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Arthur Graf von
Posadowsky-Wehner
(1845-1932)
Nach einem Porträt von
Fritz Amann (1878-1969)
aus dem Jahr 1912.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Gedanken zu
Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932)

Wozu viele konservative Politiker weder willens noch fähig waren, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner schafft es. Aus Anlass der bevorstehenden Reichstagswahlen rechnet er am 15. Januar 1919 in der Reichskrone (Bild) von Naumburg mit der Welt-, Flotten- und Kolonialpolitik von Wilhelm II. ab. Vielleicht nicht in umfassender Weise, denn er lässt die Kriegsschuldfrage aus und bleibt gewissen Schöpfungen des Deutschtums treu. Dennoch setzt er sich tiefgründig und kritisch mit der jüngsten deutschen Vergangenheit und den verhängnisvollen Fehlern der Staatspolitik auseinander. Im Geist vereint mit dem konservativ-reformfreundlichen Bürgertum, sucht er den Weg in die Republik. Und darauf kam es in dieser Stunde der Geschichte an.

 

Wer Recht erringen will, muss selbst Recht haben ....

Der demokratisch-konservative Politiker imponiert durch eine klare politische Sprache, die Phrasen und Leersätze meidet, keine Urteile scheut und eine beeindruckende analytische Kraft entfaltet. Interessen, Klassen, Sozialpolitik, Wirtschaftlichkeit, Reform, Gesetz, Freiheit und Pflicht, Rechtsbewusstsein und Fortschritt fungieren oft als zentrale Kategorien des politischen Denkens. Sachlich, systematisch, das heisst vom Standpunkt einer konservativ-liberalen Politik gewichtet, konkret und ohne persönliche Anfeindungen, setzt er sich zum Beispiel am 13. Dezember 1897 als Staatssekretär des Inneren vor dem Deutschen Reichstag mit den politischen Auffassungen von Augst Bebel auseinander. So erleben die Reichstagsabgeordneten nicht nur ein hartes Ringen politischer Kontrahenten, sondern eine Sternstunde der Parlamentskultur.

Er ist ein Politiker mit Moral, Gewissen und Charakter. Ihn leiteten die humanistischen Werte der Aufklärung. Den preussischen Pflichtbegriff verinnerlichte er ohne den Untertanengeist und krankhaften Hang zum Opportunismus. Nichts deutet auf die moralische oder politische Abwertung der arbeitenden Klasse und Unterschichten hin. Klare Leitideen und Normen trägt er dem ertüchtigten Unternehmertum und der politischen Elite an. Ihm ist bewusst, hier in einem Feld von Interessengegensätze zu agieren, was ein Passus der Rede vom 22. Januar 1902 zum Etat des Reichshaushalts zum Ausdruck bringt:

"Meine Herren,
wenn sie den Weg gehen, jedesmal die Fabrikanten zu entschädigen, wenn wir ein Verfahren ausschliessen, das gesundheits- oder lebensgefährlich für die Arbeiter ist, dann fürchte ich, riskieren Sie, die ganze sozialpolitische Gesetzgebung zum Stillstand zu bringen …

Das wäre eine Belastung des sozialen Fortschritts, die wir gar nicht ertragen könnten."

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner war ein politischer Gegner der Sozialdemokratie. Allerdings einer der fairsten und anständigsten, den die deutsche Geschichte hervorbrachte. "Die Sozialdemokratie", formuliert er Ende 1911 in Bielefeld zur Vorstellung als Kandidat des Reichstages, "ist nur geistig und sittlich zu überwinden. Dazu gehört aber viel Ruhe, Gerechtigkeitsliebe und Uneigennützigkeit der Besitzenden Klassen. Wer Recht erringen will, muss selbst Recht haben ...."

Nach 1918 will er alle Bürger in ein gemeinschaftlich zu schaffendes Staatswesen integrieren, das die

"Grundrechte des Menschen" (Posadowsky-Wehner)

achtet und gewährt.

Ein "typischer Junker", wie ihn 1925 Paul Wittko (1856-1958) charakterisierte, war er nicht, sondern wertkonservativ und reformfreundlich in Einem. Der Widerspruch zwischen wirtschaftlichen Notwendigkeiten und Sozialpolitik als Kulturaufgabe konstituierte ein Geflecht von Widersprüchen, die seiner Tätigkeit als Staatssekretär und Reichstagsabgeordneten einen unverwechselbaren Charakter verlieh.

Wer ihn kannte, achtete und bewunderte ihn. "Seine Hauptstärke war", bescheinigt ihm 1907 das Zeugnis der Volksstimme aus Magdeburg, "die fleissige Durchdringung der zahlreichen Einzelheiten seines Ressorts, verbunden mit einer gewissen Nachdenklichkeit, also einer in preussischen-deutschen Regierungskreisen höchst seltenen Eigenschaft." Das sozialdemokratische Blatt nennt ihn einen

Vertreter des sozialen Königtums,

dessen Ziel, die Geistige und wirtschaftliche Hebung der minderbemittelten Klassen war.

Die Kaufmannsgehilfen-Tagung am 9. Februar 1926 in Naumburg begrüsst ihn als

Vorkämpfer der deutschen Sozialpolitik.

Aus Anlass seines Todes erinnert die Frankfurter Zeitung vom 25. Oktober 1932 daran, wie aus dem "Minister gegen die Sozialpolitik" einer für Sozialpolitik wurde.

 

2006 erschien von Joachim Bahlke der Aufsatz: Sozialpolitik als Kulturaufgabe. Zu Leben und Wirken des schlesischen Politikers Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932). Und Simone Herzig veröffentlichte 2012: Die "Ära Posadowsky". Posadowskys Beitrag zur staatlichen Sozialpolitik im Deutschen Kaiserreich.

Darüber hinaus existieren von Leopold von Wiese (1909), Martin Schmidt (1935) oder Karl Erich Born (1957) wissenschaftliche Arbeiten zum Leben und Werk von Posadosky-Wehner. Ihnen mangelt es, wie Simone Herzig 2012 (47) nicht umhin kam festzustellen, an wissenschaftlicher Objektivität.

 

Die Naumburger, womit nicht die nationale Familie gemeint ist, begegneten ihn mit Ehrfurcht und freundlichen Respekt. Oftmals wirkte er etwas steif und unnahbar, doch nie unaufmerksam oder unfreundlich. "Zu meiner Zeit saß", rekonstruiert Hans-Gert Kirsche 2006 das Zusammentreffen mit ihm, "in der Kurie der schlesische Graf von Posadowsky-Wehner, seinerzeit Böttichers Nachfolger im Reichsamt des Inneren und später Reichstagsabgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei. Er sah aus wie der leibhaftige Weihnachtsmann, denn er trug einen riesigen weißen Vollbart vor sich her, und war in der Stadt, wo man ihn häufig auf den Straßen sah, sehr beliebt. Als er [am 23. Oktober] 1932 starb, folgte fast ganz Naumburg seinem Sarge, es war wie ein Staatsbegräbnis."

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner wurde am 3. Juni 1845 als Sohn des Oberlandesgerichtsrats Graf von Posadowsky und seiner Ehefrau Amalie, geborene von Plötz, in Groß-Glogau geboren. 1864 verlässt er das hiesige Evangelische Gymnasium mit der Reifeprüfung. Nach dem Studium der Staats- und Rechtswissenschaften in Berlin, Heidelberg und Breslau promoviert 1867 an der juristischen Fakultät in Breslau zum Dr. jur.. Nach zwei Jahren als Auskultator am Breslauer Stadtgericht folgt das zweite juristische Staatsexamen.

1871 heiratet er Elise von Moeller, die Tochter eines Appelationsgerichtspräsidenten. Ein Kind von ihnen verstirbt früh. Ihre Familie erweitert sich um einen Sohn und zwei Töchter.

Die Familie erwirbt das Gut Welna im Kreis Gnesen, wo er wichtige praktische Erfahrungen und Kenntnisse bei der Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes sammelt. Vier Jahre später tritt er bei der Regierung in Posen als Regierungsreferendar und -assessor in den Verwaltungsdienst. Von 1873 bis 1877 amtiert er als Landrat des Kreises Wongrowitz und von 1877 bis 1882 des Kreises Kröben. Dann zieht er für die Freikonservative Partei im Wahlkreis Lissa-Rawitsch-Fraustadt in das Preußische Abgeordnetenhaus ein. Bestimmend bleiben seine konservative Grundhaltung und die Frontstellung zur Sozialdemokatie. Im Aufsatz von 1882 "Über die Altersversorgung der Arbeiter" unterstützt er die Notwendigkeit der staatlichen Fürsorgepolitik, will aber die Unternehmer und Grundbesitzer vor finanziellen Belastungen schonen.

1885 wird er an die Spitze der provinziellen Selbstverwaltung berufen. Abgeordneter konnte er nicht mehr bleiben. Die Arbeiten zur Reorganisation der Verwaltung nahmen ihn voll in Anspruch.

Es folgt von 1885 bis 1889 die Tätigkeit als provisorischer Leiter der Verwaltung Posen, dann 1889 als Landesdirektor beziehungsweise ab 1890 als Landeshauptmann.

 

Ich bin aber, solange ich in diesem Amte stehe,
ein Staatssekretär  f ü r  Sozialpolitik

Ära Posadowsky 01.07.1893 bis 24.6.1907

Seine etwas überraschende Ernennung zum Staatssekretär im Reichsschatzamt am 1. September 1893, verdankt Posadowsky dem Konflikt zwischen dem Staatssekretär des Reichsschatzamtes Freiherr von Maltzahn und dem preussischen Finanzminister Johannes von Miquel. Zum anderen hatten den Kaiser seine finanzpolitischen Leistungen in Posen beeindruckt. (Vgl. Bahlke 2006, 94) "Der gräfliche Reichsschatz-Sekretär," raunt am 13. August 1893 der Vorwärts aus Berlin, "ist politisch ein völlig unbekannter Mann."

Am 1. Juli 1897 übernimmt Posadowsky-Wehner die Aufgabe des Staatssekretärs im Reichsamt des Innern und Stellvertreter des Reichskanzlers. Wir werden uns bemühen, verspricht er 1897 vor dem Reichstag, "das Wohl der arbeitenden Klasse weiter zu fördern", "soweit es sich um berechtiget Forderungen für die sittliche und körperliche Gesundheit der Arbeiter handelt" (PW 1897, 176).

Oft wird die Sozialpolitik vor dem Ersten Weltkrieg mehr oder weniger als Reaktion auf den wachsenden Einfluss der Sozialdemokratie interpretiert, um die Arbeiterklasse politisch zu domestizieren. Andere begreifen sie vor allem als Pflegeleistung des Produktivitätsfaktors Arbeit. Posadowsky-Wehner überschreitet allerdings deutlich den Horizont sowohl einer populistisch wie ökonomistisch begründeten Sozialpolitik. Für ihn ist sie, wie er in "Volk- und Regierung ...." (126ff.) schreibt, eine universelle kulturelle Aufgabe, ohne die kein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Fortschritt möglich ist. Damit setzt er sich klar von den sozialethischen Auffassungen der Posener-Zeit ab, die die Pflicht zur sozialen Fürsorge vor allem aus dem Gebot der christlichen Sittenlehre ableiteten.

Gewisse normative Grenzen seines politischen Handelns sind nicht zu übersehen. An die Lösung der Arbeiterfrage nicht nur sozialpolitisch, sondern als Verfassungsfrage heranzutreten, das wollte er nicht verantworten. Schliesslich hätte dies die uneingeschränkte Koalitionsfreiheit, die Aufhebung des politisch-diskriminierenden Zensuswahlrechts mit anachronistischer Wahlkreiseinteilung bedurft. (Vgl. Glade 87)

Als 1930 mit den Notverordnungen soziale Leistungen gekürzt wurden, warnte er: "Kalte Selbstsucht eines Volkes gegenüber leidenden Schichten seines eigenen Blutes bedeutet eine soziale Gefahr …" Sozialpolitik verstand er nicht als Praxis sozialer Geschenke an eine geschundene arbeitende Klasse. Vielmehr lotete er ihre Möglichkeiten und Grenzen im Entscheidungsfeld von Humanität, Rationalität und Ökonomie und den daraus quellenden Widersprüchen gründlich aus. Einerseits widersprach er "....auf das heftigste, wenn der Centralverband deutscher Industrieller Forderungen, die der Gesundheit und körperlichen Unversehrtheit am Arbeitsplatz galten, als sozialdemokratisches Anliegen zurückwies." (Bahlke 96) Andererseits vertrat er die Überzeugung, dass die Sozialpolitik nicht die zwangsläufigen und unverrückbaren wirtschaftlichen Gesetze überschreiten und zerstören darf. Andernfalls sind riesige volkswirtschaftliche Schäden zu gegenwärtigen. (Vgl. V&R 213)

Die Fortsetzung seiner Politik stiess auf Widerstand und war mit viel Streit verbunden. Seine Gegner stellten das

Prinzip der Kontinuität,

in Frage. In der Reichstagsdebatte am 9. März 1907 (344/345) argumentiert der Staatsminister, Staatsekretär des Inneren, Stellvertreter des Reichskanzlers: Ein Volk, dass in der Bildung fortgeschritten, stellt auch im Unglück höhere Anforderungen an seine Lebensführung als die Armenpflege gewähren kann. "Deshalb kann ein Volk von dem Kulturstande des deutschen Volkes die Sozialpolitik nicht aufhalten und nicht aufgeben, trotz aller stillen und offenen Gegner." Folglich kann die Sozialpolitik kein "verhängnisvoller Schritt" sein.

Gegen diese soziale Methode und damit verbundenen politischen Ambitionen regte sich bereits längere Zeit Widerstand. Es ist eine Ursache für den Ministeriellen Massensturz 1907. Öffentlich äussern sich seine Widersacher meist nicht in schroffer Weise, beschreibt er am 9. März 1907 (344) im Reichstag die Lage. Aber sie bekämpfen jeden einzelnen (Fort-) Schritt und sorgen dafür, dass für den Schwachen nur das Notwendigste geschieht. "Und, meine Herren," streitet er am 5. März 1907 für seine Politik vor dem Reichstag, "dass gegen mich in der Öffentlichkeit, persönliche gehässige, giftige und verleumderischen Angriffe gerichtet sind, das ist allgemein bekannt …." "Es gibt eben Richtungen, die wollen, das ein

Staatssekretär gegen Sozialpolitik

besteht.

Ich bin aber, solange ich in diesem Amte stehe,
ein Staatssekretär für Sozialpolitik …."

 

Zuchthausvorlage

In der Schrift Sozialreform oder Revolution? (1899) von Rosa Luxemburg (1871-1919) findet sich eine versteckte Replik auf Arthur Graf von Posadowsky-Wehner. Sie beschuldigt ihn der Attentate auf das allgemeine Reichstagswahlrecht. Als Staatssekretär im Reichsamt des Inneren sandte er am 11. Dezember 1897 ein geheimes Rundschreiben an die Regierungen der deutschen Einzelstaaten, worin gesetzliche Maßnahmen gegen das Streikrecht und die Koalitionsfreiheit gefordert wurden. Darin heisst es: "In letzter Zeit ist in der Tagespresse und Fachliteratur wie in Vereinsversammlungen die Frage lebhaft erörtert worden, ob nicht angesichts der durch die Arbeiterbewegung von der Gesetzgebung ein erhöhter Schutz gegen Missbrauch der durch § 152 der Gewerbeordnung gewährleisteten Koalitionsfreiheit zu verlangen sei." Graf Posdowsky bittet um eine gefällige Äußerung, um den Reichstag beim nächsten Zusammentreffen eine neue Vorlage machen zu können.

Den Sozialdemokraten war es gelungen, das Geheimdokument in die Hand zu bekommen und am 15. Januar 1898 im Vorwärts zu veröffentlichen.

In seiner Oeynhausener-Rede vom 6. September 1898 kündigte Wilhelm II. die für 1899 vorgesehene Gesetzesvorlage an.

Friedrich Naumann (1866-1919) nimmt 1899 in einem Vortrag ebenfalls gegen die Zuchthausvorlage Stellung. Der Reichstag lehnt sie schliesslich mit einer übergroßen Mehrheit ab.

Mit dem Scheitern der Zuchthausvorlage beginnt ein Umdenkungsprozess. Nunmehr sucht der Vizekanzler (1897) in sozialen Fragen mit der SPD und der Arbeiterbewegung eher den Ausgleich. Er will den Bau von Wohnungen für Reichsangestellte forcieren, um der Ausbeutung durch Hausbesitzer und Grundeigentümer entgegenzutreten.

Während seiner Amtszeit werden bedeutende wirtschafts- und sozialpolitische Reformen realisiert. Im Juli 1899 erfolgte mit Zustimmung der Reichstagsabgeordneten der SPD die einheitliche Festlegung der Höhe der Invalidenrenten. "Es war", wie er am 6. Februar 1906 (1049) vor dem Reichstag sagt, "aber der große Fortschritt der deutschen Sozialgesetzgebung, das an die Stelle der Armenpflege ein eigenes Recht und eine gewisse Leistung des Arbeiters trat, eine Rente …."


Rede
vor dem Reichstag 1905


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(1: 46 Minuten, mp3)

Überwindung der Sozialdemokratie und des Materialismus

Geistige und sittliche Wiedergeburt des deutschen Volkes durch Opferfreudigkeit und Selbstlosigkeit

Trotz Wahlrecht kann die Herrschaft der besitzenden Klassen aufrechterhalten werden

 

Auf seine Initiative hin wird am 1. Juni 1901 die Gewerbeordnung verabschiedet, was den Mutterschutz und die sozialen Bedingungen für die Nachtarbeit und die Arbeit an Sonn- und Feiertagen in der Industrie und auf dem Bau verbessert. Kinderarbeit unter 13 Jahren ist verboten. Arbeiterwohnungen werden finanziell gefördert. 1903 wird die Zahlung der Krankenunterstützung von 13 auf 26 Wochen verlängert. Er verantwortet die Novelle zum preussischen Bergbaugesetz vom 14. Juli 1905 und zur Gewerbeordnung vom 25. Mai 1908. (Vgl. Gladen 85)

Die Gesetze zu den Gewerbe- (1901) und Kaufmannsgerichten (1904) sollen die Arbeitskonflikte friedlich regeln. Sie erkennen den Arbeiter als gleichberechtigten Vertragspartner der Unternehmer an, die im Ergebnis des Bergarbeiterstreiks von 1905 weitere Rechte erringen.

 

 

Bekämpfung der Sozialdemokratie (Posadowsky-Wehner)

Der SPD wirft Posadowsky-Wehner ein Spiel mit der Revolution vor und missbilligt, dass sie nicht anerkennt, "was der Staat und die bürgerliche Gesellschaft für die arbeitenden Klassen bisher schon getan haben". In seiner Rede vor dem Reichstag am 6. Februar 1906 verleiht er dem "Kampf gegen die Sozialdemokratie" einen neuen Impuls. Ihn treibt die Frage um: Wie kommt man gegen die drei Millionen Stimmen der Sozialdemokratie an? Und: Wie kommen wir bei der Schaffung einer Arbeiterpartei voran, "die innerhalb des gegebenen Staates", des "bürgerlichen, des monarchischen Staates" steht? Wir haben, so seine Schlussfolgerung, den "allerdringendsten Grund die christliche Arbeiterbewegung zu unterstützen".

 

 

Herkunft, Datum und Autor der Fotografie sind unbekannt. Am linken Bildrand ist auf dem Plakat der Name "Kaempf" zu lesen. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um den ehemaligen Stadtrat von Berlin, Juristen und Reichstagspräsidenten (1912-1918) Johannes Kaempf (1842-1918). Seit 1901 war er Mitglied des Reichstages und Fraktionsvorsitzender der Freisinnigen Volkspartei. Am 25. Januar 1907 fanden die Wahlen zum 12. Deutschen Reichstag statt. Das obige Foto, Arthur Graf von Posadowsky-Wehner ist darauf gut zu erkennen, könnte eine Szene aus diesem Wahlkampf darstellen.

 

 

Ministerieller Massensturz

Unter der Kanzlerschaft von Leo von Caprivi (1890-1894) und Carl Viktor Fürst von Hohenlohe-Schillingsfürst (1894-1900) konnte er seine Leistungskraft voll entfalten. Aber als Bernhard von Bülow (1900) das Amt übernahm, traten die "Temperamentsunterschiede" (Wittko) deutlich zu Tage. Doch für die aufkommenden Differenzen und Konflikte gab es weitaus wichtigere Gründe.

Da waren zunächst die Kosten des Kolonialkrieges, damit verbunden die Haltung zum Zentrum und die Frage der Weiterführung der Sozialpolitik.

Der Kampf gegen die Herero in Deutsch-Südwestafrika und die Niederschlagung des Aufstandes der Nama kostete dem deutschen Staat (Kolonialherren) viel Geld.

Staatssekretär Bernhard Dernburg (1865-1932) wies 1906 die Kritik an der deutschen Kolonialverwaltung und den Krieg gegen die Hottentotten und Hereros scharf zurück. Ein Nachtragshaushalt wird fällig. Posadowsky stimmte mit dem Zentrum und der SPD im Reichstag dagegen. Bernhard von Bülow löst den Reichstag auf. Sein Stellvertreter unterstützt die Innen- und Aussenpolitik nicht mehr, obwohl er, schon um seine sozialpolitischen Ziele durchzusetzen, gewillt war sich anzupassen. Doch die Widersprüche, waren nicht mehr zu klammern. Er war gegen die Auflösung des Reichstages.

"Wat rausschmeissen wollen Se mir. Ich habe vierzehntägige Kündigung. Mit mir jeht det nicht so wie mit Posadowsky`n."

Simplicissimus. 12. Jahrgang, No. 16. München, den 15. Juli 1907

Posadowsky-Wehner ist 62 Jahre alt, als er am 22. Juni 1907 als Staatssekretär des Inneren zurücktritt. "Mit ihm scheidet aus der Reichs- und preussischen Staatsregierung", meldet die Volksstimme (Magdeburg) drei Tage später,

"die einzige bedeutende Persönlichkeit, der letzte, dem auch der Gegner Achtung entgegenbringen konnte.

Sein Sturz entspricht mehr noch als den Wünschen des Fürsten Bülow jenen der scharfmacherischen Reichspartei, die den ehemaligen Vertreter der Zuchthausvorlage, den Hauptmitarbeiter des Hochschutzzolltarifs, den Vertrauensmann der Landbündler und Industriebündler, seit er sich in der Auffassung seines Amtes zu etwas modernen Anschauungen gewandelt hatte, als ihren Todfeindes zu behandeln pflegte." Es ist, so die Zeitung aus Magdeburg, "das wichtigste Ereignis"

des ministeriellen Massensturzes.

Nachfolger wird der preussische Polizeiminister und spätere Reichskanzler Theodor von Bethmann-Hollweg.

Seit dem lebt Posadowsky-Wehner als Dechant des protestantischen Domkapitels in Naumburg.

Bis 1918 bleibt er Mitglied des Preußischen Herrenhauses und ist von 1912 bis 1918 parteiloser Abgeordneter für den Wahlkreis Bielefeld im Reichstag. Ende November 1911 hielt er hier als Kompromiss-Kandidat der Konservativen, des Zentrums, der Wirtschaftlichen Vereinigung des Bundes der Landwirte und der Nationalieralen seine Antrittsrede.

 

 

Zur Wohnungsfrage

Zum 5. Januar 1910 bittet ihn der Bayerische Verband für Wohnungsförderung in München zum Vortrag. Auf der öffentlichen Versammlung referiert er zum Thema:

Die Wohnungsfrage
als Kulturproblem.

 

Veröffentlichungen
(Auswahl)

Über die Altersversorgung der Arbeiter (1883)

Geschichte des schlesischen adligen Geschlechtes der Grafen Posadowsky-Wehner, Freiherren von Postelwitz
(1891)

Luxus und Sparsamkeit
(1909)

Die Wohnungsfrage als Kulturproblem (1910)

Volk und Regierung im neuen Reich (
1932)

 

Zunächst erörtert er die Tendenzen der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. Es klingen kritische Untertöne zur Kolonialpolitik an: In den besten Kolonien, wie Südwestafrika, die 26 Jahre zu Deutschland gehören, siedelten lediglich 6 210 Deutsche, während sich die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 18 Millionen erhöhte. "Auch die wärmsten Vertreter einer starken Kolonialpolitik werden hiernach die Hoffnung kaum mehr aufrecht erhalten können, dass unsere Kolonien imstande wären, einen irgendwie nennenswerten Teil unserer wachsenden Bevölkerung aufzunehmen." Ob in Deutschland überhaupt ein entbehrlicher Bevölkerungsüberschuss besteht, erscheint ihm sehr fraglich.

Doch wenn wir den jetzigen Kulturstand halten wollen, sagt der Graf, dann müssen ausreichend Wohnstätten geschaffen werden, die den gesundheitlichen und sittlichen Anforderungen genügen. Gegenwärtig lebt die Stadtbevölkerung zu vier Fünftel in Kleinwohnungen mit zwei bis drei Räumen. "Aber nur in sehr großen Entfernungen von ihrer Arbeitsstelle können sie sie finden `zum Schaden ihrer Arbeits- und Nachtruhe und ihres Familienlebens`". Etwa 63 Prozent der Bevölkerung leben in Zwei- bis Dreizimmerwohnungen. In einzelnen Orten sind sie bis 59 Prozent mit zwei, ja sogar mit drei Schlafgängern belegt, was "die kaum glaubliche Zerrüttung des Familienlebens in den Arbeiterfamilien" bedingt. Er fordert, dass Staat, Städte und Gemeinden einen neuen Weg im Wohnungsbau einschlagen müssewn. Besonders das Erbbaurecht, ist zu empfehlen. Und die Gemeinden müssen endlich vorsorglich und reichlich Grund und Boden ankaufen, um ihn zu realistischen Preisen dem Wohnungsbau zur Verfügung stellen zu können. Aus Anlass seiner Entlassung reminisziert am 25. Juni 1907 die Volksstimme aus Magdeburg seine Haltung zum Bau von Wohnungen für Reichsangestellte, die er als dringend notwendig erachtet, damit die Mieter der Ausbeutung durch die Hausbesitzer und Grundeigentümer entrinnen können.

Die sozialdemokratische Wochenschrift Die Neue Zeit (1910) fällt über den Vortrag vom 5. Januar 1910 eine vielsagendes Urteil: "Und wenn Posadowsky noch nicht a. D. wäre, die Kreise, deren Interessen er als Minister vertreten hat, würden, ihn nach dieser Rede schonungslos wegjagen. Doch freilich als er noch im Amte war, hat er an den geheiligten Privilegien der Kapitalisten nicht gerüttelt."

 

 

Das deutsche Volk
ist monarchistisch bis auf die Knochen (1913)

 

 

Posa und das deutsche Volk.
Simplicissimus. 18. Jahrgang, No. 40. München, den 29. Dezember 1913, Seite 687

 

 

Friedensresolution des Reichstages 1917

"Ich habe seinerzeit gegen die Friedensresolution vom Juli 1917 im Reichstag gestimmt ….", teilt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner 1919 den Naumburgern mit und fügt hinzu: "Wer eine solche Friedensresolution faßt, erweckt den Verdacht, daß er die Hoffnung auf den Sieg aufgegeben hat, und erschüttert damit auch die Siegeszuversicht des Heeres."

Ende Januar 1917 eröffnete Deutschland den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Reichskanzler Theobald Bethmann-Hollweg stand ihm skeptisch gegenüber. Bekanntlich brachte er auch nicht den gewünschten Erfolg. US-Präsident Woodrow Wilson antwortete am 4. April mit dem "Kreuzzug für die Demokratie" und erklärte Deutschland den Krieg. Am 19. Juli 1917 nahm der Reichstag mit den Stimmen von SPD, Zentrum, Fortschrittliche Volkspartei eine Friedenresolution an. USPD, Nationalliberale und Konservative wandten sich dagegen. Zuvor verprellte Bethmann-Hollweg die Konservativen mit Vorstellungen von einem Volkskaiser und einer parlamentarischen Monarchie. Mit der Friedensresolution suchte der Reichstag im Juli 1917 ein Ende des Krieges ohne Annexionen und Kontributionen. In Reaktion darauf gründeten mit Unterstützung des Alldeutschen Verbandes antidemokratische und rechtsradikale Kräfte die Vaterlandspartei.

 

 

Abrechnung mit der wilhelminischen Politik
in der Reichskrone von Naumburg

Reichskrone um 1910. Zeichnung.

Am 15. Januar 1919 lädt der Vorsitzende der Ortsgruppe der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Naumburg Dr. med. Jebsen zur Volksversammlung in die Reichskrone am Bismarckplatz ein. Vor einer ausserordentlichen Zahl von Männern und Frauen aller Parteien referiert der DNVP-Kandidat für die Nationalversammlung Arthur Graf von Posadowsky-Wehner Über die heutige Lage und die Aufgaben der Zukunft. Schon eine Stunde vor Beginn ist der grosse Saal überfüllt. Bei Eintritt in den Saal wird der Referent von den Anwesenden mit lebhaftem Beifall begrüsst.

Deutschland baute bekanntlich mit viel Kraft und Geld eine Flotte auf, eröffnet der Graf seine Rede, und fährt fort:

  • Nach dem Ausscheiden des Fürsten Bismarck, fuhren wir "mit vollen Segeln in die Weltpolitik". Wir suchten uns eine starke Flotte zu schaffen und grossen Kolonialbesitz zu erwerben. Das hatte seine Rückwirkung auf die Heeresausgaben. Die sich schnell wiederholenden Flottenvorlagen wurden damit begründet, den Handel zu schützen. Doch im Krieg war sie England zahlenmässig nicht gewachsen. Die Flotte konnte "keine ihrer Aufgaben lösen". Sie konnte weder unseren Handel schützen noch zur Verteidigung der Kolonien beitragen. Damit nicht genug. Nicht mal die Überführung der Truppen der feindlichen Länder auf die belgischen und französischen Schlachtfelder verhinderte sie. So war die Flottenrüstung völlig umsonst.

  • "Man kann sehr zweifelhaft sein, ob es richtig war, durch den unbeschränkten U-Boot-Krieg uns die gewaltige wirtschaftliche und finanzielle Macht Amerikas zu offenem Feinde zu machen …" Besser wäre gewesen, den Bau von U-Booten nicht so zögerlich und spät zu betreiben. Dann hätte "das Resultat des Weltkrieges ein wesentlich anderes" sein können.

  • Deutschland leitete eine verfehlte Kolonialpolitik. Der Wunsch nach Kolonien scheint wirtschaftlich verständlich. "Die Begründung aber, dass wir Kolonien haben müssten, um dorthin unseren Menschenüberfluss abzuführen und dem Vaterlande zu erhalten, war für ein Land wie Deutschland, welches jährlich 1 ¼ Million fremder Arbeiter einführte, um seine Bergwerke auszubauen, seine Fabriken zu betreiben und den deutschen Acker zu bestellen, tatsächlich unrichtig."

  • "Wollten wir erfolgreich Weltpolitik treiben, so durften wir uns bei der Annexion Bosniens und der Herzogowina nicht als Sturmbock Oesterreichs gegen Russland ausnutzen lassen."

  • "Heute kann kein Zweifel mehr darüber sein, dass diese verfehlte Weltpolitik die Möglichkeit geschaffen hat, einen Ring von Feinden um uns zu schmieden, der schliesslich droht, zur Sklavenfessel für uns zu werden."

  • Das System des multilateralen Bündnisgeflechts war eine ganz wichtige Ursache für die unheilvolle Entwicklung zum Weltkrieg.

  • Deutschland darf seine nationalen Kräfte nicht überschätzen, deshalb muss man der Rüstungs-, Kolonial- und Außenpolitik Fesseln anlegen.

Dem Bürger zugewandt, sagt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner am 15. Januar 1919 in der Reichskrone von Naumburg, die "entscheidende Frage der Gegenwart heisst",

"Volksstaat unter Mitwirkung sämtlicher Klassen unseres Volkes oder sozialistischer Staat unter alleiniger Führung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei".

 

 

Kontinuität und Wandel

Am 11. Februar 1919 unterliegt der Vizekanzler a. D. in der Wahl zum Reichspräsidenten dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert. Drei Tage später hält er als DNVP-Fraktionssprecher in der Nationalversammlung die wichtigste Rede seines Lebens. Was kann, was muss der Bürger angesichts der tiefen politischen Krise des Konservatismus und desolaten Lage der bürgerlichen Parteien von ihm erwarten? Verheddert sich der dreiundsiebzigjährige in programmatischen Debatten? Oder ufert alles in Anwürfen oder personellen Streitereien aus? Nicht ohne Grund forderte Theodor Heuss am 17. Januar 1917 in Stuttgart vor der Deutschen Demokratischen Partei, dass die Parteien jetzt ihre Regierungsfähigkeit unter Beweis stellen müssen, um das Land aus der Krise zu führen. Darauf ist die DNVP aber nicht vorbereitet (vgl. Werner Liebe). Was ist Graf Arthur von Posadowsky-Wehner in dieser wahrlich historischen Situation imstande zu leisten?

In den Debatten der Nationalversammlung entwirft er auf der Grundlage konservativ-republikanischer Wertorientierung klare Vorstellungen darüber, wohin Regierung und Staat steuern sollen. Ähnlich wie John Maynard Keynes (1883-1946) erkannte er in Versailles "eine geschichtliche Urkunde volkswirtschaftlichen Unverstandes" (PWc 2897).

Das alte System war für ihn weder ein Obrigkeitsstaat noch staatliche Gewaltherrschaft. Jede "Herabsetzung des alten Staates" lehnt er als inakzeptabel ab. Sein Glaube an die konstitutionelle Monarchie als beste Staatsform, "welche den sicheren Gang der Staatsmaschine gewährleistet" (PWc 2893) ist noch immer gegenwärtig. Aber es wäre völlig falsch, ihn deshalb als Monarchisten zu bezeichnen.

 

Zur Überwindung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen

"1901 hatten auch in Naumburg eine Anzahl Arbeiter ihre Aufnahme in die Wählerliste beantragt. Und da gab es wieder den Beweis, daß die Besitzenden stets bemüht waren, Arbeiter um ihre Rechte zu bringen. Einer Anzahl ärmerer Eltern waren Schulbücher für ihre Kinder von der Armenverwaltung genehmigt worden. Das wurde als Armenunterstützung angesehen, die betreffenden Väter erhielten somit nicht das Wahlrecht." (Leopoldt 238)

Das Dreiklassenwahlrecht galt von 1849 bis 1918 für die Wahl des Abgeordnetenhauses und der Stadtverordneten in Preußen. Vor der Wahl werden die Urwähler entsprechend der von ihnen gezahlten direkten Steuern in drei Wahlklassen eingeteilt, die jeweils zu gleichen Teilen Steuern aufbringen. Dann wählt jede dieser Wahlklassen die gleiche Anzahl von Wahlmännern. Diese bestimmen in einem weiteren Wahlgang die Abgeordneten. Folglich entscheidet eine reiche, oder doch zumindest wohlhabende Minderheit, vertreten in der ersten bzw. zweiten Wahlklasse, mit zwei Drittel der Wahlmänner über die zu wählenden Abgeordneten. Damit gewährt das Dreiklassenwahlrecht ein allgemeines, aber kein gleiches Wahlrecht. Es ist schlicht gesagt undemokratisch! Hiergegen formiert sich Anfang des 20. Jahrhunderts eine Wahlrechtsbewegung. Beispielsweise streiken in Hamburg am 17. Januar 1906 die Arbeiter für ein demokratisches Bürgerschaftswahlrecht.

 

"Wir hatten also in Deutschland das freieste Wahlrecht, das man in Europa kennt ....". "Dem nach Besitz abgestuften Klassenwahlrecht lag über dem die wirtschaftliche Auffassung zugrunde", erklärt Posadowsky-Wehner in Weltwende (83), "dass ein Gleichgewicht bestehen müsse zwischen den Leistungen an den Staat und den politischen Rechten im Staat."

Trotz der überlebten Haltung zum Dreiklassenwahlrecht, trägt er die Wende zum Volksstaat mit. Hierbei will er das konservative Selbstbewusstsein nicht weiter desavouieren. Für ihn war das Kaiserreich kein Obrigkeitsstaat. Ihm ist kein Staat bekannt, wo auf eine derartige Führungsschicht verzichtet werden kann. Sie ist seiner Überzeugung nach die "Grundlage jeder kultivierten Staatsverfassung". Die überzogene nationalistische Erziehung und ihre Folgen kommen nicht zu Sprache. Und das scheint typisch. In Fragen der Bildungspolitik und Erziehung verharrt er lange in konservativ-traditionellen Anschauungsweisen. Doch die Kritik der konservativen Werte der Erziehung a la Posadowsky-Wehner ist schwierig, denn nicht wenigen verlieh er, so wie er sie lebte, allgemeingültigen Charakter. Sein Arbeitseifer und gründliche Arbeitsweise, die Fähigkeit an alle Klassen, Schichten, einschliesslich der Eliten, nachdrücklich die Frage der Gerechtigkeit zu richten, das Bemühen Politik auf Vertrauen, Wahrheit und Recht zu gründen, verdienen hohe Wertschärtung.

Etwas einfacher erscheint der Umgang mit seinen Auffassungen zur deutschen Kriegsschuld, die mit der sozialdemokratischen Volksmeinung und anderer linker politischer Strömungen kollidiert. Für die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts machte er im Frühjahr 1919, was wenig originell, den russischen Panslawismus, den britischen Handelsneid und das französische Revanchestreben verantwortlich. (Dreyer/Lembcke 1993, 170)

Die Vergesellschaftung der Betriebe ist für den DNVP-Frontmann eine Frage, ob dadurch "die Produkte billiger und besser gestaltet" werden können. Es dürfe keine "unsinnigen Lohnsteigerungen" geben, weil das zur Inflation führt. Drohungen gegen das "arbeitslose Einkommen" sind volkswirtschaftlich gefährlich und zersetzend, denn die Betriebe benötigen dringend Kredite und Investitionen. Deshalb darf man das Kapital nicht wegsteuern.

Vor 1918 herrschte nach Posadowsky-Wehner nicht der Militarismus, doch ist er jetzt in Gestalt der Arbeiter- und Soldatenräte "in der weitesten Form zur Macht gelangt".

Hauptsache "keine kommunistischen Experimente" (PWd 752), lautet sein Motto. Die Arbeiter- und Soldatenräte, die "fortgesetzt in die lokale Verwaltung" eingreifen und zur "Desorganisation" beitragen (PWb), betrachtet er als unerwünscht.

Das Betriebsrätegesetz ist vernünftig, doch dürfen die Arbeitnehmer nicht "in die Art des Betriebes selbst hineinsprechen können, dass ihnen die Bilanzen vorgelegt werden müssen" (PWc 2898).

Leider brachte der November 1918 einen "Schlag gegen die Religion selbst". Doch man darf die Kirche nicht behandeln wie einen Privatverein, denn sie ist eine "tausendjährige öffentliche Korporation" (PWe).

Die Quintessenz der Rede von Posadowsky-Wehner lautet: "Wir werden daher an der Wiederaufrichtung des Vaterlandes sachlich und gewissenhaft mitarbeiten. Den gewaltsamen Umsturz haben wir jederzeit verurteilt und halten auch jetzt …. an dieser Auffassung fest." Damit erklärt die Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei in der Nationalversammlung unter seiner Führung die Bereitschaft am nationalen Aufbauwerk mitzuwirken, die Republik zu stärken und die wirtschaftliche Katastrophe abzuwenden. Hieran fügt sich nahtlos das Urteil von Doktor Andreas Grieser (1868-1955), ehemals Staatssekretär im Reichsarbeitsministerium, 1933 von den Nationalsozialisten entlassen, der in ihm einen Politiker erkannte, der konservative Ideen organisch mit der Modernisierung verbinden konnte.

 

Die Idee vom ewigen Deutschtum

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner tut sich schwer, die Idee vom ewigen Deutschtum zu überwinden. Recht deutich trat dies in seiner Haltung zur Ostjudenfrage zu Tage. Am 29. September 1919 verlangt er in der Sitzung des Programm-Ausschusses der Deutschnationalen Volkspartei, dass die "Türen und Tore des Ostens" gegen die "verderblichen Einwanderer" endlich geschlossen werden müssen, weil sie das "Deutschtum" verseuchen und die Lebensmittelknappheit verschärfen. Hans Dieter Bernd (2004) weist ausdrücklich darauf hin, dass dies nicht "biologisch", sondern "ideologisch" gemeint war. Als Parteipolitiker folgt er hier einem politischen Paradigma, dass die Ostjuden potentiell als Revolutionäre darstellt, die undeutsches Gedankengut nach Deutschland bringen, um hier blutigen Terror wie in Russland herzustellen. (Bernd 2004, 108, 188)

Anfang 1920 erhebt der Schriftsteller Herbert von Eulenburg (1876-1949) in der "Vossischen Zeitung" Einspruch gegen die Gedankenlosigkeit und Böswilligkeit mit der die Juden Osteuropas in Deutschland behandelt werden. Der ganze alldeutsch-antisemitische Feldzug gegen die Ostjuden, urteilt in typisch sozialistischer Manier das Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands "Freiheit", ist nur ein Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit auf dem Gebiet des Wohnungswesens und der Arbeiterwanderung mit irgendwelchen positiven Vorschlägen aufzuwarten.

 

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner wohnte am Domplatz 8 (Ägidienkurie)

Kapp-Putsch

DNVP-Mitglied Wolfgang Kapp (1858-1922) putscht im März 1920 gegen die Reichsregierung. Bei den Deutschnationalen gab es dazu unterschiedliche Positionen. Hans Dieter Bernd (2004, 364) charakterisiert sie als "rein taktischer Natur". Auf Posadowsky trifft dies nicht zu. Er macht nicht mit, weil er es mit seiner Überzeugung vom demokratischen Verfassungsstaat nicht vereinbaren kann. Staatssekretär a.D. Graf Posadowsky-Wehner, meldet am 16. April 1920 aus Berlin die Freiheit, die Parteizeitung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, hat den Merseburger Verband der Deutschnationalen Partei (DNVP) gebeten, von seiner Wiederaufstellung als Kandidat zur Nationalversammlung Abstand zu nehmen. Damit missbilligt er die Haltung der Deutschnationalen im Kapp-Putsch und zieht die Konsequenzen. Er verlässt die Putsch-Partei und sucht die Zusammenarbeit mit der Zentrumspartei. Im politisch konservativen Naumburg von Georg Schiele, im Kraftfeld des mächtigen Stahlhelm, dem Kolonialverein und immer noch aktiven Alldeutschen Verband, konnte er jetzt mit einer Einladung zum Treffen der streng nationalen Familie nicht mehr rechnen.

 

Verantwortung der Eliten

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner gesellschaftlicher Funktionsplan für die Kapitaleigentümer und Eliten beschränkt sich nicht auf die allgemeine Formel Eigentum verpflichtet. Er sprach gern vom Materialismus der besitzenden Klasse und sah darin ein Hindernis für die gedeihliche Entwicklung der Gesellschaft. Besitz war seiner Überzeugung nach immer eine Annehmlichkeit, selten ein Verdienst und niemals eine Tugend. Er weist die [Produktionsmittel-] Besitzenden, Oberschicht, Reichen und Eliten konkret in ihre Verantwortung zur Förderung eines gedeihlichen Staatswesens ein. Die wilhelminische Universitäts-, Hochschul- und Kulturelite hatte versagt und ihre moralische Reputation in der Öffentlichkeit eingebüsst. Aus konservativ-demokratischer Perspektive verleiht er dem Selbstverständnis der Elite neue inhaltliche Impulse.

 

Kritisch gegenüber Subventionen

Skeptisch steht er der staatlichen Förderungspolitik von Unternehmen gegenüber. "Ein Staat, der auf Kosten der Steuerzahler fortgesetzt ungeheure Subventionen und Bürgschaften für privatwirtschaftliche Unternehmungen gewährt, verlässt den wirtschaftlichen Grundsatz, dass jeder das Risiko seines Unternehmens tragen muss, wenn nicht der Staat Gefahr laufen soll, in den Strudel des wirtschaftlichen Lebens in einem Maße zu geraten, dass die Grundlage jedes geordneten Staates, geordnete Finanzen, aufs schwerste erschüttert wird." (V&R 213)

 

Rechtsbewusstsein

"Es genügt nicht", fasst Graf Posadowsky 1932 seine Erfahrungen zusammen, "dass die gesetzgebenden Körperschaften fortgesetzt je nach den bestehenden Mehrheitsverhältnissen Gesetze beschließen und die Regierung aus politischen Gründen denselben willfahrt. Gesetze müssen sich durch jahrelange Anwendung im Rechtsbewusstsein des Volkes einbürgern, um tatsächlichen Gesetzeswert zu erlangen; durch die Veröffentlichungen in den Gesetzblättern wird die Rechtskraft nur urkundlich festgestellt, aber kein Rechtsbewusstsein geschaffen." (V&R 72)

Arthur Graf von Posadowsky-Wehner

"Die deutsche Republik aber, die dem Volke als die freiheitlichste Verfassung der Welt in so begeisterten Tönen gepriesen ist, hat leider nur einen Mangel - es fehlt ihr an Republikanern. Eine Republik, wenn sie nicht eine Verfassungslüge sein soll, setzt zu ihrem Bestehen ein tief innerliches, das ganze öffentliche und private Leben beherrschendes Nationalbewusstsein, spartanische Einfachheit der Sitten, edle Selbstlosigkeit und unerschütterliche Pflichttreue der Volksmassen voraus. Nur so ist es möglich, dass das Volk selbst Träger der Regierungsgewalt ist. In einer Republik, in der man den Staat als große Versorgungsanstalt betrachtet, wo man gestützt auf weit verzweigte Interessenverbände rücksichtslose Interessenpolitik treibt und von dem schwer bedrängten Staate immer neue Vorteile zu erkämpfen sucht, wo man zwar fortgesetzt Sparsamkeit fordert, gleichzeitig aber Parteiinteresse maßloseste und finanziell unverantwortliche Wünsche vertritt, wo versteinerte Parteiauffassungen schließlich jede vernünftige stetige Staatsverwaltung unmöglich machen, da fehlt die unentbehrlich Grundlage der Volksherrschaft, der seiner Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen bewusste Bürgersinn." (V&R 115)

Die Wertschätzung und Stärkung des Rechtsbewusstseins verdient grösste Beachtung.

 

Verantwortung der Staatsbürger

 

Was ist
"konservativ"?

"Konservativ sein heißt nicht, die Interessen und Überlieferungen einer Gesellschaftsklasse dauernd festzulegen, konservativ im echten und staatsmännischen Sinne heißt vielmehr: den Staat und die Gesellschaft entsprechend den Anforderungen und Bedürfnissen der Zeit organisch fortzuentwickeln, damit allen Klassen der Bevölkerung die Überzeugung erhalten bleibt, dass der geschichtlich gewordene Staat nicht nur eine innere Notwendigkeit, sondern auch die höchste Wohltat für alle Gesellschaftsklassen ist." (Andreas Grieser - 1868-1955 -. Vorwort zu Volk und Regierung im neuen Reich, 1932, 6)

 

Der Staat braucht seiner Ansicht nach dringend ein beherrschendes Nationalbewusstsein, spartanische Einfachheit der Sitten, edle Selbstlosigkeit und unerschütterliche Pflichttreue der Volksmassen. Das bedeutet, "dass im republikanischen Staatswesen die Pflichten des einzelnen Staatsbürgers erheblich höher sind als in der Monarchie, wo die monarchische Regierung als selbständige Machtquelle der gesetzgebenden Versammlung gegenübersteht und das Recht hat, Gesetzesentwürfe, welche ihr bedenklich erscheinen, abzulehnen. Leider ist in weiten Kreisen diese größere Verantwortlichkeit der Staatsbürger bisher noch nicht zu Bewusstsein gekommen. Es gibt sogar eine Richtung, welche offen erklärt, dass sie mit Politik nichts zu tun haben will. Es ist dies eine Auffassung, welche nur bedacht auf den eignen, behaglichen Lebensgenuss, für keine öffentliche Angelegenheit zu haben ist, die sich nicht auf ihre eignen persönlichen Bestrebungen und Wünsche bezieht." (V&R 72)

 

Freiheit und Pflicht

Bei einer freiheitlichen Verfassung steht vornan als Zeichen für ein hoch entwickeltes Geistesleben die Freiheit des Glaubens und der politischen Meinungsäusserung (V&R 30). Voraussetzung dafür ist erstens die "würdige Selbstbeschränkung jedes einzelnen Staatsbürgers." Ohne diese "muß die verfassungsmäßige versprochene Freiheit schließlich zur inneren Zerrüttung des Volkslebens und Staates führen." (V&R 33)

Zweitens fordert die Verwirklichung individueller Freiheiten staatsbürgerliche Verantwortung. Die erste Bürgerpflicht heisst Abgabe der Wahlstimme. "Nach der Beteiligung an den öffentlichen Wahlen kann man das Gefühl der politischen Verantwortlichkeit und Reife eines Volkes beurteilen." (V&R 73)

Ihm missfällt, dass der Staat zu einer grossen Versorgungsanstalt geworden ist. Das "Parteiinteresse", welches "maßloseste und finanziell unverantwortliche Wünsche vertritt", ist für ihn Ausdruck einer versteinerten Parteiauffassung. (V&R 115)

 

Geburtstag

Zum 80. Geburtstag gratulierten ihm: Reichspräsident Paul von Hindenburg, Reichskanzler Doktor Hans Luther, Reichswirtschaftsminister Albert Neuhaus, General der Infanterie Friedrich Sixt von Armin, Domherr von Naumburg und Großadmiral Hans von Köster, der Vizepräsident des Reichstages Doktor Jakob Riesser, der Ministerpräsident des Freistaates Preußen Otto Braun, der Bund der Domschüler, die Direktion des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg und andere.

 

 

Einweihung der steinernen Gedenktafel im Dom

Zusammen mit der Stadtprominenz weihen die Schüler des Domgymnasiums

am 24. August 1924

an der westlichsten Seite der Nordwand im Kreuzgang des Naumburger Doms ihren im Ersten Weltkrieg gefallenen Kameraden eine steinerne Gedenktafel. 148 Namen sind auf ihr eingemeißelt. Zwei, Ewald und Würzig, fügt man später noch hinzu.

"Von den 16 Abiturienten von Ostern 1912 finden sich sieben auf der Tafel wieder, von 15 Kriegsbegeisterten, die es im August 1914 nicht abwarten konnten, in den Krieg zu ziehen, sind acht Namen in den Stein gehauen," ermittelte Julia Ziegler (2009) in einer Studie über die Kriegsgefallenen des Naumburger Domgymnasiums.

 

Kreuzgang des Naumburger Doms mit Gedenktafel (2005)

Inschrift: Ruhmvoll ist das Schicksal des Gefallenen, glücklich ihr Los.

Auf der langen Ehrenliste steht der Name

Peter-Paul Hollaender.

Er fiel am 26. Oktober 1917 im Alter von 25 Jahren in Flandern. Sein Vater Doktor Ludwig Hollaender war Oberlehrer am Domgymnasium. Mutter Julie Hollaender lebte nach dem Tode ihres Mannes noch etwa zwanzig Jahre in der Grochlitzer Straße 18. Seinen Bruder Doktor Otto Hollaender verfolgten die Nationalsozialisten.

 

An 57. Stelle in der Liste - Es starben im Weltkriege den Tod fürs Vaterland von den ehemaligen Schülern des Domgymnasiums - steht der Name

Gerhard Hemprich.

Er ist der Sohn des grossartigen Lehrers und Jugendpflegers Karl Hemprich (geboren am 17.12.1867), der 1908 aus Freyburg (Unstrut) kam und die Knabenschule (Georgenschule) als Rektor übernahm. 1913 wechselt er als Königlicher Seminar-Oberlehrer auf die neu geschaffene Stelle des Bezirksjugendpflegers in Merseburg und leitet nach Kriegsausbruch im Rahmen seiner Zuständigkeit die Mobilmachung der Jugend. Was und wie alles zu geschehen hat, auf welchen gesetzlichen Grundlagen, wie dies organisiert wird, was die Bezirks-, Kreis- und Ortsausschüsse für Jugendpflege zu tun haben, legt er  1 9 1 4  auf 16 Seiten Format A 5 unter dem Titel

Die militärische Vorbereitung der Jugend
während des mobilen Zustandes

dar. Ein Jahr später zerfleischt die Kriegsbestie seinen Sohn Gerhard, eines seiner vier Kinder aus der Ehe mit Gertrud (geborene Wächter). Der Primaner, blond, blauäugig, hochgewachsen, gesund und immer heiter, hatte sich freiwillig zum Infanterieregiment 67 nach Metz gemeldet. Ihr Sohn Siegfried starb früh. Und Tochter Kätchen raffte eine unheilbare Erkrankung im Alter von acht Jahren dahin. "Diese Wunde hat sich nie wieder geschlossen." Aufopferung und Einfühlungsvermögen des Jugendpflegers haben wahrscheinlich hier ihre Quelle. (Vgl. Weicker 45-47)

 

Alle Domschüler finden sich am Sonntag, den 24. August 1924 um ½  9 Uhr auf dem Schulhof ein. Eine Stunde später sitzen sie brav in der Marienkirche und folgen der Predigt von Pfarrer Mühe:

"Brüder, deutsche Treue bis in den Tod! So waren die unsern, so wollen auch wir werden: Männer der Treue."

 

Es starben im Weltkriege den Tod fürs Vaterland von den ehemaligen Schülern des Domgymnasiums

PDF-Dokument hier
- etwa ein Megabyte

Quelle: Archiv der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeit

 

Nach dem Gottesdienst ziehen Schüler, Lehrer und Gäste im geschlossenen Zug zum Platz des Denkmals in den Kreuzgang des Doms um. Bald fabuliert hier Graf Posadoswky-Wehner von Deutschland als einer sittlichen Weltmacht in des Wortes edelster Bedeutung. Einem Staatsminister a.D. glaubt der in wilhelminischer Tradition erzogene Bürger fast alles. Der Ort ist feierlich geschmückt. Vor der Tafel aus Krensheimer Kalkstein wachen je zwei Offiziere der Marine und der Feldgrauen, Angehörige des Bundes Alter Naumburger Domschüler (BAND). Auf ein Zeichen hin entfernen sie die Verhüllung. Aber zunächst hält der Architekt des Denkmals, Herr Graumüller aus Saaleck, eine kurze Ansprache. Er dankt dem Bildhauer Josef Heise für das Gesamtwerk und Kunstmaler Professor Hugo Gugg (1878-1956) für den überkrönten Aufsatz der Steintafel, die den Kopf eines jugendlichen Kämpfers mit Stahlhelm darstellt. Dann hebt der Vorsitzende vom BAND zur Ansprache an. Dies ist eine Stätte der Trauer, des Dankes und des Trostes, sagt Professor Flemming. Aber dies ist kein Denkmal, das mahnen soll, wie es Julia Ziegler (2009) treffend formuliert, sondern es soll eine Erinnerung an die Kämpfenden sein.

 

Erinnerungsarbeit

Hans-Gert Kirsche,
um 1930:

"Das große Schulfest im Spätsommer wurde weit draußen im Buchholz gefeiert, auf der großen Festwiese beim "Waldschloß" an der Neidschützer Straße, auch das eine Tradition einer an Traditionen reichen Schule, aber im Verlauf nicht so viel anders als anderswo. Erst Sportwettkämpfe der Klassen, ein Handballspiel, Kaffeetafel mit den Eltern und etwaigen Geschwistern, Turn- und Gymnastikvor-führungen auf der Wiese, Theateraufführung der Primaner, Preisverleihung und Siegerehrung. Etwas Besonderes war nur der Abschluss am Abend. Da zogen wir alle mit brennenden Pechfackeln bewehrt in langem Zug wieder in die Stadt hinunter, die Musikkapelle voran. Der Fackelzug endete auf dem Kreuzganghof, wo in einer Ecke die Gedenktafel für die Gefallenen der Schule angebracht war (1914-1918 stand oben, und darunter 165 Namen), gruppierte sich vor den Schwibbogen im Geviert, und die Fackeln wurden in der Mitte zu einem lodernden Scheiterhaufen zusammengeworfen. Irgendwo aus dem Dunkel des Kreuzgewölbes rezitierte ein Sprechchor raunend vaterländische Verse, der flackernde Flammenstoß warf gespenstische Lichter auf die im Hintergrund düster aufragende viertürmige Kulisse des Domes, und uns alle durchschauerte weihevolle Rührung, während die Musik intonierte: "Ich hatt' einen Kameraden...". Nicht mehr als vier Jahre später wurde es Zeit, an eine neue, noch größere Tafel zu denken: man hatte wieder angefangen, massenhaft fürs Vaterland zu töten und zu sterben."

Hans-Gert Kirsche

 

Dann werden die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen 150 Domschüler feierlich verlesen. Anschließend hebt Arthur Adolf Graf von Posadowsky-Wehner Freiherr von Postelwitz zur Rede an:

"Der Krieg hat ungezählten Familien unheilbare Wunden geschlagen und über unser gesamtes Vaterland unsägliches Leid gebracht. Die Ereignisse der Vergangenheit erscheinen uns bisweilen wie ein böser Traum, man fragt sich immer von Neuem, wie es möglich war, dass dieses mächtige Deutschland, von Kaiser Wilhelm I. und seinem großen Staatsmann auf unabsehbare Zeit geschaffen, nach kaum einem halben Jahrhundert von seiner stolzen Höhe sinkt. …. Deutschland ist ein Kontinentalstaat; es ist das Herzstück Europas. Wie ein Felsen schien es zu stehen inmitten unseres Erdteils, in der trüben Flut politischen Hasses und heimlicher Begehrlichkeit unserer Feinde ringsum. Seine sozialen, wissenschaftlichen und technischen Leistungen, seine Bildungsstätten, sein Beamtentum und seine Staatseinrichtungen wurden trotzdem in aller Welt bewundert. ... Weder die Regierung noch das deutsche Volk haben den Krieg gewollt; er ist von unseren offenen und heimlichen Feinden im Stillen jahrelang gegen uns geplant, militärisch vorbereitet und uns schließlich aufgezwungen [worden]. … Das große deutsche Volk darf niemals auf seine Zukunft verzichten …"

"So möge" dieser Gedenkstein, fährt die Rede fort,

"einen Merkstein bilden zur Aufrichtung des von Unrecht geknechteten Vaterlandes."

Eben genau diese Metapher bemühen salbungsvoll die deutschnationalen, völkischen und alldeutschen Vordenker immer wieder bei Ehrungen, Kranzniederlegungen und Festakten. Daran knüpft die Revisions- und Revanchepolitik der Nationalsozialisten an. Stahlhelm-Studentenring "Langemarck" und die Stadtverwaltung giessen es im September 1933 in den Beton des Langemarck-Denkmals.

Zur Einweihung der steinernen Gedenktafel im Dom flackert wieder die Erinnerung an das heroische Zeitalter und seine Moral (!) auf, das in der Revolution 1918/19 untergegangen ist. Der Redner bemüht einen Vers aus dem siebenstrophigen Wechselgesang des Vorspiels zur Trilogie Wallenstein, Ein dramatisches Gedicht von Schiller (1800). Er steht im Kontext des Dreißigjährigen Krieges und lautet:

"Und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein."

Diese gesellschaftliche Moralauffassung trägt nicht zur Überwindung des Menschenbildes bei, das zur Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts führte. "Wer stirbt, ist gleichgültig," persifliert sie Die Dialektik der Aufklärung (91), "es kommt aufs Verhältnis der Vorfälle zu den Verpflichtungen der Kompanie an."

 

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP)

Ende Juni 1925 publizierte Posadowsky in der deutschnationalen Presse mehrere Aufsätze zum Aufwertungsgesetz, dass am 10. Juli 1925 im Deutschen Reichstag zur Debatte stand. Dass die Deutschnationale Fraktion dem Aufwertungskompromiss zustimmen könnte, erschien ihm unmöglich, weil dies im schärfsten Gegensatz zu ihren bisherigen Forderungen und Versprechungen stand. In diesem Kontext schrieb er: "Es ist ein Grundfehler der Aufwertungsgesetzgebung, dass sie die rechtlichen, sozialen und politischen Gesichtspunkte völlig außer Acht gelassen hat. Von staatsmännischem Geist spürt man in ihr keinen Hauch." (Nach Keil 1925)

Um den 16. Oktober 1926 berichteten die Zeitungen, dass die verschiedenen Sparergruppen die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (VRP) gegründet haben. Ihr Führer ist Graf Arthur von Posadowsky-Wehner aus Naumburg. Sie trotzen mit der Regierung, weil das Gesetz über die Aufwertung von Hypotheken und anderen Ansprüchen vom 16. Juli 1925 einen Vermögensverlust bis zu 97 Prozent brachte. Am 21. Oktober 1927 kommen die Anhänger der VRP zur Versammlung im Preußischen Hof zusammen und delegieren den Vizekanzler a. D. zum Parteitag nach Stuttgart.

Bei den Preussischen Landtagwahlen am 20. Mai 1928 erringt die Volksrechts-Partei zwei Mandate. Eins nimmt Posadowsky wahr. Obwohl sich die Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung ein halbes Jahr nach seinem Tod in Hitlers Arme wirft, darf man nicht sagen, dass er dem nationalsozialistischen Herrschaftsmodell irgendwie nahegestanden hat. Nicht die Diktatur war sein Ziel, sondern der Volksstaat, der die faire Beteiligung aller Klassen und Schichten an der Machtausübung bewerkstelligen soll.

 

 

Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung, Volksrechtspartei, (VRP)

 

       

Wahlen

Stimmen
Prozent
Mandate
       

Landtag Preussen
20. Mai 1928

234.033
0,05
2

Naumburg

462
   
       

Reichstag
20. Mai 1928

428.697
1,6
 

Naumburg

498
   
       

Reichstag 1930

217.198
0,9
 
       

Landtag Preussen
24. April 1932

44.119
   

Naumburg

59
   
       

Reichstag Juli 1932

40.825
0,1
 
       

Reichstag November 1932

46.202
0,1
 
       

 

 

Konservativer Vordenker
der staatsbürgerlichen Erziehung

Als Dechant des protestantischen Domkapitels Rechtsritter des Johanniterordens übernimmt Arthur Graf von Posadowsky-Wehner für die Domschule eine Vordenkerfunktion in der staatsbürgerlichen Erziehung der Jugend.

 

Stiftisches Domgymnasium
Studiendirektor Dr. Bruno Kaiser

Patronat
Domkapitel zu Naumburg an der Saale

Herr Staatsminister a.D.
Dr. Graf von Posadowsky-Wehner

 

In diesem Licht muss man seine Rede auf dem Festakt aus Anlass des 900-jährigen Jubiläums der Domschule vom 29. August bis 1. September 1930 sehen.

"Ich entsinne mich noch gut an die 900-Jahr-Feier der Schule im Sommer 1930," schreibt ein Zeitzeuge, "die mit großem Pomp begangen wurde.

Als Vierjähriger sah ich aus einem Fenster unserer Wohnung am Bismarckplatz (der jetzt nicht mehr so heißt) den Festzug unter mir vorbeiziehen, in dem mein Bruder unter den Sextanern und mein Vater unter den Abiturienten des Jahrgangs 1907 mit marschierten. Rührend und zugleich imponierend das Defilee dieser unzähligen dickbäuchigen, glatzköpfigen oder grauhaarigen alten Herren, die aus aller Welt gekommen waren, um mit der blauen Schülermütze auf dem Kopf das Jubiläum ihrer alten Schule zu feiern." (Kirsche 2006)

Viele hundert Schüler und Gäste reisen Ende August 1930 nach Naumburg. Vor Beginn der Feierstunde müssen die Teilnehmer von der Aula in der Marienkirche in den Dom umziehen. Der 85-jährige Dechant hält die Festrede. Besonderen Wert legt er auf sittliche und ethische Erziehung der Jugend. Wie er darüber denkt, brachte er bereits am 2. April 1918 auf dem Christlich-sozialen Kongress in Dresden klar zum Ausdruck:

"Wir sollten uns enger an das Eigene anschliessen und unsere Heimat höher schätzen lernen, die Jugend zu glühendem Staatsbewusstsein, zu Sparsamkeit, Sittenstrenge, Tüchtigkeit erziehen."

Ganz ähnlich formuliert er nun zwölf Jahre später zum 900-jährigen Jubiläum der Domschule seinen Standpunkt:

"Das selbstlose Staatsgefühl ist es, welches zur Größe eines Volkes führt, erhaben über den Streit der Parteien. Die höchste Aufgabe der Schule ist es deshalb, dieses Staatsgefühl in den Herzen der Jugend zu entwickeln … Die Schule soll nicht nur wissenschaftlich lehren, ihre hohe Pflicht ist, sittlich zu erziehen."

"Religiöses Gefühl, Achtung vor den Rechten der anderen, strenge Selbstbeschränkung, sachliches und damit gerechtes Urteil über den Menschen und Zustände, körperliche Selbstzucht, das sind die Aufgaben der ethischen Erziehung, welche der Schule neben der Bahn der Wissenschaft obliegen." (Büchner 1933, 33)

Der von Arthur Graf von Posadowsky-Wehner präsentierte Wertekanon der schulischen Erziehung gilt bei den Nationalsozialisten nicht als erstrebenswert. Hier spiegelt sich der Unterschied zwischen wertkonservativer und nationalsozialistischer Denkweise.

 

1932 erscheint sein Buch Volk und Regierung im neuen Reich. Aufsätze zur politischen Gegenwart.

 

Am 23. Oktober 1932 stirbt Arthur Adolf Graf von Posadowsky-Wehner in Naumburg.

 

Die Stadtgeschichte muss noch grosse Anstrengungen unternehmen, um die Verdienste, Leistungen, Ideen und die regionale Wirkung des konservativ-reformfreundlichen Politikers aufzuarbeiten und darzustellen.

 

 

Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik - Das Kabinett Bauer, Band 1, Dokumente, Nr. 71. Bericht des Preußischen Staatskommissariats für die Überwachung der öffentlichen Ordnung über gegenrevolutionäre
Bestrebungen. [2. Oktober 1919], Seite 281-284. http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei1919-1933/cocoonAdR/AdR/0000/bau/bau1p/kap1_2/para2_72.html

Bahlke, Joachim: Sozialpolitik als Kulturaufgabe. Zu Leben und Wirken des schlesischen Politikers Arthur Graf von Posadowsky-Wehner (1845-1932). In: Silesia Nova, 4/ 2006, Seite 93 bis 100

Bernd, Hans Dieter: Die Beseitigung der Republik auf "legalem" Weg. Die Funktion des Antisemitismus in der Agitation der Führungsschicht der DNVP. Dissertation. FernUniversität Hagen, Neuere Deutsche Geschichte. Gutachter Professor Dr. Peter Brandt und Priv.-Doz. Dr. Arthur Schlegermilch, Achen, Dezember 2002

Büchner, P. (Braunschweig): Erinnerungen an Dr. Graf. von Posadowsky-Wehner. "Posener Tageblatt". Posen, den 24. November 1932

Bunsen, Marie von: Zeitgenossen die ich erlebte. 900-1930. Verlegt bei Koehler & Amelang GmbH, Leipzig1932

Dreyer, Michael, Oliver Lembcke: Die deutsche Diskussion um die Kriegsschuldfrage 1918/19. Duncker & Humblot GmbH, Berlin 1993

[Über Herbert von Eulenburg] Eine Stimme für die Ostjuden. "Freiheit. Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands". Berlin, den 21. Februar 1920

Ein neuer Reichs-Schatzssekretär. "Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". Berlin, den 13. August 1893

Gladen, Albin: Geschichte der Sozialpolitik in Deutschland. Eine Analyse der Bedigungen, Formen, Zielsetzungen und Auswirkungen. Franz Steiner Verlag GmbH, Wiesbaden 1974

Graf Posadowskys Kandidatenrede. "Voralberger Landes-Zeitung". Bregenz, den 1. Dezember 1911

Hagenlücke, Heinz: Deutsche Vaterlandspartei. Kommission für die Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien e.V., Bonn. Droste Verlag, Düsseldorf 1997

Horkheimer, Max, Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Fischer Verlag, Frankfurt am Mai 1997

Grieser, Dr. Andreas: Zum Geleit Graf Posadowsky. In: Volk und Regierung im neuen Reich. Aufsätze zur politischen Gegenwart v. Dr. theol. (h.c.), Dr. med. (h.c.), Dr. jur. Arthur Graf Posadowsky-Wehner, Allgemeinem Stellvertreter des Reichskanzlers, Kaiserlicher Staatssekretär des Innern, Königl. Preuß. Staatsminister i. R. Mit Gedenkwort v. Staatssekretär Dr. A. Grieser, Berlin. Richard Schröder Verlag, Berlin 1932

Hemprich, Karl: Die militärische Vorbereitung der Jugend während des mobilen Zustandes. Verlag A. W. Zickfeldt, Osterwieck (Harz) und Leipzig 1914

Herzig, Simone: Die "Ära Posadowsky". Posadowskys Beitrag zur staatlichen Sozialpolitik im Deutschen Kaiserreich. Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Band 11, Heft 1, 2012, Seite 47-59

Heuss, Theodor: Deutschlands Zukunft [Rede vor der Deutschen Demokratischen Partei am 17. Januar 1919 in Stuttgart]. In: Deutsche Reden. Herausgegeben von Walter Hinderer. Teil II. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1973, Seite 857 bis 881

Holzbach, Heidrun: Das "System Hugenberg". Die Organisation bürgerlicher Sammlungspolitik vor dem Aufstieg der NSDAP. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1981

Keil, Wilhelm. Redebeitrag des Abgeordneten Keil, SPD. Zweite Beratung des Aufwertungsgesetzes. 91. Sitzung, Freitag, den 10. Juli 1925. Verhandlungen Reichstages. III. Wahlperiode 1924. Band 386 Stenographische Bericht vom 12. Juni 1925 bis 17. Juli 1925. Druck und Verlag der Reichstagsdruckerei, Berlin 1925, Seite 2934 bis 2941

Kirsche, Hans-Gert: Der Primanerkreuzgang. Internetseite des Stadtmuseums Naumburg, www.museumnaumburg.de, Januar 2006

Kramer, Klaus Dieter: Freiherr. Ein Naumburger. NT. Naumburger Tageblatt. 3. Dezember 2014. https://www.naumburger-tageblatt.de/freiherr-ein-naumburger-366786

Leopoldt, Adolf: Rote Chronik der Kreise Zeitz, Weißenfels, Naumburg. Herausgeber SPD. Unterbezirk Zeitz-Weißenfels-Naumburg 1931

Liebe, Werner: Die Deutschnationale Volkspartei 1918-1924. Droste Verlag, Düsseldorf 1956

Meldung zu Arthur Posadowsky-Wehner. "Freiheit. Organ Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands", Berlin, den 16. April 1920

Ministerieller Massensturz. "Volksstimme. Tageszeitung der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei". Magdeburg, den 25. Juni 1907

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 9. Sitzung des Reichstages. Montag, den 13. Dezember 1897 [Betreffend der Kritik an August Bebel]. Fortsetzung der ersten Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend der Feststellung des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1898, nebst Anlagen, in Verbindung mit der ersten Beratung. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. In: Verhandlungen des Reichstags. IX. Legislaturperiode. V. Session. Erster Band. Von der Eröffnungssitzung am 30. November 1897 bis zur 30. Sitzung am 1. Februar 1898. Von Seite 1 bis 789. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1898, Seite 171 bis 176

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von, Staatsminister, Staatsekretär des Inneren:
Rede vor dem Reichstag. Zweite Beratung des Reichshauhalts-Etats für das Rechnungsjahr 1902. 124 Sitzung. 22. Januar 1902. In:
Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. X. Periode. 10. Legislaturperiode, II. Session 1900/03. Vierter Band. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags Anstalt, Berlin 1902, Seite 3583 bis 3586

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 36. Sitzung des Reichstages. 6. Februar 1906. In: Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages: XI. Legislaturperiode, II. Session. Erster Sessionsabschnitt vom 28. November 1905 bis 28. Mai 1906. Zweiter Band. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1906, Seite 1047 bis 1051

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 10. Sitzung des Reichstages. Dienstag, den 5. März 1907 In: Verhandlungen des Reichstags. XII. Legislaturperiode. I Session, Band 227. Von der Eröffnungssitzung am 19. Februar 1907 bis zur 30. Sitzung am 16. April 1907. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1907, Seite 252 bis 253

Posadowsky-Wehner, Dr. Graf von: Rede. 14. Sitzung des Reichstages. Sonnabend, den 9. März 1907. Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, Befähigungsnachweis, Ausverkaufswesen, Arbeitszeit der Fabrikarbeiterinnen, Arbeitskammer. In: Verhandlungen des Reichstags. XII. Legislaturperiode. I Session, Band 227. Von der Eröffnungssitzung am 19. Februar 1907 bis zur 30. Sitzung am 16. April 1907. Druck und Verlag der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1907, Seite 344 bis 347

Posadowsky. Die Wohnungsfrage als Kulturproblem. Vortrag, gehalten in München am 5. Januar 1910 in einer öffentlichen Versammlung des Bayerischen Verbandes für Wohnungsförderung. München Ernst Reinhardt, 32 Seiten. Rezension. In: Die Neue Zeit. Wochenschrift der Sozialdemokratie. 28 (1909-1910), Zwei Bände (1910), Heft 42, Seite 541 bis 542

[Posadowsky-Wehner] Vortrag des Grafen von Posadowsky-Wehner. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 17. Januar 1919

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Rede in der Nationalversammlung. 7. Sitzung. Freitag, den 14. Februar 1919. Bayerische Staatsbibliothek, Münchner Digitalisierungszentrum, Digitale Biblothek. Verhandlungen des Reichstages, Band 326, 1919/20, Seite 79 bis 88. http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000010_00086.html

[PWa] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 27. März 1919, Seite 836 bis 839
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000011_00107.html

[PWb] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 27. März 1919, Seite 836 bis 839
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000011_00107.html

[PWc] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 7. Oktober 1919, Seite 2892 bis 2900
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000014_00032.html

[PWd] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 13. März 1919, Seite 752
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000011_00023.html

[PWe] Rede von Graf von Posadowsky-Wehner. Reichstagsprotokolle 1919/20, 1. Nationalversammlung. 14. Februar 1919, Seite 79 bis 88.
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000010_00086.html

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Gegen die Unterzeichnung des Friedensvertrages. 22. Juni 1919. In: Politische Reden III. 1914 bis 1915. Herausgegeben von Peter Wende unter Mitarbeit von Andreas Fahrmeir. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Mai 1994, Seite 271 bis 287

Graf Posadowsky über die politische Lage. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 25. September 1919

Die Ostjudenfrage. "Freiheit. Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands", Berlin den, 1.Juli 1920

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Weltwende. Gesammelte politische Aufsätze von Graf Posadowsky. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart 1920

[Posadowsky] Rede von Posadowsky-Wehner zur Denkmalseinweihung am Sonntag, den 24. August 1924. In: Domgymnasium zu Naumburg an der Saale. Bericht der Hauptversammlung des Bundes der Alten Domschüler und die Denkmalsweihe. Naumburg, 1924, Seite 14 bis 15

Posadowsky-Wehner. In: Bund alter Naumburger Domschüler zu Naumburg a. d. Saale, Viertes Mitgliederverzeichnis und Bericht über die Denkmaleinweihe. Druck von H. Sieling, Naumburg an der Saale, Ostern 1925

Posadowsky, Graf: Im Lichte der Wirklichkeit. "Naumburger Tageblatt", Naumburg, den 9. Januar 1926

Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Staatsmann aus Glogau. "Neuer Glogauer Anzeiger", Juni 2001, Heft 6

[Über] Graf von Posadowsky-Wehner. "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 3. Juni 1930

[Über] Graf von Posadowsky 85 Jahre alt. "Deutsche Allgemeine Zeitung". Ausgabe Groß-Berlin. Berlin, den 3. Juni 1930

[Über] Graf Posadowsky. "Frankfurter Zeitung". Frankfurt am Main, den 25. Oktober 1932

Reichskanzler, Der. Reichsamt des Inneren. Berlin, den 11. Dezember 1897. [Unterzeichnet] In Vertretung: Graf Posadowsky. In: Vorwärts. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Berlin, den 15. Januar 1897, Seite 1

Schemann, Ludwig: Wolfgang Kapp und das Märzunternehmen vom Jahre 1920. J. F. Lehmanns Verlag München, Berlin 1937

Freiherr: Ein Naumburger [Über Arthur Graf von Posadowsky-Wehner]. Von Klaus-Dieter Kramer. "Naumburger Tageblatt". Online:
http://www.naumburger-tageblatt.de/freiherr-ein-naumburger-366786, 03. Dezember 2014

Voigt, Arno: Bilder vom Jagow-Prozess. "Die Weltbühne". 18. Jahrgang, 12. Januar 1922, Heft Nummer 2, Seite 31 ff.

[V & R] Posadowsky-Wehner, Arthur Graf von: Volk und Regierung im neuen Reich. Aufsätze zur politischen Gegenwart von Dr. Arthur Graf Posadowsky-Wehner, Allgemeinem Stellvertreter des Reichskanzlers, Kaiserlicher Staatssekretär des Innern, Königl. Preuß. Staatsminister i. R. Mit Gedenkwort v. Staatssekretär Dr. A. Grieser, Berlin 1932

Weicker, Hans, Stadtjugendpfleger von Weissenfels: Der Mensch, sein Werden und sein Wirken. In: Hans Weicker und Emil Saupe: Karl Hemprich. Ein Leben im Dienste der Jugend. Verlag Friedrich Stollberg (Ernst Schnelle), Merseburg (Saale) 1927, Seite 5 bis 94

Wittko, Paul: Graf von Possadowsky. "Weser-Zeitung". Nummer 276, 2. Juni 1925

Ziegler, Julia: Versuch der Rekonstruktion der Lebensgeschichte WK I - Kriegsgefallener des Naumburger Domgymnasiums. Universität Leipzig, Historisches Seminar, Abgabe: 10. Juli 2009, Erstkorrektor: Professor Dr. A. Kenkmann

 

Autor: Detlef Belau


Urfassung: 2005.
Ergänzt. 2012 und 2014

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