Walter Hege und die Dom-Fotos

 

Walter Hege und die Dom-Fotos

 

KindheitSchuleDom-Erlebnis
BerufLehrer GuggVorbild Schultze-N.
GeschäfteBauhütteKriegsdienst
Lehrjahre bei ErfurthFreundeScherenschnitte
HeimatkünstlerMeisterschülerSohn unserer Stadt
Die Dom-FotosSingulär? Der grosse Stil
Dom-KultRezeption: HypeÜberzeitlichkeit
KritikRochadeStationen
Den Saustall .....Fachklasse für ...Ein unpolitischer ....
Olympia-BuchHeimatlos 

 

 

Der Dom von Südwesten

Aus: Der Naumburger Dom und seine Bildwerke. Aufgenommen durch Walter Hege und beschrieben von Wilhelm Pinder. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1925

Am 26. November 1924 kündigte das Naumburger Tageblatt

Der Naumburger Dom und
der Meister seiner Bildwerke

an, die Bilder aufgenommen von Walter Hege (1893-1955) und beschrieben von Wilhelm Pinder. Das Buch, lobt der Rezensent Carl Pasche, "…. hat als reproduzierendes Werk einen ähnlich monumentalen Charakter wie das Werk des Dommeisters selbst". Die Gelehrtenwelt ist sich darüber einig, dass Uta und der Bamberger Reiter ihre Popularität dem Naumburger Fotografen Walter Hege (1891-1955) verdanken. (Ullrich 1998; Oexle 2004, 20)

Das Interesse an seinem künstlerischen Werk hält an. Aus Anlass des 50. Todestages organisierte der Verein Kunst in Naumburg e.V. zum 5. November 2005 eine Vernissage zu Walter Hege (Fotos, Bilder, Dokumente) unter Beteiligung der Künstler F. Werner-Hege und M. Bobeth.

Am 15. März 2013 trafen sich die Wissbegierigen der Stadt in der Marienkirche zum Vortrag mit Gesprächsrunde zum Thema:

120 Jahre Walter Hege -
Familie, Freunde und Geschichten.

Die nächste "Ehrung des Naumburger Fotografen, der Uta zu Weltruhm verhalf" kündigte der Stifterbrief der Vereinigten Domstifter 2013 (Nummer 12) für den 1. Oktober 2013 zum Thema Seine künstlerischen Wurzeln und Aufnahmetechniken an.

"Wir verdanken Walter Hege sehr viel. Seine

besondere Art der Fotografie

hat den Naumburger Dom weit über Mitteldeutschland bekanntgemacht" , instruiert der ehemalige Naumburger Oberbürgermeister Curt Becker im Vortrag die Zuhörer. In der Nachbetrachtung (2013) hebt Albrecht Günther hervor: "Noch heute profitiert der Naumburger Dom, der zum Welterbeantrag von Teilen der Saale-Unstrut-Region gehört, von dieser Bekanntheit und besonderen Aufwertung."

 

Kindheit  nach oben

Walter Hege wurde am 12. November 1893 in Naumburg an der Saale als Ältestes von sieben Kindern geboren. Vater Friedrich Karl Hege besaß ein kleines Glasergeschäft. Mutter Paulina Alma Hege war Schneiderin.

Blick in die Michaelisstraße (2008)

Die Familie wohnte im großväterlichen Haus in der Michaelisstrasse. Als es später verkauft wurde, lebten sie dann im Hinterhaus. Weil der Familienvorstand gerne mit den Vermietern streitet, muss die Familie öfters das Quartier wechseln. So ziehen sie dann in die Kleine Salzgasse, Schulstrasse, an die alte Saale und auf den Steinweg, in die Marienstraße, Georgenstraße und zuletzt in ein eigenes Haus auf den Linsenberg 48 in Grochlitz. Hier herrschen bescheidene Lebensverhältnisse. "Arbeiten von früher Jugend an war für ihn [den Vater] wohl Erziehungsprogramm für mich", charakterisiert Walter Hege in den Jugenderinnerung die häuslichen Verhältnisse. "Karnickel besorgen, ausmisten, Feld umgraben, Futter sammeln für Karnickel, oft auch mal für eine Ziege. Das war allerhand Arbeit, die mich zum geliebten Zeichnen nicht kommen liess. Tat ich es trotzdem, gab`s als Quittung Prügel." Der Vater lies es an körperliche Züchtigung nicht fehlen, wenn er wieder einmal die Fensterscheiben in der Nachbarschaft zu ersetzen waren.

Er war "einer der gefährlichsten Gassenjungen", sagt über ihn sein Bruder Fritz Hege (1956, 116).

 

Schule  nach oben

Von 1900 bis 1908 unterrichtet ihn die Volksschule. Zeichnen war sein Lieblingsfach. Einmal musste er ein Pferd mit Kreide an die Tafel malen. Es kam sogar dazu, dass alle guten Zeichner der Schule zusammengebracht wurden. Dann blieb er meist der Sieger.

Schulrektor Karl Hemprich [12] erkennt sein Talent und fördert ihn.

Vom Großvater erhielt er Tusch- und Malvorlagen geschenkt. An seinem Lob war ihm gelegen. "Er war für mich der Inbegriff des besten Menschen, galt mir mehr als der strenge Vater und galt mir mehr als meine Mutter, ihn liebte ich wie nichts anderes", offenbart uns Walter Hege.

 

Das Dom-Erlebnis  nach oben

Dem Konfirmandenunterricht im Westchor des Domes war er mit nicht allzu grosser Aufmerksamkeit gefolgt. "Aber das "geheimnisvolle, Zwingende, was von der Raumarchitektur und den Plastiken ausging, nahm ihn in seinen Bann, regte seine Phantasie an", erzählt Bruder Fritz Hege 1956 (116). Augenschenlich zog es den "kleinen Walter" schon als Schuljungen in den Dom.

Blick vom Steinweg zum Dom (vor 1930)*

Eine Zeitlang wohnte Familie Hege am Steinweg. Der unweit gelegene Dom mit den Kapellen und dem Kreuzgang, den kleinen Winkeln und Plätzen eignete sich gut zum Versteckspielen. Daran denkt der Erwachsene in den Jugenderinnerung gern zurück: "Wir übten uns auf dem Gesims der Strebepfeiler und Seitenwände des Ostchores herum zu laufen, und so wurde mir die Welt des Außendoms bald vertraut. Den ersten und stärksten Eindruck erhielt ich von den sehr verwitterten Gestalten einer Anbetung der heiligen drei Könige oben an der Dreikönigskapelle. Sie waren fast unkenntlich durch Wetter und Zeit zerfressen, aber vielleicht gerade darum regten sie die Fantasie an. Wie oft habe ich von diesen Gesellen geträumt. Aber auch die Wasserspeier beschäftigen mich sehr - diese mit wildem Ausdruck immer zum Absprung in die Tiefe bereiten Gestalten von allerlei Getier und Menschen. Im Sommer wucherten um die Pfeiler des Kreuzgangs die Heckenrosen ... .

So kannte ich den Aussendom schon lange Zeit, aber sein Innenraum blieb mir verschlossen, bis an einem Tag die Tür der nördlichen Vierung nur durch ein Gitter mit runden Stäben verschlossen war. (….) Da zwängte ich neugierig meinen Kopf in einen der Zwischenräume. Kühle Luft wehte mir entgegen, langsam gewöhnten sich die Augen an die Dämmerung und langsam konnte ich erkennen, was drinnen war. Zuerst sah ich links an der Wand hinter einem rostroten [....] vergoldet glitzernden, verschnörkelten Barockgitter einen riesenhaften Christus am Kreuz hängen, blaugrau in der Farbe der Leiche, wie ich sie von meinem Grossvater kannte, als er so still dalag damals.

Aber es war kein friedliches Gesicht, über das Blut floss und richtige Heckendornen um die Haare gewunden waren! Mich versetzte dieser Anblick in Angst und Furcht und schreiend lief ich davon. Und war zum Spiel mit den Anderen nicht mehr zu gebrauchen. Doch immer wieder packte mich das Gesicht und so zog es mich wieder an die Tür, den zweiten Blick zu wagen ….

Diese Kinderbegegnung hat mich ein Leben lang begleitet und wurde mir so zum Schlüssel auch meiner späteren Kunstbetrachtung und Kunstbegeisterung."

 

Beruf  nach oben

Sein "erster großer Irrtum" (Hege) des Lebens begann 1908 nach dem Abschluss der Volksschule, als er auf Druck des Vaters eine Kaufmannslehre in einem Naumburger Galanteriegeschäft begann. Ihm lag das "Gnädige Frau" überhaupt nicht.

Marientor (2007)

"Es war keine schöne Zeit." Ein "Lichtblick" (Hege) waren die 1 ½ Stunden Mittagszeit mit den Ölfarben in Tuben am Marientor, die ihm gehörten. Der Kaufmannsberuf ergriff ihn nicht innerlich. Schliesslich sahen die Eltern ein, dass er für diesen Beruf nicht geeignet war. Bald zog ihn das Kino in seinen Bann.

Dann begann die Arbeit beim Onkel in der Schuhfabrik Weißenfels. Früh 5 Uhr ging es los, abends gegen 6 bis 7 Uhr erste wieder zu Hause.

In der Freizeit bastelte er, berichtet sein Bruder Fritz später, aus Zigarrenholzkisten eine Kamera zusammen. Mit der Fixfocus machte er die ersten Aufnahmen von den Naumburger Höfen und Gassen."

Als Schuljunge durfte ich mitunter als Porzellanmaler helfen", sagte Walter Hege (1935, 42), "und seit dieser Zeit wollte ich Maler werden."

Am 1. Januar 1909 beginnt das Zeichentalent bei Malermeister Paul Hüttig in der Artilleriestraße als Dekorationsmaler die - zweite - Lehre. In der verbleibenden Zeit quält ihn die Schusterbude weiter. Wenn in der neuen Lehre für das künstlerische Malen ebenso kein Raum blieb, sagte ihm das doch deutlich mehr zu. Sein Gesellenstück als Dekorationsmaler sollte die Erneuerung eines Vestibüls in der Grochlitzer Strasse mit ornamentaler Deckenmalerei werden. Für die theoretische Prüfung gab es ein "gut".

 

Diese Begegnung war schicksalhaft ....  nach oben

Torturm vom ehemaligen Anwesen von Schultze-Naumburg in Saaleck (2008)

Mit Skizzenbuch und Farbtöpfen zieht es den Sechzehnjährigen in die Natur hinaus. Mal- und Zeichenstudien entstehen. Eines Sonntags, der Herbst ging dem Ende zu, deutet ihn der Vater, die Werke einzupacken. Mit der Bahn fuhren sie nach Bad Kösen und wanderten weiter nach Saaleck zum berühmten Professor Paul Schultze-Naumburg. Durch ein Tor traten sie in einen märchenhaft angelegten Garten. Als sie auf das Haus zugingen, kam es ihnen wie ein Schloss vor. Höflich gewährte der Hausherr Einlass. Der Vater präsentiert dem Professor die Zeichnungen vom Sohn. Beim Betrachten der Bilder, fragt jener, ob er Geld hätte, um den Sohn auf eine Kunstschule zu schicken. Das muss er verneinen. Darauf der Hausherr: "Drüben, meinem Hause gegenüber wohnt Maler Hugo Gugg (1878-1956). Der ist auch Dekorationsmaler gewesen und jetzt malt er nur Bilder und ist außerdem Lehrer in einer Malschule." Dankbar für den Rat, begeben sich Vater und Sohn über die Straße zum Haus des Landschaftsmalers.

 

Hugo Gugg
geboren am 21. August 1878 als Sohn eines Dekorationsmalers Otto Gugg und dessen Frau Henriette, geborene Scheidig
1885-1893 Volksschule Leipzig
1893-1897 Lehre als Dekorationsmaler bei Gollmar & Franke, Leipzig
1897-1899 Ein Semester Studium an der Akademie der bildenden Künste in                     Leipzig
1898-1899 Studien im Erzgebirge
1898 Ausstellung im Bildmuseum Leipzig
1890-1902 Dekorationsmaler bei Gollmar & Franke Leipzig
1900 Eheschließung mit Milda Gugg, sieben Kinder
1902 Entdeckung durch den Leipziger Museumsdirektor Professor Schreiber
1902-1921 in der Malschule von Professor Schultze-Naumburg (Saaleck) tätig
1905 Erste Studienreisen nach Italien
1914-1918 1. Weltkrieg, Soldat
1921-1945 Berufung zum Professor an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Weimar (Malklasse Landschaft)
Gestorben am 25. April 1956 in Weimar

(Nach: Thomas Holz, Herausgeber: Hugo Gugg. Druck Biberacher Verlagsdruckerei GmbH & Co., Biberach an der Riss 1997, Seite 114)


Saaleck mit Burgruine von Hugo Gugg. Gemälde (Ausschnitt), Öltempera 33 mal 45 Zentimeter. Vorne rechts der Eingang zum Schulhaus, die Wohnung der Familie Gugg.

Der empfing die Besuch in kurzen Hosen, Sandalen und mit "übertriebener Freundlichkeit" (Hege). "So selten freundlich hatte mich noch nie ein Mensch im Leben angesprochen, nur mein Grossvater …", bleibt Walter Hege in guter Erinnerung. Gütig betrachtet Hugo Gugg die Zeichnungen. Dann holt der Meister die seinen, um die gemeinsam anzuschauen, ohne zu vergessen, ihn zum fleißigen Üben zu ermuntern. "Es war alles wie ein schöner Traum. Diese Begegnung war schicksalhaft geworden." (W. Hege)

Nach vielen Übungen legte Hege in Saaleck Hugo Gugg seine Mal- und Zeichenstudien vor. Der Meister lobte alles und zeigte ihm eigene Zeichnungen. "… ich wusste nun wieder auf Jahre genug. Es war alles noch nicht gut genug", erkennt der Siebzehnjährige.

 

Ja so ein Maler, .... wollte ich auch gern werden  nach oben

Blick von Saaleck in Richtung Himmelreich mit Kalkberg  (2011)

Im Himmelreich gegenüber von der Rudels- und Saalecksburg am Kalkberg des Saalebogens gelegen, verdingt sich Hege als Kellner und Postkartenverkäufer. Vom Ausflugslokal blickt man auf das Anwesen von Paul Schultze-Naumburg in Saaleck. Dort, wusste er, hatte ein "neumodischer Professor" seine Malschule. "Alle liefen barfuß in Sandalen und Reformkleidung herum. Das hatte auf mich großen Eindruck gemacht. Ja so ein Maler, ein Kunstmaler wollte ich auch gern werden ....", bekennt er in den Jugenderinnerungen. "Doch ich wußte, die da unten hatten vielleicht außer ihrem großen Talent auch Geld. So wehte auch von da ein leichter Kunsthauch zu mir und hinterließ eine unbewußte Sehnsucht."

 

Kleine Geschäfte  nach oben

Es war etwa im dritten Jahr der Lehre als Dekorationsmaler. "Es verging fast kaum ein Sonntag," schildert Walter Hege Jahre später seine Lebensart, "wo nicht wenigstens ein kleine Zeichnungen oder eine Ölskizze entstand." Bürgergarten, Blütengrund, Schönburg oder Saale boten ihm reichlich Motive. Bald schliessen sich zwei Gleichgesinnte seines Alters an, was den Spaß erhöhte und zur Arbeit anspornte.

Die Schönburg (2004)

Der junge Maler erhielt Zuspruch und ein wenig Unterstützung. Ein Lehrer seiner Schwester wurde ihr Mäzen, brachte kleine Aufgaben, zeigte ihnen Seemanns Kunstblätter. Und das wichtigste: er verschaffte ihnen freien Eintritt zu den Ausstellungen des Kunstvereins und besorgte ihnen sogar kleine Aufträge. Der Mäzen hieß Ernst Heinrich Bethge. Es entstand die Serie Naumburger historische Tore und Türen und Alte Höfe. Als diese Postkarten gedruckt in den Buchläden waren, erfüllte es ihn mit Stolz. Für das Bild Weinberg am Blütengrund für den Kaufmann Tuffner während des dritten Lehrjahres als Dekorationsmaler erhält er gar 30 Mark.

Die Beschäftigung mit der Fotografie blieb zu dieser Zeit "nur eine gelegentliche Freizeitbeschäftigung".

"Vater entdeckte plötzlich für Sonntags eine neue Einnahmequelle", notiert Walter Hege weiter in den Jugenderinnerungen. "Im Frühjahr, Ostern, zur Baumblüte, Pfingsten zogen die Naumburger hinaus ins Grüne, vor allem nach der Unstrutmündung. Da gab's eine Fähre über die Saale, wo der Kahn an einem Seil, welches über eine Rolle lief, hinüber und herübergezogen wurde. Die Apfelbäume blühten üppig und in den Saalewiesen leuchteten die wilden Tulpen und der Löwenzahn. Nahe der Fähre waren Gartengasthäuser, "Der Blütengrund" und das "Wasserschlößchen". Bänke und Tische im Freien unter den Bäumen und für die Kinder die Schaukel. Da wurde nun "Hilfskellner" gespielt. Zuerst fing es bei mir mit Postkarten an, aber dann mußte auch ich die Biergläser schleppen. Gegen Biermarken nahmen wir das Bier in Empfang. Abends wurde abgerechnet und die Prozente ausgezahlt. Außerdem bekamen wir das Essen. Es war meist besser als daheim, denn Mutter konnte sich solches Essen für uns nicht leisten. Wehe nun, wenn es Zechpreller gab, wenn Gäste durchgingen, ob mit Absicht oder nicht. Dann war der Tagesverdienst hin. Noch schlimmer aber, wenn es mehr war, welche Vorwürfe bekam ich vom Vater! Das war kein schöner Heimweg, wenn auch die Sterne noch so leuchteten die Wiesen noch so dufteten und die Nachtigallen noch so sehr sangen, es war dann kein Trost."

 

Als Mitglied einer
zünftigen mittelalterlichen Bauhütte
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Evangelisch-lutherische Stadtkirche St. Wenzel mit Marktplatz (um 1930)

Am 11. Dezember 1891 traf die St. Wenzelskirche ein Kugelblitz und verursachte einen ausgedehnten Schaden. Bis 3. September 1894 ist das Gotteshaus wieder hergestellt. 1908 und 1909 müssen die Konsolen, Kapitelle, Fensterbögen und Figuren erneuert werden. Es müssen Steine neu einpasst werden, die aber das Fassadenbild nicht stören sollen. Daran arbeitet Walter Hege mit. Auf Geheiß des Meisters leeren sie die Schornsteine aus, rühren den Ruß in Wasser ein und bespritzen dann die neuen Steine mit dieser Patentfarbe. "Mir machte diese Arbeit hoch oben an der Kirche viel Spaß", schreibt Hege in den Jugenderinnerungen. Und ich fühlte mich "als Mitglied einer zünftigen mittelalterlichen Bauhütte". In den Arbeitspausen zeichnet der Jungarbeiter und Künstler "die gotischen Konsolen und Krabben, sah den Steinmetzen und Steinbildhauern zu".

 

Kriegsdienst und Verwundung  nach oben

Walter Hege, Jugendbild

1912 beendet er bei Paul Hüttig in Naumburg erfolgreich seine Lehre als Dekorationsmaler. Die Mutter orientierte ihn auf die Stadt Dresden. Auf der Zugreise nach Elbflorenz macht er in Leipzig Station. "Was gab es da zu staunen" (Hege), die Bilder von Max Klinger, die "Sirenen des Odysseys" (Greiner) und das Beethoven-Denkmal. Jahre später, auf der Deutschen Fotoausstellung und I. Internationalen Fotoausstellung im Grassi Museum, werden auch seine Fotos vom 24. September bis 23. Oktober 1930 zu sehen sein.

In Dresden traf er einen alten Kollegen aus Naumburg, der in seiner Schlafstelle ein Bett frei hatte. In der Alaunstrasse hausten sie vier Treppen hoch zusammen mit dem Sohn der Vermieterin, jeder für drei Mark die Woche. Nach einigen Tagen vermittelte ihn der paritätische Arbeitsnachweis in das Loschwitzer Villenviertel. Auch in Altenburg (Sachsen) soll er gearbeitet haben.

"Und dann kam ich [bis August 1913] zu den Dresdner Jägern", schildert Hege 1935 seinen weiteren Lebensweg, "tagsüber exerzierte ich als Rekrut und abends zeichnete ich in der Kunstgewerbeschule". Gleich nach dem Ausbruch des Krieges erfolgt die Einberufung als Meldegänger.

Blick in die Jakobsstrasse* (vor 1930)

Im Mai 1915 verletzt ihn ein Brust-Lungendurchschuss schwer. Für den Einsatz um die Loretto-Höhe im Mai 1915 erhält er das Eiserne Kreuz II. Klasse und die Friedrich-August-Medaille. Nach der lebensrettenden Behandlung der Ärzte in der Chirurgischen Klinik Giessen 1915, pflegt ihn die Familie im Elternhaus. Der Kriegseinsatz ist abgeschlossen und in Burgscheidungen (Unstrut) erwartet ihn ein Kuraufenthalt.

 

Lehrjahre bei Hugo Erfurth  nach oben

Nach der Genesung und Beendigung des Kriegsdienstes treiben ihn künstlerische Ambitionen nach Dresden zurück. Schon einmal - 1912/1913 - belegte er hier Abendkurse an der Kunstgewerbeakademie. In der Grafikklasse Dresden von Professor Georg Oskar Erler (1871-1950) übt er jetzt Zeichentechniken.

Werbung für eine Kleinbildkamera aus den 30er Jahren

Von April 1918 bis März 1920 folgen die Lehrjahre bei Hugo Erfurth (1874-1948), einen der "wenigen grossen Porträtisten, den die Fotografie hervorbrachte" (Steinert 1961). Der "idealistisch gesinnte Lichtbildner" (Hartlaub 1961) pflegte einen impressionistischen Stil und war bekannt für sein Faible, den Gemütszustand auf Fotoplatte einfangen zu wollen. Hege lernte bei Erfurth die Vokabeln des strengen Bildaufbaus und den Umgang mit langen Brennweiten. Und er beeinflusste ihn künstlerisch.

Am 27. März 1920 legt der Schüler erfolgreich die photographische Gesellenprüfung ab.

 

Freunde  nach oben

"Als die Zeit [bei Hugo Erfurth] um war", vertraut uns der Meister der Kamera 1935 (48) an, "zog ich als Landstreicher los, ohne Geld natürlich, aber mit einer geschenkten Kamera". Im Rucksack ein selbst geschnitzter Kasperle, durchwandert er von April bis zum Herbst 1920 Franken, Bayern und den Böhmerwald. Bis zum 29. Juni begleitet ihn sein Freund Hans Kinder (Chronik 249).

1921 gründet Walter Hege im elterlichen Haus auf dem Linsenberg 48, weit ab vom Naumburger Geschäftsviertel, eine kleine Fotowerkstatt. Etwa bis 1926 wohnt er hier in Grochlitz und ist als selbstständiger Fotograf und Graphiker tätig.

Zum Kreis der Vertrauten gehören der fünfzehn Jahre ältere Stadtbaurat Friedrich Hoßfeld [1], [2], [3], [4], [5].

Blick auf Naumburg (Saale) um 1916*

Eine enge Freundschaft verband ihn mit Wilhelm Reeg (1889-1967). Der Lehrer aus Dorndorf an der Unstrut, der wiederum mit seinem "Mäzen" Ernst-Heinrich Bethge befreundet war, gehörte der Wandervogelbewegung an und richtete unter dem Dach des Schulhauses eine einfache Jugendherberge ein. Seine Schule war damals eine Art Depot für die Hegeschen Fotografien (vgl. Chronik 249, Speck 2012). Zusammen unternehmen sie Wanderungen, fotografische und filmische Exkursionen. 1921 fahren sie mit einen Kahn bis Hamburg. "Hege war in den 1920er Jahren häufig in Dorndorf. Durch Wilhelm Reeg lernte er auch Elisabeth Gräfin von der Schulenburg kennen, die er nach deren Scheidung 1928 heiratete." (Speck 2012)

Bald entstehen farbige Steindrucke, die Naumburger Kunstblätter. Zwei Lithographien Alter Hof mit Torblick auf die Marienstrasse und Blick auf den Dom erscheinen.

 

Scherenschnitte für das Notgeld  nach oben

Nicht erst der Fotoband Der Naumburger Dom und der Meister seiner Bildwerke (1925) machte Walter Hege bekannt. Bereits seine Notgeld-Scherenschnitte für die Städte Freyburg (Edelackerserie), Quedlinburg (Heinrich der Vogler), Detmold (Als die Römer frech geworden), Jena (Erlkönig) und im September 1921 für Frankenhausen (Geschehnisse des Bauernkrieges zu Frankenhausen) zogen das Interesse auf sich. Oder wie Ursula Dittrich-Wagner (1998) sagt: "Für Walter Hege bedeuten die Notgeldscheine einen ersten grossen Erfolg."

Kirschfest in Naumburg (1928)

Am 11. November 1920 kündigte das Naumburger Tageblatt neues Notgeld an. Es folgen drei Serien. Die bekannteste wurde die mit den Motiven vom Kirschfestlied (oder Hussiten-Serie). Bei der ersten Serie fehlte zum Teil die Masseinheit.

Die nächste, die Hussiten-Serie , trägt unten rechts in der Ecke die Angabe "Pf" (Pfennig). Der renomierte Würzburger Bildhauer Heinz Schiestl (1867-1940) gestaltete die gesamte Vorderseite des Scheins. Die andere Seite gestaltet Hege mit den Scherenschntten [= 1,7 Megabyte-pdf-Dokument]. "Dabei war es eher zufällig," beschreibt Ursula Dittrich-Wagner (1998) die Auftragserteilung an Hege, "dass der Stadtrat und Heges Freund Ernst Heinrich Bethge bei den Magistratsberatungen für das neue Notgeld jene Scherenschnitte ins Spiel brachte, die Walter Hege .... und sein Freund Heinz Kinder (1900-1986) auf Anregung Bethges für die Aufführung des Schattenspiels Die Hussiten vor Naumburg im März 1920 in Hellerau (bei Dresden) angefertigt hatten."

Markt mit Blick zum Rathaus (um 1933)*

Gedruckt wurde das Notgeld bei der Firma Adolf Schwarz in Lindenberg / Allgäu, ausgegeben an 18 städtische Kassen. Der Naumburger flossen bis Ende 1921 etwa 900 000 Mark an Erlösen zu. Das Märchen von den Millionen, nannte es die Stadtverwaltung im Februar 1921. Das Notgeld in skurriler, expressionistischer Formensprache brachte der Stadt beachtliche zusätzliche Einnahmen, Viktor Artes viel Geld und Walter Hege laut Magistratsbeschluss vom 8. April 1921 für zwölf Scherenschnitte ein Honorar von 10 000 Mark.

Mit den zusätzlichen Einnahmen aus dem Notgeld konnte die Stadtverwaltung das Obergeschoss des Rathauses umbauen und eine äussere Renovierung vornehmen. "Seit Pfingsten 1922 erstrahlt unserer Rathaus nun im neuen Glanz", verzeichnet Stadthistoriker Friedrich Hoppe (1879-1959).

 

Heimatkünstler  nach oben

Hege hält viele Bälle in der Luft: Notgeld, Scherenschnitte, kleine Ausstellungen, Veröffentlichungen, Lichtbild-Vorträge, Zeichenunterricht oder die Aufführung eines Schattenspieles - Schauen und Bauen - in der neu errichten Schaubühne der Reichskrone (Weissenfelser Straße). Er ist ein Multitalent, charakterisiert ihn Karin Reglich vom Heimatverein Schleberoda. "Viele seiner künstlerischen Wege, die er beschritten hat, sind kaum bekannt, betonte sie 2016 zur Eröffnung der neuen Ausstellung in der Sommergalerie im Dorfgemeinschaftshaus des Freyburger Ortsteils." (Matthes 2016)

Mitte 1921 entstehen die ersten Fotos vom Dom und seinen Statuen. "Er geht dieser Aufgabe wie einer verpflichtenden Mission nach," erzählt sein Bruder Fritz 1956, "weit entfernt, auch nur zu ahnen, dass diese Fotos einmal seinen Lebensweg entscheidend bestimmen würden."

Zusammen mit Ernst Heinrich Bethge veranstaltet er Lichtbildvorträge über Naumburg, den Dom und seine Umgebung. In einigen Veranstaltungen traten zur musikalischen Umrahmung die Sängerin Viktoria Vogt, Anna Schulz und Gretel Sproß auf. Sein Mäzen, wie er ihn nennt, gestaltet derartige Vorträge oft im Auftrag des Ausschusses für Jugendpflege im Regierungsbezirk Merseburg, aber auch schlicht zu Volksunterhaltung.

An der Volkshochschule Naumburg gibt Walter Hege Zeichenunterricht, leitet ein Laienpassionsspiel in der Schlosskapelle von Goseck und hält Lichtbildvorträge über seine Heimat.

Hege legte die erste Mappe mit Fotos vom Naumburger Dom vor. Der Heimatkünstler hat seine Arbeit vollendet, meldet die Stadtzeitung am 22. Juli 1922, "die in Naumburg und in der Kunstgläubigen Welt frohes Erstaunen hervorrufen wird." Er ist in die "magischen Geheimnisse" des Doms eingedrungen

und hat "die Seele, die im
Stein schlummerte …. zu erkennen versucht".

"Die Bilder sind ein "Ausklang des Akkordes, der aus dem Steinwerk tönt." "Und dieser volle Akkord ist das starke, bewusste Leben das aus den Steinfiguren zu uns spricht." (Beseelte Steine) Einige geglaste Bildwerke sind im Schaufenster der Buchhandlung Petersen in der Herrenstraße für einige Tage ausgestellt.

Markt 10 (Kayserschen Haus) in Naumburg (Saale) mit der 1925 eröffneten "Werkstatt für Lichtbildnerei. Walter und Kurt Hege". (Quelle: Naumburg 1993)

Wiederaufbau des Hauses durch die Stadt 1926.

Quelle: Deutschlands Städtebau, Naumburg a.S. und Bad Kösen, "DARI", 1921

1923 erscheint im Utopia-Verlag Weimar von Bruno Adlers ein mehrbändiges Mappenwerk mit eingeklebten Originalfotos vom Naumburger Dom und seinen Skulpturen. 100 Exemplare sind geplant.

Am 13. August 1925 legte er die Meisterprüfung des Fotografenhandwerks vor der Handwerkskammer in Halle (Saale) ab.

Im Oktober 1926 eröffnen Walter und Kurt Hege ein Atelier und Fotogeschäft im Kayserschen Haus am Markt. Sogleich veranstaltet die Volkshochschule veranstaltet hier eine kleine Ausstellung von Studien und Zeichnungen Walter Heges.

 

Meisterschüler  nach oben

Das Professoren-Kollegium der Kunsthochschule Weimar ernannte, laut Naumburger Tageblatt vom 2. Januar 1924, den Naumburger zum Meisterschüler. Er besucht die Klasse für Landschaftsmalerei von Hugo Gugg (1878-1956), dem Nachfolger von Theodor Hagens an der Staatlichen Hochschule für bildende Kunst in Weimar. Sie unternehmen 1924 zusammen eine Studienreise nach Italien, die sie bis nach Sizilien führt. Ein Jahr später widmet Schüler Hege den Bildband Der Naumburger Dom und seine Bildwerke (1925) "Seinem Meister, dem Maler Hugo Gugg". Er gehörte dem Saalecker Kreis an und war bald nach Ausgliederung der Staatlichen Hochschule für bildende Kunst aus dem Bauhaus im April 1921 zum Mitglied des Kollegiums aufgerückt. (Vgl. Ulbrich 2009, 309)

"Ich darf es mir zugute rechnen," schreibt Paul Schultze-Naumburg 1941 (144), "Hugo Gugg entdeckt zu haben." "Viele tüchtige Künstler, gingen aus seiner Klasse hervor, u. a. auch der geniale Lichtbildner Hege, der ja zuerst Maler war und seit 1930 selbst dem, Lehrkörper in Weimar angehört."

Allmählich verschiebt sich der Lebensmittelpunkt von Walter Hege von Naumburg nach Weimar.

 

Sohn unserer Stadt  nach oben

Als Künstler erhielt Walter Hege seine "eigentliche Prägung, gerade auch in ästhetischer Hinsicht", schreibt Siegfried Wagner (Naumburg) im Vorwort zu den Jugenderinnerungen (1998), "aus der Naumburger Kindheit". Bruder Fritz (1910-1992) erkennt 1956 in "Walter Hege, ein Sohn unserer Stadt".

In Naumburg dominieren nach 1918, geschart um Georg Schiele, die Anhänger der völkisch-nationalen Politik [12]. Von grossen Einfluss ist der stramm deutschnationale Stahlhelm. Eifrig wachen die Nachkommen von Sixtus Beckmesser über die politisch-moralische Richtung. Eine halbierte Stimmungslage herrscht in der Stadt. Die Linken gelingt es nicht, die völkische und deutschnationale Politikkultur zu dekonstruieren. Allein der humanistisch-demokratischen Rechten mit Graf Arthur von Posadowsky-Wehner [123456] wäre - in Naumburg - ein politischer Stimmungsumschwung hin zu Republik und Demokratie zuzutrauen. (Mittlerweile feiert Posa seinen 80. Geburtstag. Und er ist längst wieder in der Landes- und nationalen Politik engagiert.)

Jacobsstrasse um 1906*

Nicht zum Grafen, ein Vorbild in Stil, Würde und Arbeitsamkeit für die parlamentarische Demokratie, fühlt sich das Naumburger Bürgertum hingezogen, sondern zur streng nationalen Familie, die straff organisiert, der nationalen Voreingenommenheit verfallen, vom Hass auf die Novemberverbrecher geblendet und in ihrer Wut auf MarxistenSozialisten grenzenlos. Unter Missbrauch des Rechts auf Selbstbestimmung und dem Vorwand der Wehrhaftmachung strebt sie die Revision der europäischen Grenzen an. Aus Opferbereitschaft, Vaterlandsliebe und Gefolgschaftstreue schafft sie den neuen deutschen Heldentypus. Unweit der Rudelsburg brüllt ein Jahr nach Abschluss der Verträge von Locarno der sterbende Löwe gegen Westen. Ab 1930 wählt Naumburg zunehmend nationalsozialistisch-deutschnational.

 

Lange Zeit begriff die kunsthistorische und regionalgeschichtliche Forschung den Satz Walter Hege, ein Sohn unserer Stadt nicht als Möglichkeit für einen ergänzenden methodischen Ansatz der Forschung, sondern allenfalls als eine schickliche Metapher und stellte nicht die Frage nach der Mentalisierung der sozialen und politischen Regional- und Stadtkultur. Somit konnten wichtige politische- und sozialdeterminierte Umstände und Bedingungen der Entstehung und kunstpolitischen Finalisierung der Dom-Fotos nicht abgebildet werden. Erst die kritische Rezeptionsphase konnte diesen ernsten Mangel überwinden (siehe Hildegard Brenner 1962, Friedrich Kestel 1988, Angelika Beckmann und Bodo von Dewitz 1993, Peter Kurmann 1993, Wolfgang Ulrich 1998, Gerhard Straehle 2009, Dokument 12, Ulrich Pohlmann 2014).

 

Die Dom-Fotos  nach oben

Der Dom von Osten.

Aus: Der Naumburger Dom und seine Bildwerke. Aufgenommen durch Walter Hege und beschrieben von Wilhelm Pinder. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1925

Aus dem Aufsatz im Dienste der schöpferischen Lichtbildkunst (1934) erfährt der Leser, dass Hege "einen ganzen Sommer" "im Dom seiner Heimatstadt, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang sich abmühend, ausgerüstet mit den einfachsten photographischen Apparate, ganz auf sich selbst gestellt, von niemand unterstützt" lebte.

1925 erscheint im Deutschen Kunstverlag Berlin das Fotobuch

Der Naumburger Dom und
der Meister seiner Bildwerke
aufgenommen durch Walter Hege
beschrieben von Walter Pinder.

Mit den Dom-Fotos kehrt die von Hugo Erfurth geschaffene Art von Bildnissen "besonders eindringlicher Art" zurück, die "das menschliche Antlitz und Wesen einer Persönlichkeit" (Steinert 1961) wiedergeben.

Angelika Beckmann (1993) erkennt hierin eine "optische Tat" nicht geahnten Ausmaßes. "Der Pindersche Texte und die Hegeschen Photos standen sich in ihrer Expressivität und Engagements in nichts nach."

Heges Fotos erinnern an den Expressionismus in der Filmkunst der 20er Jahre und an die romantischen Visionen von Kirchen und Kathedralen, wie sie einst von Caspar David Friedrich und Karl Friedrich Schinkel gemalt wurden. Den Texten sind völkische Töne eigen. Die aussergewöhnliche Wirkung von Heges Bildschöpfungen bleibt ein kulturelles Faktum, stellt Otto Gerhard Oexle (2004, 20) fest.

Er fotografierte mit einer 18 mal 12 Zentimeter Kamera und einem Porträtobjektiv von 45 Millimeter Brennweite auf 9 mal 12 Zentimeter Fotoplatten. "Als erster hatte Hege auf Gerüste verzichtet und mit überlangen Brennweiten verzeichnungslose und vom Betrachter her perspektivisch überzeugende Aufnahmen der Kunstwerke geschaffen. Durch sie wurden die Naumburger Figuren zum Volksbesitz." (Schöppe 1956)

 

Kein singuläres Ereignis  nach oben

Naumburger Dom. Westchor und Passionsrelief (2004)

Natürlich beginnt die "Verwandlung der Stifterfiguren in lebende Bilder aus der Deutschen Vergangenheit" (Sauerländer) nicht erst mit Veröffentlichung der Dom-Fotos von Walter Hege im Jahr 1925 oder der Präsentation Naumburger Stifterfiguren zum Festumzug Zweitausend Jahre Deutsche Kunst am 10. Juli 1938 in München. Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts gab es, wie Willibald Sauerländer (1979, 169-178) exemplifiziert, immer wieder Versuche den Naumburger Stifterfiguren nationale und völkische Deutungsmuster aufzusetzen. Bereits bei August von Kotzbue erscheint auf der Umschlagseite eines 1804 in Leipzig publizierten Almanachs das Stifterpaar in einer gotisierten Weinlaube. Bei Peter Lepsius Ueber das Altertum und die Stifter des Domes zu Naumburg und deren Statuen im westlichen Chore desselben (1822) ist sie "unbelastet von den Verlangen, die Figuren ästhetisch oder emotional zu ästhetisieren". Willibald Sauerländer identifiziert 1979 (169, 203) weitere Deutungsmuster, wie das von Heinrich Bergner oder August Schmarsow, und gelangt zu dem Ergebnis: "Die Naumburger Figuren, sind über Jahrzehnte hinweg mit solcher Vehemenz in die jeweilige deutsche Gegenwart transportiert worden, dass ihnen noch heute kein Betrachter im Stande der Unschuld gegenübertreten kann."

 

Der kommende große Stil (Wilhelm Pinder)  nach oben

Bereits 1921 fotografiert Hege den Naumburger Dom und seine Skulpturen. Er setzt diese zum Beispiel für Lichtbildervorträge in der Volkshochschule Naumburg ein. Im Winter / Frühjahr 1923 stellte sie die Geschäftsstelle des Deutschen Kunstverlages in Berlin aus (Chronik 3).

Doktor Burkhard Meyer von Deutschen Kunstverlag und Walter Hege treffen vor dem erscheinen des Naumburger Dom und der Meister seiner Bildwerke im Februar 1924 zusammen, womit eine über dreißig Jahre währende Kooperation beginnt (Chronik 3).

Aufschlussreich ist die erste Begegnung des Kunstfotografen mit seinem Textautor Pinder. Wilhelm Schöppe (1956) setzt uns darüber ins Bild: "Der schicksalbestimmende Zufall liess Wilhelm Pinder während eines Zugaufenhaltes durch Naumburgs Gassen schlendern und in einem Lädchen einige der Hege`schen Bilder sehen. Und nun kam es zu etwas, an das Hege nicht in seinen kühnsten Träumen gedacht hätte, zu dem klassisch gewordenen Buch Der Naumburger Dom und seine Bildwerke ...."

Uta.

Aus: Der Naumburger Dom und seine Bildwerke. Aufgenommen durch Walter Hege und beschrieben von Wilhelm Pinder. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1925

Doch schlenderte der Kunsthistoriker damals wirklich zweckfrei durch Naumburgs Gassen? Oder treibt ihn die Möglichkeit eines kommenden großen Stils um, worüber er am 6. Juli 1928 auf der Werkbundtagung in München referieren wird. Sein Pojekt versteht sich als Gegenentwurf zur Lehre von Le Corbusier über den gleichen Menschen mit gleichen Bedürfnissen sein und die Spaltung der Gemeinschaft (1933, 64). Nach Überzeugung von Wilhelm Pinder (1878-1947) ist der Einheitsmensch eine Illusion, weil er negiert, was der Mythos fordert, nämlich, den schöpferischen Unterschied der Begabung. Aber unterschiedene Menschen brauchen vereinigende Ideenwelten. Ein Künstler allein kann diese nicht schaffen. Deshalb ist es eine Aufgabe, die im viel größeren Umfang auf der Allgemeinheit liegt. Die nationalsozialistische Bewegung eröffnet, glaubt der Münchner Kunsthistoriker, der "Elementarbewegung des Gemeinschaftsgefühls" völlig neue Möglichkeiten. Hohe Erwartungen setzt der grosse Stil an den Geist der Kunst und begrüsst deshalb die Wiedergeburt der Kunst der Verehrung und den Stil aus dem Glauben ohne den mythenlosen Einheitsmenschen der Moderne. "Kunst und Volk, Kunst und Nation" sollen sich vereinigen. Da ist kein Platz wie Adolf Hitler zur Eröffnung der Grossen Deutschen Kunstausstellung am 10. Juli 1938 in München diktiert, für steinzeitlich zurückgebliebene Kunstvernarrer, farbblind herumexperimentierende Schmierer und faule Nichtskönner. Zumindest betrachtet es Wilhelm Pinder als legitim, wozu er am 3. August 1933 zur Tagung des Pädagogisch-psychologischen Instituts der Universität München referierrt, dass "der Staat das heilige Recht" hat, "die Kunst zu sich zu rufen" (32).

Hege musste man nicht rufen. Längst spannte er sich in die Arbeit am Dom. Ob er dabei von subjektiven Empfindungen der Kindheit getrieben und zu wenig vom Charakter der historischen Objekte geleitet, ist in diesem Zusammenhang nicht weiter von Bedeutung. In der Luft liegt jetzt die Frage:

Wie fotografiert der Künstler auf deutsche Art?

Unter Rückgriff auf Wilhelm Pinders grossen Stil könnte man antworten: Richte das Objektiv auf den sakralen Raum. Erfasse das Monumentale. Bilde die Pose naturgegebener Rangunterschiede ab. Präge stilbildende Individuen. Auf den Mythos als Versprechen des neuen Lebensgefühls kommt es an.

Genauso tat es Hege und bediente so wie zufällig das Bedürfnis nach dem grossen Stil (Pinder). "Walter Heges Handicap bzw. Stigma bleibt die Nähe seiner Bildkonzeption zu den politischen Strömungen einer Zeit," wie Ullrich Pollman es 2014 (14) analysierte, "die pathetische und heroische Bilder brauchte und verlangte." Und so geriet er unvermittelt in den Kampf um die Kunst, der, wie ihn Wilhelm Pinder am 3. August 1933 ausschreibt, der ein "Kampf um die Seele des Volkes" (30) ist. Und das war zuerst ein politischer Kampf. Jedenfalls liess der Autor der Texte zum Naumburger Dom und der Meister seiner Bildwerke darüber keine Unklarheiten aufkommen: "Wer politisch mein Gegner ist," erklärt er in Die bildende Kunst im neuen deutschen Staat (1933), "das kann ich wissen und sehen; Liberalismus und Bolschewismus, dass sind meine natürlichen Gegner von gestern, heute und morgen …."

 

Kathedralen- und Domkult  nach oben

"Eine unter Leitung von Adolf Reichwein und Walter Hege für den Sommer 1924 geplante Naumburgwoche, bei der die Annäherung an die mittelalterliche Kunst mit der Auseinandersetzung mit dem mittelalterlichen Wirtschaftssystem der Gilden verbunden werden sollte, musste ausfallen, dazu wenig Anmeldungen eingingen." (Reimers 268) Offenbar treiben den Bürger nach Jahren der Lebensmittelrationierung und überstandener Hyperinflation andere Bedürfnisse voran, als die Konsumtion im expressionistischen Stil gehaltene Fotos aus dem Westchor.

 

Dom-Bücher

Der Naumburger Dom und der Meister seiner Bildwerke aufgenommen durch Walter Hege beschrieben von Walter Pinder.
Deutscher Kunstverlag,
Berlin 1925

Wilhelm Pinder: Der Bamberger Dom und seine Bildwerke. Aufgenommen durch Walter Hege, beschrieben
von Wilhelm Pinder.
Deutscher Kunstverlag,
Berlin 1927

Richard Klapheck: Dom zu Xanten und seine Kunstschätze. Mit Aufnahmen von Walter Hege. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1930

Walter Hege / Hans Weigert: Die drei Kaiserdome am Mittelrhein: Speyer, Mainz und Worms.
Deutscher Kunstverlag,
Berlin 1933

Walter Hege / Werner Burmeister: Die Westfälischen Dome.
Deutscher Kunstverlag,
Berlin 1936

Gustav Barthel und Walter Hege: Die Barockkirchen in Altbayern und Schwaben. Deutscher Kunstverlag,
Berlin 1938

 

Das damals in der Breite gehemmte und verschüttete Kunstinteresse am Dom bedeutet nicht, dass es für dessen Popularisierung und ideologischer Institutionalisierung kein Bedürfnis gab. Für Dom- und Skulpturenfotografien die, wie es im Aufsatz Der Naumburger Walter Hege und sein Werk von 1943 heisst,

"über ein unmittelbares Erlebnis zu tiefer Erkenntnis deutscher Kunst" führen,

bestand ein erhebliches Interesse. Gemeint ist damit die fotografische Formensprache, die die Codes der Seelenkraft des Volkes (Uta), das anmutig Weibliche (Reglindis), die Wachsamkeit gegenüber dem Feindlichen (Ekkehard) und das Heldische erschliessen. Für eine derartig heimattreue, völkische und nationale Skulptur- und Baukunst meldet der Heimatschutzbund und Kampfbund für deutsche Kultur Bedarf an. (Vgl. Kirsch 1998)

Das traf sich nun wieder mit den Ambitionen des grossen Stils, dem Kampf um die Kunst und den Kult um das sakrale Bauwerk. Für Paul Schultze-Naumburg (1928, 7) sind die Deutschen ein "Volk", "das einst in unseren gotischen Domen bei den steinernen Helden und hölzernen Heiligen seine Erquickung und die Quelle tiefen inneren Glückes fand." "Die erste, größere Selbstdarstellung unserer Väter auf deutschen Boden lag im religiösen Bauwerk", betont Wilhelm Pinder 1928 (10). In der Hinwendung zum religiösen Bauwerk erblickte er die Chance Minderwertigkeitsgefühle der Nation abzuschütteln. Nicht von Ungefähr würdigten Rezensenten Heges Hinwendung zum Dom-Motiv. Zum Beispiel stellt der Aufsatz Der Naumburger Walter Hege und sein Werk von 1943 sein Verdienst heraus, "die Schönheiten deutscher Dome" erschlossen zu haben.

An der christlichen Kirche, und nicht am Hause, lernten die karolingischen und ottonischen Deutschen die grossen Formen, die weit mehr als einen "Zweck" darstellten, lehrt Wilhelm Pinder (1928, 56).

 

 

Vier Phasen-Rezeption der Dom-Fotos

1. Der Hype  nach oben

Die Naumburger Euphorie (Wolfgang Ullrich) beginnt am 26. November 1924 im Naumburger Tageblatt mit der Ankündigung des fünfzig Seiten Text und 87 Bildtafeln umfassenden Werkes Der Naumburger Dom und der Meister seiner Bildwerke. Verfasser Carl Pasche verspricht:

"Das neue Buch ist das erste,
das uns den Dom richtig zeigt".

Der Autor von Professor Walter Hege feiert 1934 den Architekturfotografen als

"Entdecker des Naumburger Doms"

und eigentlichen "Offenbarer jener Kunstwerke, die nun dem ganzen deutschen Volk zugänglich geworden sind".

Bis 1935 erscheint der Foto-Band in einer Auflage von 12 000 Exemplaren. (Hege / Wilhelm Schöppe 1935, 44)

Nordseite des Laufganges mit den Stiftern von links: Wilhelm, Timo, Ekkehard-Uta, Gepa. Dietrich ist ebenso zu sehen. Er ist kein Stifter, sondern Geächteter.

Aus: Der Naumburger Dom und seine Bildwerke. Aufgenommen durch Walter Hege und beschrieben von Wilhelm Pinder. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1925

Die Dom-Fotos imponieren durch eine psychologisierende, dramatisierende Betrachtung und "persönliche Ergriffenheit", sie bewegen sich auf dem "schmalen Grat zwischen sensibler Einfühlung und expressiv Nach- und Neuschöpfung des Gesehenen" (Angelika Beckmann 1993, 28).

Gleich seinem Lehrer Hugo Erfurth, der Freude daran fand psychische Grenzen aufzureissen und blosszustellen (Hartlaub 1961), animiert Hege die Skulpturen vom Westchor des Naumburger Doms.

Das gefiel nicht allen. Willibald Sauerländer (1979, 175) kritisiert "die Vulgarisierung und verlegerische Vermarktung des Phänomens Naumburg durch Bildbände, in denen sich ein filmischer photographischer Stil der Figuren bemächtigt und sie stimmungsvoller inszeniert als irgendeine Beschwörung durch das Wort es vermöchte." Trotzdem oder gerade deshalb wird das Fotobuch von 1925 mit Lob überschwemmt.

Auf die Frage, Was war denn so außergewöhnlich an diesem Buch und seinen Bildern?, antwortet der Meister der Kamera 1935:

"Wohl als erster und aus mir heraus hatte ich die Kamera so verwendet, dass die Blickrichtung auf die Figuren die gleiche war, wie sie der im Dom umherwandernde Besucher hat. Dank der langen Brennweite und dem grossen Abstand vom Objektiv wiesen die Aufnahmen nur einen kleinen Blickwinkel auf und kamen ohne Verzeichnungen heraus." (44)

 

2. Überzeitlichkeit  nach oben

Ekkehard und Uta.

Aus: Der Naumburger Dom und seine Bildwerke. Aufgenommen durch Walter Hege und beschrieben von Wilhelm Pinder. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1925

So kam das Ende des Zweiten Weltkrieges, erläutert Fritz Hege 1956 die berufliche Lage seines Bruders, dass zunächst jedes künstlerisches Arbeiten vernichtet zu haben schien. Das traf aber so nicht ein. Die Bewältigung der persönlichen Verantwortung für die Kunst im Dritten Reich gelingt zunächst durch Weltflucht (Klaus Honnef 1985 bei Beckmann 2005, 12).

 

3. Kritische Rezeption  nach oben

In der Öffentlichkeit überdauert der Hype um die Kunst- und Architekturfotos vom Naumburger (1925) und Bamberger Dom (1927) die politische Zeitenwende. Die Vorkriegskritik am Foto-Buch (1925) entfaltet ihre Wirkung im Wesentlichen in der akademischen Sphäre. Ausserdem fehlte ihre lange Zeit eine politische Dimension, die stringent die Frage nach dem Einfluss der nationalsozialistischen Kunstpolitik und Ideologie elaborierte. Erst als ein kritisches Bewusstsein zum deutschen Empfinden, der Seelenkraft des Volkes, dem Heroenkult und der Monumentalität wächst, die Kunst- und Kulturpolitik im Nationalsozialismus durchleuchtet wird, geht die hymnische Epoche der Verehrung der Architektur-Fotos von Walter Hege zu Ende. Hildegard Brenner erkennt 1963 in Kunstpolitik des Nationalsozialismus (31) bei Walter Hege Tendenzen zum "Rassekunstphotographen". 1988 antwortet Friedrich Kestel in der Zeitschrift Fotogeschichte auf die Frage: Rassenphotograph oder / und Meister der Lichtbildkunst?: "Hege Arbeiten sind Bildzeugnisse nationalsozialistischer Kunstauffassung". "Hege gehörte als Künstler zu den führenden Propagandisten des Nationalsozialismus." Damit deutet sich ein Paradigmenwechsel in der Rezeption der Hege-Fotos an, wozu besonders die Beiträge des Kataloghandbuchs zur Ausstellung

Dom Tempel Skulptur.
Architekturphotographien von Walter Hege

vom 6. November 1993 bis 16. Januar 1994 im Römisch-Germanischen Museum von Köln beigetragen haben (vgl. Angelika Beckmann und Bodo von Dewitz 1993, Angelika Beckmann 1993, Peter Kurmann 1993).

Südliches Seitenschiff.

Aus: Der Naumburger Dom und seine Bildwerke. Aufgenommen durch Walter Hege und beschrieben von Wilhelm Pinder. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1925

Im Aufsatz Fehlinterpretationen oder kühne Visionen? untersucht Peter Kurmann (1993, 37f.) die Reaktion der Kunstgeschichte auf die Dom-Fotos. "Zweifellos haben Heges Aufnahmen der Naumburger und Bamberger Figuren dazu gedient, die nationalsozialistische Kulturpropanda und Rassenlehre zu verbreiten, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich Hege dagegen gewehrt hat." Das heisst aber noch lange nicht, so der Autor, dass seine Bilder zu diesem Zweck entstanden sind. Er experimentiert mit langer Belichtung bei kleiner Blendenöffnung.

"Er fertigte aus 9 mal 12 Platen extreme Vergrößerungen." (Beckmann, Tat, 23) "Einer wissenschaftlichen Analyse sind einerseits tiefe Schlagschatten und im Dunkeln versinkende Hintergrundpartien, andererseits dramatisch aufleuchtenden Gesichter und stark herausmodellierte Körperrundungen und Gewandfalten nicht eben förderlich." Er bettet Architektur und Plastik "in eine ungemessene Tonigkeit ein." "….. so ist zu hoffen, dass heutzutage kein Kunsthistoriker mehr an den Hegeschen Aufnahmen der Naumburger und Bamberger Skulpturen beschreiben und analysieren wird." (Kurmann 1993, 39)

 

4. Rochade  nach oben

Zunächst sah es so aus, als wenn mit der Ausstellung 1993/94 in Köln der Paradigmenwechsel in der Interpretation und Rezeption der Dom-Fotos vollzogen war. Doch es gibt offenbar Ambitionen, die sich in dieses nicht einordnen lassen.

Aus Anlass des 50. Todestages von Walter Hege gibt Doktor Klaus Kleinschmidt (Wiesbaden) 2005 einen Erinnerungsband heraus. Im Internet wird er mit den Worten vorgestellt:

ein Fotograf der "Gotische Bauten
im strengen Stil von Bauhaus
und Neuer Sachlichkeit fotografiert"

- "… das ist sein Markenzeichen". (Ankündigung)

Klaus Kleinschmidt (2005, 5) will Hege aus der "ideologischen Umklammerung" lösen und führt hierzu die These ein:

"Neue Sachlichkeit und Expressionismus mischen sich bei Hege zu neuem Stil."

Diese Interpretation ist mit dem Paradigma der kritischen Aneignungsweise der Dom-Fotos unvereinbar. Im übrigen besteht ansonsten ziemliche Einmütigkeit darüber, dass Hege die "progressive Strömungen", wie Neue Sachlichkeit und Neues Sehen ablehnte (s.a. Angelika Beckmann 2005, 11). Ulrich Pohlmann, Leiter der Sammlung Fotografie des Münchner Stadt Museums, analysiert 2014 aus Anlass der Ausstellung

Das andere Griechenland -
Fotografien von Herbert List (1903-1975)
und Walter Hege (1893-1955)

im Lindenau Museum-Altenburg Heges:

"Mit der Bildästhetik der Moderne des in den 1920er / 30er Jahren allgegenwärtigen Neuen Sehens bzw. der Neuen Sachlichkeit sah Hege keinerlei Gemeinsamkeiten. Die extreme Dynamisierung des Bildraums durch gewagte Kameraperspektiven oder Bildausschnitte haben ihn ebenso wenig interessiert wie das moderne Großstadtleben oder die Technik als Motive."

Mit der Lösung aus der "ideologische Umklammerung", wie Klaus Kleinschmidt formuliert, tritt die ästhetische Aneignungsweise der Dom-Fotos in eine neue Phase, die Rochade. Ihr Ziel ist es, den König durch einen Doppelzug in Sicherheit zu bringen. Im ersten Zug werden bestimmte Werke des Foto-Künstlers ausgeklammert. Zum 50. Todestag wählt man Fotos aus Fauna & Flora und Garten & Veduten aus. Im zweiten Zug setzt man darauf das Gesamturteil. Im Genre Architektur, Landschaft und Natur rechnet der Herausgeber des Erinnerungsbandes von 2005 Walter Hege zur Fotografen-Weltelite.

Das Hauptportal.

Aus: Der Naumburger Dom und seine Bildwerke. Aufgenommen durch Walter Hege und beschrieben von Wilhelm Pinder. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1925

Die Rochade rief bei Kunstinteressierten bereits einigen Unmut hervor. Am 15. März 2013 gedachten in der Marienkirche von Naumburg die Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstift Zeitz sowie der Verein Kunst in Naumburg e.V.:

120 Jahre Walter Hege -
Familie, Freunde und Geschichten.

Im Bericht hierüber heisst es: "Als Jedoch erneut das Gespräch. Auf das Dritte Reich zurückkam, gab es Kritik aus den Zuschauerreihen. Diese Fragen haben in diesem Rahmen nichts zu suchen", erhielten sie als Antwort. Den wissenschaftlichen Anspruch rettete Matthias Ludwig, Mitarbeiter der Domstifter, mit der Entgegnung: "In einer Gesamtwürdigung dieser Art sollte auch jenes Thema seinen Platz haben." (Nach Matthes 2013)

Der Spitzenmann aus der Fotografen Weltelite (Kleinschmidt 2005) begegnete anderen bereits als "der letzte der Großen der deutschen Fotografie zwischen den Weltkriegen". Treffend stellte dazu Friedrich Kestel 1988 (70) fest: "… diese Behauptungen tragen nichts zu einer Analyse der Gestaltungsmittel und intendierten Bildwirkungen in Heges Fotografien bei." "Sie verschweigen die Absicht, die Hege und die mit ihm kooperierenden Kunsthistoriker wie auch die jeweiligen Auftraggeber im Sinn hatten."

Man wird also auf jeden Fall festhalten können, wie Monika Faber 1998 (23) resümiert, dass die Fotos zur Bauplastik des Naumburger und Bamberger Doms "vor allem im Hinblick auf die Publikationen die Wilhelm Pinder dazu verfasste" sich "aus heutiger Sicht" sowohl textlich als auch bildlich als "in höchstem Masse zeitlich und ideologisch gebunden" erweisen.

 

Naumburg - Weimar - Bamberg - Akropolis  nach oben

Zusammen mit Bruder Fritz unternimmt Walter Hege im Wintersemester 1925/26, Porträt- und Naturstudien. Sie belegen das Fach Kunstgeschichte und "lebten bescheiden wie Maler zu leben pflegen". Da mussten sie die "fruchtbare Periode des Studierens und Schaffens" (Fritz Hege 1956, 188) abbrechen. Wilhelm Pinder meldete sich. Er solle für ihn den Bamberger Dom fotografieren. "Mit leidenschaftlicher Hingabe ging er ans Werk. Fünf Monate [im Herbst 1925 / Frühjahr 1926] anstrengender Arbeit waren es ...." (Fritz Hege). Im Jahr darauf erscheint der Bildband Der Bamberger Dom und seine Bildwerke. In Naumburg und Bamberg entstanden über 2000 Fotos.

Inzwischen war man in Amerika auf ihn aufmerksam geworden. Phelps Stoks aus New York erteilt ihn im Juli 1927 den Auftrag circa 100 Skulpturen im Nationalmuseum von Athen zu fotografieren (vgl. Beckmann 251). Noch im September reist er mit dem Schiff nach Griechenland. Frau, Tochter und Schwester Else begleiten ihn. Erst im Frühjahr 1928 nimmt er hier an der Akropolis die Arbeit auf. "Es kennzeichnet ihn, der sich mit seiner Familie mühselig durch Leben schlug, dass er ein halbes Jahr lang die Akropolis umwanderte und betrachtete, bevor er die Kameras aufstellte." Viele Aufnahmen entstanden mit einer selbstgebauten Riesenkamera von 240 m Länge und einem Triplet von 120 cm Brennweite. Als Platten wurden 30/40 cm verwende. (Schöppe 1956, 23) Die beeindruckenden Fotos erscheinen 1930 im Band "Akropolis" beim Deutschen Kunstverlag. Der Direktor des Archäologischen Museums Instituts Berlin Gerhart Rodenwaldt verfasste den Text.

"Was er als Fotograf verdiente, opferte er auf dem Altar des Kulturfilms seiner nächsten Leidenschaft." (Schöppe 1956, 23)

Über die Schwierigkeiten und Erfolge seiner künstlerischen Arbeit in Griechenland hält Hege Vorträge an der Hochschule für bildende Künste in Weimar und in seiner Heimatstadt.

Bis Anfang der 30er Jahre, erzählt Fritz Hege 1956, wohnt Walter Hege im Gärtnerhäuschen des Belvedere. Am 20. März 1928 heiratet er die geschiedene Gräfin Elisabeth von Schulenburg (1892-1976) von Schloß Burgscheidungen. Tochter Reglindis wird am 26. Januar 1928 in Berlin geboren. Seit 1930 wohnen sie gemeinsam in Weimar. Am 30. November 1934 erblickt Tochter Ursula das Licht der Welt. 1938 zieht die Familie nach Oberweimar in die Arnold-Böcklin-Straße.

Im Dezember 1935 erscheint in Velhagen & Klasings Monatshefte eine Farbaufnahme vom Naumburg Dom. Auf der 20. Jahresschau der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (GDL) des Kölnischen Kunstvereins zeigt Walter Hege Mai 1939 in "fast musikalischen" Farben "zwei Duxocromvergrößerungen von den Naumburger Stifterfiguren. (Vgl. Chronik 255, 257)

 

Berufen, um den
republikanischen Saustall auszumisten (Ossietzky 1930)  nach oben

Im Ergebnis der Landtagswahlen in Thüringen vom 8. Dezember 1929 übernimmt eine rechtsbürgerlich-nationalsozialistische Regierung in Weimar die Macht. Wilhelm Frick (1877-1946) ist "vom nationalsozialistischen Hauptquartier berufen, den republikanischen Saustall in Thüringen auszufegen" (Ossietzky 1930). Er, Innen- und Volksbildungsminister der neuen thüringer Landesregierung, und Paul Schultze-Naumburg führen den Kulturkampf gegen alles Undeutsche, Entartete und Moderne. Typisch hierfür der Erlaß IV C II/771, Nr. 53 Wider die Negerkultur für deutsches Volkstum vom April 1930.

Der Kampfbund für deutsche Kultur (KdfK) triumphiert im April / Mai 1930: "Trotz heftiger Widerstände in der gesamten Frankfurter und Berliner Asphaltpresse ist kürzlich doch Professor Paul Schultze-Naumburg an die Leitung der Vereinigten Lehranstalten für Kunst und Handwerk in Weimar berufen worden." Sein Bericht über den Neuaufbau der Vereinigten Lehranstalten vom 24. März 1930 enthält nicht viel Programmatisches, stellt er fest. Aber

"Der Name Schultze-Naumburg
ist Programm genug!".

In der Tat. Blut, Rasse, Deutsch- und Führertum tragen seine Kunstkritik. Das Leitbild ist für ihn der Nordische Mensch. Nicht der Ort, lehrt Schultze-Naumburg, "sondern das Blut bestimmt die Rassenzugehörigkeit". In dieser Weise vorgeprägt, betrachtet er in Kampf um die Kunst (1932) die epochalen Kunstwerke des Naumburger und Bamberger Doms. Den Kopf des Bamberger Reiters definiert er als "ein ganzes Heldengedicht auf die nordische Rasse" (14/15). Seine politische Essenz, in "solchen Menschenbilder erblickt der Nordische Mensch seine Führer".

Treffend schreibt Hildegard Brenner 1962 (56) über Schultze-Naumburg, dass er "in öffentlichen Vorträgen künstlerische Idealbilder (Bamberger Reiter)" aufstellte, "die als Maßstäbe zur rassischen Auslese für jedermann gelten sollten."

"… in seinen Hetzreden gegen moderne Malerei Fotografien" projizierte er, wie Friedrich Kestel 1988 (68) festhält, "geistig und körperlich Behinderter neben Bildern von Matisse, Picasso und Nolde".

 

Fachklasse für Lichtbildnerei  nach oben

 

Staatliche Hochschulen für Baukunst, bildende Künste und Handwerk

(ab 10. November 1930:
Vereinigte Hochschulen für Baukunst, bildende Kunst und Handwerk)

1930 bis 1942

Direktor
Paul Schultze-Naumburg
(1930 bis 1940)

Abteilung I
Baukunst

Abteilung II
Bildende Künste

Abteilung III
Lichtbildnerei
Walter Hege (1930-1935)

 

"Inzwischen hatten" Heges ".... Fotografien des Bamberger Reiters und der Uta beim völkischen-nationalsozialistischen Gefolgsmann Paul Schultze-Naumburg Gefallen und Verwendung gefunden." (Kestel 68) Im Landesmuseum von Weimar findet 1931 eine Fotoausstellung "Walter Hege" mit Aufnahmen des klassischen Altertums und der Gotik statt, was seiner Reputation dienlich.

Auf dem Höhepunkt des politischen Kampfes um die Weimarer Kunsthochschule folgt Walter Hege im Juli 1930 dem Ruf von Paul Schultze-Naumburg an die Staatlichen Hochschulen für Baukunst, bildende Künste und Handwerk. Aus Anlass der Einweihung der umgestalteten Lehranstalten am 1. November 1930 stellt ihn Paul Schultze-Naumburg so vor:

".... der in Weimar ausgebildete Walter Hege, der sich durch sein Werk über die Akropolis und die deutschen Dome in Bamberg, Naumburg und Xanten rühmlich bekannt gemacht und als geeignetster Mann unsere Klasse für Lichtbildnerei übernahm" die Abteilung III.

Die Photographische-Abteilung befand sich in einem Flügel des Haupthauses der Schule. Unterrichtsbeginn war der 1. Oktober 1930. Die Fachklasse für Lichtbildner an den Vereinigten Lehranstalten für Kunst und Handwerk in Weimar umfasste je einen Lehrgang für Gesellen, für Meister und Lehrlinge mit den Fächern Apparatekunde, Werkstoffkunde, Optik, Freihandzeichnen, Retusche und praktische Werkstattarbeit.

"Allzu starre Theorie lehnt er ab", plaudert 1956 Fritz Hege (118) aus, der auch zur ersten Meisterklasse von 15 Schülern gehörte.

 

 
Fachklasse für Lichtbildnerei (Abschrift)
 
   
 

Fachlehrer:
Walter Hege, Maler und Meister der Lichtbildnerei.

 

 

   
 Ausbildung 
   
 Lehrgang I für Lehrlinge: 
 Ausbildung in der Berufslichtbildnerei. 
 Vorkenntnisse nicht nicht unbedingt erforderlich. 
 Mindestalter in der Regel 16 Jahre. 
 Dauer des Lehrgangs 3 Jahre (6 Semester), danach Ablegung der Gesellenprüfung vor der Innung. 
 Unter Umständen (bei aussergewöhnlicher Begabung) Verkürzung der Lehrzeit.  
   
 Lehrfächer (Vorträge und Übungen):  
 a) Apparatenkunde, 
 b) Werkstoffkunde,  
 c) Optik,  
 d) Freihandzeichnen, Beleuchtungsstudien, 
 e) Retusche,  
 f) Praktische Werkstattarbeit in sämtlichen Arten der Aufnahme und den wichtigsten Verfahren der Wiedergabe , 
 g) Allgemeinbildende Fächer für Berufschulpflichtige in der Berufsschule, für ältere Schüler in der Schule für Handwerk selbst. 
   
   
 Lehrgang II für Gesellen: 
   
 Weiterbildung in der Lichtbildnerei, Vorbedingung die abgelegte Gesellensprüfung. Mindestdauer 1 Jahr (2 Semester), danach gegebenenfalls Ablegung der Meisterprüfung. 
 Lehrfächer (Vorträge und Übungen):  
 Diesselben wie in Lehrgang I, mit erweitertem Ziel.  
 Ausserdem z. B. Edeldruckverfahren (Pigmentdruck usw.), Lichtbildnerei im Dienste der Wissenschaft. 
   
 Weiter: 
 h) Kunstbetrachtung und Stillehre. 
   
 Allgemeine und wirtschaftliche Fächer: 
 i) Bürgerliches Recht, Steuer- und Versicherungswesen, 
 k) Volkswirtschaftslehre,  
 i) Betriebswirtschaftslehre des Handwerks,  
 m) Verkaufslehre, Warenkunde, 
 n) Buchführung,  
 o) Rechnen,  
 p) Deutsch, Schriftverkehr,  
 q) Wahlfächer: Stenographie, Schreibmaschine, Fremdsprachen. 
   
   
 Lehrgang IIi für Meister: 
 Art und Dauer der Ausbildung nach Vereinbarung. 
   
   
 Lehrgang IV 
 für Studierende der Hochschule für Baukunst und der für bildende Künste und für Schüler anderer Fachklassen der Schule für Handwerk und angewandte Kunst. 
   
   
 Weiter Vorträge und Übungen: 
 Die Schüler der Fachklasse können an den Vorträgen allgemeinbildender Art (Kunstgeschichte, Literatur usw.), sowie am Abendakt unentgeltlich teilnehmen. 
   
   
 Aus: Walter Hege ein Meister der Lichtbildkunst. In: Fotografien zwischen 1925 und 1975 aus dem Atelier Hege /Naumburg. Museum der Stadt Naumburg. Deutscher Kunstverlag, Koberger & Kompany, 1. Auflage, Nürnberg 1993, Seite 126 ff. 

 

Am 25. August 1931 klagt Walter Hege per Brief bei Paul Schultze-Naumburg über das zu niedrige Gehalt. 240 Reichsmark monatlich reichen nicht, ich benötige unbedingt 500 Reichsmark ohne Abzüge, lässt er wissen. Dementsprechend soll der Arbeitsvertrag geändert werden, andernfalls droht er seine Lehrtätigkeit zum 30. September 1931 zu beenden. Drei Monate später bekommt er das gewünschte Gehalt zugesprochen. Mitten in der Wirtschaftskrise.

Vier Jahre nach den Beginn seiner Tätigkeit in Weimar wird Walter Hege zum Professor berufen.

 

Ein unpolitischer Fotograf?   nach oben

Walter Hege
(1893-1955)
Zeichnung

Am 7. Dezember 1931 erscheint im Naumburger Tageblatt der Artikel Der Kampf um die Bauhochschule. Das interessierte die Bürger. Denn der Machtwechsel in Thüringen zeitigte auf ihre Stadt noch ganz andere Auswirkungen.

Dass nun gerade Walter Hege von den mit grosser Schärfe um Kunst und Politik geführten Machtkämpfen in Weimar unberührt blieb, ist nicht wahrscheinlich, wohl aber, dass ihn falsch verstandene Loyalität gegenüber dem Idol Paul Schultze-Naumburg daran gehindert haben könnte, dem nationalsozialistischen Kunstdogma - deutsches Empfinden, Kampf gegen die Entartung, Überlegenheit der nordisch-germanischen Rasse - kritisch gegenüberzutreten. Glaubt man Hugo Gugg, dann lebte er im Wunderland des Unpolitischen. Bei der Entnazifizierung am 28. August 1947 gibt sein Lehrer und Freund an:

"Hege ist eine durch und durch künstlerischer Natur, allem politischen Treiben fern, ein Mensch, der nur seine Kunst lebt u. der sich die Hintergründe des politischen Wahnsinns gar nicht vergegenwärtigte." (Chronik 260)

Wo begann es, das Politische, wo endete es? Eine Bemerkung von Paul Schultze-Naumburg über Hugo Gugg aus dem Jahre 1941 (148) gibt darüber ein wenig Aufschluss: "Obgleich eine ganz unpolitischer Natur, trat er doch früh schon der Partei bei …."

Walter Hege arbeitete im Auftrag des Gauleiters von Thüringen an Projekten, wie ein Bildwerk "Vom Roten zum nationalsozialistischen Thüringen", die eine innere Rechenschaftslegung im Sinne Warum und Wofür voraussetzen. Deshalb ist Friedrich Kestel (70) zu verstehen, wenn er schreibt: "Hege verschaffte sich einflussreiche Gönner unter den Repräsentanten des NS-Staates und konnte bei seinen Unternehmungen auf deren Unterstützung bauen."

 

Olympia-Buch  nach oben

"Vom Olympia-Komitee und Deutschen Kunstverlag", dokumentiert Walter Hege 1937 diesen Schritt, "erhielt ich den Auftrag das alte Olympia mit neuen Mitteln zu fotografieren." Er reist nach Griechenland, um dort die Fotoaufnahmen für den Bildband Olympia zu machen. "In Gemeinschaft mit dem Urheber dieser Idee, Professor Rodenwaldt," erzählt er, "traf ich meine Vorbereitungen, machte Studien nach Gipsabdrücken, wonach der Standpunkt der Kamera, die Entfernung des Objektives von dem Objekt und die Beleuchtungsart möglichst genau festgelegt wurden." Hege arbeitet mit langbrennweitigen Objektiven und modernstem Plattenmaterial, die er vor Ort entwickelte. Etwa 1000 Aufnahmen entstanden, von den 100 zu einem Buch vereint wurden.

 

Suche nach der Heimat  nach oben

Es kam 1945, wie es viele nannten, der Zusammenbruch. Immerhin konnte der Protegé von Schultze-Naumburg und Produzent von Die Bauten Adolf Hitler (1938) für die sowjetische Besatzungsmacht eine Fotoserie über das zerstörte Weimar erstellen. Auf den 26. April 1946 ist der Gewerbeschein zur Ausführung von Fotoarbeiten ausgestellt. Am 12. März 1946 soll laut Amtsschreiben seine Wohnung in Weimar, Arnold-Böcklin-Strasse, beschlagnahmt werden. Dazu kommt es glücklicherweise nicht. Im Juli 1947 übersiedelt Hege "über die grüne Grenze" nach Braunschweig. Es folgt die Arbeit am Schlösschen Richmond und freiberuflich beim Landesamt für Denkmalpflege in Braunschweig. Frau und Tochter Reglindes bleiben bis 1951 in Weimar und betreiben das dortige Atelier. (Vgl. Chronik 259f.)

"Nach Kriegsende bis zu seinem Tod im Jahre 1955 versuchte Hege die Karriere erfolgreich fortzusetzen, was nur eingeschränkt gelang, da die vorherrschenden Strömungen nun von der subjektiven Fotografie um Otto Steinert und der Reportagefotografie bestimmt wurden." (Pohlmann 2014, 8) Der Filmemacher beteiligt sich an Ausstellungen und dreht weiter Heimat- und Naturfilme.

Im Frühjahr 1955 erhält er in der Paulskirche von Frankfurt am Main von der Gesellschaft deutscher Lichtbildner (GdL) die David-Octavius-Hill-Medaille überreicht. Eine Anerkennung dafür, dass er mit seinen Fotos die Kunstschätze des Mittelalters zum Allgemeinbesitz gemacht hatte.

Trotzdem war nicht herauszufinden, wo dieser Mann "endgültig seinen Frieden gefunden hat. Eine wirklich Heimat hat Walter Hege," sagt Bruder Fritz Hege (1956), "im Westen nicht gefunden."

Am 28. Oktober 1955 folgt Walter Hege mit "besonderer Freude der Einladung der Weimarer Bauhochschule" (Fritz Hege 1956, 115) zu einem Vortrag über Fotografie und Farbenfotografie im Dienste der Kunstgeschichte. Während der Rede im Hörsaal erleidet er einen Herzanfall und verstirbt.

 

Noch heute bewegen die Dom-Fotos von Walter Hege die Kunstinteressierten und Experten.

 

 

 

Quellen und Literatur zur Walter Hege und die Dom-Fotos

[Ankündigung] Walter Hege 1893 - 1955: Fauna & Flora. Gärten & Veduten. Zum 50. Todestag. https://www.bookdepository.com/Walter-Hege-1893-1955-Walter-Hege/9783899042337

Bäumer, Gertrud: Der ritterliche Mensch. Die Naumburger Stifterfiguren, in 16 Farbaufnahmen von Walter Hege. Berlin 1941

Beckmann, Angelika: Walter Hege (1893-1955) und das fotografische Abbild der Naumburger Stifterfiguren im Wandel der Zeit. Berlin 1989

Beckmann, Angelika: Großer Stil ist Einfachheit. Hugo Erfurth und seine Schüler Franz Fiedler, Walter Hege und Eli Seraidaris (Nelly´S). In: Hugo Erfurth 1874-1948. Photograph zwischen Tradition und Modern. Herausgegen von Bodo Dewitz und Karin Schuller-Procopovici. Kataloghandbuch. Agfa Fotor-Historama Köln 1992, Weiland Verlag, Köln 1992, Seite 74 ff.

Beckmann, Angelika und Bodo von Dewitz (Herausgeber): Dom Tempel Skulptur. Architekturphotographien von Walter Hege. Kataloghandbuch. Eine Ausstellung des Agfa Foto-Historama im Römisch-Germanischen Museum Köln, 6. November 1993 bis 16. Januar 1994, Stadt Köln. Köln 1993

Beckmann, Angelika: Die "optische Tat". Walter Heges Bildbände zum Naumburger Dom. Eine Veröffentlichungsgeschichte von 1932 bis 1953. In: Angelika Beckmann und Bodo von Dewitz (Herausgeber): Dom Tempel Skulptur. Architekturphotographien von Walter Hege. Kataloghandbuch. Eine Ausstellung des Agfa Foto-Historama im Römisch-Germanischen Museum Köln, 6. November 1993 bis 16. Januar 1994, Stadt Köln. Köln 1993, Seite 23 ff.

Beckmann, Angelika: Heimatkünstler oder Photograph? Berufliche Anfänge Heges. In: 1893-1955. Walter Hege zum 50. Geburtstag. Fauna & Flora. Garten & Veduten. Herausgeber. Dr. Klaus Kleinschmidt. Autoren Dr. Angelika Beckmann, Dr. Klaus Kleinschmidt. Galerie photonet. Wächter Verlag GmbH, Heidelberg 2005, Seite 6 bis 13

Becker, Curt: Rede auf Walter Hege Veranstaltung. Zitiert nach: Albrecht Günther: Die Ikone Uta. "Naumburger Tageblatt. Mitteldeutsche Zeitung", 4. Oktober 2013

Beseelte Steine. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 22. Juli 1922

Brenner, Hildegard: Kunst im politischen Machtkampf. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte. München, Jahrgang 19 (1962), Heft 1, Seite 17 bis 42

Brenner, Hildegard: Die Kunstpolitik des Nationalsozialismus. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1963

[BJ] Walter Wege und sein Werk. "Burgenlandjournal. Naumburger Tageblatt, Mitteldeutsche Zeitung", 26. November 2005, Seite II

Borrmann, Norbert: Paul Schultze-Naumburg. Maler Publizist Architekt. Vom Kulturreformer der Jahrhundertwende zum Kulturpolitiker des Dritten Reiches. Verlag Richard Bacht GmbH, Essen 1989

Bressa, Birgit: Nach-Leben der Antike. Klassische Bilder des Körpers in der NS-Skulptur Arno Brekers. Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Philosophie der Fakultät für Kulturwissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Tübingen, März 2001, 1. Gutachter: Prof. Dr. Konrad Hoffmann, 2. Gutachterin: Prof. Dr. Annegret Jürgens-Kirchhoff, Tag der mündlichen Prüfung: 14. Februar 2001

[Chronik] Beckmann, Angelika: Chronik zu Leben und Werk von Karl Walter Hege. In: Angelika Beckmann und Bodo von Dewitz (Herausgeber): Dom Tempel Skulptur. Architekturphotographien von Walter Hege. Kataloghandbuch. Eine Ausstellung des Agfa Foto-Historama im Römisch-Germanischen Museum Köln, 6. November 1993 bis 16. Januar 1994, Stadt Köln. Köln 1993, Seite 248-267

Der Kampf um die Bauhochschule. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, 7. Dezember 1931

Die Akropolis. Aufgenommen von Walter Hege. Beschrieben von Gerhart Rodenwaldt, Deutscher Kunstverlag, Berlin 1930

[Domstifter] 120 Jahre Walter Hege. Ehrung des Naumburger Fotografen, der Uta zum Weltruhm verhalf. Vereinigte Domstifter zur Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstift Zeitz. 2013, Nummer 12

[Erfurth] Hugo Erfurth. In: Wilhelm Schöppe (Herausgeber): Meister der Kamera erzählen. Wie sie wurden und wie sie arbeiten. Halle 1935, Seite 6 bis 12

Faber, Monika: Blinde Flecken in den Augen der Kunsthistoriker. Gedanken zur Fotografie als Werkzeug der Kunsthistoriker. In: Eikon. Internationale Zeitschrift für Photographie & Medienkunst, Heft 23, 1998, Seite 31 ff.

Giesau, Hermann: Der Dom zu Naumburg. Hopfer, Burg bei Magdeburg, 1933

Gugg, Hugo. Website. http://www.hugogugg.de/lebensbild--textbeitrge.html, 2014

[Gugg, Hugo] Brief vom 15. Juni 1949 an seinen Schüler ehemaligen Schüler Walter Hege. In: Holz, Thomas (Herausgeber): Hugo Gugg. Druck Biberacher Verlagsdruckerei GmbH & Co., Biberach an der Riss 1997, Seite 86

Günther, Hans F. K.: Die Rassenkunde des deutschen Volkes (1922) J. F. Lehmann, 16. Aufl. 1933; 103.-113. Tsd. 1939. Ausgabe 1934 [Seite 406]

Günther, Albrecht: Die Ikone Uta. "Naumburger Tageblatt. Mitteldeutsche Zeitung", 4. Oktober 2013

Hartlaub, G.F.: Magie der Ähnlichkeit. In: Bildnisse Hugo Erfurth. Aus der fotografischen Sammlung der Folkwangenschule Essen. Museum Volkswagen. 20. Januar bis 28. Februar 1961. Herausgegeben im Januar 1961, Seite 5 bis 9

[Hege, Fritz] Walter Hege, ein Sohn unserer Stadt. Ein Vortrag gehalten am 15. März 1956 von seinem Bruder Fritz Hege. In: Naumburg/Saale und Umgebung. Fotografien zwischen 1925 und 1975 aus dem Atelier Hege /Naumburg. Museum der Stadt Naumburg. Deutscher Kunstverlag, Koberger & Kompany, 1. Auflage, Nürnberg 1993, Seite 115 ff.

Hege, Walter: Der Naumburger Dom. Weimar Utopie-Verlag. Band II

Hege, Walter: Außen- und Innenarchitektur, Bildwerke, Grabdenkmäler. Utopia-Verlag, Weimar 1923 [50 Blatt]

Der Naumburger Dom und seine Bildwerke. Aufgenommen durch Walter Hege und beschrieben von Wilhelm Pinder. Deutscher Kunstverlag. Berlin 1925

[Hege, Walter] Die Akropolis. Aufgenommen von Walter Hege. Beschrieben von Gerhart Rodenwaldt, Deutscher Kunstverlag, Berlin 1930

Hege, Walter, Egon von Kapher: Deutsche Raubvögel. Alexander Dunker, 1933

Hege, Prof. Walter. In: Wilhelm Schöppe (Herausgeber): Meister der Kamera erzählen. Wie sie wurden und wie sie arbeiten. Halle 1935, Seite 42 bis 48

Hege, Walter: Olympia-Expedition. "Mitteldeutsche Nationalzeitung". Halle, den 25. Februar 1937

[Hege, Walter] Thüringisches Ministerium für Volksbildung. Personalakte von Walter Hege. Thüringer Landesarchiv Weimar, Signatur 10 232

Henninger-Andersen, M.: Hugo Gugg, ein Maler thüringischer Landschaft. In: Thomas Holz (Herausgeber): Hugo Gugg. Druck Biberacher Verlagsdruckerei GmbH & Co., Biberach an der Riss 1997, Seite 108 bis 109

"Nun spricht der Führer". [Adolf Hitlers Rede zur Eröffnung der Grossen Deutschen Kunstausstellung am 10. Juli 1938 in München. In: Der Ehrentag der Deutsche Kunst. Deutsches Nachrichtenbüro. Zweite Morgenausgabe. 5. Jahrgang, Berlin, Nummer 1105, Montag den 11. Juli 1938 und Nummer 1106 (ebenfalls 11. Juli 1938)

Holz, Thomas (Herausgeber): Hugo Gugg. Druck Biberacher Verlagsdruckerei GmbH & Co., Biberach an der Riss 1997

[Jugenderinnerungen] Hege, Walter: Jugenderinnerungen. In: Der junge Walter Hege. Erinnerungen. Herausgegeben von Dr. Siegfried Wagner, mit Textbeiträgen Walter Hege, Kai Agthe, Ursula Diettrich-Wagner und Dr. Walter Weiße. Saale Druck, Naumburg/Saale 1998, Seite 7 ff. Siehe auch Website: Walter Hege (aus dem Nachlass) Jugenderinnerungen. http://www.mv-naumburg.de/site_content/45-zwischenkriegszeit/129-hege-walter, 2013

[Kampfbund] Anonym Paul Schultze-Naumburg [Zur Berufung als Leiter der "Vereinigten staatlichen Lehranstalten für Kunst und Handwerk. April/Mai 1939] In: Mitteilungen des Kampfbundes für deutsche Kultur. München 2 (1930) Nr. 4/5, April/Mai 1930, S. 35-36 (3-4). In: Quellen zur Geschichte Thüringens Kultur in Thüringen 1919-1949. "Wir aber müssen eine Welt zum Tönen bringen …". Herausgegeben Thomas Neumann, Gutenberg Druckerei GmbH Weimar, Weimar 1998, Seite 141 bis 143

Kestel, Friedrich: Walter Hege (1893-1955) "Rassenphotograph" oder / und "Meister der Lichtbildkunst?" In: Fotogeschichte, 8. Jahrgang, 1988, Heft 29, Seite 65-72

Kirsch, Jan-Holger (Rezensent): Wolfgang Ullrich: Uta von Naumburg. Eine deutsche Ikone. Berlin, Klaus Wagenbach Verlag, 1998. Redaktion Zeitgeschichte-online, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

Klapheck, Richard: Dom zu Xanten und seine Kunstschätze. Mit Aufnahmen von Walter Hege. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1930

Kleinschmidt, Klaus: Vorwort: In: 1893-1955. Walter Hege zum 50. Todestag. Fauna & Flora. Garten & Veduten. Herausgeber. Dr. Klaus Kleinschmidt. Autoren Dr. Angelika Beckmann, Dr. Klaus Kleinschmidt. Galerie photonet. Wächter Verlag GmbH, Heidelberg 2005, Seit 4 bis 5

Kleinschmidt, Dr. Klaus: Kleinschmidt Fine Photographs. Wiesbaden. Modern und Contemporary. http://www.klauskleinschmidt.de/

Kurmann, Peter: Fehlinterpretationen oder kühne Visionen? Walter Heges Domphotographien im Urteil der Kunstgeschichte. In: Angelika Beckmann und Bodo von Dewitz (Herausgeber): Dom Tempel Skulptur. Architekturphotographien von Walter Hege. Kataloghandbuch. Eine Ausstellung des Agfa Foto-Historama im Römisch-Germanischen Museum Köln, 6. November 1993 bis 16. Januar 1994, Stadt Köln. Köln 1993, Seite 37 bis 40

Lähn, Peter: Zwischen Kunstwollen und Naturschönem. Walter Heges Kulturfilmarbeit im Dritten Reich. In: Angelika Beckmann und Bodo von Dewitz (Herausgeber): Dom Tempel Skulptur. Architekturphotographien von Walter Hege. Kataloghandbuch. Eine Ausstellung des Agfa Foto-Historama im Römisch-Germanischen Museum Köln, 6. November 1993 bis 16. Januar 1994, Stadt Köln. Köln 1993, Seite 53-59

Matthes, Constanze: Beseelte Steine. "Naumburg Tageblatt . Mitteldeutsche Zeitung", 18. März 2013 [Bericht über 120 Jahre Walter Hege - Familie, Freunde und Geschichten am 15. März 2013 in der Marienkirche von Naumburg veranstaltet von den Vereinigten Domstiftern zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstift Zeitz und dem Verein Kunst in Naumburg e.V..]

Matthes, Constanze: Werke von Walter Hege in Sommergalerie Schleberoda, Naumburger Tageblatt. 11. April 2016. https://www.naumburger-tageblatt.de/lokales/kunst-werke-von-walter-hege-in-sommergalerie-schleberoda-23866742

Naumburg / Saale und Umgebung. Fotografien zwischen 1925 und 1975 aus dem Atelier Hege. Museum der Stadt Naumburg (Herausgeber). Deutscher Kunstverlag, Koberger und Kompany, München 1993

[NBT] Erste Versuche als Fotograf in der Jugend. "Naumburger Tageblatt. Mitteldeutsche Zeitung", Naumburg, den 18. März 2013

Oexle, Gerhard: Leitbegriffe - Deutungsmuster - Paradigmenkämpfe. Über Vorstellungen vom "Neuen Europa" in Deutschland 1944. In: Nationalsozialismus in den Kulturwissenschaften. Band 2. Leitbegriffe, Deutungsmuster - Paradigmenkämpfe - Erfahrungen und Transformation im Exil. Herausgegeben von Hartmut Lehmann und Otto Gerhard Oexle. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2004, Seite 13 bis 40

Oexle, Otto Gerhard: Die gotische Kathedrale als Repräsentation der Moderne. In: Michael Bojcov, Otto Gerhard Oexle (Herausgeber): Bilder der Macht im Mittelalter und Neuzeit. Byzanz - Okzident - Russland, Vandenhoek & Ruprecht, Göttingen 2007, Seite 631 bis 674

Pasche, Carl: Walter Heges Dombuch. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 26. November 1924

Petsch, Joachim: Kunst im Dritten Reich. Architektur, Plastik, Malerie. Vista point Verlag GmbH, Köln 1983

Pinder, Wilhelm: Der Naumburger Dom und der Meister seiner Bildwerke. Beschrieben von Wilhelm Pinder. Aufgenommen von Walter Hege. [Vorliegende Ausgabe wurde v. Georg Scheja bearbeitet]. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1952 (Erstausgabe 1925)

Pinder, Wilhelm: Der Bamberger Dom und seine Bildwerke. Aufgenommen durch Walter Hege, beschrieben von Wilhelm Pinder. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1927

Pinder, Wilhelm: Zur Möglichkeit eines kommenden großen Stiles. (Vortrag auf der Werkbundtagung München am 6. Juli 1928.) In: Wilhelm Pinder: Reden aus der Zeit. Verlag E. A. Seeman. Leipzig 1934, Seite 5 bis 25

Pinder, Wilhelm: Die bildende Kunst im neuen deutschen Staat. (Vortrag auf der Tagung des Pädagogisch-psychologischen Instituts der Universität München am 3. August 1933.) In: Wilhelm Pinder: Reden aus der Zeit. Verlag E. A. Seeman. Leipzig 1934, Seite 26 bis 69

Pohlmann, Ulrich, Leiter der Sammlung Fotografie des Münchner Stadt Museums: Herbert List und Walter Hege. [Aus Anlass: Das andere Griechenland - Fotografien von Herbert List (1903-1975) und Walter Hege (1893-1955) in Korrespondenz zu Gipsabgüssen antiker Plastik, Lindenau Museum-Altenburg, 16. August bis 9. November 2014]

Professor Walter Hege - ein Leben im Dienste der schöpferischen Lichtbildkunst. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 24. Mai 1934

Roemer, Egon: Kunsterziehung in Weimar. [Aus: Vossische Zeitung 1930]. In: Achim Preiss / Klaus Jürgen Winkler: Weimarer Konzepte. Die Kunst- und Bauhochschule 1860-1995. Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 1996, Seite 189 bis 191

Rodenwaldt, Gerhart: Die Akropolis. Aufgenommen von Walter Hege. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1930. Neuausgabe: Akropolis. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1956.

Rodenwaldt, Gerhart: Olympia. Aufgenommen von Walter Hege. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1936.

Sauckel, Fritz (Herausgeber): Der Führer in Weimar 1925 - 1938. Allen Volksgenossen Thüringens ein Dokument der großen Zeit Adolf Hitlers. Dem Führer ein Zeichen des Dankes für unseres Volkes Glück, das er uns gab. Druck J.J. Weber, Weimar, 1938. 83 Seiten mit zahlreichen, teilweise ganzseitigen schwarz-weißen und einigen Farbphotos, u.a. von Professor Walter Hege

Sauerländer, Willibald: Die Naumburger Stifterfiguren. Rückblick und Fragen. In: Die Zeit der Staufer. Band 5 (Supplement). Vorträge und Forschungen, Stuttgart 1979, Seite 169 bis 245

Schöppe, Wilhelm: Sein Lebensweg. Erinnerungen an Walter Hege. In: Fotoprisma. Kulmbach 1956, Heft 1, Seite 23-24

Schubert, Ernst: Der Naumburger Dom. Fotos von Janos Stekovics. Halle an der Saale 1997

Schultze-Naumburg, Paul: Bericht über den Neuaufbau der Vereinigten Lehranstalten vom 24. März 1930. In: Achim Preiss / Klaus Jürgen Winkler: Weimarer Konzepte. Die Kunst- und Bauhochschule 1860-1995. Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 1996, Seite 183 bis 184

Schultze-Naumburg, Paul: Ansprache zur Einweihung der umgestalteten Lehranstalten, 10. November 1930. In: Achim Preiss / Klaus Jürgen Winkler: Weimarer Konzepte. Die Kunst- und Bauhochschule 1860-1995. Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 1996, Seite 185 bis 189

Schultze-Naumburg, Paul: Kunst und Rasse. J. F. Lehmann Verlag, München 1935

Schultze-Naumburg, Paul: Nordische Schönheit. Ihr Wunschbild im Leben und in der Kunst. J. F. Lehmann Verlag, München 1937

Schultze-Naumburg, Paul: Kampf um die Kunst. Nationalsozialistische Bibliothek, Heft 36. Herausgeber Gottfried Federer. Verlag Franz Eher Nachfolger G.m.b.H., München 1932

Schultze-Naumburg, Paul: Der Maler Hugo Gugg. In: Die Kunst im Deutschen Reich. Ausgabe 5, Folge 1, Jahrgang 1941. Zentralverlag der NSDAP, Franz Eher. Nachf., München

Steinert, Otto: Zur Ausstellung. In: Bildnisse Hugo Erfurth. Aus der fotografischen Sammlung der Folkwangenschule Essen. Museum Volkswagen. 20. Januar bis 28. Februar 1961. Herausgegeben im Januar 1961

Straehle, Gerhard: Der Naumburger Meister in der deutschen Kunstgeschichte. Einhundert Jahre deutsche Kunstgeschichtsschreibung 1886 bis 1989. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften Referent: Professor Dr. Bernhard Schütz. Korreferent: Professor Dr. Ulrich Söding. Tag der mündlichen Prüfung: 16. Januar 2008. München 2009

Straehle, Gerhard: Der Naumburger Meister in der deutschen Kunstgeschichte. Einhundert Jahre deutsche Kunstgeschichtsschreibung 1886-1989. Dokument 12, Seite 923-1158. Willibald Sauerländer - Helga Sciurie - Friedrich Möbius. Forschungsüberblick von 1886 bis 1989 (Zusammenfassung). Die historische Begründung des Naumburger Stifterzyklus

Ulbricht, Justus H.: "Kunstwerk" versus "Zerrbild". In. Klassik und Avantgarde. Das Bauhaus in Weimar 1919 bis 1925, Herausgegeben von Hellmuth Th. Seemann und Thorsten Valk, Wallstein Verlag, Weimar 2009, Seite 304 bis 325

Ulbricht, Justus H.: "Deutsche Religion" und "Deutsche Kunst" Intellektuelle Sinnsuche und kulturelle Identitätskonstruktionen in der "Klassischen Moderne". Dissertation
zur Erlangung des akademischen Grades Doctor philosophiae (Dr. phil.) vorgelegt dem Rat der Philosophischen Fakultät Friedrich-Schiller-Universität, Jena 2006

Ullrich, Wolfgang: Uta von Naumburg. Eine deutsche Ikone. Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 1998

Ullrich, Wolfgang: Uta, das Ewige Deutschland. Madonna, Diana, First Lady des "Dritten Reiches": Die erstaunliche Karriere einer Sandsteinstatue aus dem Dom in Naumburg an der Saale. Zeit Online, 23. April 1998, http://www.zeit.de/zeitlaeufte/uta

Wagner, Siegfried: Vorwort: Erinnerungen. In: Der junge Walter Hege. Erinnerungen. Herausgegeben von Dr. Siegfried Wagner mit Textbeiträgen von Walter Hege, Kai Agthe, Ursula Dittrich-Wagner und Dr. Walter Weiße. Saale Druck, Naumburg/Saale 1998, Seite 3 ff.

Walter Hege. 12.11.1993-28.10.1955. Museum der Stadt Naumburg, Grochlitzer Straße 49-51, Naumburg, Abriss, U.W., 20. April 1994

Walter Hege ein Meister der Lichtbildkunst. In: Fotografien zwischen 1925 und 1975 aus dem Atelier Hege /Naumburg. Museum der Stadt Naumburg. Deutscher Kunstverlag, Koberger & Kompany, 1. Auflage, Nürnberg 1993, Seite 121 ff.

[Werk] Der Naumburger Walter Hege und sein Werk. "Naumburger Kurier", Nummer 24, 1943 [Angaben nach Stadtarchiv Naumburg]

Zeittafel. In: Der junge Walter Hege. Erinnerungen. Herausgegeben von Dr. Siegfried Wagner mit Textbeiträgen von Walter Hege, Kai Agthe, Ursula Diettrich-Wagner und Dr. Walter Weiße. Saale Druck, Naumburg/Saale 1998, Seite 36 ff.

 

Zum Naumburger Notgeld

Alt Naumburg auf Notgeldscheinen. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 21. Oktober 1921

Das Märchen von den Millionen. [Zum Naumburger Notgeld]. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 8. Februar 1921

Die neuen Naumburger Notgeldscheine. "Naumburger Tageblatt", Naumburg,den 11. November 1920

Dittrich-Wagner, Ursula: Walter Hege und das Notgeld. http://www.mv-naumburg.de/notgeld, 2006

Dittrich-Wagner, Ursula: Die Notgeld Scherenschnitte. In: Der junge Walter Hege. Erinnerungen. Herausgegeben von Dr. Siegfried Wagner mit Textbeiträgen von Walter Hege, Kai Agthe, Ursula Diettrich-Wagner und Dr. Walter Weiße. Saale Druck, Naumburg/Saale 1998, Seite 28 ff.

Kaufmann, Eberhard: Scherenschnitte dienten als Vorlage für des Naumburger Notgeld. …. "Burgenlandjournal. Naumburger Tageblatt, Mitteldeutsche Zeitung", 5. August 1996

Kaufmann, Eberhard: Lukratives Geschäft für den Naumburger Magistrat. Meister Heinz Schiestel, ein Würzburger Bildhauer, schuf die Vorlagen für das Notgeld. "Naumburger Tageblatt. Mitteldeutsche Zeitung", 22. Februar 2003

Kaufmann, Eberhard: Gutes Geschäft mit eigener Währung. Stadt Naumburg verdiente an der Herausgabe der Hussiten-Serie rund eine Million Mark. "Burgenlandjournal. Naumburger Tageblatt, Mitteldeutsche Zeitung", 27. März 2004

Speck, Hans-Dieter: Der Dom und die Hussiten. Zum 50. Todestag von Walter Heges Stifterfiguren Notgeld und Scherenschnittern. "Burgenlandjournal. Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 26. November 2005, Seite II

Tranz, Gerhard: Gutes Geschäft mit eigener Währung. "Burgenlandjournal, Naumburg", Naumburg, den 27. März 2004, Seite V 13

 

Weitere Literatur

Fabricius, Hans: Dr. Frick. Ein Lebensbild des Reichsministers des Inneren. Junker und Dünnhaupt Verlag, Berlin 1938

Führ, Wieland (Herausgeber): Naumburg, Saale und Umgebung. Fotografien zwischen 1925 und 1975 aus dem Atelier Hege, Naumburg, Museum der Stadt Naumburg). Naumburg, Saale 1993

Hoppe, Friedrich: Naumburger Heimatbilder. Ein Anhang zu den Naumburger Schullese- und Geschichtsbüchern. Druck und Verlag von H. Sieling, Naumburg a. S. 1926, Seite 62

Ossietzky, Carl von: Der Lutherklecks. Die Weltbühne, Jahrgang XXVI., Nummer 13 25. März 1930, Seite 449 bis 452

Reimers, Bettina Irina: Die Neue Richtung der Erwachsenenbildung in Thüringen 1919 - 1933. Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Sozialwissenschaften in der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, 2000

Speck, Hans-Dieter: Schönes im Visier. Burgenland-Journal, 1. Mai 2010, Seite 3

Speck, Hans-Dieter: Mit 30 Litern Wasser bergauf. "Naumburger Tageblatt. Mitteldeutsche Zeitung". Naumburg, den 2. September 2012

 

Bildnachweis

Der Naumburger Dom und seine Bildwerke. Aufgenommen durch Walter Hege und beschrieben von Wilhelm Pinder. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1925

* Für die anderen historischen Bilder von der Stadt Naumburg (Saale) konnte kein Fotograf und kein Verlag oder Ähnliches ermittelt werden. Sie sind alle älter als 70 Jahre.

 

Autor:
Detlef Belau

Geschrieben:
13. Dezember  2013.
Ergänzt: 2014


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