien ins Leben gerufen und ich bin noch dabei ihr die Form zu geben, die jetzt möglich ist", äussert er 1929 in Jugendbewegung, Handwerk und Volksfest (13). Dabei traf er in Naumburg auf ernste Hindernisse. "Staat und Behörden sind mir dabei nicht behilflich gewesen, da ich nicht Parteimann irgendeiner vorübergehenden Erscheinung war." (Ebenda) Die Wirtschaftskrise 1929/32 brachte weitere Erschwernisse. Aus Muck war inzwischen ein Unternehmer geworden. Weggefährten und bekannte Persönlichkeiten interessierten sich dafür, was aus ihm und seiner Handwerkergemeinschaft geworden ist. Heinrich Vogler und Theodor Plievier besuchten ihn in Naumburg (Linse 1983, 125).

Später äusserte sich manch einer etwas enttäuscht über die Werksgemeinschaft. Doch in der kommunalen Diktatur von Friedrich Uebelhoer und Bruno Radwitz war kein Platz für Experimente und Sonderwege. Gemeinsam Leben und Arbeiten - gemeinsam verkaufen und gerecht verteilen, das scheiterte an den Realitäten.

"Trotzdem zeigte er immer eine große Hilfsbereitschaft, wenn in seiner Umgebung Not am Mann war. Auch sei er sehr kinderlieb gewesen, wie immer wieder [in einem Gespräch mit Naumburger Bürgern, unter anderem mit Anni Voß und Gerhard Bier, über ihre Erinnerungen an Muck-Lamberty im Jahr 1994] betont wird. Trotzdem musste er in der Stadt lange um seine Anerkennung kämpfen." (Agthe)

Leuchtenburg 1925. Frau Paula Lenkeit mit Dutt-Frisur.

Muck Lamberty im Freundeskreis, so betitelt Rudolf Wiemer dieses Foto in seinem Aufsatz Begegnungen mit Muck-Lamberty 1920 und 1974 im "Thüringer Heimatkalender 1976". Nach Angaben im Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen: Friedrich Muck-Lamberty A 17 Nr. 1, handelt es sich um eine Aufnahme aus dem Jahr 1925. Welche der beiden Angaben mit absoluter Sicherheit richtig ist, kann heute nur schwer entschieden werden. Ich neige dazu, das Bild auf 1925 zu datieren, weil es so im Einklang mit seiner Familiensituation steht. Ausserdem existiert ein weiteres Foto aus diesem Jahr, wo Muck die Haare ganz ähnlich frisiert.

"Aber auch ein richtiggehender Eigenbrötler, soll er gewesen sein," so Kai Agthe nach einem Gespräch mit Naumburgern über ihre Erinnerungen an Friedrich Muck-Lamberty im Jahr 1994, "denn er lebte in seinem Haus am Holländer, wo er mit seiner großen Familie auch die FKK-Kultur gepflegt haben soll, zurückgezogen." "Ein Naturmensch war er, was sich schon äußerlich zeigte."

Der Aufbau der Drechsler- und Tischlerwerkstatt in Naumburg war schwer, erforderte viel Elan und Kraft. Erst allmählich gehen die Geschäfte besser. Bald treiben drei Elektromotoren sechs Drehbänke an. Auf 41 000 Reichsmark beläuft sich immerhin der Jahresumsatz. Der Lohn der etwa zehn angestellten Handwerker liegt zwischen 20 bis 30 Reichsmark wöchentlich. Muck kümmert sich viel um die Werbung und den Absatz von Dosen, Leuchtern, Schalen, Bauklötzchen, Schmuckkästchen, Zierfiguren und kleinen Möbelstücken. Wäre er vermögend, könnte er mehr investieren und die Produktion wahrscheinlich etwas schneller ausweiten. "Nach dem Geschäftsverkehr mit der hiesigen Sparkasse zu urteilen, geht das Geschäft offenbar vorzüglich", registriert die Polizeiverwaltung am 11. April 1927. Das Geschäftsgebaren schätzen die Behörden als solide ein. Er "gilt hier als eine fleissige und strebsame Persönlichkeit", vermerkt Bürgermeister Karl Roloff 1927.

Inzwischen heiratete der Holzdreher Friedrich Lamberty am 7. April 1926 Frau Pauline Emilie Lenkeit, geboren am 2. August 1898 in Köln, gemeldet in Essen, Fischstraße 3. Gemeinsam ziehen sie fünf Kinder gross: Rüster geboren 1928, Dirk 1929, Jungfried 1933, Birke 1934 und Heide 1937.

1927 firmiert die Werkgemeinschaft junger Handwerker noch immer unter der Adresse Neidschützer Straße 27. 1930 zählt das Unternehmen 32 und 1933 immerhin 60 Mitarbeiter. Ihre Produktionsstätten befinden sich in der Kleinen Salzgasse und in der Kaserne an der Weißenfelser Straße.

In den 30er und 40er Jahren befindet sich in einem Wohnhaus an der Ecke Schönburger Landstraße - Marienring (heute Theaterplatz) die Verkaufs-Ausstellung der Werkstätten für Heimkultur.

1934 ordert die Familie zu einem Mietpreis von 115 Reichsmark pro Monat das Landhaus Siebeneichen (Flemminger Weg 85).

 

     
             
Siebeneichen (2005), Flemminger Weg 85, wird von den Naumburgern Mäuseburg genannt. Nach Auskunft von Rüster Lamberty (1995) wahrscheinlich um 1900 erbaut. Zum Haus gehören 12 Morgen Wald, Garten und Obstplantagen. Auf dem terrassierten Berg standen Obstbäume. Die Wasserversorgung des Hauses erfolgte über einen 55 Meter tiefen Hausbrunnen. (Vgl. Speck 1995)

 

Nach dem Krieg ziehen die Famile zum Freien Blick 22 (nach Speck 1995).

Mit der Remilitarisierung Naumburgs müssen die Handwerker 1933 ihre Produktionsstätte in der Kaserne an der Weißenfelser Straße verlassen Mucks Werkstatt produziert dann in der ehemaligen Schneidersche Werkstätten - eine Möbelfabrik - am Domplatz 20 und in der Hindenburgstrasse weiter.

Blick in Richtung Domplatz 20 (2008) mit Gebäude der Schneiderschen Fabrik (siehe auch Bild unten).

Bürgermeister Karl Roloff teilt am 12. September 1935 dem thüringischen Wirtschaftsminister mit:

„Muck-Lamberty ist 44 Jahre alt, Dissident, verheiratet und gilt hier als eine fleißige und kunstgewerblich begabte Persönlichkeit.“

1936 zählt die Firma etwa 80 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von 500 000 Reichsmark. Ausserdem beschäftigte sie 140 Heimgewerbetreibende. Die Werksgemeinschaft unterhält zu etwa 500 Geschäften und Abnehmern vertragliche Beziehungen oder zumindest verbindliche Kontakte. Während des Zweiten Weltkrieges liefert die Firma Bastelbedarf an die Kasernen in der Stadt.

Im Oktober 1940 erhält Muck in Naumburg Besuch von seinem Bruder Paul Lamberty (geboren 1885). Er will, wie er auf der "Aufenthaltsanzeige eines Ausländers" angibt, den Betrieb seines Bruders kennen lernen und die Grundlage für den Verkaufsladen seiner Tochter schaffen.

 

 

Der Direktor vom Domgymnasium Naumburg Professor Steche schreibt am 27. April 1940 an die Frau des weithin bekannten Naumburger Kunsthandwerkers:

"Rüster Lamberty ist durchaus kein schlechter Schüler. Er ist sogar recht gut begabt, geistig regsam, hat grosses Interesse für Biologie und alle technischen Dinge, …. Er hat sich aber in eine Abneigung gegen die alten Sprachen hineingearbeitet. Einmal interessieren sie ihn wenig, und zweitens hat sein Vater in wenig pädagogischer Weise sie ihm als für seine Ausbildung unnötig hingestellt. Der Vater, der bekannte Lamberty-Muck, der jetzt in Naumburg eine große Werkstatt für Holzarbeiten hat, ist ein eigenartiger Mensch und seine Kinder haben viel von ihm geerbt. Sie sind eigenwillig, in gewisser Weise empfindlich(e?) und lehnen sich gegen Zwang auf. Diese Anlagen sind durch die Behandlung des Vaters noch gesteigert worden. Im Elternhaus haben sie sehr viel Anregungen und hörten oft Dinge, die noch über ihren Horizont gehen. Dadurch ist besonders bei den Ältesten ein gewisser geistiger Hochmut erzeugt; er hat das Gefühl, nur das tun zu müssen, was ihn innerlich interessiert ….. ."

(Auszug aus dem Brief von Professor Steche an die Frau des damals weithin bekannten Naumburger Kunsthandwerkers, 27. April 1940.)


 

 

Religiöse Woche in Hildburghausen
Kampfgemeinschaft Strasser
Schwarze Front 
und Leuchtenburgkreis  nach oben

Auf dem Nürnberger Parteitag (1929) entschied sich die NSDAP endgültig für die Hitlerjugend. Eine Organisationsform, die Muck strikt ablehnt. Für die Hitler-NSDAP war er uninteressant, nicht aber für die Schwarze Front. Sie ".... bekämpfte besonders", erklärt Wolfgang Abendroth (187), "energisch die Kriegsvorbereitungen des Dritten Reiches und ihrer Machthaber."

Die Strasser Brüder, erzählt man in der Stadt, waren bei ihm in Siebeneichen (Naumburg), um seine Mitarbeit zu erwirken. Als Friedrich Uebelhoer 1937 mit der Werksgemeinschaft von Muck-Lamberty wegen der Namensgebung im Streit liegt, vergisst er nicht auf dessen früheren Verbindung zu Strassers Schwarzen Front hinzuweisen. Das ist keine Marginalie. Sie rief im September 1931 Otto Strasser aus der Kampfgemeinschaft revolutionären Nationalsozialisten (KGRNS) heraus ins Leben. Bereits am 4. Februar 1933 wurde sie verboten. Für die Vrbindungen und Kontakte von Muck mit der Schwarzen Front finden sich folgende Anhaltspunkte: (1.) Rede auf der Religiösen Woche 1930 in Hildburghausen, (2.) Teilnahme am ersten Reichskongress der Kampfgemeinschaft Strasser in Berlin am 26. / 27. Oktober 1930 und (3.) Mitwirkung am III. Reichskongress der Kampfgemeinschaft revolutionären Nationalsozialisten (KGRNS) am 8. bis 9. Oktober 1932 auf der Leuchtenburg bei Kahla.

 

Die Religiöse Woche in Hildburghausen

Die Vorbereitung der Religiösen Woche vom 19. bis 26. April 1930 übernehmen Otto George (Hildburghausen) und Max Schulze-Sölde (Haubinda, Thüringen). Ulrich Linse (1983,126) nennt es den "letzten Aufmarsch der Heiligen", "ehe das Nazireich alle ihre Hoffnungen in eine dort recht anders geartete Wirklichkeit umsetzte." Im Januar 1930 erscheint in Die Kommenden (Die Großdeutsche Zeitung und Nachrichtenblatt der deutschen Jugendbewegung), wo Otto Strasser wenige Wochen später die Nationalsozialistischen Briefe veröffentlicht, folgender Text:

 

Aufruf zur religiösen Woche in Hildburghausen
zu Ostern 1930

In unheimlicher Weise mehren sich die Anzeichen des drohenden Chaos in unserem Volke. Zersetzung, Auflösung und Parteiung greifen immer mehr um sich. Es bleibt nur die eine Hoffnung: dass wir, von der Not zusammengeschmiedet, die grosse Einheit im Inneren finden, die Synthese der deutschen Volksseele, die neue Bindung (religio) und damit den Weg zur inneren und äusseren Freiheit.

Solche Bindung kann aber nur wachsen aus der Kraft religiösen Erlebens. ... Je schwärzer sich die Finsternis um uns verdichtet, um so leuchtender strahlt das Licht des Christus-Geistes in unser Volk hinein.

Das Schicksal ruft die Christen an die Front!

S i e haben das Beispiel zu geben, s i e haben der Welt zu beweisen ... dass aller Zersetzung und Zerspaltung zum Trotz Bindung möglich ist zwischen denen, die guten Willens sind und zwar ohne Vergewaltigung der Seelen, ohne Beschneidung der Gewissens-Freiheit, ohne eiferndes Bekehrenwollen.

Wir rufen die zu solcher Aufgabe Bereiteten, die Stillen im Lande, jene, die ohne weltlichen Ehrgeiz nichts anderes sein wollen, als dienende Kämpfer des heimlichen Königs Jesus-Christus!

Wir laden sie ein zu einer religiösen Woche, die zu Ostern in Hildburghausen i. Thür. stattfinden soll. ... Wir (stellen) nicht Moses oder Mohammed, nicht Laotse oder Buddha, nicht Zoroaster oder Wotan, nicht Lenin, Marx oder Nietzsche in den Mittelpunkt der neuen religiösen Kristallisation, sondern den Jesus von Nazareth ...

Paul George ... Dr. Karl Strünckmann ... Max Schulze-Soelde

Paul George, Dr. Karl Strünckmann, Max Schulze-Sölde: Ostern 1930. Religiöse Woche in Hildburghausen. Die Kommenden, Großdeutsche Zeitung und Nachrichtenblatt der deutschen Jugendbewegung, 5. Jahrgang, 5. Folge, 31. Januar 1930, Seite 55

 

An der Tagung in Hildburghausen nehmen Freireligiöse, Völkische, Nationalrevolutionäre, Esoteriker, Lebensreformer, Mystiker, Anthroposophen, radikale Christen, Jugendbewegte, Kulturrevolutionäre und Sozialisten aus ganz Deutschland teil (vgl. Peter Bahn 1990). Sie stellt die Synthese der deutschen Volksseele und die "reine Christusidee in den Mittelpunkt der deutschen Wiedergeburt" (Linse 145ff). Als Redner treten auf: Max Schulze-Sölde (Haubinda / Thüringen), Doktor Karl Strünckmann (Blankenburg / Harz), Georg Groh (Schweinfurth), Doktor Nikolaus Ehlen (Velbert), Pfarrer Rudolf Walbaum (Alzey, Rheinhessen), Maria Groener (Ulm), Paul Feltrin (Würzburg), Otto Sieber (Berlin) und Dora Kallmann (Darmstadt). Otto Paetel (Die Kommenden), der Pfingsten die Gruppe der Sozialrevolutionären Nationalisten (GSRN) gründen und eng mit Ernst Niekisch (1889-1967) zusammenarbeiten wird, kündigt mit Friedrich Muck-Lamberty (Naumburg) als Ko-Referenten im Programm einen Vortrag an. Im Mai 1930 lädt er ihn "zu einem Vortrag über Die Jungen und der heutige Staat nach Berlin ein; während des Aufenthaltes dort hatten er und Paetel Gelegenheit, im Reichstag mit Parteiführern zu sprechen...." (Linse 1983, 126)

Auf die Teilnahme an der Hildburghäuser Tagung von Doktor Artur Dinter (1876-1948) legte Max Schulze-Sölde gesteigerten Wert, gehörte er doch zu ihnen, wie er im Brief an Friedrich Muck-Lamberty vom 5. Mai 1930 zum Ausdruck bringt. Er bedauerte, dessen finanziellen Forderungen nicht genügen zu können.

 

[Bekanntmachung:]

Religiöse Woche in Hildburghausen.

"Religiöse Woche in Hildburghausen.
Ab 19. bis 26. April finden in der Seminar Aula vormittags und abends
öffentliche Vorträge
über religiöse Fragen der Gegenwart statt. Es
werden die nordische Weltanschauung, die katholische Ur-Idee,
die indische Gedankenwelt, das Christentum
und der Bolschewismus behandelt.
Die Wochenkarte kostet 5,- M, die Tageskarte
1,- M, Arbeitslose und Bedürftige haben freien
Eintritt. - Jeder ist herzlich eingeladen!"

Aus: "Hildburghäuser Kreisblatt",
Hildburghausen, den 17. April 1930

 

Die Tagung beginnt am Ostersonnabend mit einem feierlichen Orgelspiel in der Aula des Lehrer-Seminars Hildburghausen. Der Initiator der Religiösen Woche Otto George (Hildburghausen) begrüsst alle. Bevor dann die Vorträge beginnen, gibt jeder der Anwesenden zum Auftakt einen Überblick über sein Leben. Alle sind durchglüht von den Nöten der Zeit und bemüht, die Glaubenskrise zu überwinden.

Doktor Karl Strünckmann, 1921 Herausgeber Der Christliche Revolutionär (Bad Soden), Leiter eines Naturheilsanatoriums und Lebensreformer, hält den Festvortrag zum Weg von Blankenburg nach Hildburghausen. "Mit sechzehn war er überzeugter atheistischer Sozialdemokrat, bei Studienabschluss schwor er für immer den Alkohol und Nikotin ab, mit vierundzwanzig wurde er unter dem Einfluss Schopenhauer Buddhist, blieb aber weiter Sozialist." (Linse 1983, 91) Was auf der Biologischen Doppel-Woche im Harz an der Jahreswende von 1929/30 begann, will Doktor Karl Strünckmann in Hildburghausen fortsetzen. Nach 1918 änderte sich, so die politische Diagnose des Arztes, das Leben zusehends, doch das Wichtigste, das Religiöse, fehlt. Deutschland sieht der Festredner im Kraftfeld von vier Polen gelagert, den roten (Moskau), den schwarzen (Rom), den goldenen (Newyork) und den weissen (Indien, Ghandi). Die drei ersten üben einen unguten Einfluss aus, sie sind "die Scheren des einen kapitalistischen Skorpions", zitiert ihn Georg Groh (1930, 64) später. Nur die letzte Richtung verspricht Rettung. Deutschland soll zwischen Wallstreet und Geist einerseits sowie Westen und Moskau andererseits vermitteln.

Am Abend schnürt Otto George (Hildburghausen) das Themenpaket Nordische Glaube und nordische Sittlichkeit auf. Ihn betrüben der sittliche Verfall des Volkes und das Ringen der deutschen Seele mit einer ihr fremden Weltanschauung [dem Marxismus]. Der Mensch hat sich von Gott, der Natur und dem Gesetzbuch entfernt. Seine Selbstfindung und kulturellen Aufstieg verhindert der Individualismus, was das Christentum heraufbeschwor. Das blieb nicht unwidersprochen. Aber nicht Christus, der - so der Redner - kein Jude, sondern ein Arier war, soll im Mittelpunkt stehen. Gott gehört ins Zentrum. Das Endziel muss die Schaffung eines neuen Menschentyps sein, des deutschen, gotischen Menschen. Die sittliche Erneuerung des Volkes versteht der Referent als Rückbesinnung auf eine organisch, germanische Weltanschauung, die, wie es ein Rezensent nennt, Germanisierung der Weltanschauung. Manchmal fiel er in ein zu starkes Pathos, "aber die Echtheit seiner Gesinnung und die Redlichkeit seines Herzens hinterließen einen starken Eindruck." (Schulze-Sölde 1930)

 

Herzögliches Lehrerseminar Hildburghausen
(vielleicht um 1920)

Um niemanden im Kirchgang zu stören, begann die Tagung am Sonntag erst um die Mittagszeit. Vor einem Kreis von dreißig bis vierzig Leuten spricht Georg Groh (Schweinfurt). Er lenkte die "Aufmerksamkeit auf den unheilvollen Wahn, dass das Christentum, es sei gestaltet, wie nur immer, unsre heidnische Religion übertreffe" (Groh 1930). Er schilderte "unter welcher niederträchtigen Vergewaltigung unsren Vätern das Christentum aufgezwungen wurde." "Seine Worte waren", so stellt es Max Schulze-Sölde nach der Tagung im Brief an Doktor Karl Strünkmann dar, "ein einziger flammender Prost gegen alles das, was den Germanen in der bisherigen Form des Christentums aufgezwungen sei."

Die "Ausmerzung des jüdischen Gesetzessystems aus der schriftlichen Religion" hält Georg Groh für "unfruchtbar". "Denn immer wird das System übrig bleiben, das nicht jüdisch, sondern arisch ist, aber ohne den jüdischen Unterbau haltlos in der Luft schwebt". Im Rückblick (1930) auf den Vortrag vermerkt er:

"Den Eindruck, den meine Worte hinterliessen, wurde von dem bekannten Jugendführer Muck-Lamberty kurz, aber in einer für mich vollauf befriedigenden Weise dargestellt."

Man gab Groh  in der Diskussion "vor allem zu bedenken, dass Christus doch kein Jude gewesen sei!" (Nach Groh 1930) Dann wühlte Schulze-Sölde die Gemüter auf, als er fragte: "Wie stellt Ihr Euch zu Christus?" Alle freuten sich, als die Pause begann. Nachmittags nahm die Aussprache nicht richtig Tempo auf. "Die Herzen waren noch nicht aufeinander eingespielt und die Auseinandersetzungen vom zersetzenden Intellekt beherrscht." (Schulze-Sölde)

 

Am zweiten Konferenztag (Montag) wartet Doktor Nikolaus Ehlen (1886-1965) aus Velbert mit der katholischen Vor-Idee auf. Die Bänke im grossen Tagungsraum wurden im Kreis aufgestellt und die Luft des Individualismus herausgetreten. Seine Persönlichkeit beherrschte den Ostermontag, verzeichnet Schulze-Sölde im Brief an Karl Strünkmann.

 


Die religiöse Woche in Hildburghausen
vom
19. April bis 26. April 1930

(Zusammenstellung vom Autor)

 

Sonnabend, 19. April:

Begrüßung durch Paul Otto George aus Hildburghausen.

Festrede von
Dr. Karl Strünckmann
(Blankenburg / Harz):
Der Weg von Blankenburg nach Hildburghausen

Hauptschriftleiter Paul Otto George (Hildburghausen):
Nordischer Glaube und nordische Sittlichkeit.


Ostersonntag

Nordische Weltanschauung

Schriftleiter Georg Groh (Schweinfurt):
Relegion oder Glaubenssystem

 


Ostermontag

Katholische Uridee

Studienrat Doktor Nikolaus Ehlen (Velbert), Herausgeber der Lotsenrufe und Führer der großdeutschen Jugend: Die katholische Ur-Idee.

 

Dienstag

Indische Gedankenwelt.
Buddhismus.
Anthropologie.

Max Schulze-Sölde (Haubinda)
gibt eine Zwischenbilanz über das Geleistete

Maria Groener (Ulm):
Das indische Weistum in nordischer Beleuchtung

 

Mittwoch

Christentum und Bolschewismus

Paul Feltrin (Würzburg): Bolschewismus oder Christentum?

Pfarrer Rudolf Walbaum aus Alzey spricht über den Bolschewismus, die Diktatur des Proletariats, die Gewalt und Volkserziehung.

Max Schulze-Sölde (Haubinda)

6 Uhr Abends. Liebesmahl für die Armen der Stadt.

Friedrich Muck-Lamberty:
Das Wollen der Jugend.

(Vorgezogen. War eigentlich für Donnerstag vorgesehen.)

 


Donnerstag

Das Wollen der bündischen Jugend.

Ernst Otto Paetel
Hauptschriftleiter der Kommenden:
Über die religiösen und politischen Gedanken der bündischen Jugend

Otto Sieber (Berlin): Erneuerung des Okkultismus



Freitag

Die Frau bestimmt die Zukunft Deutschlands

Frau Dora Kallmann (Darmstadt)

Frau
Maria Groener (Ulm):
Die Mutter und die Helden

In der Abendversammlung sprechen Maria Groener, Dora Kallmann und Gusto Gräser.


Schlusswort: Hauptschriftführer
Paul Otto George (Hildburghausen)

 

Der Pionier des Selbsthilfe-Siedlungsbaus bringt die Erfahrung des Kosmischen ins Spiel. Sie führt uns vor Augen, dass die Welt nicht vollkommen ist. Doch leidet der Mensch unter dem Riss zwischen Ideal und Sein. "So war denn die seelische Lage an diesem Morgen genau umgekehrt wie am gestrigen Abend. War gestern die Seele des katholischen Menschen erschüttert worden durch die Glut des heldischen Protestantismus, so wirkte am heutigen Morgen die zeugende Kraft der katholischen Uridee ...."

"Die Aussprache am Abend, die besonders lebendig wurde durch das häufige eingreifen Muck-Lambertys, brachte gewiss noch vieles Anregendes und Vertiefendes, konnte aber naturgemäss die am Morgen erreicht Höhe nicht erreichen." (Schulze-Sölde 1930)

 

Czepuk aus Breslau von der Arbeitsgemeinschaft vom 18. August gibt sein Unwillen über die Wolkenschieberei auf dieser Tagung zum Ausdruck und reist aus Protest am Morgen des Dritten Tages, ohne Abschied zu nehmen ab.

 

Dienstag tritt Maria Groener aus Ulm mit dem Thema indisches Weistum in die Aula. Im schlichten weissen Kleid philosophiert sie über das Verhältnis des Menschen zu sich selbst, die Reform der Geschlechterbeziehung und die Neugestaltung der Beziehung zu Gott. Sie rudert in den Strömungen des katholischen und indisch-protestantischen Denkens umher.

"Also: Kein Umsturz keine Gewaltmassnahme nach irgendeiner Seite", zieht der Hildburghäuser-Kreisanzeiger nach dem dritten Tag Bilanz. "Das Streben aber geht dahin zu versuchen, tiefste Gegensätze bestehender Religionen, die heute teilweise unüberbrückbar erscheinen, zu beseitigen, um schließlich reinen konfessionellen Weltfrieden zu erreichen."

 

Am Mittwoch legt Feuerkopf Paul Feltrin aus Würzburg seine Vorstellungen zum Thema  Bolschewismus oder Christentum dar. Der 22-jährige ist der Sprecher der von Ritus Heller gegründeten christlich-sozialen Reichspartei. Russland kennt er aus eigener Anschauung. Den Bolschewismus begreift er als religiöses Geschehen. Hinter dessen Blutopfern und Vergewaltigungen, erblickt er jene Kraft, die das Böse wollen muss, um das Gute zu schaffen.

Max Schulze-Sölde empfand bei der "unerhörten Kraft" der Worte Schwarz und Weiss zu einer Einheit verschmelzen. Als der Redner geendet, ging er auf ihn zu, um ihn zu umarmen.

"Auf ähnlichem Boden bewegten sich die Darstellungen, die Muck-Lamberty, Frau Gertrud Bolm, Braunschweig, und George machten", expliziert ein Tagungsbericht zur Diskussion um Veltrin.

Über die Äusserungen von Muck bietet der Brief von Max Schulze-Sölde an Doktor Karl Strünckmann mehr Aufschluss. "In höchster Erregung sprang er auf," heisst es da, "und die Worte sprudelten nur so aus ihm heraus: `wenn heute der Bolschewismus sich ins Positiv-Schöpferische verwandele, so verdanke man das der unverwüstlichen Urkraft des russischen Volkes, nicht aber dem Bolschewismus selber. Wir Deutschen müssten unsere Rettung ganz allein im eignen Volkstum suchen und müssten uns hüten, die revolutionäre Methoden eines anderen Volkes auf uns zu übertragen.`"

Das steht aber in keinerlei Gegensatz zu Paul Veltrin, betont Max Schulze-Sölde.

"Die Gemüter der Disputanten kamen so stark in Erregung, dass die Tagung erstmal unterbrochen werden musste, um dann am Nachmittag fortgeführt zu werden."

Rudolf Walbaum (1869-1948), Prediger der Religionsgemeinschaft Freier Protestanten in Alzey (Rheinhessen), definiert nach der Mittagspause in der Diskussion den Bolschewismus "als russisch-slawische Form einer Diktatur des Proletariats, die Gewaltanwendung zur Erreichung kommunistischer Ziele" einsetzt. "Der politische Bolschewismus mitsamt seiner religionsfeindlichen Auswirkung bedroht von Osten her unser ihm innerlich fremdes Vaterland …." Aber "…. wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen." In Deutschland bringt der Bolschewismus nur Chaos. Deshalb brauchen wir, sagt der protestantische Pfarrer, keine Revolution, sondern einen glühenden Kampf für wirkliche politische Reformen. Walbaum sprach vom konfessionellen Bolschewismus, der ebenso gefährlich ist wie der politische Bolschewismus.

6 Uhr abends laden die Organisatoren der Tagung die Armen, Alten und Arbeitslosen der Stadt in den Schützenhof ein. Max Schulze-Sölde spricht einfühlsame Worte, dann reichen Frauen und junge Menschen Speisen und Trank. Auf der Bühne kommt ein Märchenspiel zur Aufführung.

Friedrich Muck-Lamberty um 1935*

 

 

Eigentlich kündigte das Programm Muck zusammen mit Ernst Otto Paetel, Herausgeber der Zeitschrift Die Kommenden, zum Thema Das Wollen der Jugend für den Donnerstag an. Doch gab zu dieser Zeit in der Volkshochschule Gottfried Haaß-Berkow (1888-1957) den ersten Teil von Goethes ‚Faust'. Um ein Zusammenfallen mit dem Gastspiel zu vermeiden, spricht Muck bereits am Mittwochabend in der Seminaraula vor vollgefülltem Saal. "Der Redner," beobachtete das Hildburghäuser Kreisblatt, "der auf Wunsch der hiesigen Jugend redete, war an seinem Abend kaum wieder zu erkennen."

"In Scharen strömten die Menschen herbei,"

berichtet Max Schulze-Sölde (6), "um den im Thüringerlande überall bekannten Jugendführer zu hören. .... Seiner sprühenden Lebendigkeit und seinem volkstümlichen Humor gelang es sehr schnell, sich die Herzen zu erobern." "Während er sonst der scharfe Denker und Logiker war, stand er jetzt fest vor uns als Jugendführer der Gegenwart."

 

[Vortragsankündigung]

Muck-Lamberty

spricht am Dienstag, den 13. Mai [1929], abends acht Uhr in der Aula, Guerickestraße 32, [Berlin] Charlottenburg (U-Bahn Knie), über

Wir Jungen und der heutige Staat.

Die Jugendbewegung als ein kosmischer Einbruch in die Zeit. Der bewußte Wille in der Weltgeschichte. Die Werte der Jungen in allen Völkern. Überwindung der Staats-"Kisten" durch die Lebenskräfte der Jungen: Heimat und Gemeinschaft. Bolschewismus oder Christentum, Rom, Wartburg oder Una Sancta. Die Hoffnungen auf die NSDAP. Aufforderung der NSDAP. zu einem Bekenntnis zu den Jungen oder zu einer Entscheidung. Die junge Front als Verständigung der Jungen in Deutschland, als Umbruch des Kommenden. - zur Deckung der Unkosten 1 RM [Reichsmark], Jugend 0,50 RM.

Lamberty ist Leiter der Werkschar (Werkgemeinschaft junger Handwerker) in Naumburg (Saale). bekannt als Führer der Neuen Schar in Thüringen 1920. Angegriffen von den verschiedenen Richtungen, aber noch immer nicht Parteimensch, sondern tätig als Vorbereiter einer neuen heimatischen (nationalen) Ordnung, im Sinne der Gemeinschaft (Sozialismus).

 

Muck sprach über die Aufgaben der Jugendbewegung gegenüber Volk, Staat und Gesellschaft. Mit Humor und gewürzter Kritik nahm er sich den "alten Menschen" vor und stellte ihn den "werdenden und kommenden neuen Menschen" gegenüber. Die bestehende gefährliche Lage des deutschen Volkes kann nur durch eine Wandlung der Lebensauffassung und Lebensführung erreicht werden. Deshalb muss sich die Jugend freimachen von alten Konventionen und Uniformierung. Den "neuen deutschen Staat", so seine Vorstellung, soll ein gesundes und natürliches Jugendleben durchfluten. Doch darf sich die Jugend nicht durch ihn vereinnahmen lassen. Sie muss ihren eigenen Weg gehen." Muck wird mit den Worten zitiert, "dass die Jugendbewegung ein kosmischer Einbruch in die Welt sei und einen Heilungsprozess wolle." Temperamentvoll legte er seine zum Teil verständlichen, zum Teil seltsamen Anschauungen über Kirche, Staat und Parteienwesen … dar …", textet die Dorfzeitung am 25. April 1930. Egoismus, Stoffglauben und Materialismus ziehen den Zorn von Muck auf sich. Zurück zum Geist, heisst das Gebot der Stunde. Mit Skizzen untermauerte er die Losung Zurück zur Natur. Zuvor hatte er schon mit Kreide und Tafel eine Persönlichkeitssymbolik entworfen. Wie schon andere Redner, rief er nach dem neuen Menschen.

Seine Rede bezeichnet das Hildburghäuser Kreisblatt als Erfolg. In der anschliessenden Diskussion unterstützten ihn Schulze-Sölde, Feltrin und Gertrud Bolm. Allerdings kritisierte Gertrud Bolm "in etwas schulmeisterischer Weise" (Schulze-Sölde) die anwesende Jugend. Diese war ihr gegenüber zu Autoritätsgläubig. Sie sollte lieber selber aufstehen und das Ihrige sagen. Da rief Henry Joseph dazwischen: Das könnte man in Berlin sagen, hier würde man sie dafür vom Podium heruntergeholt haben. "Da sprang Paul Veltrin vor, schob mit den Worten `nun, dann werde ich es tun!` Gertrud Bolm unsanft beiseite und strahlte noch einmal die Glut seiner Feuerseele in die staunend aufhorchende Menge hinein." (Schulze-Sölde 6)

Die örtliche Presse bescheinigt Muck, eine ausserordentlich urwüchsige und humorvolle Rede gehalten zu haben. Doch auf einen Aufruf zur Mobilisierung der Jugend gegen den Nationalsozialismus warten wir vergeblich. Die Dorfzeitung Hildburghausen meint, dass er "…. dem Nationalsozialismus die meisten Aussichten auf die Errettung des deutschen Volkes vor oder aus dem drohenden Chaos" (25.4.1930) gibt.

 

 

Das Manifest der Schwarzen Front

Das Aktionsprogramm der Kampfgemeinschaft Revolutionärer Nationalsozialisten, beschliesst der 2. Reichskongress vom 2. bis 4. Oktober 1931 auf der Burg Lauenstein.

Das Grundgesetz der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist die "Heiligkeit des Privateigentums"; die Grundlehre der kapitalistischen Wirtschaftspolitik ist die Verflechtung der internationalen Weltwirtschaft, gekrönt von der einheitlichen Goldwährung. Solange diese Säulen des kapitalistischen Wirtschaftssystems stehen, solange gibt es keine Änderung der heutigen Notlage in Deutschland! ....

Das Wesen der heutigen Klassenordnung und der parlamentarischen Demokratie besteht in jener naturwidrigen Schichtung des Volkes, die auf der Macht des Geldes beruht und eine Auslese erzielt, bei der Beruf und Berufung in 97 von hundert Fällen in Widerspruch zueinander stehen. ....

 

Richard Schapke. Die Schwarze Front. Von den Zielen und Aufgaben und vom Kampfe der Deutschen Revolution. Vorwort von Otto Strasser, Wolfgang Richard Lindner Verlag, Leipzig 1932, Seite 98 bis 102

 

Am Donnerstag, den fünften Tag, spricht Ernst Otto Paetel, einer der exponiertesten Akteure der Schwarzen Front, Leiter der Gruppe Sozialrevolutionärer Nationalsozialisten (GSR). Es scheint, als wenn der Hauptschriftführer Die Kommenden die Tagung zum Testfeld seiner Ideen macht. In diesem Blatt konnten, erklärt Peter Bahn (1990), der Kommunist neben dem HJ Führer, der parteifreie nationalistische Schriftsteller neben dem sozialistischen Gewerkschafter, der Freikorps-Veteran neben dem idealistischen Lebensreformer diskutieren und publizieren. Zunächst erläutert Paetel den Inhalt und die Ziele der Deutsche Revolution. Sie richtet sich gegen die Unterstützung der restaurativen und reaktionären Bestrebungen des deutschen Grosskapitals durch die Hitler-NSDAP und die Politik der Präsidialkabinette Brüning, Papen und Schleicher (vgl. Abendroth 184). Den Zeitpunkt für einen national-sozialen Umsturz hält Paetel für nicht gekommen, denn noch stehen die schwarzen Fahnen der Völkischen, denen der Roten heimatlos gewordenen Arbeiter gegenüber. Er wirbt für die freie Nation, den Kampf gegen den Versailler Vertrag und einen Sozialismus als Gemeinschaft aller Deutschen. Otto Strasser war sogar bereit mit der Sowjetunion auf Basis der Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts den Kampf gegen die imperialistischen Mächte zu führen (vgl. Abendroth 182).

Muck-Lamberty insistiert immer wieder auf das Heilwerden, sah aber nicht, "dass es in der Staatskunst allein auf das Erkennen von Tatsachen ankommt" (Schulze-Sölde 7). "Die Gemüter gerieten in Siedehitze", als die Frage aufgeworfen, ob eines Tages das Proletariat marschieren werde. Pfarrer Pauli verwies im Gegensatz "zu unserem Standpunkt" (Schulze-Sölde) darauf hin, dass Luther recht gehabt, wenn er den aufständischen Bauern gegenüber verlangte: `Schlagt sie tot wie tolle Hunde!" "zum Schluss verstieg er sich sogar zum allgemeinen Entsetzen zu der im Munde eines christlichen Pfarrers ungeheuerlichen Erklärung: '…. und wenn das Proletariat marschieren sollte, bin ich der erste der schiesst!'"

Am Nachmittag referierte dann "Freund" (Schulze-Sölde) Rudolf Sieber aus Berlin über den Okkultismus. Anschliessend sprach man über das Karma und die Wiederverkörperung.

Viele schauen am Abend die Faust-Inszenierung, der "zufällig" in Hildburghausen weilenden Haaß-Berkow-Truppe, in der Johannes Zaddach mit seiner Mephisto-Darstellung beeindruckt.

 

Der letzte Tag, Freitag, sollte der schwerste werden. "Neben den Frauen" [Dora Kallmann und Maria Groener], registriert der Tagungsbericht vom 26. April 1930, "sprachen Schulze-Sölde, Muck-Lamberty und der Naturapostel Gustav Gräser."

Referentin Dora Kallmann aus Darmstadt drückt ihre Sorge aus, dass Deutschland im Mittelpunkt zwischen Amerikanismus und Bolschewismus, westlicher und östlicher Kultur, zwischen Rom und Germanentum zerrissen wird. Deutschland wächst die schwere Aufgabe zu, das Neue zu gebären.

Muck zwang mit seiner "ungestümen Art" (Schulze-Sölde), die Rednerin immer tiefer zu schürfen.

Referentin Gertrud Bolm versuchte den Geist aus sich sprechen zulassen, übermittelt Schulze-Sölde, "aber es war nur ein stammeln".

 

Zu Max Schulze-Sölde
(1887-1967)

vertritt einen religiösen Sozialismus.

Beteiligt sich 1920 an einem Siedlungsprojekt auf dem Lindenhof nahe Kleve.

Um 1923 Bergarbeiter im Ruhrgebiet.

Sympathisiert mit den Anarcho-Syndikalisten (FAUD).

1926 Hilfslehrertätigkeit am Landerziehungsheim Haubinda, unweit von Hildburghausen

Der Völkische Beobachter (Hildburghausen) vom 29. April 1930 warnt die umliegenden Bauerndörfer vor dem Zeichenlehrer aus Haubinda, weil er in seinen Vorträgen dazu auffordert, sich freizumachen vom Eigentumswahn und Eigenbesitz. Das roch den Nationalsozialisten zu sehr nach Kommunismus.

Schulze-Sölde bietet Goebbels die Gründung eines Bundes religiöser Nationalsozialisten an, wovon der nichts wissen will (vgl. Wilde 1965, 107).

Ab 1945 Vorsitzender des Kunstrings Soest.

Auf der Religiösen Woche 1930 in Hildburghausen begegnen sich Muck und Max Schulze-Sölde.

 

"Dann kam endlich Gusto Gräser zu Wort. Ich hatte es in den vergangenen Zagen nicht fertig gebracht," gesteht Max Schulze Sölde, "ihn, den Einsamen, den ganz und gar in sein Ich und seine Traumwelt Versponnenen, einzubauen in den Rahmen unserer Tagung. Er fühlte sich deshalb ständig von mir zurückgesetzt. Nun aber hatte sich nach einer gründlichen Aussprache an Nachmittage alles glücklich gelöst, so dass er am Abend wunderschön in dichterischen Worte und Gleichnissen zu uns zu sprechen vermochte."

Maria Groener doziert über Mütter und Helden. "Nur dem heldischen Manne sollen die Frauen Herz und Hand schenken."

Dora Kallmann schloss mit einem Überblick und dankte allen Beteiligten. Eigentlich sollte hier Schluss ein. Doch sie gab den Männern noch einmal das Wort.

"… Und so stand denn Muck nochmals vor uns und sprach von dem neuen deutschen Dom, an dem wir alle zu bauen hätten, und er erst im Geiste errichtet werden müsste, bevor er im Stoffe dastehen könne." (Schulze-Sölde 8)

Zum Abschluss der Tagung tritt der Hauptschriftführer Otto George (Hildburghausen) auf.

"Der Plan, den die Veranstalter der religiösen Woche hatten," resümiert das Hildburghäuser Kreisblatt, "den Versuch der Sammlung und Einigung zu machen, ist restlos geglückt." Hingegen war Georg Groh (1930) mit der Hildburghäuser-Tagung gänzlich unzufrieden, weil er "erleben musste, das Christus den Gott in unsren Herzen in den allerletzten Winkel zurückdrängt, ja dass er uns Gott tatsächlich entfremdet". Deshalb "war eine offene und entschiedene Ablehnung heilige Pflicht! - Die Einberufer der Religiösen Woche liessen eine religiöse Festigung leider so sehr vermissen."

Zum Abend sitzen alle in einer großen Versammlung beieinander. "Einige der schönsten stellen des Tacitus über die germanische Frau gaben den würdigen Auftakt." (Schulze-Sölde 8)

 

Reichskongress der Kampfgemeinschaft Strasser

Muck nimmt am 26. / 27. Oktober 1930 am ersten Reichskongress der Kampfgemeinschaft Strassers im Alten Askanier in Berlin teil. Anwesend sind 33 Delegierte, davon 8 aus Berlin. Insgesamt zählt man 70 bis 250 Teilnehme darunter als Gast Ernst Niekisch. (Vgl. Schüdekopf 329)

 

 

KGRNS - Schwarze Front - Leuchtenburgkreis

Vom 8. bis 9. Oktober 1932 tagte auf der Leuchtenburg bei Kahla der III. Reichskongress der Kampfgemeinschaft revolutionärer Nationalsozialisten (KGRNS). Daran nahmen Vertreter von 140 Ortsgruppen der NSDAP, SPD, KPD, Jungendorganisationen und anderen Formationen teil.

Nach dem Otto Strasser am 4. Juli 1930 in allen Blättern des Kampf-Verlages eine Erklärung "Die Sozialisten verlassen die NSDAP" veröffentlichte hatte, versuchte er verschiedene Gruppen in der Schwarzen Front zusammenzuführen, die den Nationalsozialismus von Hitler ablehnten.

Über die Widerstandstätigkeit der Schwarzen Front schreibt Wolfgang Abendroth (1960, 184):

Sie ".... bekämpfte zwar konsequent die Politik der Präsidialkabinette Brüning, Papen und Schleicher. Ihr gewichtigstes Anliegen war es jedoch, die Errichtung einer Diktatur Adolf Hitlers, die im Bündnis mit dem deutschen Großkapital stehen würde, zu verhindern. Die Schwarze Front versuchte deshalb immer wieder, zunächst alle kleineren nationalistischen Gruppen und politisch aktiven Gruppen der freien Jugendbewegung, dann aber auch weit darüber hinaus alle sozialistischen und demokratischen Kreise zu einer Einheitsfront gegen den Nationalsozialismus Adolf Hitlers zu sammeln. So gelangte sie im Herbst 1932 auf der durch sie einberufenen Leuchtenburg-Tagung zu der Losung, zur Rettung Deutschlands in der Krise ein Revolutionskabinett zu fordern, in dem der Reichsbannerführer Höltermann, der frühere sozialdemokratische Innenminister Severing, der sich zur KPD bekennende frühere Reichswehrleutnant Scheringer und Gregor Strasser sitzen sollten."

Es lag im Interesse des Leuchtenburg-Kreises, Verbindungen, Möglichkeiten und politische Linienführung zu anderen Hitler-Gegnern zu klären. So hatten es Fritz Borinski und Otto Strasser im September `32 beim Treffen zwischen den Mitarbeitern der "Neuen Blätter für den Sozialismus" und der "Schwarzen Front" in Onkel Toms Hütte (Berlin) verabredet. Am Abend des 4. Oktober 1932, also einige Tage vor dem Treffen der KGRNS, kommen im Remter der Leuchtenburg Mitglieder von den Köngern, Kronachern, Jungdeutschen, dem Neuwerk, vom Tat- und Leuchtenburg-Kreis (Adolf Reichwein) sowie der Schwarzen Front (Otto Strasser) zusammen. Lebhaft diskutieren sie über Marx, die Nation und Deutschland.

Zum Treffen der Schwarzen Front am 8. / 9. Oktober auf der Leuchtenburg erschienen Vertreter von Wehrwolf, Oberland, Tatkreis und Leuchtenburgkreis, Walter Meyer, Adolf Reichwein, Fritz Borinski sowie weitere KPD- und SPD-Mitglieder. Gemeinsam war ihnen, dass sie die Idee des Klassenkampfes der proletarischen und unterdrückten Nationen und deutschen Revolution offen gegenüberstanden sowie den Versailler Vertrag ablehnten. Und zur nationalen Befreiung Deutschlands könnte man sogar, dachten Moeller van den Bruck, Karl Radeck, Karl O. Paetel, Ernst Graf zu Reventlow - vielleicht auch Friedrich Muck-Lamberty - ein Stück des Weges gemeinsamen mit der KPD zurücklegen.

Insgesamt reisten zur Leuchtenburg gut 300 Personen an. Es herrschte ein derber Ton, gute Kameradschaft und ein forscher Geist (Borinski).

"Gäste aus verschiedenen national-revolutionären Verbänden und Gruppen waren gekommen und sprachen Grussworte die mit rauer Zustimmung aufgenommen wurden," erinnert sich Fritz Borinski in Zur Geschichte des Leuchtenburg (66), "während draussen auf dem Burghof der legendenumwobene Friedrich Muck-Lamberty in einem Kreis überzeugter Kommunisten diskutierte - wie vor 10 Jahren - stundenlang und unermüdlich."

Samstagnachmittag erstattete nach dem Apell und der Fahnenweihe Otto Strasser den Bericht über die Tätigkeit der KGRNS, in dem er sich scharf von der Hitler-NSDAP absetzte. Dann sprachen Fritz Borinski von der SPD Leipzig und Richard Schapke von der Schlesischen Bauernbewegung Schwarze Fahne.

Sonntagabend legte Otto Strasser in einer Rede die Ziele der Schwarzen Front dar. Er spricht über deren Einheit, die er durch Gottesglauben und die völkische Idee gesichert glaubt, die wirtschaftliche Nationenwerdung und Gemeinschaftsbildung im deutschen Sozialismus. Als Höherpunkt forderte er die Bildung eines Revolutionskabinetts mit Gregor Strasser, Ernst Graf zu Reventlow (1869-1943), Karl Höltermann (1894-1955) von der SPD, stellvertretender Vorsitzender des Reichsbanners, Carl Severing (1875-1952), SPD, 1920 bis 1926 Innenminister von Preußen, und Leutnant Richard Scheringer (1904-1986), der sich am 18. März 1931 in aufsehenerrender Weise zu den Zielen der KPD bekannte. - Die Leuchtenburg-Diskussion wurde in der Broschüre Mit oder gegen Marx zur Deutschen Nation? veröffentlicht.

Friedrich Muck-Lamberty nähert sich der Schwarzen Front. Möglicherweise sollte er, so kann man das Geschehen um die Religiöse Woche interpretieren, als Jugendführer reaktiviert werden.

In der Debatte um die Deutsche Revolution auf der Religiösen Woche 1930 in Hildburghausen zeigten sich starke Interferenzen und erhebliche Unklarheiten. Dazu leistete Muck seinen Beitrag. Eine Vorstellung davon vermittelt sein Brief vom 23. Mai 1930 an Karl Otto Paetel in Berlin-Charlottenburg. Überhaupt offenbart das entsprechende Schriftgut Schwachstellen im politischen Denken. Besonders neigt er zur anthropologischen und romantisierenden Deutung des Nationalsozialismus, was dessen Brutalität und antidemokratisches Wesen verdeckt. Beispielsweise teilt er 1929 Henry Joseph mit: "Die selbstlosen Ideen der Liebe und der Gemeinschaft entwaffnen jeden Gegner, auch den rabiatesten N.S.D.A.P.-Mann. Deutsche Belange sind doch keine Begriffe, die in Worten liegen, sondern die nächsten Dinge die getan werden müssen."

Doch insgesamt hält er gegenüber dem Nationalsozialismus kritische Distanz. "Er setzte auf elitäre Gemeinschaften, nicht auf die blosse Zahl," deutet Ulrich Linse 1983 in Barfüssige Propheten (127) den Gegensatz zur nationalsozialistischen Ideologie an. Fürwahr, Muck wollte von der Organisation der Jugend in Vereinen und Bünden nicht viel wissen. "Ich bin Gegner des Massenzusammenschlusses der Jugend", bekennt er 1913 in Neuland in Sicht. Dabei blieb es Zeit seines Lebens.

Ihm war die militärische Formierung und politische Gleichschaltung der Jugendbewegung zuwider. Nicht von ungefähr beklagt der nachmalige Reichsjugendführer Baldur von Schirach 1931, worauf Walter Laqueur (1978, 86) hinweist, dass in der Jugendbewegung "feige und egoistische Menschen" erzogen würden, die "Hirngespinste" jagten. Ein Vorwurf, der sich an Bewegungen und Gruppen wie die Neue Schar richtete.

Muck "kritisiert die nationalsozialistische Gleichschaltungspolitik gegenüber den Artamanen, deren - auf seine Weise höchst fragwürdigem Idealismus - (Landarbeit und Siedlung im deutschen Osten) er mehr zutraute als den blossen "Anti-Worten" der Nationalsozialisten". Wenn aber eine Mitarbeit der besten Jugend dieser "neuen Front der Lebendigen" am staatlichen Aufbauwerk von der NSDAP nicht möglich werde, dann - so Muck in seinem Brief an Reventlow - bewahre man besser "die innere Sauberkeit durch Distanz"". "Gemäss dieser Parole blieb der völkische Muck", folgert Ulrich Linse (1983, 127), "auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Nonkonformist." Hieran schliesst nahtlos an, was Sohn Jungfried Lamberty 1995 gegenüber den bekannten Journalisten der Mitteldeutschen Zeitung Hans-Dieter Speck (1938-2015) äussert: "Mit den Nationalsozialisten hat Muck allerdings nichts im Sinne. Er bewahrte die innere Sauberkeit durch Distanz, wie er in einem Brief bekannte. Sein Sohn erinnert sich an einen Auftritt seines Vaters während einer der nationalsozialistischen Arbeitsparaden zum 1. Mai. Während die Innungen Zunftzeichen vorantrugen, erschien Muck mit einem grossen geschnitzten Kasperkopf auf einer Stange und erinnerte an das Goethe-Wort, wer sich nicht selbst zum Besten halten kann, gehöre gewiss nicht zu den Besten."


Im Netz subtiler Repressionen  nach oben

Als der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Robert Ley (1890-1945), daran ging, die „Werkschar“ zu gründen, war Muck-Lambertys Kollision mit den Nationalsozialisten absehbar. Der „Werksgemeinschaft“, erläutert der Naumburger NSDAP-Vorturner im Brief vom 12. Oktober 1937 an den Regierungspräsidenten, „liegt das in jeder Beziehung unklare Gedankengut Lamberty-Mucks zugrunde, wie es sich bereits aus dem von ihm beigefügten Flugblatt Deutsche Volksgemeinschaft ergibt“. Der NSDAP-Kreisleiter hält es nicht für notwendig, ihm die Firmenbezeichnung „Werkschar“ und „Werksgemeinschaft“ endgültig zu untersagen. Aber er setzt sich dafür ein, dass der Kunsthandwerker

„darüber hinaus von keiner Partei- und Staatsstelle in irgendeiner Weise gefördert werden“

soll.

Die Ortspolizeibehörde und Stadtverwaltung, der Parteiapparat der NSDAP und die Gerichte arbeiten bei der Beobachtung, Kontrolle und politischen Verfolgung auffälliger Bürger in der Kommune eng zusammen.

„Leider sind unter den Gefolgschaftsmitgliedern“ von Muck-Lamberty,

stellt NSDAP-Kreisleiter Uebelhoer am 12. Oktober 1937 fest,

„sehr viele halbe Außenseiter, die meist nicht einmal der Deutschen Arbeitsfront angehören und den Anschluss an die nationalsozialistische Weltanschauung noch nicht recht gefunden haben. Es ist für Muck-Lambertys heutige politische Einstellung bezeichnend, daß er gerade die Einstellung solcher Volksgenossen bevorzugt. Andererseits zeigt er gerade hierbei seine berechnende Vorsichtigkeit dadurch, daß er sich vor der Einstellung früherer Gegner der NSDAP., aus dem Konzentrationslager Entlassener u. a. des Einverständnisses der Kreisleitung der Partei versichert.“


Firmenbezeichnung


1930:
Werkstätten der Werkschar,
Naumburg an der Saale, Weißenfelser Stasse 42

1933:
Drechslerei, Schnitzerei, Tischlerei,
Naumburg an der Saale, Werkstätten am Domplatz 20

3. November 1934:
Friedrich Muck-Lamberty Leiter der Werkschar. Werksgemeinschaft junger Handwerker
Naumburg an der Saale *

Änderung 1938:
Friedrich Muck-Lamberty Holzwerkstätten
 *

1937:
Werkschar Naumburg/Saale,
Werksgemeinschaft junger Handwerker
(Nach Mitteilung von Friedrich Uebelhoer 1937)

1939:
Werkstätten für Handwerkskultur, Naumburg an der Saale, Domplatz 20

Zitat aus dem Anschriftenbuch Naumburg (Saale) 1939/40, Seite 183:

Lamberty-Muck Friedrich
Handwerkstätten

Werkstätten: am Domplatz Nr. 20 / Ruf 2224 PS: Erfurt 21219 / Bank: DBank und Stadtsparkasse. Geschäftszeit: Betrieb 6-18 Uhr, Schreibstube bis 19 Uhr

Wohnung: Landhaus Siebeneichen bei der Holländer Mühle

Ausstellungsräume und Handweberei von 8 bis 19 Uhr, Bismarckplatz 4

Leiterin: Frau Paula Lamberty, geb. Lenkeit

 

* Handelskammer Halle an der Saale. Handel-Register des Amtsgerichts Naumburg

 

Und weiter heisst es:

„Die zuständigen Dienststellen der Partei und der Polizei sind sich einig darüber, daß Muck-Lamberty auch heute noch als durchaus politisch unzuverlässig anzusehen ist.“

Martin Schmidt, Geschäftsführer der NSDAP-Kreisleitung, befundet Muck-Lamberty am 25. September 1937:

„Der Inhaber des Betriebes ist der sattsam bekannte Wirrkopf Muck-Lamberty. Dieser hat vor der Machtübernahme die NSDAP. bekämpft und versucht, für allerhand andere selbst erfundene politische Richtungen Propaganda zu machen. Nach der Machtübernahme propagierte er die Idee des Schwundgeldes und hatte dabei ebenfalls ein eigenes System erfunden. Immer versucht er sich in den Vordergrund zu stellen oder sonst wie sich persönliche Vorteile zu verschaffen, indem er sich an führende Männer und Frauen der Partei und des Staates wendet.“

Der Naumburger Kunsthandwerker und Unternehmer Friedrich Muck-Lamberty wird also von den Nazis nicht gelitten. Sie stellen ihn unter Beobachtung. Dabei geht es bei weitem nicht allein um die Tätigkeit als Geschäftsmann und Handwerker. Argwöhnisch schaut man vor allem auf seine privaten Angelegenheiten. Ein um das andere Mal werden über ihn anmaßende Urteile vom Standpunkt des NSDAP-Menschentums und -Führerkults getroffen. Die Nazis untersuchen seine Geschäftsverbindungen und überprüfen die Bonität. Ebenso beobachtet man misstrauisch die Einstellungspolitik. Alle Neuen werden durchleuchtet. Bewusst setzt man die alten Geschichten und Legenden, mal mehr und mal weniger genau, in Umlauf. Seiner Reputation in Naumburg ist dies nicht unbedingt zuträglich und belastet sicherlich die Familie. Die Nazis sehen in ihm keinen Mitstreiter, weshalb sie seine Geschäfte nicht unterstützen. Damit nicht genug, ruft Uebelhoer 1937 zu einem staatlichen Boykott gegen die Waren aus den Werkstätten auf.

Friedrich Muck-Lamberty stellt in seinem Unternehmen politisch Verfolgte und Außenseiter ein, was hoch anzuerkennen ist.

 

Schnüffeleien
und Verständigungsschwierigkeiten  nach oben

Während der Naumburger Jahre stecken viele Neugierige in ziemlich unsittlicher Weise ihre Nase in die Privatangelegenheiten des Kunsthandwerkers.

Am 5. Mai 1922 wendet sich der Reichsjugendring aus Hellerau (Dresden) an die Naumburger Polizei. Der lässt Wissen, dass er "ohne unser Wollen von der [Leuchten-] Burg durch die Polizei verwiesen" wurde. Dann teilt er sein Anliegen mit: ".... von Seiten des Polizisten und verschied. anderen Herren" fiel "die Aussage, dass Muck-Lamperty auch in Naumburg noch verschiedene Mädchen verführt und weitere Kinder hätte. U. a. wurde behauptet, dass ein 16-jähriges Mädchen mit in Frage käme. Da nun Muck Lamperty unter der Jugend eine große Rolle spielt und wir unbedingt die Wahrheit wissen müssen, erlauben wir uns die Bitte um Auskunft über das der Polizei in Naumburg bekannte Verhalten Muck Lamperty."

Die Psychiatrische Universitäts-Klinik Jena unter Leitung des berühmten Professor Hans Berger (1873-1941), bittet am 2. Juni 1922 den Oberbürgermeister der Stadt Naumburg um Einsicht in die Akten des Jugendführers. Es ist der vielleicht heimtückischste Versuch Muck zu deklassieren. Die Psychiatrisierung seiner Persönlichkeit lag ganz auf der Linie von Walter Hammer, der wortreich darlegt, Muck sei nur noch "pathologisch zu deuten". Vielleicht war  d a s  s o  nicht gemeint. Doch demonstriert dies, wie unangemessen die Kritik an Muck bisweilen ausfiel. Was ist der Grund für den Zorn seiner Gegner, fragte einmal Lisa Tetzner (1921, 773). Vielleicht das "unproduktive Leben", das er predigt?

Am 15. Dezember 1925 meldet sich die Mutter von Walter Mohr aus Bochum bei der Kriminal-Abteilung der Polizei Naumburg. Ihr Sohn, geboren am 2. Mai 1907, bereitet ihr Sorgen. Er hält sich seit einiger Zeit bei Friedrich Muck-Lamberty auf. Mit anderen Jungen zusammen soll er hier unentgeltlich und bei vegetarischer Kost für ihn arbeiten. Auf ihre Briefe antwortet er nicht. "Durch die fortgesetzte Hypnose, die Muck-Lamberty auf meinen Sohn ausübt, sind seine Nerven vollständig zerrüttet und bitte ich sie, den Fall einmal näher zu untersuchen, zumal ich gehört habe, dass Muck-Lamberty dem Pornograph 175 angehört." - Die Befürchtungen der Mutter bestätigen sich nicht.

"Sein persönliches Auftreten in Naumburg gibt zu Anständen keinen Anlass", stellt Bürgermeister Karl Roloff am 3. Mai 1927 fest.

Wie die Naumburger Polizeiakten zeigen, zieht Muck früh das Misstrauen der Behörden auf sich. Die Ortspolizei beschnüffelt ihn und fertigt Berichte an. Dabei tut sich der aus ähnlichen Vorgängen bekannte Polizeioberkommissar Mollenhauer [1234] hervor (zum Beispiel der Bericht von 1927). Er trat nach seinem aktiven Militärdienst am 1. April 1911 in den Dienst der Stadt. Am 1. Juli 1917 ernannte man ihn zum Polizeikommissar und 1921 zum Polizeioberkommissar. „In Vertretung des Oberbürgermeisters sprach Bürgermeister Roloff dem scheidenden Beamten Dank und Anerkennung für seine treuen Dienste“ aus, steht am 20. Januar 1939 im Naumburger Tageblatt geschrieben. Muck-Lamberty hätte ihm nicht gedankt und viele andere bestimmt auch nicht ....

Die Nationalsozialisten erinnern sich in ihrer Weise an Mucks wilde Jahre. "Ich halte es für unbedingt erforderlich", bedrängt der NSDAP-Kreisleiter von Naumburg, Friedrich Uebelhoer, am 12. Oktober 1937 den Regierungspräsidenten von Merseburg, "die einschlägigen Akten der damaligen Gebietsregierung Altenburg und des damaligen Thüring. wirtschaftsministeriums beizulegen. Schon damals hat Muck-Lamberty eine sehr fragwürdige Rolle gespielt, und der deutschen Jugendbewegung, in der er eine Zeitlang maßgebenden Einfluss gewonnen hat, unersetzlichen Schaden zugefügt."

Das Gegenteil ist der Fall. Muck gab der Jugendbewegung wichtige moralische, künstlerische und wirtschaftliche Impulse. Nur, Führer wollte er nie werden oder sein. Hitlers Anhänger misstrauen ihm. Muck-Lamberty ist

„auch heute noch als politisch unzuverlässig anzusehen, da er bei allen seinen Handlungen die Volksgemeinschaft nur im Munde führt, sonst aber ausschließlich auf sein eigenes Ich sieht …“,

so lautet die zusammenfassende Einschätzung von Martin Schmidt, Kreisgeschäftsführer der NSDAP-Kreisleitung Naumburg am 25. September 1937.

„In seiner Bekämpfung und Ablehnung der NSDAP ist er jedoch ziemlich folgerichtig gewesen und hat versucht“,

attestiert ihn der NSDAP-Kreisleiter von Naumburg am 12. Oktober 1937,

„für allerhand von ihm selbst erfundene politische Richtungen, ähnlich wie der berüchtigte Tausendmarkschein-Winter in Großjena, Propaganda zu machen.“

Bei einer 1. Mai-Demonstration fällt Muck-Lambertys (Betriebs-) Gefolgschaft durch scherzhafte Anspielung auf den NSDAP-Kreisleiter unangenehm auf. Das zieht einen gewaltigen ideologischen Wirbel nach sich. Ausserdem soll Muck, so erzählt man es noch heute in der Stadt, einen Prozess gegen die Nationalsozialisten gewonnen haben, was leider nicht verifiziert werden konnte.

Viele Naumburger sehen in ML einen Spinner oder Sonderling, berichtet 1994 Zahlreiche Erinnerungen an den Hilfsbereiten Eigenbrödler (Agthe). "Was für böse Erfahrungen musst du schon gemacht haben, dass du so starrköpfig geworden bist", heisst es im Helmut Harringa von Hermann Popert (1917, 35). Muck wurde Ende Juni 1921 in Naumburg unfreundlich aufgenommen. Seinen Freund Gusto Gräser verhaftete man. Verschiedene Institutionen, wie der Reichsjugendring, die Psychiatrische Klinik der Universität Jena oder die Naumburger Polizei stellten ihm nach. Am 25. August 1921 reagiert er auf eine Vorladung von der Polizei mit einen Brief an den Oberbürgermeister, wo er Herz ausschüttet:

"Ich habe kein Vertrauen zur Polizei und bitte Sie, als den Meister Bürger um ihre Unterstützung ...".


Blick zur Schneiderschen Fabrik aus Richtung Domplatz (um 2007).

Er lädt Arthur Dietrich in seine Werkstatt ein, um die Vorbehalte zu seiner Person abzubauen. Aber das gelang nicht. Noch 1928 bezichtigt ihn die Nordbayerische Zeitung "schwerer Verbrechen" gegen die Jugend. Dabei war ML im Kern völkisch-national Gesinnt und passte eigentlich in das politische Kernmilieu von Naumburg, ja wenn, wenn es nicht vom Kreis um Georg Schiele dominiert und geprägt würde. Dieser war ihm viel zu blasiert, zu wenig alternativ. Umgekehrt erhielt er von ihnen auch keine Unterstützung.

Über das politische Auftreten von Muck in der Öffentlichkeit heisst es 1937:

"Seine Redeausflüsse als Diskussionsredner waren den Anwesenden fast durchweg unverständlich." (Uebelhoer 12.10.1937)

Tatsächlich waren seine politischen Gedanken nicht immer leicht nachzuvollziehen, man musste sie erst verstehen lernen. Wer dazu, aus welchen Gründen auch immer, nicht bereit war, empfand manches abrupt oder sonderlich. Hierüber reflektiert er im Brief vom 23. Mai 1930 aus Naumburg an Max Schulze-Sölde in Haubinda (Thüringen): "Ich habe ja nie spekuliert verstanden zu werden. Ich bin auch ohne meine Freunde meine Wege gegangen, ob sie den Daumen hielten oder nicht."

Schwierigkeiten bereiten sein Faibel für das Deutschnationale und Völkische mit ganz eigener Dignität sowie die Idee der Volksgemeinschaft. Bekanntlich führt von hier ein breiter Weg zur Ideologie des Nationalsozialismus. Muck beschreitet diesen Weg nicht. Davor bewahrten ihn aber nicht Hinweis- oder Warnschilder. Vielmehr war es sein anarchistisches Wesen kombiniert mit unbändiger Selbstbehauptung, dass ihm eine natürliche Widerspenstigkeit gab. Er war eigensinnig, lag quer zu allen politischen Organisationserfordernissen. Hans-Dieter Speck (Weissenfels) bemerkt 1995 treffend:

„Er hat sein Leben lang gemacht,
was er wollte.“

Das passte den Nationalsozialisten nicht. So machte er sich bei den Führungskadern der Stadt öfters unbeliebt. Parteiorganisationen stand er aus prinzipiellen Erwägungen reserviert bis ablehnend gegenüber. Schon deshalb kann er den Schritt zur militärisch organisierten NSDAP nicht tun. Aber auch inhaltlich ganz anders ausgerichteten politischen Parteien und Organisationen will und kann er sich nicht unterordnen. Damit sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Bürgermeister Roloff (12.9.1935) beobachtete:

„Er ergriff zwar früher in politischen Versammlungen häufig das Wort, trat aber nie für das Programm einer politischen Partei ein.“

Nicht selten liegt er mit den Behörden quer. „Ich schrieb einmal einem Präsident eines Arbeitsamtes,“ erzählt er in Jugendbewegung, Handwerk und Volksfest (10) mit, „der mir Vorschriften in meinem Betrieb machen wollte, ich sei in meinem Reiche selbst Präsident.“

 

 

Ich habe viel zu tunnach oben

Weihnachten 1945 schreibt Friedrich Muck-Lamberty an Enno Narten (1899-1973) in Hannover:

"Ich habe jetzt wieder 100 Menschen in meinem Betrieb, und habe viel zu tun, verwerte die von den Verwaltern verlassenen Läger des ehemaligen Heeres [-verpflegungs und -zeugamtes] und mache daraus Hausgebrauchssachen."

Aus Gasmasken entstehen Haushaltsdosen, aus Kaffeesieben Baumschmuck, aus Munikisten Wagen für Kinder, aus Maschinengewehrfedern Ausklopfer, aus Drahtstücken Wagendeichselführungen, aus Gasmaskenspanner Haken für Kleider. Später fertigen die Friedrich Muck-Lamberty Werkstätten wieder etwas vom klassischen Repertoire des Holzkunsthandwerkes.

1949/50 steht die Firma noch im Adressbuch der Stadt Naumburg, Die Familie wohnte längst im Freien Blick 22 (in Naumburg). Bald übersiedelt Muck-Lamberty nach Königswinter, schließlich nach Oberlahr in den Westerwald. Hans-Dieter Speck (1995) nennt hierfür das Jahr 1951. "Er floh", heisst es weiter, "direkt von der Leipziger Messe in den Westen." Aber die Geschichte ist nicht ganz klar, da für das Fluchtjahr in der Literatur unterschiedliche Jahreszahlen existieren. Rudolf Wiemer nennt das Jahr 1949. Leider waren dazu keine aussagekräftigen Dokumente zu finden. Aber einen wichtigen Hinweis gab sein Sohn Rüster im Jahr 2008. Er sagt, an seiner Haltung zu der sowjetischen Besatzungsmacht lag es nicht. Zu dieser hatte sein Vater persönlich ein unbedingt aufgeschlossenes und freundliches Verhältnis. Nach Berichten seines Vaters waren es Naumburger Intriganten und Neider, die hier am Werke waren. Möglicherweise, füge ich hinzu, vermittelt durch eine mechanistische Auffassung zur Schaffung sozialistischer Produktionsverhältnisse.

Nach dem Wegzug erhält laut Industrie und Handelskammer von Sachsen-Anhalt am 5. Juni 1950 Max Melzer die Treuhandschaft über die Firma. Am 4. April 1952 händigt das Amtsgericht von Naumburg Karl Teller (Naumburg, Marxstraße 9) die Bestallungsurkunde als Treuhänder der Firma Lamb. Muck, Handwerkstätten vom Rat des Kreises Weißenfels aus.

Nach seinem Weggang - oder Flucht ? - von Naumburg zeichnet man ganz kleine ideologische Karos. Ein Muck-Lamberty passt da nicht hinein. Dies prägt nun das Verhältnis der Stadt Naumburg zu ihm. Der Lebensreformer, Wanderprophet, Drechsler und Unternehmer, der nie ein Feind der Arbeiterklasse war, wohl aber mit den Nationalsozialisten haderte, fällt in Vergessenheit.

Friedrich Muck-Lamberty stirbt am 7. Januar 1984 in Oberlahr bei Altenkirchen.

Wir erinnern uns gern und mit Respekt an ihn. "Doch das Wissen um Muck-Lamberty ist bisher noch dürftig, so dass viele Leerstellen in der Biographie nur durch Mutmaßungen gefüllt werden können", zieht Kai Agthe aus Naumburg (Saale) 1994 Bilanz. Bald entdeckt die Stadt Naumburg (Saale) den Kunsthandwerker und Wanderpropheten wieder. Das Stadtmuseum widmet ihm 1997 eine Ausstellung. Im Naumburger Tageblatt erscheinen informative Artikel über sein Leben. Eine Straße erhält seinen Namen. Und manchmal zieht ein lustiger Haufen nach Art der Neuen Schar beim Großen Kirschfestumzug mit durch die Stadt.

 

"Ich frage mich wiederholt", überlegt Lisa Tetzner 1923 (48), "wo Mucks Bedeutung liegt. Ich sehe seine Wirkung aufs Volk. Ich sehe ihn in Gesprächen mit ernsthaften Menschen. In fast jeder Stadt wurden uns die Kirchen geöffnet. Ich höre immer wieder seine Busspredigten und den Streit der Meinungen. Wir sind in grosse Städte und kleine Dörfer gekommen. Es ist überall gleich. Es ist, als hätten alle Menschen nur darauf gewartet,

aufgerufen zu werden

und von einem aus ihrer Mitte von Gott zu hören. Und ich sehe die Schar untereinander.

Vielleicht ist sie in ihrem So sein das Beglückendste,
was ich je erlebte."


 

Quellen   Inhaltsverzeichnis oben    Ende Quellennachweis


Schriften, Aufsätze, Flugblätter und Mitteilungen von Friedrich Muck-Lamberty
Briefe von Friedrich Muck-Lamberty (zeitlich geordnet)
Nachrichten über Friedrich Muck-Lamberty und die Neue Schar (zeitlich geordnet)
Erinnerungen an Friedrich Muck-Lamberty
Über die Jugendbewegung, die Neue Schar und Friedrich Muck-Lamberty
Freideutsche Jugend (zum Beispiel: Knud Ahlborn, Alfred Kurella, Walter Hammer)
Freideutscher Jugendtag, Treffen am 11. und 12. Oktober 1913 auf dem Hohen Meissner
Marburger Tagung der Freideutschen Jugend am 7. und 8. März 1914
Erster Deutscher Vortrupp-Tag in Leipzig vom 3. Juni - 6. Juni 1914
Gründungstagung des Jungdeutschen Bundes 1919
Schwarze Front. Leuchtenburgkreis. Leuchtenburg-Tagung 1932
Über Gusto Gräser (zeitlich geordnet)
Belletristik: Romane, Erzählungen, Gedichte
Radio
Filme
Ausstellungen
Bildnachweis

 

Schriften, Aufsätze, Flugblätter und Mitteilungen von Friedrich Muck-Lamberty

Flugblätter, Verschiedene. 1920-1923. Freideutsche Jugend A 104. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen

Muck-Lamberty, Friedrich: Neuland in Sicht: Den Freunden und Führern der Jugend. Heimstätten, Esslingen am N., Anfang September 1913

Muck und Peters. In: Ein Beitrag zur Neugestaltung der Kleidung. Eklöh. Lüdenscheid 1914, Seite 1 bis 4

Ein Beitrag zur Neugestaltung der Kleidung. Eklöh. Lüdenscheid 1914

Muck-Lamberty, Friedrich: An die Freideutschen! Verjüngung des politischen Lebens. Bramwalde an der Weser, 14. November 1918

Muck-Lamberty, Friedrich: An die Lebendigen im Adel. Buchdruckerei W. Klugkist, Münden, 29. November 1918

Muck-Lamberty, Friedrich, Theodora Schulze, Hermann Thümmler: Deutsche Volksgemeinschaft zu Hann.-Münden. In: Wanderscharen. Monatszeitschrift für volkstümliches Wandern, Heft 1/3, Band 6, 1919, Seite 15 bis 16 (Siehe auch: Muck-Lamberty, Friedrich, Theodora Schulze, Hermann Thümmel: Deutsche Volksgemeinschaft. Zu Hannoversch-Münden. 1. Januar 1919. Ein Abdruck im Auftrag von Friedrich Muck-Lamberty, Volkskunst-Werkstätte Naumburg an der Saale.)

Flugblatt von Muck-Lamberty aus den Revolutionstagen 1918. Deutsche Volksgemeinschaft. Unterzeichnet von Muck-Lamberty, Friedrich, Theodora Schulze, Hermann Thümmel. Nachdruck, Jena 11. März 1921. Stadtarchiv Naumburg, Akte Muck-Lamberty, Signatur SG 637

Muck-Lamberty, Friedrich: Verjüngung des politischen Lebens. In: Freideutsche Jugend. Eine Monatsschrift. Hamburg, 5. Jahrgang. Januar 1919, Heft 1, Seite 41 bis 43

Muck-Lamberty, Friedrich: [Diskussionsbeiträge vom 16. April]. In: Die Freideutsche Jugendtagung vom 11. bis 19. April 1919 in Jena. Krieg und Revolution und Freideutsche Zukunft. Die Reden und Aussprachen der Jenaer Tagung, herausgegeben von Knud Ahlborn Freideutscher Jugendverlag Adolf Saal, Hamburg 1919, Seite 65 und 69

Muck-Lamberty, Friedrich: Den jungen lebendigen Predigern. In: Freideutsche Jugend. Eine Monatsschrift. Hamburg, 5. Jahrgang, Heft 2, Februar 1919, Seite 82-85

Muck-Lamberty, Friedrich: An die lebendigen Prediger! Flugblatt 1, Abgabe durch E. Funcke Rehlingen bei Amelinghausen, Kreis Lüneburg. Brammwalde, 15. November 1918. - Erschien auch unter: Muck [=Friedrich Muck-Lamberty]: an die lebendigen Prediger. In: Der Aufgang. Blätter deutscher Jugend. Herausgeber Josef Fr. Ries. 2. Jahrgang, 1. Heft, Januar / Februar 1920 Vorangehend, Seite 5 bis 9

Muck-Lamberty, Friedrich. Siedlungsmöglichkeiten. (Handwerker-Landgemeinde mit Umwertungsstellen). Vortrag, gehalten in der Versammlung der Deutschen Volksgemeinschaft zu Hann.-Münden. Flugblätter für jungdeutsche Siedlung. Herausgegeben und zu beziehen vom Verlag Jungborn zu Sontra in Hessen. 3. Blatt, 1919

Wanderbuch von Friedrich Muck-Lamberty. Ausgestellt von der Stadt Harterstein (Sachsen) 1920. Archiv der Leuchtenburg

Muck-Lamberty, Friedrich: Die Handwerkerschar von der Leuchtenburg. Vom jungen Glauben. Flugblätter der Neuen Schar und junger deutscher Menschen in Mitteldeutschland. 2. Blatt. [Erscheinungsort wahrscheinlich Naumburg an der Saale], 23. November 1921

[Muck-Lamberty, Friedrich:] An alle jungen Menschen in Saalfeld! Flugblatt mit Einladung zum Vortrag Revolution der Seele von Friedrich Muck-Lamberty am 12. Juli 1920 abends 8 Uhr im Saal des Meininger Hof von Saalfeld, 1920. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen A 17, Nummer 1

[Muck-Lamberty, Friedrich:] An alle jungen Menschen in Kahla! Flugblatt mit Einladung zum Vortrag Revolution der Seele von Friedrich Muck-Lamberty am 2. August 1920 im Grossen Rathaussaal von Kahla, Kahla 1920, Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen A 17, Nummer 1

[Muck-Lamberty, Friedrich:] An alle junge Menschen in Jena! Flugblatt mit Einladung zum Vortrag Revolution der Seele von Friedrich Muck-Lamberty am 28. Juli 1920 im Volkshaussaal von Jena, G. Neuenhahn, Jena 1920, Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen A 17, Nummer 1

[Muck-Lamberty, Friedrich:] An alle Lebendigen in Weimar! Flugblatt mit Einladung zum Vortrag Revolution der Seele von Friedrich Muck-Lamberty im Grossen Volkshaussaale von Weimar am 18. August 1920, Weimar 1920, Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen A 17, Nummer 1

[Muck-Lamberty, Friedrich:] Erfurter! Flugblatt mit Einladung zum Vortrag Revolution der Seele von Friedrich Muck-Lamberty am 27. August 1920 abends ½ 8 Uhr in der Barfüßerkirche von Erfurt. Erfurt 1920, Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen A 17, Nummer 1

[Muck-Lamberty, Friedrich:] An alle Lebendigen von Eisenach! Flugblatt mit Einladung zum Vortrag Revolution der Seele von Friedrich Muck-Lamberty am 30. September 1920 in der Marktkirche von Eisenach], Eisenach 1920, Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen A 17, Nummer 1

Muck-Lamberty [Erwiderung zu einem Vorgang während des Kriegsdienstes auf Helgoland]. "Junge Menschen". Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens. Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Ende Januar 1921, Heft 2, Seite 29

[Muck-Lamberty Rechnung] Rechnung ausgestellt vom 18. Februar 1921 von Friedrich Muck-Lamberty. Akte des Staatsministeriums, Abteilung Finanzen zu Altenburg 1920-1926, [XIV.23.2.1], Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar, Signatur 2548

[Erwiderung von Friedrich Muck-Lamberty auf die Vorwürfe wegen Spitzeleien in Jungen Menschen, Heft 24, 1920] Muck. "Junge Menschen". Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens. Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Anfang April 1921, Heft 7

Muck-Lamberty, Friedrich, von der Neuen Schar: Offener Brief an Admiral Scheer. Weimar. Bernhard Vopelius, Jena, den 28. Februar 1921 (als Flugblatt veröffentlicht)

Muck-Lamberty, Friedrich: Offener Brief an Walter Hammer. Der Zwiespruch, 3. Jahrgang, Nummer 32, 5. August 1921, Seite 1

Muck-Lamberty, Friedrich: Volksredner in der Kirche. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 23. August 1921

Muck-Lamberty: Zum Geleit. Unter den Linden. Tanzspiele und Volksweisen. Gespielt und gesungen von der "Neuen Schar" in Thüringen. Herausgegeben von der Neuen Schar. Alexander Duncker Verlag, Weimar 1921

Muck-Lamberty: Zur zweiten Auflage. Unter der Linde. Tanzspiele und Volksweisen. Gespielt und gesungen von der Neuen Schar in Thüringen. Herausgegeben von Leuten der Schar. Alexander Duncker Verlag, Weimar, 31. bis 45. Tausendeste Auflage, 1922

Schuld am kommenden Elend. Ein Flugblatt der Neuen Schar. Naumburg, den 18. März 1922 (Autor wahrscheinlich Friedrich Muck-Lamberty)

Muck, Werkmann (Drechsler) der Handwerkerschar, Naumburg a. d. Saale. Reifruh (August) 1921. Zur zweiten Auflage. Tanzspiele und Volksweisen. Gespielt und gesungen von der Neuen Schar in Thüringen, herausgegeben von Leuten der Schar, Alexander Dunkel Verlag, 31. bis 45. Tausendste Auflage, Weimar 1922

Muck-Lamberty, Friedrich: "Aufruf an die Jugend" (um 1924). Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand: Friedrich Muck-Lamberty P 1 Nr. 157

Muck-Lamberty, Friedrich: Erklärung. Der Zwiespruch. Zeitschrift der jungen Generation, Nummer 31, 5. August 1928

[Muck-Lamberty, Friedrich] Jugendbewegung, Handwerk und Volksfest. Von Drechsler Muck. Verlag Werkschar (Werksgemeinschaft junger Handwerker), Naumburg an der Saale 1929

Muck-Lamberty, Friedrich: Selbstschulung der Arbeitslosen - unter Mitarbeit der Wissenden und Lebendigen. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 15. April 1931

Muck-Lamberty, Friedrich, Oberlahr-Westerwald: Postkarte vom 26. Juni 1957 an die "Jugendburg Ludwigstein, Werrathal b. Witzenhausen Hessen". Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen, Bestand Friedrich Muck-Lamberty P1 Nummer 157

 

Briefe von Friedrich Muck-Lamberty an, zeitlich geordnet:

Leutnant Harmsen vom 5. November 1918

Die Gebietsregierung Altenburg, Abteilung Finanzen, im Februar 1921. Akte des Staatsministeriums, Abteilung Finanzen zu Altenburg 1920-1926, [XIV.23.2.1], Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar, Signatur 2548

Westendorf aus Hann-Münden, 8. März 1919. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand Friedrich Muck-Lamberty P 1 Nr. 157

Hanne und Gertrud, aus Naumburg, der 4.7. Wittere 1920. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand Friedrich Muck-Lamberty P 1 Nr. 157

Pfarrer Ritzhaupt in Erfurt am 24. April 1921. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand Friedrich Muck-Lamberty P 1 Nr. 157

Verleger Eugen Diederichs in Jena am 27. April 1921. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand Friedrich Muck-Lamberty P 1 Nr. 157

Kurt Kläber am 24. Juli 1921 aus Naumburg (Saale)

Walter Hammer (offener Brief). Der Zwiespruch, 3. Jahrgang, Nr. 32, 5. August 1921, Seite 1

Henry Joseph (Berlin) am 10. Juli 1929. Die Kommenden. Großdeutsche Wochenschrift aus dem Geiste volksbewußter Jugend. Urquell Verlag Erich Röth, Flarchheim in Thüringen, 31. Folge, 4. Jahrgang (1929), Seite 362 f.

Ernst Graf zu Reventlow aus Naumburg am 30. April 1930. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand Friedrich Muck-Lamberty P 1 Nr. 157

Max Schulze-Sölde, Haubinda bei Hildburghausen, Thüringen [Über "Mein Weg und meine Erkenntnis: Aus dem Egos, Ethos in die reine Luft des Eros …"] am 23. Mai 1930 aus Naumburg a. S., unveröffentlicht

Max Schulze-Sölde, Haubinda bei Hildburghausen, vom 23. Mai 1930 aus Naumburg a. S., Thüringen. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand Friedrich Muck-Lamberty P 1 Nr. 157

Karl Otto Paetel, Berlin-Charlottenburg, Wilmersdorferstr. 14, vom 23. Mai 1930 aus Naumburg a. S.. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand Friedrich Muck-Lamberty P 1 Nr. 157

Stadtverwaltung Naumburg an der Saale, Grundstücksabteilung beim Magistrat Naumburg vom 22. November 1931, Stadtarchiv Naumburg

Enno Narten, Hannover, Siemensstrasse 10 A I, vom 24. Dezember 1945 aus Naumburg a. S. mit dem Absender: Friedrich Muck-Lamberty, für zeitnotwendige Gebrauchsartikel aus Holz. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand Friedrich Muck-Lamberty P 1 Nr. 157

 

Nachrichten, Mitteilungen und Kommentare
über Friedrich Muck-Lamberty und die Neue Schar (zeitlich geordnet)

[Friedrich Muck-Lamberty auf dem Vortrupp-Tag am 5. Juni 1914 in Leipzig] In: Auf Fichtes Bahnen. Bericht über den 1. Deutschen Vortrupp-Tag in Leipzig, vom 3. Juni bis 6. Juni 1914 erstattet von Franziskus Hähnel. Alfred Jansen, Hamburg 1914, Seite 26 bis 29

Ein Brief [von Alfred Kurella an Friedrich Muck-Lamberty]. Freideutsche Jugend. Eine Monatsschrift, Hamburg, 4. Jahrgang, September 1918, Heft 9, 338-339

[Friedrich Muck-Lamberty 1919 in Glüsingen.] Nach Ulrich Linse: Völkisch-jugendbewegte Siedlungen im 20. und 21. Jahrhundert. In: Jugendbewegung, Antisemitismus, und rechtsradikale Politik. Vom Freideutschen Jugendtag bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Gideon Botsch und Josef Haverkamp, de Gruyter, Berlin / Boston 2014, Seite 38 +39

Illing, A.: Die Bundeskanzlei des Wandervogels in Hartenstein. In: Glück Auf!. Zeitschrift des Erzgebirgs-Vereins, 40 Jahrgang, 1920, Nummer 2, Seite 18-20. [Friedrich Muck-Lamberty in Hartenstein, Erzgebirge.]

Stechow, von: Die "Neue Schar". Ethische Kultur. Monatsschrift für ethisch-soziale Reformen. Herausgeber: Dr. Rudolf Penzig. 28. Jahrgang, 1920, Seite 76 bis 77

[Wismann, Willi:] Anmerkung der Redaktion [Bericht über die Neue Schar]. In: Ethische Kultur. Monatszeitschrift für ethisch-soziale Reformen. 28. Jahrgang, 1920, Seite 77

Die neue Schar - Mörder? "Junge Menschen. Blatt der Deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens", Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 691. Jahrgang, Ende Dezember 1920, Heft 24, Seite 279 [Friedrich Muck-Lamberty auf Helgoland]

Helmut Schumacher, Klaus J. Dorsch: A. Paul Weber. Leben und Werk in Texten und Bildern. Mittler & Sohn, 2003 [u.a. zu Muck in Hartensteiner, 1920]

Wandervogeltagung. "Fränkischer Wald. Kronacher Zeitung und Amtsblatt", Kronach, den [20. ?] Mai 1920

Die Wandervögel. "Fränkischer Wald. Kronacher Zeitung und Amtsblatt", Kronach, den 22. Mai 1920

Geissler, Willi: Die Kronachfahrt 1920. In: Die deutsche Jugendbewegung. 1920 bis 1933. Die bündische Zeit. Quellenschriften. Herausgegeben im Auftrage des "Gemeinschaftswerkes Archiv und Dokumentation der Jugendbewegung" von Werner Kindt. Mit einem Nachwort von Hans Rampsch. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf, Köln 1974, Seite 299 bis 300

Die Wandervögel sind da. "Coburger Zeitung", Coburg, den 5. Juni 1920

Vortrag [Nachricht über Friedrich Muck-Lamberty]. "Coburger Zeitung", Coburg, den 7. Juni 1920

Eine Bitte an die Wandervögel. "Coburger Zeitung", Coburg, den 7. Juni 1920

Stimmen aus dem Publikum. Muck und die Wandervögel! [Autor: "B.P."]. "Coburger Zeitung", Coburg, den 8. Juni 1920

Wilde, Harry: Theodor Plievier: Nullpunkt der Freiheit. Verlag Kurt Desch, München, Wien, Basel, 1965, Seite 121 f. [Zum Beginn der Wanderung in Kronach Pfingsten 1920: Seite 115 bis 116; besonders Seite 117 bis 128]

Ankündigung eines Vortrags von Friedrich Muck-Lamberty für den 13. Juni 1920 in Sonneberg. "Sonneberger Zeitung", 12. Juni 1920

Mitteilung über die Wanderung der Neuen Schar von Sonneberg nach Wildenheid. "Sonneberger Zeitung", 14. Juni 1920

Pluta, Hans: Muck-Lamberty und die "Neue Schar" im Jahr 1920 in Thüringen. Erinnerungen eines Teilnehmers. In: Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung. Zweiter Band. Herausgeber Günther Franz, Hans Wolf, Gerhard Ziemer. Burg Ludwigstein 1970, Seite 103-107 [Erlebnisbericht über das Eintreffen und die Arbeit der Neuen Schar in Rudolstadt.]

Der Rattenfänger von Rudolstadt. "Rudolstädter Zeitung", Rudolstadt, den 6. Juli 1920

Die Neue Schar vom blauen Fähnlein. "Rudolstädter Zeitung", Rudolstadt, den 7. Juli 1920

Pätz, Erich: Muck Lamberty und die "Neue Schar" in Rudolstadt. In: Rudolstädter Heimathefte. 36. Jahrgang, Heft 5 / 6, Mai - Juni 1990, Seite 93 bis 99

Über die Revolution der Seele. "Rudolstädter Zeitung", Tageblatt und Generalanzeiger für Schwarzburg-Rudolstadt und dem Remdaer Kreis", 8. Juli 1920

"Neue Schar. "Thüringer Tageszeitung", Jahrgang 166, Weimar, Freitag, den 13. August 1920

Die "Neue Schar". "Weimarische Landeszeitung", Deutschland, Weimar, den 14. August 1920

Die "Neue Schar". "Weimarische Landeszeitung", Deutschland, Weimar, den 17. August 1920

Die "Neue Schar". "Weimarische Landeszeitung", Deutschland, Weimar, den 18. August 1920

Vortrag Muck-Lamberty. "Weimarische Landeszeitung", Weimar, den 19. August 1920

Hilger, Andreas: Gäserne Zeit. Ein Bauhaus-Roman. Osburg Verlag, Hamburg 2003 [Enthält eine verdichtete literarisch Darstellung über den Auftriit der Neue Schar in Weimar.]

Stern, Dr. Walter: Weimarer Marktreigen. [Bericht über den Auftritt der Neuen Schar auf dem Markt in Weimar]. Ohne Angabe des Datums

Wismann, Willi: Die "Neue Schar". "Junge Menschen". Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens. Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 1. Jahrgang, Anfang August 1920, Heft 15, 148

Lynkeus: Von der "neuen Schar". Beilage zur "Freien Presse". 2. Jahrgang, Nummer 182, Erfurt, den 21. August 1920 [Meldung zum Eintreffen der Neuen Schar in Erfurt.]

Lynkeus: Von der "neuen Schar". Sonderabdruck der "Freien Presse", Erfurt. 2. Jahrgang, Dienstag, den, 24. August 1920 [Auftritt auf dem Domplatz von Erfurt.]

Lynkeus: Von der "neuen Schar". Beilage zur "Freien Presse." 2. Jahrgang, Nummer 192, Erfurt, den 28. August 1920 [Bericht über den Vortrag von Friedrich Muck-Lamberty in der Bafüsserkirche vonr Erfurt.]

Stählin, Wilhelm: Via Vitae. Lebenserinnerungen von Wilhelm Stählin. Johannes Stauda Verlag, Kassel 1968 [Zu Muck und die Neue Schar in Eisenach September/Oktober 1920.], speziell Seite 171

Berghäuser, Ernst: Muck-Lamberty und seine "Neue Schar". Wandervogel" (Gelbe Zeitung), Heft 9/10, 1920. Abdruck in: Die deutsche Jugendbewegung 1920 bis 1933. Die bündische Zeit. Quellenschriften. Herausgegeben im Auftrag des "Gemeinschaftswerkes Archiv und Dokumentation der Jugendbewegung von Werner Kindt. Mit einem Nachwort von Hans Raupach. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf, Köln 1974, Seite 15

Jugendbewegung. "Jenaische Zeitung", Jena, Mittwoch, den 1. September 1920

[Volkskirche] Einladung zu der gemeinsamen Tagung der Freunde der freien Volkskirche in Thüringen und der Provinz Sachsen, des Bundes für Gegenwartchristentum im Freistaat Sachsen und der Freunde der Christlichen Welt auf der Wartburg vom 29. September bis 1. Oktober 1920. In: Die freie Volkskirche. Blatt für Gegenwartschristentum, Nummer 24, 6. September 1920

Eine Kapuzinerpredigt von Muck. "Gothaer Tageblatt", Gotha, den 10. September 1920, Seite 2

Muck-Lamberty. "Gothaer Tageblatt", Gotha, den 11. September 1920, Seite 2Die "Neue Schar" in Friedrichroda. "Friedrichrodaer Zeitung. Organ für die Bekanntmachung der städtischen Behörde. Anzeiger für Friedrichroda und Umgebung."Friedrichroda, den 17. September 1920

Kotschnig, Walter: Ein Weg zur Volksgemeinschaft. "Neues Grazer Tagblatt. Erste Morgenausgabe", Graz, den 19. September 1920

[Nachricht über die "Neue Schar"]. Friedrichrodaer Zeitung. Organ für die Bekanntmachung der städtischen Behörde. Anzeiger für Friedrichroda und Umgebung. Friedrichroda, den 13. September 1920

Stier, A.: Die "Neue Schar" [Teil 1]. "Friedrichrodaer Zeitung. Organ für die Bekanntmachung der städtischen Behörde. Anzeiger für Friedrichroda und Umgebung." Friedrichroda, den 20. September 1920

Stier, A.: Die "Neue Schar" [Teil 2, Schluss]. "Friedrichrodaer Zeitung. Organ für die Bekanntmachung der städtischen Behörde. Anzeiger für Friedrichroda und Umgebung. Friedrichroda," den 22. September 1920

[Ankündigung] Muck-Lamberty. "Eisenacher Zeitung", Eisenach, den 30. September 1920

Sauermilch, Albin: Die "Neue Schar". "Eisenacher Zeitung", Eisenach, den 30. September 1920

Muck Lamberty [Gezeichnet mit D.K.]. "Eisenacher Zeitung", Eisenach, den 1. Oktober 1920

Einheimisches! [Gezeichnet mit D.K.] "Eisenacher Zeitung", Eisenach, den 1. Oktober 1920

Die Neulandtagung. (Eigener Drahtbericht der Mitteldeutschen Zeitung.) Eisenach, 5. Oktober [1920]. Ein Zeitungsartikel. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen, Neue Schar A 17/2

Einige Betrachtungen. [Gezeichnet mit H.R.] "Eisenacher Zeitung", Eisenach, den 6. Oktober 1920

Deutsche Jugend, wach auf! [Gezeichnet mit W.Z.]"Eisenacher Zeitung", Eisenach, den 6. Oktober 1920

Fuchs, Emil: Jugendbewegung - "Neue Schar". In: Emil Fuchs: Mein Leben. Zweiter Teil. Ein Christ im Kampfe gegen den Faschismus, für Frieden und Sozialismus. Koehler & Amelang, Leipzig 1959, Seite 53 bis 57 [Muck-Lamberty in Eisenach und zur Jugendbewegung in Thüringen]

Selden-Goth, Gisella: Der Messias von Thüringen. "Neues Wiener Journal". Wien, 8. Oktober 1920, Seite 5

Hinein in die katholischen Jugendvereine! "Die Kommenden", Großdeutsche Wochenschrift aus dem Geiste volksbewusster Jugend, Urquelle Verlag Erich Röth, Flarchheim Thüringen, Nr. 21, Berlin, den 30. Oktober 1920

Schröer, Gustav: Auf den Spuren der "Neuen Schar" in Thüringen. In: Sächsische Heimat. Monatsschrift für volkstümliche Kunst und Wissenschaft in den obersächsischen Landen. Herausgeber: Kurt Arnold Findeisen. Oscar Laube Verlag, Dresden. 4. Jahrgang, November 1920, Seite 118 bis 119

Die Neue Schar. [Ohne Angabe eines Autors] Freideutsche Jugend. Eine Monatsschrift. Hamburg, 6. Jahrgang. Im November 1920, Heft 11, Seite 369 bis 370

Ministerium des Inneren Sachsen. Ministererlass. Kühn. Dresden, am 8. Dezember 1920

[Neudietendorf] Harald Lilliendahl (Neudietendorf) [Über den Aufenthalt der Neuen Schar in Neudietendorf bei Erfurt. "Herrnhut", Herausgeber Evangelische Brüder-Unität, 26. Dezember 1920

Die Neue Schar - Mörder? "Junge Menschen". Blatt der deutschen Jugend. Stimme des Neuen Jugendwillens. Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 1. Jahrgang, Ende Dezember 1920, Heft 24, Seite 279

Stechow, von: Die "Neue Schar". Ethische Kultur. Zeitschriftenband (1920)
Seite 75 bis 76. Deutsche Digitale Bibliothek.
http://www.digizeitschriften.de/dms/img/
?PID=ZDB024430897_0028|LOG_0073&physid=PHYS_0078#navi

Diederichs, Eugen: Die Neue Schar. "Die Tat". Monatszeitschrift für die Zukunft deutscher Kultur. Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena. XII. Jahrgang, Oktober 1920, Heft 7, Seite 555 bis 556

Westendorf, Fritz: Von räsonierenden Kleinbürgern. In: Der Einbruch. 1. Rundbrief der Entschiedenen Jugend. Herausgegeben vom Zentralrat der E.J.D.. [1921], Seite 21. [Nachricht über den Bund der ältesten Wandervögel (B.d.Ä.) und Friedrich Muck-Lamberty]

Wilker, Karl: Auf der Leuchtenburg. "Junge Menschen". Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens. Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Ende Januar 1921, Heft 2, Seite 28 [Erlebnisbericht über einen Besuch bei der Neuen Schar auf der Leuchtenburg im Winter 1920/21.]

Ritzhaupt, Adam: Die "Neue Schar" in Thüringen. Tat-Flugschriften 38. Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena 1921

Tetzner, Lisa: Selbstlose Brüderlichkeit. Noch ein Wort zu Muck-Lamberty und der neuen Schar. "Die Tat". Monatszeitschrift für die Zukunft deutscher Kultur. Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena. XII. Jahrgang, Januar 1921, Heft 10, Seite 773 bis 776

Tetzner, Lisa: Selbstlose Brüderlichkeit. Vom jungen Glauben. Flugblätter der Neuen Schar und junger deutscher Menschen in Mitteldeutschland. 1. Blatt. [Erscheinungsort wahrscheinlich Naumburg an der Saale]. ohne Zeitangabe; wahrscheinlich 1921. Dieses Flugblatt wird von Günter Wolff, Plauen i.V., Strassburger Strasse 48, vertrieben.

1920. [Abgedruckt in:] "Junge Menschen". Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens. Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Ende Januar 1921, Heft 2, Seite 29

Diederichs, Eugen: An eine junge Malerin, 11. Februar 1921. In: Eugen Diederichs Leben und Werk. Ausgewählter Erinnerungen und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Lulu von Strauß und Torney-Diederichs, Eugen Diederichs Verlag Jena 1936, Seite 366 bis 368. [Bericht über das Muck-Tribunal im Februar 1921 auf der Leuchtenburg.]

Schröer, Gustav: Der Fall Muck. "Eisenacher Zeitung". Eisenach, den 15. Februar 1921

Muck-Lamberty von der Leuchtenburg verwiesen! "Jenaer Volksblatt. Zeitung der Deutschen demokratischen Partei." Jena, den 15. Februar 1921

Der Messias der Leuchtenburg. "Jenaer Volksblatt. Zeitung der deutschen Demokratischen Partei." Jena, den 16. Februar 1921

Kötschau, Georg: Muck Lamberty und wir. "Jenaer Volksblatt. Zeitung der Deutschen demokratischen Partei". Zweites Blatt. Jena, den 18. Februar 1921

Nachwort der Redaktion. "Jenaer Volksblatt. Zeitung der Deutschen demokratischen Partei." Zweites Blatt. Jena, den 18. Februar 1921

Meyer, Hubert: Heil Muck! "Jenaer Volksblatt. Zeitung der Deutschen demokratischen Partei." Zweites Blatt. Jena, den 18. Februar 1921

Klewitz, Richard: Muck. "Eisenacher Zeitung", Eisenach, den 22. Februar 1921

Lienhard, Friedrich: Der Fall eines Jugendführers. "Berliner Zeitung", Berlin, den 28. Februar 1921

Schriftleitung: Muck von der Leuchtenburg verwiesen! "Junge Menschen. Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens." Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Ende Februar 1921, Heft 4, Seite 59

Brief von Eugen Diederichs an SR Exzellenz dem Herrn Kultusminister Mehnert, Altenburg (SA) Jena, den 10. Februar 1921. [Thema Muck-Lamberty und die Neue Schar auf der Leuchtenburg]. "Junge Menschen. Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens." Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Ende Februar 1921, Heft 4, Seite 59-60

Der "Heilige Muck" von der Leuchtenburg. "Freie Presse, Berliner Wochenschrift", 4. Jahrgang, Nummer 10, 10. März 1921

Oberhummer, Dr. Alouis: Der Heiland von Thüringen und sein Evangelium von der freien Liebe. "Tages-Post". Linz, den 19. März 1921, Seite 1

Tagesneuigkeiten. Christus II. "Tages-Post". Linz, den 29. März 1921, Seite 1

Lienhard, Friedrich: Der Fall des Jugendführers. In: Frauenblätter, Zeitschrift für die Interessen der Frauen auf sittlichem und sozialem Gebiet. 30. Jahrgang, Nummer 4 bis 6, April-Juni 1921, Seite 2 bis 4

[NF] Muck-Lamberty. "Die Naturfreunde" Gau Thüringen, Touristen - Verein "die Naturfreunde". Herausgeber "die Naturfreunde", Gau Thüringen, Druck: Thüringer Verlagsanstalt und Druckerei G.m.b.H. Jena. Nummer 4, April 1921, Seite 3-4 [Reflexionen über über die Pressebnberichterstattung zu Muck-Lamberty 1920/21]

Aus einem Brief von Eugen Diederichs an den Altenburgischen Kultusminister. "Junge Menschen" Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens. Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, 1921, Heft 4

Ihr Kahler. Einige Jungen von Kahla. [Ohne Datum, Verlag und Ort. Das Flugblatt berichtet über den Abzug der Neuen Schar von Leuchtenburg im Februar 1921] Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen, Neue Schar A 17/3

Schriftleitung: zum Fall Muck"Junge Menschen. Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens." Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Ende März 1921, Heft 5, Seite 73

Siegmeyer, Wilhelm: Muck-Lamberty. "Junge Menschen. Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens." Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Anfang April 1921, Heft 7, Seite 106 [Über Muck bei der Marine auf Helgoland und andere Vorkommnisse.]

Diederichs, Eugen: Muck, die Jugend und die sexuelle Frage. "Junge Menschen". Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens. Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Anfang April 1921, Heft 7, Seite 118-119

Eckhardt, Bruno: Zum Fall Muck". Junge Menschen. Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens." Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Ende April 1921, Heft 8, Seite 123

Stroh, Else: Muck Lamberty und seine Neue Schar. Kann Muck ein religiöser Führer genannt werden? "Die Tat. Monatszeitschrift für die Zukunft deutscher Kultur." Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena. XIII. Jahrgang, Mai 1921, Heft 2, Seite 134 bis 137

Der Prophet von der Leuchtenburg. Eine mittelalterliche Schwindelgeschichte im Deutschland des 20. Jahrhunderts. "Morgenblatt. Reichspost. Unabhängiges Tagblatt für das christliche Volk." Wien, den 26. Juni 1921, Seite 6

Zögner, Fritz: Muck-Lambertys Wirken, eine soziale Tat. "Die Eiche. Vierteljahresschrift für soziale und internationale Arbeitsgemeinschaft", 9. Jahrgang, Nummer 3, Juli 1921, Seite 252- 252

Muck-Lambertys Glück und Ende - eine Episode der Jugendbewegung. In: "Die Eiche, Vierteljahresschrift für soziale und internationale Arbeitsgemeinschaft", 9. Jahrgang, Nummer 3, Juli 1921, Seite 251

Friesland, Gerold von: Wiedermal um Muck. "Der Zwiespruch". Nummer 35, Rudolstadt, 26. August 1921

[Anzeige:] Ende September erscheint: Muck - der Gauner? herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. "Junge Menschen". Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, August 1921, Heft 16, Seite 255

Tetzner, Lisa: Der Schrei nach Erneuerung. In: Die Tat. Monatszeitschrift für Politik und Kultur. Verlag Eugen Diederichs Jena, Heft 10, Januar 1922, Seite 800 bis 803. [Allgemeine Bewertung der Neuen Schar und zum Auftreten einer Nachfolgegruppe im Sommer 1921 in Westfalen.]

[Leuchtenburg] Kahla, 26. April. Die Neue Schar und die Leuchtenburg. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 27. April 1922

Kahla, 28. April. Die Leuchtenburg und die Neue Schar. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 1. Mai 1922

Kahla, 5. Mai. Weiteres von der Leuchtenburg. In: Akte Friedrich Muck-Lamberty, Stadtarchiv Naumburg (Saale), Akte Muck-Lamberty, Signatur SG 637

Der Heilige von der Leuchtenburg. Das Ende eines Schwindlers. "Neues Wiener Journal", Wien, den 21. März 1922

Der Heilige von der Leuchtenburg. "Prager Tageblatt", Nummer 78, 2. April 1922

Muck-Lamberty. [Ankündigung eines Vortrags in Berlin]. Die Kommenden, Großdeutsche Wochenschrift aus dem Geiste volksbewußter Jugend. Urquell Verlag Erich Röth, Flarchheim in Thüringen, 19. Folge, 9. Mai 1922. Seite 222

[Berger] Mitteilung der Psychiatrischen Universitätsklinik Jena, Professor Hans Berger, an den Oberbürgermeister der Stadt Naumburg Saale. 2. Juni 1922. Akte Friedrich Muck-Lamberty, Stadtarchiv Naumburg (Saale), Signatur 637

Brief des Stadtrats von Kahla vom 6. September 1922 an das Thüringische Wirtschaftsministerium in Weimar. Akte des Thüringischen Ministeriums für Inneres und Wirtschaft. Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar, Signatur A 1056

[Reichsjugendring] Brief des Reichsjugendrings, Dresden, Kaulbachstraße 7, vom 5. Mai 1922 an die Polizeiverwaltung Naumburg (Saale). Akte Friedrich Muck-Lamberty, Stadtarchiv Naumburg (Saale), Akte Muck-Lamberty, Signatur SG 637

Linke, Rudolf: Freie Liebe - oder Zucht? Von Muck zu Mittgart. Verlag Matthes & Thost, Leipzig und Hartenstein im Erzgebirge 1922 [Geschrieben: Leipzig-Schleussig, Blümerstrasse 28, im Gilbhart 1921. Rudolf Linke]

Der heilige Muck. In: Jugend. Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben. Doppelheft, Nummer 8, 1922, Seite 326

Tetzner, Lisa: Bei Muck Lamberty. "Orplid", Literarische Monatszeitschrift, 1923/24, Heft 1, Seite 40 bis 48

Tetzner, Lisa: Im Land der Industrie zwischen Rhein und Ruhr. Ein buntes Buch von Zeit und Menschen. Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena 1923. Besonders: Kapitel: von Weltverbesserern und Propheten, Seite 113-133

Zirker, Otto: Zwischen Rhein und Ruhr von Lisa Tetzner. In: Junge Gemeinde. Wochenblatt der Wandernden Jugend, Blatt 31, Jahrgang 1924, 31. Juli 1924, Seite 456-457

[Mutter] Brief der Mutter von Walter Mohr vom 15. Dezember 1925 an die "Direktion der Kriminal-Abteilung Naumburg". Stadtarchiv Naumburg (Saale), Akte Friedrich Muck-Lamberty

Aufenthaltsanzeige eines Ausländers [zu Paul Lamberty, geboren am 28.2.1885]. Pass- und Meldewesen. Aufenthaltsanzeige 1940-1942. Stadtarchiv Naumburg, Signatur 9617

Standesamt Naumburg. Heirats-Hauptregister 1926, Stadtarchiv Naumburg, Akte Muck-Lamberty, Signatur SG 637

Akte Magistrat Naumburg, 1927-1934, Vermietung der Wirtschaftsgebäude der Artillerie Kaserne, Weissenfelser Strasse 38 (Werkschar), Stadtarchiv Naumburg (Saale), 8316

Bericht der Polizeiverwaltung 11. April 1927 über Muck-Lamberty. Stadtarchiv Naumburg, Archivsignatur SG 637

Mollenhauer. Polizei-Oberkommissar. 26. April 1927. Akte Friedrich Muck-Lamberty, Stadtarchiv Naumburg (Saale), Akte Muck-Lamberty, Signatur SG 637

[Polizeiverwaltung] Bericht der Polizeiverwaltung 11. April 1927 über Muck-Lamberty. Stadtarchiv Naumburg, Akte Muck-Lamberty, Signatur SG 637

[Roloff] Schreiben der Polizeiverwaltung Naumburg a. S. vom 3. Mai 1927, unterzeichnet von Karl Roloff. Stadtarchiv Naumburg, Akte Muck-Lamberty, Signatur SG 637

Falsche Propheten und Tempelschänder. "Nordbayerische Zeitung", Nummer 187, 10. August 1928

Muck-Lamberty spricht [Zwischenüberschrift]. Religiöse Woche in Hildburghausen. Nicht Bolschewismus, sondern vertieftes und reines Christentum. Zur Erneuerung und Rettung der deutschen Kultur [Der vierte Tag]. "Hildburghäuser Kreisblatt", Hildburghausen, den 24. April 1930

Religiöse Woche. Lamberty an die Jugend. "Dorfzeitung Hildburghausen. Die Thüringer Tageszeitung", Naumburg, 25. April 1930

[Schulze-Sölde] Ein Brief von Max Schulze-Sölde an Dr. Karl Strünkmann. [Bericht über die religiöse Woche in Hildburghausen]. "Der Dom", Urquell-Verlag Erich Röth, Flarchheim in Thüringen, Folge 1, 1930, Seite 1 bis 9

[Religiöse Woche] Abschrift der Ankündigung zur religiösen Woche aus dem "Hildburghäuser Kreisblatt", Hildburghausen, den 17. April 1930

Religiöse Woche in Hildburghausen. Religion oder Glaubenssystem? Nordische Weltanschauung mit Jesus. Der neue Mensch. [Der erste Tag] "Hildburghäuser Kreisblatt", Hildburghausen, den 22. April 1930

Max an Muck am 05. Mai 1930. In: "Der Dom", Urquell-Verlag Erich Röth, Flarchheim in Thüringen, Folge 1, 1930, Seite 10

Religiöse Woche in Hildburghausen. Die katholische Ur-Idee. Das Weistum der Judier. Vom Ich zum Du und All. [Der zweite und dritte Tag] "Hildburghäuser Kreisblatt", Hildburghausen, den 23. April 1930

Religiöse Woche in Hildburghausen. [Mit einem Bericht über den Vortrag von Friedrich Muck-Lamberty]. Nicht Bolschewismus, sondern vertieftes und reines Christentum. Zur Erneuerung und Rettung der deutschen Kultur. [Der vierte Tag] "Hildburghäuser Kreisblatt", Hildburghausen, den 24. April 1930

Religiöse Woche in Hildburghausen. Der fünfte Tag. Die Auffassung der bündischen Jugend. Okkultismus, Faust-Geist. "Hildburghäuser Kreisblatt", Hildburghausen, den 25. April 1930

Religiöse Woche in Hildburghausen. Der sechste und letzte Tag. Die Frau bestimmt die Zukunft Deutschlands. Ausklang. "Hildburghäuser Kreisblatt", Hildburghausen, den 26. April 1930

Religiöse Woche in Hildburghausen. Kreisanzeiger Hildburghausen. Schleusingen und Rodach. "Dorfzeitung Hildburghausen. Die Thüringer Tageszeitung", 24. April 1930

Borinski, Fritz: Zur Geschichte des Leuchtenburgkreises. In: Fritz Borinski, Horst Grimm, Edgar Winkler, Erich Wolf (Herausgeber): Jugend im politischen Protest. Der Leuchtenburgkreis 1923 - 1933 - 1977. dipa-Verlag, Frankfurt am Main 1977, Seite 15 bis 97 [Information über die Teilnahme von Friedrich Muck-Lamberty am 8. und 9. Oktober 1932 am Treffen der Schwarzen Front auf der Leuchtenburg bei Kahla.]

[MZN] Vergleich. "Mitteldeutsche National-Zeitung", Halle, den 9. Februar 1934

Lamberty, Junfgried: [Über das Verhalten von Friedrich Muck-Lamberty während der NS-Zeit]. In: Speck, Hans-Dieter: Er [Muck-Lamberty] hat ein Leben lang das gemacht, was er wollte. Auf eine Tasse Kaffe mit Junfgried Lamberty. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 20. Januar 1995

[Roloff] Brief an den Thüringischen Wirtschaftsminister, Weimar, Marienstraße 7. (Anlage zum Schreiben vom 28. August 1935) Unterschrieben von Bürgermeister Roloff am 12. September 1935, Stadtarchiv Naumburg, Akte Muck-Lamberty, Signatur SG 637

Uebelhoer, Friedrich, Brief des Oberbürgermeisters vom 12. September 1935 an den Thüringischen Wirtschaftsminister [zu Muck-Lamberty]. Stadtarchiv Naumburg, Akte Muck-Lamberty, Signatur SG 637

Uebelhoer, Friedrich [Oberbürgermeister der Stadt Naumburg und NSDAP-Kreisleiter], Brief vom 12. Oktober 1937 an den Herrn Regierungspräsidenten Merseburg [zu Muck-Lamberty], Stadtarchiv Naumburg, Akte Muck-Lamberty, Signatur SG 637

Schmidt, Martin: Bericht über Muck-Lamberty vom 25. September 1937, Stadtarchiv Naumburg, Akte Muck-Lamberty, Signatur SG 637

Joseph, Henry. Brief an Friedrich Muck-Lamberty. Erneuerung. Ein Briefwechsel über das Wesenhafte der Jugendbewegung. In: Die Kommenden. Überbündische Wochenschrift der deutschen Jugend. Herausgegeben von Ernst Jünger und Werner Laß. 4. Jahrgang, 31 Folge, Seite 362f.

Brief von Professor Steche an die Frau des damals weithin bekannten Naumburger Kunsthandwerkers, 27. April 1940. Archiv der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz, 2010

Brief von Harry Schulze-Wilde aus Ottabrunn bei München an Werner Kindt in Hamburg am 1. Oktober 1971. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand Friedrich Muck-Lamberty P 1 Nr. 157

Bahn, Peter: Die "Kommenden". Vor 60 Jahren: die "Religiöse Woche" in Hildburghausen /Thüringen. "wir selbst". Zeitschrift für Politik und Kultur, Heft 2, 1990, Seite 43 bis 46

Dokumente zum Leben von Friedrich Muck-Lamberty in Naumburg an der Saale (Stadtarchiv Naumburg an der Saale)

Akte Muck-Lamberty, Stadtarchiv Naumburg, Signatur SG 637

 

Erinnerungen an Friedrich Muck-Lamberty

Agthe, Kai: Zahlreiche Erinnerungen an den Hilfsbereiten Eigenbrödler. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 13. Dezember 1994

Apt, Rudolf. Muck. "Junge Menschen. Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens." Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Anfang Februar 1921, Heft 3, Seite 40 [ Zu Ereignissen vor 1920]

Archiv Hermann Müller. Übersandt mit Brief an Detlef Belau, Naumburg (Saale), 5. Januar 2012

Borinski, Fritz: Der Leuchtenburgkreis. Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung. Zehnter Band 1978, Burg Ludwigstein 1978, Seite 104-116 (Erwähnung von Friedrich Muck-Lamberty auf Seite 106f.)

Eger, Christian: Blonder Muck sucht deutschen Christus. "Mitteldeutsche Zeitung", 28. Februar 1998

Eger, Christian: Blonder Muck sucht deutschen Christus. "Mitteldeutsche Zeitung", Freitag, den 28. Februar 1997, Blatt 5 [Zur Ausstellung "Muck-Lamberty - eine Naumburger Legende aus der Zeit der Jugendbwegung"]

[Eklöh] Brief von Eklöh (Lüdenscheid / Westfalen) an Hans Paasche. In: Auf Fichtes Bahnen. Bericht über den 1. Deutschen Vortrupp-Tag in Leipzig vom 3. Juni bis 6. Juni 1914 erstattet von Franziskus Hähnel. Alfred Jansen, Hamburg 1914. Seite 27 bis 29

Ernesto [= Ernst Berghäuser]: 17. Kronacher Heimkehr und Wiederfinden. Muck Lamberty und seine Neue Schar. Intoleranz gegenüber Käuzen. In: Die Blaue Blume des Wandervogels. Vom Aufstieg, Glanz und Sinn einer Jugendbewegung. Erweiterte Neuausgabe. Herausgegeben mit einem Nachwort versehen von Walter Sauer. Südmarkverlag Fritsch KG, Heidenheim an der Brenz 1980, Seite 137 bis 144

[Esslinger Sieben] Müller, Hermann: Die Esslinger Sieben. Brief von Hermann Müller an Detlef Belau, Naumburg (Saale), August 2009

Grüsser (Erfurt), Hermann: Versuch einer Darstellung. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen, Friedrich Muck-Lamberty P 1 Nr. 157

Hammer, Franz: Als 1921 die Langhaarigen kamen. Das Volk [Tageszeitung], Erfurt, den 24. Mai 1968

Hammer, Franz: Traum und Wirklichkeit. Greifenverlag, Rudolstadt 1975

Joseph, Henry (Berlin), an Friedrich Muck-Lamberty. Die Kommenden, Großdeutsche Wochenschrift aus dem Geiste volksbewußter Jugend. Urquell Verlag Erich Röth, Flarchheim in Thüringen, 31. Folge, 4. Jahrgang (1929), Seite 362f.

Kindt, Werner. Jugendburg Ludwigstein A 211 AdJb abt. A 211 Nr. 61. Werner Kindt (1891-1981) N 14. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen

Kutzleb, Hjalmar: Der Zeitgenosse. Mit den Augen eines Wandervogels gesehen. Illustriert von A. P. Weber. MCMXXII, Verlag Erich Matthes, Leipzig 1921, besonders das Kapitel "Der Reformer", Seite 89

Matthes, Erich, [über Friedrich Muck-Lamberty] an Hans Wolf am 30. Juni 1962. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand Friedrich Muck-Lamberty P 1 Nr. 157

Morgenstern, Jürgen (Berlin): Die sogenannte Muck-Notgeldserie von Kahla - Hintergründe dazu. Vortrag zum DGW-Sammlertreffen am 13. Februar 2010 in Zeuthen bei Berlin

Pluta, Hans: Muck-Lamberty und die "Neue Schar" im Jahr 1920 in Thüringen. Erinnerungen eines Teilnehmers. In: Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung. Zweiter Bund. Herausgeber Günther Franz, Hans Wolf, Gerhard Ziemer. Burg Ludwigstein 1970, Seite 103-107

Pluta, Hans, aus Bad Cannstatt, Rommelhauser Strasse 41, den 2. September 1964, an Hertha Henschel. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand Friedrich Muck-Lamberty, P 1 Nr. 157

Prellwitz, Gertrud: Mein Bekenntnis zu Muck-Lamberty. Maien Verlag, Oberhof im Thüringer Wald 1921

Reckling, Carola: Friedrich Muck-Lamberty - eine Naumburger Legende. "Naumburger Tageblatt", 21. Mai 1992

Resch [Professor aus Remscheid]: Muck-Lamberty und sein Beruf. Undatierter Zeitungsartikel. Wahrscheinlich 1921 oder 1922. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen, Bestand Friedrich Muck- Lamberty P1, Nummer 157

Ross, Sonja: Der Inflationsheilige aus Oberlahr. Rhein-Zeitung, 2. Februar 2013.
http://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/altenkirchen-betzdorf_artikel,-Der-Inflationsheilige-aus-Oberlahr-_arid,558617.html

Rudolf: Brief eines 16-jährigen Jungen an seinen älteren Freund. Vom jungen Glauben. Flugblätter der Neuen Schar und junger deutscher Menschen in Mitteldeutschland. 3. Blatt. [Erscheinungsort wahrscheinlich Naumburg an der Saale], 23. November 1921

Schäfer, Karl: Macht keine Zugeständnisse! "Junge Menschen. Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens." Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Ende Januar 1921, Heft 3, Seite 40

Schneider, Erich: zur Geschichte der proletarischen Jugendbewegung. Teil II. In: Rudolstädter Heimathefte, Beiträge zur Heimatkunde des Kreises Rudolstadt. 1961, Heft 1-12, 128 ff.

[Schriftleitung] Zum "Fall Muck". "Junge Menschen. Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens." Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Anfang März 1921, Heft 5, Seite 73

[Schulze-Sölde] Brief von Max Schulze-Sölde an Friedrich Muck Lamberty vom 5. Mai 1930. In: "Der Dom", Urquell-Verlag Erich Röth, Flarchheim in Thüringen, Folge 1, 1930, Seite 10

Schulze-Wilde, Harry: Volkstanz 1920. (Original-Beitrag). In: Die deutsche Jugendbewegung 1920 bis 1933. Die bündische Zeit. Quellenschriften. Herausgegeben im Auftrag des "Gemeinschaftswerkes Archiv und Dokumentation der Jugendbewegung von Werner Kindt. Mit einem Nachwort von Hans Raupach. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf, Köln 1974, Seite 16 bis 18

Speck, Hans-Dieter: Er [Muck-Lamberty] hat ein Leben lang das gemacht, was er wollte. Auf eine Tasse Kaffe mit Junfgried Lamberty. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 20. Januar 1995

Speck, Hans-Dieter: Weltverbesserer will die Herzen revolutionieren. Als Muck-Lamberty "kleine Heilande" zeugte - Episoden aus der Leuchtenburg. "Naumburger Tageblatt". Burgenlandjournal, Oktober 2005, Seite III

Ude, Wilhelm: Von Bismarck bis Picasso. Erinnerungen und Bekenntnisse. Verlag Oprecht Zürich, 1938

Westendorf, Fritz: von räsonierenden Kleinbürgern. In: Der Einbruch. Rundbrief der Entschiedenen Jugend Deutschlands. Herausgegeben vom Zentralrat der E.J.D., Ohne Jahresangabe [wahrscheinlich erschienen nach dem zweiten Bundestag des Kronacher Bundes 1921 zu Pfingsten in Stolberg im Harz]

Wiemer, Rudolf: Begegnungen mit Muck-Lamberty 1920 und 1974 Thüringer Heimatkalender 1976, 19. Jahrgang, Heimatliche Verlags-und Vertriebsgesellschaft 1975, Seite 19 bis 25

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Über die Jugendbewegung,
die Neue Schar und Friedrich Muck-Lamberty

(Hinweis: Autoren / Quellen der Freideutschen Jugend, zum Beispiel Knud Ahlborn, Karl Bittel, Alfred Kurella, Walter Hammer, im nächsten Abschnitt ausgeweisen.)

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[Aufruf] Schulze-Sölde, Max: Aufruf zur religiösen Woche in Hildburghausen. "Die Kommenden", 5. Jahrgang, am 31.Hartungs 1930, Seite 55

[Autorengruppe] Muck Lamberty. Museen in Naumburg (Saale) und Bad Kösen (veröffentlicht 2009). http://www.mv-naumburg.de/index.php/component/alphacontent/15-themen/78-Muck-lamberty, 2013

Barfuss zur Erlösung vom Chaos. Der Spiegel, Hamburg 1984, Heft 6, Seite 170-177. [Über Max Schulze-Sölde, Ludwig Christian Haeusser und Friedrich Muck-Lamberty]

Bergsträsserr, Arnold und Hermann Platz: Jugendbewegung und Universität. Verlag G. Braun in Karlruhe 1927

[Bechthold, Norbert] Friedrich Muck Lamberty und die "Neue Schar": Studie zu einem Phänomen der deutschen Jugendbewegung / Norbert Bechthold. - Maschinenschriftl. vervielf. Frankfurt/Main: Univ., Examensarbeit, 1985. 109 Seiten. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen, B/ 212/047

Bondy, Max: Zum Aufruf an die Freie Deutsche Jugend. In: Freideutsche Jugend. Eine Monatsschrift. Hamburg, 5. Jahrgang, Februar 1919, Heft 2, Seite 70 bis 72

Borinski, Fritz - siehe Abschnitt: Leuchtenburgkreis und Leuchtenburg-Tagung vom 1. bis 4. Oktober 1932

Breuer, Hans: Zupfgeigenhansel. Heinrich Hohmann, Darmstadt 1908

Breuer, Hans: Vorwort. Zupfgeigenhansel. Neuauflage 1915

[Bröcker, Marianne] Die Singtänze der Jugendbewegung an Beispielen von Gertrud Meyer, Muck Lamberty und Gernot Nitzsche / Volker Klotzsche. In: Bröcker, Marianne (Hg.): Das 20. Jahrhundert im Spiegel seiner Lieder. Bamberg 2004, Seite 117-134. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen, B/ 284/185u

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[DF] Deutschlandfunk. Sendung: Hörspiel/Hintergrund Kultur Dienstag, 19. Oktober 2010. Redaktion: Hermann Theißen, 19.15 - 20.00 Uhr, Wahrheitsmensch und tanzender Messias. Die Hochkonjunktur der Inflationsheiligen. Von Robert Schurz

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Flitner, Wilhelm: Sera. In: Sera Almanach. Jena 1920, Seite 9 bis 12

Flitner, Wilhelm: Erinnerungen. 1889-1945. Ferdinand Schöningh, Paderborn, München, Wien, Zürich 1986

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[Freideutscher Jugendtag vom 11. bis 19. Januar 1919 in Jena] Krieg, Revolution und Freideutsche Zukunft. Die Reden und Aussprachen der Jenaer Tagung 1919. Herausgegeben von Knud Ahlborn, Freideutscher Jugendverlag Adolf Saal, Hamburg 1919

Frobenius, Else: Mit uns zieht die neue Zeit. Eine Geschichte der deutschen Jugendbewegung mit 16 Tafeln. Deutsch Buch-Gemeinschaft GmbH, Berlin 1927

Geissler, Wilhelm: Die Bundeskanzlei in Hartenstein. Auszug aus "Hoffnung und Erfüllung". Erinnerung an die Frühzeit des Greifenverlages. Im Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung, Band 2/1970. In: Die deutsche Jugendbewegung. 1920 bis 1933. Die bündische Zeit. Quellenschriften. Herausgegeben im Auftrage des "Gemeinschaftswerkes Archiv und Dokumentation der Jugendbewegung" von Werner Kindt. Mit einem Nachwort von Hans Rampsch. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf, Köln 1974, Seite 8 bis 12

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Geyer, Oliver: Die Glut der frühen Jahre. In: Dummy Jugend, 2010, Heft 28, Berlin. Seite 49-51, Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen, B/ 811/123

Geus, Elena: "Die Überzeugung ist das einzige, was nicht geopfert werden darf". Lisa Tetzner (1894-1963). Lebensstationen - Arbeitsfelder. Inauguraldissertation. Johann Wolfgang Goethe-Universität zu Frankfurt am Main 1999, besonders Kapitel: Muck Lamberty und die Neue Schar (Seite 56-58) und vom Führer zum Verführer: Lambertys Sündenfall (Seite 58-61)

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Jesser, Franz: Was will die freideutsche Jugend?. "Deutsches Nordmährerblatt. Unabhängiges deutschvölkische Blatt für ganz Mähren." Olmütz, den 30. Mai 1914, Seite 7 bis 8

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Kolk, Jürgen: Mit dem Symbol des Fackelreiters: Walter Hammer (1888 - 1966). Verleger der Jugendbewegung Pionier der Widerstandsforschung. Zur Erlangung des akademischen Grades Dr. phil. eingereichte Dissertation. Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin. Erstgutachter: Prof. Dr. Peter Steinbach. Zweitgutachter: Prof. Dr. Johannes Tuchel. Gröde im Oktober 2010. Tag der Disputation: 9. Dezember 2011. (Auseinandersetzung mit dem Psychopathen-Sonderheft von Junge Menschen von 1922 und Friedrich Muck-Lamberty auf Seite 50.)

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Linse, Ulrich: Völkisch-jugendbewegte Siedlungen im 20. und 21. Jahrhundert. In:
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Helwig, Werner: Die Blaue Blume des Wandervogels. Vom Aufstieg, Glanz und Sinn einer Jugendbewegung. Erweiterte Neuausgabe. Herausgegeben mit einem Nachwort versehen von Walter Sauer. Südmarkverlag Fritsch KG, Heidenheim an der Brenz 1980

Helwig, Werner: Die Blaue Blume des Wandervogels. Vom Aufstieg, Glanz und Sinn einer Jugendbewegung. Überarbeitete Neuausgabe mit einem Bildanhang, Herausgeber: Walter Sauer. Deutscher Spurbuchverlag, Baunach 1998

Illustrierte Geschichte. Deutsche Arbeiterjugendbewegung. 1904-1945. Verlag Neues Leben, Berlin 1987

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Laqueur, Walter: Die deutsche Jugendbewegung. Eine historische Studie. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1962. Und ebenda: Köln 1978

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Freideutsche Jugend

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Bittel, Karl: [Diskussionbeitrag am 12. April 1919]. In: Krieg, Revolution und Freideutsche Zukunft. Die Reden und Aussprachen der Jenaer Tagung 1919 [11. bis 19. Januar 1919 in Jena]. Herausgegeben von Knud Ahlborn, Freideutscher Jugendverlag Adolf Saal, Hamburg 1919; Seite 19 bis 23

Diederichs, Eugen: Die Jugend und die sexuelle Frage. "Die Tat". Monatszeitschrift für die Zukunft deutscher Kultur. Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena. XIII. Jahrgang, Mai 1921, Heft 2, Seite 131 bis 134

Eugen Diederichs Leben und Werk. Ausgewählter Erinnerungen und Aufzeichnungen. Herausgegeben von Lulu von Strauß und Torney-Diederichs, Eugen Diederichs Verlag Jena 1936

Glatzel, Frank: Völkische Leitsätze. In: Freideutsche Jugend. Monatsschrift. 4. Jahrgang. Im April /Mai 1918, Heft 4/5, Seite 163 bis 165

Muck von Walter Hammer ("Junge Menschen", 2. Jahrgang, Heft 9.) In: "Die Eiche, Vierteljahresschrift für soziale und internationale Arbeitsgemeinschaft", 9. Jahrgang, Nummer 3, Juli 1921, Seite 254-255

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Hammer, Walter: Muck! "Junge Menschen. Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens." Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Anfang Mai 1921, Heft 9, Seite 139-140

Hammer, Walter: Muck-Lamberty. "Junge Menschen. Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens." Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Ende Mai 1921, Heft 10, Seite 158

Muck von Walter Hammer ("Junge Menschen"). Die Tat. In: "Die Eiche, Vierteljahresschrift für soziale und internationale Arbeitsgemeinschaft", 9. Jahrgang, Nummer 3, Juli 1921, Seite 254-255

Hammer, Walter: Irrsinn oder Gaunertum? "Junge Menschen. Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens." Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 3. Jahrgang, Mai 1922, Heft 9/10, Seite 138-142

Hammer, Walter: brüderlich vereint! "Junge Menschen". Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens. Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, August 1921, Heft 16, Seite 254

Hammer, Walter: Muck-Lamberty. "Junge Menschen. Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens." Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 3. Jahrgang, September 1922, Heft 17/18, Seite 225 bis 226

Kurella, Alfred: Die Geschlechterfrage der Jugend. Beiheft zur Freideutschen Jugend. Heft 1, Herausgegeben von Alfred Kurella. Freideutscher Jugendverlag Adolf Saal, Hamburg1923, Hamburg 1919

Kurella, Alfred: Für Wyneken. Ein Aufruf an die Jugend. Freideutsche Jugend. Eine Monatsschrift. Hamburg, 3. Jahrgang, Januar / Februar 1917, Heft 1/2, Seite 49

Kurella, Alfred: Deutsche Volksgemeinschaft. Offener Brief an den Führerrat der Freideutschen Jugend. Ursprünglich erschienen im Adolf Saal Verlag, Hamburg 1918. Wiederabdruck in: Grundschriften der deutschen Jugendbewegung. Herausgegeben von Werner Kindt. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf-Köln 1963, Seite 163 bis 179

Rothe, Arthur: Die soziale Frage und die Freideutsche Jugend. Freideutsche Jugend. Eine Monatsschrift. Hamburg, 3. Jahrgang. Januar / Februar 1917, Heft 1/2, Seite 11 bis 21

Schultz-Hencke, Harald: Die Überwindung der Parteien durch die Jugend. In: Grundschriften der deutschen Jugendbewegung. Herausgegeben von Werner Kindt. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf-Köln 1963, Seite 351 bis 359

Wrobel, Ignaz [= Kurt Tucholsky]: Alte Wandervögel. In: Die Weltbühne, XXII Jahrgang, Nummer 25, 22. Juni 1926, Seite 966 bis 969

Wyneken, Gustav: Was ist "Jugendkultur"? Öffentlicher Vortrag am 30. Oktober 1913 in der Pädagogischen Abteilung der Münchner Freien Gemeinschaft. Mit einem Nachwort über den "Anfang" von Gustav Wyneken. Schriften der Münchner Freien Studentengemeinschaft, Heft 1, Verlag von Georg C. Steinicke, München 1914

Wyneken, Gustav: Die Entwicklung der Freideutschen Jugend. In: Gustav Wyneken: Der Kampf um die Jugend. Gesammelte Aufsätze. Eugen Diedrichs Verlag, Jena 1919, Seite 112 bis 121

 

Erster Freideutscher Jugendtag 11. bis 12. Oktober 1913 auf dem Meissner
und der Meissner-Tag 1963

Ahlborn, Knud: Die Freideutsche Jugendbewegung. 172. Flugschrift des Dürerbundes. Verlag von Georg D.W. Callwey in München 1919

[Ahlborn] Feuerrede Knud Ahlborn. In: Freideutscher Jugendtag 1913. Reden von Bruno Lemke, Gottfried Traub, Knud Ahlborn, Gustav Wyneken, Ferdinand Avenarius. Durchgesehene zweite Auflage. Herausgegeben von Gustav Mittelstrass. Freideutscher Jugendverlag Saal, Hamburg 1919, Seite 29 bis 32

Ahlborn, Knud: Das Meissnerfest der Freideutschen Jugend (1913). In: Grundschriften der deutschen Jugendbewegung. Herausgegeben im Auftrage des "Gemeinschaftswerkes Dokumentation der Jugendbewegung" von Werner Kindt. Mit der Einführung von Professor Dr. Dr. Theodor Wilhelm. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf, Köln 1963, Seite 105 bis 115

Ahlborn, Knud: für die alten. In: Meissnertag 1963. Reden und Geleitworte. Im Auftrage des Hauptausschusses für die Durchführung des Meissnertages. Herausgegeben von Werner Kindt und Karl Vogt. Eugen Diedrichs Verlag, Düsseldorf, Köln 1964, Seite 40 bis 47

Antisemitisches. "Jenaer Volksblatt. Organ der Fortschrittlichen Volkspartei des 3. Weimarischen Reichstagswahlkreises." Jena, den 25. Oktober 1913, Seite 1 f.

Aufruf zum Fest - Festordnung. In: Karl Seidelmann: Die deutsche Jugendbewegung. Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn / Obb. 1966, Seite 52 bis 53

[Aufruf] Zusammenschluss der Jugend zu einem freideutschen Jugendtag! In: Nordmark. Gaublatt niederdeutscher Wandervögel im Wandervogel e.V., Heft 5, 3. Jahrgang, 1913, Seite 135

[Aufruf] Zusammenschluss der Jugend zu einem freideutschen Jugendtag! In: Nordmark, Gaublatt der niederdeutschen Wandervögel im Wandervögel e.V., 3. Jahrgang (1913) Heft 5

Aus dem Protokoll der Bundesleitung des Österreichischen Wandervogels vom 16.10.19013. In: Die Wandervogelzeit. Dokumentation der Jugendbewegung. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf, Köln 1968, Seite 500 bis 501

Avenarius, Ferdinand: Freideutsche Gesinnung. In: Der Kunstwart und Kulturwart. Herausgeber F. Avenarius. 27. Jahrgang, Heft 4, Zweites Novemberheft 1913. Seite 257 bis 264. ["die unbedingte Wahrhaftigkeit des Strebens", Seite 259. Abgedruckt in: Die Wandervogelzeit. Dokumentation der Jugendbewegung. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf, Köln 1968, Seite 509 bis 514

[Avenarius] Schlusswort von Ferdinand Avenarius am Sonntagmorgen. In: Freideutscher Jugendtag 1913. Reden von Bruno Lemke, Gottfried Traub, Knud Ahlborn, Gustav Wyneken, Ferdinand Avenarius. Durchgesehene zweite Auflage. Herausgegeben von Gustav Mittelstrass. Freideutscher Jugendverlag Saal, Hamburg 1919, Seite 42 bis 46

Anfang, Der. Zeitschrift der Jugend. [1.] Einladung zum Freideutschen Jugendtag. Auf dem Hohen Meissner am 10. bis 12. Oktober 1913. In: Der Anfang. Zeitschrift der Jugend. Herausgegeben von Georges Barbizon und Siegfried Bernfeld. 1. Jahr, September 1919, Heft 5, Wien, Seite 129. [2.] Zum Freideutschen Jugendtag. In: Der Anfang. Zeitschrift der Jugend. Herausgegeben von Georges Barbizon und Siegfried Bernfeld. 1. Jahr, September 1913, Heft 6, Wien, Seite 161 ff.. [3.] Bericht über den Freideutschen Jugendtag. In: Der Anfang. Zeitschrift der Jugend. Herausgegeben von Georges Barbizon und Siegfried Bernfeld. 1. Jahr, November 1913, Wien, Seite 193 ff.. [4.] Die Zukunft der Freideutschen Jugend. Zur Verständigung. In: Der Anfang. Zeitschrift der Jugend. Herausgegeben von Georges Barbizon und Siegfried Bernfeld. 2. Jahr, Juli 1914 , Berlin und Wien, Seite 93 ff..

Bommersheim, Elly: …. bis es mir zu bunt wurde. J. G. Bläschke Verlag, St. Michael (Österreich), 1981. Seite 63 bis 73

[DFJ] Die Freideutsche Jugend im Bayerischen Landtag. Vom Hauptausschuss der Freideutschen Jugend. Freideutscher Jugendverlag Adolf Saal, Hamburg 1914

Einführung, Zur. In: Freideutscher Jugendtag 1913. Reden von Bruno Lemke, Gottfried Traub, Knud Ahlborn, Gustav Wyneken, Ferdinand Avenarius. Durchgesehene zweite Auflage. Herausgegeben von Gustav Mittelstrass. Freideutscher Jugendverlag Saal, Hamburg 1919, Seite 7 bis 15

Flitner, Wilhelm: Ideengeschichtliche Einführung in die Dokumentation der Jugendbewegung. In: Die Wandervogelzeit. Dokumentation der Jugendbewegung. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf, Köln 1968, Seite 10 bis 18

[FdJ] Freideutsche Jugend. Festschrift zur Jahrhundertfeier auf dem Hohen Meissner. In: Grundschriften der deutschen Jugendbewegung. Herausgegeben im Auftrage des "Gemeinschaftswerkes Dokumentation der Jugendbewegung" von Werner Kindt. Mit der Einführung von Professor Dr. Dr. Theodor Wilhelm. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf, Köln 1963, Seite 91 bis 104

Freideutscher Jugendtag 1913. "Grazer Tagblatt". Graz, den 20. Oktober 1913, Seite 7

Freideutscher Jugendtag 1913. "Deutsches Nordmährerblatt". Olmütz, den 25. Oktober 1913, Seite 4

Gollwitzer, Prof. Dr. Helmut: Festansprache. In: Meissnertag 1963. Reden und Geleitworte. Im Auftrage des Hauptausschusses für die Durchführung des Meissnertages. Herausgegeben von Werner Kindt und Karl Vogt. Eugen Diedrichs Verlag, Düsseldorf, Köln 1964, Seite 51 bis 63

Jacobs, Johannes: Was war das - das Meissnerfest 1913? Kiel, Herbst 1987 [Landesbibliothek Schleswig-Holstein]

Jahrhundertfeier auf dem Hohen Meissner am 11. Und 12. Oktober. In: Die Wandervogelzeit. Dokumentation der Jugendbewegung. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf, Köln 1968, Seite 484 bis 490

Klönne, Arno: Süßsauer Vogeljugend. "junge Welt", Berlin, den 12./13. Oktober 2013, Seite 13

Krieg, Revolution und Freideutsche Zukunft. Die Reden und Aussprachen der Jenaer Tagung 1919 [11. bis 19. Januar 1919 in Jena]. Herausgegeben von Knud Ahlborn, Freideutscher Jugendverlag Adolf Saal, Hamburg 1919. Diskussionsbeitrag von Friedrich Muck-Lamberty am 16. April 1919.

Kugel, Johannes Jacobs: Was war das - das Meissner 1913? Für den Verein zur Erhaltung der Hoburg e.V., Kiel, Herbst 1987

[Lemkel] Einleitungsworte Bruno Lemkes bei der Aussprache des ersten Deutschen Jugendtages. In: Freideutscher Jugendtag 1913. Reden von Bruno Lemke, Gottfried Traub, Knud Ahlborn, Gustav Wyneken, Ferdinand Avenarius. Durchgesehene zweite Auflage. Herausgegeben von Gustav Mittelstrass. Freideutscher Jugendverlag Saal, Hamburg 1919, Seite 16 bis 21

Lutteroth, Johanna, Barbara Stambolis: Erster Freideutscher Jugendtag Woodstock auf Wilhelminisch. Spiegel Online, 9. Oktober 2013. http://www.spiegel.de/einestages/erster-freideutscher-jugendtag-1913-maedchenund-
knaben-miteinander-a-951067.html

Messer, A.: Das Jugendfest auf dem Hohen Meissener (Oktober 1913). In: Professor Dr. A.: Die freideutsche Jugend. Hermann Beyer & Söhne. Langensalza 1924, Seite 11 bis 22

Mogge, Winfried, Jürgen Reulecke: Hoher Meißner 1913 - Der Erste Freideutsche Jugendtag in Dokumenten, Deutungen und Bildern. Edition Archiv der deutschen Jugendbewegung. Band 5. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1988, Seite 42 bis 45

Natorp, Paul: Hoffnungen und Gefahren unserer Jugendbewegung. Tat-Flugschriften 36. Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena 1920 [Rede vom 6. Dezember 1913 vor der Comenius-Gesellschaft im Künstlerhaus von Berlin], Seite 42 bis 46

Osteroth, Reinhard: Feuermachen, Tanzen, frei sein. In: Die Zeit, Online, Hamburg, 21. Mai 2013 (ZEIT Geschichte 2/2013)

Paetel, Karl O.: Jugendbewegung und Politik. Randbemerkungen. Voggenreiter Verlag, Bad Godesberg 1961

Rappe-Weber, Susanne: Das Meißner-Treffen. Ludwigsteiner Blätter, 53. Jahrgang, Heft 221, Dezember 2003, Seite 8 bis 10

Rappe-Weber, Susanne: Ereignis, Erinnerung, Neubestimmung. Der Freideutsche Jugendtag auf dem Hohen Meißner 1913. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde (ZHG). Band 177/178, 2012/2013. Seite 197 bis 204

Schweigmann-Greve, Kaye: Der Hohe Meißner und die Falken. Archiv der Arbeiterjugendbewegung, Oer-Erkenschwick, 2012/II

[Traub] Gottfried Traubs Ansprache auf dem "Hohen Meissner" am Abend des 11. Oktober. In: Freideutscher Jugendtag 1913. Reden von Bruno Lemke, Gottfried Traub, Knud Ahlborn, Gustav Wyneken, Ferdinand Avenarius. Durchgesehene zweite Auflage. Herausgegeben von Gustav Mittelstrass. Freideutscher Jugendverlag Saal, Hamburg 1919, Seite 22 bis 28

Walter, Franz: Die Jugendbewegung auf dem Berg. Der Hohe-Meissner-Mythos. INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft. Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, 2013–2, Seite 35 bis 48, Göttingen 2013

Weber, Alfred: Rede [Aufklärungsversammlung in der Münchner Tonhalle am 9. Februar 1914]. In: Die Freideutsche Jugend im Bayerischen Landtag. Vom Hauptausschuss der Freideutschen Jugend. Freideutscher Jugendverlag Adolf Saal, Hamburg 1914, Seite 11 bis 19

Weiß, Volker: Jung, frei, deutsch. Das Fest auf dem Hohen Meißner im Herbst 1913 war das letzte große Jugendtreffen vor Beginn des Weltkriegs. In die ausgelassene Feier mischten sich schon viele trübe Töne. Zeit Online, http://www.zeit.de/2013/36/jugendtreffen-hoher-meissner-1913,
29. August 2013

Wehmeyer, Henning: Jugendbewegung, Wandervogel, Reformpädagogik. In: reichwein forum. Nummer 11 /12, Dezember 2007/ April 2008, Seite 69 bis 77

Wurm, Helmut: Beitrag zur Entmythologisierung des Meissner-Treffen und Meissner-Formel. 08. April 2013

[Wyneken] Gustav Wynekens Rede auf dem "Hohen Meissner" am Morgen des 12. Oktober. In: Freideutscher Jugendtag 1913. Reden von Bruno Lemke, Gottfried Traub, Knud Ahlborn, Gustav Wyneken, Ferdinand Avenarius. Durchgesehene zweite Auflage. Herausgegeben von Gustav Mittelstrass. Freideutscher Jugendverlag Saal, Hamburg 1919, Seite 33 bis 41. - Wyneken, Gustav: Rede am Morgen des 12. Oktober 1913 auf dem Hohen Meissner. In: Seidelmann, Karl (Herausgeber): Die deutsche Jugendbewegung. Verlag Julius Klinkardt, Bad Heilbrunn / Obb., 1966, Seite 55 bis 60

Wyneken, Gustav: Zum Freideutschen Jugendtag. [Die Tat, November 1913]. Wiederabdruck in: Gustav Wyneken. Der Kampf um die Jugend. Gesammelte Aufsätze. Eugen Diederichs Verlag, Jena 1919, Seite 107 bis 111

Gustav Wyneken: Die Entwicklung der Freideutschen Jugend. In: Gustav Wyneken: Der Kampf um die Jugend. Gesammelte Aufsätze. Eugen Diederichs Verlag, Jena 1919, Seite 112 bis 121

Wyneken, Gustav: Die Idee des Geschichtsunterrichts. In: Gustav Wyneken: Der Kampf um die Jugend. Gesammelte Aufsätze. Eugen Diedrichs Verlag, Jena 1919, Seite 41 bis 54

Wyneken, Gustav: Jugendkultur. In: Kunstwart. 1. Märzheft 1914. In: Gesammelte Aufsätze. Eugen Diederichs Verlag, Jena 1919, Seite 121 bis 127

[WVZ] 1. Aufruf zum freideutschen Jugendtag. In: Wandervogel Führer Zeitung, Heft 7, 1913, Seite 135

Zum Freideutschen Jugendtag. In: Der Anfang. Zeitschrift der Jugend. Herausgegeben von Georges Barbizon / Berlin, Siegfried Bernfeld / Wien. 1. Jahr, Oktober 1913 Heft 6, Berlin/ Wien, Seite 161 ff.

Zusammenschluss der Jugend zu einem freideutschen Jugendtag. "Jenaer Volksblatt. Organ der Fortschrittlchen Volkspartei des 3. Weimarischen Reichstagswahlkreises." Jena, den 22. Juli 1913. Seite 2

 

Die Marburger Tagung der Freideutschen Jugend am 7. und 8. März 1914

Dialog zwischen Prof. Natorp - Gustav Wyneken. In: Die Marburger Tagung der Freideutschen Jugend: Bericht über die Verhandlungen und Entwurf für das Programm und die Satzungen. Jugendverlag Saal, Hamburg 1914, Seite 18 bis 21

Lemke, Bruno: Rede [1. Sitzung am Samstag, den 7. März, abend 1/2 8 Uhr]. Die Marburger Tagung der Freideutschen Jugend. Bericht über die Verhandlungen und Entwurf für das Programm und die Satzungen. Freideutscher Jugendverlag, Adolf Saal, Hamburg 1914, Seite 3 bis 5

Witthaus [Erklärung für den Vortrupp in Leipzig]. In: Die Marburger Tagung der Freideutschen Jugend. Bericht über die Verhandlungen und Entwurf für das Programm und die Satzungen. Freideutscher Jugendverlag Adolf Saal, Hamburg 1914, Seite 5

 

Erster Deutscher Vortrupp-Tag in Leipzig vom 3. Juni bis 6. Juni 1914

Beim "Vortrupp" der Zeit. (Von einem Teilnehmer). Beilage zum "Jenaer Volksblatt. Zeitung der Deutschen demokratischen Partei" Dienstag den 9. Juni 1914

Hähnel, Franziskus: Erster Deutscher Vortrupp-Tag in Leipzig vom 3. Juni - 6. Juni 1914. Zusammenfassender Bericht. Auf Fichtes Bahnen. Bericht über den 1. Deutschen Vortrupp-Tag in Leipzig, vom 3. Juni bis 6. Juni 1914 erstattet von Franziskus Hähnel. Alfred Jansen, Hamburg 1914, Seite 5 bis 43

Paasche, Hans: Glaub an die Sache, der du dienst! In: Auf Fichtes Bahnen. Bericht über den 1. Deutschen Vortrupp-Tag in Leipzig, vom 3. Juni bis 6. Juni 1914 erstattet von Franziskus Hähnel. Alfred Jansen, Hamburg 1914, Seite 44 bis 49

Paasche Hans: Rede. In: Hähnel, Franziskus: Zusammenfassende Bericht. Erster Deutscher Vortrupp-Tag in Leipzig vom 3. Juni - 7. Juni 1914. Zusammenfassender Bericht. Auf Fichtes Bahnen. Bericht über den 1. Deutschen Vortrupp-Tag in Leipzig, vom 3. Juni bis 6. Juni 1914. Zweiter Verhandlungstag. Freitag, den 5. Juni 1914, 9 Uhr morgens 8, Seite 10 bis 34, Seite 21 bis 22

Paasche, Hans: Der Gedanke der Lebensreformen. In: "Ändert Euren Sinn!". Schriften eines Revolutionärs. Herausgegeben von Helmut Donat und Helga Paasche. Mit einem Nachwort von Robert Jungk. Donat Verlag, Berlin 1933, Seite 130 bis 139

Popert, Hermann: Diskussionsbeitrag auf dem zweiten Verhandlungstag, Freitag, den 5. Juni 1914. In: Auf Fichtes Bahnen. Bericht über den 1. Deutschen Vortrupp-Tag in Leipzig, vom 3. Juni bis 6. Juni 1914 erstattet von Franziskus Hähnel. Alfred Jansen, Hamburg 1914, Seite 12 bis 21

Popert, Hermann: Wie schaffen wir etwas, was oben bleibt? Festansprache an den ersten Deutschen Vortrupp-Tag zu Leipzig am 5. Juni 1914. In: Auf Fichtes Bahnen. Bericht über den 1. Deutschen Vortrupp-Tag in Leipzig, vom 3. Juni bis 6. Juni 1914 erstattet von Franziskus Hähnel. Alfred Jansen, Hamburg 1914, Seite 56 bis 64

Richter, Adelbert: Leipzig: [Diskussionsbeitrag]. In: Auf Fichtes Bahnen. Bericht über den 1. Deutschen Vortrupp-Tag in Leipzig, vom 3. Juni bis 6. Juni 1914 erstattet von Franziskus Hähnel. Alfred Jansen, Hamburg 1914, Seite 25 bis 26

Stegmann, Dr., Dresden: [Diskussionsbeitrag]. In: Auf Fichtes Bahnen. Bericht über den 1. Deutschen Vortrupp-Tag in Leipzig, vom 3. Juni bis 6. Juni 1914 erstattet von Franziskus Hähnel. Alfred Jansen, Hamburg 1914, Seite 23

Strecker, Dr. R., Bad Nauheim: [Diskussionsbeitrag]. In: Auf Fichtes Bahnen. Bericht über den 1. Deutschen Vortrupp-Tag in Leipzig, vom 3. Juni bis 6. Juni 1914 erstattet von Franziskus Hähnel. Alfred Jansen, Hamburg 1914, Seite 24 bis 25

[Vortrupp-Tag] Auf Fichtes Bahnen. Bericht über den 1. Deutschen Vortrupp-Tag in Leipzig, vom 3. Juni bis 6. Juni 1914 erstattet von Franziskus Hähnel. Alfred Jansen, Hamburg 1914

 

Gründungstagung des Jungdeutschen Bundes
der Burg Lauenstein vom 9. bis 12. August 1919

Engelhardt, Emil: Volksbildung. Vorträge gehalten auf der Gründungstagung des Jungdeutschen Bundes auf Burg Lauenstein vom 9. bis 12. August 1919, Verlag des Deutschen Volkstums, Hamburg 1920, Seite 76ff.

Glatzel, Frank: Der Jungdeutsche Bund. Vorträge gehalten auf der Gründungstagung des Jungdeutschen Bundes auf Burg Lauenstein vom 9. bis 12. August 1919, Verlag des Deutschen Volkstums, Hamburg 1920, Seite 11ff.

Lauenstein 1919. Der Jungdeutsche Bund. Vorträge gehalten auf der Gründungstagung des Jungdeutschen Bundes auf Burg Lauenstein vom 9. bis 12. August 1919, Verlag des Deutschen Volkstums, Hamburg 1920, Seite 9ff.

 

Schwarze Front. Leuchtenburgkreis.
Leuchtenburg-Tagung vom 1. bis 4. Oktober 1932

Abendroth, Wolfgang: Das Problem der Widerstandstätigkeit der Schwarzen Front. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte. München, 8. Jahrgang, 1960, Heft 2, Seite 181-187

Borinski, Fritz, Werner Milch: Jugendbewegung. Die Geschichte der deutschen Jugendbewegung 1896-1933. dipa Verlag, Frankfurt am Main 1967 [zu Friedrich Muck-Lamberty Seite 45 bis 47]

Borinski, Fritz: Zur Geschichte des Leuchtenburgkreises. In: Fritz Borinski, Horst Grimm, Edgar Winkler, Erich Wolf (Herausgeber): Jugend im politischen Protest. Der Leuchtenburgkreis 1923 - 1933 - 1977, dipa-Verlag, Frankfurt am Main 1977, Seite 15 bis 97

Borinski, Fritz, Horst Grimm, Edgar Winkler, Erich Wolf (Herausgeber): Jugend im politischen Protest. Der Leuchtenburgkreis 1923-1933. dipa Verlag, Frankfurt am Main 1977

Borinski, Fritz: Der politische Protest der Jugend 1927 und 1967. Ein Vergleich. In: Fritz Borinski, Horst Grimm, Edgar Winkler, Erich Wolf (Herausgeber): Jugend im politischen Protest. Der Leuchtenburgkreis 1923 - 1933 - 1977. dipa-Verlag, Frankfurt am Main 1977, Seite 162 bis 170

Borinski, Fritz: Der Leuchtenburgkreis. Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung. Zehnter Band 1978, Burg Ludwigstein 1978, Seite 104-116

Reinhard, Werner: Leuchtenburg - Marxismus. In: Mit oder gegen Marx. Zur deutschen Nation. Diskussion zwischen A. Reichwein, SPD, Wilhelm Rößle, Tatkreis, Otto Strasser, Berlin, und dem Leuchtenburgkreis. Wolfgang Richard Lindner Verlag 1932, Seite 3 bis 4

[Reichwein 1932] Mit oder gegen Marx. Zur deutschen Nation. Diskussion zwischen Adolf Reichwein, SPD, Wilhelm Rößle, Tatkreis, Otto Strasser, Berlin, und dem Leuchtenburgkreis. Wolfgang Richard Lindner Verlag 1932. (Mit Beiträgen von Werner Reinhard, Fritz Borinski, Adolf Reichwein und Otto Strasser.)

Reichwein, Roland: War Adolf Reichwein ein Nationaler Sozialist? In: reichwein forum. Nummer 11/12, Dezember 2077 / April 2008, Seite 31 ff.

Strasser, Otto: Leuchtenburg-Tagung: In: Mit oder gegen Marx. Zur deutschen Nation. Diskussion zwischen A. Reichwein, SPD, Wilhelm Rößle, Tatkreis, Otto Strasser, Berlin, und dem Leuchtenburgkreis. Wolfgang Richard Lindner Verlag 1932, Seite 28 bis 29

[Schwarze Front] Das Manifest der Schwarzen Front. Das Aktionsprogramm der Kampfgemeinschaft Revolutionärer Nationalsozialisten, verkündet vom 2. Reichskongress auf Burg Lauenstein, 2. bis 4. Oktober 1931. In: Richard Schapke. Die Schwarze Front. Von den Zielen und Aufgaben und vom Kampfe der Deutschen Revolution. Vorwort von Otto Strasser, Wolfgang Richard Lindner Verlag, Leipzig 1932, Seite 98 bis 102

Schüdekopf, Otto-Ernst: Nationalbolschewismus in Deutschland 1918-1933. Ullstein Buch. Frankfurt / Main - Berlin - Wien 1973

 

Über Gusto Gräser (zeitlich geordnet)

[Gräser, zu] "Wiener Bilder". Wien, den 23. März 1910, Seite 11

Gräser verhaftet. Der Zwiespruch. 3. Jahrgang, Heft 37, Rudolstadt, 9. September 1921, Seite 4

Gräser, über Gusto [Teilnahme am Fest auf dem Hohen Meissner]: http://www.gusto-graeser.info/Leben/Lebenslauf/1913HoherMeissner.html

Müller, Hermann (Hg.): Gusto Gräser. Aus Leben und Werk. Bruchstücke einer Biographie. Vaihingen an der Enz 1987

Müller, Hermann: Der Dichter und sein Guru. Gisela Lotz Verlag, Schelklingen 1978

Müller, Hermann: Monte Gioia. Der Monte Verità von Gusto Gräser. In: Andreas Schwab, Claudia Lafranchi (Hg.): Sinnsuche und Sonnenbad. Experimente in Kunst und Leben auf dem Monte Verità. Limmat Verlag, Zürich 2001, Seite 187-201

Müller, Hermann: Propheten und Dichter auf dem Berg der Wahrheit. Gusto Gräser, Hermann Hesse, Gerhart Hauptmann. In: Kai Buchholz u. a. (Hg.): Die Lebensreform. Entwürfe zur Neugestaltung von Leben und Kunst um 1900. Darmstadt 2001, Band 1

Müller, Hermann: Material- und Bilder-Sammlung zu Gusto Gräser und Friedrich Muck-Lamberty. Deutsches Monte Verita Archiv (Freudenstein), Freudenstein 2009

Müller, Hermann: Nun nahet Erdsternmai. Diefenbachs Meisterschüler Gusto Gräser. In Michael Buhrs (Hg.): Lieber sterben als meine Ideale verleugnen! Karl Wilhelm Diefenbach (1851-1913). Eine Ausstellung des Museums Villa Stuck. München: Minerva 2009

Wikipedia zu Gusto Gräser: https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Gr%C3%A4ser. Abgefragt 2010

Müller, Hermann, Brief an Detlef Belau in Naumburg (Saale), August 2011, 5. Januar 2012, 6. Januar 2012, 8. Februar 2013, 20. August 2013

 

Weitere Quellen

[AJ = Arbeiterjugendbewegung] Bericht des Parteivorstandes [der SPD] an den Parteitag in Würzburg. "Volksstimme. Sozialdemokratisches Organ für den Regierungsbezirk Magdeburg." 1. Beilage zur Volksstimme, Nummer 177. Magdeburg, Sonnabend, den 1. August 1914

Brauckmann, Stefan: Historische Hintergründe: Die Artamanenbewegung in der Weimarer Republik. In: Braune Ökologen. Hintergründe und Strukturen am Beispiel Mecklenburgs-Vorpommern. Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung und der Heinrich-Böllstiftung. Mecklenburgs-Vorpommern 2012, Schriften zur Demokratie. Band 26, Rostock, Seite 39 bis 50

Brammer, Karl: Verfassungsgrundlagen und Hochverrat. Beiträge zur Geschichte des neuen Deutschlands. Nach stenographischen Verhandlungsberichten und amtlichen Urkunden des Jagow-Prozesse. Verlag für Politik und Wirtschaft, Berlin 1922

Die Frauen im Prozess "Andreas Pflüger". In: Zeitzeuginnen des 20. Jahrhunderts. Der Widerstand der Remscheider Frauen 1933-45. Herausgeberin: Stadt Remscheid, Frauenbüro/Gleichstellungsbeauftragte, 2. Auflage, 2007

Döblin, Alfred: Ferien in Frankreich. "Die Weltbühne", 19. Oktober 1926, Nummer 42, Seite 614 bis 619

Eine Märchenerzählerin. [Über Lisa Tetzner in Thüringen 1918] "Der neue Bezirksbote für den politischen Bezirk Bruck an der Leitha." Schwechat, den 14. August 1921, Seite 2

Fichte, Johann Gottlieb: Das System der Sittenlehre nach den Prinzipien der Wissenschaftslehre. Bei Christian Ernst Gabler, Jena und Leipzig 1798

Frecot, Janos, Johann Friedrich Geist, Diethart Krebs: Fidus. 1868 - 1948. Zur ästhetischen Praxis bürgerlicher Fluchtbewegung. Rogner & Bernhard, München 1972

George, Paul, Dr. Karl Strünckmann, Max Schulze-Sölde: Ostern 1930. Religiöse Woche in Hildburghausen. Die Kommenden, Großdeutsche Wochenschrift aus dem Geiste volksbewusster Jugend, Urquelle Verlag Erich Röth, Flarchheim Thüringen, 5. Jahrgang, 5. Folge, 31. Januar 1930, Seite 55

Gillen, Eckhart: "Jawohl, diese Höhen müssen gestürmt werden". Alfred Kurella, der Bitterfelder Weg 1959 und die sowjetische Kulturrevolution 1929. In: Abschied von Ikarus. Bildwelten in der DDR - neu gesehen. Klassik Stiftung Weimar, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2012, Seite 175 bis 183

Groh, Georg: Nordisch-Germanischer Glauben in der Öffentlichkeit. In: Rig. Vierteljahreszeitschrift für deutschen Glauben. Rigverlag, Schweinfurth 1930, Heft 5, Seite 64 bis 65

Günther, Susanne: Die Hartensteiner und die "Hohensteiner Puppenspiel". In: "Erzgebirgische Heimatblätter", 1993, Heft 2, Seite 23 ff.

Grüsser, Hermann E.: Der Erfurter Jugendring. Von seinem und seiner Gemeinschaften Wollen und Wesen. 1919

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[Helwig] 8. Der Hohe Meissner, Vor- und Nachspiel. Runde: Karolus, Gustav Wyneken, Ernst Sander, Oskar Steckhan, Walter Hammer, Friedrich, Autor. In: Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandervogels. Vom Aufstieg, Glanz und Sinn einer Jugendbewegung. Erweiterte Ausgabe. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Walter Sauer. Südmarkverlag Frisch KG, Heidenheim an der Brenz 1980, Seite 67 bis 84

Henrichs, Willi: Gottfried Traub. Liberaler Theologe und extremer Nationalprotestant. hartmut spenner, waltrop 2011

Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften. Band 6, Zur Kritik der instrumentellen Vernunft und Notizen 1949 bis 1969. Herausgegeben von Alfred Schmidt, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1991, Seite 225

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Kessler, Ingrid, Stadtverwaltung Erfurt, Archiv: Zu Adam Ritzhaupt. Brief an Detlef Belau in Mössingen, 31. August 2016

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Liebe, Werner: Die Deutschnationale Volkspartei 1918-1924. Droste Verlag, Düsseldorf 1956

Meyer, Gertrud: Tanzspiele und Singtänze, Teubner Verlag, 3. Auflage, Leipzig 1913 [Müncker] Akte des Staats-Ministeriums, Abteilung Finanzen zu Altenburg 1920-1926, [XIV.23.2.1], Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar, Signatur 2548

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Giovanni Pico della Mirandola: De hominis dignitate. Über die Würde des Menschen. 1486. Philipp Relam jun., Stuttgart 1997

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Reimers, Bettina Irina: Die Neue Richtung der Erwachsenenbildung in Thüringen 1919 - 1933. Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Sozialwissenschaften in der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen 2000

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Schiele, Georg: Völkischer Staat. Naumburger Briefe. Herausgegeben von Georg Schiele. Jahrgang 1926, Heft 9. Vertrieb für den Buchhandel Reichenbach Verlagsbuchhandlung Leipzig, Verlag Dr. Schiele, Naumburg a. S., Friedenstrasse 7 [1926]

[Schulze-Sölde, Über] "Völkische Beobachter" (Hildburghausen) vom 26. April 1930. In: "Der Dom", Urquell-Verlag Erich Röth, Flarchheim in Thüringen, Folge 1, 1930, Seite 10

Schwarz, Manfred: Ja, wenn die Klampfen klingen und die Burschen singen. Welt am Sonntag, 12. April 2009. http://www.welt.de/wams_print/article3543518/Ja-wenn-die-Klampfen-klingen-und-die-Burschen-singen.html

Steudtner, Fritz: siehe Kötschau

Traub, G.: Der Geisterkampf der Gegenwart. Rede auf dem DNVP Parteitag in Stettin. Druck- und Verlagshaus, München 1932

Ulbricht, Justus H.: Worte an eine Schar: Georg Stammler [= Kapitel, Seite 132 bis 139] In: Justus H. Ulbricht: Bücher für die "Kinder der neuen Zeit". Ansätze zu einer Verlagsgeschichte der deutschen Jugendbewegung. In: Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung. 17 /1988-2. Herausgeber und Verlag: Stiftung Jugendburg Ludwigstein und Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen 1988, Seite 77 bis 140

Ulbricht, Justus, H: Im Geist der Jugendbewegung. In: Uwe Puschner, Walter Schmitz, Justus H. Ulbricht: Handbuch zur "Völkischen Bewegung". K.G. Sauer. München, New Providence, London, Paris, 1996, Seite 296-302

Victor, Walther: Führertagung der Arbeiterjugend in Dresden. "Junge Menschen. Blatt der deutschen Jugend. Stimme des neuen Jugendwillens." Herausgegeben von Dr. med. Knud Ahlborn / Walter Hammer. Verlag "Junge Menschen" G.M.B.H. Hamburg, Johnsallee 54, Wien 17, Geblergasse 69, 2. Jahrgang, Ende April 1921, Heft 8, Seite 121

 

Belletristik: Romane, Erzählungen, Gedichte

Der Prophet. "Jugend. Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben." 1921, Heft 12, Seite 273

Fallada, Hans: Damals bei uns daheim. Erlebtes, Erfahrens und Erfundenes. Aufbau Taschenbuchverlag, Berlin 2002 (Seite 288 und 290)

Hesse, Hermann: Die Morgenlandfahrt. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1982 (Erstausgabe 1932)

Hilger, Andreas: Gäserne Zeit. Ein Bauhaus-Roman. Osburg Verlag, Hamburg 2013

Kläber, Kurt: Der Aufrührer. In: Kurt Kläber: Revolutionäre Erzählungen. Aus den Kämpfen des Proletariats. Illustration von Maria Braun. Roter Türmer Verlag, Leipzig 1925 (Seite 17)

Popert, Hermann: Helmut Harringa. Eine Geschichte unserer Zeit. Sechsunddreißigste Auflage (176. bis 180 Tausend), Alexander Köhler, Dresden 1917 [Erstausgabe 1910]

 

Radio

Schurz, Robert: Wahrheitsmensch und tanzender Messias. Die Hochkonjunktur der Inflationsheiligen. Deutschlandfunk Sendung, Hörspiel/Hintergrund Kultur. Redaktion: Hermann Theißen. Dienstag, 19. Oktober 2010. 19.15 - 20.00 Uhr

 

Filme

Monte Verità. Der Traum vom alternativen Leben. Ein Dokumentarfilm von Carl Javér.
Gesendet von ARTE am 12. Januar 2014, um 15.00 Uhr, 86 Minuten

Staudte, Wolfgang, Regisseur: Die Geschichte vom Kleinen Muck. Drehbuch: Peter Podehl und Wolfgang Staudte. Defa Studio Spielfilme 1953

Zuchthaus, Kerker, Sommerfrisch. Die Leuchtenburg im Saaletal. Erstsendung Mitteldeutsches Rundfunk (MDR), 11. Juni 2013, 20.45 Uhr, 28:38 Minuten

 

Ausstellungen

Aufbruch der Jugend Deutsche Jugendbewegung zwischen Selbstbestimmung und Verführung. 26. September 2013 – 19. Januar 2014. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Günther, Albrecht: Glut ist geist. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 7.Oktober 2013

"Wandervögel" auf der Leuchtenburg. "Ostthüringer Zeitung", den 14. Februar 2014

Facebook meldet am 11. März 2015: Für die Ausstellung "Geheime Propheten" in der SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT berichten die Enkel Tom und Ingo Lamberty über die Bewegung der Neuen Schar, deren Ideale auch nach 95 Jahren immer noch aktuell sind. (https://de-de.facebook.com/eiermanntv)

 

Bildnachweis

Augustinerkirche Gotha. Wikimedia Commons. 2011
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Augustinerkirche_Gotha?uselang=de

[Bugra] Das Gelände der Weltausstellung für das Buchgewerbe und Grafik 1914 in Leipzig. Fotograf unbekannt. Herkunft: https://de.wikipedia.org/wiki/Bugra beziehungsweise Heinz-Jürgen Böhme, Günter Clemens: Bilderbogen - Leipziger Ansichtskartenserien von 1895 bis 1945, PRO LEIPZIG 2010, ISBN 978-3-936508-39-0, Seite 257. Herkunft und Zeitpunkt der Entstehung des Bildes charakterisieren es als Public Domän Dokument.

Emil Fuchs und Verlobte(1906). Aus: Herbert Trebs: Emil Fuchs. Union Verlag, Berlin 1965, Seite 13

Muck als Marinesoldat (Kriegsfoto), Archiv der Leuchtenburg

Grafik-Motiv Tanz mit Kindern aus: Unter der Linde. Tanzspiele und Volksweisen gespielt und gesungen von der "Neuen Schar" in Thüringen. Herausgegeben von Leuten der Schar. Alexander Duncker Verlag, 61. bis 75. Tausend, Weimar 1925

Mutter von Muck-Lamberty. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand: Neue Schar A 17, Nr. 1

Natorp, Fotografie von Prof. Paul. Universitätsarchiv Marburg 312/7 Nr. 1

Leuchtenburg 1925. Frau Paula Lenkeit mit Dutt. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand: Neue Schar A 17, Nr. 1

Die Neue Schar auf dem Karlsplatz in Eisenach (1920). Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand: Neue Schar A 17, Nr. 1

Friedrich Muck-Lamberty mit Kindern 1920 in Eisenach. Bild von Hermann Müller im Jahr 2013 erhalten.

Muck in Eisenach (1920). Aus: Winfried Mogge: Bilder aus dem Wandervogel-Leben. Die bürgerliche Jugendbewegung in Fotos von Julius Groß. 1913-1933. Verlag Wissenschaft und Politik, 1986, Seite 66

Schloss Werenwag im oberen Donautal. Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen. Bestand Neue Schar A 17 Nr. 1

Umschlagsseite "Der Vortrupp". Aus: Karl O. Karl: Jugendbewegung und Politik. Randbemerkungen. Voggenreiter Verlag, Bad Godesberg 1961, Seite 33

 

* Sammlung Hermann Müller, Deutsches Monte Verita Archiv, Freudenstein

** Bild von der Leuchtenburg - Freundlicherweise vom Museum Leuchtenburg bei Kahla im August 2008 erhalten. Danke.

*** Ich bedanke mich herzlich bei Hermann Müller vom Deutschen Monte Verita Archiv (Freudenstein) für die Material- und Bilder-Sammlung zu Gusto Gräser und Friedrich Muck-Lamberty im August 2009.

**** Vielen Dank an Karl-Heinz Schettler von der Stadtverwaltung Hartenstein (Erzgebirge) für die Hinweise und die Überlassung des Bildes vom Markt. - 6. März 2010

***** Frau Heike Büttner vom Stadtarchiv Sonneberg sandte mir am 19. März 2010 Informationen nebst zwei Zeitungsausschnitten über den Zug der Neuen Schar durch Sonneberg zu. Herzlichen Dank.

****** Ich bedanke mich bei Herrn Matthias Gellrich für die Identifizierung des Fotos von der Neue Schar vor dem Eisenacher Bahnhof (1920).

Ich danke dem Stadtmuseum Erfurt für die Überlassung von Dokumenten zur Bewegung der Neuen Schar und Friedrich Muck-Lamberty. November 2011

Vielen Dank an das Archiv der Leuchtenburg (bei Kahla) für die freundliche Unterstützung der Forschungsarbeit im Januar 2013.

Besonderen Dank gebührt dem Kronacher Stadtarchivar Hermann Wich für die inhaltlichen Hinweise und Kopien zum Treffen der Wandervögel 1920 in Kronach. - 28. Mai 2013

Herrn Michael Tröbs, Leiter Stadtarchivs Coburg, danke ich für die erwiesene Hilfe beim Aufsuchen der Quellen. - Mai 2013

Für die Hinweise und Bereitstellung von Quellen zur Religiösen Woche (1930) bedanke ich mich bei Heidi Moczarski, Kreisarchiv Landratsamt Hildburghausen.


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Autor: Detlef Belau
Urfassung: 2005.
Überarbeitet am 8. Juni 2010.
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