Arthur Graf von Posadowsky-Wehner
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Arthur Graf von
Posadowsky-Wehner
(1845-1932)
Nach einem Porträt
von Fritz Amann
(1878-1969)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

"Zu meiner Zeit saß", erinnert sich Hans-Gert Kirsche 2006, "in der Kurie der schlesische Graf von Posadowsky-Wehner, seinerzeit Böttichers Nachfolger im Reichsamt des Inneren und später Reichstagsabgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei. Er sah aus wie der leibhaftige Weihnachtsmann, denn er trug einen riesigen weißen Vollbart vor sich her, und war in der Stadt, wo man ihn häufig auf den Straßen sah, sehr beliebt. Als er [am 26. Oktober] 1932 starb, folgte fast ganz Naumburg seinem Sarge, es war wie ein Staatsbegräbnis."

Wer ihn kannte, achtete und bewunderte ihn. "Seine Hauptstärke war", bescheinigt ihm 1907 das Zeugnis der Volksstimme aus Magdeburg, "die fleissige Durchdringung der zahlreichen Einzelheiten seines Ressorts, verbunden mit einer gewissen Nachdenklichkeit, also einer in preussischen-deutschen Regierungskreisen höchst seltenen Eigenschaft." Das sozialdemokratische Blatt nennt ihn einen

Vertreter des sozialen Königtums,

dessen Ziel, die Geistige und wirtschaftliche Hebung der minderbemittelten Klassen war.

Ein "typischer Junker", wie Paul Wittko (1856-1958) 1925 meint, war er nicht, sondern wertkonservativ und fortschrittlich in Einem. Die Gestaltung der Notwendigkeiten von Wirtschafts- und Sozialpolitik ist der treibende Widerspruch seiner politischen Tätigkeit. Die Frankfurter Zeitung vom 25. Oktober 1932 erinnert daran, wie aus dem "Minister gegen die Sozialpolitik" einer für Sozialpolitik wurde. Die Kaufmannsgehilfen-Tagung am 9. Februar 1926 in Naumburg begrüsst ihn als

Vorkämpfer der deutschen Sozialpolitik.

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner wurde am 3. Juni 1845 als Sohn des Oberlandesgerichtsrats Graf von Posadowsky in Groß-Glogau geboren. Nach dem Studium der Staats- und Rechtswissenschaften in Berlin, Heidelberg und Breslau beginnt seine steile Karriere: 1867 Promotion zu Dr. jur.. Vier Jahre später tritt er bei der Regierung in Posen als Regierungsreferendar und -assessor in den Verwaltungsdienst. Seine Tätigkeit als Landrat in Wongrowitz, des Kreises Kröben (Rawitsch) und Landeshauptmann in Posen währt von 1873 bis 1893. Von 1882 bis 1885 zieht Posadowsky-Wehner für die Freikonservative Partei im Wahlkreis Fraustadt-Kröben in das Preußische Abgeordnetenhaus ein. Es folgt von 1885 bis 1889 die Tätigkeit als provisorischer Leiter der Verwaltung Posen, dann 1889 als Landesdirektor beziehungsweise ab 1890 als Landeshauptmann.

"Einem Konflikt zwischen dem Staatssekretär des Reichsschatzamtes von Maltzahn und dem preussischen Finanzminister Johannes von Miquel verdankte Posadowsky, dessen finanzpolitische Leistungen in Posen den Kaiser beeindruckt hatten, seinen überraschenden Aufstieg in ein Regierungsamt." (Bahlke 2006, 94) Ab 1. September 1893 übernimmt er die Aufgabe eines Staatssekretärs im Reichsschatzamt.

 

Ich bin aber, solange ich in diesem Amte
stehe, ein Staatssekretär  f ü r  Sozialpolitik
(Posadowsky-Wehner)

Die Ära Posadowsky 01.07.1897 bis 24.6.1907

Ab 1. Juli 1897 ist er Staatssekretär in Reichsamt des Innern und Stellvertreter des Reichskanzlers. Wir werden uns bemühen, so seine grundsätzliche Haltung zur Souialpolitik, "das Wohl der arbeitenden Klasse weiter zu fördern" "soweit es sich um berechtiget Forderungen für die sittliche und körperliche Gesundheit der Arbeiter handelt" (PW 1897, 176). Im Juli 1899 erfolgte mit Zustimmung der Reichstagsabgeordneten der SPD die einheitliche Festlegung der Höhe der Invalidenrenten. Auf seine Initiative hin wird am 1. Juni 1901 die Gewerbeordnung verabschiedet, welche den Mutterschutz verbessert, die Nachtarbeit und Arbeit an Sonn- und Feiertagen für die Werkleute in Industrie und Bau sowie die Kinderarbeit unter 13 Jahren verbietet. 1903 wird die Zahlung der Krankenunterstützung von 13 auf 26 Wochen verlängert. Arbeiterwohnungen werden finanziell gefördert. Die Gesetze zu den Gewerbe- (1901) und Kaufmannsgerichten (1904) sollen die Arbeitskonflikte friedlich regeln. Sie erkennen den Arbeiter als gleichberechtigten Vertragspartner der Unternehmer an, der im Ergebnis des Bergarbeiterstreiks von 1905 weitere Rechte erringt.

 

Zuchthausvorlage

In der Schrift Sozialreform oder Revolution? (1899) von Rosa Luxemburgs (1871-1919) findet sich eine versteckte Replik auf Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. Sie führt die Rede über

"Attentaten auf das allgemeine Reichstagswahlrecht".

Als Staatssekretär im Reichsamt des Innern sandte er am 11. Dezember 1897 an die Regierungen der deutschen Einzelstaaten ein geheimes Rundschreiben, worin gesetzliche Maßnahmen gegen das Streikrecht und die Koalitionsfreiheit gefordert wurden. Den Sozialdemokraten war es gelungen, das Geheimdokument in die Hand zu bekommen, was sie am 15. Januar 1898 im Vorwärts veröffentlichten.

In seiner Oeynhausener-Rede vom 6. September 1898 kündigte Wilhelm II. die für 1899 vorgesehene Gesetzesvorlage an. Friedrich Naumann (1866-1919) nimmt 1899 in einem Vortrag ebenfalls gegen die Zuchthausvorlage Stellung. Schließlich lehnt sie der Reichstag mit einer übergroßen Mehrheit ab.

Mit dem Scheitern der Zuchthausvorlage beginnt bei Posadowsky-Wehner ein Umdenkungsprozess. Nunmehr sucht der Vizekanzler (1897) in sozialen Fragen mit der SPD und der Arbeiterbewegung eher den Ausgleich. Er will den Bau von Wohnungen für Reichsangestellte forcieren, um der Ausbeutung durch Hausbesitzer und Grundeigentümer entgegenzutreten. Während seiner Amtszeit werden bedeutende wirtschafts- und sozialpolitische Reformen realisiert. Realpolitisch gedacht, also sozusagen "objektiv", soll damit die Sozialdemokratie politisch zurückgedrängt und isoliert werden. Aber darauf beschränkt sich Posas politische Gedankenwelt nicht. Seine sozialpolitischen Ambitionen sind von wirklich kulturell förderlichen Ambitionen im Sinne der Arbeiterschaft getragen.

 

 

Bekämpfung der Sozialdemokratie (Posadowsky-Wehner)


Rede
vor dem Reichstag 1905


hören
(1: 46 Minuten, mp3)

Überwindung der Sozialdemokratie und des Materialismus

Geistige und sittliche Wiedergeburt des deutschen Volkes durch Opferfreudigkeit und Selbstlosigkeit

Trotz Wahlrecht kann die Herrschaft der besitzenden Klassen aufrechterhalten werden

 

Am 6. Februar 1906 verleiht Posadowsky-Wehner in seiner Rede vor dem Reichstag dem "Kampf gegen die Sozialdemokratie" einen neuen Impuls. Wie kommt man gegen die drei Millionen Stimmen der Sozialdemokratie an? Wie kommen wir bei der Schaffung einer Arbeiterpartei voran, "die innerhalb des gegebenen Staates", des "bürgerlichen, des monarchischen Staates" steht?, fragt er. Wir haben, so seine Schlussfolgerung, den "allerdringendsten Grund die christliche Arbeiterbewegung zu unterstützen". Der SPD wirft er das Spiel mit der Revolution vor und missbilligt, dass sie nicht anerkennt, "was der Staat und die bürgerliche Gesellschaft für die arbeitenden Klassen bisher schon getan haben". (6.2.1906, 1050f.)

 

Ministerieller Massensturz

Unter der Kanzlerschaft von Leo von Caprivi (1890-1894) und Carl Viktor Fürst von Hohenlohe-Schillingsfürst (1894-1900) konnte er seine Leistungskraft voll entfalten. Aber als Bernhard von Bülow (1900) das Amt übernahm, traten die "Temperamentsunterschiede" (Wittko) deutlich zu Tage. Unstimmigkeiten entstanden und blieben bestehen. Doch es gab für die Konflikte weitaus Gründe als die Temperamentsunterschiede. In dieser Zeit werden drei Konfliktfelder sichtbar: die Kosten des Kolonialkrieges, damit verbunden die Haltung zum Zentrum und die Weiterführung der Sozialpolitik.

Der Kampf gegen die Herero in Deutsch-Südwestafrika und die Niederschlagung des Aufstandes der Nama kostete den deutschen Kolonialherren viel Geld. Staatssekretär Bernhard Dernburg (1865-1932) wies 1906 die Kritik an der deutschen Kolonialverwaltung und den Krieg gegen die Hottentotten und Hereros scharf zurück. Ein Nachtragshaushalt wird fällig. Posadowsky stimmte mit dem Zentrum und der SPD im Reichstag dagegen. Bernhard von Bülow löst den Reichstag auf. Sein Stellvertreter unterstützt die Innen- und Aussenpolitik nicht mehr, obwohl er, schon um seine sozialpolitischen Ziele durchzusetzen, gewillt war sich anzupassen. Doch die Widersprüche waren nicht mehr zu klammern.

Gegen die Sozialpolitik von Posadowsky-Wehner regte sich Widerstand. In seiner Rede am 5. März 1907 vor dem Reichstag macht er sich Luft: "Und, meine Heeren, das gegen mich in der Öffentlichkeit, persönliche gehässige, giftige und verleumderischen Angriffe gerichtet sind, das ist allgemein bekannt …." "Es gibt eben Richtungen, die wollen, das ein Staatssekretär gegen Sozialpolitik besteht.

Ich bin aber, solange ich in diesem Amte stehe,
ein Staatssekretär für Sozialpolitik …."

"Wat rausschmeissen wollen Se mir. Ich habe vierzehntägige Kündigung. Mit mir jeht det nicht so wie mit Posadowsky`n."

Simplicissimus. 12. Jahrgang, No. 16. München, den 15. Juli 1907

Der Graf tritt am 22. Juni 1907 als Staatssekretär des Inneren zurück. "Mit ihm scheidet aus der Reichs- und preussischen Staatsregierung", meldet die Volksstimme aus Magdeburg am 25. Juni 1907,

"die einzige bedeutende Persönlichkeit, der letzte, dem auch der Gegner Achtung entgegen bringen konnte.

Sein Sturz entspricht mehr noch als den Wünschen des Fürsten Bülow jenen der scharfmacherischen Reichspartei, die den ehemaligen Vertreter der Zuchthausvorlage, den Hauptmitarbeiter des Hochschutzzolltarifs, den Vertrauensmann der Landbündler und Industriebündler, seit er sich in der Auffassung seines Amtes zu etwas modernen Anschauungen gewandelt hatte, als ihren Todefeindes zu behandeln pflegte."

Seinen Rücktritt charakterisiert die Volksstimme (Magdeburg) als "das wichtigste Ereignis"

des ministeriellen Massensturzes.

Nachfolger wird der preussische Polizeiminister und spätere Reichskanzler Theodor von Bethmann-Hollweg.

Seit dem ministeriellen Massensturzes lebt Posadowsky-Wehner als Dechant des protestantischen Domkapitels in Naumburg. Bis 1918 bleibt er Mitglied des Preußischen Herrenhauses und ist von 1912 bis 1918 parteiloser Abgeordneter für den Wahlkreis Bielefeld im Reichstag.

 

 

Zur Wohnungsfrage

Zum 5. Januar 1910 bittet ihn der Bayerische Verband für Wohnungsförderung in München zum Vortrag. Auf der öffentlichen Versammlung referiert er zum Thema:

Die Wohnungsfrage
als Kulturproblem.

 

Veröffentlichungen
(Auswahl)

Über die Altersversorgung der Arbeiter (1883)

Geschichte des schlesischen adligen Geschlechtes der Grafen Posadowsky-Wehner, Freiherren von Postelwitz
(1891)

Luxus und Sparsamkeit
(1909)

Die Wohnungsfrage als Kulturproblem (1910)

Volk und Regierung im neuen Reich (
1932)

 

Zunächst erörtert er die Tendenzen der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. Es klingen kritische Untertöne zur Kolonialpolitik an: In den besten Kolonien, wie Südwestafrika, die 26 Jahre zu Deutschland gehören, siedelten lediglich 6 210 Deutsche, während sich die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 18 Millionen erhöhte. "Auch die wärmsten Vertreter einer starken Kolonialpolitik werden hiernach die Hoffnung kaum mehr aufrecht erhalten können, dass unsere Kolonien imstande wären, einen irgendwie nennenswerten Teil unserer wachsenden Bevölkerung aufzunehmen." Ob in Deutschland überhaupt ein entbehrlicher Bevölkerungsüberschuss besteht, erscheint ihm sehr fraglich.

Doch wenn wir den jetzigen Kulturstand halten wollen, sagt der Graf, dann müssen genügend Wohnstätten geschaffen werden, die den gesundheitlichen und sittlichen Anforderungen genügen. Dies erfordert die Wohnungslage in Deutschland. Gegenwärtig lebt die Stadtbevölkerung zu vier Fünftel in Kleinwohnungen mit zwei bis drei Räumen. "Aber nur in sehr großen Entfernungen von ihrer Arbeitsstelle können sie sie finden `zum Schaden ihrer Arbeits- und Nachtruhe und ihres Familienlebens`". Etwa 63 Prozent der Bevölkerung leben in Zwei- bis Dreizimmerwohnungen. In einzelnen Orten sind sie bis 59 Prozent mit zwei, ja sogar mit drei Schlafgängern belegt, was "die kaum glaubliche Zerrüttung des Familienlebens in den Arbeiterfamilien" erklärt. Der Staat muss, fordert er, einen anderen Weg im Wohnungsbau einschlagen. Und die Gemeinden müssen endlich vorsorglich und reichlich Grund und Boden ankaufen, um ihn zu realistischen Preisen dem Wohnungsbau zur Verfügung stellen zu können.

Ein Rezensent urteilt in der sozialdemokratischen Wochenschrift Die Neue Zeit über den Vortrag von Posadowskys (1910):

"Und wenn Posadowsky noch nicht a. D. wäre, die Kreise, deren Interessen er als Minister vertreten hat, würden, ihn nach dieser Rede schonungslos wegjagen. Doch freilich als er noch im Amte war, hat er an den geheiligten Privilegien der Kapitalisten nicht gerüttelt."

 

 

Das deutsche Volk
ist monarchistisch bis auf die Knochen (1913)

 

 

Posa und das deutsche Volk.
Simplicissimus. 18. Jahrgang, No. 40. München, den 29. Dezember 1913, Seite 687

 

 

Wertekanon

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner referiert am 2. April 1918 in Dresden auf dem christlich sozialen Kongress. Interessant ist, der politisch-moralische Wertekanon, den er in seiner Rede so formuliert:

"Wir sollten uns enger an das Eigene anschliessen und unsere Heimat höher schätzen lernen, die Jugend zu glühendem Staatsbewusstsein, zu Sparsamkeit, Sittenstrenge, Tüchtigkeit erziehen."

"Dann wird Deutschland die Führung der Welt übernehmen und die Welt am deutschen Wesen genesen" (Wittko), denkt der Deutschnationale noch im Frühjahr 1918. Nicht von ungefähr gehört er zu den Gründungsmitgliedern der DNVP.

"Ich habe seinerzeit gegen die Friedensresolution vom Juli 1917 im Reichstag gestimmt ….",

teilt er 1919 den Naumburgern mit und fügt an:

"Wer eine solche Friedensresolution faßt, erweckt den Verdacht, daß er die Hoffnung auf den Sieg aufgegeben hat, und erschüttert damit auch die Siegeszuversicht des Heeres."

 

Abrechnung mit der wilhelminischen Politik
in der Reichskrone von Naumburg

Reichskrone um 1910. Zeichnung.

Am 15. Januar 1919 lädt der Vorsitzende der Ortsgruppe der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Naumburg Dr. med. Jebsen zur Volksversammlung in die Reichskrone am Bismarckplatz ein. Vor einer ausserordentlichen Zahl von Männern und Frauen aller (!) Parteien referiert der DNVP-Kandidat für die Nationalversammlung Arthur Graf von Posadowsky-Wehner Über die heutige Lage und die Aufgaben der Zukunft. Schon eine Stunde vor Beginn ist der grosse Saal überfüllt. Bei Eintritt in den Saal wird der Referent von den Anwesenden mit lebhaften Beifall begrüsst.

Deutschland baute bekanntlich mit viel Kraft und Geld eine Flotte auf, eröffnet der Graf seine Rede, und fährt fort:

  • Nach dem Ausscheiden des Fürsten Bismarck, fuhren wir "mit vollen Segeln in die Weltpolitik". Wir suchten uns eine starke Flotte zu schaffen und grossen Kolonialbesitz zu erwerben. Das hatte seine Rückwirkung auf die Heeresausgaben. Die sich schnell wiederholenden Flottenvorlagen wurden damit begründet, den Handel zu schützen. Doch im Krieg war sie England zahlenmässig nicht gewachsen. Die Flotte konnte "keine ihrer Aufgaben lösen". Sie konnte weder unseren Handel schützen noch zur Verteidigung der Kolonien beitragen. Damit nicht genug. Nicht mal die Überführung der Truppen der feindlichen Länder auf die belgischen und französischen Schlachtfelder verhinderte sie. So war die Flottenrüstung völlig umsonst.

  • "Man kann sehr zweifelhaft sein, ob es richtig war, durch den unbeschränkten U-Boot-Krieg uns die gewaltige wirtschaftliche und finanzielle Macht Amerikas zu offenem Feinde zu machen …" Besser wäre gewesen, den Bau von U-Booten nicht so zögerlich und spät zu betrieben. Dann hätte "das Resultat des Weltkrieges ein wesentlich anderes" sein können.

  • Deutschland leitete eine verfehlte Kolonialpolitik. Der Wunsch nach Kolonien scheint wirtschaftlich verständlich. "Die Begründung aber, dass wir Kolonien haben müssten, um dorthin unseren Menschenüberfluss abzuführen und dem Vaterlande zu erhalten, war für ein Land wie Deutschland, welches jährlich 1 ¼ Million fremder Arbeiter einführte, um seine Bergwerke auszubauen, seine Fabriken zu betreiben und den deutschen Acker zu bestellen, tatsächlich unrichtig."

  • "Wollten wir erfolgreich Weltpolitik treiben, so durften wir uns bei der Annexion Bosniens und der Herzogowina nicht als Sturmbock Oesterreichs gegen Russland ausnutzen lassen."

  • "Heute kann kein Zweifel mehr darüber sein, dass diese verfehlte Weltpolitik die Möglichkeit geschaffen hat, einen Ring von Feinden um uns zu schmieden, der schliesslich droht, zur Sklavenfessel für uns zu werden."

  • Das System des multilateralen Bündnisgeflechts war eine ganz wichtige Ursache für die unheilvolle Entwicklung zum Weltkrieg.

  • Deutschland darf seine nationalen Kräfte nicht überschätzen, deshalb muss man der Rüstungs-, Kolonial- und Außenpolitik Fesseln anlegen.

Dem Bürger zugewandt, sagt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner am 15. Januar 1919 in der Reichskrone von Naumburg, die "entscheidende Frage der Gegenwart heisst",

"Volksstaat unter Mitwirkung sämtlicher Klassen unseres Volkes oder sozialistischer Staat unter alleiniger Führung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei".

 

 

Kontinuität und Wandel

Am 11. Februar 1919 unterliegt der Vizekanzler a. D. in der Wahl zum ersten Reichspräsidenten dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert. Drei Tage später hält er als DNVP-Fraktionssprecher in der Nationalversammlung die wichtigste Rede seines Lebens. Was kann, was muss der Bürger angesichts der tiefen politischen Krise des Konservatismus und desolaten Lage der bürgerlichen Parteien von ihm erwarten? Verheddert sich der dreiundsiebzigjährige in programmatischen Debatten? Oder ufert alles in Anwürfen oder personellen Streitereien aus? Nicht ohne Grund forderte Theodor Heuss am 17. Januar 1917 in Stuttgart vor der Deutschen Demokratischen Partei, dass die Parteien jetzt ihre Regierungsfähigkeit unter Beweis stellen müssen, um das Land aus der Krise zu führen. Darauf ist die DNVP aber nicht vorbereitet (vgl. Werner Liebe). Was ist Graf Arthur von Posadowsky-Wehner in dieser wahrlich historischen Situation imstande zu leisten?

In den Debatten der Nationalversammlung entwirft er auf der Grundlage konservativ-republikanischer Wertorientierung klare Vorstellungen darüber, wohin Regierung und Staat steuern sollen. Ähnlich wie John Maynard Keynes (1883-1946) erkannt er in Versailles "eine geschichtliche Urkunde volkswirtschaftlichen Unverstandes" (PWc 2897).

 

Zur Überwindung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen

"1901 hatten auch in Naumburg eine Anzahl Arbeiter ihre Aufnahme in die Wählerliste beantragt. Und da gab es wieder den Beweis, daß die Besitzenden stets bemüht waren, Arbeiter um ihre Rechte zu bringen. Einer Anzahl ärmerer Eltern waren Schulbücher für ihre Kinder von der Armenverwaltung genehmigt worden. Das wurde als Armenunterstützung angesehen, die betreffenden Väter erhielten somit nicht das Wahlrecht." (Leopoldt 238)

Das Dreiklassenwahlrecht galt von 1849 bis 1918 für die Wahl des Abgeordnetenhauses und der Stadtverordneten in Preußen. Vor der Wahl werden die Urwähler entsprechend der von ihnen gezahlten direkten Steuern in drei Wahlklassen eingeteilt, die jeweils zu gleichen Teilen Steuern aufbringen. Dann wählt jede dieser Wahlklassen die gleiche Anzahl von Wahlmännern. Diese bestimmen in einem weiteren Wahlgang die Abgeordneten. Folglich entscheidet eine reiche, oder doch zumindest wohlhabende Minderheit, vertreten in der ersten bzw. zweiten Wahlklasse, mit zwei Drittel der Wahlmänner über die zu wählenden Abgeordneten. Damit gewährt das Dreiklassenwahlrecht ein allgemeines, aber kein gleiches Wahlrecht. Es ist schlicht gesagt undemokratisch! Hiergegen formiert sich Anfang des 20. Jahrhunderts eine Wahlrechtsbewegung. Beispielsweise streiken in Hamburg am 17. Januar 1906 die Arbeiter für ein demokratisches Bürgerschaftswahlrecht.

 

Das alte System war für ihn weder ein Obrigkeitsstaat noch staatliche Gewaltherrschaft. Jede "Herabsetzung des alten Staates" lehnt er als inakzeptabel ab. Sein Glaube an die konstitutionelle Monarchie als beste Staatsform, "welche den sicheren Gang der Staatsmaschine gewährleistet" (PWc 2893) ist noch immer gegenwärtig.

Trotzdem trägt er die Wende zum Volksstaat mit. Hierbei will er aber das konservative Selbstbewusstsein nicht weiter desavouieren. Für ihn war das Kaiserreich kein Obrigkeitsstaat. Ihm ist kein Staat bekannt, wo nicht ein Obrigkeit existiert. Sie ist seiner Überzeugung nach die "Grundlage jeder kultivierten Staatsverfassung". Die überzogene nationalistische Erziehung und ihre Folgen kommen nicht zu Sprache. Und das scheint typisch. In Fragen der Bildungspolitik und Erziehung verharrt er lange in konservativ-traditionellen Anschauungsweisen.

Die Vergesellschaftung der Betriebe ist für den DNVP-Frontmann eine Frage, ob dadurch "die Produkte billiger und besser gestaltet" werden können. Es dürfe keine "unsinnigen Lohnsteigerungen" geben, weil das zur Inflation führt. Drohungen gegen das "arbeitslose Einkommen" sind volkswirtschaftlich gefährlich und zersetzend, denn die Betriebe benötigen dringend Kredite und Investitionen. Deshalb darf man das Kapital nicht wegsteuern.

Vor 1918 herrschte nach Posadowsky-Wehner nicht der Militarismus, doch ist er jetzt in Gestalt der Arbeiter- und Soldatenräte "in der weitesten Form zur Macht gelangt".

Hauptsache "keine kommunistischen Experimente" (PWd 752), lautet sein Motto. Für unerwünscht erklärt er die Arbeiter- und Soldatenräte, die "fortgesetzt in die lokale Verwaltung" eingreifen und zur "Desorganisation" beitragen (PWb).

Das Betriebsrätegesetz ist vernünftig, doch dürfen die Arbeitnehmer nicht "in die Art des Betriebes selbst hineinsprechen können, dass ihnen die Bilanzen vorgelegt werden müssen" (PWc 2898).

Leider brachte der November 1918 einen "Schlag gegen die Religion selbst". Doch man darf die Kirche nicht behandeln wie einen Privatverein, denn sie ist eine "tausendjährige öffentliche Korporation" (PWe).

Die Quintessenz der Rede von Posadowsky-Wehner lautet: "Wir werden daher an der Wiederaufrichtung des Vaterlandes sachlich und gewissenhaft mitarbeiten. Den gewaltsamen Umsturz haben wir jederzeit verurteilt und halten auch jetzt …. an dieser Auffassung fest." Damit erklärt die Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei in der Nationalversammlung erklärt unter Führung dieses Mannes ihre Bereitschaft am nationalen Aufbauwerk mitzuwirken, die Republik zu stärken und die wirtschaftliche Katastrophe abzuwenden. Hieran fügt sich nahtlos das Urteil von Doktor Andreas Grieser (1868-1955), ehemals Staatssekretär im Reichsarbeitsministerium, 1933 von den Nationalsozialisten entlassen, der in ihn einen Politiker erkannte, der konservative Ideen organisch mit der Modernisierung verbinden kann.

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner wohnte am Domplatz 8 (Ägidienkurie)

Kapp-Putsch

DNVP-Mitglied Wolfgang Kapp (1858-1922) putscht im März 1920 gegen die Reichsregierung. Graf Posadowsky-Wehner macht nicht mit, weil es mit seiner Überzeugung vom demokratischen Verfassungsstaat unvereinbar. Er verlässt die Putsch-Partei und sucht die Zusammenarbeit mit der Zentrumspartei. Im politischen Naumburg von Georg Schiele, dem mächtigen Stahlhelm und des immer noch aktiven Alldeutschen Verbandes, war jetzt mit einer Einladung zum Treffen der streng nationalen Familie nicht mehr zu rechnen.

 

Verantwortung der Eliten

Posas gesellschaftlicher Funktionsplan für die Eliten beschränkt sich nicht auf die höchst entlastende Formel Eigentum verpflichtet. Er sprach gern vom Materialismus der besitzenden Klasse und sah darin ein Hindernis für die gedeihliche Entwicklung der Gesellschaft. Besitz war seiner Überzeugung nach immer eine Annehmlichkeit, selten ein Verdienst und niemals eine Tugend. Er weist die Oberschicht, Reichen und Eliten konkret in ihre Verantwortung zur Förderung eines gedeihlichen Staatswesens ein. Man spürt, dass er bemüht ist, aus den negativen Erfahrungen mit der wilhelminischen Intelligenz- und Kulturelite zu lernen. Aus konservativ-demokratischer Perspektive verleiht er der Elite neue inhaltliche Impulse.

 

Kritisch gegenüber Subventionen

Kritisch steht er der staatlichen Förderungspolitik von Unternehmen gegenüber. "Ein Staat, der auf Kosten der Steuerzahler fortgesetzt ungeheure Subventionen und Bürgschaften für privatwirtschaftliche Unternehmungen gewährt, verlässt den wirtschaftlichen Grundsatz, dass jeder das Risiko seines Unternehmens tragen muss, wenn nicht der Staat Gefahr laufen soll, in den Strudel des wirtschaftlichen Lebens in einem Maße zu geraten, dass die Grundlage jedes geordneten Staates, geordnete Finanzen, aufs schwerste erschüttert wird." (V&R 213)

 

Sozialpolitik

Oft wird die Sozialpolitik vor dem Ersten Weltkrieg mehr oder weniger als Reflex auf den wachsenden Einfluss der Sozialdemokratie interpretiert, die die Arbeiterklasse politisch domestizieren und konsumtiv befrieden soll oder sie als einen Produktivitätsfaktor für die Industrie betrachtet. Posadowsky-Wehner überschreitet deutlich diesen ökonomistischen Horizont. Seine Ideen greifen weit darüber hinaus. Für ihn ist Sozialpolitik eine universielle kulturelle Aufgabe, ohne die kein zügiger wirtschaftlicher Fortschritt möglich ist, und zugleich eine Notwendigkeit für den sozialen Ausgleich. "Die Kultur eines Volkes ist nicht nach dem Lebensstandard der oberen Volksklassen, sondern nach den Daseinsbedingungen der zahlenmäßig überwiegenden Masse zu beurteilen." (V&R 127)

Ein Volk, dass in der Bildung fortgeschritten, so seine Überzeugung, stellt auch im Unglück höhere Anforderungen an seine Lebensführung, als die Armenpflege gewähren kann. "Deshalb kann ein Volk von dem Kulturstande des deutschen Volkes die Sozialpolitik nicht aufhalten und nicht aufgeben, trotz aller stillen und offenen Gegner." (1907, 344/345) Folglich kann die Sozialpolitik kein "verhängnisvoller Schritt" sein. Oder wie er am 6. Februar 1906 (1049) vor dem Reichstag sagt: "Es war aber der große Fortschritt der deutschen Sozialgesetzgebung, das an die Stelle der Armenpflege ein eigenes Recht und eine gewisse Leistung des Arbeiters trat, eine Rente …."

Als mit Notverordnungen vor allem soziale Leistungen gekürzt wurden, warnt er: "Kalte Selbstsucht eines Volkes gegenüber leidenden Schichten seines eigenen Blutes bedeutet eine soziale Gefahr …" (V&R 74)

"Er widersprach auf das heftigste, wenn der Centralverband deutscher Industrieller Forderungen, die der Gesundheit und körperlichen Unversehrtheit am Arbeitsplatz galten, als sozialdemokratisches Anliegen zurückwies." (Bahlke 96) Seine Widersacher äussern sich öffentlich meist nicht in schroffer Weise, beschreibt er am 9. März 1907 (344) im Reichstag die Lage. Aber sie bekämpfen jeden einzelnen (Fort-) Schritt und sorgen dafür, dass für den Schwachen nur das Notwendigste geschieht. Auch beim Ministeriellen Massensturz 1907 spielten die harten Widerstände gegen seine Sozialpolitik eine entscheidende Rolle.

Posadowsky-Wehner verspricht keine Sozialpolitik des grenzlosen Humanismus, die nach acht Wochen Regierungspolitik zusammenfällt wie ein Kartenhaus, Enttäuschung bei den lohnabhängigen Schichten hervorruft und die Politiker womöglich in den Sumpf der (Not-) Lügen zieht. Möglichkeiten und Grenzen der Sozialpolitik definiert er auf Grundlage der Analyse des Verhältnisses von Humanität und Ökonomie. Sozialpolitik darf nicht die zwangsläufigen und unverrückbaren wirtschaftlichen Gesetze überschreiten und zerstören, fordert er, weil sonst riesige Schäden zu gegenwärtigen sind. (Vgl. V&R 213)

 

Rechtsbewusstsein

"Es genügt nicht", fasst Graf Posadowsky 1932 seine Erfahrungen zusammen, "dass die gesetzgebenden Körperschaften fortgesetzt je nach den bestehenden Mehrheitsverhältnissen Gesetze beschließen und die Regierung aus politischen Gründen denselben willfahrt. Gesetze müssen sich durch jahrelange Anwendung im Rechtsbewusstsein des Volkes einbürgern, um tatsächlichen Gesetzeswert zu erlangen; durch die Veröffentlichungen in den Gesetzblättern wird die Rechtskraft nur urkundlich festgestellt, aber kein Rechtsbewusstsein geschaffen." (V&R 72)

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

"Die deutsche Republik aber, die dem Volke als die freiheitlichste Verfassung der Welt in so begeisterten Tönen gepriesen ist, hat leider nur einen Mangel - es fehlt ihr an Republikanern. Eine Republik, wenn sie nicht eine Verfassungslüge sein soll, setzt zu ihrem Bestehen ein tief innerliches, das ganze öffentliche und private Leben beherrschendes Nationalbewusstsein, spartanische Einfachheit der Sitten, edle Selbstlosigkeit und unerschütterliche Pflichttreue der Volksmassen voraus. Nur so ist es möglich, dass das Volk selbst Träger der Regierungsgewalt ist. In einer Republik, in der man den Staat als große Versorgungsanstalt betrachtet, wo man gestützt auf weit verzweigte Interessenverbände rücksichtslose Interessenpolitik treibt und von dem schwer bedrängten Staate immer neue Vorteile zu erkämpfen sucht, wo man zwar fortgesetzt Sparsamkeit fordert, gleichzeitig aber Parteiinteresse maßloseste und finanziell unverantwortliche Wünsche vertritt, wo versteinerte Parteiauffassungen schließlich jede vernünftige stetige Staatsverwaltung unmöglich machen, da fehlt die unentbehrlich Grundlage der Volksherrschaft, der seiner Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen bewusste Bürgersinn." (V&R 115)

 

Verantwortung der Staatsbürger

Der Staat braucht seiner Ansicht nach dringend ein beherrschendes Nationalbewusstsein, spartanische Einfachheit der Sitten, edle Selbstlosigkeit und unerschütterliche Pflichttreue der Volksmassen. Das bedeutet, "dass im republikanischen Staatswesen die Pflichten des einzelnen Staatsbürgers erheblich höher sind als in der Monarchie, wo die monarchische Regierung als selbständige Machtquelle der gesetzgebenden Versammlung gegenübersteht und das Recht hat, Gesetzesentwürfe, welche ihr bedenklich erscheinen, abzulehnen. Leider ist in weiten Kreisen diese größere Verantwortlichkeit der Staatsbürger bisher noch nicht zu Bewusstsein gekommen. Es gibt sogar eine Richtung, welche offen erklärt, dass sie mit Politik nichts zu tun haben will. Es ist dies eine Auffassung, welche nur bedacht auf den eignen, behaglichen Lebensgenuss, für keine öffentliche Angelegenheit zu haben ist, die sich nicht auf ihre eignen persönlichen Bestrebungen und Wünsche bezieht." (V&R 72)

 

Freiheit und Pflicht

 

Was ist
"konservativ"?

"Konservativ sein heißt nicht, die Interessen und Überlieferungen einer Gesellschaftsklasse dauernd festzulegen, konservativ im echten und staatsmännischen Sinne heißt vielmehr: den Staat und die Gesellschaft entsprechend den Anforderungen und Bedürfnissen der Zeit organisch fortzuentwickeln, damit allen Klassen der Bevölkerung die Überzeugung erhalten bleibt, dass der geschichtlich gewordene Staat nicht nur eine innere Notwendigkeit, sondern auch die höchste Wohltat für alle Gesellschaftsklassen ist." (Andreas Grieser - 1868-1955 - . Vorwort zu Volk und Regierung im neuen Reich, 1932, 6)

 

Bei einer freiheitlichen Verfassung steht vornan als Zeichen für ein hoch entwickeltes Geistesleben die Freiheit des Glaubens und der politischen Meinungsäusserung (V&R 30). Voraussetzung dafür ist erstens die "würdige Selbstbeschränkung jedes einzelnen Staatsbürgers." Ohne diese "muß die verfassungsmäßige versprochene Freiheit schließlich zur inneren Zerrüttung des Volksleben und Staates führen." (V&R 33)

Zweitens fordert die Verwirklichung der Freiheit vom Bürger staatsbürgerliche Verantwortung. Seine erste Pflicht ist "die Abgabe seiner Wahlstimme". "Nach der Beteiligung an den öffentlichen Wahlen kann man das Gefühl der politischen Verantwortlichkeit und Reife eines Volkes beurteilen." (V&R 73)

Ihm missfällt, dass der Staat zu einer grossen Versorgungsanstalt geworden ist. Das "Parteiinteresse", welches "maßloseste und finanziell unverantwortliche Wünsche vertritt", ist für ihn Ausdruck einer versteinerten Parteiauffassung. (V&R 115)

 

 

Geburtstag

Zum 80. Geburtstag gratuliert ihm die Regierungsprominenz, darunter: Reichspräsident Hindenburg, Reichskanzler Doktor Luther, Reichswirtschaftsminister Neuhaus, General der Infanterie Doktor Rießer, Vizepräsidenten des Reichstages, der Bund der Domschüler, die Direktion des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg und der Domherr von Naumburg, Großadmiral Hans von Köster (1844-1928).

 

Einweihung der steinernen Gedenktafel im Dom

 

Es starben im Weltkriege den Tod fürs Vaterland von den ehemaligen Schülern des Domgymnasiums

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Quelle: Archiv der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeit

 

Zusammen mit der Stadtprominenz weihen die Schüler des Domgymnasiums

am 24. August 1924

an der westlichsten Seite der Nordwand im Kreuzgang des Naumburger Doms ihren im Ersten Weltkrieg gefallenen Kameraden eine steinerne Gedenktafel. 148 Namen sind auf ihr eingemeißelt. Zwei, Ewald und Würzig, fügt man später noch hinzu. "Von den 16 Abiturienten von Ostern 1912 finden sich sieben auf der Tafel wieder, von 15 Kriegsbegeisterten, die es im August 1914 nicht abwarten konnten, in den Krieg zu ziehen, sind acht Namen in den Stein gehauen," ermittelte Julia Ziegler (2009) in einer Studie über die Kriegsgefallenen des Naumburger Domgymnasiums.

Auf der langen Ehrenliste steht der Name Peter-Paul Hollaender. Er fiel am 26. Oktober 1917 im Alter von 25 Jahren in Flandern. Sein Vater Doktor Ludwig Hollaender war Oberlehrer am Domgymnasium. Mutter Julie Hollaender lebte nach dem Tode ihres Mannes noch etwa zwanzig Jahre in der Grochlitzer Straße 18. Seinen Bruder Doktor Otto Hollaender verfolgten die Nationalsozialisten.

An 57. Stelle in der Liste - Es starben im Weltkriege den Tod fürs Vaterland von den ehemaligen Schülern des Domgymnasiums - steht der Name Gerhard Hemprich. Er ist der Sohn des grossartigen Lehrers und Jugendpflegers Karl Hemprich (geboren 17.12.1867), der 1908 aus Freyburg (Unstrut) kam und die Knabenschule (Georgenschule) als Rektor übernahm. 1913 wechselt er als Königlicher Seminar-Oberlehrer auf die neu geschaffene Stelle des Bezirksjugendpflegers in Merseburg und leitet nach Kriegsausbruch im Rahmen seiner Zuständigkeit die Mobilmachung der Jugend. Was und wie alles zu geschehen hat, auf welchen gesetzlichen Grundlagen, wie dies organisiert wird, was die Bezirks-, Kreis- und Ortsausschüsse für Jugendpflege zu tun haben, legt er  1 9 1 4  auf 16 Seiten Format A 5 unter dem Titel

Die militärische Vorbereitung der Jugend
während des mobilen Zustandes

dar. Ein Jahr später zerfleischt die Kriegsbestie seinen Sohn Gerhard, eines seiner vier Kinder aus der Ehe mit Gertrud (geborene Wächter). Der Primaner, blond, blauäugig, hochgewachsen, gesund und immer heiter, hatte sich freiwillig zum Infanterieregiment 67 nach Metz gemeldet. Ihr Sohn Siegfried starb früh. Und Tochter Kätchen raffte eine unheilbare Erkrankung im Alter von acht Jahren dahin. "Diese Wunde hat sich nie wieder geschlossen." Aufopferung und Einfühlungsvermögen des Jugendpflegers haben wahrscheinlich hier ihre Quelle. (Vgl. Weicker 45-47)

Kreuzgang des Naumburger Doms
mit Gedenktafel (2005)

Inschrift: Ruhmvoll ist das Schicksal des Gefallenen, glücklich ihr Los.

 

 

Erinnerungsarbeit

Hans-Gert Kirsche,
um 1930:

"Das große Schulfest im Spätsommer wurde weit draußen im Buchholz gefeiert, auf der großen Festwiese beim "Waldschloß" an der Neidschützer Straße, auch das eine Tradition einer an Traditionen reichen Schule, aber im Verlauf nicht so viel anders als anderswo. Erst Sportwettkämpfe der Klassen, ein Handballspiel, Kaffeetafel mit den Eltern und etwaigen Geschwistern, Turn- und Gymnastikvorführungen auf der Wiese, Theateraufführung der Primaner, Preisverleihung und Siegerehrung. Etwas Besonderes war nur der Abschluss am Abend. Da zogen wir alle mit brennenden Pechfackeln bewehrt in langem Zug wieder in die Stadt hinunter, die Musikkapelle voran. Der Fackelzug endete auf dem Kreuzganghof, wo in einer Ecke die Gedenktafel für die Gefallenen der Schule angebracht war (1914-1918 stand oben, und darunter 165 Namen), gruppierte sich vor den Schwibbogen im Geviert, und die Fackeln wurden in der Mitte zu einem lodernden Scheiterhaufen zusammengeworfen. Irgendwo aus dem Dunkel des Kreuzgewölbes rezitierte ein Sprechchor raunend vaterländische Verse, der flackernde Flammenstoß warf gespenstische Lichter auf die im Hintergrund düster aufragende viertürmige Kulisse des Domes, und uns alle durchschauerte weihevolle Rührung, während die Musik intonierte: "Ich hatt' einen Kameraden...". Nicht mehr als vier Jahre später wurde es Zeit, an eine neue, noch größere Tafel zu denken: man hatte wieder angefangen, massenhaft fürs Vaterland zu töten und zu sterben."

Hans-Gert Kirsche

 

An diesem Sonntag (24.8.1924) treffen sich um 1/2 9 Uhr die Domschüler auf dem Schulhof. Eine Stunde später sitzen sie brav in der Marienkirche. Pfarrer Mühe predigt:

"Brüder, deutsche Treue bis in den Tod! So waren die unsern, so wollen auch wir werden: Männer der Treue."

Nach dem Gottesdienst ziehen Schüler, Lehrer und Gäste im geschlossenen Zug zum Platz des Denkmals in den Kreuzgang des Doms um. Bald fabuliert hier Graf Posadoswky-Wehner von Deutschland als einer sittlichen Weltmacht in des Wortes edelster Bedeutung. Einem Staatsminister a.D. glaubt der in wilhelminischer Tradition erzogene Bürger fast alles. Der Ort ist feierlich geschmückt. Vor der Tafel aus Krensheimer Kalkstein wachen je zwei Offiziere der Marine und der Feldgrauen, Angehörige des Bundes Alter Naumburger Domschüler (BAND). Auf ein Zeichen hin entfernen sie die Verhüllung. Aber zunächst hält der Architekt des Denkmals, Herr Graumüller aus Saaleck, eine kurze Ansprache. Er dankt dem Bildhauer Josef Heise für das Gesamtwerk und Kunstmaler Professor Hugo Gugg (1878-1956) für den überkrönten Aufsatz der Steintafel, die den Kopf eines jugendlichen Kämpfers mit Stahlhelm darstellt. Dann hebt der Vorsitzende vom BAND zur Ansprache an. Dies ist eine Stätte der Trauer, des Dankes und des Trostes, sagt Professor Flemming. Aber dies ist kein Denkmal, das mahnen soll, wie es Julia Ziegler (2009) treffend formuliert, sondern es soll eine Erinnerung an die Kämpfenden sein.

Dann werden die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen 150 Domschüler feierlich verlesen. Anschließend hebt Arthur Adolf Graf von Posadowsky-Wehner Freiherr von Postelwitz zur Rede an:

"Der Krieg hat ungezählten Familien unheilbare Wunden geschlagen und über unser gesamtes Vaterland unsägliches Leid gebracht. Die Ereignisse der Vergangenheit erscheinen uns bisweilen wie ein böser Traum, man fragt sich immer von Neuem, wie es möglich war, dass dieses mächtige Deutschland, von Kaiser Wilhelm I. und seinem großen Staatsmann auf unabsehbare Zeit geschaffen, nach kaum einem halben Jahrhundert von seiner stolzen Höhe sinkt. …. Deutschland ist ein Kontinentalstaat; es ist das Herzstück Europas. Wie ein Felsen schien es zu stehen inmitten unseres Erdteils, in der trüben Flut politischen Hasses und heimlicher Begehrlichkeit unserer Feinde ringsum. Seine sozialen, wissenschaftlichen und technischen Leistungen, seine Bildungsstätten, sein Beamtentum und seine Staatseinrichtungen wurden trotzdem in aller Welt bewundert. ... Weder die Regierung noch das deutsche Volk haben den Krieg gewollt; er ist von unseren offenen und heimlichen Feinden im Stillen jahrelang gegen uns geplant, militärisch vorbereitet und uns schließlich aufgezwungen [worden]. … Das große deutsche Volk darf niemals auf seine Zukunft verzichten …" (Posadowsky-Wehner 24.8.1924)

Hier schimmert das wilhelminische Geschichtsbild durch: Deutschland schlägt von England der Handelsneid entgegen, Frankreich trachtet nach Revanche für 1870 / 71 und in Russland regiert der deutschlandfeindliche Panslawismus.

"So möge" dieser Gedenkstein, fährt er in der Rede fort, "einen Merkstein bilden zur Aufrichtung des von Unrecht geknechteten Vaterlandes." "Und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein." Dieser Vers aus dem siebenstrophigen Wechselgesang des Vorspiels zur Trilogie Wallenstein, Ein dramatisches Gedicht von Schiller (1800), kann wohl kaum zu einer sinnvollen Antwort auf die Grundfragen nach dem Ersten Weltkrieg anregen, steht er doch im Kontext des Dreißigjährigen Krieges. Hier flackert wieder die Erinnerung an das heroische Zeitalter auf, das 1918 untergegangen ist und dessen Menschenbild die Dialektik der Aufklärung so charakterisiert:

"Wer stirbt, ist gleichgültig, es kommt aufs Verhältnis der Vorfälle zu den Verpflichtungen der Kompanie an." (Horkheimer 91)

Im September 1933 wird dieses politische Denken im Bürgergarten als Langemarck-Denkmal in Beton gegossen.

Immer wieder bemühen die deutschnationalen Vordenker bei Ehrungen, Kranzniederlegungen und Festakten stimmungs- und salbungsvoll, das Bild von dem zu

"Unrecht geknechteten Vaterland" (Posadowsky).

Daran konnte die Revisions- und Revanchepolitik der Nationalsozialisten gut anknüpfen.

 

 

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung

Noch einmal wird der Graf in der Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung aktiv.

 

 

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (Volksrechtspartei, VRP)

 

    

Wahlen

Stimmen
Prozent
Mandate
    

Landtag Preussen
20. Mai 1928

234.033
0,05
2

Naumburg

462
  
    

Reichstag
20. Mai 1928

428.697
1,6
 

Naumburg

498
  
    

Reichstag 1930

217.198
0,9
 
    

Landtag Preussen
24. April 1932

44.119
  

Naumburg

59
  
    

Reichstag Juli 1932

40.825
0,1
 
    

Reichstag November 1932

46.202
0,1
 
    

 

In der VRP engagieren sich vor allem die früheren Mitglieder des Sparer- und Hypothekengläubigenverbandes, die mit der Regierung trotzen, weil das Gesetz über die Aufwertung von Hypotheken und anderen Ansprüchen vom 16. Juli 1925 einen Vermögensverlust bis zu 97 Prozent brachte. Am 21. Oktober 1927 kommen die Unzufriedenen zur Versammlung im Preußischen Hof zusammen und delegieren den Vizekanzler a. D. zum Parteitag der Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung nach Stuttgart. Von 1928 bis 1932 vertritt er sie im preußischen Landtag und übernimmt das Amt des Alterspräsidenten.

 

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

 

Obwohl sich die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung ein halbes Jahr nach dem Tod von Arthur Graf von Posadowsky-Wehner in Hitlers Arme wirft, kann man nicht sagen, dass er dem nationalsozialistischen Herrschaftsmodell irgendwie nahe gestanden hat. Nicht die Diktatur ist sein Ziel, sondern der Volksstaat, der die faire Beteiligung aller Klassen und Schichten an der Machtausübung bewerkstelligen soll.

 

 

Konservativer Vordenker
der staatsbürgerlichen Erziehung

Als Dechant des protestantischen Domkapitels Rechtsritter des Johanniterordens übernimmt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner für die Domschule eine Vordenkerfunktion in der staatsbürgerlichen Erziehung der Jugend.

 

Stiftisches Domgymnasium
Studiendirektor Dr. Bruno Kaiser

Patronat
Domkapitel zu Naumburg an der Saale

Herr Staatsminister a.D.
Dr. Graf von Posadowsky-Wehner

 

In diesem Lichte muss man seine Rede auf dem Festakt aus Anlass des 900-jährigen Jubiläums der Domschule vom 29. August bis 1. September 1930 sehen.

"Ich entsinne mich noch gut an die 900-Jahr-Feier der Schule im Sommer 1930," schreibt ein Zeitzeuge, "die mit großem Pomp begangen wurde.

Als Vierjähriger sah ich aus einem Fenster unserer Wohnung am Bismarckplatz (der jetzt nicht mehr so heißt) den Festzug unter mir vorbeiziehen, in dem mein Bruder unter den Sextanern und mein Vater unter den Abiturienten des Jahrgangs 1907 mit marschierten. Rührend und zugleich imponierend das Defilee dieser unzähligen dickbäuchigen, glatzköpfigen oder grauhaarigen alten Herren, die aus aller Welt gekommen waren, um mit der blauen Schülermütze auf dem Kopf das Jubiläum ihrer alten Schule zu feiern." (Kirsche 2006)

Viele hundert Schüler und Gäste reisen Ende August 1930 nach Naumburg. Vor Beginn der Feierstunde müssen die Teilnehmer von der Aula in der Marienkirche in den Dom umziehen. Der 85-jährige Dechant hält die Festrede. Besonderen Wert legt er auf sittliche und ethische Erziehung der Jugend, wenn er sagt:

"Das selbstlose Staatsgefühl ist es, welches zur Größe eines Volkes führt, erhaben über den Streit der Parteien. Die höchste Aufgabe der Schule ist es deshalb, dieses Staatsgefühl in den Herzen der Jugend zu entwickeln … Die Schule soll nicht nur wissenschaftlich lehren, ihre hohe Pflicht ist, sittlich zu erziehen."

"Religiöses Gefühl, Achtung vor den Rechten der anderen, strenge Selbstbeschränkung, sachliches und damit gerechtes Urteil über den Menschen und Zustände, körperliche Selbstzucht, das sind die Aufgaben der ethischen Erziehung, welche der Schule neben der Bahn der Wissenschaft obliegen." (Büchner 1933, 33)

Der von Arthur Graf von Posadowsky-Wehner präsentierte Wertekanon der schulischen Erziehung gilt bei den Nationalsozialisten nicht als erstrebenswert. Hier spiegelt sich der Unterschied zwischen wertkonservativer und nationalsozialistischer Denkweise.

1932 erscheint sein Buch Volk und Regierung im neuen Reich. Aufsätze zur politischen Gegenwart.

Am 23. Oktober 1932 stirbt Arthur Adolf Graf von Posadowsky-Wehner in Naumburg. Er fällt der Vergessenheit anheim. Für die Nationalsozialisten waren alle Konservativen, die nicht mit ihnen im Gleichschritt marschieren wollten, eh nur Reaktionäre.

 

 

Zwischenbericht

2006 erscheint von Joachim Bahlke der Aufsatz:

Sozialpolitik als Kulturaufgabe. Zu Leben und Wirken des schlesischen Politikers Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932).

Und Simone Herzig veröffentlicht 2012:

Die "Ära Posadowsky". Posadowskys Beitrag zur staatlichen Sozialpolitik im Deutschen Kaiserreich.

Hiervon abgesehen, schenkt man dem konservativ-liberal-republikanischen Politiker kaum Beachtung.

Besonders die Regionalgeschichte vernachlässigt ihn arg. Im Stadtarchiv Naumburg finden sich keine Hinweise zu Aufsätzen oder Studien über sein Leben. Alle, wirklich alle, haben ihn vergessen. Für die Zeit von 1945 bis 1990 ist dies leicht zu erklären. Doch danach, so scheint es zumindest, geht es so weiter. Die politischen Hintergründe hierfür sind interessant, überschreiten aber das Thema.

Wozu nur wenige konservative Politiker willens und fähig waren, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner gelingt in der Reichskronen-Rede vom 15. Januar 1919 die Abrechnung mit der Welt-, Flotten-, und Kolonialpolitik Wilhelm II.. Vielleicht nicht in umfassender Weise, was in diesem Moment wahrscheinlich nicht möglich war. Aber er setzte sich kritisch mit der jüngsten deutschen Vergangenheit und den groben Fehlern der Staatspolitik auseinander. Mit dem fortschrittsfreundlichen Bürgertum im Geist vereint, sucht er den Weg in die Republik. Und darauf kam es in dieser Stunde der Geschichte an.

Der konservativ-demokratische Politiker imponiert durch eine klare politische Sprache, die Phrasen und Leersätze meidet, keine politischen Urteile scheut und eine beeindruckende analytische Kraft entfaltet. Nichts deutet bei ihm auf die moralische oder politische Abwertung der arbeitenden Klasse und der Unterschichten hin. Natürlich, er war ein Gegner der Sozialdemokratie, aber einer der Fairsten und Anständigsten, den die deutsche Geschichte hervorbrachte. Ihn leiten die humanistischen Werte der Aufklärung und des englischen Parlamentarismus. Sein Ziel ist die Integration aller Bürger in ein gemeinschaftlich zu schaffendes Staatswesen, das die

"Grundrechte des Menschen" (Posadowsky-Wehner)

achtet und gewährt.

 

 

Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik - Das Kabinett Bauer, Band 1, Dokumente, Nr. 71. Bericht des Preußischen Staatskommissariats für die Überwachung der öffentlichen Ordnung über gegenrevolutionäre
Bestrebungen. [2. Oktober 1919], Seite 281-284. http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei1919-1933/cocoonAdR/AdR/0000/bau/bau1p/kap1_2/para2_72.html

Bahlke, Joachim: Sozialpolitik als Kulturaufgabe. Zu Leben und Wirken des schlesischen Politikers Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932). In: Silesia Nova, 4/ 2006, Seite 93 bis 100

Büchner, P. (Braunschweig): Erinnerungen an Dr. Graf von Posadowsky-Wehner. In: Bund alter Naumburger Domschüler zu Naumburg a. d. Saale, Nachrichtenblatt für unsere Bundesmitglieder, Heft 14, Ausgegeben Ostern (16. April) 1933, Seite 26-29

Bunsen, Marie von: Zeitgenosen die ich erlebte. 900-1930. Verlegt bei Koehler & Amelang GmbH, Leipzig1932

Hagenlücke, Heinz: Deutsche Vaterlandspartei. Kommission für die Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien e.V., Bonn. Droste Verlag, Düsseldorf 1997

Horkheimer, Max, Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Fischer Verlag, Frankfurt am Mai 1997

Grieser, Dr. Andreas: Zum Geleit Graf Posadowsky. In: Volk und Regierung im neuen Reich. Aufsätze zur politischen Gegenwart v. Dr. theol. (h.c.), Dr. med. (h.c.), Dr. jur. Arthur Graf Posadowsky-Wehner, Allgemeinem Stellvertreter des Reichskanzlers, Kaiserlicher Staatssekretär des Innern, Königl. Preuß. Staatsminister i. R. Mit Gedenkwort v. Staatssekretär Dr. A. Grieser, Berlin. Richard Schröder Verlag, Berlin 1932

Hemprich, Karl: Die militärische Vorbereitung der Jugend während des mobilen Zustandes. Verlag A. W. Zickfeldt, Osterwieck (Harz) und Leipzig 1914

Herzig, Simone: Die "Ära Posadowsky". Posadowskys Beitrag zur staatlichen Sozialpolitik im Deutschen Kaiserreich. Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Band 11, Heft 1, 2012, Seite 47-59

Heuss, Theodor: Deutschlands Zukunft [Rede vor der Deutschen Demokratischen Partei am 17. Januar 1919 in Stuttgart]. In: Deutsche Reden. Herausgegeben von Walter Hinderer. Teil II. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1973, Seite 857 bis 881

Holzbach, Heidrun: Das "System Hugenberg". Die Organisation bürgerlicher Sammlungspolitik vor dem Aufstieg der NSDAP. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1981

Kirsche, Hans-Gert: Der Primanerkreuzgang. Internetseite des Stadtmuseums Naumburg, www.museumnaumburg.de, Januar 2006

Liebe, Werner: Die Deutschnationale Volkspartei 1918-1924. Droste Verlag, Düsseldorf 1956

Ministerieller Massensturz. "Volksstimme", Magdeburg, den 25. Juni 1907

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 14. Sitzung des Reichstages. Sonnabend, den 9. März 1907 (betreffen der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine). In: Verhandlungen des Reichstags. XII. Legislaturperiode. I Session, Band 227. Von der Eröffnungssitzung am 19. Februar 1907 bis zur 30. Sitzung am 16. April 1907. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1907, Seite 344 bis 347. http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k12_bsb00002837_00000.html (= Seite 344)

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von, Stellvertreter des Reichskanzlers: Rede.
9. Sitzung des Reichstages am 13. Dezember 1897. (Fortsetzung der ersten Beratung des Entwurfs des Gesetzes betreffend der Feststellung ses Reichshaushaltsetats für as Rechnungsjahr 1898, nebst Anlagen in Verbindung mit der ersten Beratung) http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k9_bsb00002771_00000.html

Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. IX. Legislaturperiode. V. Sezession. 1897/98. Erster Band. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 171 bis 176.
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k9_bsb00002771_00223.html

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: [Rede vor dem Deutschen Reichstag]. 36. Sitzung des Reichstages. 6. Februar 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis 28. Mai 1906. Zweiter Band. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, Seite 1047 bis 1051

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 10. Sitzung des Reichstages. Dienstag, den 5. März 1907 In: Verhandlungen des Reichstags. XII. Legislaturperiode. I Session, Band 227. Von der Eröffnungssitzung am 19. Februar 1907 bis zur 30. Sitzung am 16. April 1907. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1907, Seite 252 bis 253

Posadowsky. Die Wohnungsfrage als Kulturproblem. Vortrag, gehalten in München am 5. Januar 1910 in einer öffentlichen Versammlung des Bayerischen Verbandes für Wohnungsförderung. München Ernst Reinhardt, 32 Seiten. Rezension. In: Die Neue Zeit. Wochenschrift der Sozialdemokratie. 28 (1909-1910), Zwei Bände (1910), Heft 42, Seite 541 bis 542

[Posadowsky-Wehner] Vortrag des Grafen von Posadowsky-Wehner. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 17. Januar 1919

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede in der Nationalversammlung. 7. Sitzung. Freitag, den 14. Februar 1919. Bayerische Staatsbibliothek, Münchner Digitalisierungszentrum, Digitale Biblothek. Verhandlungen des Reichstages, Band 326, 1919/20, Seite 79 bis 88. http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000010_00086.html

[PWa] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 27. März 1919, Seite 836 bis 839
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000011_00107.html

[PWb] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 27. März 1919, Seite 836 bis 839
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000011_00107.html

[PWc] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 7. Oktober 1919, Seite 2892 bis 2900
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000014_00032.html

[PWd] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 13. März 1919, Seite 752
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000011_00023.html

[PWe] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 14. Februar 1919, Seite 79 bis 88.
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000010_00086.html

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Gegen die Unterzeichnung des Friedensvertrages. 22. Juni 1919. In: Politische Reden III. 1914 bis 1915. Herausgegeben von Peter Wende unter Mitarbeit von Andreas Fahrmeir. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Mai 1994, Seite 271 bis 287

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart 1920

[Posadowsky] Rede von Posadowsky-Wehner zur Denkmalseinweihung am Sonntag, den 24. August 1924. In: Domgymnasium zu Naumburg an der Saale. Bericht der Hauptversammlung des Bundes der Alten Domschüler und die Denkmalsweihe. Naumburg, 1924, Seite 14 bis 15

Posadowsky-Wehner. In: Bund alter Naumburger Domschüler zu Naumburg a. d. Saale, Viertes Mitgliederverzeichnis und Bericht über die Denkmaleinweihe. Druck von H. Sieling, Naumburg an der Saale, Ostern 1925

Posadowsky, Graf: Im Lichte der Wirklichkeit. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 9. Januar 1926

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Staatsmann aus Glogau. "Neuer Glogauer Anzeiger", Juni 2001, Heft 6

[Über] Graf von Posadowsky-Wehner. "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 3. Juni 1930

[Über] Graf von Posadowsky 85 Jahre alt. "Deutsche Allgemeine Zeitung". Ausgabe Groß-Berlin. Berlin, den 3. Juni 1930

[Über] Graf Posadowsky. "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 25. Oktober 1932

Schemann, Ludwig: Wolfgang Kapp und das Märzunternehmen vom Jahre 1920. J. F. Lehmanns Verlag München, Berlin 1937

Freiherr: Ein Naumburger [Über Arthur Graf von Posadowsky-Wehner]. Von Klaus-Dieter Kramer. "Naumburger Tageblatt". Online:
http://www.naumburger-tageblatt.de/freiherr-ein-naumburger-366786, 03. Dezember 2014

Voigt, Arno: Bilder vom Jagow-Prozess. "Die Weltbühne". 18. Jahrgang, 12. Januar 1922, Heft Nummer 2, Seite 31 ff.

[V & R] Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Volk und Regierung im neuen Reich. Aufsätze zur politischen Gegenwart von Dr. Arthur Graf Posadowsky-Wehner, Allgemeinem Stellvertreter des Reichskanzlers, Kaiserlicher Staatssekretär des Innern, Königl. Preuß. Staatsminister i. R. Mit Gedenkwort v. Staatssekretär Dr. A. Grieser, Berlin 1932

Weicker, Hans, Stadtjugendpfleger von Weissenfels: Der Mensch, sein Werden und sein Wirken. In: Hans Weicker und Emil Saupe: Karl Hemprich. Ein Leben im Dienste der Jugend. Verlag Friedrich Stollberg (Ernst Schnelle), Merseburg (Saale) 1927, Seite 5 bis 94

Wittko, Paul: Graf von Possadowsky. "Weser-Zeitung". Nummer 276, 2. Juni 1925

Ziegler, Julia: Versuch der Rekonstruktion der Lebensgeschichte WK I - Kriegsgefallener des Naumburger Domgymnasiums. Universität Leipzig, Historisches Seminar, Abgabe: 10. Juli 2009, Erstkorrektor: Professor Dr. A. Kenkmann

Autor: Detlef Belau


Geschrieben:
12. Dezember 2012

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